[labournet:] Wie die Rechtsradikalen ins Zentrum der schwedischen Politik rücken

Schweden: Brennende Vorstädte„… Wie in Deutsch­land Ange­la Mer­kel über­stand Löf­ven poli­tisch die Ent­schei­dung, vie­le Flücht­lin­ge ins Land zu las­sen, muss­te jedoch bei der Reichs­tags­wahl 2018 mit drei Pro­zent weni­ger Federn las­sen. Die rot­grü­ne Min­der­heits­re­gie­rung konn­te er wei­ter füh­ren, aller­dings braucht er nun das Tole­rie­ren zwei­er libe­ra­ler Par­tei­en, die in Wirt­schafts­fra­gen ent­fernt von den Sozi­al­de­mo­kra­ten ste­hen. Die Schwe­den­de­mo­kra­ten (SD) konn­ten ange­sichts der Unzu­frie­den­heit über die Migra­ti­ons­po­li­tik über 17 Pro­zent errei­chen. Im Unter­schied zur AfD gibt es sie als Bewe­gung bereits seit Ende der 70er Jah­re und sie haben ihre Wur­zeln im Rechts­ra­di­ka­lis­mus. Auch kön­nen sie sich nun als ein­zig migra­ti­ons­kri­ti­sches Ori­gi­nal dar­stel­len und den ande­ren Par­tei­en vor­wer­fen, ihre Kon­zep­te wie ihren schar­fen Ton nur über­nom­men zu haben. Die Hem­mun­gen, mit den Rech­ten zu koope­rie­ren, sind vor allem bei den bür­ger­li­chen Par­tei­en “Die Mode­ra­ten” (M) und “Christ­de­mo­kra­ten” (K) mitt­ler­wei­le geschwun­den. M‑Parteichef Ulf Krist­ers­son, Löf­vens künf­ti­ger Her­aus­for­de­rer bei den Wah­len in zwei Jah­ren, ver­lang­te vor kur­zem, Schwe­den sol­le nur 5000 Asyl­su­chen­de pro Jahr auf­neh­men; 2019 ließ das Land rund 22.000 Per­so­nen über die Gren­ze. Eine für Schwe­den his­to­risch nied­ri­ge Zahl. (…) Lan­ge waren die Sozi­al­de­mo­kra­ten für einen inte­gra­ti­ons­ori­en­tier­ten Ansatz bei der Ver­bre­chens­be­kämp­fung bekannt. (…) Ste­fan Löf­ven hat nun erst­mals ein­ge­räumt, dass es einen Zusam­men­hang zwi­schen Zuwan­de­rung und Kri­mi­na­li­tät gibt, nach­dem die Poli­zei davor warn­te, dass vier­zig Clans sys­tem­ge­fähr­dend für Schwe­den sei­en…“ – aus dem Bei­trag „Die Hem­mun­gen, mit den Rech­ten zu koope­rie­ren, sind geschwun­den“ von Jens Mat­tern am 12. Sep­tem­ber 2020 bei tele­po­lis externer Link zur nicht nur aus Schwe­den bekann­ten Über­nah­me rechts­ra­di­ka­ler Posi­tio­nen durch die „bür­ger­li­che Mit­te“ ein­schließ­lich der Sozi­al­de­mo­kra­tie… Sie­he dazu einen wei­te­ren Bei­trag zur Über­nah­me rechts­ra­di­ka­ler Posi­tio­nen durch die bür­ger­li­che Poli­tik, eine Mel­dung, die die Geschich­te des Rechts­ra­di­ka­lis­mus in Schwe­den etwas deut­li­cher macht – und einen Bei­trag, aus dem deut­lich wird, dass der gras­sie­ren­de Ras­sis­mus kei­nes­wegs nur Refu­gees gilt…

