[labournet:] Von Bosch über Continental bis ZF: In der Zulieferer-Branche steht ein massiver Jobabbau an, Fabriken droht die Schließung. Gegen die Krise werden klassische Rezepte nichts helfen

Dossier

Elektro-Mobilität“Von außen gese­hen wirkt es fast so, als hät­ten sich alle beim täg­li­chen Über­brin­gen der schlech­ten Nach­rich­ten ver­ab­re­det. Con­ti­nen­tal, Bosch, ZF, Mah­le, Bro­se – über­all droht mas­si­ver Job­ab­bau, Fabri­ken sind von Schlie­ßun­gen bedroht. Dazu kom­men, fast unbe­merkt von der Öffent­lich­keit, die Insol­ven­zen der klei­nen, oft unbe­kann­ten Zulie­fer­fir­men. So anonym, wie sie oft aus der drit­ten oder vier­ten Rei­he den nächst­grö­ße­ren Zulie­fe­rern zuge­ar­bei­tet haben, so anonym ver­schwin­den sie nun auch. (…) Bei der ver­gan­ge­nen gro­ßen Kri­se vor mehr als zehn Jah­ren gab es Rezep­te, die das Schlimms­te ver­hin­der­ten. Kurz­ar­beit, Arbeits­zeit­kon­ten leer­räu­men, mal für ein paar Tage die Hal­le zusper­ren. Es sind Rezep­te für die ganz nor­ma­le Kri­se. Was in die­sen Mona­ten in der Auto­bran­che pas­siert, ist aber kei­ne die­ser nor­ma­len Kri­sen, zu denen man in den Lehr­bü­chern der Betriebs­wirt­schafts­leh­re nach Ant­wor­ten suchen kann. Dies­mal geht es um einen Umbruch, wie ihn die Auto­in­dus­trie noch nicht erlebt hat, weil vie­les von dem, was pro­du­ziert wird, künf­tig nicht mehr gebraucht wird. Die­sel­ein­spritz­sys­te­me, Kol­ben, Aus­puff­roh­re, Abgas­rei­ni­gung – all das wird man in ein paar Jah­ren so drin­gend benö­ti­gen wie Pfer­de­kut­schen für den öffent­li­chen Nah­ver­kehr. Deutsch­land, das Land, das mit Geschäf­ten rund um den Ver­bren­nungs­mo­tor jahr­zehn­te­lang gut Geld ver­dient und vie­le Jobs geschaf­fen hat, steht vor einer gewal­ti­gen Zäsur. Eini­ge Hun­dert­tau­send der geschätzt 800 000 bis 900 000 Arbeits­plät­ze in der Bran­che ste­hen auf dem Spiel, wenn sich alter­na­ti­ve Antrie­be wie Elek­tro­mo­to­ren durch­set­zen. …“ Kom­men­tar “Ein Umbruch, wie ihn die Auto­in­dus­trie noch nicht erlebt hat” von Tho­mas Fromm vom 25.10.2019 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link. Sie­he dazu:

  • Kampf­an­sa­ge an Beschäf­tig­te: Akti­ons­wo­che gegen Stel­len­ab­bau und Werk­schlie­ßun­gen bei Auto­zu­lie­fe­rer Con­ti New
    “Der his­to­ri­sche Ein­bruch in der Auto­bran­che löst bei vie­len Beschäf­tig­ten Exis­tenz­ängs­te und Pro­tes­te aus. Das gilt in die­ser Woche beson­ders für den Auto­zu­lie­fe­rer Con­ti­nen­tal, der einen Kahl­schlag bei Arbeits­plät­zen und bei gan­zen Stand­or­ten plant. Schwer­punkt der Aktio­nen ist der IG-Metall-Bezirk Mit­te, der Hes­sen, Thü­rin­gen, Rhein­land-Pfalz und das Saar­land umfasst; allein hier lie­gen 16 Con­ti-Stand­or­te. In Baben­hau­sen (Hes­sen) und Rheinböl­len (Rhein­land-Pfalz) sind am Don­ners­tag Auto­kor­sos geplant. »Con­ti­nen­tal will im Schat­ten der Kri­se sei­ne Wett­be­werbs­fä­hig­keit auf Kos­ten der Beschäf­tig­ten aus­bau­en, Stand­or­te aus­pres­sen, Per­so­nal­kos­ten drü­cken und Arbeits­um­fän­ge ver­la­gern«, so IG-Metall-Bezirks­lei­ter Jörg Köh­lin­ger. »Das ist kei­ne Stra­te­gie, son­dern eine Kampf­an­sa­ge an die Beschäf­tig­ten.« Die IG Metall wer­de nicht hin­neh­men, dass Kon­zer­ne die Kri­se für umfang­rei­che Struk­tur­an­pas­sun­gen ohne Sicher­hei­ten für die Beschäf­tig­ten nut­zen woll­ten. »Wer sich unfair ver­hält, bekommt den Druck der Beschäf­tig­ten zu spü­ren«, so der Gewerk­schaf­ter. (…) Der Betriebs­rat akzep­tiert die Grün­de für eine Schlie­ßung nicht. Die Con­ti-Füh­rungs­rie­ge wol­le »sich bin­nen kür­zes­ter Zeit mög­lichst vie­ler Mit­ar­bei­ter oder gleich gan­zer Stand­or­te in Deutsch­land ent­le­di­gen«, so der in einem offe­nen Brief geäu­ßer­te Vor­wurf. Anders als in ande­ren Kon­zer­nen wie ZF, Bosch oder Mer­ce­des sei man bei Con­ti­nen­tal nicht ein­mal bemüht, »im Dia­log mit den Arbeit­neh­mer­ver­tre­tern eine gemein­sa­me Lösung zu erar­bei­ten«. In Kar­ben fühlt man sich von der Kon­zern­spit­ze hin­ter­gan­gen. Im Glau­ben an eine län­ger­fris­ti­ge Stand­ort­si­che­rung wur­den seit der Kri­se 2009 in Ergän­zungs­ta­rif­ver­trä­gen ins­ge­samt 52 Mil­lio­nen Euro bei Löh­nen und Gehäl­tern geop­fert sowie Arbeit ohne Bezah­lung und gerin­ge­re Ren­ten­an­sprü­che in Kauf genom­men, so der Betriebs­rat. Ähn­li­che Opfer hät­ten die Beleg­schaf­ten in Baben­hau­sen (Hes­sen) und Vil­lin­gen (Baden-Würt­tem­berg) erbracht. Doch die Hoff­nun­gen hät­ten sich nicht erfüllt: »Für einen wert­glei­chen Betrag der ein­ge­spar­ten Löh­ne wur­den zwei neue Wer­ke in Ost­eu­ro­pa aus dem Boden gestampft. Das Kapi­tal der schein­bar erkauf­ten Stand­ort­si­che­rung wur­de einem gegen­läu­fi­gen Ver­wen­dungs­zweck zuge­führt«, so der Kar­be­ner Betriebs­rat. Sau­er auf die Chefs sind die Metal­ler auch des­halb, weil sie mit dem Wunsch, »die Abhän­gig­keit von der Auto­mo­bil­in­dus­trie zu mini­mie­ren«, in Han­no­ver immer wie­der auf tau­be Ohren gesto­ßen sei­en. Der drin­gend benö­tig­te Auf­bau eines zwei­ten Stand­bei­nes jen­seits der Auto­bran­che sei aus­ge­blie­ben, so ihr bit­te­res Fazit. Dabei ste­he der Kar­be­ner Betrieb für eine hoch­mo­der­ne Elek­tronik­fer­ti­gung und Auto­ma­ti­sie­rung sowie hohe Qua­li­tät und Lie­fer­treue…“ Arti­kel von Hans-Gerd Öfin­ger vom 09.09.2020 in Neu­es Deutsch­land online externer Link, sie­he auch bei der IG Metall: Con­ti will Beschäf­tig­te wei­ter schröp­fen externer Link samt einer Peti­ti­on (der “moder­ne” Arbeits­kampf)
  • Lohn­ver­lust per Ver­trag. Arbeits­platz­ver­nich­tung bei Bosch, ZF und Con­ti geht trotz­dem wei­ter. IG Metall agiert defen­siv 
    “… Einen Tag nach dem Abschluss bei Bosch wur­de eine ähn­li­che Ver­ein­ba­rung für 50.000 Beschäf­tig­te beim Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer ZF in Fried­richs­ha­fen geschlos­sen. Beim Zulie­fe­rer Con­ti wird noch ver­han­delt. Für 50.000 ZF-Beschäf­tig­te wer­den Arbeits­zeit und Gehäl­ter um 20 Pro­zent gekürzt. Zusätz­lich müs­sen die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen auf die tarif­li­che Son­der­zah­lung in Höhe von 400 Euro ver­zich­ten. Für alle ZF-Beschäf­tig­ten, die wei­ter in Kurz­ar­beit sind, soll es eine Auf­sto­ckung auf 90 Pro­zent des übli­chen Net­to­lohns geben. Betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen sol­len bis 2022 aus­blei­ben. ZF hält jedoch dar­an fest, bis 2025 15.000 Arbeits­plät­ze zu ver­nich­ten. Vor­erst über Fluk­tua­ti­on, Alters­teil­zeit und Abfin­dun­gen. Als bei VW im Jahr 1994 die Arbeits­zeit von damals 36 Stun­den um 20 Pro­zent auf 28,8 Stun­den redu­ziert wur­de, wur­den die Löh­ne um zehn Pro­zent gesenkt. Jetzt gibt es nicht ein­mal einen Teil­lohn­aus­gleich. Die tarif­li­che Null­run­de 2020 reicht den Metall­bos­sen nicht. Sie ver­lan­gen wei­te­re Lohn­op­fer. Und die IGM-Füh­rung macht mit. (…) Beschäf­tig­te befürch­ten mit­un­ter, dass die »Kampf­ver­mei­dungs­stra­te­gie« der IG Metall nicht auf­ge­hen wird. Denn: Arbeits­zeit­ver­kür­zung mit Lohn­ver­lust ret­tet kei­ne Arbeits­plät­ze. In der ZF-Beleg­schaft herrscht wei­ter Angst um jeden Arbeits­platz, zumal völ­lig offen ist, wie es 2022 wei­ter­ge­hen soll.” Arti­kel von Ursel Beck in der jun­gen Welt vom 27.07.2020 externer Link
  • Best Owner Con­sul­ting GmbH (BOG): Betei­li­gungs­ge­sell­schaft für klei­ne Auto­zu­lie­fe­rer gegrün­det – mit “ein paar hun­dert­tau­send Euro aus der Gewerk­schafts­kas­se” von IG Metall und IG BCE! 
