[KgK:] Trotzki, Gramsci und die kapitalistische Demokratie (Teil III)

Peter Tho­mas defi­niert, wie wir bereits gese­hen haben, die NEP (Neue Öko­no­mi­sche Poli­tik) als Aus­gangs­punkt1 für Gram­sci in sei­nen Gefäng­nis­hef­ten, um den Begriff der Hege­mo­nie zu ver­all­ge­mei­nern. Aller­dings behan­delt er die stra­te­gi­sche Bezie­hung zwi­schen Hege­mo­nie und Revo­lu­ti­on bei Wei­tem nicht ernst­haft genug. Tho­mas‘ Aus­ar­bei­tun­gen in The Gram­sci­an Moment zie­len genau des­halb auf eine Hypo­the­se der Erobe­rung der Hege­mo­nie ohne Revo­lu­ti­on ab.

Für Tho­mas geht es dar­um, die Fra­ge der „hege­mo­nia­len Appa­ra­te“ in den Mit­tel­punkt zu rücken. Mit die­sem Begriff bezieht sich Gram­sci auf die Rei­he von Insti­tu­tio­nen, „von Zei­tun­gen über Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, zu den Par­tei­en, mit­tels derer die Arbei­ter­klas­se und ihre Ver­bün­de­ten ihre Geg­ner im Kampf um die poli­ti­sche Macht kom­pro­mit­tie­ren“2. Für Tho­mas wären die­se „hege­mo­nia­len Appa­ra­te“ dazu in der Lage, der Bour­geoi­sie „ihre sozia­le Basis zu „ent­zie­hen““ und somit den kapi­ta­lis­ti­schen Staats­ap­pa­rat zu „neu­tra­li­sie­ren“.

Jen­seits sei­ner Inter­pre­ta­ti­on Gram­scis, von der wir in die­sem Arti­kel eini­ge Ele­men­te auf­grif­fen, besteht die Bedeu­tung der Hypo­the­se Tho­mas‘ dar­in, dass sie Aus­druck einer Visi­on eines gro­ßen Teils der Lin­ken ist, ins­be­son­de­re in Euro­pa. Dies drückt sich allen vor­an in der Fra­ge aus, wie ein neu­er Auf­stieg der Arbeiter*innenbewegung nach der kapi­ta­lis­ti­schen Restau­ra­ti­on in den ehe­ma­li­gen Arbeiter*innenstaaten und nach der poli­ti­schen Liqui­die­rung – in man­chen Fäl­len sogar des Ver­schwin­dens – der gro­ßen sozi­al­de­mo­kra­ti­schen oder sta­li­nis­ti­schen Appa­ra­ten, die das zwan­zigs­te Jahr­hun­dert geprägt haben, aus­se­hen könn­te.

Für Tho­mas ist die Ent­wick­lung der „hege­mo­nia­len Appa­ra­te“, los­ge­löst vom Klas­sen­kampf (und von einer revo­lu­tio­nä­ren Stra­te­gie), der Weg zur Kon­sti­tu­ie­rung der Arbeiter*innen zur Klas­se. Sein Werk The Gram­sci­an Moment und die Beto­nung auf die „hege­mo­nia­len Appa­ra­te“ (sei es in Form von Par­tei­en oder Bewe­gun­gen) ver­mit­teln den Ein­druck einer gewis­sen Nost­al­gie für jene gro­ßen refor­mis­ti­schen Arbeiter*innenapparate des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts. Daher wecken die Arbeiter*innenpartei (PT) Bra­si­li­ens, sowie Syri­za, das vor­sich­ti­ge Inter­es­se unse­res Autors3.

Tho­mas‘ Nost­al­gie4 wird expli­zit kürz­lich in einem Inter­view, in dem er sich auf die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Ita­li­ens unter der Füh­rung von Pal­mi­ro Togliat­ti bezieht. Dort heißt es: „Neben sei­nen eige­nen theo­re­ti­schen Schrif­ten – von viel grö­ße­ren Wert als heu­te oft ange­nom­men wird – war Togliat­ti auch ein Theo­re­ti­ker der Poli­tik, der sich für die Schaf­fung eines hege­mo­nia­len Appa­ra­tes enga­gier­te, die eine tie­fe und ech­te Dia­lek­tik und wirk­li­che Kri­tik an der Poli­tik sei­ner Zeit för­der­te. Trotz der Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, die man mit sei­nen theo­re­ti­schen und poli­ti­schen Posi­tio­nen – und davon gibt es vie­le – haben kann, kann dies nicht die Aner­ken­nung sei­ner Bedeu­tung als Theo­re­ti­ker und Poli­ti­ker schmä­lern, mit einem ech­ten mas­si­ven Ein­fluss auf die Poli­tik sei­ner Zeit. Die theo­re­ti­sche und poli­ti­sche Kul­tur, die Togliat­ti in der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens zu for­men ver­half, und in Ita­li­en im brei­te­ren Sinn, als Ein­fluss­sphä­re die­ser groß­ar­ti­gen Par­tei, die über das gesam­te Spek­trum der Lin­ken aus­strahl­te, war das Bei­spiel, in dem ande­re Lin­ken in Euro­pa und der gan­zen Welt nach Inspi­ra­ti­on such­ten.“5

Aus unse­rer Sicht kann Togliat­ti kaum eine inspi­rie­ren­de Quel­le sein. Er war Men­tor der „Wen­de von Saler­no“ mit ihrem Pakt mit dem Mar­schall Bado­glio, für die „natio­na­le Ein­heit“ und die Ent­waff­nung der Par­ti­sa­nen. Somit spiel­te er eine Schlüs­sel­rol­le in der Ret­tung des ita­lie­ni­schen Kapi­ta­lis­mus nach dem Zwei­ten Welt­krieg und leis­te­te einen wich­ti­gen Bei­trag, damit Ita­li­en zu einer bür­ger­li­chen Säu­le der Nach­kriegs­zeit wer­den konn­te. Die Sicht von Tho­mas lässt die Leh­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts außer Acht, und lässt die Haupt­fra­ge offen, die jede*r ernst­zu­neh­men­de Theoretiker*in oder Politiker*in beant­wor­ten soll­te: Wel­che Rol­le spiel­ten die­se gro­ßen „hege­mo­nia­len Appa­ra­te“ wäh­rend des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts? War­um dege­ne­rier­ten sie? Haben sie eine pro­gres­si­ve Rol­le für die Arbeiter*innenklasse gespielt oder nicht?

Trotz­ki ist kurz und bün­dig, wenn es um die Sozi­al­de­mo­kra­tie geht: „Die […] Sozi­al­de­mo­kra­tie ist jedoch kein Zufall; sie ist nicht vom Him­mel gefal­len, son­dern durch die Anstren­gun­gen der deut­schen Arbei­ter­klas­se im Ver­lauf von Jahr­zehn­ten von unun­ter­bro­che­nem Auf­bau und Anpas­sung an die unter dem Kapi­ta­lis­ten- und Jun­ker­staat herr­schen­den Bedin­gun­gen geschaf­fen wor­den.[…] In dem Augen­blick, in dem der Krieg aus­brach, folg­lich der Moment des größ­ten geschicht­li­chen Tests kam, zeig­te es sich, dass die offi­zi­el­le Arbei­ter­or­ga­ni­sa­ti­on nicht als die pro­le­ta­ri­sche Kampf­or­ga­ni­sa­ti­on gegen den bür­ger­li­chen Staat, son­dern als ein Hilfs­or­gan des bür­ger­li­chen Staats han­del­te und reagier­te, das zur Dis­zi­pli­nie­rung des Pro­le­ta­ri­ats dien­te. Die Arbei­ter­klas­se war gelähmt, weil auf sie nicht nur das vol­le Gewicht des kapi­ta­lis­ti­schen Mili­ta­ris­mus drück­te, son­dern auch der Appa­rat ihrer eige­nen Par­tei.“6. Ähn­li­ches gilt für die Geschich­te der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens unter der Füh­rung von Togliat­ti, die bei Tho­mas so gro­ße Bewun­de­rung her­vor­ruft.

Die Hypo­the­se der evo­lu­tio­nä­ren Ent­wick­lung der „hege­mo­nia­len Appa­ra­te“ für die Kon­sti­tu­ie­rung der Arbeiter*innenklasse als sol­che7 kann weder die Revo­lu­ti­on noch die Ent­ste­hung der Arbeiter*innenbürokratie im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert erklä­ren. So ist sie eben­falls nutz­los, um das 21. Jahr­hun­dert zu den­ken.

Jai­me Pas­tor, aus der von Ernest Man­del gegrün­de­ten Strö­mung stam­mend, hat die Tugend unum­wun­den die­se Nost­al­gie aus­zu­drü­cken, über die wir oben spra­chen, und sie direkt auf die Gegen­wart zu über­tra­gen. Im Kon­trast zu Pablo Igle­si­as sagt er, dass „Pode­mos den Raum der Sozi­al­de­mo­kra­tie beset­zen muss, aber nicht jene, nach der sich Zapa­tero sehnt, son­dern eher nach der, wie es die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie des frü­hen zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts war, vor ihrer Dege­ne­ra­ti­on am Vor­abend des Ers­ten Welt­kriegs. […] Sie soll der Ort für den Auf­bau einer Gegen­he­ge­mo­nie sein, die eine eige­ne Kul­tur vor­an­treibt, orga­nisch mit den Volks­klas­sen ver­bun­den, die eine Lösung für all­täg­li­che Pro­ble­me der Men­schen mit dem Hori­zont einer alter­na­ti­ven Gesell­schaft kom­bi­niert. Das ist die Hypo­the­se, auf die Syri­za in Grie­chen­land hin­ar­bei­tet. Sie ver­kör­pert Gram­scis Idee, die besagt, dass man, um den „Sieg“ zu errei­chen, zuvor Posi­tio­nen erobern haben muss; mit ande­ren Wor­ten, wir brau­chen mehr als nur eine „Wahl­kampf­ma­schi­ne“, um Wah­len zu gewin­nen“8.