  • „Wind in ihren Segeln“ von Jesper Beng­ts­son am 07. Sep­tem­ber 2020 bei Inter­na­tio­na­le Poli­tik und Gesell­schaft externer Link zum Pro­zess der Über­nah­me poli­ti­scher Posi­tio­nen der Rech­ten unter ande­rem (aus sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Sicht): „… Erwar­tet wur­de ein Kon­sens, her­aus­ge­kom­men ist eine Regie­rungs­kri­se. Nach ein­jäh­ri­gem har­tem Rin­gen soll­te die schwe­di­sche Migra­ti­ons­kom­mis­si­on eigent­lich im August ein neu­es migra­ti­ons­po­li­ti­sches Kon­zept vor­le­gen. Die­ser Kom­mis­si­on gehö­ren alle im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en an. Ange­strebt wur­de eine Neu­re­ge­lung, die sich auf einen brei­ten Kon­sens stützt und den nicht enden wol­len­den Migra­ti­ons­de­bat­ten ein Ende setzt, denn die­se spie­len den erstar­ken­den Rechts­po­pu­lis­ten in die Hän­de. Maria Mal­mer Ste­ne­gard sitzt für die kon­ser­va­ti­ve Mode­ra­te Par­tei in der Kom­mis­si­on und berich­tet von einer tie­fen Spal­tung des Gre­mi­ums. Die Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei (SAP) sei die ein­zi­ge Par­tei, die hin­ter allen Vor­schlä­gen ste­he. Ste­ne­gards christ­de­mo­kra­ti­scher Kol­le­ge Hans Eklind ver­misst in dem end­gül­ti­gen Ent­wurf eine Rei­he wich­ti­ger Punk­te und bemän­gelt, etli­che Pro­ble­me wie die Rück­füh­rung von Migran­ten in ihre „Hei­mat­län­der“ sei­en aus­ge­klam­mert wor­den. Wenn die Kom­mis­si­on am 15. Sep­tem­ber ihren end­gül­ti­gen Ent­wurf vor­legt, wer­den wohl nur die regie­ren­den Sozi­al­de­mo­kra­ten mit allen 26 Vor­schlä­gen ein­ver­stan­den sein. Ihr klei­ne­rer Koali­ti­ons­part­ner, die Grü­ne Par­tei, wird nur eini­ge weni­ge Reform­vor­schlä­ge mit­tra­gen. Um die diver­sen Ein­zel­be­schlüs­se durchs Par­la­ment zu brin­gen, wird die SAP also auf wech­seln­de Mehr­hei­ten ange­wie­sen sein – ein her­ber Rück­schlag für die rot-grü­ne Regie­rungs­ko­ali­ti­on. Die Arbeit der Migra­ti­ons­kom­mis­si­on ist vor dem Hin­ter­grund der Flücht­lings­kri­se von 2015 zu sehen. Damals kamen 163 000 Geflüch­te­te nach Schwe­den; die meis­ten von ihnen waren vor dem Krieg in Syri­en geflo­hen. Schwe­den nahm pro Ein­woh­ner mehr Flücht­lin­ge auf als jedes ande­re euro­päi­sche Land, wenn man von Deutsch­land ein­mal absieht. Anfangs gab es in der Bevöl­ke­rung und im Par­la­ment mas­si­ven Rück­halt für eine libe­ra­le Flücht­lings­po­li­tik. Sobald die Zah­len stie­gen, ließ die Begeis­te­rung nach. Im Novem­ber 2015 führ­te die sozi­al­de­mo­kra­tisch geführ­te Regie­rung „tem­po­rä­re“ Beschrän­kun­gen ein. Fort­an wur­den nur noch befris­te­te Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gun­gen erteilt, das Recht auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung wur­de ein­ge­schränkt und Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge beka­men nur noch dann eine Auf­ent­halts­be­wil­li­gung, wenn sie nach­wei­sen konn­ten, dass finan­zi­ell für sie gesorgt ist. Die neue Poli­tik erfüll­te ihren Zweck: 2016 stell­ten nur noch 28 939 Per­so­nen in Schwe­den Asyl, und seit­her bleibt die Zahl der Asyl­an­trä­ge kon­stant unter die­sem Niveau. Das zeit­lich befris­te­te Gesetz von 2015 ließ zwar die Zahl der Geflüch­te­ten sin­ken, konn­te aber die Migra­ti­ons­de­bat­ten nicht ein­däm­men…“