    Nicht alle Kapi­ta­lis­ten sind böse. Das wis­sen auch die Gewerk­schaf­ten. Es wird viel Kapi­tal von Inves­to­ren gebraucht, damit die Wirt­schaft die Coro­na-Fol­gen bewäl­tigt. IG Metall und IG BCE haben des­halb Geld in die Hand genom­men, um pri­va­tes Kapi­tal für den Mit­tel­stand zu mobi­li­sie­ren. Der Name ist Pro­gramm: Die Best Owner Con­sul­ting GmbH (BOG) wird als eine Betei­li­gungs­ge­sell­schaft für den Mit­tel­stand ein­ge­rich­tet. Vor allem die vie­len tau­send klei­nen Auto­zu­lie­fe­rer hat die IG Metall im Blick. Die sind schon län­ger unter Druck im Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess der Bran­che, und nun kün­digt sich in der Coro­na-Rezes­si­on für den kom­men­den Herbst eine Plei­te­wel­le mit Mas­sen­kün­di­gun­gen an. (…) Par­al­lel zu den Bemü­hun­gen der Poli­tik hat der IG Metall-Vor­sit­zen­de Jörg Hof­mann mit ein paar hun­dert­tau­send Euro aus der Gewerk­schafts­kas­se und einem etwas klei­ne­ren Zuschuss von der IG BCE die BOG auf die Bei­ne gestellt. „Wir sind Geburts­hel­fer“, sag­te Hof­mann dem Tages­spie­gel. Um das eigent­li­che Geschäft küm­mern sich zwei Pro­mi­nen­te: Frank-Jür­gen Wei­se, ehe­mals Chef der Bun­des­agen­tur für Arbeit und des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on, lei­tet die BOG mit Bernd Bohr, der einst die Kraft­fahr­zeug­spar­te von Bosch führ­te und sich im Zulie­fer­ge­schäft aus­kennt. Die ers­te Auf­ga­be des Duos: Geld auf­trei­ben. Und zwar nicht nur bei Ver­mö­gen­ver­wal­tern und Fonds, die mit ihrem Invest­ment die Indus­trie stüt­zen wol­len, son­dern auch in der Indus­trie selbst. Wei­se und Bohr besu­chen auf ihrer Road­show Auto­her­stel­ler und gro­ße Zulie­fe­rer. Das Kal­kül: Die Kon­zer­ne brau­chen sta­bi­le Lie­fer­ket­ten und zah­len des­halb Geld in den BOG-Topf, den die Initia­to­ren mit min­des­tens 500 Mil­lio­nen Euro fül­len möch­ten. Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die IG Metall Arbeits­grup­pen auch mit Invest­ment­ban­kern initi­iert, um Hilfs­in­stru­men­te für die vie­len tau­send klei­nen und mit­tel­gro­ßen Betrie­be zu ent­wi­ckeln, die im Struk­tur­wan­del der Auto­in­dus­trie Liqui­di­täts­pro­ble­me haben, weil Kre­dit­in­sti­tu­te der Bran­che zuneh­mend miss­trau­en. Doch es geht Jörg Hof­mann und dem IG BCE-Vor­sit­zen­den Micha­el Vas­si­lia­dis nicht allein um Geld. Vie­le KMU wis­sen nicht so recht, wie sie sich auf Digi­ta­li­sie­rung und Dekar­bo­ni­sie­rung ein­stel­len sol­len. Ein Know-how-Trans­fer und Manage­ment­un­ter­stüt­zung im Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess wären hilf­reich…” Arti­kel von Alfons Fre­se vom 13.7.2020 im Tages­spie­gel online externer Link “Frank-Jür­gen Wei­se lei­tet neu­en Betei­li­gungs­fonds. Hil­fe für klei­ne Auto­zu­lie­fe­rer in der Coro­na­kri­se. Die Gewerk­schaf­ten gehen vor­an: Mit Start­ka­pi­tal von IG Metall und IG BCE wird ein Fonds für Eigen­ka­pi­tal­hil­fen auf­ge­baut” – was sagen die Bei­trag zah­len­den Gewerk­schafts­mit­glie­der dazu????
  • Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Con­ti­nen­tal kün­digt unver­hoh­len Mas­sen­ent­las­sun­gen an /​Auto­zu­lie­fe­rer ZF Fried­richs­ha­fen: Zur Kon­ver­si­on gezwun­gen 
    • Streich­lis­te als Kon­zept: Beim Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Con­ti­nen­tal kriselt’s wie in gesam­ter Bran­che. Kon­zern­chef kün­digt unver­hoh­len Mas­sen­ent­las­sun­gen an
      Der deut­sche Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Con­ti­nen­tal steckt in der Kri­se. Nicht erst seit Aus­bruch der Coro­na­pan­de­mie lau­fen die Geschäf­te schlecht. Am Diens­tag kün­dig­te Vor­stands­chef Elmar Degen­hart auf der Haupt­ver­samm­lung ein wei­te­res Kür­zungs­pro­gramm an: Welt­weit sind 20.000 Arbeits­plät­ze bedroht, hier­zu­lan­de 7.000. »In kei­nem Unter­neh­mens­be­reich konn­te der Zulie­fe­rer 2019 Erfol­ge ver­mel­den – viel­mehr war es ein Jahr der Scha­dens­be­gren­zung«, schrieb das Han­dels­blatt am Mon­tag in einem Vor­ab­be­richt zur gest­ri­gen Haupt­ver­samm­lung. Das ers­te Mal seit zehn Jah­ren fuhr der Kon­zern einen Ver­lust ein. (…) »Zah­lungs­fä­hig blei­ben, das ist das obers­te Gebot – und dafür pas­sen sich jetzt alle an«, behaup­te­te Degen­hart. Einen ent­spre­chen­den Plan hat­te die Kon­zern­füh­rung bereits im Sep­tem­ber 2019 vor­ge­stellt. Eine auf zehn Jah­re aus­ge­leg­te Streich­lis­te soll dem Unter­neh­men ab 2023 jähr­lich 500 Mil­lio­nen Euro brin­gen. Dazu sol­len welt­weit Wer­ke geschlos­sen wer­den; die Zukunft gan­zer Beleg­schaf­ten steht auf dem Spiel. Degen­hart wur­de auf der Haupt­ver­samm­lung kon­kre­ter, mein­te, die geplan­te Job­ver­nich­tung könn­te nicht aus­rei­chen und schloss betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen nicht mehr aus. Man wol­le jetzt »Über­ka­pa­zi­tä­ten« abbau­en und weni­ger inves­tie­ren. Meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Euro wol­le man so extra ein­spa­ren. Mit Beleg­schafts­ver­tre­tern sei man in engem Aus­tausch…” Arti­kel von Bernd Mül­ler in der jun­gen Welt vom 15.07.2020 externer Link
    • Zur Kon­ver­si­on gezwun­gen: Der gesät­tig­te Auto­markt, die Kli­ma­kri­se und Coro­na las­sen dem Auto­zu­lie­fe­rer ZF Fried­richs­ha­fen kei­ne ande­re Chan­ce
      “Die Lage ist wirk­lich ernst: «Unse­re jüngs­te Umfra­ge zeigt: Über 80000 Beschäf­tig­te in 270 Betrie­ben sind in hoher oder aku­ter Insol­venz­ge­fahr. Und die­se Zah­len stei­gen», sagt Jörg Hof­mann, der Vor­sit­zen­de der IG Metall, Anfang Juni 2020. (…) Ein Dilem­ma, vor dem auch der Auto­zu­lie­fe­rer ZF Fried­richs­ha­fen steht. Über dem ZF-Werks­ge­län­de zie­hen schwar­ze Wol­ken auf und wer­fen ihre Schat­ten auf die Stadt. Wegen des Absatz­ein­bruchs in der Coro­na-Kri­se, so heißt es Ende Mai 2020 in einem Brand­brief von Vor­stands­chef Wolf-Hen­ning Schei­der an die Kon­zern­be­schäf­tig­ten, sol­len in den kom­men­den fünf Jah­ren bis zu 15000 Stel­len gestri­chen wer­den. «Aus heu­ti­ger Sicht müs­sen wir bis 2025 welt­weit unse­re Kapa­zi­tä­ten anpas­sen und 12000 bis 15000 Arbeits­plät­ze abbau­en, davon etwa die Hälf­te in Deutsch­land.» Dem Kon­zern, des­sen Eig­ner die Zep­pe­lin­stif­tung Fried­richs­ha­fen ist, droh­ten «als Fol­ge des Nach­fra­ge­stopps auf Kun­den­sei­te» in die­sem Jahr «hohe finan­zi­el­le Ver­lus­te». Das ist nicht ein­mal die hal­be Wahr­heit. Schon zum Jah­res­en­de 2019 gab es einen merk­li­chen Auf­trags­rück­gang im Gefol­ge der all­ge­mei­nen Auto­mo­bil­kri­se (Die­sel­ga­te usw.) und Kli­ma­kri­se. Der Gewinn des Unter­neh­mens brach in dem Jahr um mehr als die Hälf­te ein, er lag vor Steu­ern bei 540 Mil­lio­nen Euro. (…) «All dies ist lei­der not­wen­dig, um ZF nach­hal­tig zu sichern, und an die neue wirt­schaft­li­che Rea­li­tät anzu­pas­sen.» Die zur Bewäl­ti­gung der Coro­na-Kri­se getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen, etwa zu Kurz­ar­beit und Gehalts­ver­zicht, reich­ten bei wei­tem nicht aus. «Denn die Kri­se wird län­ger dau­ern und wir wer­den selbst 2022 beim Umsatz spür­bar unter unse­ren Pla­nun­gen lie­gen.» Beson­ders die­ser Satz ist eine wei­te­re Klat­sche für die­je­ni­gen, die erst vor ein paar Mona­ten den x‑ten «Stand­ort­si­che­rungs­ver­trag» mit den gegen­tei­li­gen Ver­spre­chun­gen unter­schrie­ben haben. Ande­rer­seits scheint doch Geld da zu sein. ZF Fried­richs­ha­fen muss und kann ein Buß­geld in Höhe von 42,5 Mil­lio­nen Euro wegen der Mani­pu­la­ti­on der Abgas­rei­ni­gung von Die­sel­fahr­zeu­gen zah­len. Gegen die­se von der Staats­an­walt­schaft Stutt­gart Mit­te Juni ver­häng­te Stra­fe wird ZF kei­ne Rechts­mit­tel ein­le­gen. Das sagt doch alles. (…) Und er fügt hin­zu: «Wir ste­hen jetzt vor einer Pha­se, in der wir Über­ka­pa­zi­tä­ten haben. Das ist schon eine Pha­se, wo man fragt: War­um jetzt zusätz­li­che Wer­ke auf­bau­en, wo ande­re Wer­ke nicht aus­ge­las­tet sind? Das hat aus unse­rer Sicht nur einen Grund: ZF geht dort­hin, wo es ver­meint­lich güns­ti­ger ist, und sucht die Nied­rig­lohn­län­der. Das ist natür­lich ein Pro­blem für die deut­schen Stand­or­te.» Die natio­na­le Stand­ort­lo­gik teil er mit sei­nem Gewerk­schafts­kol­le­gen Roman Zit­zels­ber­ger, IG-Metall-Bezirks­lei­ter in Baden-Würt­tem­berg: «Wenn es schon zu Beginn die­ser Trans­for­ma­ti­on sol­che Maß­nah­men gibt, wie wird es dann erst, wenn es ernst wird? Das ist auch ein Kri­tik­punkt an ver­schie­de­nen Unter­neh­men, die sagen: Ja, wenn es jetzt die Gele­gen­heit des Wan­dels gibt, komm, dann zie­hen wir gleich mit dem Teil der Kara­wa­ne nach Ost­eu­ro­pa.» Der Mega-Auto­zu­lie­fe­rer ZF ist also mehr­fach zur Kon­ver­si­on gezwun­gen, wegen sei­ner schick­sal­haf­ten Sym­bio­se mit der Auto­mo­bil­in­dus­trie, aber auch mit der Rüs­tungs­in­dus­trie. Auch die welt­wei­te Kli­ma­ka­ta­stro­phe und die zuneh­men­de Kriegs­ge­fahr las­sen kei­nen ande­ren Aus­weg zu. Das ist auch dem Kon­zern­be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Achim Diet­rich bewusst: «Man geht davon aus, dass sich 70 Pro­zent der Arbeits­plät­ze total ver­än­dern, nicht mehr vor­han­den sind, neue Arbeits­plät­ze ent­ste­hen.» Das wäre zu begrü­ßen, wür­de die weni­ger wer­den­de Arbeit mit der Ein­füh­rung von einem 4‑Stun­den-Nor­mal­ar­beits­­­tag auf alle gleich ver­teilt bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich. Nie­mand müss­te des­halb die Arbeit ver­lie­ren…“ Arti­kel von Man­fred Die­ten­ber­ger in der SOZ 7/​2020 externer Link
