[EMRAWI:] Lager Moria in Asche – was nun? Grenzen auf und Bewegungsfreiheit für alle!

Azadi – Wir wollen Freiheit!

Das Feu­er in Moria ist kei­ne Über­ra­schung. Seit lan­gem gibt es alar­mie­ren­de Berich­te über die Situa­ti­on in dem völ­lig über­füll­ten Lager auf Les­bos – und es war nur eine Fra­ge der Zeit, bis sich die Situa­ti­on zuspitzt. Die Lage war ange­spannt, die Men­schen muss­ten in völ­lig über­füll­ten, unan­ge­mes­se­nen Zel­ten schla­fen. Der Zugang zu Essen, Was­ser, sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen und medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung war beschränkt – trotz der Gefahr durch Covid-19. Seit Mit­te März gab es Aus­gangs­be­schrän­kun­gen für die Leu­te in Moria. Es kam immer wie­der zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Lager, zu Pro­tes­ten und Hun­ger­streiks… Nur weni­ge Tage vor dem Feu­er wur­de der ers­te Fall von Covid-19 in Moria bekannt. Wie sol­len sich Leu­te in einem voll­kom­men über­füll­ten Lager selbst iso­lie­ren, ohne ent­spre­chen­de medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung? Die­se Fra­ge stellt sich nun nicht mehr.

Durch den Brand hat sich die Situa­ti­on noch ein­mal ver­schärft. Tau­sen­de Men­schen, die ein wei­te­res mal alles ver­lo­ren haben, müs­sen nach der Flucht vor dem Feu­er rund um das abge­brann­te Lager im Frei­en schla­fen. Sie wer­den wei­ter­hin von der Poli­zei schi­ka­niert, haben kei­nen Zugang zu den not­wen­digs­ten Din­gen, nichts zum Essen, kein Was­ser, kein Geld, kei­ne Decken, kei­nen Zugang zu Gesund­heits­ver­sor­gung und Medi­ka­men­ten – es fehlt an allem. Es ist eine abso­lut untrag­ba­re Situa­ti­on und frag­lich, wohin dies führt, wenn nicht sofort inter­ve­niert wird – und die Men­schen die not­wen­digs­te Hil­fe erhal­ten. Doch eher das Gegen­teil ist zu beob­ach­ten.

Im Inter­net sind zahl­rei­che Vide­os zu sehen, wie die Poli­zei mit Trä­nen­gas und Gewalt gegen die Geflüch­te­ten auf den Stra­ßen rund um Moria vor­geht. Es wird ihnen unter­sagt, in die umlie­gen­de Orte oder die Haupt­stadt Myti­li­ni zu gehen. Dass es zu Repres­si­on gegen die Geflüch­te­ten kommt, ist kein Wun­der, denn die ers­te Reak­ti­on der grie­chi­schen Regie­rung war es, einen Aus­nah­me­zu­stand aus­zu­ru­fen und drei Ein­hei­ten der Riot Poli­zei auf die Insel zu schi­cken – mit brand­neu­er Aus­rüs­tung. Unter­stüt­zung bekommt die Ter­ror­po­li­zei dabei von loka­len Rassist*innen und Faschist*innen, die seit Mona­ten gewalt­tä­tig gegen Geflüch­te­te und Unterstützer*innen vor­ge­hen.

In der aktu­el­len Situa­ti­on errich­ten ras­sis­ti­sche Mobs mit Unter­stüt­zung von teil­wei­se extra ange­reis­ten Faschist*innen um Moria Stra­ßen­blo­cka­den, um huma­ni­tä­re Hil­fe für Geflüch­te­te zu ver­hin­dern. Gleich­zei­tig geht die Poli­zei gewalt­sam gegen soli­da­ri­sche Anti­fa Demos vor.

Die Geflüch­te­ten pro­tes­tie­ren gegen die ver­schärf­te Situa­ti­on, in die sie über Nacht gera­ten sind. Sie haben eine kla­re For­de­rung: Frei­heit!

Anstatt eine umge­hen­de Eva­ku­ie­rung der Men­schen ein­zu­lei­ten und sie in die zahl­rei­chen auf­nah­me­be­rei­ten Orte in Euro­pa zu brin­gen, set­zen die ver­ant­wort­li­chen Politiker*innen in Grie­chen­land und quer durch Euro­pa wei­ter­hin auf gewalt­tä­ti­ge Unter­drü­ckung, Trä­nen­gas, Gum­mi­ge­scho­ße, Abschot­tung und Aus­gren­zung.