In die­sem Fall ist es nicht not­wen­dig, auf die Geschich­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts zurück­zu­grei­fen; wir begnü­gen uns mit der jün­ge­ren Geschich­te. Syri­za durch­lief den glei­chen Zyklus, den Trotz­ki in Bezug auf die Sozi­al­de­mo­kra­tie beschrieb, ohne jedoch tfes­te Wur­zeln in der Arbeiter*innenbewegung zu haben. Im grie­chi­schen Fal­le dau­er­te die­ser Zyklus jedoch nicht Jahr­zehn­te, son­dern weni­ge Mona­te – von der Insze­nie­rung als Alter­na­ti­ve zu den Kür­zun­gen der Troi­ka bis zu ihrer Ver­wand­lung in die Speer­spit­ze der­sel­ben. Dies ist trotz der unter­schied­li­chen Etap­pen Aus­druck der Aktua­li­tät der Epo­che der „Kri­sen, Krie­gen und Revo­lu­tio­nen“9. Was Pode­mos angeht, das als neor­re­for­mis­ti­sches poli­ti­sches Phä­no­men einen Höhen­flug erlebt, folgt es einem Syri­za ähn­li­chen Kurs. Anti­ca­pi­ta­lis­tas (ehem. Izquier­da Anti­ca­pi­ta­lis­ta), der Flü­gel um Pas­tor inner­halb der Par­tei, folgt Pablo Igle­si­as in der Hoff­nung, er wer­de der Bebel10 des 21. Jahr­hun­derts wer­den.

Für Lenin „(ist) das Pro­le­ta­ri­at nur inso­fern revo­lu­tio­när, als es sich die­ser Idee der Hege­mo­nie bewußt ist und sie in die Tat umsetzt.“11. Jedoch han­delt es sich nicht um eine Hege­mo­nie, die im Rah­men des bür­ger­li­chen Regimes ent­wi­ckelt wer­den kann, wie Tho­mas vor­schlägt, son­dern: „Der Pro­le­ta­ri­er, der sich die­ser Auf­ga­be bewußt gewor­den ist, ist ein Skla­ve, der sich gegen die Skla­ve­rei erho­ben hat.“12 Dar­in lag für ihn die Idee der Hege­mo­nie. Jene Hege­mo­nie, ohne die es kei­ne Kon­sti­tu­ie­rung der Arbeiter*innenklasse als revo­lu­tio­nä­re Klas­se gibt, über­schrei­tet not­wen­di­ger­wei­se die vom Regime eta­blier­ten Rah­men­be­din­gun­gen.

Obwohl es die Emp­find­lich­keit vie­ler ver­letzt: Tat­sa­che ist, dass die größ­te Anzahl an Ver­wei­sen über die „Hege­mo­nie“ bei Lenin in sei­ner Pole­mik gegen die soge­nann­ten „Liqui­da­to­ren“ zu fin­den sind, die sich wei­ger­ten, eine ille­ga­le revo­lu­tio­nä­re Par­tei auf die Bei­ne zu stel­len. Wir spre­chen nicht nur von Was tun ?, ein hege­mo­nia­ler Text – wenn es je einen gege­ben hat –, son­dern über sei­ne Pole­mi­ken wäh­rend der reak­tio­nä­ren Offen­si­ve nach der Revo­lu­ti­on von 1905. Die­se Kon­tro­ver­sen fan­den zur glei­chen Zeit wie die Pole­mik gegen Posi­tio­nen wie die von Lun­at­schar­ski statt, die nicht an den reak­tio­nä­ren Dumas teil­neh­men woll­ten, wor­auf Lenin die Not­wen­dig­keit jeder lega­len Inter­ven­ti­on beton­te, die die Ten­den­zen zur Unab­hän­gig­keit der Arbeiter*innenklasse zu ent­wi­ckeln erlaub­te.

Die Ver­bin­dung zwi­schen der Kon­sti­tu­tie­rung der Arbeiter*innen als Klas­se und der Kampf um die Hege­mo­nie ver­läuft über die Ent­wick­lung revo­lu­tio­nä­rer Frak­tio­nen, selbst wenn die­se ille­gal sein müs­sen. Genau das erlaubt, von einer revo­lu­tio­nä­ren Logik aus­ge­hend, gleich­zei­tig die Betei­li­gung in völ­lig reak­tio­nä­ren Par­la­men­ten zu ver­tei­di­gen. Die Bil­dung die­ser „revo­lu­tio­nä­ren Frak­tio­nen“ wur­de durch die Inter­ven­ti­on in allen Berei­chen des Kamp­fes (theo­re­ti­scher, poli­ti­scher, wirt­schaft­li­cher Natur) mög­lich, auf der Suche nach jenem „Reich­tum an Erfah­run­gen“, den der Bol­sche­wis­mus schmie­de­te und den Lenin her­vor­hob, um sie den Revolutionär*innen im „Wes­ten“13 näher­zu­brin­gen.

Der gro­ße Ver­dienst die­ser Sicht­wei­se Lenins ist nicht in die Ent­wick­lung die­ses oder jenes „hege­mo­nia­len Appa­ra­tes“ an sich, son­dern dass im Jah­re 1917 die­se revo­lu­tio­nä­ren Flü­gel mit Mas­sen­ein­fluß, oder jene „auf­ge­klär­ten und gestähl­ten Arbei­ter, die haupt­säch­lich von der Par­tei Lenins erzo­gen wor­den waren“, wie Trotz­ki es in sei­ner Geschich­te der Rus­si­schen Revo­lu­ti­on bezeich­ne­te, in der Lage gewe­sen waren, die Febru­ar­re­vo­lu­ti­on zu lei­ten und den Zaris­mus zum Fall zu brin­gen, auch ohne Füh­rung. Es waren die­sel­ben Arbeiter*innen, die es der bol­sche­wis­ti­schen Par­tei ermög­lich­ten, die Mehr­heit zu erobern, um im Okto­ber die Macht zu über­neh­men.

Selbst­ver­ständ­lich sind wir nicht im Russ­land des frü­hen zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts, auch nicht in der Welt jener Zeit. Es gibt sta­bi­le bür­ger­li­chen Demo­kra­tien in ver­schie­de­nen Tei­len der Welt, auch jen­seits der impe­ria­lis­ti­schen Zen­tren, zum Bei­spiel in Latein­ame­ri­ka; es gibt Gewerk­schaf­ten, was nicht zu ver­ges­sen ist, die heu­te die wich­tigs­ten bestehen­den Orga­ni­sa­tio­nen der Arbeiter*innenklasse in vie­len Tei­len der Welt blei­ben; es gibt Arbeiter*innenbürokratien, sowohl gewerk­schaft­li­chen als auch poli­ti­schen Typs, die mit natio­na­len Tra­di­tio­nen ver­wo­ben sind; es gibt auch die „neu­en“ Büro­kra­tien der NGOs und jene, die sich in den „sozia­len Bewe­gun­gen“ ein­ge­nis­tet haben; usw. Daher haben wir ver­sucht, im Lau­fe die­ses Arti­kels das Bes­te aus den Schluss­fol­ge­run­gen von Gram­sci und Trotz­ki über Tak­tik und Stra­te­gie in den „west­li­chen“ Gesell­schaf­ten auf­zu­grei­fen, um über die Gegen­wart nach­zu­den­ken.

Die Geschich­te wie­der­holt sich nicht, auch wenn sich die Nostalgiker*innen danach seh­nen. Die Arbeiter*innenbewegung als grund­le­gen­der Akteur in der Welt­po­li­tik wird nicht durch eine ver­meint­li­che evo­lu­tio­nä­re Ent­wick­lung wie­der ent­ste­hen, wie Tho­mas und ande­re es sich vor­stel­len.

Trotzki, Gramsci und die Aktualität der Debatte

Das zwan­zigs­te Jahr­hun­dert ist nicht umsonst ver­gan­gen. Wie wir zu zei­gen ver­such­ten, geht eines der Schlüs­sel­ele­men­te für eine Arbeiter*innenregierung in ihrem anti­bür­ger­li­chem und anti­ka­pi­ta­lis­ti­schem Sinn einer mit einer stra­te­gi­schen Kon­fron­ta­ti­on mit der Büro­kra­tie, nicht nur gewerk­schaft­li­cher son­dern auch poli­ti­scher Natur. Denn sie ist die wich­tigs­te „mate­ri­el­le Kraft“, die jene Kom­bi­na­ti­on aus „mora­li­schen“ und mate­ri­el­len Kräf­ten ver­kör­pert, die die bür­ger­li­che Hege­mo­nie in den „west­li­chen“ Gesell­schaf­ten ermög­licht. Daher beschränkt sich der Kampf gegen die Büro­kra­tie als Garant der kapi­ta­lis­ti­schen Herr­schaft nicht auf offen­si­ve Momen­te, son­dern besteht aus einem täg­li­chen, stän­di­gen Kampf für die Kon­sti­tu­ie­rung der Arbeiter*innenklasse als unab­hän­gi­ge Klas­se, und natür­lich für den Kampf um die Hege­mo­nie.

