[Freiheitsliebe:] Logistik mit Gschmäckle

Aktu­ell befin­det sich die Bun­des­wehr mit etwa 4.000 Sol­da­tin­nen in 13 Aus­lands­ein­sät­zen und betei­ligt sich immer wie­der an zahl­rei­chen inter­na­tio­na­len Kriegs­übun­gen. Das ist eine gro­ße logis­ti­sche Her­aus­for­de­rung, um Mate­ri­al und Trup­pen auf min­des­tens drei Kon­ti­nen­ten zu bewe­gen. Neben dem Schie­nen- und Stra­ßen­ver­kehr spie­len dabei nicht zuletzt auch der Flug- und See­ver­kehr – und damit Häfen und Flug­hä­fen – eine zen­tra­le Rol­le.

Die Bun­des­wehr greift dafür sowohl auf Mili­tär­stütz­punk­te als auch auf vor­der­grün­dig „zivi­le“ Infra­struk­tur in der BRD zurück – und hin­ter­lässt dabei in unter­schied­li­cher Hin­sicht ein mili­tä­ri­sches „Geschmäck­le“.

Bundeswehr aus Wilhelmshaven …

Für die Mari­ne stel­len die Stütz­punkt­kom­man­dos „die logis­ti­sche Dreh­schei­be für die Flot­te“ dar.[1] Die­se sind an der Ost­see in Eckern­för­de, Kiel und War­ne­mün­de für einen der drei Groß­ver­bän­de der Mari­ne, die Ein­satz­flotil­le 1, zustän­dig. Neben dem Betrieb der Stütz­punk­te, „koor­di­nie­ren [die Mari­ne­stütz­punkt­kom­man­dos] als glo­ba­ler ‚Rund­um-Ser­vice‘ die kon­ti­nu­ier­li­che Nach­ver­sor­gung der Schif­fe und Boo­te, die bei ihnen ihren Hei­mat­ha­fen haben. Dazu gehört vor allem, Betriebs­stof­fe, Ersatz­tei­le, Ver­brauchs­ma­te­ri­al, Muni­ti­on, Ver­pfle­gung und Post in jeden Hafen der Welt lie­fern zu kön­nen“.[2] Die Zustän­dig­kei­ten für die Ver­sor­gung der Ein­sät­ze im Mit­tel­meer oder auch am Horn von Afri­ka koor­di­nie­ren die­se Ost­see­stütz­punk­te mit der Mari­ne­ba­sis in Wil­helms­ha­ven an der Nord­see, die für die Ein­satz­flotil­le 2 und damit für den zwei­ten der Groß­ver­bän­de der Deut­schen Mari­ne ver­ant­wort­lich ist. Der dor­ti­ge Stütz­punkt „allein bevor­ra­tet daher schon cir­ca 22.000 ver­schie­de­ne Ver­sor­gungs­ar­ti­kel, die er welt­weit an die Schif­fe und Boo­te der Mari­ne ver­sen­den kann. Das bedeu­tet mehr als 50.000 Waren­bu­chun­gen jähr­lich mit einem Mate­ri­al­um­schlag von rund 1.100 Ton­nen Gesamt­ge­wicht“.[3]

