[EMRAWI:] Repression gegen antifaschistische Strukturen – eine erste Übersicht

Wie auf der Web­site des Rechts­in­fo­kol­le­kivs Wien (https://​at​.rechts​in​fo​kol​lek​tiv​.org/) bereits kurz berich­tet, fan­den in jüngs­ter Zeit meh­re­re, tw. gewalt­vol­le Anhal­tun­gen von Genoss:innen und eine Haus­durch­su­chung durch die Poli­zei statt. Die­se Anhal­tun­gen wur­den von ver­schie­de­nen Poli­zei­ein­hei­ten und in einem absur­den Aus­maß aus­ge­führt.

Kon­kret han­delt es sich um vor­über­ge­hen­de Fest­nah­men, Befra­gun­gen und Beschlag­nah­me von Mobil­te­le­fo­nen bei vier Per­so­nen. Bei einer die­ser Per­so­nen wur­de zusätz­lich eine Haus­durch­su­chung durch­ge­führt, bei wel­cher elek­tro­ni­sche Daten­trä­ger sowie per­sön­li­che Gegen­stän­de mit „Anti­fa-Bezug“ beschlag­nahmt wur­den.

Alle betrof­fe­nen Per­so­nen sind frei und haben die Aus­sa­ge ver­wei­gert. Die beschlag­nahm­ten Mobil­te­le­fo­ne und Daten­trä­ger sind ver­schlüs­selt bezie­hungs­wei­se zumin­dest ver­sperrt.

Min­des­tens eine Per­son wur­de im Vor­feld über län­ge­re Zeit obser­viert. Laut der­zei­ti­gem Wis­sens­stand und Akten­la­ge sind die Ermitt­lun­gen gegen Antifaschist:innen noch nicht abge­schlos­sen.

Vor­ge­wor­fen wer­den den betrof­fe­nen Per­so­nen meh­re­re Angrif­fe auf Mit­glie­der der neo­fa­schis­ti­schen und rechts­ex­tre­men Iden­ti­tä­ren.

Kon­kret:

Ver­dacht des Rauf­han­dels, gem. §91 StGB;
Ver­dacht der schwe­ren Kör­per­ver­let­zung, gem. §84 StGB;
Ver­dacht der Sach­be­schä­di­gung, gem. $125 StGB;
Ver­dacht des ver­such­ten räu­be­ri­schen Dieb­stah­les, gem. §§15, 131 StGB;
Ver­dacht der Ver­hin­de­rung oder Stö­rung einer Ver­samm­lung, gem. §285 StGB;
Ver­dacht der kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, gem. § 278 StGB;
Ver­dacht der kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on, gem. §278a Abs. 1 und 2 StGB.

Details zu den Fest­nah­men:

Nach­dem ein Genos­se bereits am Mor­gen des 28.8.2020 auf­fäl­li­ge Per­so­nen des LVT in der Nähe der eig­ne­nen Woh­nung beob­ach­te­te, wur­de die­ser auf dem Weg zur Arbeit beharr­lich durch zivi­le Beam­ten der Spe­zi­al­ein­heit Cobra ver­folgt und von einer absurd gro­ßen Anzahl von Beamt:innen ver­schie­de­ner Poli­zei­ein­hei­ten in der Ubahn mit hoher Auf­merk­sam­keit auf das Mobil­te­le­fon, wel­ches ver­sperrt war, fest­ge­nom­men. Der Betrof­fe­ne wur­de zu sei­ner Woh­nung gebracht und dort, obwohl kein Wider­stand von ihm aus­ging oder erwart­bar gewe­sen wäre, von einer mit Maschi­nen­ge­weh­ren bewaff­ne­ten Spe­zi­al­ein­heit der Cobra emp­fan­gen. Bei der dar­auf­fol­gen­den Haus­durch­su­chung, in Anwe­sen­heit eines Anwalts, wur­den alle elek­tro­ni­schen Gerä­te, Lap­tops, Fest­plat­ten, alte Mobil­te­le­fo­ne sowie alle Klei­dungs­stü­cke, Pos­ter etc. mit „Antifa“-Bezug beschlag­nahmt. Danach wur­de der Genos­se zur Befra­gung mit­ge­nom­men und nach erfolg­reich ver­wei­ger­ter Aus­sa­ge und Prü­fung durch die StA wie­der frei­ge­las­sen. Erfreu­li­cher­wei­se wur­den weder Gegen­stän­de zer­stört, die Woh­nung ver­wüs­tet noch Zim­mer von Mitbewohner:innen durch­sucht.

Bei­na­he zeit­gleich wur­de eine wei­te­re Per­son am Heim­weg von der Lohn­ar­beit an einem öffent­li­chen Ort von einer – aber­mals absurd – gro­ßen Anzahl an Beamt:innen meh­re­rer Poli­zei­ein­hei­ten von hin­ten, auch mit Fokus auf das Han­dy, über­fal­len und zu Boden gedrückt. Wäh­rend der Fest­nah­me wur­de gewalt­sam ver­sucht, die Fin­ger des Genos­sen aus­ein­an­der­zu­zie­hen, um sein Mobil­te­le­fon via Fin­ger­print zu ent­sper­ren. Nach­dem dies nicht gelang, wur­de auch die­ser Genos­se zur Befra­gung mit­ge­nom­men und nach erfolg­reich ver­wei­ger­ter Aus­sa­ge wie­der frei­ge­las­sen.

