[labournet:] Dieselgate: Fetisch Auto trifft Fetisch Arbeit

Dossier

je suis autoIn unse­rem Ende 2015 eröff­ne­tem Dos­sier “Wer wird für den Die­sel­ga­te bezah­len? Na? Wer wohl?” ging es noch um die Fra­ge, wel­che Fol­gen der VW-Skan­dal für die Beleg­schaft haben wird. Für uns stand damals fest: “Wie alle Kata­stro­phen wird auch die­se gegen die Lohn­ab­hän­gi­gen benutzt – und ziem­lich sicher nicht nur die­je­ni­gen bei VW…” Mitt­ler­wei­le steht auch fest, dass der teil­wei­se begon­ne­ne Umstieg auf Elek­tro­an­trie­be mit Job­ver­nich­tung, Ver­schlech­te­run­gen und Aus­la­ge­run­gen ein­her geht oder dazu benutzt wird, so z.B. bei Daim­ler Sin­del­fin­gen oder Daim­ler Unter­türk­heim. Doch gehört zum Pro­fil des Labour­Net Ger­ma­ny, dass wir zwar für best­mög­li­che Arbeits­be­din­gun­gen ein­tre­ten, doch keins­falls für Arbeits­plät­ze um jeden Preis. Und doch gel­ten sie aktu­ell und mal wie­der als Argu­ment, trotz her­stel­ler­über­grei­fen­dem Die­sel­ga­te und den nun bekannt gewor­de­nen – kei­nes­falls über­ra­schen­den – Kar­tell­ab­spra­chen der Auto­mo­bil­in­dus­trie in die­sem Zusam­men­hang, um sowohl am Die­sel als auch am Pro­dukt Auto fest­zu­hal­ten. Es geht hier­bei kei­nes­falls nur um Arbeits­plät­ze auf der einen Sei­te und um Pro­fi­te auf der ande­ren Sei­te, den Flan­ken­schutz gegen eine gesell­schaft­lich und öko­lo­gisch sinn­vol­le Mobi­li­tät erhal­ten die Auto­in­dus­trie wie die IG Metall von einer brei­ten gesell­schaft­li­chen Uni­on der deut­schen Bür­ge­rIn­nen und ihrem Fetisch Auto… Mag es ein Zufall sein, dass die­se Debat­te nur weni­ge Wochen auf­kommt, nach­dem ein Auf­schrei die Repu­blik erschüt­ter­te über die schlimms­te der Gewalt­for­men: Der an Auto wäh­rend der G20-Pro­tes­te… Die­sen nicht nur arbeits­markt­po­li­ti­schen Hin­ter­grün­den wid­met sich unser Dos­sier:

  • [»Car is over – say good-bye«] Eine Web­site sam­melt Argu­men­te gegen das Auto: “Ver­strickt mit dem Auto“ New
    “Unter dem Mot­to »Car is over – say good-bye« ging in der ver­gan­ge­nen Woche eine Web­site online, die sich für »Ver­än­de­run­gen des Welt­ver­kehrs« aus­spricht. Das Auto sei in die »Matrix der deut­schen Geschich­te ein­ge­schrie­ben wie das Fett in die Leber­wurst«, meint die Kura­to­rin Eva Ber­lin-Schmidt. [Ursprüng­lich war eine Aus­stel­lung im Ber­li­ner Haus der Sta­tis­tik ­geplant. Auf­grund der Covid-19-­Pan­de­mie ver­öf­fent­li­chen Sie Tex­te und Bil­der auf der Web­site cari​s​over​-say​good​bye​.de. Wie sind Sie auf die Idee gekom­men, ein Pro­jekt gegen das Auto zu ­kura­tie­ren?] Das Mobi­li­täts­the­ma hat mich immer schon inter­es­siert. Aus­schlag­ge­bend war für mich aber der Die­sel­skan­dal und der öffent­li­che Umgang damit, der mich wahn­sin­nig geär­gert hat. In Deutsch­land wur­de der Diesel­skandal fast wie ein Kava­liers­de­likt wahr­ge­nom­men, man hat­te Mühe, den über­haupt als ein Ver­bre­chen zu ver­ste­hen. Anders in den USA, wo es nach der Auf­de­ckung eine sofor­ti­ge Straf­ver­fol­gung gab. Damals habe ich noch geraucht. Da kam ich auf die Idee, ob man nicht ein­mal Warn­hin­wei­se für Autos ent­wi­ckeln müss­te. Ich habe dann mit einem Freund Warn­hin­weis­auf­kle­ber gedruckt und ver­teilt. [Was stand auf die­sen Warn­hin­wei­sen?] Das ging vom pla­ka­ti­ven »Autos sind töd­lich« bis hin zu »Kin­der von ­Auto­fah­rern wer­den oft selbst Auto­fah­rer«. Wir haben ein­fach ver­sucht, die­se Warn­hin­wei­se, die es auf Ziga­ret­ten­schach­teln gibt, auf das Auto anzu­wen­den. Aus die­ser Idee ent­stand vor zwei Jah­ren die Face­book-Sei­te »Warn­hin­weis Auto«, auf der wir ver­sucht haben, den Dis­kurs über das Auto abzu­bil­den. Schließ­lich ­haben wir Freun­de und Bekann­te ange­fragt, sich wei­ter mit dem The­ma zu beschäf­ti­gen, so dass dar­aus das Pro­jekt »Car is over – say good-bye« ent­stan­den ist. [Wie lau­tet Ihre Kri­tik am Auto?] Auf unse­rer Home­page kri­ti­sie­ren wir weni­ger, dass das Auto so und so ­vie­le Ver­kehrs­to­te pro Jahr pro­du­ziert, in gro­ßem Maße am CO2-Aus­stoß betei­ligt ist oder sich die gan­ze Ver­kehrs­po­li­tik an ihm aus­rich­tet. Uns beschäf­tigt etwas ande­res: Wie ist unser Ver­hält­nis zum Auto auf den unter­schied­li­chen Ebe­nen: his­to­risch, kul­tu­rell, bio­gra­phisch, emo­tio­nal? Wie weit gehen unse­re Ver­stri­ckun­gen mit dem Auto? An dem, wie das Auto kul­tu­rell und in unse­ren Bio­gra­phien ver­ar­bei­tet wur­de, kann man sehr viel dar­über her­aus­fin­den, wie unter­schied­li­che Aspek­te in unse­rer Gesell­schaft funk­tio­nie­ren. So ist das Auto bei­spiels­wei­se ein sehr patri­ar­chal auf­ge­stell­tes Objekt…“ Inter­view von Mar­tin Brandt mit Eva Ber­lin-Schmidt vom 03.09.2020 in der Jung­le World online externer Link – sie­he dazu die emp­feh­lens­wer­te Home­page externer Link
  • Deutsch­land einig Auto­land: Die Kraft­fahr­zeug­pro­duk­ti­on ist die Leit­in­dus­trie in der Bun­des­re­pu­blik. Zu dem Eigen­tums- und Macht­ver­hält­nis­sen bei Daim­ler, BMW und VW 