Teil der Ein­satz­flotil­le 2 sind die gro­ßen Schif­fe und Boo­te der Deut­schen Mari­ne – Fre­gat­ten, Ein­satz­grup­pen­ver­sor­ger und Tank­schif­fe.[4] Letz­te­re stel­len die Logis­tik auf See: „Die Flot­ten­tan­ker belie­fern die Fre­gat­ten der Deut­schen Mari­ne und ver­bün­de­ter Flot­ten in Fahrt mit Kraft­stoff, Schmier­öl und Frisch­was­ser. Die Ein­satz­grup­pen­ver­sor­ger (EGV) kön­nen ande­re Schif­fe dar­über hin­aus auch mit Muni­ti­on, Pro­vi­ant, Ersatz­tei­len und Ver­brauchs­gü­tern ver­sor­gen.“[5] Einer die­ser drei EGV der Deut­schen Mari­ne aus Wil­helms­ha­ven, der EGV BERLIN „wird der­zeit als Füh­rungs­schiff der in der Ägä­is ein­ge­setz­ten Ein­satz­grup­pe der Stan­ding NATO Mari­ti­me Group 2 (SNMG2) zusam­men mit einer grie­chi­schen und einer tür­ki­schen Über­was­ser­ein­heit ver­wen­det. Deren Auf­trag lau­tet: Auf­klä­rung, Über­wa­chung und Beob­ach­tung des See­ge­bie­tes der Ägä­is, Koor­di­nie­rung mit den zustän­di­gen regio­na­len Koor­di­nie­rungs­zen­tren für Such- und Ret­tungs­dienst sowie Zusam­men­ar­beit mit den Anrai­ner­staa­ten und FRONTEX“.[6] Ret­tungs­ak­tio­nen schei­nen aller­dings kei­ne Rol­le zu spie­len. In die­sem stark über­wach­ten See­ge­biet zwi­schen der Tür­kei und Grie­chen­land kommt es immer wie­der zu rechts­wid­ri­gen und oft­mals auch töd­li­chen Push-Back-Aktio­nen unter ande­rem durch die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che. Einen sol­chen Push-Back zurück ins tür­ki­sche Gewäs­ser, der gegen die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­stößt und auch abge­se­hen davon als men­schen­ver­ach­tend zu bewer­ten ist, beob­ach­te­te auch die Deut­sche Mari­ne am 19. Juni 2020 – ohne ein­zu­schrei­ten.[7]

Wil­helms­ha­ven ist jedoch mehr als nur ein Hei­mat­ha­fen: „Mit Ein­rich­tun­gen der Streit­kräf­te­ba­sis zusam­men ist er zugleich der größ­te Stand­ort der Bun­des­wehr über­haupt.“[8] Abge­se­hen von dem Mari­ne­stütz­punkt­kom­man­do ope­riert auch das dem Logis­tik­kom­man­do in Erfurt unter­stell­te Logis­tik­zen­trum der Bun­des­wehr von Wil­helms­ha­ven aus: „Ob Fahr­zeu­ge, Pan­zer oder Con­tai­ner, ob auf der Stra­ße, per Bahn, mit dem Flug­zeug oder per Schiff: Die Bun­des­wehr trans­por­tiert Waren und Gerä­te in gro­ßem Umfang und auf unter­schied­li­che Wei­se. Ver­ant­wort­lich für die Orga­ni­sa­ti­on der Logis­tik im In- und Aus­land ist das Logis­tik­zen­trum der Bun­des­wehr – und das 24/​7, also rund um die Uhr, jeden Tag.“[9] Die­se logis­ti­sche Unter­stüt­zung leis­tet das Zen­trum nicht nur für die Bun­des­wehr, son­dern auch für „auf euro­päi­schem Boden statt­fin­den­de Mili­tär­übun­gen der North Atlan­tic Trea­ty Orga­niz­a­ti­on, zum Bei­spiel Trident Junc­tu­re oder dem Host Nati­on Sup­port“.[10]

Wil­helms­ha­ven ist mehr als nur ein Hei­mat­ha­fen: „Mit Ein­rich­tun­gen der Streit­kräf­te­ba­sis zusam­men ist er zugleich der größ­te Stand­ort der Bun­des­wehr über­haupt.“ Abge­se­hen von dem Mari­ne­stütz­punkt­kom­man­do ope­riert auch das Logis­tik­zen­trum der Bun­des­wehr von Wil­helms­ha­ven aus. By Bin im Gar­ten, Wiki­me­dia Com­mons, licen­sed under CC BY-SA 3.0.