Proteste für Bewegungsfreiheit – Aufnahme von Geflüchteten JETZT!

In einer Aus­sendung schreibt die asyl­ko­or­di­na­ti­on: „Fas­sungs­los muss­ten wir in den ver­gan­gen 24 Stun­den die Reak­tio­nen von Innen­mi­nis­ter Neham­mer und Außen­mi­nis­ter Schal­len­berg auf die Situa­ti­on auf Les­bos mit­ver­fol­gen. Spon­tan haben sich Tau­sen­de in den sozia­len Medi­en und auch schon auf der Stra­ße gegen die Unmensch­lich­keit der ÖVP erho­ben. Peti­ti­on wur­den gestar­tet, Demons­tra­tio­nen orga­ni­siert …“

Quer durch Euro­pa gehen die Men­schen auf die Stra­ßen und wer­den gegen die euro­päi­sche Grenz­po­li­tik aktiv. So auch in Öster­reich, wo die ÖVP kei­nen Mil­li­me­ter von ihrer unmensch­li­chen und ras­sis­ti­schen Poli­tik abrü­cken will. Immer mehr Men­schen erhe­ben sich und for­dern die Auf­nah­me der nun obdach­lo­sen Geflüch­te­ten aus Moria.

Bereits am Abend des 9. Sep­tem­ber, nach­dem die Nach­richt über das Feu­er auf Les­bos ver­brei­tet wur­de, ver­sam­mel­ten sich in Wien hun­der­te Men­schen zum spon­ta­nen Pro­test. In Deutsch­land for­der­ten am 9. Sep­tem­ber bei knapp 50 Demons­tra­tio­nen meh­re­re zehn­tau­send Men­schen die sofor­ti­ge Auf­nah­me von geflüch­te­ten Men­schen, aller­dings nicht nur jener aus dem abge­brann­ten Lager in Moria: ALLE Lager auf den grie­chi­schen Inseln müs­sen JETZT eva­ku­iert wer­den! In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben sich auf Initia­ti­ve der See­brü­cke über 170 Städ­te und Kom­mu­nen allein in Deutsch­land zum siche­ren Hafen erklärt. Sie sind bereit, sofort Men­schen auf­zu­neh­men.

Bei einer Demons­tra­ti­on zur sofor­ti­gen Eva­ku­ie­rung von Moria am 11. Sep­tem­ber in Wien betei­lig­ten sich ca. 2500 Men­schen: „Wir haben alle Mit­tel, den Men­schen aus Moria zu hel­fen – also nut­zen wir sie!“

Am Sams­tag, 12. Sep­tem­ber, demons­trier­ten in Wien erneut min­des­tens 1000 Men­schen Soli­da­ri­tät mit allen Geflüch­te­ten: „Moria liegt in Asche. Eva­ku­iert die Lager jetzt!“

Auf Les­bos gibt es seit lan­gem Pro­tes­te gegen die Zustän­de im Lager Moria. Die in Iso­la­ti­on gehal­te­nen Geflüch­te­ten wol­len nur eines: Frei­heit. Seit dem Feu­er sind die­se Pro­tes­te lau­ter als zuvor – und wer­den mit mas­si­ven Trä­nen­gas­be­schuss und Gewalt durch die Ter­ror-Poli­zei beant­wor­tet.

Im fol­gen­den eini­ge Stel­lung­nah­men und Aus­sendun­gen ver­schie­de­ner Grup­pen und NGOs, die einen Über­blick über die aktu­el­le Lage geben. Am Ende die­ses Arti­kels sind Links zu Hin­ter­grund­in­fos, aktu­el­len Radio­sen­dun­gen und Soli­grup­pen.


Griechenland: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Quarantäne im Lager Moria und fordert dringend Evakuierungen

Pres­se­aus­sen­dung vom 04. Sep­tem­ber 2020 – Die im Flücht­lings­la­ger Moria auf Les­bos ver­häng­te Mas­sen­qua­ran­tä­ne ist gefähr­lich und muss unbe­dingt ver­mie­den wer­den, warnt Ärz­te ohne Grenzen/​Médecins Sans Fron­tiè­res (MSF) Die medi­zi­ni­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on for­dert daher erneut die Eva­ku­ie­rung beson­ders gefähr­de­ter Per­so­nen aus dem Lager.