In die­sem Sin­ne besteht das Pro­blem der stra­te­gi­schen Zwei­deu­tig­keit des „Hegemonie“-Begriffs in Gram­sci nicht dar­in, wie es Ander­son sug­ge­riert, eine mecha­ni­sche „plötz­li­che Umkehr“ des Kon­sens in Zwang in revo­lu­tio­nä­ren Kri­sen nicht wahr­zu­neh­men. Wir glau­ben auch nicht, dass es dar­um geht, was Tho­mas vor­schlägt, näm­lich dass Gram­sci sich auf die Defi­ni­ti­on von „poli­ti­scher Hege­mo­nie in Form von öffent­li­cher Mei­nung“, dem „Berüh­rungs­punkt“ zwi­schen Zwang und Kon­sens, kon­zen­triert hät­te. Wir sind der Mei­nung, dass die Wur­zeln die­ser Zwei­deu­tig­keit in der stra­te­gi­schen Unter­schät­zung der poli­ti­schen Rol­le der Büro­kra­tie in der Auf­recht­erhal­tung der bür­ger­li­chen Hege­mo­nie im All­ge­mei­nen, und ins­be­son­de­re im Fal­le der kapi­ta­lis­ti­schen Demo­kra­tien, lie­gen.

Die von uns dar­ge­leg­ten Erwäh­nun­gen über die Büro­kra­tie oder die „Rol­le „gan­zer poli­ti­schen Par­tei­en“ und ande­rer öko­no­mi­schen Orga­nis­men“, wie die „Orga­ne der poli­ti­schen Poli­zei“14, bil­den die Grund­la­ge Gram­scis inter­es­san­tes­ter Inter­pre­ta­tio­nen des Begriffs des „inte­gra­len Staa­tes“15. Trotz­dem ist sein Den­ken in stra­te­gi­scher Hin­sicht von der Unter­schät­zung des Kamp­fes gegen die Büro­kra­tie durch­drun­gen. Wir sahen dies bereits am Bei­spiel des anglo-rus­si­schen Komi­tees in Groß­bri­tan­ni­en. Dies drückt sich auch in sei­ner Visi­on der NEP aus, die wir im Anhang behan­deln, und in der Beur­tei­lung, die er im Jahr 1926 über den Frak­ti­ons­kampf zwi­schen Trotz­ki und den „alten Bol­sche­wi­ki“, ange­führt von Sta­lin, macht. Dabei kri­ti­siert er zwar die Metho­den der Mehr­heit, die „Ein­heit“ der Lei­tung wäre jedoch das Auschlag­ge­ben­de16. Das glei­che haben wir bereits in frü­he­ren Arti­keln über Gram­scis Unter­schät­zung der deut­schen Revo­lu­ti­on 1923 gese­hen, wo er nicht die zen­tra­le Rol­le der lin­ken sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Büro­kra­tie und die Unter­ord­nung der Kommunist*innen erkann­te.

Das Pro­le­ta­ri­at kann die Vor­herr­schaft der Bour­geoi­sie und sei­ne eige­ne Hege­mo­nie nicht erobern, ohne die Büro­kra­tie zu besie­gen. Es geht nicht nur um einen poli­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Kampf, son­dern um einen Kampf zwi­schen mate­ri­el­len Kräf­ten. Von die­sem Stand­punkt aus ent­wi­ckel­te die Drit­te Inter­na­tio­na­le die Tak­tik der Ein­heits­front, eine Tak­tik von Ein­heit-Kon­fron­ta­ti­on („Gemein­sam schla­gen, getrennt mar­schie­ren“) mit büro­kra­ti­schen oder halb­bü­ro­kra­ti­schen Sek­to­ren. Einer­seits such­te sie die Akti­ons­ein­heit der Arbeiter*innenklasse in ihrer Kon­fron­ta­ti­on gegen die Bour­geoi­sie. Aus stra­te­gi­scher Sicht war das Ziel, ihnen ihre Basis zu ent­zie­hen und die Mehr­heit der Arbeiter*innenklasse, basie­rend auf ihren Erfah­run­gen im Klas­sen­kampf, für die Revo­lu­ti­on zu gewin­nen. Die Tak­tik der „Arbeiter*innenregierung“, die wir in einem frü­he­ren Arti­kel ana­ly­sier­ten17, mach­te sich eben­falls die­sel­be Logik zunut­ze, jedoch wäh­rend der Vor­be­rei­tungs­ar­beit der auf­stän­di­schen Offen­si­ve. Aus­ge­hend von Trotz­kis Ana­ly­se sahen wir bereits, wie die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Büro­kra­tie die Bour­geoi­sie wäh­rend der revo­lu­tio­nä­ren Kri­se in Deutsch­land im Jahr 1923 schütz­te. Ähn­li­ches geschah wäh­rend der Mai-Tage 1937 in Bar­ce­lo­na, als die kata­la­ni­schen Arbeiter*innen sich nicht nur der kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Akti­on des Sta­li­nis­mus, son­dern auch der anar­chis­ti­schen Büro­kra­tien der CNT und der FAI ent­ge­gen­stel­len muss­ten. Wir sahen es in Frank­reich 1936, mit der kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Rol­le der SFIO und der KPF in der Volks­front, mit den Radi­ka­len als Haupt­hin­der­nis für die Erlan­gung der Hege­mo­nie des Pro­le­ta­ri­ats.

Eine der wich­tigs­ten Leh­ren des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts ist gera­de die Erkennt­nis der Unmög­lich­keit einer revo­lu­tio­nä­ren Stra­te­gie und pro­le­ta­ri­schen Hege­mo­nie ohne die stra­te­gi­sche Kon­fron­ta­ti­on mit den Büro­kra­tien, sei­en sie gewerk­schaft­li­cher oder poli­ti­scher Natur (in ers­ter Linie, die der kom­mu­nis­ti­schen und sozia­lis­ti­schen Par­tei­en), als Haupt­säu­len der bür­ger­li­chen Hege­mo­nie und als grund­le­gen­des Hin­der­nis für die Ent­wick­lung der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on. Die­se Orga­ne sowje­ti­schen Typs, die in der Lage sind, die Orga­ne des Auf­stands und Grund­la­ge der Arbeiter*innendemokratie im pro­le­ta­ri­schen Staat nach der Erobe­rung der Macht zu sein.

Ein gro­ßer Abschnitt des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts wur­de im „Wes­ten“ durch das Han­deln die­ser Büro­kra­tien geprägt, sowohl in den Volks­fron­ten der 30er Jah­re als auch am Ende des Zwei­ten Welt­kriegs, sowie nach dem letz­ten revo­lu­tio­nä­ren Auf­schwung der 70er Jah­re. Die sozia­lis­ti­schen und kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­en spiel­ten eine Schlüs­sel­rol­le in der Nie­der­la­ge, sowohl in Frank­reich 1968 als auch 1974 in Por­tu­gal, wo sie den Pro­zess vom Kurs abbrach­ten und den Weg für die anschlie­ßen­de Nie­der­la­ge ebne­ten. Eben­so in Latein­ame­ri­ka, zum Bei­spiel in Chi­le, mit der Beru­fung von Pino­chet in die Regie­rung, womit sie den Cor­do­nes Indus­tria­les ange­sichts des Put­sches die Hän­de ban­den, usw.

Dies ist jedoch nur ein Aspekt. Die poli­ti­sche Rol­le der Büro­kra­tie über­traf beim Wei­ten die der Volks­front. Das zwan­zigs­te Jahr­hun­dert wur­de vom Sieg der Revo­lu­tio­nen in Chi­na, Viet­nam, Jugo­sla­wi­en und Kuba geprägt, die von Anfang an zu „büro­kra­tisch defor­mier­ten Arbeiter*innenstaaten“ wur­den18. Das glei­che geschah mit den büro­kra­tisch defor­mier­ten Arbeiter*innenstaaten in Ost­eu­ro­pa, die unter dem Ein­fluss der UdSSR errich­tet wur­den. Zusam­men­ge­nom­men bestand die Rol­le der Büro­kra­tie im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert nicht mehr nur dar­in, die­ses oder jenes bür­ger­li­che Regime in bestimm­ten Län­dern zu stüt­zen, son­dern – und im viel grö­ße­ren Maß­stab – dar­in, eine grund­le­gen­de Rol­le als Garant für die errich­te­te Welt­ord­nung zu fun­gie­ren.

Die Rol­le die­ser Büro­kra­tien lässt sich nicht durch die­se oder jene Fra­ge der poli­ti­schen Aus­rich­tung noch durch eine all­ge­mei­ne Fra­ge der Ent­fer­nung (Tren­nung) zwi­schen Anfüh­ren­den und Geführ­ten erklä­ren, wie es Tho­mas in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on Gram­scis vor­zu­schla­gen scheint19. Es han­delt sich um gro­ße Appa­ra­te mit eige­nen, und des­halb den Inter­es­sen der Arbeiter*innenbewegung ent­ge­gen­ge­set­zen, Inter­es­sen. Wie Trotz­ki in Ver­ra­te­ne Revo­lu­ti­on für die UdSSR ana­ly­sier­te, ver­wan­del­te sich die Büro­kra­tie in etwas mehr als nur eine Büro­kra­tie: Sie wur­de zu einer Kas­te, deren Pri­vi­le­gi­en auf der poli­ti­schen Ent­eig­nung des Pro­le­ta­ri­ats beruh­ten, das mit der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on den ers­ten Arbeiter*innenstaat der Geschich­te erobert hat­te20.