… und die Militarisierung der Stadt

Die wirt­schaft­li­che Rol­le der Bun­des­wehr vor Ort ist erheb­lich: „Der Mari­ne­stütz­punkt Wil­helms­ha­ven zählt etwa 4.500 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten sowie Zivil­an­ge­stell­te. Alle Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen ein­ge­rech­net, beschäf­tigt die Bun­des­wehr 9.500 Men­schen in der Stadt am Jade­bu­sen und ist größ­ter Arbeit­ge­ber“.[11] Auf dem Job­por­tal ‚Kar­rie­re­sprung‘ heißt es anprei­send; „Still­ge­stan­den! In Wil­helms­ha­ven ist das ein aus­ge­zeich­ne­ter Kar­rie­re-Tipp. Die Stadt ist der größ­te Stand­ort der Bun­des­wehr. Acht Mari­ne­an­la­gen, 36 Bun­des­wehr­dienst­stel­len ein­schließ­lich des Logis­tik­zen­trums der Bun­des­wehr sit­zen hier. Im Juni 2019 hat­te die Bun­des­wehr die­se Jobs in Wil­helms­ha­ven zu ver­ge­ben: Schiffs­me­cha­ni­ker, Lager­ar­bei­ter, Küchen­hilfs­kraft, Arzt in zivil“.[12] Dazu­rech­nen müss­te man noch die Arbeits­plät­ze, die durch die Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­gen und ihre Fami­li­en in der Stadt ent­ste­hen.

Tat­säch­lich mili­ta­ri­siert das Mili­tär die Stadt auch außer­halb der Stütz­punk­te – es ist tief mit der Geschich­te der Stadt ver­wo­ben. Wie der Name es schon ahnen lässt, steht Kai­ser Wil­helm in enger Ver­bin­dung mit der Stadt: „Wil­helms­ha­ven erhielt sei­nen Namen im Juni 1869 durch König Wil­helm I. von Preu­ßen, den spä­te­ren Deut­schen Kai­ser. Wegen der ein­zig­ar­ti­gen und geschütz­ten Lage war weni­ge Jah­re zuvor mit dem Bau eines preu­ßi­schen ‚Mari­ne-Eta­blis­se­ments‘ inmit­ten des Olden­bur­ger Lan­des, an der Jade begon­nen wor­den“.[13] Die Stadt ist erst für die Mari­ne ent­stan­den, mit ihr gewach­sen – und schließ­lich auch ihret­we­gen im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört wor­den. Um aus dem damals land­wirt­schaft­lich gepräg­ten Gebiet einen Mari­ne­stütz­punkt zu machen, wur­de eine Eisen­bahn­li­nie von Bre­men nach Hep­pens errich­tet, eine Gar­ni­son­kir­che und der Ems-Jade-Kanal gebaut sowie der Hafen für die Hoch­see­flot­te erwei­tert. Im Jahr 1910 betrug die Ein­woh­ner­zahl etwa 20.000 und die Zahl der auf der Kai­ser­li­chen Werft beschäf­tig­ten Arbei­tern lag bei 8.250.[14] Zahl­rei­che Vier­tel der Stadt tei­len auch die anschlie­ßend faschis­ti­sche Geschich­te mit der Mari­ne­werft: In Fed­der­war­der­gro­den wur­de zu Zei­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus eine Wohn­stadt „für Werft­ar­bei­ter und Mari­ne­sol­da­ten“ errich­tet und im Stadt­teil Vos­lapp wur­de 1937 „der nörd­li­che Teil des Fed­der­war­der Bau- und Andel­gro­dens für die Anla­ge einer Sied­lung für (Marine-)Werftarbeiter genutzt.“[15] Im Jahr 1944 erreich­te Wil­helms­ha­ven „mit 133.000 Per­so­nen sei­ne bis­her höchs­te Ein­woh­ner­zahl. Auf der Kriegs­ma­ri­ne­werft sind über 25.000 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt“.[16]