Die grie­chi­sche Regie­rung hat die Pflicht, die öffent­li­che Gesund­heits­ver­sor­gung für die Geflüch­te­ten zu ver­bes­sern und darf sie nicht unter ent­setz­li­chen Bedin­gun­gen ein­sper­ren – und dabei so tun, als wol­le sie die Insel vor der Ver­brei­tung des Virus schüt­zen, so die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on. Denn die Zahl der COVID-19-Fäl­le auf Les­bos außer­halb von Moria steigt, wäh­rend es bis­lang gibt nur einen bestä­tig­ten Fall unter den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern des Lagers gibt.

„Offen­sicht­lich hat die Gesund­heits­be­hör­de auf Les­bos damit begon­nen, Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner des Lagers auf COVID-19 zu tes­ten, aber das ist nur ein klei­ner Teil des­sen, was jetzt pas­sie­ren muss“, sagt Caro­li­ne Wil­lemen, Ein­satz­lei­te­rin von Ärz­te ohne Gren­zen für COVID-19 auf Les­bos. „Nötig ist jetzt eine gut geplan­te Akti­on, mit Nach­ver­fol­gung von Kon­takt­per­so­nen eben­so wie Tests, gepaart mit einer fun­da­men­ta­len Ver­bes­se­rung der Hygie­ne­be­din­gun­gen und der Gesund­heits­ver­sor­gung. Wir kön­nen kei­ne Recht­fer­ti­gung für die Mas­sen-Zwangs­qua­ran­tä­ne erken­nen, und wir wis­sen, dass die­se Maß­nah­me die psy­chi­schen Beschwer­den unse­rer ohne­hin schon sehr stark belas­te­ten Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wei­ter ver­schlim­mern wird.

In Moria leben auch älte­re Men­schen mit Vor­er­kran­kun­gen, Schwan­ge­re und Kin­der, die Angst haben und die nun als Ergeb­nis die­ser Poli­tik noch mehr Leid erle­ben wer­den. Die Regie­rung soll­te die­se Men­schen schüt­zen. Statt­des­sen sperrt sie sie zusam­men mit dem Coro­na­vi­rus in das Lager ein und setzt sie ihm aus.“

Öster­reich mit­ver­ant­wort­lich

„Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung trägt eine Mit­ver­ant­wor­tung für die desas­trö­sen Ver­hält­nis­se in Moria und muss drin­gend auf EU-Ebe­ne dafür sor­gen, dass die über­füll­ten Lager auf den grie­chi­schen Inseln geräumt wer­den“, erklärt Mar­cus Bach­mann, Bera­ter für huma­ni­tä­re Fra­gen von Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich.

Es gibt im Lager Moria mehr als 200 nament­lich benann­te Per­so­nen, die auf­grund ihres Alters und ihres Gesund­heits­zu­stands ernst­haft von Covid-19 bedroht sind. Seit Mona­ten for­dert Ärz­te ohne Gren­zen gemein­sam mit ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen, die­se beson­ders gefähr­de­ten Men­schen in siche­re Unter­künf­te auf Les­bos, auf dem Fest­land oder in ande­ren EU-Staa­ten zu brin­gen. Im April ver­sprach die grie­chi­sche Regie­rung eine sol­che Eva­ku­ie­rung, aber fünf Mona­te spä­ter sind die­se Men­schen immer noch gefan­gen und nun durch die Qua­ran­tä­ne auch noch ein­ge­schlos­sen.

Nötig ist laut Ärz­te ohne Gren­zen jetzt ein umfas­sen­des Maß­nah­men­pa­ket:

  • Kei­ne schäd­li­chen Maß­nah­men wie das Ein­sper­ren der Men­schen
  • Aus­rei­chen­de Infor­ma­tio­nen für die Betrof­fe­nen und enge Koope­ra­ti­on mit ihnen
  • Aus­rei­chen­de Hygie­ne­maß­nah­men, die für alle zugäng­lich sind
  • Eva­ku­ie­rung und Abschir­mung von Risiko­per­so­nen
  • Mas­sen­haf­tes Tes­ten
  • Iso­la­ti­on und Behand­lung der posi­tiv getes­te­ten Pati­en­ten
  • Nach­ver­fol­gung von Kon­takt­per­so­nen
  • Qua­ran­tä­ne aus­schließ­lich an Orten, an denen wenigs­tens Mini­mal­stan­dards bei Hygie­ne, Gesund­heits­ver­sor­gung und Unter­brin­gungs­be­din­gun­gen sicher­ge­stellt sind

Bis­lang besteht die Reak­ti­on der Behör­den aus einer ein­zi­gen Maß­nah­me – dem Beginn der Tests im Lager – und der unnö­ti­gen Ver­hän­gung einer Mas­sen-Zwangs­qua­ran­tä­ne. Um ihrer Pflicht zur Ver­sor­gung der Men­schen nach­zu­kom­men, muss die grie­chi­sche Regie­rung drin­gend die ande­ren not­wen­di­gen Maß­nah­men umset­zen oder Moria kom­plett eva­ku­ie­ren. Die Mas­sen­qua­ran­tä­ne wird statt­des­sen neu­es Leid ver­ur­sa­chen und nie­man­dem nut­zen.