Die Geschich­te der Volks­fron­ten in den 30er Jah­ren, ihre Rol­le bei der Auf­recht­erhal­tung der bür­ger­li­chen Herr­schaft, und der Aus­ver­kauf revo­lu­tio­nä­rer Pro­zes­se wie in Spa­ni­en oder Frank­reich, ist Aus­druck des Ver­su­ches des Sta­li­nis­mus, die Gunst der impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te auf sich zu zie­hen. Das Argu­ment hier­für war, dass es mög­lich war, die Bour­geoi­sie zu „neu­tra­li­sie­ren“, damit die UdSSR den „Sozia­lis­mus in einem Land“ ent­wi­ckeln könn­te. Tho­mas spielt mit der Idee der „Neu­tra­li­sie­rung“ des bür­ger­li­chen Staa­tes, ohne die Geschich­te die­ser Idee zu berück­sich­ti­gen.

Es ist eine Tat­sa­che, dass das Ziel nicht dar­in bestand, den mili­tä­ri­schen Angriff auf die UdSSR ange­sichts der Vor­be­rei­tun­gen für den Zwei­ten Welt­krieg zu ver­mei­den, was weder erreicht wur­de noch ohne neue sieg­rei­che Revo­lu­tio­nen erreicht wer­den konn­te. Das Ziel bestand nicht ein­mal dar­in, den Angriff auf die UdSSR zu ver­zö­gern, um sich gegen den bevor­ste­hen­den Angriff bes­ser zu wapp­nen, wie die Tötung von 20 Mil­lio­nen Russ*innen in den frü­hen Pha­sen der 1941 begon­ne­nen Nazi-Offen­si­ve zeigt. Die Rol­le, die die Volks­fron­ten spiel­ten, war zu ver­hin­dern, dass in den 30er Jah­ren sieg­rei­che Revo­lu­tio­nen in Euro­pa den inter­na­tio­na­len Sta­tus quo ver­än­dern könn­ten und, vor allem, zu ver­hin­dern, dass die Stel­lung der Büro­kra­tie inner­halb der UdSSR abge­schwächt wür­de. Um jeden Preis woll­te sie ihre Pri­vi­le­gi­en wei­ter­hin genie­ßen kön­nen.

Das­sel­be gilt für die Volks­fron­ten in Euro­pa zum Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges (Frank­reich, Ita­li­en, Grie­chen­land) die zen­tra­le Spiel­stei­ne für die Pak­te von Jal­ta und Pots­dam, sowie für die Tei­lung der Welt in „Ein­fluss­sphä­ren“ wur­den. Hin­zu kam der Streit um die Gren­zen der jewei­li­gen Ein­fluss­be­rei­che (die sog. Poli­tik der „Ein­däm­mung“ des US-Impe­ria­lis­mus), was die Grund­la­ge des „Kal­ten Krie­ges“ bil­de­te (mit „hei­ßen“ Kon­flik­ten wie dem Korea-Krieg oder spä­ter Viet­nam). Dies geschah auch in den 70er Jah­ren, jedoch kam hier die Büro­kra­tie zum Schluss, dass es uner­läss­lich gewor­den war, den Weg zur kapi­ta­lis­ti­schen Restau­ra­ti­on zu beschleu­ni­gen, um ihre Pri­vi­le­gi­en als Kas­te in Klassen“rechte“ zu ver­wan­deln21.

Im Gegen­zug wur­den die neu­en sieg­rei­chen Revo­lu­tio­nen, wie die chi­ne­si­sche, viet­na­me­si­sche oder kuba­ni­sche, vom Anfang an durch die Bürokratien/​Kasten mit­tels der Kon­trol­le der neu­en Arbeiter*innenstaaten poli­tisch ent­eig­net. Ihre natio­na­len Inter­es­sen stie­ßen stän­dig mit der inter­na­tio­na­len Ent­wick­lung der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­ti­on in der gan­zen Welt zusam­men, allen vor­an die Büro­kra­tien im „Wes­ten“. Es kam sogar zu anor­ma­len Erschei­nun­gen, wie der Bruch zwi­schen der UdSSR und Jugo­sla­wi­en nach dem Bruch ers­te­rer mit Chi­na, und zu direk­ten krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den büro­kra­ti­sier­ten Arbeiter*innenstaaten rund um die Inva­si­on Kam­bo­dschas durch Viet­nam, mit der Par­tei­nah­me der UdSSR und der KP-Chi­nas auf gegen­über­lie­gen­den Sei­ten.

Gram­sci, iso­liert im faschis­ti­schen Gefäng­nis und ver­stor­ben Anfang 1937, konn­te die Volks­fron­ten nicht ana­ly­sie­ren. Genau­so ver­moch­te auch Trotz­ki nicht die Nach­kriegs­ord­nung und die bei­spiel­lo­se Ent­wick­lung der Büro­kra­tie und ihre welt­wei­te Rol­le zu beob­ach­ten. Doch im Gegen­satz zu Gram­sci leg­te Trotz­ki die Grund­la­gen, um die­se Phä­no­me­ne zu ver­ste­hen. Nicht nur mit tie­fer theo­re­tisch-poli­ti­scher Ana­ly­se wie in Ver­ra­te­ne Revo­lu­ti­on, son­dern mit sei­ner Visi­on der stra­te­gi­schen Bekämp­fung der Büro­kra­tie, die sich durch sein gesam­tes Werk und sei­ne poli­ti­schen Inter­ven­tio­nen zieht. Er defi­niert eine kla­re stra­te­gi­sche Aus­rich­tung, was in Gram­scis Werk, wie bereits gese­hen, schwan­kend und mehr­deu­tig erscheint.

Daher wur­de das Erbe Gram­scis, im Gegen­satz zu Trotz­kis, immer wie­der dazu benutzt, ihn aus der Kon­stel­la­ti­on der Revolutionär*innen der Drit­ten Inter­na­tio­na­le zu wer­fen, um ihn als Grund­la­ge refor­mis­ti­scher Stra­te­gien zu prä­sen­tie­ren. Im Fal­le Peter Tho­mas‘ ver­sucht die­ser, die radi­kals­ten Inter­pre­ta­tio­nen die­ser Sicht­wei­se zu kon­fron­tie­ren, wie die Lac­laus und Mouf­fes, die in den Gefäng­nis­hef­ten eine Art „Aus­gang“, oder „Aus­gangs­vor­stu­fe“ aus dem Mar­xis­mus und der Arbeiter*innenbewegung sehen, obwohl gera­de Gram­sci sein gan­zes Leben lang ein kom­mu­nis­ti­scher Kämp­fer war. Er war jedoch sein gan­zes Leben lang nicht nur ein kom­mu­nis­ti­scher Anfüh­rer, wie es zum Bei­spiel Pal­mi­ro Togliat­ti gewe­sen sein mag, son­dern sein Hori­zont, auch im Gefäng­nis, war immer die Revo­lu­ti­on gewe­sen. Daher nimmt jede Ana­ly­se von Gram­scis Werk, die nicht vom Stand­punkt der Revo­lu­ti­on aus­geht, Gram­sci letzt­lich nicht ernst.

Im Fal­le Trotz­kis geht die Gefahr von der „Kari­kie­rung“ aus, der er sich aus­ge­setzt sah. Dabei wird auf eine vul­gä­re Art und Wei­se ver­sucht, sein gan­zes Werk auf das Pro­blem der revo­lu­tio­nä­ren Füh­rung zu redu­zie­ren, los­ge­löst von der Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen mate­ri­el­len Kräf­ten; und somit wird die Schlüs­sel­rol­le, die Trotz­ki der stra­te­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der Büro­kra­tie bei­maß, von der Bil­dung revo­lu­tio­nä­rer Frak­tio­nen los­ge­löst. Das Über­gangs­pro­gramm wird von den gro­ßen Fra­gen über Tak­tik und Stra­te­gie getrennt, zu denen Trotz­ki vie­le fun­da­men­ta­le Bei­trä­ge lie­fer­te.

Indem wir uns auf gewis­se Ele­men­te kon­zen­trier­ten, ver­such­ten wir, die Wege und Instru­men­te für den Kampf um die Hege­mo­nie auf­zu­zei­gen, der, wie es Lenin for­mu­lier­te, not­wen­di­ger­wei­se „gegen das Regime“ ver­läuft. Dabei ana­ly­sier­ten wir die Aus­ar­bei­tun­gen Gram­scis und ihren Wert, um jene Pro­zes­se von Aggre­ga­ti­on und Dis­ag­gre­ga­ti­on der Klas­sen zu erklä­ren, mit denen die Bour­geoi­sie in der Lage ist, ihre Herr­schaft auf­recht zu erhal­ten, sowie die von Trotz­ki ent­wi­ckel­te prä­zi­se tak­ti­sche und stra­te­gi­sche Arti­ku­lie­rung. Wir ver­such­ten uns an einer Per­spek­ti­ve jen­seits der öko­no­mis­ti­schen Kari­ka­tu­ren der „per­ma­nen­ten Kata­stro­phe“, wo die Mas­sen immer 180 Grad von ihren Füh­run­gen abge­wandt sind. Dar­aus ergibt sich die Bedeu­tung der radi­kal-demo­kra­ti­schen Losun­gen, von grund­le­gen­der Bedeu­tung, um die Assi­mi­la­ti­on durch das Regime und die sek­tie­re­ri­sche Ohn­macht zu ver­mei­den; die Arti­ku­lie­rung der Ein­heits­front und den (poli­ti­schen und gewerk­schaft­li­chen) Kampf gegen die Büro­kra­tie; den Kampf gegen die „demo­kra­ti­schen“ Par­tei­en des Klein­bür­ger­tums, um die Hege­mo­nie über die Mit­tel­schich­ten zu erobern; die Arti­ku­la­ti­on die­ser Ele­men­te mit der Ent­wick­lung der offen­si­ven Ein­heits­front (Räte) und der der Arbeiter*innenregierung, wie von Trotz­ki gegen die Volks­fron­ten betont, im anti­bür­ger­li­chen und anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Sin­ne.