Flughafen Leipzig/​Halle …

Eine Ver­bin­dung zwi­schen dem „zivi­len“ Flug­ha­fen Leipzig/​Halle und dem Logis­tik­zen­trum der Bun­des­wehr in der Jade­stadt scheint zunächst abwe­gig. Doch seit 2006 besteht der soge­nann­te „Stra­te­gic Air­lift Inter­na­tio­nal Solution“-Vertrag, wel­cher der Bun­des­wehr und wei­te­ren NATO-Part­ner­na­tio­nen „den Zugang zu Luft­trans­port­ka­pa­zi­tä­ten für über­gro­ße und schwe­re Fracht mit beson­de­rer zeit­li­cher Dring­lich­keit“ sichert.[17] Kon­kret heißt das, auf dem Flug­ha­fen Leipzig/​Halle ste­hen der Bun­des­wehr zwei gigan­ti­sche Trans­port­flug­zeu­ge des Typs Anto­nov AN-124–100 der ukrai­ni­schen Anto­nov Logistic SALIS GmbH zur Ver­fü­gung, um bei­spiels­wei­se Pan­zer, Last­wä­gen oder Hub­schrau­ber nach Afgha­ni­stan, Mali und an wei­te­re Kriegs­schau­plät­ze zu flie­gen, da die NATO (noch) nicht über sol­che Groß­raum­fracht­flie­ger ver­fügt. Die Ver­bin­dung: „Die Koor­di­nie­rung erfolgt durch das Logis­tik­zen­trum der Bun­des­wehr in Wil­helms­ha­ven“.[18]

Abge­se­hen von der Nut­zung des Flug­ha­fens für den Mate­ri­al­trans­port von Kriegs­ge­rät besteht noch min­des­tens eine wei­te­re Koope­ra­ti­on zwi­schen dem Flug­ha­fen und der Bun­des­wehr – genau­er gesagt zwi­schen der Port­Ground GmbH und dem Logis­tik­ba­tal­li­on der Bun­des­wehr mit Sitz in Burg (bei Mag­de­burg). Der Flug­zeug­ab­fer­ti­ger, eine Toch­ter­ge­sell­schaft der den Flug­ha­fen betrei­ben­den Mit­tel­deut­schen Flug­ha­fen AG, erbringt „rund um die Uhr alle Dienst­leis­tun­gen, die das Hand­ling von Pas­sa­gie­ren, Flug­zeu­gen und Fracht umfasst [sic!]“.[19] Der Ein­satz von Luft­um­schlag­sol­da­tin­nen auf zivi­len Flug­hä­fen erfor­de­re auch ein Ein­ler­nen und eine Anpas­sung der Stan­dards: „Bei­de Sei­ten, Port­ground und das Luft­um­schlag­per­so­nal des Logis­tik­ba­tail­lons 171 der Bun­des­wehr pro­fi­tier­ten davon, wenn Aus- und Wei­ter­bil­dun­gen gemein­sam durch­ge­führt wer­den. Bestand­tei­le des Aus­bil­dungs­pro­gramms sind die Wei­ter­bil­dung der Sicher­heits­be­auf­trag­ten für Luft­si­cher­heit und die prak­ti­sche Ein­bin­dung von Luft­um­schlag­per­so­nal in der Gefahr­gut- und Fracht­ab­fer­ti­gung der Port­ground GmbH.“[20] Die 68 Wochen dau­ern­de Aus­bil­dung lässt damit die zivi­le mit der mili­tä­ri­schen Logis­tik ver­schmel­zen. Aus in Kriegs­struk­tu­ren ein­ge­bun­de­nen Sol­da­tin­nen und Flug­zeug­ab­fer­ti­ge­rin­nen wer­den laut Jür­gen Köt­ter, dem Ver­tre­ter der Port­ground GmbH, ein­fach „Pro­fis“.[21]

Leipzig/​Halle: Das gepan­zer­tes Trans­port­kraft­fahr­zeug (GTK) Boxer wird in eine Anto­now An-124 am Flug­ha­fen Leipzig/​Halle ver­la­den. Mit dem in der UdSSR ent­wi­ckel­ten Groß­raum­trans­por­ter Anto­now wer­den Trans­port­flü­ge nach Afgha­ni­stan durch­ge­führt. By Bun­des­wehr-Fotos Wir.Dienen.Deutschland., Wiki­me­dia Com­mons, licen­sed under CC BY 2.0.