Statement from the No Border Kitchen Lesvos

Les­vos, 9. Sep­tem­ber 2020 – Moria is has burnt to the ground. For years the poli­ti­ci­ans of euro­pe loo­ked away. They send money to buy of their respon­si­bi­li­ty and took in sym­bo­lic num­bers of migrants from the mono­lith of inhu­ma­ni­ty known as Moria. For years, it was clear that this was bound to hap­pen. If not yes­ter­day then two years ago, or one year from now. The unavo­ida­ble con­se­quen­ses of europe’s xeno­pho­bic, racist and inhu­man poli­ci­es have col­li­ded and as a cons­quence, 15000 woman, child­ren and men homeless. Stuck out­doors with all they owned gone. Sup­port only spo­ra­di­cal­ly pos­si­ble becau­se of the sheer amount of peop­le in need. When dis­as­ters like this hap­pen in other parts of the world, in the sur­round area peop­le would sup­port eacho­ther and come to their aid. In Les­vos we know it means more repres­si­on, vio­lence and facist acti­vi­ty.

How the situa­ti­on will be „resol­ved“ is uncer­tain, but on of the first actions of the Nea Demo­kra­tia gover­ment was to decla­re a sta­te of emer­gen­cy and send 3 con­ti­gents of riot poli­ce with brand new equip­ment and uni­forms. With the action of this gover­ment, or any other gover­ment for that mat­ter, as the stan­dard this situa­ti­on will no doubt lead to a situa­ti­on worse then befo­re. In the past year things have beco­me worse every day, and this trend is not expec­ted to chan­ge any time soon.

For mon­ths Covid-19 was used as an excu­se to restrict the mobi­li­ty of peop­le and keep most in the camp. For mon­ths, the pres­su­re has been buil­ding. And yes­ter­day, it came to a boil. The con­di­ti­ons in Moria are unsui­ta­ble for social distancing, pro­per hygie­ne or any of the other anti-covid prac­ti­ces that we take for gran­ted in the rest of euro­pe. 15000 human bein­gs knew they whe­re going to be left behind. Left behind by a sys­tem that sus­tains its­elf on racism, explo­ita­ti­on and the suf­fe­ring of mil­li­ons. Through the hor­rors of wars fun­ded and fought in the inte­rest of the wes­tern coun­tries. Through the streets of the ghetto’s world­wi­de. Through the bul­lets of the poli­ce, the poli­ti­ci­ans who rely on fear to steer society’s world­wi­de in the direc­tion of xeno­pho­bia and invi­di­vi­dua­lism.

Des­pi­te the odds being sta­cked against us, we will fight and sup­port as best as we can for a world without bor­ders.


asylkoordination fordert sofortige Aufnahme von Evakuierten

Pres­se­aus­sen­dung vom 9. Sep­tem­ber 2020 – „Der Schein des Feu­ers von Moria erleuch­tet die ver­ant­wor­tungs­lo­se EUro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik,“ kom­men­tiert Lukas Gahleit­ner-Gertz, Spre­cher der asyl­ko­or­di­na­ti­on öster­reich, den Brand im berüch­tig­ten Flücht­lings­la­ger auf der grie­chi­schen Ägä­is-Insel Les­bos.

Der Brand war aus­ge­bro­chen, nach­dem über das Lager nach einem COVID-19 Aus­bruch (vor dem NGOs lan­ge gewarnt hat­ten) ein abso­lu­ter Lock­down ver­hängt wor­den war. Poli­zei­kräf­te rie­gel­ten das Lager kom­plett ab. Schon zuvor waren die Geflüch­te­ten 150 Tage unter Zwangs­qua­ran­tä­ne gestan­den.