    “… Von ehe­mals vie­len deut­schen Auto­her­stel­lern blie­ben drei, BMW, Daim­ler und VW, übrig. Nach der Lis­te »For­tu­ne Glo­bal 500«, die die nach Umsatz erfolg­reichs­ten Unter­neh­men für das Jahr 2018 ver­sam­melt, ist VW der welt­weit siebt­größ­te Kon­zern über­haupt und der zweit­größ­te Auto­kon­zern nach Toyo­ta. Daim­ler belegt in der Bran­che den drit­ten Platz, den 16. bei allen Kon­zer­nen. BMW hat Platz acht bei den Auto­kon­zer­nen und Platz 51 bei allen Kon­zer­nen und steht damit noch vor Sie­mens (Platz 66). BMW, Daim­ler und VW über­leb­ten ande­re Her­stel­ler, indem sie sich die­se ein­ver­leib­ten. Schon in den 1950er und 1960er Jah­ren eröff­ne­ten sie Filia­len in den USA, Latein­ame­ri­ka und Süd­afri­ka. Die Schaf­fung des EU-Bin­nen­mark­tes und die als »Glo­ba­li­sie­rung« ver­klär­te, gegen­sei­ti­ge Markt­öff­nung für die mono­po­lis­ti­sche Kon­kur­renz in den 1990er Jah­ren mach­ten die Bahn frei für Über­nah­men in West- und Süd­eu­ro­pa. Chi­nas Öff­nung 1978 und der Fall der Mau­er 1989 ebne­ten den Weg für Joint Ven­tures und Inves­ti­tio­nen in Ost­eu­ro­pa und Asi­en. In Deutsch­land bele­gen VW, Daim­ler, BMW nach Umsät­zen die ers­ten drei Plät­ze. All das ver­weist auf die über­ra­gen­de Bedeu­tung der Auto­in­dus­trie für die deut­sche Volks­wirt­schaft. Wäh­rend in ande­ren euro­päi­schen Län­dern das Gewicht der Auto­in­dus­trie zurück­ging, stieg in der BRD von 2005 bis 2015 ihr Anteil an der gesam­ten Brut­to­wert­schöp­fung von 3,4 auf 4,5 Pro­zent, inner­halb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes sogar von 15 auf 19,6 Pro­zent, erar­bei­tet von 871.000 Beschäf­tig­ten. (…) – in der Regel enga­giert sich der Staat so, dass die Scho­nung der Pro­fi­te der Auto­kon­zer­ne Vor­rang vor den gesund­heit­li­chen Bedürf­nis­sen und dem Geld­beu­tel der Bür­ger hat. Kürz­lich stell­te die Regie­rung sogar den Plan einer (zuvor laut­hals gefor­der­ten) soge­nann­ten Digi­tal­steu­er zurück, aus Furcht, Donald Trump kön­ne sich mit höhe­ren Steu­ern auf Auto­ex­por­te rächen…” Arti­kel von Bea­te Lan­de­feld bei der jun­gen Welt vom 10. Janu­ar 2019 externer Link – die­ser Arti­kel ist ein Vor­ab­druck aus der neu­en Aus­ga­be der Zeit­schrift Mar­xis­ti­sche Blät­ter mit dem Schwer­punkt »›Die­sel­ga­te‹, Ver­kehrs­cha­os, Umwelt­kri­se«.
  • »Alle sind ner­vös«: Die Trans­for­ma­ti­on der Auto­mo­bil­in­dus­trie und das pro­gres­si­ve Lager 
    “… Die Auto­mo­bil­in­dus­trie gehört zu den öko­no­mi­schen Fun­da­men­ten der Bun­des­re­pu­blik. 41 End­mon­ta­ge­wer­ke, vie­le mit­tel­stän­di­sche Zulie­fe­rer, ein viel­glied­ri­ges Wert­schöp­fungs­netz­werk mit etwa 1,5 Mil­lio­nen Beschäf­tig­ten. Die gan­ze Bran­che ist aus meh­re­ren Rich­tun­gen unter Druck, und das wirft vie­le Fra­gen auch für eine kri­ti­sche Öko­no­mie und das pro­gres­si­ve Lager auf: von der öko­lo­gisch enga­gier­ten Zivil­ge­sell­schaft über die Gewerk­schaf­ten und Mit­te-Links-Par­tei­en bis hin zu For­schung und alter­na­ti­ver Wirt­schaft. Die schlag­zei­len­träch­ti­gen Äuße­run­gen von Lob­by­is­ten der Indus­trie, die Hoff­nun­gen der Gewerk­schaf­ten, der kri­mi­nel­le Abgas­be­trug und die mög­li­chen Fol­gen der neu­en pro­tek­tio­nis­ti­schen Wel­le sind dabei nur ein Teil – es sind die Geräu­sche, die eine gro­ße, über die­se Ein­zel­aspek­te hin­aus­rei­chen­de Trans­for­ma­ti­on macht. Wor­um es geht, haben die jüngs­ten Kon­junk­tur­zah­len ein biss­chen ange­deu­tet: Der Rück­gang des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes im drit­ten Quar­tal um 0,2 Pro­zent wur­de weit­hin mit den Pro­ble­men erklärt, wel­che die Auto­mo­bil­in­dus­trie bei der Umstel­lung auf ein neu­es Abgas­test- Ver­fah­ren habe. Ein Hus­ten der Bran­che, so Ulrich Bochum in der Dezem­ber-Aus­ga­be der Zeit­schrift »Sozia­lis­mus«, kann »die Wirt­schafts­leis­tung der gesam­ten Repu­blik ins Stot­tern« brin­gen. Mit der Auto­mo­bil­in­dus­trie kommt eine gan­ze Fabrik­kul­tur, kom­men auch bis­her ande­re Berei­che prä­gen­de Beschäf­ti­gungs­struk­tu­ren, Arbeits­for­men, for­dis­ti­sche Arran­ge­ments usw. in eine pre­kä­re Lage. Die Aus­wir­kun­gen des bereits lau­fen­den Wan­dels auf regio­na­le Beschäf­ti­gung, öffent­li­che Haus­hal­te, kom­mu­na­le Kul­tur und so wei­ter dürf­ten gra­vie­rend sein. Wer von die­sem Wan­del spricht, wird nicht davon abse­hen kön­nen, dass er eine gesamt­wirt­schaft­li­che und gesamt­ge­sell­schaft­li­che Dimen­sio­nen hat – Ener­gie­er­zeu­gung, Infra­struk­tur, Qua­li­fi­ka­ti­on. Da haben wir noch nicht ein­mal mit der Fra­ge begon­nen, ob und wie ein Umbau Rich­tung wei­ter­ge­hen­der Alter­na­ti­ven mög­lich ist. Und selbst eine Eta­ge unter­halb von Ideen mit uto­pi­schem Über­schuss ist offen, wie jener »kom­pli­zier­te Drei­schritt« aus­se­hen könn­te, von dem Bochum spricht – näm­lich »Kli­ma­schutz, neue Geschäfts­mo­del­le und siche­re Arbeits­plät­ze mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen«. (…) Das ist nicht so ent­schei­dend, ent­schei­dend ist die Dimen­si­on, wie Timo Daum das für die Rosa-Luxem­burg-Stif­tung unlängst for­mu­liert hat: »Der Auto­mo­bil­in­dus­trie steht der wahr­schein­lich größ­te Umbruch ihrer Geschich­te bevor. Der fos­si­le Antrieb wird durch den elek­tri­schen abge­löst und der Mensch am Steu­er wird von Algo­rith­men ver­drängt. Zudem brin­gen neue Genera­tio­nen, die mit dem Inter­net und digi­ta­len Ser­vices auf­ge­wach­sen sind, eta­blier­te Nut­zungs­wei­sen und Geschäfts­mo­del­le ins Wan­ken. Eine Trans­for­ma­ti­on des Mobi­li­täts­sek­tors – wie vie­ler ande­rer Berei­che auch – zum digi­ta­len Ser­vice zeich­net sich ab. « Als spe­zi­el­le Her­aus­for­de­rung für die deut­schen Her­stel­ler kommt »ihre Glo­ba­li­sie­rungs- oder Inter­na­tio­na­li­sie­rungs­stra­te­gie« hin­zu. 77 Pro­zent der Pkw-Pro­duk­ti­on gehen in den Export. …“ Bei­trag von Tom Stroh­schnei­der vom 30.11.2018 beim Oxi-Blog externer Link
  • Kraft­fahrt-Bun­des­amt macht Wer­bung für die Auto­in­dus­trie und ver­schickt 1,5 Mio. Brie­fe 