Der Fracht­flug­ver­kehr am zweit­größ­ten Luft­fracht­dreh­kreuz der BRD nimmt eine ste­tig wach­sen­de Rol­le in der Stadt und ihren Struk­tu­ren ein. Pas­send dazu erfolgt die Beschrei­bung des Wirt­schafts­sek­tors auf der Web­site der Stadt unter dem Titel „Stadt vol­ler Ener­gie – Logis­tik im Auf­wind“.[22] Auf­ge­führt wer­den auch die Pro­fi­teu­re: „In Leip­zig ent­wi­ckelt sich Euro­pas neu­es Logis­tik­dreh­kreuz für inter­na­tio­na­le Unter­neh­men wie DHL, Aero­Lo­gic, Luft­han­sa Car­go und Future Elec­tro­nics dyna­misch wei­ter. Ins­be­son­de­re der 24/​7‑Service des Fracht­flug­ha­fens Leipzig/​Halle, die qua­li­fi­zier­ten und moti­vier­ten Arbeits­kräf­te, die pro­gres­si­ve Uni­ver­si­täts-Indus­trie-Koope­ra­ti­on und die exzel­len­te For­schungs­in­fra­struk­tur sind ein erst­klas­si­ger Logis­tik- und Mehr­wert­ser­vice für die Automobil‑, Maschi­nen­bau- und Mikro­elek­tronik­in­dus­trie.“[23] Zwi­schen 2005 und 2017 stieg die Zahl der Beschäf­tig­ten im Leip­zi­ger Logis­tik­clus­ter um 91 Pro­zent auf 36.500 Erwerbs­tä­ti­ge an[24] – die meis­ten davon im Bil­lig­lohn­sek­tor.

Auch das Inter­es­se von Rüs­tungs­be­trie­ben an Leipzig/​Halle mit dem „24/​7‑Service des Fracht­flug­ha­fens“ scheint, sich zu stei­gern. Im Okto­ber 2019 berich­te­te der MDR Sach­sen über Plä­ne des Rüs­tungs­kon­zerns Rhein­me­tall, dort ein Zen­trum für Logis­tik und Flot­ten­tech­nik zu errich­ten. Zusam­men mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men Sikorsky, mitt­ler­wei­le über­nom­men von Lock­heed Mar­tin, bewirbt sich Rhein­me­tall um den mil­li­ar­den­schwe­ren Bun­des­wehr-Auf­trag für die Beschaf­fung von 40 bis 65 neu­en Trans­port­hub­schrau­bern. Soll­te die­ser Groß­auf­trag an sie gehen, könn­te Leip­zig „zum Bei­spiel das Ersatz­teil­zen­trum, also die Basis aller Akti­vi­tä­ten rund um den Trans­port­hub­schrau­ber der Bun­des­wehr“[25] mit etwa 150 Mit­ar­bei­te­rin­nen wer­den und die War­tung wür­de in Bran­den­burg und Baden-Würt­tem­berg erfol­gen. Es bleibt abzu­war­ten, ob auch Rhein­me­tall mit ihrer Kriegs­pro­duk­ti­on von der Leip­zi­ger „Logis­tik im Auf­wind“ und den gerin­gen Arbeits­ent­gel­ten pro­fi­tie­ren wird.