  • „Deck­man­tel Coro­na­schutz“ von Rein­hard Wolff am 09. Juli 2020 in der taz online externer Link macht deut­lich, dass der Ras­sis­mus auch in Schwe­den und Nor­we­gen nicht nur geflo­he­nen Men­schen gilt, son­dern auch „im Inne­ren“ Feind­bil­der schafft: „… Nor­we­gen, Finn­land und Däne­mark hal­ten wegen der deut­lich höhe­ren Covid-19-Infek­ti­ons­zah­len in Schwe­den ihre Gren­zen gegen­über den Schwe­dIn­nen nach wie vor geschlos­sen. Grenz­ver­kehr gibt es trotz­dem, etwa für Arbeitspend­ler oder ande­re „drin­gen­de“ Grün­de. Eine lücken­lo­se Über­wa­chung ist sowie­so unmög­lich. Mehr als 200 Stra­ßen ver­bin­den Schwe­den und Nor­we­gen, Tau­sen­de Feld- und Wald­we­ge nicht ein­ge­rech­net. Und weil die Samen dem Zug ihrer Ren­tie­re fol­gen, die nun mal kei­ne Gren­zen ken­nen, gel­ten die­se Gren­zen für sie sowie­so nicht. Das war 1751, als in Lapp­land erst mal über­haupt natio­na­le Gren­zen gezo­gen wur­den, im „Lapp­ko­di­cil­len“, einer Art Magna Char­ta der Samen, fest­ge­legt wor­den. Die gilt bis heu­te. Auch die im März erlas­se­nen nor­we­gi­schen Corona­grenzvorschriften ent­hal­ten des­halb eine spe­zi­el­le Aus­nah­me. Wie kann man also auf die Idee kom­men, aus­ge­rech­net eini­ge Dut­zend Samen als gefähr­lichs­te Infek­ti­ons­ver­brei­ter ein­zu­stu­fen, gegen die man Mili­tär ein­set­zen sol­le, „weil die ja beim Ein­kau­fen unse­re Lokal­be­völ­ke­rung tref­fen könn­ten“ (Amund­sen)? Wer das vor­schla­ge, wol­le ganz ein­fach nur Stim­mung gegen die Samen machen, meint Per-Olof Nut­ti, Prä­si­dent des schwe­di­schen Samen­par­la­ments: „Auch Ren­tier­sa­men neh­men die Situa­ti­on, in der wir uns befin­den, sehr ernst. Die über­que­ren die Gren­ze ja nicht zum Spaß, oder um nor­we­gi­sche Bür­ger und Poli­ti­ker zu ärgern, son­dern fol­gen wie seit ewi­gen Zei­ten der Wan­de­rung ihrer Tie­re.“ Es könn­te blo­ße Unkennt­nis sein, wenn man die Samen zur Infek­ti­ons­ge­fahr hoch­sti­li­siert. Aber von Per-Wil­ly Amund­sen ist eine lan­ge Lis­te ras­sis­ti­scher Ergüs­se bekannt. Im Juni ver­tei­dig­te er Oslos Poli­zei gegen den Vor­wurf von Racial Pro­filing. Das sei gera­de­zu Pflicht der Poli­zei: „Denn wer ist es denn, der Ban­den- und Jugend­kri­mi­na­li­tät orga­ni­siert?“...“

Der Bei­trag Wie die Rechts­ra­di­ka­len ins Zen­trum der schwe­di­schen Poli­tik rücken erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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