[KgK:] #Trotsky2020: „Kein Sieg ist möglich ohne eine revolutionäre Partei“

Die­ser Bei­trag ist Teil des Films #Trotsky2020, der hier in gesam­ter Län­ge ange­schaut wer­den kann.

Die Marsch­li­nie der Arbei­ter wich immer von der Linie der Füh­rung in einem gewis­sen Win­kel ab, und in den kri­tischs­ten Momen­ten betrug der Win­kel 180 Grad.

So defi­nier­te Leo Trotz­ki die Dyna­mik der spa­ni­schen Revo­lu­ti­on, die 1931 mit dem Sturz der Mon­ar­chie begon­nen hat­te und im Mai 1937 ihren kri­tischs­ten Moment erreich­te, hier in Bar­ce­lo­na. Damals ver­such­ten die repu­bli­ka­ni­sche Regie­rung Kata­lo­ni­ens und die Stalinist*innen, den kata­la­ni­schen Arbeiter*innen die Kon­trol­le jenes Gebäu­des, der Tele­fon­zen­tra­le, zu ent­rei­ßen, die als einer der wich­tigs­ten Betrie­be der repu­bli­ka­ni­schen Nach­hut nach der Nie­der­schla­gung des Put­sches im Som­mer 1936 unter Arbeiter*innenkontrolle geblie­ben war.

Trotz­ki ver­folg­te die Ereig­nis­se auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel auf­merk­sam. Für ihn war eine erfolg­rei­che pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on im Spa­ni­schen Staat das bes­te Boll­werk gegen die Ten­den­zen zum impe­ria­lis­ti­schen Krieg, die schließ­lich zum Zwei­ten Welt­krieg füh­ren wür­den. In dem­sel­ben Sinn war sie ein Aktiv­pos­ten für eine poli­ti­sche Revo­lu­ti­on der sowje­ti­schen Arbeiter*innenklasse gegen die sta­li­nis­ti­sche Kas­te, die die Okto­ber­re­vo­lu­ti­on ent­eig­net hat­te.

Wie es in Russ­land gewe­sen war, war die Lis­te der unge­lös­ten demo­kra­ti­schen Auf­ga­ben im Spa­ni­schen Staat enorm. Mil­lio­nen Bäuer*innen ohne Land und unter fast feu­da­len Aus­beu­tungs­be­din­gun­gen, die Pri­vi­le­gi­en der Kir­che und der alten Adels­klas­sen waren wei­ter­hin enorm, die Kolo­nien kämpf­ten für ihre Unab­hän­gig­keit, und Natio­nen wie der kata­la­ni­schen blieb das Recht auf Selbst­be­stim­mung ver­wei­gert… Um die­se demo­kra­ti­schen Fra­gen zu lösen, muss­ten die Inter­es­sen der rück­stän­di­gen spa­ni­schen Bour­geoi­sie ange­grif­fen wer­den, und des­halb war die bür­ger­li­che Repu­blik nicht imstan­de, dies zu tun.

Die Spa­ni­sche Revo­lu­ti­on bestä­tig­te die Theo­rie der Per­ma­nen­ten Revo­lu­ti­on, die Trotz­ki Anfang des 20. Jahr­hun­derts für Russ­land auf­ge­stellt hat­te, und die sich als mäch­ti­ge Erklä­rung der Dyna­mik der inter­na­tio­na­len sozia­lis­ti­schen Revo­lu­ti­on erwies. Die ein­zi­ge Klas­se, die die demo­kra­ti­schen Fra­gen lösen konn­te, war die Arbeiter*innenklasse, ver­eint mit der armen Bäuer*innenschaft in einer Front gegen die Bour­geoi­sie, die immer mehr mit den reak­tio­nä­ren Inter­es­sen ver­bun­den war, wäh­rend die Bäuer*innenschaft unfä­hig war, eine Alter­na­ti­ve zum bür­ger­li­chen Regime oder zum Sozia­lis­mus auf­zu­stel­len.