  • Die E‑Mobilität könn­te Zehn­tau­sen­de Arbeits­plät­ze kos­ten. Ein Auto-Exper­te erklärt, wel­che Tei­le bei E‑Autos nicht mehr gebraucht wer­den – und was das für die Indus­trie bedeu­tet
    “SPIEGEL: Herr Kip­fer­ler, beim Auto­gip­fel befasst sich die Bun­des­re­gie­rung mit mög­li­chen Arbeits­platz­ver­lus­ten in der Auto­bran­che. Einer Stu­die externer Link der Neu­en Platt­form Zukunft der Mobi­li­tät (NPM) zufol­ge droht durch den Umstieg auf Elek­tro­an­trie­be bis 2030 der Weg­fall von 410.000 Arbeits­plät­zen. Wie­so könn­ten in der Auto­in­dus­trie so vie­le Arbeits­plät­ze weg­fal­len? Kip­fer­ler: Man muss das prä­zi­sie­ren: Zwei Drit­tel der 410.000 in der Stu­die genann­ten Arbeits­plät­ze fal­len allein durch Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­ne weg, bei­spiels­wei­se durch eine effi­zi­en­te­re Fer­ti­gung. Dadurch wer­den weni­ger Arbeits­kräf­te benö­tigt. Das ist ein ganz nor­ma­ler Pro­zess, der in der Indus­trie seit Jahr­zehn­ten statt­fin­det. Toyo­ta stei­gert sei­ne Pro­duk­ti­vi­tät jedes Jahr um vier bis sechs Pro­zent, von 1000 Arbeits­kräf­ten wer­den am Ende des Jah­res also nur noch 940 benö­tigt. Die­ser Effekt wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt jedoch vom Wachs­tum der Auto­in­dus­trie über­deckt. Dadurch wur­den die Men­schen nicht ent­las­sen, son­dern an ande­rer Stel­le ein­ge­setzt. SPIEGEL: Das wird im kom­men­den Jahr­zehnt aber nicht pas­sie­ren? Kip­fer­ler: Nein, denn die Märk­te haben ihren Höhe­punkt erreicht und wer­den sta­gnie­ren, auch in Chi­na und den USA. Bei rund sechs Mil­lio­nen Beschäf­tig­ten und einem Zeit­raum von zehn Jah­ren gehen dann vie­le Arbeits­plät­ze ver­lo­ren. Das geschieht aber nicht über Nacht, son­dern schritt­wei­se. Auf das Kon­to der Elek­tro­mo­bi­li­tät geht der Stu­die zufol­ge dage­gen nur rund ein Drit­tel der Arbeits­plät­ze…“ Inter­view von Emil Nefz­ger mit Arthur Kip­fer­ler vom 15.01.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Raue Zei­ten – schon vor der Kri­se! Arbeits­platz­ab­bau in der Auto­in­dus­trie: Zeit für akti­ve Poli­tik der Gegen­macht 
    “… Schon Mona­te vor der im nächs­ten Jahr anste­hen­den Tarif­run­de ist die Stim­mung also zuneh­mend gereizt. Dabei geht es um wesent­lich mehr als um Geld. Zum einen geht es dar­um, ob und wie alle Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze zu ver­tei­di­gen sind. Und zum ande­ren, was Tarif­ab­kom­men und Betriebs­ver­ein­ba­run­gen noch wert sind. Mit ande­ren Wor­ten: Es geht um eine wirk­li­che Macht­pro­be zwi­schen Kapi­tal und Arbeit im Vor­feld einer kom­men­den Wirt­schafts­kri­se. Sie wird nicht mit der Metho­de Audi zu bestehen sein. Bei der durch den Abgas­skan­dal beschä­dig­ten VW-Toch­ter sol­len 9500 Stel­len – natür­lich «sozi­al­ver­träg­lich» – abge­baut wer­den. Gleich­zei­tig sol­len 2000 neue Jobs für Elek­tro­mo­bi­li­tät und Digi­ta­li­sie­rung geschaf­fen wer­den. Aber es gibt da meh­re­re Haken: Ers­tens zah­len die Beschäf­tig­ten die Zeche für die Pro­fit­gier der Haupt­ei­gen­tü­mer des VW-Kon­zerns – die Fami­li­en Piëch und Por­sche. Zwei­tens fin­det der Abbau trotz gel­ten­der «Beschäf­ti­gungs­si­che­rung» mit Aus­schluss betriebs­be­ding­ter Kün­di­gun­gen bis 2025 statt. Drit­tens ver­liert die IGM damit vie­le ihrer treu­es­ten betrieb­li­chen Mit­glie­der in den wenig qua­li­fi­zier­ten Tätig­keits­be­rei­chen. Vier­tens spricht fast nie­mand von den Beschäf­tig­ten zwei­ter und drit­ter Klas­se, den Leih­ar­bei­tern und Werk­ver­träg­lern, die ohne viel Feder­le­sen ihre Jobs ver­lie­ren wer­den oder bereits ver­lo­ren haben. Und fünf­tens wird die bis­her ein­ge­üb­te Metho­de einer mehr oder weni­ger rei­bungs­los funk­tio­nie­ren­den, betrieb­li­chen und gewerk­schaft­li­chen Stell­ver­tre­ter­po­li­tik noch stär­ker die Zukunft der IG Metall als einer durch­set­zungs­fä­hi­gen Gewerk­schaft bedro­hen. Es ist aller­höchs­te Zeit für die IG Metall, nicht nur in Mann­heim, son­dern auch anders­wo, ent­schlos­sen und gut orga­ni­siert die Wen­de hin zu einer akti­vie­ren­den und kämp­fe­ri­schen Poli­tik der Gegen­macht in Betrieb und Gewerk­schaft anzu­ge­hen. Gleich­zei­tig muss es dabei um eine Schär­fung des poli­ti­schen Pro­fils gehen. Die kon­se­quen­te Ver­tei­di­gung unse­rer Grund­rech­te, das aus Arti­kel 14 Grund­ge­setz abge­lei­te­te Ver­bot von Ent­las­sun­gen, der Kampf für die 30-Stun­den-Woche bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich und die Kon­ver­si­on der Auto­in­dus­trie unter Kon­trol­le der Beschäf­tig­ten sind hier an ers­ter Stel­le zu nen­nen. Bewuss­te Ent­schei­dun­gen in die­se Rich­tung sind jetzt erfor­der­lich. Sicher ist das kein ein­fa­cher und schnel­ler Pro­zess, aber es wäre fahr­läs­sig, ihn noch wei­ter hin­aus­zu­zö­gern.“ Bei­trag von H.N. in Soz Nr.01/2020 externer Link
  • Ein Wider­sinn mit Metho­de: Mas­sen­ent­las­sun­gen zur Arbeits­platz­si­che­rung? 
    “Die ein­schlä­gi­gen Mel­dun­gen geben kei­ne Schlag­zei­len mehr her, weil sie Nor­ma­li­tät gewor­den sind: 6.000 Ent­las­sun­gen bei Thys­sen­krupp, 9.500 bei Audi, 10.000 bei Daim­ler-Benz; VW hat bereits 10.000 Ent­las­sun­gen ange­kün­digt und erhöht um 7.000; 1.600 bei Bosch; auch Scha­eff­ler-Con­ti­nen­tal ent­lässt 7.000, eben­so BASF; BMW “begnügt” sich mit Lohn­sen­kun­gen usw. Gleich­zei­tig ver­mel­det die Gewerk­schaft stolz einen neu­en Arbeits­platz­si­che­rungs­ver­trag bei Audi. Und auch bei ande­ren Betrie­ben, bei denen eine Arbeits­platz­ga­ran­tie ver­ein­bart wur­de, schei­nen die Ver­trä­ge den Ent­las­sun­gen nicht ent­ge­gen­zu­ste­hen. Was ist da los? War­um geht ein sol­cher Wider­sinn glatt durch? (…) Die Betrie­be ver­fü­gen aber noch über eine ande­re Aus­ga­ben-Abtei­lung, die sich wesent­lich fle­xi­bler gestal­ten lässt, näm­lich die Lohn- und Gehalts­kos­ten ihrer ver­ehr­ten “Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen”. Deren Lebens­un­ter­halt ist für die Unter­neh­men – wie gera­de die aktu­el­len Bei­spie­le bele­gen – eine leicht hand­hab­ba­re Grö­ße. Einen Teil die­ser Kos­ten kön­nen sich die Betrie­be