Dar­aus ergibt sich die Bedeu­tung der Ent­wick­lung von „revo­lu­tio­nä­ren Frak­tio­nen“, die Lenin, wie bereits gese­hen, mit dem Begriff der „Hege­mo­nie“ in den Gewerk­schaf­ten, in den demo­kra­ti­schen Bewe­gun­gen, in der Stu­die­ren­den­be­we­gung, usw. ver­knüpf­te, und deren Ent­wick­lung die ver­schie­dens­ten Metho­den und For­men des Kamp­fes (die par­la­men­ta­ri­sche und außer­par­la­men­ta­ri­sche Arbeit, klan­des­ti­ne und offe­ne Akti­on, den Kampf gegen die Büro­kra­tie, die Ein­heits­front, usw.) umfasst, die stän­dig im Klas­sen­kampf getes­tet wer­den sol­len. Auf der Grund­la­ge die­ser Erfah­rung ist es mög­lich eine revo­lu­tio­nä­re mar­xis­ti­sche Avant­gar­de-Par­tei auf­zu­bau­en, die sich in den ent­schei­den­den Momen­ten der Kon­fron­ta­ti­on sowohl dem „Sire­nen­ge­sang“ der Volks­front als auch dem faschis­ti­schen Ter­ror ent­ge­gen­stellt. Die Ent­wick­lung revo­lu­tio­nä­rer Par­tei­en (sowie einer revo­lu­tio­nä­ren Inter­na­tio­na­len) sind heu­te nicht weni­ger not­wen­dig, son­dern viel­leicht viel mehr als zu Lenins Zei­ten. Es geht also dar­um, die Leh­ren des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts aus­zu­nut­zen, und nicht auf ihre Wie­der­ho­lung zu war­ten. Jeder Augen­blick ent­hält sei­ne eige­nen revo­lu­tio­nä­ren Mög­lich­kei­ten. Sie zu ergrei­fen oder nicht, hängt von uns ab.

Anhang: Hegemonie und „Diktatur des Proletariats“

Im gesam­ten Arti­kel haben wir ent­wi­ckelt, wie die Ver­tei­di­gung (nega­ti­ve Zie­le) die Vor­be­rei­tung auf einen Gegen­an­griff (posi­ti­ve Zie­le) ist. Ihre Bedeu­tung und ihre Metho­den gehen aus die­ser Bezie­hung her­vor. Mit fort­schrei­ten­der Ver­tei­di­gung, wenn sie gut ist, setzt sie nach und nach offen­si­ve Mit­tel ein. In die­sem Sin­ne haben wir die Rol­le der radi­kal-demo­kra­ti­schen Losun­gen, ihr Ver­hält­nis zur Ein­heits­front und ihre Bedeu­tung für die Erobe­rung der Ver­bün­de­ten und den Kampf um die Hege­mo­nie gese­hen.

Fügen wir nun hin­zu: Der Angriff, obwohl er an sich ein „posi­ti­ves“ Prin­zip hat, endet not­wen­di­ger­wei­se immer in einer Ver­tei­di­gung. Nach­dem wir das fest­ge­hal­ten haben, kön­nen wir auf die Dis­kus­si­on zwi­schen Ander­son und Tho­mas über das Ver­hält­nis zwi­schen Hege­mo­nie und Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats und sei­ne Cha­rak­te­ris­ti­ka vor und nach der Erobe­rung der Macht zurück­kom­men. Wir hat­ten gese­hen, dass in Tho­mas‘ Inter­pre­ta­ti­on der Gefän­gis­hef­te Gram­scis Aus­gangs­punkt für die Ver­all­ge­mei­ne­rung des Kon­zepts der „Hege­mo­nie“ in der bür­ger­li­chen Herr­schaft im „Wes­ten“ nicht die Debat­ten im rus­si­schen Mar­xis­mus vor der Revo­lu­ti­on sind, wo „Hege­mo­nie“ sich auf die Füh­rung des Pro­le­ta­ri­ats in einem Bünd­nis mit dem Bau­ern­tum bezieht, son­dern die NEP (Neue Öko­no­mi­sche Poli­tik), durch die die Bol­sche­wi­ki Markt­me­cha­nis­men wie­der ein­führ­ten, um die Pro­duk­ti­on auf dem Land und die Indus­trie wie­der­zu­be­le­ben. Sie sahen dies als eine Mög­lich­keit, der wirt­schaft­lich-sozia­len Kri­se ent­ge­gen­zu­tre­ten, die die UdSSR 1921, iso­liert in einer kapi­ta­lis­ti­schen Welt, heim­ge­sucht hat­te.

Tho­mas‘ theo­re­tisch-poli­ti­sches Ziel besteht dar­in, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass „der vor­re­vo­lu­tio­nä­re Hege­mo­nie­be­griff laut Ander­son, einem gewis­sen­haf­ten Lehr­ling Trotz­kis, sich auf die Bezie­hun­gen zwi­schen den unter­ge­ord­ne­ten Klas­sen in einer bür­ger­lich-demo­kra­ti­schen Revo­lu­ti­on (der smych­ka [Bünd­nis, A.d.Ü.] zwi­schen Arbei­tern und Bau­ern) bezieht und der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats in der sozia­lis­ti­schen Revo­lu­ti­on ent­ge­gen­ge­setzt ist. Gram­sci stellt die bei­den jedoch nicht aus­drück­lich ein­an­der gegen­über und argu­men­tiert, dass die Hege­mo­nie des Pro­le­ta­ri­ats die „Ergän­zung“ zur Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats dar­stellt.“23

Eine gan­ze Rei­he his­to­ri­scher Pole­mi­ken, die Tho­mas nicht erwähnt, wür­de redu­ziert auf die Gegen­über­stel­lung: auf der einen Sei­te Trotz­ki als Ver­tre­ter der Gegen­über­stel­lung der „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“ und der Hege­mo­nie, aus­ge­drückt durch Ander­son; und auf der ande­ren Sei­te ein Gram­sci, der sie als „Ergän­zung“ kon­zi­piert.

Nun fällt auf, dass in Tho­mas‘ Buch, obwohl es ein zen­tra­ler Punkt sei­ner Argu­men­ta­ti­on ist, er nicht die gerings­te Bewer­tung die­ser Peri­ode der UdSSR unter­nimmt. Was im Rah­men des NEP pas­sier­te, die aus der öko­no­mi­schen Sicht einen Erfolg dar­stell­te, war, dass Hand in Hand mit ihren wirt­schaft­li­chen Errun­gen­schaf­ten inner­halb der Bau­ern­schaft ein bür­ger­li­cher oder pro­to-bür­ger­li­cher Sek­tor (mit der Fähig­keit zur Kapi­tal­ak­ku­mu­la­ti­on und der Aus­beu­tung von Arbeiter*innen) ent­stand, der Kulak. Das idyl­li­sche Sze­na­rio, das Tho­mas zu sehen scheint, war in der Rea­li­tät von unge­heu­ren Wider­sprü­chen geprägt. Der wich­tigs­te bestand dar­in, dass die Fähig­keit die­ses bür­ger­li­chen Sek­tors zur Akku­mu­la­ti­on schnel­ler vor­an­schritt als die Fort­schrit­te in der Pro­duk­ti­vi­tät der Indus­trie. Das Ergeb­nis: in der Stadt pro­du­zier­te Güter wur­den für das Land teu­rer und auf dem Land wuchs der Sek­tor, der sei­ne Pro­duk­te nicht zur Sub­sis­tenz ver­kau­fen muss­te.
Fazit: per­spek­ti­visch könn­ten die Städ­te und ihre Arbeiter*innen wie­der Hun­ger lei­den. Die­ser Pro­zess wur­de „Sche­ren“ genannt.

Damals gab es in der UdSSR eine Poli­tik, die Bucharins Kurs folg­te und die im Volks­mund in zwei Slo­gans zusam­men­ge­fasst wur­de: „Indus­tria­li­sie­rung im Schne­cken­tem­po“ und „Bau­ern, berei­chert euch“. Bei­des beding­te sich gegen­sei­tig: mehr Indus­trie bedeu­te­te mehr Steu­ern für die rei­chen Bau­ern, um jene zu ent­wi­ckeln. Die gegen­über­lie­gen­de Poli­tik war die Trotz­kis, der für star­ke pro­gres­si­ve Steu­ern für die rei­chen Bau­ern und eine beschleu­nig­te Indus­tria­li­sie­rung plä­dier­te.

Wie ver­such­ten die­se bei­den Poli­ti­ken jeweils, das „Scheren“-Problem zu lösen? Bucha­rin durch „Opfer“ und „Zuge­ständ­nis­se“ sei­tens der Arbeiter*innenklasse, was eine all­mäh­li­che „Assi­mi­lie­rung“ des Kulaks als Klas­se hin zum Sozia­lis­mus ermög­li­chen wür­den, durch eine ideo­lo­gi­sche Über­zeu­gung von des­sen Tugen­den und eine beschei­de­ne Steu­er­be­las­tung.

Trotz­ki war im Gegen­teil der Mei­nung, es han­de­le sich nicht um ein Pro­blem „guter Absich­ten“, son­dern um mate­ri­el­le Inter­es­sen. Der Wider­spruch zwi­schen dem Inter­es­se des Kulaks an der Kapi­tal­ak­ku­mu­la­ti­on und dem Vor­marsch zum Sozia­lis­mus war unver­meid­lich, struk­tu­rell.