Im voll­stän­di­gen Gegen­satz zur Poli­tik der Reformist*innen, der Anarchosyndikalist*innen und der Stalinist*innen, die die Arbeiter*innenklasse auf ver­schie­de­nen Wegen der fort­schritt­li­chen repu­bli­ka­ni­schen Bour­geoi­sie unter­ge­ord­net hat­ten. Die­se hielt die Anti-Arbeiter*innen-Gesetze der Dik­ta­tur auf­recht, ver­wei­ger­te die Umset­zung einer wirk­li­chen Land­re­form und hat­te erlaubt, dass die Reak­ti­on mit Epi­zen­trum in der Kolo­ni­al­ar­mee sich wei­ter stär­ken konn­te, bis zum faschis­ti­schen Putsch 1936. Die­se Poli­tik fand ihren höchs­ten Aus­druck in der Grün­dung der Volks­front im Febru­ar 1936.

Dies war eine Linie, die die sta­li­ni­sier­te Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le vor­an­ge­trie­ben hat­te, wel­che ein Bünd­nis zwi­schen den Arbeiter*innenparteien und den „for­schritt­li­chen“ bür­ger­li­chen Par­tei­en schmie­de­te, um die revo­lu­tio­nä­ren Ten­den­zen der Mas­sen ein­zu­däm­men und umzu­len­ken. Die Stalinist*innen und die Reformist*innen – gemein­sam mit den Anarchosyndikalist*innen, die ihnen pas­si­ve Unter­stüt­zung gewähr­ten – agier­ten so als Haus­ärz­te des bür­ger­li­chen Staa­tes, die ihn vor der Gefahr der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­ti­on ret­te­ten.

Die ehe­ma­li­ge Grup­pe der spa­ni­schen Oppo­si­tio­nel­len, ange­führt vom Kata­la­nen And­reu Nin, die in jenem Moment Teil der „Arbei­ter­par­tei der Mar­xis­ti­schen Ein­heit“ (POUM) waren, schlos­sen sich der Volks­front an, was zu einem Bruch mit Leo Trotz­ki führ­te und dazu, dass sie sich dazu ver­damm­ten, nicht die alter­na­ti­ve Füh­rung zu sein, die das spa­ni­sche revo­lu­tio­nä­re Pro­le­ta­ri­at brauch­te.

Die Nie­der­la­ge der spa­ni­schen Revo­lu­ti­on hin­ter­ließ sehr wert­vol­le Lek­tio­nen für zukünf­ti­ge Revo­lu­tio­nen. Ers­tens ist die Alli­anz mit einer Bour­geoi­sie, die sich kämp­fe­risch gibt, eine ohn­mäch­ti­ge Stra­te­gie, die zur Nicht-Lösung der offe­nen demo­kra­ti­schen und sozia­len Fra­gen führt und die im Krieg gegen den Faschis­mus gera­de zur Nie­der­la­ge sowohl des Krie­ges als auch der Revo­lu­ti­on führt. Außer­dem ist der unab­hän­gi­ge Kampf der Arbeiter*innenklasse und die Ent­wick­lung von Orga­nen der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on, wie es die Sowjets in Russ­land waren und wie sie sich im Spa­ni­schen Staat nicht ent­wi­ckelt haben, eine fun­da­men­ta­le Auf­ga­be für einen mög­li­chen Sieg. Auch, dass kein Sieg ohne revo­lu­tio­nä­re Par­tei mög­lich ist, ist eine Lek­ti­on, die in Russ­land im posi­ti­ven Sin­ne – mit der Rol­le der bol­sche­wis­ti­schen Par­tei – und im Spa­ni­schen Staat im nega­ti­ven Sin­ne bestä­tigt wur­de– mit der Nie­der­la­ge gegen den Faschis­mus und 40 Jah­ren Dik­ta­tur.

Der Auf­bau die­ser Par­tei ist kei­ne Auf­ga­be, die mit­ten in der Schlacht impro­vi­siert wer­den kann. Selbst für das heroi­sche spa­ni­sche Pro­le­ta­ri­at über­stieg dies die Kraft der Mas­sen. So sag­te es Trotz­ki und setz­te damit den Akzent auf die Ver­ant­wor­tung der Revolutionär*innen, die die­se Vor­be­rei­tungs­auf­ga­be in den Jah­ren vor dem Bürger*innenkrieg nicht ange­gan­gen waren.

Die­se Auf­ga­be bleibt heu­te die wich­tigs­te Her­aus­for­de­rung, damit im 21. Jahr­hun­dert der Sieg mög­lich ist.

Schaue hier den Bei­trag von Sant­ia­go Lupe im Video:

Klas­se Gegen Klas­se