Eine drit­te Per­son wur­de von den Ermitt­lungs­be­hör­den am 30.8. von zuhau­se zur Befra­gung mit­ge­nom­men. Bei ihm wur­de kei­ne Haus­durch­su­chung durch­ge­führt. Auch hier wur­de das Mobil­te­le­fon beschlag­nahmt und der Genos­se nach erfolg­reich ver­wei­ger­ter Aus­sa­ge wie­der frei­ge­las­sen.

Am 8.9. wur­de eine vier­te Per­son von der Poli­zei bei der Arbeit auf­ge­sucht. Auch ihm wur­de sofort das Han­dy abge­nom­men, er zur Befra­gung mit­ge­nom­men und nach erfolg­reich ver­wei­ger­ter Aus­sa­ge wie­der frei­ge­las­sen.

Die Poli­zei sieht den Vor­wurf §278a unter ande­rem durch „den Kampf der ANTIFA gegen Rechts“ bestä­tigt.

Die­ser Para­graf ermög­licht – sie­he Blick in die Ver­gan­gen­heit (z.B. Repres­si­on gegen die öster­rei­chi­sche Tier­rechts­be­we­gung 2008) – will­kür­lich und recht unkom­pli­ziert Repres­si­on gegen Antifaschist:innen. Diver­se Über­wa­chungs­maß­nah­men wie u.a. Han­dy­über­wa­chung, Obser­va­tio­nen usw. sind für sie damit recht­lich gedeckt und unkom­pli­ziert durch­setz­bar.

Die aktu­el­le Akten­la­ge zeigt uns, dass die Ermitt­lun­gen der Poli­zei dar­auf abzie­len, Antifaschist:innen zu ver­fol­gen und wie gewohnt anti­fa­schis­ti­sche Arbeit zu kri­mi­na­li­sie­ren. Das dabei Rechts­ex­tre­me in Ruhe ihre men­schen­feind­li­chen Ideo­lo­gien streu­en und umset­zen kön­nen, ist wie immer bezeich­nend für den rech­ten öster­rei­chi­schen Poli­zei­ap­pa­rat.

Beacht­lich und neu als Repres­si­ons­er­fah­rung ist, dass die Cobra-Ein­hei­ten den Auf­trag hat­ten , die Per­so­nen in einem Moment zu erwi­schen, wo die­se ihre Han­dys in einem unver­sperr­ten Zustand in der Hand hiel­ten bzw. die­se (tw. mit Gewalt­an­wen­dung) dazu auf­for­der­ten, die Sper­re auf­zu­he­ben. Auf­grund des­sen wur­den zwei beschul­di­ge Per­so­nen von hin­ten über­fal­len mit dem Ziel, die Han­dys unver­sperrt zu beschlag­nah­men, um vol­len Zugriff dar­auf zu haben.

Auf Grund der Ermitt­lun­gen wol­len wir daher noch­mals dar­auf hin­wei­sen, wie wich­tig es ist, Han­dys & Daten­trä­ger zu ver­schlüs­seln, die Woh­nun­gen auf­zu­räu­men sowie die Mög­lich­keit der Ent­sper­rung des Han­dys durch „Fin­ger­print“ und „Gesichts­er­ken­nung“ zu deak­ti­vie­ren sowie Spe­ku­la­tio­nen und „Trat­schen“ online und im ech­ten Leben zu unter­las­sen, da dies IMMER zu nega­ti­ven Fol­gen für Betrof­fe­ne füh­ren kann.

Wir wer­den uns von die­sen staat­li­chen Angrif­fen auf kei­nen Fall ein­schüch­tern las­sen!

Der aktu­el­le Kri­mi­na­li­sie­rungs­ver­such pas­siert in einem der Kli­ma der auto­ri­tä­ren Zuspit­zung. Seit Jah­ren wer­den der Poli­zei kon­ti­nu­ier­lich immer wei­ter­ge­hen­de Befug­nis­se ein­ge­räumt.

Dass Staat und Faschist:innen aber­mals Hand in Hand gegen Antifaschist:innen vor­ge­hen, zeigt, wie wich­tig anti­fa­schis­ti­sches Enga­ge­ment ist!

Wir wol­len dar­auf hin­wei­sen, dass es momen­tan, da auf­grund der glo­ba­len CoVid-19 Pan­de­mie kei­ne Soli­par­tys etc. mög­lich sind, umso wich­ti­ger ist, die Betrof­fe­nen mit Spen­den für die anfal­len­den Pro­zess- und Anwalts­kos­ten unter fol­gen­dem Spen­den­kon­to zu unter­stüt­zen:

Rote Hil­fe Wien

IBAN: AT46 6000 0103 1036 9883

Ver­wen­dungs­zweck: antifa2020

Soll­tet ihr in die­ser Ange­le­gen­heit auch von Repres­si­on betrof­fen sein, Vor­la­dun­gen bekom­men haben, etc. schreibt bit­te drin­gend an: antifa2020@​riseup.​net

Getrof­fen hat es ein paar – gemeint sind wir alle. Daher: Gemein­sam, ent­schlos­sen und soli­da­risch gegen ihre Repres­si­on. Wir sind alle 278a!

gefun­den: https://​rote​hil​fe​.wien/

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