    “Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt (KBA) hat im Abgas­skan­dal lan­ge Zeit kei­ne beson­ders gute Figur gemacht. Erst in jüngs­ter Zeit wur­de es mit etli­chen Zwangs­maß­nah­men in der Abgas­af­fä­re gegen Auto­her­stel­ler sei­ner Funk­ti­on als Kon­troll­organ des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums anschei­nend gerecht. Nun aller­dings unter­gräbt ein Schrei­ben der Behör­de erneut ihre Glaub­wür­dig­keit. Im Novem­ber ver­sand­te das KBA rund 1,5 Mil­lio­nen Brie­fe an Hal­ter von Die­sel­fahr­zeu­gen, die nicht der neu­es­ten Abgas­norm ent­spre­chen. Das Schrei­ben infor­miert dabei über die Umtausch­prä­mi­en der Her­stel­ler und die Mög­lich­keit, den alten Die­sel durch einen neu­en zu erset­zen. Ange­schrie­ben wer­den alle Auto­fah­rer, deren Pkw in einer Regi­on zuge­las­sen sind, in der ein Stick­stoff­oxid-Jah­res­mit­tel­wert von 50 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft über­schrit­ten wird. Das KBA sieht den Brief als Teil der Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne, um die auf dem Die­sel­gi­p­fel beschlos­se­nen Maß­nah­men umzu­set­zen. (…) Damit noch nicht genug. Wei­ter­hin wird auf Hot­lines und Inter­net­prä­sen­zen drei­er Her­stel­ler hin­ge­wie­sen – und zwar von BMW, Daim­ler und VW. Ange­ge­ben sind dort die Ruf­num­mern und Inter­net­adres­sen der drei gro­ßen Her­stel­ler, die einen direkt zu den Die­sel-Umtausch­pro­gram­men der Fir­men lei­ten. Immer­hin wird der Hal­ter noch dar­über infor­miert, dass es ihm unbe­nom­men blei­be, “sich auch bei ande­ren Her­stel­lern über lau­fen­de Umtausch­ak­tio­nen zu infor­mie­ren”. (…) “Das ist ein unglaub­li­cher Vor­gang. Die Bun­des­re­gie­rung betreibt Wer­bung für die Auto­her­stel­ler”, sagt Jür­gen Resch, Geschäfts­füh­rer der Deut­schen Umwelt­hil­fe. Er erwar­te, dass sich die Bun­des­re­gie­rung für das Wohl der Bür­ger ein­set­ze und nicht ein­mal mehr die Inter­es­sen der Auto­her­stel­ler ver­tre­te…“ Arti­kel von Chris­ti­an Frahm vom 06.11.2018 in Spie­gel online externer Link, sie­he dazu:
    • Auf der Nase her­um­ge­fah­ren. Kurt Sten­ger über den Umgang der Die­sel­au­to­her­stel­ler mit dem Staat
      Falls Sie wis­sen wol­len, wo Sie ihren alten Die­sel­s­tin­ker gegen eine üppi­ge Umtausch­prä­mie los­wer­den kön­nen, dann fra­gen Sie doch mal in Flens­burg nach: Das Kraft­fahrt­bun­des­amt sam­melt nicht nur Infor­ma­tio­nen über rück­sichts­lo­se Ver­kehrs­row­dys und ist für Tests an neu­en Auto­mo­del­len ver­ant­wort­lich, son­dern wirbt nun auch für den Neu­kauf. Selbst die Hot­lines der deut­schen Her­stel­ler hat die dem Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um unter­ste­hen­de Behör­de in einem Schrei­ben den Die­sel­au­to­be­sit­zern gesteckt. Die aus­län­di­schen Auto­bau­er sind natür­lich stink­sauer, dass sie nicht genannt wer­den: Ihre deut­schen Kon­kur­ren­ten haben mit ihren Betrü­ge­rei­en den Die­sel­skan­dal ins Rol­len gebracht – und nun sol­len sie von der Flot­ten­er­neue­rung pro­fi­tie­ren. Die Flens­bur­ger Losung lau­tet: Ver­schrot­tung eines Stin­ker-Audis gegen Kauf eines neu­en Audis – und nicht eines Toyo­tas, Vol­vos oder Kias. Ist das der Lohn für die Wei­ge­rung von VW, Daim­ler und BMW, end­lich ihre alten Die­sel auf eige­ne Kos­ten so nach­zu­rüs­ten, dass sie die Stadt­luft nicht ganz ver­pes­ten?…” Kom­men­tar von Kurt Sten­ger vom 08.11.2018 beim ND online externer Link
  • Leben wir in einer Demo­kra­tie oder in einer Auto-kra­tie? 
    Wenn deut­sche Auto­fir­men gegen­über Chi­na, Japan, Korea oder auch gegen­über Tes­la das E‑Auto ver­schla­fen, sind natür­lich wie­der die Ande­ren Schuld oder die feh­len­den Lade­säu­len. (…) Wer gefähr­det wirk­lich die Jobs in der deut­schen Auto­mo­bil­wirt­schaft? Wenn deut­sche Auto­fir­men gegen­über Chi­na, Japan, Korea oder auch gegen­über Tes­la das E‑Auto ver­schla­fen, sind natür­lich wie­der die Ande­ren Schuld oder die feh­len­den Lade­säu­len. Jetzt hat auch das Kraft­fahrt­bun­des­amt Straf­an­zei­ge gegen Opel gestellt – wegen kri­mi­nel­ler Machen­schaf­ten. Ex-Audi-Chef Stad­ler sitzt bereits im Gefäng­nis und Ex-VW-Chef Win­ter­korn droht Gefäng­nis in den USA. Wer also gefähr­det wirk­lich die Jobs in der deut­schen Auto­mo­bil­wirt­schaft? Doch eher die Auto­bos­se selbst als stren­ge­re Umwelt­auf­la­gen. In den USA muss­te VW bereits vie­le Mil­li­ar­den Dol­lar Stra­fe bezah­len. Auch dafür ist nicht die Umwelt ver­ant­wort­lich, son­dern kri­mi­nel­le deut­sche Auto­ma­na­ger. Es ist auch nicht die böse Poli­tik, wel­che VW, Daim­ler oder BMW zu hohe Auf­la­gen vor­schreibt, eher hat die Poli­tik den Trick­se­rei­en all­zu lan­ge taten­los zuge­se­hen. Immer mehr stellt sich die Fra­ge: Leben wir in einer Demo­kra­tie oder in einer Auto-kra­tie?...” Kom­men­tar von Franz Alt vom 28. Okto­ber 2018 bei tele­po­lis externer Link
  • Deut­sche Umwelt­hil­fe bewer­tet „Die­sel-Kon­zept“ der Bun­des­re­gie­rung als „Dop­pel­te Null­lö­sung“ – Mer­kel erneut vor der Auto­mo­bil­in­dus­trie ein­ge­knickt 
    „Die Deut­sche Umwelt­hil­fe (DUH) kri­ti­siert das soeben von der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­stell­te, soge­nann­te „Kon­zept für sau­be­re Luft“ als „dop­pel­te Null­lö­sung“ für die Luft­rein­hal­tung und als wei­te­ren Beleg für die wah­ren Macht­ver­hält­nis­se in der Auto­re­pu­blik Deutsch­land. „Drei Jah­re war­ten Mil­lio­nen unter gif­ti­gen Die­sel­ab­ga­sen lei­den­den Men­schen nun auf das Tätig­wer­den einer Bun­des­re­gie­rung, die sich wei­ter im Wür­ge­griff der Die­sel­kon­zer­ne befin­det“, so Jür­gen Resch, Bun­des­ge­schäfts­füh­rer der DUH. Auch den von Die­sel­fahr­ver­bo­ten betrof­fe­nen elf Mil­lio­nen Auto­hal­tern ver­wei­gert die Bun­des­re­gie­rung wei­ter­hin eine wirk­sa­me Hil­fe. Sie kön­nen nicht, wie ursprüng­lich ange­kün­digt, ihren Betrugs-Die­sel zurück­ge­ben und sich den Kauf­preis bezie­hungs­wei­se einen um 20 Pro­zent erhöh­ten Zeit­wert erstat­ten las­sen. Auch die soge­nann­te „Umtausch­prä­mie“ ist ein Mus­ter ohne Wert. Es geht der Bun­des­re­gie­rung dabei aus­drück­lich nicht um sau­be­re Neu­fahr­zeu­ge. Es genügt, wenn im Tausch belie­big schmut­zi­ge Gebraucht­fahr­zeu­ge aus­ge­ge­ben wer­den. Wich­tig scheint nur, dass die­se for­mal – noch – nicht von Fahr­ver­bo­ten betrof­fen sind. Bei der Hard­ware-Nach­rüs­tung schließ­lich ist die Bun­des­re­gie­rung eben­falls mit allen For­de­run­gen geschei­tert. Weder ist die Auto­mo­bil­in­dus­trie bereit, die Kos­ten für den Aus­tausch ver­bind­lich zu über­neh­men – die Bun­des­re­gie­rung „erwar­tet“ dies nur. Auch der Gewähr­leis­tung ver­wei­gern sich die für die Betrugs-Die­sel ver­ant­wort­li­chen Her­stel­ler...“ Pres­se­mit­tei­lung von Deut­sche Umwelt­hil­fe vom 02.10.2018 externer Link und – fast selbst­ver­ständ­lich – ganz anders die IG Metall:
  • IG Metall bewer­tet das Kon­zept der Bun­des­re­gie­rung für sau­be­re Luft posi­tiv für Arbeits­plät­ze und Auto­fah­rer 
    “… Mit dem Paket, das die Bun­des­re­gie­rung am Mon­tag­abend geschnürt hat, besteht aus Sicht der IG Metall end­lich die Chan­ce, das Stick­oxid­pro­blem in den beson­ders belas­te­ten Städ­ten schnell und wirk­sam zu lösen, ohne die Auto­be­sit­zer unzu­mut­bar zu belas­ten und die Sicher­heit zig­tau­sen­der Arbeits­plät­ze in der Auto- und Zulie­fer­indus­trie zu gefähr­den. Die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer in der Auto­bran­che dar­un­ter lei­den, dass der Ver­kauf von Die­sel­fahr­zeu­gen in der lan­gen Zeit der Unsi­cher­heit stark zurück­ge­gan­gen ist. Sie und die ver­un­si­cher­ten Die­sel­au­to­fah­rer erhal­ten jetzt mehr Klar­heit und Sicher­heit. (…) Die­sel­fah­rer mit Autos, die weni­ger als 270 Milligramm/​Kilometer Stick­oxid pro Kilo­me­ter aus­sto­ßen, kön­nen künf­tig auch in Städ­ten fah­ren, in denen Fahr­ver­bo­te bestehen. Das gilt auch für Wagen der Schad­stoff­klas­sen Euro 4 und Euro 5. Mit dem neu­en Grenz­wert von 270 mg/​km wur­de ein Maß­stab geschaf­fen, den etli­che Fahr­zeu­ge ein­hal­ten kön­nen, gege­be­nen­falls mit einer Soft­warenach­rüs­tung. Damit wis­sen die ver­un­si­cher­ten Besit­zer von Die­sel­fahr­zeu­gen end­lich, wor­an sie sind. Sie haben Klar­heit, ob sie wei­ter mit ihren bis­he­ri­gen Autos in Städ­te fah­ren kön­nen, ohne Geld in teu­re Nach­rüs­tun­gen inves­tie­ren zu müs­sen – die sich bei älte­ren Fahr­zeu­gen ohne­hin oft kaum mehr ren­tie­ren wür­den…“ Mit­tei­lung der IG Metall vom 02.10.2018 externer Link
  • Die­sel-Skan­dal: Wie die Auto­her­stel­ler vom Abgas­skan­dal pro­fi­tie­ren
    Die Her­stel­ler dür­fen ihren Gewinn um die Kos­ten für gut fünf Mil­lio­nen Soft­ware-Nach­rüs­tun­gen min­dern. Allein bei den Update­kos­ten von 100 bis 200 Euro je Fahr­zeug lie­ße sich der Gewinn bran­chen­weit um bis zu eine Mil­li­ar­de Euro min­dern und ein drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag an Steu­ern spa­ren. Die deut­sche Auto­in­dus­trie bekommt in der Abgas­af­fä­re Hil­fe von den Steu­er­be­hör­den. Die betrof­fe­nen Her­stel­ler kön­nen die Kor­rek­tur der ver­ur­sach­ten Abgas­pro­ble­me steu­er­lich abset­zen. So geht es aus einer Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge der Lin­ken her­vor. “Die den Her­stel­lern ent­ste­hen­den Kos­ten sind bilanz­recht­lich Betriebs­aus­ga­ben der Unter­neh­men”, schreibt Wirt­schafts-Staats­se­kre­tär Rai­ner Baa­ke in dem Papier, das der Süd­deut­schen Zei­tung vor­liegt. (…) Auch die Bele­ge für jene bis zu 10 000 Euro schwe­ren Rabat­te, die Käu­fer beim Umstieg von einem alten auf ein neu­es Die­sel-Auto win­ken, soll­ten die Kon­zer­ne auf­be­wah­ren. Auch sie kön­nen mög­li­cher­wei­se steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den. So legt es Baa­kes Ant­wort nahe. (…) Unter­neh­men oder Pri­vat­per­so­nen kön­nen die Wert­min­de­rung ihrer Fahr­zeu­ge nicht abset­zen. Das hat­te die Regie­rung bereits kurz nach Beginn der Affä­re im Fall VW klar gestellt…” Arti­kel von Mar­kus Bal­ser vom 23. Sep­tem­ber 2017 bei der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Der Tes­la-Schock
    “Das Fest­hal­ten maß­geb­li­cher Tei­le der deut­schen Eli­ten an der Die­sel-Tech­no­lo­gie bringt die deut­sche Kfz-Bran­che in einen erns­ten Rück­stand gegen­über ihrer aus­wär­ti­gen Kon­kur­renz. Die­se Auf­fas­sung ver­tre­ten Beob­ach­ter in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und in Groß­bri­tan­ni­en, denen zufol­ge die deut­sche Auto­in­dus­trie vor einem “Tes­la-Schock” steht: Wäh­rend die Nach­fra­ge nach US-Elek­tro­fahr­zeu­gen rasant stei­ge, gehe die­je­ni­ge nach deut­schen Die­sel­mo­del­len auf lan­ge Sicht stark zurück. Tat­säch­lich hat die Bun­des­re­gie­rung die deut­schen Kon­zer­ne vor Inno­va­ti­ons­druck geschützt, indem sie deren Inter­es­sen auch im Aus­land durch­ge­setzt hat. So hat Ber­lin nicht nur bei der Ein­füh­rung von CO2-Grenz­wer­ten in der EU, son­dern auch bei der Fest­set­zung einer Elek­tro­au­to­quo­te in Chi­na zur Redu­zie­rung des Schad­stoff­aus­sto­ßes kräf­tig gebremst. Im aktu­el­len Die­sel­skan­dal setzt Ber­lin die­se poli­ti­sche Linie fort…” Bericht vom 31. August 2017 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link
  • Die­sel­ga­te und Auto­ge­sell­schaft 
    “Die öffent­li­che Debat­te zu Die­sel­ga­te wird extrem ver­kürzt geführt. (…) Win­fried Wolf, Chef­re­dak­teur von Lunapark21, schrieb Ende der 1980er Jah­re ein Buch mit dem Titel „Sack­gas­se Auto­ge­sell­schaft“. Vor dem Hin­ter­grund von Die­sel­ga­te und anläss­lich die­ser 28 Jah­re zurück­lie­gen­den Publi­ka­ti­on führ­te die „Sozia­lis­ti­sche Zei­tung –SoZ“ das bei Lunapark21 am 23. August 2017 ver­öf­fent­lich­te Inter­view mit Win­fried Wolf externer Link. Win­fried Wolf im Inter­view: “… Hin­ter „Die­sel­ga­te“ ste­hen drei (…) Vor­gän­ge, ein objek­ti­ver Pro­zess und zwei sub­jek­ti­ve Pro­zes­se: Ers­tens ist da die Kon­kur­renz inner­halb der inter­na­tio­na­len Auto­in­dus­trie zu nen­nen. (…) Zwei­tens gibt es einen deut­li­chen Wer­te­wan­del hin­sicht­lich des Sta­tus­sym­bols Auto. (…) Drit­tens schließ­lich gibt es die bedroh­li­che Erwär­mung des Kli­mas und die Ver­all­ge­mei­ne­rung der Erkennt­nis, dass dabei die Auto­in­dus­trie bzw. der