Trotz­ki ver­such­te zu ver­mei­den, in eine Kri­sen­si­tua­ti­on zu gera­ten, in der der Kulak sei­ne Pro­duk­ti­on nicht frei­wil­lig ver­kau­fen wür­de und der Arbeiter*innenstaat sie ent­eig­nen müss­te, damit die Städ­te nicht ver­hun­gern; was natür­lich zu der Not­wen­dig­keit füh­ren wür­de, Zwang anzu­wen­den.

Trotz­ki woll­te die Anwen­dung von Gewalt gegen das Bau­ern­tum ver­mei­den, Bucha­rin theo­re­tisch auch. Jedoch mein­te letz­te­rer, es gin­ge dar­um, den Kulak mit Pro­pa­gan­da zu über­zeu­gen und in den Städ­ten Opfer zu brin­gen, um die Steu­ern nicht zu erhö­hen.

Trotz­ki warn­te vor die­ser „nai­ven“ Sicht­wei­se und argu­men­tier­te, dass der Kulak in der Erfah­rung über­zeugt wer­den soll­te, dass der Sozia­lis­mus der bes­te Weg sei, und dies impli­zier­te, dass die „sozia­lis­ti­sche“ Stadt ihm bil­li­ge­re Pro­duk­te ver­kauf­te (die die Steu­er­last aus­glei­chen wür­de) und dass die direkt von der Indus­trie unter­stütz­ten kol­lek­ti­ven Bau­ern­hö­fe (Kol­cho­sen) außer­dem eine viel grö­ße­re Über­le­gen­heit in der Pro­duk­ti­on zeig­ten, die die Bei­trä­ge der Kula­ken zuneh­mend über­flüs­sig machen wür­den, sowohl an Pro­duk­ten als auch an Steu­ern.24

Letz­te­res konn­te für Trotz­ki inner­halb der Gren­zen des rück­stän­di­gen Russ­lands nicht end­gül­tig erreicht wer­den, aber mit die­ser Poli­tik konn­te man „Zeit gewin­nen“, bis der Tri­umph der Revo­lu­ti­on in einem zen­tra­len Land (mit hoher Pro­duk­ti­vi­tät) zur Hil­fe kom­men wür­de. Natür­lich ging dies Hand in Hand mit dem Inter­na­tio­na­lis­mus, wäh­rend im Fal­le Bucharins sei­ne Poli­tik gegen­über der UdSSR mit der „Theo­rie“ des Sozia­lis­mus in einem Land ver­bun­den war.

Bucha­rin griff die­se Posi­ti­on Trotz­kis an und sag­te, er habe unter der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats in der UdSSR „im Vor­aus die Idee der Hege­mo­nie des Pro­le­ta­ri­ats“25 geleug­net. Es ist nur eine Wie­der­ho­lung die­ses Argu­ments, wenn Tho­mas behaup­tet, dass Ander­son als „Lehr­ling Trotz­kis“ die Hege­mo­nie der „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“ ent­ge­gen­stellt. Wie wir gese­hen haben, war Trotz­ki weit von die­ser Posi­ti­on ent­fernt; was er bekämpf­te, war die vul­gä­re Visi­on Bucharins einer bloß „ideo­lo­gi­schen“ oder „kul­tu­rel­len“ Hege­mo­nie. Er kämpf­te gegen die­sen Ansatz, nicht weil er die Bedeu­tung von Ideo­lo­gie und Kul­tur unter­schätz­te – er war der­je­ni­ge klas­si­sche Mar­xist, der sich (theo­re­tisch und prak­tisch) bei wei­tem am meis­ten mit die­sen Fra­gen beschäf­tig­te. Er glaub­te jedoch, dass „[d]ie Arbei­ter­klas­se […] ihre füh­ren­de Lage in letz­ter Linie nicht durch den Staats­ap­pa­rat, nicht durch die Armee, son­dern durch die Indus­trie, die das Pro­le­ta­ri­at selbst repro­du­ziert, behal­ten und befes­ti­gen“26 kön­ne.

Gram­sci weist in den Gefäng­nis­hef­ten dar­auf hin, dass“eine ange­mes­se­ne poli­ti­sche Initia­ti­ve immer not­wen­dig [ist], um den öko­no­mi­schen Anstoß von den Hin­der­nis­sen der tra­di­tio­nel­len Poli­tik zu befrei­en, um also die poli­ti­sche Füh­rung gewis­ser Kräf­te zu ver­än­dern, die not­wen­dig absor­biert wer­den müs­sen, um einen neu­en, homo­ge­nen, inner­lich wider­spruchs­frei­en poli­tisch-öko­no­mi­schen Block zu schaf­fen“27. Es ist wahr, dass dies der Posi­ti­on der „Assi­mi­la­ti­on des Kulaks als Klas­se“ sehr ähn­lich ist. Wenn er argu­men­tiert, „daß also die füh­ren­de Grup­pe Opfer kor­po­ra­ti­ve-öko­no­mi­scher Art bringt, […] denn wenn die Hege­mo­nie poli­tisch-ethisch ist, dann kann sie nicht umhin, ihre mate­ri­el­le Grund­la­ge in der ent­schei­den­den Funk­ti­on zu haben, wel­che die füh­ren­de Grup­pe im ent­schei­den­den Kern­be­reich der öko­no­mi­schen Akti­vi­tät aus­übt“28, scheint er sich auch auf die Tat­sa­che zu bezie­hen, dass die Kos­ten für „die Sche­re“ von der Arbeiter*innenklasse als herr­schen­der Klas­se getra­gen wer­den soll­ten. Dies mag der Fall sein, obwohl weder wir noch Tho­mas dies defi­ni­tiv sagen kön­nen. Was wir beja­hen kön­nen, ist, dass die Nicht­pro­ble­ma­ti­sie­rung die­ser his­to­ri­schen Bezü­ge kei­ne ernst­haf­te Art zu sein scheint, über „Hege­mo­nie“ nach­zu­den­ken, wenn wir von der NEP aus­ge­hen wol­len29.

Die Wahr­heit ist, dass sich Bucharins Poli­tik als völ­li­ger Miss­erfolg erwies. 1928 war die Wirt­schafts­kri­se, die Trotz­ki vor­aus­ge­se­hen hat­te, mit all ihrer Hef­tig­keit aus­ge­bro­chen. Auch der Block zwi­schen Sta­lin und Bucha­rin explo­dier­te, und ers­te­rer befeh­lig­te eine umfas­sen­de Repres­si­on gegen die Kula­ken. Der Kurs wand­te sich von der „Assi­mi­la­ti­on des Kulaks als Klas­se“ zur „Eli­mi­nie­rung des Kulaks als Klas­se“, aus „Bau­ern berei­chert euch“ wur­de „Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung“. Bucha­rin selbst hat­te kurz zuvor begon­nen, die Ohn­macht sei­ner eige­nen Poli­tik zu erken­nen30. Doch es war zu spät.

Gram­sci schien, wie wir sag­ten, trotz der Tat­sa­che, dass er nach der „Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung“ schrieb, in die­sen Fra­gen mehr als einen Berüh­rungs­punkt mit Bucharins Ori­en­tie­rung zu haben. Jedoch befand er sich iso­liert im Gefäng­nis und behielt höchst­wahr­schein­lich das „Foto“ von 1926 vor Augen. Offen­sicht­lich gibt es kei­ne Recht­fer­ti­gung für eine der­art ober­fläch­li­che Sicht­wei­se der NEP sei­tens Tho­mas, mit der er sogar ver­sucht, das Kon­zept der „Hege­mo­nie“ bei Gram­sci zu aktua­li­sie­ren und neu zu inter­pre­tie­ren.

Es ist nicht so, dass Trotz­ki die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats der Hege­mo­nie ent­ge­gen­ge­setzt hät­te. Um Trotz­ki zu ver­ste­hen, muss man die stra­te­gi­sche Arti­ku­la­ti­on ver­ste­hen, die er für jedes Pro­blem vor­gibt. In die­sem Fall geht es dar­um, nach der Erobe­rung der Macht in Russ­land eine defen­si­ve Posi­ti­on zu arti­ku­lie­ren und sie als „Schüt­zen­gra­ben“, als „Fes­tung“, für den Impuls der Welt­re­vo­lu­ti­on zu nut­zen, die die „gro­ße Stra­te­gie“ ist, um zum Kom­mu­nis­mus vor­an­zu­schrei­ten. Auf Tho­mas‘ Sei­te steht er vor einer „unmög­li­chen“ Extra­po­la­ti­on und Ver­all­ge­mei­ne­rung des Hege­mo­nie­kon­zepts von der NEP auf den Kampf (oder viel­leicht soll­ten wir sagen die „Über­win­dung“) der Arbeiter*innenklasse gegen die bür­ger­li­che Herr­schaft im „Wes­ten“. Wir sagen „unmög­lich“, und zwar aus zwei Grün­den. Ers­tens, weil, genau wie es der Fall der UdSSR im Nega­ti­ven gezeigt hat, das Haupt­mit­tel für die Hege­mo­nie der sowje­ti­schen Arbeiter*innenklasse (bis zum Sieg neu­er Revo­lu­tio­nen in zen­tra­len Län­dern) das Eigen­tum und die Kon­trol­le der „Indus­trie, die das Pro­le­ta­ri­at selbst repro­du­ziert“, war. Daher mögen Tho­mas‘ theo­re­tisch-poli­ti­sche Schluss­fol­ge­run­gen in die­ser Fra­ge für eine ande­re Hege­mo­nie als die bür­ger­li­che im kapi­ta­lis­ti­schen „Wes­ten“ kaum von Nut­zen sein.

