[perspektive:] „Den Weg zum Sozialismus öffnen“ – revolutionäres Wahlbündnis in Venezuela gegründet

Die venezuelanische Regierung unter Präsident Nicolas Maduro wird in kapitalistischen Medien oft als „sozialistisch“ dargestellt. Mittlerweile hat sich jedoch ein wichtiger Teil der Volksbewegung auf der sich die Regierung stützen konnte abgewandt und das linke Bündnis „Alternativa Popular Revolucionaria“ (APR) zur Parlamentswahl und darüber hinaus geschmiedet. Sie wollen den „abhängigen Kapitalismus“ in Richtung des Sozialismus überwinden. Derweil hat die APR bereits mit erster Repression zu kämpfen.

Über vie­le Jah­re wur­de die Regie­rung und die Par­tei PSUV des ehe­ma­li­gen vene­zue­la­ni­schen Prä­si­den­ten Hugo Chá­vez von einer brei­ten Mas­sen­be­we­gung unter­stützt.

Nach dem Tod Chavez’2013 über­nahm Nico­las Madu­ro die Regie­rung im Land. In den letz­ten Jah­ren ist dabei die Kluft, zwi­schen der sich selbst als „sozia­lis­tisch“ bezeich­nen­den Regie­rung und brei­ten Volks­sek­to­ren, sowie die sie ver­tre­ten­den Orga­ni­sa­tio­nen, grö­ßer gewor­den.

„Vereinheitlichendes Aufbauprojekt“

Dies ging soweit, dass die „Par­ti­do Comu­nis­ta de Vene­zue­la“ im Juli ent­schied, ein neu­es Bünd­nis ver­schie­de­ner Kräf­te links der PSUV zu initi­ie­ren. Die „Alter­na­ti­va Popu­lar Revo­lu­cio­na­ria“ soll ein „ver­ein­heit­li­chen­des Auf­bau­pro­jekt“ sei­en, zur Par­la­ments­wahl am 6. Dezem­ber antre­ten, die Wahl­si­tua­ti­on jedoch auch über­dau­ern. In einer Erklä­rung vom Sep­tem­ber heißt es dazu:

„Ihr unmit­tel­ba­res Ziel ist die Neu­grup­pie­rung von revo­lu­tio­nä­ren poli­ti­schen und sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen des Vol­kes, mit denen wir uns über die Not­wen­dig­keit einig sind, ein neu­es Kräf­te­ver­hält­nis auf­zu­bau­en, um die sozia­len Errun­gen­schaf­ten der Werk­tä­ti­gen zu ver­tei­di­gen, die impe­ria­lis­ti­sche Aggres­si­on zu besie­gen und einen revo­lu­tio­nä­ren Aus­weg aus der kapi­ta­lis­ti­schen Kri­se zu erobern, der den Weg für die sozia­lis­ti­sche Revo­lu­ti­on öff­net.“

Verschiedene Strömungen

Mitt­ler­wei­le sind dem Bünd­nis Orga­ni­sa­tio­nen ver­schie­de­ner am Mar­xis­mus ori­en­tier­ter Strö­mun­gen bei­getre­ten – von mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen über gue­va­ris­ti­sche bis hin zu trotz­kis­ti­schen und links-natio­na­lis­ti­schen Kräf­ten.

Das Bünd­nis will mit der Regie­rung wei­ter­hin gegen­über der Aggres­si­on durch aus­län­di­sche Mäch­te, ins­be­son­de­re den USA zusam­men­ar­bei­ten, jedoch ins­be­son­de­re eine poli­ti­sche lin­ke Alter­na­ti­ve im inne­ren des Lan­des bil­den. Sie wirft der Madu­ro-Regie­rung vor, sich mit der natio­na­len Kapi­ta­lis­ten­klas­se zu ver­stän­di­gen und die Rech­te der werk­tä­ti­gen Vene­zue­la­ne­rIn­nen aus­zu­höh­len.

Wirtschaftliche Krise

Vene­zue­la erlebt seit län­ge­rem eine mas­si­ve poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Kri­se. Die­se wird von Ven­zue­la-Exper­ten Simon Ernst in einem Bei­trag für die die Info­ma­ti­ons­stel­le Latein­ame­ri­ka prä­gnant beschrie­ben:

„Neo­ko­lo­nia­le Wirt­schafts­struk­tu­ren und kapi­ta­lis­ti­sche Kri­sen haben die Erd­öl­in­dus­trie, ein­zi­ge Basis von Außen­han­del und Staats­fi­nan­zen Vene­zue­las, seit 2014 an den Rand des Zusam­men­bruchs gebracht, und mit ihr das gesell­schaft­li­che Leben. Seit­dem sind die Real­löh­ne um mehr als 80 Pro­zent gefal­len, flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gungs­aus­fäl­le bei Import­pro­duk­ten aller Art, Nah­rungs­mit­teln, Medi­ka­men­ten und zuneh­mend auch Ben­zin ste­hen auf der Tages­ord­nung, zudem tage­lan­ge Unter­bre­chun­gen bei Was­ser und elek­tri­schem Strom, Blo­cka­den, Stö­run­gen bei TV und Inter­net sowie der Ver­fall von Kran­ken­häu­sern und Schu­len. Die seit 2017 stu­fen­wei­se ein­ge­führ­ten Sank­tio­nen von US-Regie­rung und EU haben die­se Ver­wüs­tung der vene­zo­la­ni­schen Volks­wirt­schaft erheb­lich ver­schärft und den Lei­dens­druck in der Bevöl­ke­rung uner­mess­lich gestei­gert, auch in der Armee.“

Internationale Einmischung

Noch immer stüt­zen der­zeit zudem west­li­che Staa­ten den Put­schis­ten Juan Guai­dó, der sich jedoch auch mehr als 1 ½ Jahr nach sei­nem Putsch­ver­such und der Instal­lie­rung einer Par­al­lel­re­gie­rung kei­ne grö­ße­ren Ein­fluss in Vene­zue­la gewin­nen konn­te.

Durch inter­na­tio­na­le Sank­tio­nen und einen Wirt­schafts­krieg ins­be­son­de­re durch die USA – ver­bun­den mit einer pro­ka­pi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­po­li­tik der Madu­ro-Regie­rung – ist aber die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on sehr ange­spannt. Die Situa­ti­on wur­de durch die Aus­brei­tung des Coro­na-Virus noch wei­ter ver­schärft.

In die­ser Situa­ti­on soll die APR eine neue alter­na­ti­ve und poli­ti­sche Hoff­nung in Vene­zue­la ent­ste­hen las­sen.

Beginnende Repression

Der­weil scheint das neue lin­ke Bünd­nis der Regie­rung von Prä­si­dent Madu­ro ein Dorn im Auge zu sein. So wur­de der APR-Kan­di­dat Ángel Rodrí­guez am 12 Sep­tem­ber von unbe­kann­ten kör­per­lich ange­grif­fen. Zudem wur­de ges­tern, Ser­gio Requena durch Betriebs­füh­rung des Sta­atms­un­ter­neh­mens CVG ent­las­sen, da er als Kan­di­dat für die APR antritt.

Es bleibt abzu­war­ten, wel­che Dyna­mik das Bünd­nis bis zur Wahl Anfang Dezem­ber auf­neh­men wird.

Der Bei­trag „Den Weg zum Sozia­lis­mus öff­nen“ – revo­lu­tio­nä­res Wahl­bünd­nis in Vene­zue­la gegrün­det erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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