„Wir ver­lan­gen, dass Öster­reich umge­hend Men­schen aus den grie­chi­schen Lagern auf­nimmt,“ for­dert der asyl­ko­or­di­na­ti­on-Spre­cher, die ÖVP sol­le sich ihrer christ­li­chen Wur­zeln besin­nen und ihre „Ver­här­tung“ auf­ge­ben. „Bun­des­kanz­ler Kurz steht in ers­ter Rei­he wenn es um die Ver­hin­de­rung der Auf­nah­me von Men­schen aus den grie­chi­schen Lagern geht“, kri­ti­siert Gahleit­ner-Gertz die vom Kanz­ler vor­ge­ge­be­ne öster­rei­chi­sche Linie. „Es reicht nicht, ein paar gebrauch­te Con­tai­ner nach Grie­chen­land zuschi­cken.“ Sol­che Wohn­con­tai­ner waren im Som­mer unter dem Mot­to „Hil­fe vor Ort“ aus Öster­reich nach Grie­chen­land ver­schickt wor­den, wäh­rend die Auf­nah­me von Kin­der­flücht­lin­gen kate­go­risch ver­wei­gert wird.

Wäh­rend Tau­sen­de Men­schen für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen unter­schrei­ben und Städ­te und Gemein­den ihre Tore für Schutz­su­chen­de aus den grie­chi­schen Hor­ror­la­gern öff­nen wol­len, bleibt die ÖVP bei einer kom­plet­ten Ableh­nung.

Recht­li­che Mög­lich­kei­ten bestehen

Für eine sol­che Auf­nah­me­ak­ti­on bestehen meh­re­re recht­li­che Mög­lich­kei­ten, in ers­ter Linie bie­tet sich der Para­graph 3a das Asyl­ge­set­zes an: „Einem Frem­den ist von Amts wegen und ohne wei­te­res Ver­fah­ren der Sta­tus des Asyl­be­rech­tig­ten oder des sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten zuzu­er­ken­nen, wenn sich die Repu­blik Öster­reich völ­ker­recht­lich dazu ver­pflich­tet hat.“ Eine ande­re Mög­lich­keit wäre ein regu­lä­res Asyl­ver­fah­ren in Öster­reich.

Zudem leben, wie die asyl­ko­or­di­na­ti­on bei inten­si­ven Recher­chen her­aus­fin­den konn­te, in grie­chi­schen Lagern etli­che Dut­zend Schutz­su­chen­de mit Fami­lie in Öster­reich, die im Rah­men des Dub­lin-Sys­tems nach Öster­reich geholt wer­den könn­ten.


Griechenland: Evakuierung von Kindern, Kranken und besonders Schutzbedürftigen nach Österreich gefordert

Pres­se­aus­sen­dung vom 09. Sep­tem­ber 2020 – In einem drin­gen­den gemein­sa­men Appell an die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung for­dern Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich (MSF), Cari­tas Öster­reich und das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz die Eva­ku­ie­rung von Kin­dern, Kran­ken und beson­ders Schutz­be­dürf­ti­gen nach Öster­reich.

Wien, 09.09.2020 – Mar­ga­re­tha Maleh, Prä­si­den­tin von Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich, appel­liert an die öster­rei­chi­sche Regie­rung und Bun­des­kanz­ler Kurz end­lich beson­ders Schutz­be­dürf­ti­ge von den grie­chi­schen Inseln zu eva­ku­ie­ren.

„Wir haben wie­der­holt auf die furcht­ba­re Situa­ti­on auf den grie­chi­schen Inseln hin­ge­wie­sen. Letz­te Nacht ist das Pul­ver­fass explo­diert: Ein mas­si­ves Feu­er hat das Lager Moria auf Les­bos ver­wüs­tet. Mei­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen von Ärz­te ohne Gren­zen vor Ort berich­ten von einer bren­nen­den Höl­le, pani­schen Kin­dern und Eltern, die unter Schock ste­hen. Die­se Kata­stro­phe ist die logi­sche Kon­se­quenz der unmensch­li­chen Abschot­tungs­po­li­tik Euro­pas. In Moria wur­den und wer­den Men­schen­rech­te mit Füßen getre­ten. Was es end­lich drin­gend braucht ist geleb­te Soli­da­ri­tät“, sagt Mar­ga­re­tha Maleh, Prä­si­den­tin von Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich. „Wir müs­sen die­sen Not­fall zum Anlass neh­men, um die struk­tu­rel­len Pro­ble­me der euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik anzu­ge­hen. Jetzt ist drin­gen­de Hil­fe gefor­dert und auch Öster­reich muss einen Bei­trag leis­ten.“

Die Situa­ti­on in den grie­chi­schen Lagern ist seit Jah­ren ein chro­ni­scher Not­stand, der kei­nem Men­schen zumut­bar ist. Nun ist die Not­la­ge akut: Zu lan­ge wur­de nichts unter­nom­men. Schutz­su­chen­den wird das Recht auf medi­zi­ni­sche Hil­fe sys­te­ma­tisch ver­wehrt. Tau­sen­de Men­schen, dar­un­ter Kin­der, Alte oder chro­nisch Kran­ke, leben auf den grie­chi­schen Inseln auf engs­tem Raum in Zel­ten oder pro­vi­so­ri­schen Behelfs­un­ter­künf­ten.