bei gerin­ger wer­den­dem Geschäft ganz ohne Pro­blem ent­le­di­gen: Das sind die Kos­ten für Leih­ar­bei­ter, die ohne jeden Kün­di­gungs­schutz ent­las­sen wer­den kön­nen, denn sie sind recht­lich nicht bei der sie beschäf­ti­gen­den Fir­ma ange­stellt, son­dern bei der Leih­ar­beits­fir­ma, die sie dann ent­las­sen oder wei­ter­ver­lei­hen kann. Ein Teil der Beleg­schaft ist alt oder krank und been­det daher von sich aus den Arbeits­ver­trag ohne Kos­ten. Durch Nicht-Wie­der­be­set­zung der Stel­len wird deren Lohn oder Gehalt ein­ge­spart. Bei vie­len Auto­fir­men hat die Gewerk­schaft den Unter­neh­men zudem ein­ge­räumt, einen erheb­li­chen Teil des Jah­res­loh­nes als Prä­mie aus­zu­zah­len und die­sen Teil des Lohns ganz in die freie Ver­fü­gung des Betriebs gestellt, so dass BMW z.B. ohne Pro­ble­me die­sen Lohn­be­stand­teil um 2.000 Euro sen­ken kann. (…) Wenn die Gewerk­schaf­ten ange­sichts der Rea­li­tät von Mas­sen­ent­las­sun­gen Arbeits­platz­ga­ran­tien ver­ein­ba­ren und stolz ver­kün­den, dass sie mit den Unter­neh­men gemein­sam die Ent­las­sun­gen ver­ein­bart haben, bei denen es ganz ohne betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen von­stat­ten­ge­hen kann, dann demons­trie­ren sie zwei­er­lei: Für sie ist das für den Betrieb loh­nen­de Geschäft die aner­kann­te Grund­la­ge dafür, dass es über­haupt einen Arbeits­platz gibt, und Ent­las­sun­gen mit gewerk­schaft­li­cher Betei­li­gung sind kei­ne, weil sie ohne Kün­di­gun­gen statt­fin­den, viel­mehr über den Sozi­al­plan gere­gelt sind. Dabei bla­miert gera­de die Bekannt­ga­be der Ent­las­sun­gen die Vor­stel­lung, dass das loh­nen­de Geschäft eine siche­re Grund­la­ge für ein Arbeit­neh­mer­ein­kom­men dar­stellt. Denn klar ist: Schrumpft das Geschäft, ste­hen Ent­las­sun­gen ins Haus; boomt aber die Wirt­schaft, fin­den genau­so Ratio­na­li­sie­run­gen zur Ein­spa­rung von Lohn­kos­ten statt, um den Erfolg zu sichern und in der Kon­kur­renz nicht zurück­zu­fal­len. Die deut­schen Gewerk­schaf­ten zei­gen hier ein wei­te­res Mal, dass sie weit davon ent­fernt sind, wie zu Grün­dungs­zei­ten ein Zusam­men­schluss von Arbei­tern zu sein, um der Macht der Unter­neh­men die geball­te Macht derer ent­ge­gen­zu­set­zen, die den Reich­tum schaf­fen. Statt­des­sen gilt heu­te ihre ein­zi­ge Sor­ge dem erfolg­rei­chen Gang des Geschäfts ihres Unter­neh­mens – und wenn dafür Ent­las­sun­gen not­wen­dig sind, dann kann das Unter­neh­men ganz auf die Zustim­mung sei­nes Betriebs­ra­tes bau­en. Schließ­lich ist die Gewerk­schaft qua Betriebs­rat und in vie­len Fäl­len auch im Auf­sichts­rat über den Gang des Geschäf­tes infor­miert, wobei sich ihre Ver­tre­ter in der Regel als Co-Mana­ger sehen, die den Geschäfts­er­folg mit sichern wol­len. So die­nen die Ent­las­sun­gen in den Augen der Gewerk­schafts­ver­tre­ter im Betrieb dem Erhalt der ver­blei­ben­den Arbeits­plät­ze, auch wenn sich die Betriebs­ver­ein­ba­run­gen über die Arbeits­platz­ga­ran­tie immer wie­der als blo­ße Maku­la­tur her­aus­stel­len. Dabei erweist sich die Behaup­tung, Ent­las­sun­gen über den Sozi­al­plan sei­en etwas grund­sätz­lich ande­res als Ent­las­sun­gen auf­grund betriebs­be­ding­ter Kün­di­gung, als frucht­bar: Mit einem Sozi­al­plan, so die Sicht­wei­se der Gewerk­schaft, ist der Ver­lust des Arbeits­plat­zes kei­ne Wider­le­gung der Arbeits­platz­ga­ran­tie, son­dern des­sen Siche­rung, auch wenn der Platz nach­her futsch ist. Dass mit den Abfin­dun­gen die beglück­ten Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen Ein­schrän­kun­gen hin­zu­neh­men haben, spielt dabei eben­falls kei­ne Rol­le. Dass über­haupt eine Mil­de­rung des Scha­dens statt­fin­det, schreibt sich die Gewerk­schaft als Ver­dienst gut, auch wenn sie den Sozi­al­plan nicht erkämpft hat. Die­ser ist ja gesetz­lich gere­gelt und die Gewerk­schaft ist dabei nur als eine Instanz gefragt, die bei der Aus­ge­stal­tung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben mit­wir­ken darf…“ Bei­trag von Suit­bert Cechu­ra vom 10.12.2019 bei Tele­po­lis externer Link
  • Eine Nach­be­trach­tung zum Akti­ons­tag der IG Metall in Stutt­gart 
    IG Metall: #fairwandel“Am ver­gan­ge­nen Frei­tag orga­ni­sier­te die IG Metall einen Akti­ons­tag auf dem Stutt­gar­ter Schloss­platz. Sie reagier­te damit auf die wach­sen­de Wut der Beschäf­tig­ten der Auto- und Zulie­fer­indus­trie über die Gewerk­schaft und ihre Betriebs­rä­te, die beim Abbau zehn­tau­sen­der Arbeits­plät­ze im Rah­men der Umstel­lung auf Elek­tro­mo­bi­li­tät eng mit dem Manage­ment zusam­men­ar­bei­ten. (…) Am Ende könn­ten es noch wesent­lich mehr sein. Die Unter­neh­men machen das Aus­maß des Abbaus davon abhän­gig, dass ihre Pro­fi­tra­te steigt. Pro­fes­sor Oli­ver Falck, Auto­mo­bil­ex­per­te am Ifo-Insti­tut, sag­te: „Wie vie­le die­ser Stel­len ver­lo­ren gehen, hängt davon ab, wie vie­le der welt­weit künf­tig nach­ge­frag­ten Elek­tro­au­tos in Deutsch­land gebaut wer­den. Und wie schnell die Zunah­me der Elek­tro­mo­bi­li­tät geht.“ (…) Das stellt die Din­ge auf den Kopf. In Wirk­lich­keit hat die IG Metall im Namen ihrer „Zukunfts­per­spek­ti­ven“ bereits grü­nes Licht für den Abbau von mehr als zehn­tau­send Arbeits­plät­zen bei Bosch, Mah­le, Con­ti­nen­tal, ZF und Scha­eff­ler gege­ben und wird dies auch bei Daim­ler tun. Auf dem Stutt­gar­ter Schloss­platz bot IG-Metall-Bezirks­lei­ter Roman Zit­zels­ber­ger den Kon­zer­nen erneut die Diens­te der Gewerk­schaft an: „Alle Arbeit­ge­ber müs­sen wis­sen: Zukunfts­ge­stal­tung geht nur gemein­sam“, sag­te er. „Der Wan­del kommt, und wir dür­fen den Kopf nicht in den Sand ste­cken.“ (…) Die Stutt­gar­ter Zei­tung schrieb, in der gegen­wär­ti­gen Kri­se habe die Arbeits­platz­si­cher­heit höchs­te Prio­ri­tät, und nicht ein „deut­li­cher Lohn­zu­wachs”: „In hohem Tem­po wirft die Gewerk­schaft das Ruder her­um – gut so. Jetzt muss sie noch all ihre Mit­glie­der vom neu­en Kurs über­zeu­gen. … Im schlimms­ten Fall droht dem Stand­ort Baden-Würt­tem­berg eine schlei­chen­de Deindus­tria­li­sie­rung.“…“ Bei­trag von K. Nesan vom 27.11.2019 bei World Socia­list Web Site externer Link (sie­he den Bezug wei­ter unten)
  • Osram, Con­ti, Miche­lin, Fuji­tsu, BMW: Wir brau­chen ein Not­fall­pro­gramm gegen Schlie­ßun­gen und Ent­las­sun­gen! 
