[FRN:] #Kantine »Benjamin« – Leben im Spiel

Es geht. Aber es ist auch danach! ist der Titel eines Thea­ter­stücks, das der Unter­hal­tungs­li­te­rat Wil­helm Spey­er in Koope­ra­ti­on mit sei­nem Freund Wal­ter Ben­ja­min Ende der 1920er Jah­re ver­fass­te. Aspek­te ihrer Gegen­wart und ihres direk­ten Lebens­um­felds, der soge­nann­ten Ber­li­ner Gesell­schaft auf­neh­mend, spie­len Spey­er und Ben­ja­min in Es geht. Aber es ist auch danach! das Expe­ri­ment einer Drei­ecks­be­zie­hung, frei von Besitz­an­sprü­chen und Eifer­süch­te­lei­en, durch: „[D]er eigent­li­che Angel­punkt [d]er Gesell­schafts­ko­mö­die“, for­mu­lier­te Ben­ja­min in einem Radio­ge­spräch mit Spey­er, ist es „ein­mal aus­zu­pro­bie­ren, wie weit die moder­nen Men­schen mit ihrer berühm­ten sport­li­chen Fair­ness kom­men.“

Wäh­rend sei­tens der zeit­ge­nös­si­schen Kri­tik der Plot des Stücks als ober­fläch­lich abge­tan wur­de und „am pein­lichs­ten die […] Baga­tel­li­sie­rung des Man­nes emp­fun­den [wur­de], der fast see­len­los und ohne eige­ne Impul­se von den bei­den Frau­en her­über und hin­über ver­han­delt wird“, ent­puppt sich Es geht. Aber es ist auch danach! bei nähe­rer Betrach­tung sowohl im Ent­ste­hungs­kon­text als auch heu­te als ein gehalt­vol­ler, viel­schich­ti­ger und gesell­schafts­kri­ti­scher Bei­trag. Wie unter einem Brenn­glas kon­zen­trie­ren sich in der Komö­die ideel­le, mate­ri­el­le, indi­vi­du­el­le und gesell­schaft­li­che Momen­te der spä­ten 1920er Jah­re, mit denen sich Ben­ja­min in diver­sen Schrif­ten kri­tisch aus­ein­an­der­setz­te. Jolan­de Fleck folgt den Ben­ja­mi­ni­schen Spu­ren in „Es geht. Aber es ist auch danach!“ – in Bild, Ton und Wort. Sie hat „Es geht. Aber es ist auch danach!“ ver­tont und stellt unter Rück­griff auf das Hör­spiel Spey­ers und Ben­ja­mins Komö­die als Hom­mage und Kri­tik am moder­nen Fort­schritt vor.

Jolan­de Fleck stu­dier­te Ger­ma­nis­tik, Sozio­lo­gie, Phi­lo­so­phie und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten in Frei­burg, Hal­le und Leip­zig. Als Radio­ma­che­rin beschäf­tigt sie sich schwer­punkt­mä­ßig mit Flucht und Exil im zwei­ten Welt­krieg, Tod und Frei­tod sowie der Kul­tur­ge­schich­te von All­tags­din­gen. Aus­ge­wähl­te Audio­pro­duk­tio­nen von Jolan­de Fleck sind auf ihrem Blog rab​an​ra​dio​.com zu fin­den.

Jolan­de Fleck stell­te das Hör­spiel am 28.8.2020 im Rah­men der Kan­ti­ne »Ben­ja­min« in Chem­nitz vor. Es ist im Gan­zen hier zu fin­den: https://​rab​an​ra​dio​.com/​2​0​2​0​/​0​8​/​2​8​/​e​s​-​g​e​h​t​-​a​b​e​r​-​e​s​-​i​s​t​-​a​u​c​h​-​d​a​n​a​ch/ Read More