Gerald Schöp­fer, Prä­si­dent Öster­rei­chi­sches Rotes Kreuz, betont: „Die­se Men­schen müs­sen in Län­der auf­ge­nom­men wer­den, in denen sie gesund­heit­lich ver­sorgt wer­den. Das Rote Kreuz hat in der Ver­gan­gen­heit bereits huma­ni­tä­re Auf­nah­me­pro­gram­me in Öster­reich unter­stützt. Immer wie­der wur­den im Zuge des­sen Geflüch­te­te mit medi­zi­ni­schen Pro­ble­men in Öster­reich auf­ge­nom­men, betreut und behan­delt, damit es ihnen gesund­heit­lich bes­ser geht.“

Die dra­ma­ti­schen Bil­der aus Grie­chen­land – aus Euro­pa – der heu­ti­gen Nacht, zei­gen zum wie­der­hol­ten Mal die pre­kä­re Lage der Men­schen auf den grie­chi­schen Inseln. Die Situa­ti­on ist seit Jah­ren ange­spannt, durch Covid-19 hat sich die Situa­ti­on noch ver­schärft. „Die Men­schen müs­sen ver­sorgt wer­den, sie benö­ti­gen Schutz sowie Trink­was­ser, Nah­rungs­mit­tel und ein siche­res Dach über dem Kopf. Aber das allei­ne reicht nicht. Es braucht drin­gend eine gemein­sa­me euro­päi­sche Lösung und Soli­da­ri­tät mit den Men­schen, die seit Jah­ren in men­schen­un­wür­di­gen Zustän­den leben müs­sen. Auch Öster­reich ist hier gefragt sich zu enga­gie­ren und sei­ne euro­päi­sche Ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men und Grie­chen­land nicht allei­ne zu las­sen“, so Andre­as Knapp, Gene­ral­se­kre­tär für inter­na­tio­na­le Pro­gram­me der Cari­tas Öster­reich.

Gemein­sam beto­nen Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich, Cari­tas Öster­reich und das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz: „Wir kön­nen nicht län­ger zuse­hen. Auch Öster­reich muss einen Bei­trag leis­ten. Wir rich­ten unse­ren Appell an die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung und for­dern die Eva­ku­ie­rung von Kin­dern, Kran­ken und beson­ders Schutz­be­dürf­ti­gen nach Öster­reich. Was wir jetzt brau­chen ist ein Kor­ri­dor der Mensch­lich­keit.“


Initiative „Courage – Mut zur Menschlichkeit“ will Menschen aus griechischen Lagern rettenInitiative „Courage – Mut zur Menschlichkeit“ will Menschen aus griechischen Lagern retten

Pres­se­aus­sen­dung vom 11. Sep­tem­ber 2020 – Ers­tes Ziel ist das Schaf­fen von 144 siche­ren Plät­zen in Öster­reich – Bun­des­re­gie­rung muss „nichts tun, außer grü­nes Licht für das Ret­ten von Men­schen zu geben“

Mit dem heu­ti­gen Tag star­tet die öster­rei­chi­sche Initia­ti­ve „Cou­ra­ge – Mut zur Mensch­lich­keit“ mit dem Ziel, Men­schen aus den grie­chi­schen Lagern zu ret­ten. Die brei­te, zivil­ge­sell­schaft­li­che Alli­anz macht der öster­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung das Ange­bot, in Koope­ra­ti­on mit Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, Gemein­den, Städ­ten und Ein­zel­per­so­nen in ganz Öster­reich nach­hal­tig siche­re Plät­ze zu schaf­fen, um Men­schen aus den Lagern dau­er­haft bei uns auf­zu­neh­men und hier erfolg­reich zu inte­grie­ren.