    “… Kaum ein Monat ver­geht ohne neue Hiobs­bot­schaft aus der Indus­trie: Schlie­ßun­gen, Pro­duk­ti­ons­stopps, Ent­las­sun­gen. (…) Die gan­ze deut­sche Indus­trie scheint betrof­fen, doch ist es die Auto­in­dus­trie, die beson­ders gefähr­det ist: Im ober­pfäl­zi­schen Roding kämp­fen die Conti-Arbeiter*innen gegen ihre dro­hen­de Schlie­ßung bis 2024. Das ist direkt mit dem Struk­tur­wan­del ver­bun­den, denn in Roding wer­den Ver­bren­nungs­mo­to­ren gefer­tigt. 540 Arbeits­plät­ze sind allein hier in Gefahr; und die Arbeiter*innen bekom­men auch jetzt schon in einem Haus­ta­rif­ver­trag weni­ger als bran­chen­üb­lich. Den “grü­nen Kapi­ta­lis­musexterner Link sol­len die Rodin­ger Arbeiter*innen zah­len, wäh­rend die kapi­ta­lis­ti­sche Indus­trie mit ihrer Pro­fit­ori­en­tie­rung welt­weit den Pla­ne­ten unbe­wohn­bar machen darf? Das kann es ja wohl nicht sein. (…) Des­halb ist ein Not­fall­pro­gramm not­wen­dig, das die ver­ant­wor­tungs­lo­se Deindus­tria­li­sie­rung ver­bie­tet, die vie­le Tau­sen­de Exis­ten­zen bedroht. (…) Wenn es zu betriebs­be­ding­ten Schlie­ßun­gen und Kün­di­gun­gen kommt, sol­len die Betrie­be und die Eigentümer*innen ihre Geschäfts­bü­cher offen­le­gen, um zu bewei­sen, dass sie tat­säch­lich nichts mehr haben – und wo das gan­ze Geld hin ist. Zuerst soll das Ver­mö­gen der Kon­zer­ne und ihrer Eigentümer*innen gepfän­det wer­den, bevor die Arbeiter*innen mit ihrer Exis­tenz bezah­len, die Jah­re und Jahr­zehn­te für ihre Betrie­be her­ge­ge­ben haben. Mas­sen­ent­las­sun­gen – ob durch Wirt­schafts­kri­sen, Über­nah­men oder Schlie­ßun­gen – soll­ten wegen ihrer ver­hee­ren­den sozia­len Effek­te ganz ver­bo­ten wer­den. Anstatt Gläubig*inner in Ban­ken und ande­ren Groß­kon­zer­nen aus­zu­zah­len, die Kri­sen über­haupt erst her­bei­füh­ren, haben die Unternehmer*innen ins­ge­samt eine Beschäf­ti­gungs­ga­ran­tie für alle Arbeiter*innen zu leis­ten – wenn nicht in die­sem Unter­neh­men, dann in einem gleich guten ande­ren. In guten Zei­ten haben die Eigentümer*innen viel Geld mit der Arbeit ihrer Beschäf­tig­ten ver­dient, jetzt müs­sen sie – wenn beim Ein­zel­nen nichts zu holen ist, kol­lek­tiv durch Indus­trie­ver­bän­de und Ban­ken – dafür haf­ten. Schlie­ßun­gen kön­nen und müs­sen aber auch ganz ver­hin­dert wer­den. (…) Wir müs­sen uns klar machen, dass der Struk­tur­wan­del ein tief grei­fen­des Phä­no­men ist, des­sen Aus­wir­kun­gen gera­de erst begon­nen haben. Ein Not­fall­pro­gramm muss auch Ant­wor­ten dar­auf geben, dass es in Zukunft eini­ge Indus­trie­zwei­ge viel­leicht tat­säch­lich nicht mehr geben wird – wie bei­spiels­wei­se in der Auto­in­dus­trie. Wie kann also eine Trans­for­ma­ti­on aus­se­hen? Eine Wirt­schaft, in der tau­sen­de Men­schen in die Arbeits­lo­sig­keit gestürzt wer­den, wäh­rend ande­re immer mehr und immer unsi­che­rer arbei­ten müs­sen, darf nicht die Zukunft sein. Des­halb muss als Über­gangs­maß­nah­me die vor­han­de­ne Arbeit auf alle ver­teilt wer­den. Das muss mit einer radi­ka­len Sen­kung der Arbeits­zeit bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich ein­her­ge­hen. Die­se For­de­rung kann nicht nur Betrie­be eini­gen, son­dern Lohn­ab­hän­gi­ge über vie­le Bran­chen hin­weg, vom Metall bis in den Öffent­li­chen Dienst. Lasst uns statt auf „Run­de Tische“ zu war­ten, gemein­sam dafür in den Gewerk­schaf­ten, in den Schu­len und Unis sowie auf den Stra­ßen ein­tre­ten, mit demo­kra­ti­schen Ver­samm­lun­gen gegen Schlie­ßun­gen und Ent­las­sun­gen.“ Bei­trag von Oskar Fischer vom 23.11.2019 bei Klas­se gegen Klas­se externer Link
  • Ver­zicht lohnt sich nicht. 15.000 bei Demo gegen Kür­zun­gen in der Auto­in­dus­trie in Stutt­gart /​[Flug­blatt] Vor­stän­de statt Beschäf­tig­te ent­las­sen – Groß­ak­tio­nä­re statt Beleg­schaf­ten ent­eig­nen 
    • Ver­zicht lohnt sich nicht. Demo gegen Kür­zun­gen in der Auto­in­dus­trie in Stutt­gart: Kon­zer­ne ver­la­gern Betrie­be. Gewerk­schaf­ter kön­nen »Trans­for­ma­ti­on« nicht mehr hören
      Mehr als 15.000 Beschäf­tig­te der Auto­bran­che sind am Frei­tag nach­mit­tag in Stutt­gart auf die Stra­ße gegan­gen. Mit­ar­bei­ter der Kon­zer­ne Daim­ler und Audi sowie der Zulie­fe­rer Bosch, Mah­le, Con­ti, ZF, Pro­gress-Werk Ober­kirch (PWO), Scha­eff­ler und Modi­ne folg­ten dem Auf­ruf der IG Metall zu einer Pro­test­kund­ge­bung auf den Stutt­gar­ter Schloss­platz (sie­he jW vom 23.11.). Es war die ers­te gemein­sa­me Reak­ti­on der Metal­le­rin­nen und Metal­ler auf die seit Mona­ten immer schär­fe­ren Angrif­fe aus den Chef­eta­gen. In 160 Unter­neh­men der baden-würt­tem­ber­gi­schen Auto­in­dus­trie wur­den in den letz­ten Mona­ten Kür­zungs­pro­gram­me bis hin zu Per­so­nal­ab­bau und Werks­schlie­ßun­gen ange­kün­digt. Am här­tes­ten trifft es dabei die Beschäf­tig­ten der Zulie­fer­indus­trie. Selbst bestehen­de Tarif­ver­trä­ge wer­den zur Dis­po­si­ti­on gestellt. (…) Die Schluss­fol­ge­rung von IGM-Betriebs­rat Schwarz: »Es geht nicht um Trans­for­ma­ti­on, es geht um Pro­fit«. Auch der Betriebs­rat von Bosch, Frank Sell, erklär­te, er kön­ne das Wort »Trans­for­ma­ti­on« nicht mehr hören. Denn auch bei Bosch wer­den mit dem Argu­ment der E‑Mobilität 2.600 Arbeits­plät­ze in der Regi­on Stutt­gart ver­nich­tet. Ein Teil die­ser Jobs wird ins Nied­rig­lohn­land Ungarn ver­la­gert. Beson­ders hart trifft es die Beschäf­tig­ten bei PWO in Ober­kirch. »Wir hat­ten nur ein Jahr die 35-Stun­den-Woche«, so die Betriebs­rä­tin Eva Mei­er. Ansons­ten wur­de über einen Ergän­zungs­ta­rif­ver­trag bis zu 40 Stun­den gear­bei­tet – aber es wur­den nur 35 Stun­den bezahlt. Hun­dert Mil­lio­nen Euro habe PWO dadurch auf Kos­ten der Beleg­schaft gespart. Damit sei­en hohe Gewin­ne an die Aktio­nä­re und Boni an die Geschäfts­füh­rer bezahlt wor­den. Das Bei­spiel zeigt, Ver­zicht lohnt sich nicht. Denn im Sep­tem­ber 2019 hat PWO den Aus­tritt aus dem soge­nann­ten Arbeit­ge­ber­ver­band bis Ende 2019 erklärt. Das wol­len sich die Beschäf­tig­ten nicht bie­ten las­sen. Mei­er sag­te: »Wer Wind sät, wird Sturm ern­ten«. Der gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­grad ist bei PWO in den letz­ten Wochen beacht­lich gestie­gen. (…) Die Bewe­gung »Fri­days for Future« (FFF) hat­te an die pro­tes­tie­ren­den Metal­ler eine Soli­da­ri­täts­er­klä­rung geschickt, in der sie for­dert, dass Arbeits­plät­ze nicht gegen den Kli­ma­schutz aus­ge­spielt wer­den dürf­ten. Noch bes­ser wäre es gewe­sen, wenn die IG Metall ihren Pro­test auf den nächs­ten Streik­tag von FFF am 29. Novem­ber gelegt und es eine gemein­sa­me Kund­ge­bung von strei­ken­den Schü­lern und Gewerk­schaf­tern gege­ben hät­te.“ Arti­kel von Ursel Beck in der jun­gen Welt vom 25.11.2019 externer Link – sie­he zur Demo auch:
    • [Flug­blatt] Vor­stän­de statt Beschäf­tig­te ent­las­sen – Groß­ak­tio­nä­re statt Beleg­schaf­ten ent­eig­nen
      Mana­ger der Auto- und Zulie­fe­rer­in­dus­trie über­bie­ten sich der­zeit bei ihren Angrif­fen auf die Beschäf­tig­ten. Kein Tag ver­geht ohne neue Hiobs­bot­schaft aus irgend­ei­nem Betrieb. Egal, ob Bosch, Mah­le, Daim­ler, Con­ti …, auf bereits ver­kün­de­ten Arbeits­platz­ab­bau und Kür­zungs­pro­gram­me wird drauf gepackt. Selbst mehr­jäh­ri­ge Beschäf­ti­gungs­ga­ran­tien, die mit Zuge­ständ­nis­sen der Beleg­schaf­ten erkauft wur­den, wer­den auf­ge­kün­digt. (…) Im zurück­lie­gen­den Boom gab es für die deut­schen Auto­kon­zer­ne einen Gewinn­re­kord nach dem ande­ren, Kapi­tal­ren­di­ten bis 16 % und explo­die­ren­de Mana­ger­ge­häl­ter. Wie immer, sind die Kapi­ta­lis­ten nicht bereit, die von ihrem Pro­fit­sys­tem ver­ur­sach­te Kri­se zu bezah­len. Groß­ak­tio­nä­re wol­len wei­ter hohe Divi­den­den. Mana­ger wol­len wei­ter in der Well­ness-Oase der Ein­kom­mens­mil­lio­nä­re blei­ben. Die Ver­lus­te und die Kos­ten für die geplan­ten Inves­ti­tio­nen sol­len durch Arbeits­platz­ver­nich­tung, Lohn­kür­zun­gen und noch mehr Arbeits­druck aus den Beleg­schaf­ten her­aus­ge­presst und mit Steu­er­gel­dern bezu­schusst wer­den. Ein beacht­li­cher Teil der Ver­lus­te, die jetzt rekla­miert wer­den, wur­den durch den Die­sel­be­trug ver­ur­sacht. Doch das Ver­ur­sa­cher­prin­zip soll hier nicht gel­ten. (…) Der Abbau von Arbeits­plät­zen wird vor allem mit der Trans­for­ma­ti­on des Auto­baus auf bat­te­rie­elek­tri­schen Antrieb begrün­det. In Wirk­lich­keit wol­len die Kon­zer­ne künf­tig min­des­tens genau so vie­le Ver­bren­ner bau­en wie bis­her. (…) Die E‑Au­to-Debat­te ist ein Ablen­kungs­ma­nö­ver. Es hat nichts mit Trans­for­ma­ti­on zu tun, wenn Daim­ler die End­mon­ta­ge der Die­sel­mo­to­ren von Unter­türk­heim in Wer­ke mit nied­ri­ge­ren Löh­nen nach Thü­rin­gen und Polen, oder Zulie­fer­er­be­trie­be wie Mah­le, Bosch, ZF und Con­ti­nen­tal Arbeits­plät­ze nach Ungarn, Tsche­chi­en, Rumä­ni­en oder Chi­na ver­la­gern. Hier geht es um Lohn­dum­ping für Pro­fi­te. (…) Die Still­le­gung von Wer­ken bei gleich­zei­ti­gem Neu­bau ist eine gigan­ti­sche Ver­schwen­dung gesell­schaft­li­cher Res­sour­cen und extrem umwelt- und kli­ma­schäd­lich. Aus Sicht der Ein­zel­ka­pi­ta­lis­ten erscheint der Auf­bau neu­er Kapa­zi­tä­ten sinn­voll, weil es woan­ders nied­ri­ge­re Löh­ne gibt, unab­hän­gi­ge Gewerk­schaf­ten ver­bo­ten sind, staat­li­che Sub­ven­tio­nen locken, unter­neh­mer­freund­li­che­re Umwelt- und Arbeits­schutz­ge­set­ze exis­tie­ren, Zöl­le oder Wäh­rungs­schwan­kun­gen ver­hin­dert und/​oder Trans­port­kos­ten gespart wer­den kön­nen. (…) Die Schorn­stei­ne der Koh­le­kraft­wer­ke sind der Aus­puff für E‑Autos. Für die Pro­duk­ti­on von E‑Autos wer­den Unmen­gen an knap­pen Roh­stof­fen (Lithi­um, Kobalt, Kup­fer) ver­braucht. Deren Abbau hat in der soge­nann­ten Drit­ten Welt desas­trö­se öko­lo­gi­sche und sozia­le Fol­gen. Alle ande­ren Schä­den des Indi­vi­du­al­ver­kehrs gel­ten auch für das E‑Auto (…) Wenn Daim­ler, VW, BMW, Bosch, Mah­le, Con­ti … in Gemein­ei­gen­tum über­führt sind, kön­nen die Gewin­ne und die Inves­ti­ti­ons­mit­tel der Auto­in­dus­trie sowie alle staat­li­chen Mit­tel, die für E‑Mobilität sinn­los ver­schwen­det wer­den, in einen demo­kra­ti­schen Pro­duk­ti­ons­plan für Schie­nen­fahr­zeu­ge, Bus­se und ande­re öko­lo­gi­sche Ver­kehrs­mit­tel umge­lenkt wer­den. Wenn weni­ger Men­schen für die Pro­duk­ti­on gebraucht wer­den, wird die Arbeits­zeit bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich redu­ziert. Nie­mand ver­liert sei­nen Arbeits­platz. Leiharbeiter*innen oder Werksvertragsarbeiter*innen wer­den nicht „abge­mel­det“ son­dern fest über­nom­men. IG Metall: Gegen­wehr statt Co-Manage­ment
      Es ist gut, dass die IG Metall am 22.11.2019 zu einer Kund­ge­bung in Stutt­gart auf­ruft. Noch bes­ser wäre ein gemein­sa­mer Streik­tag und eine gemein­sa­me Kund­ge­bung mit „Fri­days for Future“ am 29.11. 2019 für die Ret­tung von Kli­ma und Arbeits­plät­zen. Die Kri­se der Auto­in­dus­trie wird von der IGM lei­der falsch beant­wor­tet. Grund­sätz­lich hat die IGM nichts dage­gen, wenn Arbeits­plät­ze über Alters­teil­zeit und frei­wil­li­ge Auf­lö­sungs­ver­trä­ge abge­baut wer­den. Auch Kurz­ar­beit wird trotz der damit ver­bun­de­nen Lohn­ver­lus­te unter­stützt. Die IGM setzt sich auch für E‑Autos und deren staat­li­che För­de­rung (ohne Bedürf­tig­keits­prü­fung!) ein. Im Auf­ruf für den 22.11.2019 wird an die Unter­neh­mer appel­liert „gemein­sam mit den Beschäf­tig­ten Zukunfts­per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln“. Das ist völ­lig illu­so­risch. Denn das Inter­es­se der Kapi­ta­lis­ten nach mehr Pro­fit lässt sich nicht mit dem Inter­es­se der Beschäf­tig­ten nach siche­ren Arbeits­plät­zen und guten Löh­nen ver­ein­ba­ren. Es spal­tet die Mit­glied­schaft der IG Metall wenn sich Betriebsrät*innen und Gewerkschafter*innen am „Hau­en und Ste­chen“ um die Pro­duk­ti­on ein­zel­ner Kom­po­nen­ten für bestimm­te Wer­ke betei­li­gen oder Betriebsrät*innen der Auto­kon­zer­ne eine höhe­re Fer­ti­gungs­tie­fe auf Kos­ten der Zulie­fe­rer for­dern
      …” Flug­blatt vom 22. Novem­ber 2019 der Sol Stutt­gart zum Akti­ons­tag der IG Metall externer Link
    • “Job­ab­bau? Zukunfts­klau? Halb­schlau!” 15.000 Beschäf­tig­te demons­trie­ren in Stutt­gart beim Akti­ons­tag am 22.11.2019
