[FRN:] #Kantine »Benjamin« – Der Ausnahmezustand bei Benjamin

„Die Tra­di­ti­on der Unter­drück­ten belehrt uns dar­über, daß der ‘Aus­nah­me­zu­stand’, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müs­sen zu einem Begriff der Geschich­te kom­men, der dem ent­spricht. Dann wird uns als unse­re Auf­ga­be die Her­bei­füh­rung des wirk­li­chen Aus­nah­me­zu­stands vor Augen ste­hen; und dadurch wird unse­re Posi­ti­on im Kampf gegen den Faschis­mus sich ver­bes­sern“.

Tra­di­ti­on der Unter­drück­ten meint hier: his­to­ri­scher Mate­ria­lis­mus. Es wird dar­ge­legt, wie Ben­ja­min die wis­sen­schaft­li­che Metho­de von Marx ver­steht und war­um er denkt, dass sie über die Natur des Aus­nah­me­zu­stands beleh­ren kann. ‘Aus­nah­me­zu­stand’ meint hier: eine ganz gewöhn­li­che Form von Gewalt. Um die Bedeu­tung der Anfüh­rungs­stri­che zu erläu­tern wird auf die Kri­tik an Carl Schmitts Defi­ni­ti­on des Sou­vä­rens („wer über den Aus­nah­me­zu­stand ent­schei­det“) ein­ge­gan­gen, die Ben­ja­min im Auf­satz „Zur Kri­tik der Gewalt“ übt.

Was ein wirk­li­cher Aus­nah­me­zu­stand sein soll ist die zen­tra­le Fra­ge von Ben­ja­mins geschichts­phi­lo­so­phi­scher Revo­lu­ti­ons­theo­rie, bzw. von sei­nem Ver­such, Marx´ Pro­gramm für das 20. Jahr­hun­dert zu aktua­li­sie­ren. Inwie­fern die­ser Ver­such „unse­re“ Posi­ti­on im Kampf gegen den Faschis­mus ver­bes­sern kann, dar­über gilt es auch im 21. Jahr­hun­dert zu dis­ku­tie­ren.

Manu­el Diseg­ni hat in Ber­lin stu­diert und sich dabei haupt­säch­lich mit Wal­ter Ben­ja­mins Phi­lo­so­phie beschäf­tigt. Jetzt pro­mo­viert er an der Uni­ver­si­tät Turin über Marx und den Anti­se­mi­tis­mus.

Den hier zu Ver­fü­gung gestell­ten Vor­trag hielt Manu­el Diseg­ni am 26.8.2020 im Rah­men der Kan­ti­ne »Ben­ja­min« in Chem­nitz. Read More