… erfährt Gegenwind

Die auf der Web­site der Stadt ange­prie­se­nen „24/​7‑Service des Fracht­flug­ha­fens Leipzig/​Halle, die qua­li­fi­zier­ten und moti­vier­ten Arbeits­kräf­te [im Bil­lig­lohn­sek­tor!], die pro­gres­si­ve Uni­ver­si­täts-Indus­trie-Koope­ra­ti­on“ schie­nen nur weni­gen zu nüt­zen und vie­len zu scha­den. Der 24/​7‑Service heißt, es besteht in Leip­zig kein Ver­bot von Nacht­flü­gen des Fracht­flug­ver­kehrs. Ganz im Gegen­teil: Ein wei­te­rer Aus­bau des Fracht­flug­ha­fens ist geplant. DHL möch­te die Nut­zung des Flug­ha­fens aus­wei­ten und von 60 auf 96 Flug­zeug­stell­plät­ze wach­sen, „also um 60%, den Anstieg der Starts/​Landungen von ca. 79.000 (2019) auf ca. 118.000 bis 2032, also um 50% und den Ein­satz grö­ße­rer (und damit lau­te­rer und schad­stoff­in­ten­si­ve­rer) Fracht­ma­schi­nen“.[26] Dage­gen wehrt sich die Bür­ger­initia­ti­ve „Gegen die neue Flug­rou­te“ unter ande­rem in einer Peti­ti­on, in der sie auf­zeigt, dass der schlaf­rau­ben­de und umwelt­schäd­li­che Flug­lärm mehr als 1,5 Mil­lio­nen Men­schen betrifft.[27] Die Bür­ger­initia­ti­ve reiht sich mit wei­te­ren rund 20 Orga­ni­sa­tio­nen, Ver­bän­den und Grup­pen in das Netz­werk der Bür­ger­initia­ti­ven am Flug­ha­fen Leipzig/​Halle – auch Netz­werk Zukunft Leip­zig genannt – ein, wel­ches sich „für gesun­de Lebens­be­din­gun­gen, für sau­be­re Luft, für akti­ven Lärm­schutz, für unge­stör­te Nacht­ru­he, gegen die mili­tä­ri­sche Nut­zung des Flug­ha­fens und für die wahr­heits­ge­mä­ße Bericht­erstat­tung“ ein­setzt.[28] Ihm gehört auch die IG Nacht­flug­ver­bot Leipzig/​Halle e.V. an, die am 22. Mai 2020 einen offe­nen Beschwer­de­brief an den CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mari­an Wendt schick­te: „Der Flug­lärm und hier ins­be­son­de­re der Nacht­flug­lärm rund um das Fracht­dreh­kreuz am Flug­ha­fen Leipzig/​Halle ist für die Men­schen nicht nur im Land­kreis Nord­sach­sen uner­träg­lich gewor­den. Durch die unein­ge­schränk­te Nacht­flug­er­laub­nis lan­den und star­ten der­zeit jede Nacht bis zu 90 Fracht- und Mili­tär­ma­schi­nen (180 Flug­be­we­gun­gen), Ten­denz wei­ter stei­gend.“[29] Die Logis­tik der gro­ßen Unter­neh­men und der Bun­des­wehr erfolgt auf Kos­ten der Gesund­heit der Anwoh­ne­rin­nen. Auch gegen die mili­tä­ri­sche Nut­zung des Flug­ha­fens und die damit ein­her­ge­hen­de Mili­ta­ri­sie­rung der Stadt reg­te sich Wider­stand, unter ande­rem von Sei­ten der Akti­ons­ge­mein­schaft „Flug­ha­fen nato­frei!“, die sich eben­falls am Netz­werk Zukunft Leip­zig betei­lig­te. Seit 2006 wehr­te sie sich gegen die mili­tä­ri­sche Nut­zung des Flug­ha­fens und for­der­te mit Aktio­nen und Auf­klä­rungs­ar­beit: „Flug­ha­fen nato­frei! Kei­ne Mili­tär­trans­por­te! Die Mili­ta­ri­sie­rung des Flug­ha­fens Leipzig/​Halle sofort stop­pen!“.[30] Die­se For­de­rung bleibt aktu­ell.


Die­ser Text von Jac­que­line And­res erschien zuerst auf der Infor­ma­ti­ons­stel­le Mili­ta­ri­sie­rung (IMI). Wir bedan­ken uns recht herz­lich für das Recht zur Über­nah­me.

