[FRN:] #Kantine »Benjamin« – Benjamin und das Institut für Sozialforschung

Wal­ter Ben­ja­mins Tätig­keit für das Insti­tut für Sozi­al­for­schung, das 1923/​24 von Felix Weil et al. in Frank­furt am Main gegrün­det wur­de, ist weit­hin bekannt und eta­blier­ter Teil sei­ner offi­zi­el­len Lebens­be­schrei­bung. Das Insti­tut war die ein­zi­ge offi­zi­el­le Insti­tu­ti­on, zu der Ben­ja­min eine Ver­bin­dung fand, und war für sei­ne letz­ten Jah­re im Exil exis­ten­ti­ell wich­tig, da das Insti­tuts-Hono­rar sei­ne ein­zi­ge regel­mä­ßi­ge Ein­nah­me­quel­le bil­de­te. Zugleich zeich­ne­ten sich im Ver­lauf der Zusam­men­ar­beit Schwie­rig­kei­ten ab: inhalt­li­cher Art, am mar­kan­tes­ten aus­ge­drückt in der Ableh­nung des Bau­de­lai­re-Essays durch das Insti­tut; aber auch mate­ri­el­ler Art, was beson­ders in den Brie­fen Ben­ja­mins mit Ador­no, zu dem er eine schwie­ri­ge per­sön­li­che Bezie­hung führ­te, und Hork­hei­mer zuneh­mend zum Tra­gen kommt.

In ihrem Vor­trags­ge­spräch gab Alex­an­dra Iva­no­va zunächst einen gro­ben his­to­ri­schen Über­blick über die Etap­pen der Mit­ar­beit Ben­ja­mins am Insti­tut für Sozi­al­for­schung mit Fokus auf sei­ne mate­ri­el­le Situa­ti­on, um anschlie­ßend in einem clo­se-rea­ding eini­ger, aus mei­ner Sicht rele­van­ter Brie­fe (mit Ador­no, Hork­hei­mer) mög­li­chen Kon­flik­ten zwi­schen Ben­ja­min und dem Insti­tut auf die Spur zu kom­men. Wel­che Les­ar­ten las­sen sich ent­wi­ckeln, wenn wir uns von der tra­dier­ten Sicht­wei­se, das Insti­tut hät­te alles dafür getan, Ben­ja­mins Leben zu ret­ten, frei machen? In wel­chem Ver­hält­nis sah sich Ben­ja­min zu ein­zel­nen Mit­glie­dern des Insti­tuts – und wel­che Erklä­run­gen dafür kön­nen aus dem Brief­ma­te­ri­al rekon­stru­iert wer­den? Gemein­sam Les­ar­ten zu spin­nen und mit­ein­an­der dar­über zu dis­ku­tie­ren, war Ziel des als Gespräch ange­leg­ten Vor­trags.

Alex­an­dra Iva­no­va ist Sozio­lo­gin, Über­set­ze­rin und Autorin. Als Teil der AG Sozio­lo­gie des Geis­tes (Frank­furt am Main) gab sie 2019 den Sam­mel­band „Sozio­lo­gie des Geis­tes. Grund­la­gen und Fall­stu­di­en zur Ideen­ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts“ mit her­aus. Ihre aktu­el­le For­schung (Uwe John­son-Pro­fes­sur, Uni Ros­tock) kreist um die Insti­tu­ti­ons­ge­schich­te der Frank­fur­ter Schu­le. Essays u.a. in out­side the box, PS – Poli­tisch Schrei­ben und auf other​-wri​ters​.de.

Die­ses hier zu Ver­fü­gung gestell­te Vor­trags­ge­spräch fand am 28.8.2020 im Rah­men der Kan­ti­ne »Ben­ja­min« in Chem­nitz statt. Read More