[KgK:] Neonazi-Strukturen in der NRW-Polizei. Kein #Einzelfall. Kein Vertrauen in den Staat.

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Heu­te wur­de auf einer Pres­se­kon­fe­renz in NRW vom Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul (CDU) bekannt­ge­ge­ben, dass in der Lan­des­po­li­zei ein rechts­ex­tre­mes Netz­werk auf­ge­deckt wur­de. 29 Polizist*innen sol­len in mehr als 5 Chat-Grup­pen eine rechts­ex­tre­mis­ti­sche und neo­na­zis­ti­sche Ver­net­zung inner­halb der Poli­zei gebil­det haben.

Zuvor hat­te der Innen­mi­nis­ter Horst See­hofer eine Stu­die über Ras­sis­mus in der Poli­zei abge­lehnt. Dabei argu­men­tier­te er, dass in einer rechts­staat­li­chen Insti­tu­ti­on ras­sis­ti­sches Han­deln sowie­so ver­bo­ten sei. Mit jeder wei­te­ren Ent­de­ckung rechts­ex­tre­mer Ver­bin­dun­gen inner­halb der Poli­zei sehen wir, um was für eine Täu­schung es sich bei die­ser Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung han­delt, die dar­auf abzielt, rechts­ex­tre­me Struk­tu­ren im Staats­ap­pa­rat mög­lichst gedeckt zu hal­ten.

In den genann­ten Chats der 29 NRW-Polizist*innen sol­len über 126 Bil­der von Adolf Hit­ler, Haken­kreu­zen, sowie Dar­stel­lun­gen von Geflüch­te­ten und Migrant*innen in einer Gas­kam­mer geteilt wor­den sein. Die Chat­grup­pen sol­len seit 2013 exis­tie­ren. Eben­falls wur­den schein­bar Dar­stel­lun­gen von erschos­se­nen Schwar­zen gepos­tet.

Von den genann­ten Polizist*innen wur­den 14 von 29 unmit­tel­bar aus dem Dienst ent­fernt und bei ihnen Haus­durch­su­chun­gen durch­ge­führt. Die rest­li­chen 15 kom­men vor­erst mit mil­de­ren Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men aus. Innen­mi­nis­ter Reul erklär­te, dass es sich zwar um kei­ne Ein­zel­fäl­le han­de­le, wir es jedoch auch nicht mit „struk­tu­rel­len Pro­ble­men“ zutun hät­ten. Reul sag­te noch Ende Juni, es sei mög­lich, “dass es in der Poli­zei sogar weni­ger Ras­sis­ten gibt als im Rest der Bevöl­ke­rung”.

Rassismus und Rechtsextremismus in staatlichen Behörden: ein Regelfall

Die Ent­de­ckun­gen über die Zusam­men­ar­beit von staat­li­chen Behör­den und neo-nazis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen und Ter­ror­zel­len ist nicht neu. Wie wir an einer ande­re Stel­le schrie­ben:

„Im Novem­ber 2011 hat­te die Selbstent­tar­nung des Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grun­des (NSU) dazu geführt, dass die Exis­tenz eines rech­ten Ter­ro­ris­mus, die von Behör­den und Poli­tik jahr­zehn­te­lang geleug­net wur­de, nicht mehr von der Hand zu wei­sen war. Ein rech­tes Netz­werk hat­te über Jah­re hin­weg unge­stört durch Deutsch­land zie­hen, zehn Men­schen ermor­den und meh­re­re Spreng­stoff­an­schlä­ge bege­hen kön­nen. Der Ver­fas­sungs­schutz hat­te zuge­schaut und die Sze­ne, aus der die Täter*innen kamen, mit auf­ge­baut.“

Vor eini­gen Mona­ten wur­de bekannt, dass die Droh­mails, die mit der Unter­schrift „NSU 2.0“ an lin­ke Politiker*innen gesen­det wur­den, durch Hil­fe von Polizist*innen zustan­de kamen. Die Daten der Adressat*innen waren auf einem Com­pu­ter der Frank­fur­ter Poli­zei abge­ru­fen wor­den.

Dass im auf­ge­deck­ten rechts­ex­tre­men Poli­zeinetz­werk ein Dienst­grup­pen­lei­ter und ein Poli­zist aus dem Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) aktiv waren, ist nur ein wei­te­rer Beweis. Genau durch sol­che Ver­net­zun­gen und Struk­tu­ren in der Poli­zei fin­den die faschis­ti­schen Ter­ror­zel­len Rücken­de­ckung bei ihren Angrif­fen.

Es läuft jedoch nicht alles ver­deckt und im Gehei­men durch Chat­grup­pen. Ganz öffent­lich wer­den Migrant*innen und Lin­ke durch media­le Het­ze, wie wenn es um „Döner­mor­de“ oder „Clan­kri­mi­na­li­tät“ geht, als Fein­de dar­ge­stellt und so zur Ziel­schei­be von ras­sis­ti­schen Angrif­fen gemacht.

Nur weil ein Bun­des­land von einer Koali­ti­on aus Grü­nen, SPD und Lin­ken regiert wird, ändert das nichts an dem Ras­sis­mus in staat­li­chen Orga­nen. In Ber­lin geht die RRG-Regie­rung durch ras­sis­ti­sche Poli­zei­raz­zi­en und Kon­trol­len gegen die migran­ti­sche Bevöl­ke­rung vor und führt Abschie­bun­gen durch. Die Stra­te­gie refor­mis­ti­scher Kräf­te wie der Links­par­tei, die staat­li­chen Repres­si­ons­or­ga­ne zu refor­mie­ren, ent­puppt sich vor dem Hin­ter­grund ihrer poli­ti­schen Pra­xis als Illu­si­on.

Die Poli­zei und Ver­fas­sungs­schutz sind nicht refor­mier­bar oder Ver­bün­de­te im Kampf gegen rechts. Sie sind Teil des Pro­blems, die wir wie in den USA mit Streiks und Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen bekämp­fen müs­sen. Wir ver­trau­en den Unter­su­chun­gen des Innen­mi­nis­te­ri­ums nicht und for­dern unab­hän­gi­ge Unter­su­chungs­aus­schüs­se, die von Betrof­fe­nen von rech­tem Ter­ror und Poli­zei­ge­walt, gewähl­ten Vertreter*innen aus Gewerk­schaf­ten und migran­ti­schen Basis­strukt­ruren gebil­det wer­den müs­sen.

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