Zu den Initia­to­rIn­nen zäh­len u. a. Katha­ri­na Stem­ber­ger (Schau­pie­le­rin und Film­pro­du­zen­tin), Mar­cus Bach­mann (Ärz­te ohne Gren­zen), Judith Koh­len­ber­ger (Migra­ti­ons­for­sche­rin), Fer­ry Mai­er (ehem. Co-Flücht­lings­ko­or­di­na­tor der Bun­des­re­gie­rung) und Ste­fan A. Sengl (PR-Bera­ter). Unter­stüt­ze­rIn­nen der ers­ten Stun­de sind u. a. Chris­ti­an Kon­rad (ehem. Flücht­lings­ko­or­di­na­tor der Bun­des­re­gie­rung), Dani­el Land­au (Bil­dungs­ex­per­te), Doron Rabi­novici (Schrift­stel­ler), Julya Rabi­nowich (Schrift­stel­le­rin), Wil­li Rese­ta­rits (Sän­ger und Men­schen­rechts­ak­ti­vist) sowie zahl­rei­che Schau­spie­le­rIn­nen, dar­un­ter Klaus Maria Bran­dau­er, Hil­de Dalik, Cor­ne­li­us Obonya, Micha­el Ost­row­ski und Susi Stach. Ers­te Koope­ra­ti­ons­part­ner sind u. a. die Alli­anz Menschen.Würde.Österreich, SOS Men­schen­wür­de Ober­ös­ter­reich, Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich, Respekt​.net, der Repu­bli­ka­ni­sche Club, die Jüdi­sche öster­reich­sche Hoch­schü­ler­schaft und die asyl­ko­or­di­na­ti­on Öster­reich.

#144

Als ers­tes Ziel hat sich die Initia­ti­ve „Cou­ra­ge – Mut zur Mensch­lich­keit“ vor­ge­nom­men, 144 siche­re Plät­ze zu schaf­fen. Die Zahl 144 wur­de dabei sym­bo­lisch gewählt, da es die Num­mer des öster­rei­chi­schen Ret­tungs­not­rufs ist. „Dar­um geht es uns: Men­schen in einer Not­si­tua­ti­on zu ret­ten. Die Zahl 144 ist klein, aber ange­sichts der bestehen­den Wider­stän­de den­noch ambi­tio­niert“, so Initia­to­rin Stem­ber­ger. In den sozia­len Medi­en soll mit dem Hash­tag #144 auf die­ses Ziel auf­merk­sam gemacht wer­den.

Auch Pri­vat­per­so­nen soll die Mög­lich­keit gebo­ten wer­den, sich mit Geld‑, Sach- oder Zeit­spen­den dar­an zu betei­li­gen, „siche­re Plät­ze“ in Öster­reich zu schaf­fen. Dabei wird die zivil­ge­sell­schaft­li­che Crowd­fun­ding-Platt­form Respekt​.net zum Ein­satz kom­men. Bereits in zwei Wochen möch­te die Initia­ti­ve eine ers­te „Land­kar­te der siche­ren Plät­ze“ in Öster­reich vor­stel­len. Zu Infor­ma­ti­ons­zwe­cken wur­de die Web­site www​.cou​ra​ge​.jetzt ein­ge­rich­tet.

Ein Ende des Weg­schau­ens

Hin­ter­grund der Initia­ti­ve ist das kata­stro­pha­le Elend in Euro­pas Flücht­lings­la­gern, das durch den Groß­brand im Flücht­lings­la­ger Moria auf Les­bos in den letz­ten Tagen wie­der ver­stärkt dis­ku­tiert wird.

„An den EU-Außen­gren­zen hau­sen tau­sen­de Men­schen oft­mals seit Jah­ren unter unzu­mut­ba­ren Bedin­gun­gen. Ein Drit­tel davon sind Kin­der.“ schil­dert Mar­cus Bach­mann von Ärz­te ohne Gren­zen Öster­reich die Situa­ti­on vor Ort. Die­sen Miss­stand wol­len die Initia­to­rin­nen und Initia­to­ren kei­ne Sekun­de län­ger hin­neh­men: „Wir sehen das Ster­ben und die Unmensch­lich­keit an den EU-Außen­gren­zen und wir betrach­ten es als unse­re Pflicht, hier zu hel­fen. Man muss uns nur machen las­sen. Der poli­ti­sche Wil­le soll­te von Mensch­lich­keit und Hilfs­be­reit­schaft geprägt sein und nicht vom Ver­such, FPÖ-Stim­men zu gewin­nen“, so Fer­ry Mai­er.

„In Öster­reich wer­den aktu­ell wie­der sozia­le Brenn­punk­te und gemein­sa­me Wer­te dis­ku­tiert – Moria ist der ein­zi­ge tat­säch­li­che Brand, um den wir uns bedin­gungs­los und ohne ideo­lo­gi­sche Scheu­klap­pen küm­mern müs­sen“, ergänzt die Migra­ti­ons­for­sche­rin Koh­len­ber­ger. „Wir ken­nen jedes ‚aber‘ und haben es bereits beant­wor­tet. Die Bun­des­re­gie­rung muss nichts tun, außer grü­nes Licht für das Ret­ten von Men­schen zu geben“ so Ste­fan A. Sengl.