Ver­kehr mit Pkw und Lkw eine erheb­li­che Rol­le spielt. (…) Gene­rell gilt: Das Geld, das die Gesell­schaft für den Erhalt und den Aus­bau der Auto­ge­sell­schaft, die mit Tod, Lei­den und Zer­stö­rung ver­bun­den ist, aus­gibt, ist Geld für Mobi­li­tät und Trans­port. Die­ses Geld wird für eine kapi­tal­in­ten­si­ve Pro­duk­ti­on aus­ge­ge­ben: viel Geld wird ver­wandt, um viel Kapi­tal zu bewe­gen und rela­tiv weni­ge Men­schen zu beschäf­ti­gen. Der oben skiz­zier­te Fünf-Punk­te-Plan für eine alter­na­ti­ve Trans­port­or­ga­ni­sa­ti­on, die Umwelt schützt, Gesund­heit erhält und das Kli­ma schont, wür­de eben­falls aus­schließ­lich Geld ein­set­zen, das (bis­lang) für Mobi­li­tät und Trans­port aus­ge­ge­ben wird. Wir brau­chen grund­sätz­lich kein „neu­es Geld“ für die­se Alter­na­ti­ve. Doch es wür­de sich bei Ver­wirk­li­chung der alter­na­ti­ven Trans­port­or­ga­ni­sa­ti­on um eine sehr arbeits­in­ten­si­ve Form der Inves­ti­tio­nen han­deln: man wür­de für das­sel­be Geld deut­lich weni­ger totes Kapi­tal bewe­gen und Mil­lio­nen Men­schen mehr beschäf­ti­gen kön­nen – und dies bei deut­lich redu­zier­ten Arbeits­zei­ten. Der Aus­stieg aus dem Auto­wahn ist aus Sicht der Men­schen, der Natur, der Umwelt, dem Kli­ma und der Gesamt­wirt­schaft, der Volks­wirt­schaft, ein win-win-Pro­jekt.”
  • Die­sel­ga­te – oder wie man sich selbst belügt 
    “… Beim Wort “Fahr­ver­bo­te” bekom­men auf jeden Fall die ver­meint­li­chen Kli­ma­schüt­zer glän­zen­de Augen. Ver­bo­te, das klingt gut, das klingt wirk­lich nach Action und nicht nur nach neu­en poli­ti­schen Kom­pro­mis­sen um Arbeits­plät­ze und Kli­ma­po­li­tik. Jetzt end­lich ret­ten wir die Welt und mit dem Gar­aus für den Die­sel in Stutt­gart fan­gen wir an. Doch gemach. Wer ger­ne etwas ver­bie­ten will, muss erst ein­mal wis­sen, was wirk­lich gro­ßen Scha­den anrich­tet. Die Klei­nig­keit, die bei der extrem emo­tio­nal geführ­ten Debat­te näm­lich übli­cher­wei­se über­se­hen wird, ist die schlich­te Tat­sa­che, dass bis­her fast aus­schließ­lich über Grenz­wer­te gere­det wird. (…) Der wah­re Skan­dal hin­ter Die­sel­ga­te ist die Tat­sa­che, dass der rea­le Ölpreis heu­te nicht höher ist als 1970, also vor der ers­ten Ölkri­se. (…) In einer glo­ba­len Markt­wirt­schaft wird es kei­nen Abschied von der fos­si­len Ener­gie­trä­gern geben, ohne dass eine fun­da­men­ta­le und lang­an­dau­ern­de poli­tisch insze­nier­te Wen­de bei den Prei­sen für die­se Ener­gie­trä­ger zustan­de kommt. (…) Mit der Preis­wen­de kann man auf natio­na­ler Ebe­ne begin­nen, wenn man es wirk­lich ernst meint, indem man die Steu­ern auf alle Pro­duk­te sys­te­ma­tisch und lang­an­dau­ernd erhöht, die mit Hil­fe von fos­si­len Ener­gie­trä­gern her­ge­stellt wer­den. Man kann auch die Emis­si­on von CO2 direkt besteu­ern oder Zer­ti­fi­ka­te aus­ge­ben, die CO2 Aus­stoß begren­zen und deren Preis andau­ernd steigt, weil der Staat die Men­ge der Zer­ti­fi­ka­te andau­ernd zurück­fährt…” Bei­trag von Hei­ner Flass­beck vom 15. August 2017 bei Tele­po­lis externer Link, sie­he dazu:
    • Anm.: Nun ja, Herr Flass­beck, wäre die Arbeit kei­ne Zwangs­ver­an­stal­tung (wie gera­de von Ihnen befür­wor­tet), müss­ten deut­lich weni­ger Men­schen mit ihrem Auto zwangs­wei­se zu den immer mehr fle­xi­bi­li­sier­ten Arbeits­stel­len fah­ren. Dafür sol­len sie nun auch noch mehr zah­len, obwohl die Nied­rig­lohn­po­li­tik immer wei­ter fort­schrei­tet?? Besteht nicht eher die Lüge in der absur­den Idee, man könn­te den Kapi­ta­lis­mus durch Preis­er­hö­hun­gen sozia­li­sie­ren? “Revo­lu­tio­när” wäre da eher die Wei­ge­rung zur Arbeit zufah­ren, weil man eben nicht die Umwelt nur des­halb ver­schmut­zen will, um aus­ge­beu­tet zu wer­den? Auch die Mög­lich­keit, eine von der sozi­al­staat­li­chen Sank­ti­ons­ma­schi­ne ange­bo­te­ne Arbeits­stel­le abzu­leh­nen, weil sie die Umwelt belas­tet, wäre da sozia­ler als Sozia­li­sie­rung durch staat­li­che Preis­er­hö­hung
    • Alles ist ein­ge­preist. Neo­li­be­ra­le Öko­no­mik, Die­sel­ga­te und das Trug­bild “Preis”
      “… Fast könn­te man mei­nen, dass der neo­li­be­ra­le Kapi­ta­lis­mus ohne Betrug und Täu­schung auf Dau­er nicht mehr ren­di­te-effi­zi­ent wirt­schaf­ten kann. Abspra­chen, Mani­pu­la­tio­nen, Kor­rup­ti­on schei­nen an der Tages­ord­nung zu sein, um Pro­duk­te über­haupt noch ver­kau­fen zu kön­nen. Karl Marx‘ Fest­stel­lung, dass die Ware, das Pro­dukt eine Hie­ro­gly­phe sei (heu­te auch die Finanzmarkt-“Ware”), die ent­zif­fert wer­den müs­se, scheint in die­sem Zusam­men­hang aktu­el­ler denn je. Wer heu­te ein T‑Shirt für zehn Euro kauft, der weiß nichts dar­über, ob die­se Ware unter mensch­li­chen Bedin­gun­gen her­ge­stellt wur­de, genau­so wie Spe­zia­lis­ten kom­ple­xe Finanz­markt­pro­duk­te nicht immer ver­stan­den; und wer weiß schon, was wie in sei­nem Neu­wa­gen ver­baut wur­de, was der Preis sei­nes Neu­wa­gens mög­li­cher­wei­se ver­heim­licht. Was sagt also der Preis aus, was ist ein­ge­preist, wie es gebets­müh­len­ar­tig bei fast jeder Bör­sen­sen­dung zu hören ist? (…) Der Preis als nor­ma­ti­ves Merk­mal ist unbrauch­bar, ver­schlei­ert mehr, als dass er ver­deut­licht; er ist immer noch eine Hie­ro­gly­phe und letzt­lich nur ein buch­hal­te­ri­sches Mit­tel, um Kos­ten, Ren­di­ten etc. aus­zu­rech­nen; er gibt z. B. kei­ner­lei Aus­kunft über ethi­sches Ver­hal­ten, ver­nach­läs­sigt wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen, erzeugt Kri­sen und damit meist unnö­ti­ge Kos­ten und Schul­den zu Las­ten des Steu­er­zah­lers oder Ver­brau­chers, die dann durch poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen kor­ri­giert wer­den müs­sen – wie beim Die­sel­skan­dal.” Bei­trag von Klaus Wei­nert vom 16. August 2017 bei Tele­po­lis externer Link
  • Ver­kehr der Zukunft: Kön­nen wir aufs Auto ver­zich­ten?
