[FRN:] #Kantine »Benjamin« – Benjamin und die tiefsten Schächte des Alltäglichsten

Theo­dor W. Ador­no hat sei­nen Freund Wal­ter Ben­ja­min ein­mal als einen Magi­er beschrie­ben, „mit einem sehr hohen Hut und mit einer Art von Zau­ber­stock.“ Zwar liegt dar­in bereits das Ele­ment des ver­kitscht Roman­ti­schen, das aus der spä­te­ren Ben­ja­min-Rezep­ti­on nicht weg-zuden­ken ist – eben­so wenig wie sti­li­sie­ren­de Ver­ein­sei­ti­gun­gen als Revo­lu­tio­när, Mys­ti­ker oder Vor­läu­fer des Post­struk­tu­ra­lis­mus. Und den­noch trifft Ador­nos Cha­rak­te­ri­sie­rung etwas Ent­schei­den­des an Ben­ja­mins Den­ken, das vor dem Hin­ter­grund der Schal­heit zeit­ge­nös­si­scher Phi­lo­so­phie und Kul­tur­theo­rie gar nicht genug betont wer­den kann: die Fähig­keit, wie mit Zau­ber­hand aus dem Nächs­ten den Fun­ken des Ferns­ten zu schla­gen und, mit ande­ren Wor­ten, das All­täg­lichs­te zum Mate­ri­al sei­ner Denk­bil­der zu machen. Der Vor­trag wird Wal­ter Ben­ja­min, der sich vor 80 Jah­ren an der fran­zö­sisch-spa­ni­schen Gren­ze auf der Flucht vor den Natio­nal­so­zia­lis­ten des Leben genom­men hat, als Phy­sio­gnom des All­tags vor­stel­len, als auf­merk­sa­men Kri­ti­ker einer Sphä­re, die ihre Gel­tung gera­de dar­aus bezieht, das sie als selbst­ver­ständ­lich erscheint.

Robert Zwarg ist Phi­lo­soph und Über­set­zer und lebt in Leip­zig. Der­zeit arbei­tet er als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der Inter­na­tio­nal Psy­cho­ana­ly­tic Uni­ver­si­ty (IPU) in Ber­lin. Ver­öf­fent­li­chun­gen: „Kri­ti­sche Theo­rie in Ame­ri­ka. Das Nach­le­ben einer Tra­di­ti­on“ (Göt­tin­gen 2017).

Robert Zwarg hielt den hier zu Ver­fü­gung gestell­ten Vor­trag am 24.8.2020 im Rah­men der Kan­ti­ne »Ben­ja­min« in Chem­nitz. Read More