Die Initia­ti­ve „Cou­ra­ge – Mut zur Mensch­lich­keit“ betrach­tet ihr Enga­ge­ment auch als Bei­trag für ein bes­se­res poli­ti­sches Kli­ma des Mit­ein­an­ders und der Mensch­lich­keit in unse­rem Land. Dass sich Öster­reich an der Ret­tung von Men­schen aus den Lagern betei­ligt, ist aus Sicht der Initia­to­rin­nen und Initia­to­ren ein wich­ti­ger Schritt in die­se Rich­tung, weil es ein „Ende des Weg­schau­ens“ bedeu­tet.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www​.cou​ra​ge​.jetzt


Moria liegt in Asche – Evakuiert die Lager JETZT!

Auf­ruf zur Demons­tra­ti­on am Sams­tag, 12. Sep­tem­ber 2020, 14:00 Uhr, Treff­punkt: Haupt­bahn­hof Wien.

In Moria, auf der grie­chi­schen Insel Les­bos, leben mehr als 12.000 Geflüch­te­te in einem Lager, das für 3000 Per­so­nen errich­tet wur­de und nun in Schutt und Asche liegt. Auf engs­tem Raum, ohne aus­rei­chend flie­ßen­dem Was­ser oder funk­tio­nie­ren­den Sani­tär­an­la­gen, leben die Men­schen zusam­men­ge­pfercht. Die Men­schen leben dort in Zel­ten, selbst­zu­sam­men­ge­schus­ter­ten Behau­sun­gen, oder am nack­ten Boden. Unter­ver­sorgt mit Nah­rung und Medi­zin wer­den die Hil­fe­ru­fe aus Moria seit Jah­ren von der EU igno­riert.

Seit letz­tem Jahr sehen sich die Men­schen, die dort leben, und die hil­fe­leis­ten­den NGOs immer wie­der Angrif­fen von Faschis­ten kon­fron­tiert. Gewalt geht aber auch von der Poli­zei vor Ort aus.

Die Situa­ti­on eska­liert seit Jah­ren. Aber anstatt das Lager zu eva­ku­ie­ren, reagie­ren die euro­päi­schen Regie­run­gen mit Ras­sis­mus und Het­ze. Statt ech­ten Hil­fe­leis­tun­gen inves­tie­ren sie Mil­lio­nen in den mili­tä­ri­schen Grenz­schutz und Abschot­tungs­po­li­tik.

Nun steht das Lager in Flam­men. Die Men­schen sind voll­ends obdach­los gewor­den, alles liegt in Asche. Jeder Tag ist gezeich­net von völ­li­ger Ver­zweif­lung und Unter­ver­sor­gung. Die euro­päi­sche Uni­on ist dafür ver­ant­wort­lich. Die EU muss end­lich han­deln.

Etli­che Städ­te, Gemein­den und Pfar­ren in Öster­reich haben sich bereits soli­da­risch und zur Auf­nah­me von Geflüch­te­ten bereit erklärt – dar­un­ter Wien und Inns­bruck, das Pfarr­netz­werk Asyl und die Initia­ti­ve der Bürgermeister*innen mit Herz. Aber immer noch ver­wei­gert die öster­rei­chi­sche Regie­rung unter der Füh­rung von Kurz und Neham­mer die Auf­nah­me von Geflüch­te­ten.

Wir gehen am Sams­tag auf die Stra­ße. Das Ziel ist klar: Holt die Men­schen aus die­ser Höl­le und eva­ku­iert Lager wie Moria!

Geht mit uns am Sams­tag auf die Stra­ße.

Wir tref­fen uns um 14:00 Uhr am Wie­ner Haupt­bahn­hof.

Ver­gesst nicht euren Mund-Nasen-Schutz.

Soli­da­ri­tät mit allen Geflüch­te­ten!


#SOSMoria: Menschenleben retten, Herr Kurz!

Öster­reich muss Geflüch­te­te aus Moria auf­neh­men! Vie­le Gemein­den haben sich bereits dazu bereit erklärt. Ste­hen wir zu unse­rer Mensch­lich­keit und zu unse­rer Ver­ant­wor­tung!

Weitere Informationen – teilweise auf englisch:

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