    “… Umwelt­freund­li­che Autos sind längst kon­zi­piert und wür­den längst gebaut wer­den, sagt Axel Fried­rich. Wenn die Poli­tik ver­bind­lich Grenz­wer­te vor­schrei­ben wür­de. Aber soll­te man in Zukunft über­haupt aufs Auto set­zen? (…) Vie­le Ideen lagern schon seit lan­gem in Schub­la­den, bis­her wur­den sie im Auto­fahr­er­land Deutsch­land nicht ange­packt – wir wol­len sie dis­ku­tie­ren. “Die Auto­in­dus­trie hat die Moral ver­lo­ren”, sagt der Ver­kehrs­ex­per­te Dr. Axel Fried­rich. Der ehe­ma­li­ge Abtei­lungs­lei­ter im Umwelt­bun­des­amt pran­gert seit Jah­ren die ekla­tan­ten Mess­un­ter­schie­de zwi­schen Labor und Stra­ße an und for­dert Gegen­maß­nah­men. Damit mach­te er sich kei­ne Freun­de – weder bei der Indus­trie, noch bei der Poli­tik. Seit sei­nem Vor­ru­he­stand im Jahr 2008 arbei­tet er als unab­hän­gi­ger Bera­ter unter ande­rem für Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. (…)Der Umwelt­ex­per­te sieht in dem der­zei­ti­gen Skan­dal aber auch eine Chan­ce für eine Ver­kehrs­wen­de: “Wir brau­chen Städ­te, die für Men­schen, nicht vor allem für Autos kon­zi­piert sind.” Dazu gehö­re ein mas­si­ver Aus­bau des öffent­li­chen Ver­kehrs und eine För­de­rung des Fuß- und Fahr­rad­ver­kehrs, wie es bei­spiels­wei­se Kopen­ha­gen vor­ma­che. (…) Ein Umsteu­ern kön­ne nur erfolg­reich sein, wenn es den Men­schen attrak­tiv gemacht wer­de, vom Auto in Bus, Bahn oder aufs Fahr­rad umzu­stei­gen oder Car­sha­ring-Ange­bo­te zu nut­zen.” Axel Fried­rich und Mar­tin Ran­del­hoff im Gespräch mit Klaus Pokatz­ky beim Deutsch­land­funk Kul­tur vom 12. August 2017 externer LinkAudio Datei (Pod­cast­dau­er: ca. 90 Min.)
  • Die­sel-Gate: Die Ver­ur­sa­cher sol­len zah­len! 
    “… Bei all­dem kön­nen die Auto­bos­se nicht nur auf die Zuar­beit von Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen zäh­len, son­dern auch auf die der Füh­rung der Gewerk­schaf­ten und der Betriebs­rä­te. (…) Das spie­gelt die jahr­zehn­te­lan­ge Poli­tik des Co-Manage­ments und einer wett­be­werbs­ori­en­tier­ten Stand­ort­lo­gik wider, die vor allem durch die Betriebs­rä­te in der Auto­in­dus­trie ver­folgt wird. Lei­der gibt es zu die­ser Hal­tung der IG Metall-Füh­rung und der Betriebs­rats­fürs­ten bis­her kaum einen sicht­ba­ren Gegen­pol. Ent­spre­chend sehen sich vie­le Beschäf­tig­te in der Auto­in­dus­trie – auch aus Angst um ihren Arbeits­platz – viel­leicht eher in einer Ver­tei­di­gungs­hal­tung ihrer Unter­neh­men. Die Stand­ort­lo­gik ihrer Gewerk­schafts­füh­rung bedeu­tet jedoch unterm Strich nichts Gutes für die Beschäf­tig­ten. (…) Die Kon­zern­bos­se ver­su­chen jetzt, die Die­sel­kri­se auch noch zu nut­zen, um die Beschäf­tig­ten zu ver­un­si­chern. Auch die Per­spek­ti­ve eines Pro­duk­ti­ons­um­stiegs auf E‑Autos, die wesent­lich weni­ger Kom­po­nen­ten haben, wird von Sei­ten der Mana­ger genutzt, um mit Arbeits­platz­ab­bau oder Stand­ort­ver­la­ge­rung zu dro­hen und auch damit wei­te­re Zuge­ständ­nis­se von Betriebs­rä­ten zu erpres­sen. Der Ver­zichts­lo­gik der IG Metall-Füh­rung muss eine kämp­fe­ri­sche Stra­te­gie und For­de­run­gen wie Erhalt aller Arbeits­plät­ze, dras­ti­sche Arbeits­zeit­ver­kür­zung bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich, freie Wochen­en­den etc. ent­ge­gen gesetzt wer­den. Dies muss mit einer Per­spek­ti­ve für den Umbau des Indus­trie­zwei­ges ver­bun­den wer­den…” Arti­kel vom 10.8.2017 von Ange­li­ka Tewe­leit externer Link, gewerk­schafts­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SAV, bei eben die­ser
  • Was ist schlim­mer: Bren­nen­de Autos oder 10.000 Tote jähr­lich durch Stick­oxi­de? 