Und zwei­tens, weil sei­ne „idyl­li­sche“ Visi­on der NEP und der Man­gel an Tie­fe in der his­to­ri­schen Ana­ly­se ihn dar­an hin­dern zu erken­nen, dass in der Hit­ze der NEP und dem damit ein­her­ge­hen­den Pro­zess der sozia­len Dif­fe­ren­zie­rung die mate­ri­el­len Grund­la­gen der neu­en Arbeiter*innenbürokratie ent­stan­den, die schließ­lich den ers­ten Arbeiter*innenstaat der Geschich­te liqui­dier­te (durch die Restau­ra­ti­on des Kapi­ta­lis­mus). Tho­mas beach­tet nicht ein­mal die Tat­sa­che, dass es nicht nur Bucha­rin war, der dach­te, die NEP kön­ne ein „Weg zum Sozia­lis­mus“ sein, son­dern die­ser im Block mit Sta­lin. Es ist klar, dass ein Kon­zept der „Hege­mo­nie“, das die Büro­kra­ti­sie­rung der Arbeiter*innenstaaten und den Sta­li­nis­mus nicht berück­sich­tigt, im 21. Jahr­hun­dert nicht sehr nütz­lich sein kann.

Fuß­no­ten

1. Sie­he Anhang: Hege­mo­nie und “Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats”.

2. Tho­mas, Peter, The Gram­sci­an Moment, S. 226.

3. “O Momen­to Gram­scia­no: ent­re­vis­ta com Peter Tho­mas”, Esquer­da Diá­rio, 17.06.2015, abruf­bar unter http://www.esquerdadiario.com.br/O‑Momento-Gramsciano.

4 Die­se Per­spek­ti­ve wird nicht nur von Tho­mas ver­tre­ten, son­dern reprä­sen­tiert einen „Zeit­geist“ in wei­ten Tei­len der inter­na­tio­na­len Lin­ken. In die glei­che Rich­tung argu­men­tiert zum Bei­spiel auch der jun­ge Her­aus­ge­ber der US-ame­ri­ka­ni­schen Zeit­schrift Jaco­bin, Bhas­kar Sun­k­a­ra: „Wir sind sehr inter­es­siert an den Erfah­run­gen der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens und ande­rer Mas­sen­par­tei­en in Euro­pa und an den Theo­re­ti­kern des Euro­kom­mu­nis­mus, etwas, das uns von vie­len Trotz­kis­ten unter­schei­det. Für uns waren auch die Radi­ka­len der Zwei­ten Inter­na­tio­na­le sehr wich­tig, jeden­falls bevor die SPD 1914 für Kriegs­kre­di­te stimm­te. So lesen wir Lenin, aber auch Kaut­skys Der Weg zur Macht. Ins­ge­samt kom­men wir aus ver­schie­de­nen Tra­di­tio­nen der Lin­ken, aber man kann sagen, dass es eine gewis­se Kon­ver­genz zwi­schen denen, die aus dem post­mao­is­ti­schen und post­trotz­kis­ti­schen Milieu kom­men, und denen, die aus Tra­di­tio­nen der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Lin­ken kom­men, gege­ben hat.“ (Sun­k­a­ra, Bhas­kar, „Neue Mas­sen, neue Medi­en“, New Left Review Nr. 90, Janu­ar-Febru­ar 2014, S. 38. Eige­ne Über­set­zung).

5 “His­to­ri­cal Mate­ria­lism at Six­teen: An Inter­view with Peter D. Tho­mas”, Jaco­bin 10.05.2014, abruf­bar unter https://​www​.jaco​bin​mag​.com/​2​0​1​4​/​0​5​/​h​i​s​t​o​r​i​c​a​l​-​m​a​t​e​r​i​a​l​i​s​m​-​a​t​-​s​i​x​t​e​en/. Eige­ne Über­set­zung.

6 Trotz­ki, Leo, “Eine krie­chen­de Revo­lu­ti­on”, abruf­bar unter https://​sites​.goog​le​.com/​s​i​t​e​/​s​o​z​i​a​l​i​s​t​i​s​c​h​e​k​l​a​s​s​i​k​e​r​2​p​u​n​k​t​0​/​t​r​o​t​z​k​i​/​t​r​o​t​z​k​i​-​k​o​m​m​u​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​t​a​k​t​i​k​/​l​e​o​-​t​r​o​t​z​k​i​-​e​i​n​e​-​k​r​i​e​c​h​e​n​d​e​-​r​e​v​o​l​u​t​ion.

7 Trotz­ki zog im Fal­le der USA in den 1930er-Jah­ren sogar die Mög­lich­keit in Betracht, eine Arbeiter*innenpartei vor­an­zu­trei­ben, selbst wenn sie unter refor­mis­ti­scher Füh­rung stün­de. Jedoch ging es ihm hier­bei wie im Fal­le der ande­ren Tak­ti­ken, die wir ana­ly­sier­ten, dar­um, dass die Kommunist*innen in ihr mit dem Ziel inter­ve­nier­ten, durch die Ent­wick­lung einer revo­lu­tio­nä­ren Frak­ti­on inner­halb der Par­tei ein anti­ka­pi­ta­lis­ti­sches Über­gangs­pro­gramm für eine Arbei­ter- und Bau­ern­re­gie­rung gegen die Büro­kra­tie zu erkämp­fen. Ähn­lich war der Vor­schlag der Drit­ten Inter­na­tio­na­le an die bri­ti­schen Kommunist*innen in den 1920er Jah­ren, sie sol­len in die Labour-Par­tei ein­tre­ten.

8 Sie­he http://​blogs​.publi​co​.es/​o​t​r​a​s​m​i​r​a​d​a​s​/​4​4​8​0​/​b​u​s​c​a​n​d​o​-​l​a​-​c​e​n​t​r​a​l​i​d​a​d​-​a​p​a​r​e​c​i​o​-​e​l​-​c​o​n​f​l​i​c​to/ Eige­ne Über­set­zung.

9 Vgl. Alb­a­mon­te, Emi­lio und Matí­as Mai­el­lo: “An den Gren­zen der Bür­ger­li­chen Restau­ra­ti­on”, Klas­se Gegen Klas­se, 15.10.2011, abruf­bar unter https://​www​.klas​se​ge​gen​klas​se​.org/​a​n​-​d​e​n​-​g​r​e​n​z​e​n​-​d​e​r​-​b​u​r​g​e​r​l​i​c​h​e​n​-​r​e​s​t​a​u​r​a​t​i​on/.

10 August Bebel war neben Wil­helm Lieb­knecht einer der Mit­grün­der der SPD. Spä­ter wur­de er bis zu sei­nem Tod im Jah­re 1913 ihr wich­tigs­ter Anfüh­rer.

11 Lenin, W.I., Der Refor­mis­mus in der rus­si­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie, in: Wer­ke, Bd. 17., S. 219.

12 Ebd.

13 In “Der „Lin­ke Radi­ka­lis­mus“, die Kin­der­krank­heit im Kom­mu­nis­mus” (1919), syn­the­ti­sier­te Lenin, wie sich der Bol­sche­wis­mus ent­wi­ckel­te: „Einer­seits ist der Bol­sche­wis­mus im Jah­re 1903 auf der fes­ten Grund­la­ge der mar­xis­ti­schen Theo­rie ent­stan­den. Daß aber die­se – und nur die­se – revo­lu­tio­nä­re Theo­rie rich­tig ist, haben nicht nur die inter­na­tio­na­len Erfah­run­gen des gan­zen 19. Jahr­hun­derts, son­dern ins­be­son­de­re auch die Erfah­run­gen mit den Irrun­gen und Wir­run­gen, mit den Feh­lern und Ent­täu­schun­gen des revo­lu­tio­nä­ren Den­kens in Ruß­land bewie­sen. Im Lau­fe unge­fähr eines hal­ben Jahr­hun­derts, etwa von den vier­zi­ger und bis zu den neun­zi­ger Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts, such­te das fort­schritt­li­che Den­ken in Ruß­land, unter dem Joch des uner­hört bar­ba­ri­schen und reak­tio­nä­ren Zaris­mus, begie­rig nach der rich­ti­gen revo­lu­tio­nä­ren Theo­rie und ver­folg­te mit erstaun­li­chem Eifer und Bedacht jedes „letz­te Wort“ Euro­pas und Ame­ri­kas auf die­sem Gebiet. Den Mar­xis­mus als die ein­zig rich­ti­ge revo­lu­tio­nä­re Theo­rie hat sich Ruß­land wahr­haft in Lei­den errun­gen, durch ein hal­bes Jahr­hun­dert uner­hör­ter Qua­len und Opfer, bei­spiel­lo­sen revo­lu­tio­nä­ren Hel­den­tums, unglaub­li­cher Ener­gie und hin­ge­bungs­vol­len Suchens, Ler­nens, prak­ti­schen Erpro­bens, der Ent­täu­schun­gen, des Über­prü­fens, des Ver­glei­chens mit den Erfah­run­gen Euro­pas. Dank dem vom Zaris­mus auf­ge­zwun­ge­nen Emi­gran­ten­le­ben ver­füg­te das revo­lu­tio­nä­re Ruß­land in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts über eine sol­che Fül­le von inter­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen, aber eine so vor­treff­li­che Kennt­nis aller For­men und Theo­rien der revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung der Welt wie kein ande­res Land auf dem Erd­ball. Ander­seits hat­te der Bol­sche­wis­mus, der auf die­ser gra­nit­nen theo­re­ti­schen Grund­la­ge ent­stan­den war, eine fünf­zehn­jäh­ri­ge (1903–1917) prak­ti­sche Geschich­te hin­ter sich, die an Reich­tum der Erfah­rung nicht ihres­glei­chen kennt. Denn kein ande­res Land hat­te in die­sen 15 Jah­ren auch nur annä­hernd soviel durch­ge­macht an revo­lu­tio­nä­rer Erfah­rung, an rapi­dem und man­nig­fal­ti­gem Wech­sel der ver­schie­de­nen For­men der Bewe­gung: der lega­len und ille­ga­len, der fried­li­chen und stür­mi­schen, der unter­ir­di­schen und offe­nen, der Zir­kel­ar­beit und der Mas­sen­ar­beit, der par­la­men­ta­ri­schen und der ter­ro­ris­ti­schen Form der Bewe­gung. In kei­nem ande­ren Lan­de war in einem so kur­zen Zeit­raum ein sol­cher Reich­tum an For­men, Schat­tie­run­gen und Metho­den des Kamp­fes aller Klas­sen der moder­nen Gesell­schaft kon­zen­triert gewe­sen, und zwar eines Kamp­fes, der infol­ge der Rück­stän­dig­keit des Lan­des und des schwe­ren Jochs des Zaris­mus beson­ders schnell her­an­reif­te und sich beson­ders begie­rig und erfolg­reich das ent­spre­chen­de „letz­te Wort“ der ame­ri­ka­ni­schen und euro­päi­schen poli­ti­schen Erfah­run­gen zu eigen mach­te.“

