[labournet:] Falls Wahlen doch einmal etwas ändern: Werden Putsche organisiert. Vor 50 Jahren gewann Allendes Unidad Popular in Chile – heute ist der 47. Jahrestag des CIA-Pinochet-Putsches…

Das logo von Allendes Wahlbündnis Unidad Popular 1970Am 4. Sep­tem­ber 1970 gewin­nen Sal­va­dor Allen­de und die Uni­dad Popu­lar die Prä­si­dent­schafts­wah­len in Chi­le und damit geschah etwas, das in der Geschich­te Chi­les, Latein­ame­ri­kas und der Welt bis dahin noch nicht pas­siert ist: Ein Sozia­list wird demo­kra­tisch an die Regie­rung eines kapi­ta­lis­ti­schen Staa­tes gewählt. Die Sie­ges­fei­er in der Nacht vom 4. auf den 5. Sep­tem­ber ist bis heu­te in das kol­lek­ti­ve Gedächt­nis von Mil­lio­nen Chi­le­nin­nen und Chi­le­nen ein­ge­brannt und Sal­va­dor Allen­de sag­te spä­ter über die­se Nacht: „Die Lin­ke, die Arbei­ter, die Bau­ern, die Ange­stell­ten (…) haben in Chi­le gesiegt. In der Nacht des Sie­ges kamen 250.000 Men­schen zusam­men. Es gab nicht ein abge­fa­ckel­tes Auto, kein ein­ge­wor­fe­nes Fens­ter und kei­ner unse­rer Geg­ner hät­te behaup­ten kön­nen, dass wir ihn gekränkt haben, nicht ein­mal ver­bal. Im Gegen­satz dazu haben die Sek­to­ren, die die Wahl ver­lo­ren haben, die extre­me Rech­te, ver­sucht, unse­re Wirt­schaft zu sabo­tie­ren, und sie besit­zen noch immer Söld­ner, die Bom­ben legen, also wo bleibt die Demo­kra­tie?“ Dies gibt die Stra­te­gie und die Rea­li­tät der chi­le­ni­schen Bewe­gung zum Sozia­lis­mus sehr gut wie­der. Die chi­le­ni­sche Lin­ke hat im Gegen­satz zu vie­len sozia­lis­ti­schen Pro­jek­ten nie­mals ver­sucht, durch Gewalt die Macht zu errin­gen, son­dern ver­sucht, sich an die Spiel­re­geln der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie zu hal­ten und so ihre Zie­le durch­zu­set­zen. Wäh­rend­des­sen hiel­ten sich die Tei­le, die behaup­te­ten, die bür­ger­li­che Demo­kra­tie zu ver­tei­di­gen, nie­mals an die­se Regeln…“ – aus dem Bei­trag „50 Jah­re des Sie­ges des chi­le­ni­schen Wegs zum Sozia­lis­mus“ von Robert Kohl Par­ra am 05. Sep­tem­ber 2020 bei der Frei­heits­lie­be externer Link zum Wahl­sieg der UP (wozu es am 11.9. ebd. einen zwei­ten Teil gibt, der vom Putsch Pino­chets und sei­ner Hin­ter­leu­te han­delt). Sie­he zum Jah­res­tag des Wahl­sie­ges, zum Putsch und zu Kon­ti­nui­tä­ten in Chi­le drei wei­te­re Bei­trä­ge:

  • „Es war ein Pri­vi­leg dabei zu sein“ von Nils Brock, Álva­ro Gar­re­aud und Pame­la Cua­dros am 29. August 2020 bei nd online externer Link zum dama­li­gen Wahl­sieg und sei­ner Bedeu­tung unter vie­lem ande­rem aus drei Erin­ne­run­gen: „… »Um unser Gebäu­de her­um mar­schie­ren Grup­pen mit roten Fah­nen, holt mich hier raus!« Zufäl­lig hört Dierk von Dri­gal­ski 1972 den auf­ge­reg­ten Anruf des Geschäfts­füh­rers der Bay­er AG aus Sant­ia­go de Chi­le mit, als er gera­de die Geschäfts­lei­tung in Lever­ku­sen besucht. Dri­gal­ski, der für den Che­mie­kon­zern bis dato ein Joint Ven­ture in Indo­ne­si­en betreut hat­te, bie­tet sich sofort als Ersatz an – nicht weil er in Süd­ame­ri­ka das gro­ße Geld wit­tert, son­dern weil ihn »die­ses fan­tas­ti­sche Expe­ri­ment eines Sozia­lis­mus mit bür­ger­li­chen Frei­hei­ten« so inter­es­siert. Er über­re­det sei­ne Part­ne­rin Gre­ta, ihm »in ein ihr völ­lig unbe­kann­tes Land zu fol­gen« und ist schon eini­ge Wochen spä­ter vor Ort, um »den Laden wie­der zum Lau­fen zu brin­gen«, vor allem die Pflan­zen­schutz­mit­tel­spar­te. Kein leich­tes Unter­fan­gen: Das Werk wird zeit­wei­lig besetzt, es fehlt an Roh­stof­fen, es kommt zu Streiks. Dri­gal­ski ist als poli­ti­scher Ver­mitt­ler gefragt. Ver­mu­ten die Funk­tio­nä­re der staat­li­chen Pla­nungs­be­hör­de Ode­plan in Dri­gal­ski anfangs nur einen wei­te­ren Grin­go, der sich bei ihnen über Pro­fit­ein­bu­ßen bekla­gen will, ändern sie ihre Mei­nung bald. Beson­ders bei einer Staats­se­kre­tä­rin und Ver­tre­te­rin der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei fin­det er mit sei­nen Argu­men­ten Gehör, dass die Her­stel­lung bestimm­ter Pes­ti­zi­de Prio­ri­tät haben müs­se, um die Grund­ver­sor­gung mit lebens­wich­ti­gen Agrar­er­zeug­nis­sen zu gewähr­leis­ten. Doch sei­ne Idee eines Qua­si-Joint Ven­tures zwi­schen Bay­er und dem chi­le­ni­schen Staat schei­tert an Wider­stän­den inner­halb der Lin­ken. So bleibt Dri­gal­ski oft in der Rol­le des kri­ti­schen Zuschau­ers gefan­gen. Die Ver­staat­li­chung von länd­li­chen Fami­li­en­be­trie­ben kri­ti­siert er als kon­tra­pro­duk­tiv, da damit die Wäh­ler­ba­sis der Mit­tel­klas­se ver­prellt wür­de. Eben­so ent­täuscht ist er von der gerin­gen Wirt­schafts­hil­fe der UdSSR für das chi­le­ni­sche Bru­der­volk. Die kom­mu­nis­ti­sche Super­macht sei schlicht nicht »inter­es­siert gewe­sen an einem Sozia­lis­mus mit demo­kra­ti­schen Wer­ten«. Wäh­rend des Fuhr­un­ter­neh­mer­streiks 1972, mit dem die chi­le­ni­sche Rech­te die Regie­rung in die Knie zwin­gen will, stellt Dir­gal­ski die Infra­struk­tur von Bay­er in den Dienst der Not­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung…“
  • „Sal­va­dor Allen­de und die Uni­dad Popu­lar“ ist unser Lese­tipp – der Band 28 der Biblio­thek des Wider­stan­des im Lai­ka-Ver­lag externer Link in des­sen Vor­stel­lung es heißt: „… Mit dem Sieg des lin­ken Wahl­bünd­nis­ses, der Uni­dad Popu­lar, im Herbst 1970 kam eine sozia­lis­ti­sche Regie­rung an die Macht, die für einen grund­le­gen­den Wan­del stand und sofort Land‑, Bil­dungs- und Sozi­al­re­for­men umsetz­te. Im Mit­tel­punkt die­ses Sam­mel­ban­des ste­hen Akteu­rIn­nen und Maß­nah­men der Uni­dad Popu­lar. Die Bei­trä­ge über die Teil­nah­me von Stadt­teil­be­we­gun­gen, Gewerk­schaf­ten, Basis-Kir­che und Kul­tur­be­we­gung an der Uni­dad Popu­lar ver­deut­li­chen die Viel­schich­tig­keit ihrer Poli­tik. Sie dis­ku­tie­ren Ansät­ze und Pro­ble­me, Feh­ler und Erfol­ge der bis­her ein­zi­gen sozia­lis­ti­schen Regie­rung Chi­les. Die­sem Band lie­gen 6 Fil­me auf 2 DVDs bei...“
  • „Pro­tes­te in Chi­le: Damals gegen Pino­chet, heu­te gegen Piñe­ra“ von Sophia Bod­den­berg am 08. Juli 2020 bei ame​ri​ka21​.de externer Link erin­ner­te an die Pro­tes­te gegen die Dik­ta­tur im Jahr 1986 und unter­strich Kon­ti­nui­tä­ten: „… In meh­re­ren Städ­ten Chi­les haben Men­schen am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag und Frei­tag demons­triert, um an die Pro­test­ta­ge am 2. und 3. Juli 1986 wäh­rend der Pino­chet-Dik­ta­tur zu erin­nern. Gleich­zei­tig ver­lie­hen die Demons­trie­ren­den ihrem Unmut gegen die Regie­rung von Sebas­tián Piñe­ra Aus­druck, die sie ihrer Mei­nung nach wäh­rend der Coro­na-Kri­se im Stich lässt. Die Cara­bi­ne­ros de Chi­le, die mili­ta­ri­sier­te Poli­zei, ging dabei gewalt­sam gegen die Pro­tes­te vor. 137 Men­schen wur­den lan­des­weit fest­ge­nom­men, die meis­ten davon in der Haupt­stadt Sant­ia­go. In Meli­pil­la wur­de ein jun­ger Mann erschos­sen. Bis­her ist unklar, wer auf ihn geschos­sen hat. In Vil­la Fran­cia in der Haupt­stadt Sant­ia­go wur­de eine schwan­ge­re Frau von einem Trä­nen­gas­fahr­zeug der Cara­bi­ne­ros ange­fah­ren…“
  • Sie­he zum Hin­ter­grund unse­re gesam­te Rubrik: Inter­na­tio­na­les » Chi­le » Geschich­te: Dik­ta­tur und Auf­ar­bei­tung, u.a. das Dos­sier von 2013: Der ande­re 11. Sep­tem­ber – 40 Jah­re danach…

Der Bei­trag Falls Wah­len doch ein­mal etwas ändern: Wer­den Put­sche orga­ni­siert. Vor 50 Jah­ren gewann Allen­des Uni­dad Popu­lar in Chi­le – heu­te ist der 47. Jah­res­tag des CIA-Pino­chet-Put­sches… erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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