    “… Die „deut­sche Wirt­schaft“ hält sich nur noch über Was­ser durch mil­lio­nen­fa­chen Betrug, durch schärfs­te Aus­beu­tung, durch Leih- und Zwangs­ar­beit. Ihre kri­mi­nel­le Ener­gie hat nun eine wei­te­re Eska­la­ti­ons­stu­fe erreicht. Nicht nur VW, nicht nur Audi, nicht nur Daim­ler. Nein, sie alle haben eine kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung gebil­det, haben sich jah­re­lang abge­spro­chen, wie sie – im Namen des Pro­fits und auf Kos­ten von Men­schen­le­ben – die hal­be Welt am bes­ten über‚s Ohr hau­en kön­nen. (…) Gedul­det vom Arbei­ter, der genau weiß, dass er es ist, der für die Mil­li­ar­den­stra­fen blu­ten und den Kopf für die Kapi­ta­lis­ten wird hin­hal­ten müs­sen, wenn er wei­ter schläft. Nein, wir kön­nen es uns kei­ne Minu­te län­ger mehr leis­ten, bei unse­rem Leben, wir müs­sen die Fabri­ken und das gan­ze Land end­lich in den Griff bekom­men, in unse­ren Griff…” Aus dem Flug­blatt vom August 2017 , geschrie­ben, ver­teilt und finan­ziert von Ver­trau­ens­leu­ten und Betriebs­rä­ten des Daim­ler-Wer­kes Bre­men
  • Raus aus die­ser Mobi­li­täts-Sack­gas­se allein mit dem Auto 
    Ist ein Aus­weg aus der aktu­el­len Auto­mo­bil-Mobi­li­täts-Fal­le mög­lich? Das heißt: Gibt es eine Auf­lö­sung für die­ses Dilem­ma als “Auto­mo­bil-Nati­on”? Mit einem Minis­ter­prä­si­dent in sei­ner Dop­pel­funk­ti­on als Auf­sichts­rat?…” Kom­men­tier­te Pres­se­schau von Vol­ker Bahl vom 10.8.2017 zum aktu­el­len Stand der Debat­te
  • Clean Ener­gy: Ihr seid doch nicht ganz sau­ber! Anstatt aus fos­si­len Brenn­stof­fen aus­zu­stei­gen, wird ihre Nut­zung sprach­lich rein­ge­wa­schen
    “Für man­chen ist es nur eine Fra­ge der Sprach­re­ge­lung in der Öffent­lich­keits­ar­beit, neu­deutsch “Wor­d­ing” genannt, für ande­re haben Begrif­fe wie “Clean Coal” oder “Clean Die­sel” aber eine Funk­ti­on. Sie sol­len uns glau­ben machen, dass die Prä­mis­se “Augen zu und durch” noch immer als Leit­li­nie unse­rer Lebens­wei­se funk­tio­niert und wir guten Gewis­sens wei­ter destruk­tiv in der Welt her­um­tol­len dür­fen. Aber wer genau­er liest und hört, kann ver­mehrt Wort­schöp­fun­gen ent­de­cken die für einen Betrug ste­hen, der gro­ße Tei­le unse­rer Gesell­schaf­ten erfasst hat. Der Betrug hat dabei zwei Kom­po­nen­ten: den akti­ven Schwin­del und den pas­si­ven Selbst­be­trug. Das Sche­ma der Gehirn­wä­sche ist meist ähn­lich: Dre­cki­ge Tech­no­lo­gien, die das Kli­ma und somit alle Spe­zi­es und Res­sour­cen wie auch Bio­sphä­ren etc. nega­tiv tan­gie­ren, wer­den ver­harm­lost und als not­wen­dig titu­liert. Der Trick: Anstatt etwas grund­sätz­lich zu ändern oder Ver­än­de­run­gen anzu­sto­ßen, wird es sprach­lich rein­ge­wa­schen. Dabei geht es jedoch nicht um einen zeit­wei­li­gen Akt, viel­mehr ist die Basis unse­res Wirt­schaf­tens damit ver­knüpft. (…) Ger­ne wer­den “Clean Energy”-Technologien als Über­gangs- oder Brü­cken­tech­no­lo­gien bezeich­net. Sie sol­len als Brü­cke vom fos­si­len Zeit­al­ter hin zu einem der Erneu­er­ba­ren Ener­gien die­nen. Genau genom­men befin­det man sich, Stand heu­te, nach wie vor im Zeit­al­ter der fos­si­len Ver­bren­nung. Eine Über­gangs­zeit steht viel­mehr für den Zeit­raum, in der kei­ne fos­si­le Ver­bren­nung mehr statt­fin­det, die Aus­wir­kun­gen des fos­sil-indus­tri­el­len Zeit­al­ters jedoch immer noch wirk­sam sein wer­den…” Arti­kel von Mat­thi­as Hütt­mann vom 5. August 2017 bei Tele­po­lis externer Link
  • Hei­lig­tum Auto. Das Auto macht aus jedem einen Pan­zer­fah­rer im Krieg aller gegen alle
    “… Es ist sel­ten gewor­den, dass in Leser­kom­men­ta­ren mal nicht die Stim­me der Empö­rung, son­dern die von Mäßi­gung und Zurück­hal­tung zu hören ist. Im Fal­le der Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung durch die deut­sche Auto­in­dus­trie las­sen die Rezi­pi­en­ten von »Spie­gel online« gera­de­zu mus­ter­gül­tig staats­bür­ger­li­che Mil­de wal­ten (…) Nicht nur die kri­mi­nel­le Kom­po­nen­te, auch die öko­lo­gisch-medi­zi­ni­sche wird mit Gla­cé­hand­schu­hen ange­fasst (…) Die Ver­fol­gung der »G20-Ver­bre­cher« (»Bild«), deren Auto­mor­de ja das »Water­loo der poli­ti­schen Lin­ken« (Ulf Pos­ch­ardt) dar­stel­len, nimmt im Her­zen der Bür­ger einen weit­aus grö­ße­ren Raum ein als die Tat­sa­che, dass sie von der Auto­bran­che nicht zuletzt als Ver­brau­cher nach Strich und Faden ver­arscht wur­den. Da kön­nen Nazis tau­sen­de Men­schen und Häu­ser anzün­den: In Ham­burg brann­ten Autos, das ist der Ernst­fall! Natür­lich kann man das so nicht sagen, man will sich ja nicht lächer­lich machen; des­we­gen wur­de im Fall von G20 auch davon gespro­chen, die »Chao­ten« hät­ten »gan­ze Vier­tel in Schutt und Asche gelegt«. An die­ser Lüge ist so viel wahr, dass das Auto in Deutsch­land tat­säch­lich das ersetzt, was in ech­ten bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten mit dem Heim gemeint ist: ein Raum, auf den nie­mand zugrei­fen darf, nicht ein­mal der Staat. Umwelt­pla­ket­ten und Ben­zin­preis wer­den gehan­delt wie Ein­schnit­te in die Men­schen­wür­de. Wer Autos angreift, greift den intims­ten Bereich der Deut­schen an…” Kom­men­tar von Leo Fischer vom 05.08.2017 beim ND online externer Link
  • Anwäl­te von Die­sel-Opfern rei­chen Kla­ge gegen Deutsch­land ein