14 sie­he Fuß­no­te 32 in Teil II: „In die­sem Sinn müs­sen gan­ze ‚poli­ti­sche‘ Par­tei­en und ande­re Orga­ni­sa­tio­nen wirt­schaft­li­cher oder ande­rer Art als Orga­nis­men poli­ti­scher Poli­zei mit Unter­su­chungs- und Vor­beu­gungs­cha­rak­ter ange­se­hen wer­den.“ [Gram­sci, Anto­nio, “Der Cäsa­ris­mus”, in: Gefäng­nis­hef­te, H13, §27, Band 7, Ber­lin: Argu­ment, 1996, S. 1592–1595, hier: S. 1594.].

15 Vgl. Dal Maso, Juan und Ros­so, Fer­nan­do, “Trot­s­ky, Gram­sci y el Estado en ‘Occi­den­te’”. Eine deut­sche Über­set­zung liegt nicht vor.

16 Gram­sci, Anto­nio, “Brief an das Zen­tral­ko­mi­tee der KPdSU(B)”, abruf­bar unter https://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​g​r​a​m​s​c​i​/​1​9​2​6​/​1​0​/​b​r​i​e​f​.​htm.

17 Vgl. Alb­a­mon­te, Emi­lio, Mai­el­lo, Matí­as, “Trot­s­ky y Gram­sci: deba­tes de est­ra­te­gia sob­re la revo­lu­ción en ‘occi­den­te’”, a.a.O.

18 Für die­se Defi­ni­ti­on gehen wir von Trotz­kis Kon­zept des “dege­ne­rier­ten Arbei­ter­staats” aus, mit dem er den Cha­rak­ter der UdSSR defi­nier­te. Wäh­rend es ein unab­hän­gi­ges büro­kra­ti­sches Regime gab, das die Sowjets eli­mi­niert hat­te, eine Dik­ta­tur der Büro­kra­tie, blie­ben jedoch enor­me Errun­gen­schaf­ten der Revo­lu­ti­on bestehen, wie das staat­li­che Eigen­tum an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln, die (wenn auch büro­kra­ti­sche) Pla­nung der Wirt­schaft und das Feh­len der Bour­geoi­sie (oder einer neu­en sozia­len Klas­se) als Herr­sche­rin (obwohl eine büro­kra­ti­sche Kas­te an die Macht gekom­men war). Aus die­sen Ele­men­ten zog Trotz­ki zwei pro­gram­ma­ti­sche Schluss­fol­ge­run­gen: die Ver­tei­di­gung der UdSSR gegen den Impe­ria­lis­mus und die Not­wen­dig­keit des sowje­ti­schen Pro­le­ta­ri­ats, die Büro­kra­tie durch eine poli­ti­sche Revo­lu­ti­on zu stür­zen. Vgl Trotz­ki, Leo: Ver­tei­di­gung des Mar­xis­mus. Essen: Arbei­ter­pres­se Ver­lag.

19 His­to­ri­cal Mate­ria­lism at Six­teen: An Inter­view with Peter D. Tho­mas”, Jaco­bin 10.05.2014. Eige­ne Über­set­zung

20 “In ihrer ver­mit­teln­den und regu­lie­ren­den Funk­ti­on, ihrer Sor­ge um die Erhal­tung der sozia­len Rang­stu­fen und der Aus­nut­zung des Staats­ap­pa­ra­tes zu Pri­vatzwe­cken ähnelt die Sowjet­bü­ro­kra­tie jeder ande­ren Büro­kra­tie, beson­ders der faschis­ti­schen. Aber es gibt auch enor­me Unter­schie­de. Unter kei­nem ande­ren Regime außer dem der UdSSR hat die Büro­kra­tie einen sol­chen Grad der Unab­hän­gig­keit von der herr­schen­den Klas­se erlangt. In der bür­ger­li­chen Gesell­schaft ver­tritt die Büro­kra­tie die Inter­es­sen der besit­zen­den und gebil­de­ten Klas­se, die über unzäh­li­ge Mit­tel ver­fügt, ihre Ver­wal­tung zu kon­trol­lie­ren. Die Sowjet­bü­ro­kra­tie jedoch schwang sich über eine Klas­se auf, die eben erst aus Elend und Dun­kel befreit und kei­ne Tra­di­tio­nen im Herr­schen und Kom­man­die­ren besitzt. Wäh­rend die Faschis­ten, nach­dem sie die Fut­ter­krip­pe erreich­ten, mit der Groß­bour­geoi­sie gemein­sa­me Interessen‑, Freundschafts‑, Ehe­ban­de usw. knüpf­ten, macht sich die Büro­kra­tie der UdSSR die bür­ger­li­chen Sit­ten zu eigen, ohne eine natio­na­le Bour­geoi­sie neben sich zu haben. In die­sem Sin­ne muss man zuge­ben, dass sie etwas mehr ist als eine Büro­kra­tie.” (Trotz­ki, Leo: Ver­ra­te­ne Revo­lu­ti­on.)

21 Alb­a­mon­te, Emi­lio, Mai­el­lo, Matí­as, “An den Gren­zen der bür­ger­li­chen Restau­ra­ti­on”, a.a.O.

22 “His­to­ri­cal Mate­ria­lism at Six­teen: An Inter­view with Peter D. Tho­mas”, a.a.O.

23 Tho­mas, Peter, The Gram­sci­an Moment, a.a.O., S. 231, eige­ne Über­set­zung.

24 Vgl. Cas­til­lo, Chris­ti­an und Mai­el­lo, Matí­as, “Pró­lo­go: Leccio­nes para reac­tua­li­zar la per­spec­ti­va comu­nis­ta en el sig­lo XXI”, in Trot­s­ky, León, La Revo­lu­ción Trai­cio­na­da, Bue­nos Aires: Edi­cio­nes IPS, 2014.

25 Bucha­rin, Nico­lai, “Acer­ca de la teo­ría de la revo­lu­ción per­ma­nen­te”, en El Gran Deba­te (1924–1926), Madrid: Sig­lo XXI, 1976, S. 126, eige­ne Über­set­zung.

26 Trotz­ki, Leo: The­sen über die Orga­ni­sie­rung der Indus­trie, abruf­bar unter https://​sites​.goog​le​.com/​s​i​t​e​/​s​o​z​i​a​l​i​s​t​i​s​c​h​e​k​l​a​s​s​i​k​e​r​2​p​u​n​k​t​0​/​t​r​o​t​z​k​i​/​1​9​2​3​/​l​e​o​-​t​r​o​t​z​k​i​-​t​h​e​s​e​n​-​u​e​b​e​r​-​d​i​e​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​r​u​n​g​-​d​e​r​-​i​n​d​u​s​t​rie.

27 Gram­sci, Anto­nio, „Beob­ach­tun­gen über eini­ge Aspek­te der Struk­tur der poli­ti­schen Par­tei­en in den Zei­ten orga­ni­scher Kri­se“, in: Gefäng­nis­hef­te, H13, §23, Band 7, Ber­lin: Argu­ment, S. 1577–1587, hier: S. 1586.

28 Gram­sci, Anto­nio, „Eini­ge theo­re­ti­sche und prak­ti­sche Aspek­te des ‚Öko­no­mis­mus‘“, in: Gefäng­nis­hef­te, H13, §18, Band 7, Ber­lin: Argu­ment, 1996, S. 1565–1573, hier: S. 1567.

29 Vgl. Dal Maso, Juan, “Real­po­li­tik y hege­monía: a pro­pó­si­to de una lec­tu­ra de Peter D. Tho­mas sob­re la NEP”, abruf­bar unter http://​los​ga​los​de​as​te​rix​.blog​spot​.com​.ar/​2​0​1​4​/​0​6​/​r​e​a​l​p​o​l​i​t​i​k​-​y​-​h​e​g​e​m​o​n​i​a​-​p​r​o​p​o​s​i​t​o​-​d​e​.​h​tml.

30 Cohen, Ste­phen F., Buja­rin y la revo­lu­ción bol­che­vi­que, Madrid: Sig­lo XXI, 1976, S. 347–348.

Klas­se Gegen Klas­se