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Anmer­kun­gen

[1] Mari­ne­stütz­punkt­kom­man­dos der Ein­satz­flot­til­le 1, bun​des​wehr​.de

[2] Ebd., Tat­säch­lich sind die Beschrei­bun­gen der Zustän­dig­kei­ten für die Ost­see- und den Nord­see­ha­fen auf der Inter­net­sei­te der Mari­ne und des Pres­se- und Infor­ma­ti­ons­zen­trums Mari­ne wort­gleich.

[3] Pres­se- und Infor­ma­ti­ons­zen­trum Mari­ne: Mari­ne­stütz­punkt­kom­man­do Wil­helms­ha­ven erhält neu­en Kom­man­deur, pres​se​por​tal​.de, 8.7.2020

[4] Ein­satz­flot­til­le 2, bun​des​wehr​.de

[5] Tross­ge­schwa­der, bun​des​wehr​.de

[6] Ant­wort auf die Schrift­li­che Fra­ge 7/​433 des Abge­ord­ne­ten Andrej Hun­ko vom 29. Juli 2020 zu beob­ach­te­ten „Push backs“ in der Ägä­is, andrej​-hun​ko​.de, 6.8.2020

[7] Ebd.

[8] Mari­ne­stütz­punkt­kom­man­do Wil­helms­ha­ven, bun​des​wehr​.de

[9] Logis­tik­zen­trum der Bun­des­wehr, bun​des​wehr​.de

[10] Ebd.

[11] Mari­ne­sol­da­ten in Wil­helms­ha­ven hel­fen beim Ein­kau­fen, sued​deut​sche​.de, 24.3.2020

[12] Jobs in Wil­helms­ha­ven: Augen gera­de­aus!, kar​rie​re​sprung​.de

[13] Wil­helms­ha­ven Stadt­ge­schich­te, wil​helms​ha​ven​.de

[14] His­to­rie der Stadt Wil­helms­ha­ven, wil​helms​ha​ven​.de

[15] Stadt­teil­pro­fi­le Zwan­zig­Zwan­zig, Stadt Wil­helms­ha­ven, Der Ober­bür­ger­meis­ter Fach­be­reich Stadt­pla­nung und Stadt­er­neue­rung Geo­in­for­ma­ti­on, Ver­mes­sung und Sta­tis­tik, wil​helms​ha​ven​.de, 2020

[16] His­to­rie der Stadt Wil­helms­ha­ven, wil​helms​ha​ven​.de

[17] Bun­des­wehr trans­por­tiert 25.000.000 Schutz­mas­ken: Unter­stüt­zung für das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit mit Luft­trans­port­ka­pa­zi­tä­ten aus dem SALIS-Ver­trag, pres​se​por​tal​.de, 24.4.2020

[18] Ebd.

[19] Port‌Ground GmbH, www​.mdf​-ag​.com

[20] Port­ground bil­det Bun­des­wehr in Schkeu­ditz aus und wei­ter, lvz​.de, 11.3.2018

[21] Ebd.

[22] Clus­ter Logis­tik, leip​zig​.de

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] Neue Jobs für Leip­zig durch Mil­li­ar­den­auf­trag der Bun­des­wehr, mdr​.de, 25.10.2019

[26] Bür­ger­initia­ti­ve „Gegen die neue Flug­rou­te“: Kein wei­te­rer Aus­bau des Fracht­flug­ha­fens Leipzig/​Halle, open​pe​ti​ti​on​.de

[27] Ebd.

[28] Unse­re Zie­le und For­de­run­gen, zukunft​leip​zig​.de

[29] Bit­te set­zen Sie sich für nächt­li­che Betriebs­be­schrän­kun­gen am Flug­ha­fen Leipzig/​Halle ein!, l‑iz.de, 24.5.2020

[30] Auch auf die Tages­ord­nung! „Flug­ha­fen Leip­zig /​Hal­le-NATO­FREI !“, nein​-zum​-kriegs​flug​ha​fen​.de, 28.2.2008

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