    “… Die Kanz­lei Stoll & Sau­er, die 35.000 VW-Die­sel­op­fer ver­tritt und 3400 Kla­gen für sie ein­ge­reicht hat, macht dar­in der Regie­rung schwe­re Vor­wür­fe. Die 50-sei­ti­ge Kla­ge­schrift gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die dem SPIEGEL vor­liegt, zielt direkt auf das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um unter Alex­an­der Dob­rindt (CSU). (…). “Über Jah­re ist den Behör­den über­haupt kei­ne der Mani­pu­la­tio­nen auf­ge­fal­len”, kri­ti­siert Anwalt Ralf Stoll. “Hin­wei­se wur­den igno­riert. Damit hat sich die Bun­des­re­gie­rung am Die­sel­skan­dal mit­schul­dig gemacht.” Schon aus Brüs­sel bekommt die Bun­des­re­gie­rung Druck wegen ihres Umgangs mit dem Die­sel­skan­dal – durch ein EU-Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on sand­te im Febru­ar ein Mahn­schrei­ben unter ande­rem an Deutsch­land, weil die Über­schrei­tung der Grenz­wer­te durch Stick­stoff­di­oxid (NO2) nicht been­det wird. Als nächs­ter Schritt droht nun eine Kla­ge vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof…” Bei­trag von Kris­ti­na Gnir­ke vom 4. August 2017 bei Spie­gel online externer Link (der Bei­trag bezieht sich auf einen Arti­kel in Spie­gel-Print­aus­ga­be 32/​2017)
  • [Die­sel-Gip­fel] Kum­pa­nei zwi­schen Auto­in­dus­trie und Poli­tik
    “Auto­bau­er sind die Gewin­ner” und “Bun­des­re­gie­rung möch­te Auto­in­dus­trie scho­nen” lau­ten die Schlag­zei­len nach dem mit hohen Erwar­tun­gen über­frach­te­ten soge­nann­ten Die­sel-Gip­fel. (…) Schon bil­det sich eine Lob­by zur Ver­tei­di­gung der deut­schen Auto­in­dus­trie, an der sich neben füh­ren­den Kon­zer­nen auch die Gewerk­schaft IG-Metall betei­ligt. Sie erklä­ren schon jetzt, dass es lang­sam genug mit der Kri­tik an der Auto­in­dus­trie sei, und war­nen vor der Gefahr für den Stand­ort Deutsch­land. Damit kann man zumal in Deutsch­land noch jede kri­ti­sche Dis­kus­si­on been­den, bevor sie rich­tig ange­fan­gen hat. Die Debat­te um die Abgas­wer­te gehört dazu. (…) Es gab hier­zu­lan­de kei­ne rele­van­te Bewe­gung, die die mil­lio­nen­fa­che Kör­per­ver­let­zung auch mit Todes­fol­ge durch den Aus­stoß der Auto­ab­ga­se als die kon­zern­ge­steu­er­te Men­schen­rechts­ver­let­zung ange­spro­chen hat, die sie dar­stellt. Man muss nur einen Ver­gleich zie­hen zwi­schen der öffent­li­chen Empö­rung über mili­tan­te Aktio­nen gegen den G20-Gip­fel in Ham­burg und der Igno­ranz, mit der gesamt­ge­sell­schaft­lich auf die Tat­sa­che reagiert wird, dass die Auto­kon­zer­ne per­ma­nent höhe­re Abgas­wer­te in Kauf neh­men, als gesetz­lich vor­ge­schrie­ben, und damit für den Tod von Men­schen mit ver­ant­wort­lich sind…” Bei­trag von Peter Nowak vom 3. August 2017 bei Tele­po­lis externer Link , sie­he dazu die IG Metall zum Die­sel-Gip­fel:
  • [IG Metall] Wich­ti­ger Mei­len­stein zur Ent­las­tung bei Stick­oxi­den von Indus­trie zuge­sagt, Ver­bind­lich­keit in der Umset­zung steht noch aus
    “Wirk­sa­me Rege­lun­gen zur Redu­zie­rung der Stick­oxid-Belas­tung in Bal­lungs­zen­tren, ver­bind­li­che Maß­stä­be zur Nach­bes­se­rung von Die­sel-Fahr­zeu­gen sowie für einen gemein­sa­men Fonds sind ein deut­li­cher Schritt nach vor­ne. Unbe­frie­di­gend ist, dass die getrof­fe­nen Ver­ab­re­dun­gen noch kei­nen rechts­si­che­ren Rah­men haben. Somit blei­ben das Risi­ko von Fahr­ver­bo­ten, die Sor­gen von Besit­zern älte­rer Die­sel und auch die Sor­gen um nega­ti­ve Fol­gen für die Beschäf­ti­gung bestehen”, hat Roman Zit­zels­ber­ger, Bezirks­lei­ter der IG Metall Baden-Würt­tem­berg, der für die Gewerk­schaft an dem Die­sel-Gip­fel am Mitt­woch in Ber­lin teil­ge­nom­men hat, das Fazit gezo­gen. (…) “Bei der Debat­te darf es nicht dar­um gehen, Umwelt­aspek­te, wirt­schaft­li­che Pro­spe­ri­tät oder Arbeits­plät­ze gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len. Son­dern wir brau­chen einen Drei­klang aus den bes­ten Umwelt­stan­dards, einer wett­be­werbs­fä­hi­gen Auto­in­dus­trie an der Welt­spit­ze und vie­ler attrak­ti­ver Arbeits­plät­ze für die Men­schen. Da reicht die vor­ge­leg­te Erklä­rung bei wei­tem nicht aus”, sag­te Zit­zels­ber­ger.” Pres­se­mit­tei­lung Nr. 32/​2017 der IG Metall vom 2. August 2017 externer Link. Anm.: Na, bei sol­cher Gewerk­schaft brau­chen sich die Auto­bos­se wirk­lich kei­ne Sor­gen machen. Aller­dings soll­te die IG Metall auf­pas­sen, dass sie nicht zum Befür­wor­ter straf­ba­rer Hand­lun­gen wird, deren Fol­gen letzt­lich die Beschäf­tig­ten aus­ba­den müs­sen…

Siehe zum Thema auch im LabourNet Germany:

  • Auto­gip­fel wie­der ein­mal eine poli­ti­sche Kari­ka­tur wie zum “Horn­ber­ger Schie­ßen”?
    Die Erwar­tun­gen vor dem Auto­gip­fel for­dern ein kla­re zukunfts­wei­sen­de Lösung der Abgas­pro­ble­me – der Auto­gip­fel mit sei­nen mage­ren Ergeb­nis­sen dann selbst wur­de dar­um zur gro­ßen Ent­täu­schung ohne Zukunfts­fä­hig­keit. Kann der Auto­gip­fel den Kon­flikt der gewal­ti­gen Umwelt­ver­gif­tung gegen eine tech­nisch mög­li­che, die mensch­li­che Gesund­heit scho­nen­de Fort­ent­wick­lung der Tech­nik der Auto­mo­bi­le und gegen die wei­te­re Ver­gif­tung auf­lö­sen? Und war­um unter­stützt das Vor­ha­ben die Gewerk­schaft IG Metall im Ver­bund mit der Poli­tik noch immer?...” Kom­men­tier­te Pres­se­schau von Vol­ker Bahl vom 3.8.2017
  • Sie­he auch vom glei­chen Autor am 28. Juli 2017: “Auto­kri­se darf nicht wie bei der Ban­ken­kri­se dem Steu­er­zah­ler auf­ge­la­den wer­den!” – dies ist wohl Dank dem Wahl­kampf ver­scho­ben wor­den…

Unser Lieblingszitat

Was ist das Anzün­den eines Autos gegen das Betrei­ben einer Auto­fa­brik?” aus dem Kom­men­tar von Hol­ger Schma­le vom 30.7.2017 im Köl­ner Stadt-Anzei­ger online externer Link zur Auto­in­dus­trie und G20: “Lin­ke Sys­tem­kri­tik ist so not­wen­dig wie eh und je”

Und unsere Empfehlung:

  • Marc-Uwe Kling – Der Unter­schied
    “„Ob Links- oder Rechts­ter­ro­ris­mus – da sehe ich kei­nen Unter­schied“
    „Doch, doch“, ruft das Kän­gu­ru, „die einen zün­den Aus­län­der an, die ande­ren Autos. Und Autos sind schlim­mer, denn es hät­te mei­nes sein kön­nen. Aus­län­der besit­ze ich kei­ne.“
    Aus “Die Kän­ge­ru-Offen­ba­rung” von Marc-Uwe Kling, vor­ge­le­sen auf you­tube externer Link

Der Bei­trag Die­sel­ga­te: Fetisch Auto trifft Fetisch Arbeit erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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