      “Trö­ten und Tril­ler­pfei­fen, dazu dut­zen­de Trans­pa­ren­te und IG Metall-Fah­nen: Rund 15.000 Beschäf­tig­te aus Auto­mo­bil- und Zulie­fer­be­trie­ben in ganz Baden-Würt­tem­berg sen­den heu­te aus Stutt­gart ein deut­li­ches Signal an ihre Geschäfts­lei­tun­gen: Fin­ger weg von unse­ren Arbeits­plät­zen! Gegen Spar­pro­gram­me auf Kos­ten der Beleg­schaf­ten! Für siche­re und gute Beschäf­ti­gung im Wan­del! “Job­ab­bau? Zukunfts­klau? Halb­schlau!” Unter die­sem Mot­to hat die IG Metall Baden-Würt­tem­berg ab 15 Uhr zum Akti­ons­tag gegen die ange­kün­dig­ten Stel­len­strei­chun­gen und Spar­pro­gram­me in der Auto­mo­bil- und Zulie­fer­indus­trie auf­ge­ru­fen. Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer reis­ten in über 150 Bus­sen aus allen Tei­len Baden-Würt­tem­bergs und teil­wei­se auch dar­über hin­aus an; meh­re­re Tau­send kamen mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln aus der Regi­on Stutt­gart und ver­wan­del­ten den Schloss­platz in ein rotes Fah­nen­meer. Roman Zit­zels­ber­ger, Bezirks­lei­ter IG Metall Baden-Würt­tem­berg: “15.000 Men­schen ver­mit­teln heu­te eine ein­deu­ti­ge Bot­schaft: Wir las­sen uns nicht unse­re Arbeits­plät­ze weg­neh­men und unse­re Zukunft vor­ent­hal­ten, nur weil etli­che Unter­neh­mer ihre Haus­auf­ga­ben nicht gemacht haben und teil­wei­se noch mehr Ren­di­te wol­len. Wir for­dern siche­re Beschäf­ti­gung im Wan­del und wol­len unse­re Zukunft mit­be­stim­men. Alle Arbeit­ge­ber müs­sen wis­sen: Zukunfts­ge­stal­tung geht nur gemein­sam! Las­sen Sie uns gemein­sam mit den Beschäf­tig­ten Per­spek­ti­ven für alle unse­re Stand­or­te und für eine Trans­for­ma­ti­on mit allen Beschäf­tig­ten ent­wi­ckeln. Dar­um ste­hen wir hier, dafür kämp­fen wir und wir wer­den so lan­ge nicht nach­ge­ben, bis es gute Lösun­gen für alle gibt. …“ Mel­dung vom 22.11.2019 von und bei IG Metall Baden-Würt­tem­berg externer Link
  • Akti­ons­tag der IG Metall Baden-Würt­tem­berg am 22. Novem­ber in Stutt­gart ver­är­gert die Arbeit­ge­ber: “Die Gewerk­schaft set­ze die Sozi­al­part­ner­schaft aufs Spiel”, warnt Süd­west­me­tall 
    IG Metall: #fairwandel“Ent­rüs­tet reagie­ren die Metall­ar­beit­ge­ber auf die Ankün­di­gung der IG Metall, am 22. Novem­ber einen lan­des­wei­ten Akti­ons­tag in Stutt­gart zu orga­ni­sie­ren. „Das war kein guter Auf­takt für die Tarif­run­de 2020“, bewer­te­te Süd­west­me­tall-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Peer-Micha­el Dick gegen­über unse­rer Zei­tung die Plä­ne der Gewerk­schaft, gegen die vie­len Spar­pa­ke­te in der Auto­mo­bil- und Zulie­fer­indus­trie öffent­lich zu mobi­li­sie­ren. (…) IG-Metall-Bezirks­lei­ter Roman Zit­zels­ber­ger hat­te in einer Pres­se­kon­fe­renz mit Betriebs­rats­chefs fünf bedeu­ten­der Unter­neh­men gefor­dert, dass alle Betrie­be mit den Arbeit­neh­mer­ver­tre­tern eine Trans­for­ma­ti­ons­ver­ein­ba­rung abschlie­ßen sol­len, „in der klar wird, dass die Stand­or­te und die Beschäf­ti­gung gesi­chert wer­den“. Wer mit­ma­che, habe die IG Metall als Part­ner. „Alle ande­ren haben Ärger“, so Zit­zels­ber­ger. (…) Laut Zit­zels­ber­ger wird der­zeit in 160 Metall­be­trie­ben im Land über Spar­pro­gram­me bis hin zum Per­so­nal­ab­bau ver­han­delt. „Wirk­lich mas­siv ver­är­gert“, so Dick, sei­en die Arbeit­ge­ber wegen der Behaup­tung, dass Beschäf­tig­te fahr­läs­sig ent­las­sen wür­den. (…) Die Ursa­chen lägen auch in frü­he­ren Tarif­run­den, „die mit hohen Abschlüs­sen sehr schwie­ri­ge Rah­men­be­din­gun­gen für die Betrie­be geschaf­fen haben“. Nun ste­he die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Unter­neh­men am Indus­trie­stand­ort auf dem Spiel.“ Bei­trag von Mat­thi­as Schier­mey­er vom 16.11.2019 in der Stutt­gar­ter Zei­tung online externer Link
  • Es rumort bei Bosch, Con­ti, Mah­le, ZF /​IG Metall plant Pro­test­ak­ti­on am 22.11.2019 gegen Job­ab­bau 
    “In den Beleg­schaf­ten der Auto­zu­lie­fe­rer rumort es. Die Kon­zern­vor­stän­de streu­en Hoff­nun­gen in neue Geschäfts­fel­der der E‑Mobilität und Digi­ta­li­sie­rung, um ihre Abwäl­zung der Kri­sen­las­ten auf Beleg­schaf­ten und Natur zu recht­fer­ti­gen. (…) Zuletzt fan­den des­halb meh­re­re außer­or­dent­li­che Betriebs­ver­samm­lun­gen statt. Frank Sell, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der bei Bosch Feu­er­bach: „Da ist rich­tig Dampf im Kes­sel.“ Hel­mut Mey­er, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der im Ent­wick­lungs­zen­trum Bosch Alb­statt, berich­tet von einer neu­en Wel­le der Fle­xi­bi­li­sie­rung von Arbeits­be­din­gun­gen, ver­bun­den mit Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen. Ins­be­son­de­re For­schungs- und Ent­wick­lungs­auf­ga­ben sol­len bei­spiels­wei­se nach Rumä­ni­en, Ungarn oder auch nach Indi­en und Chi­na abwan­dern. (…) Die IG Metall Baden-Würt­tem­berg ruft nun zur lan­des­wei­ten Pro­test­kund­ge­bung in Stutt­gart am 22. Novem­ber auf. Erwar­tet wer­den meh­re­re Tau­send Beschäf­tig­te von Auto‑, Zulie­fer- und Maschi­nen­bau-Fir­men. Die IG Metall will die mas­si­ven „Spar­plä­ne und ange­kün­dig­ten Stel­len­strei­chun­gen“ nicht kampf­los hin­neh­men – wobei die Kon­zer­ne vor allem bei Lohn­kos­ten und sozia­len Zuge­ständ­nis­sen “spa­ren” wol­len, um ihre Maxi­mal­pro­fi­te zu erhö­hen. Die gemein­sa­me Pro­test­ak­ti­on ent­spricht dem Wunsch der Beleg­schaf­ten, die Kräf­te über Kon­zern- und Län­der­gren­zen hin­weg zu bün­deln. Aller­dings ist es völ­lig illu­sio­när, wenn die baden-würt­tem­ber­gi­sche IG-Metall-Füh­rung an die “sozia­le Ver­ant­wor­tung” der Kon­zer­ne appel­liert. Was davon zu hal­ten ist, unter­strei­chen die aktu­el­len For­de­run­gen der Unter­neh­mer­ver­bän­de nach noch rigo­ro­se­rer Abwäl­zung der Kri­sen­las­ten vor dem Hin­ter­grund des Über­gangs zu einer neu­en Welt­wirt­schafts­kri­se. (…) Auch die ultrare­ak­tio­nä­re, faschis­to­ide AfD posi­tio­niert sich immer offe­ner als Par­tei der Auto­kon­zer­ne – von wegen “Pro­test­par­tei”! Sie ist gegen Die­sel­fahr­ver­bo­te und will unbe­grenzt am Ver­bren­nungs­mo­tor fest­hal­ten, statt gegen den kri­mi­nel­len Die­sel­be­trug der Kon­zer­ne, für voll­stän­di­ge Ent­schä­di­gung der Die­sel-Besit­zer und den Aus­bau des kos­ten­lo­sen öffent­li­chen Nah­ver­kehrs ein­zu­tre­ten…“ Bei­trag vom 05.11.2019 bei Rote Fah­ne News externer Link, sie­he dazu den Auf­ruf “Job­ab­bau? Zukunfts­klau? Halb­schlau! FAIRWANDEL geht anders!” bei der IG Metall Baden-Würt­tem­berg externer Link für den Akti­ons­tag in Stutt­gart am 22. Novem­ber 2019 am Schloss­platz ab15 Uhr

Siehe dazu auch:

Der Bei­trag Von Bosch über Con­ti­nen­tal bis ZF: In der Zulie­fe­rer-Bran­che steht ein mas­si­ver Job­ab­bau an, Fabri­ken droht die Schlie­ßung. Gegen die Kri­se wer­den klas­si­sche Rezep­te nichts hel­fen erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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