[labournet:] Der alltägliche Rassismus in Italien – und die verschiedenen Formen der Gegenwehr

Genova antifascistaDie Bil­der des gewalt­tä­ti­gen Todes von Geor­ge Floyd in Min­nea­po­lis haben nicht nur in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka die ras­sis­ti­schen Unter­drü­ckungs­me­cha­nis­men offen gelegt. Auch in zahl­rei­chen Städ­ten Euro­pas, Asi­ens und Latein­ame­ri­kas gin­gen Tau­sen­de von Men­schen mit der For­de­rung #Black­Live­s­Mat­ter auf die Stra­ße. An den ras­sen­dis­kri­mi­nie­ren­den Über­grif­fen und Poli­ti­ken hat sich jedoch kaum etwas geän­dert; im Gegen­teil: Der ober­fläch­li­che Blick auf die Tages­pres­se legt gar die Ver­mu­tung nahe, die­se haben zuge­nom­men. Drei Bei­spie­le aus Ita­li­en...“ – so beginnt der (E‑Mail) Bericht „Zum all­täg­li­chen Ras­sis­mus in Ita­li­en“ von Mau­ri­zio C. vom 14. Sep­tem­ber 2020, den wir im fol­gen­den doku­men­tie­ren – und einen wei­te­ren Bei­trag zum Kampf gegen den Ras­sis­mus in Ita­li­en:

„Zum alltäglichen Rassismus in Italien“

(Mau­ri­zio C. am 14.9.2020)

Die Bil­der des gewalt­tä­ti­gen Todes von Geor­ge Floyd in Min­nea­po­lis haben nicht nur in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka die ras­sis­ti­schen Unter­drü­ckungs­me­cha­nis­men offen gelegt. Auch in zahl­rei­chen Städ­ten Euro­pas, Asi­ens und Latein­ame­ri­kas gin­gen Tau­sen­de von Men­schen mit der For­de­rung #Black­Live­s­Mat­ter auf die Stra­ße. An den ras­sen­dis­kri­mi­nie­ren­den Über­grif­fen und Poli­ti­ken hat sich jedoch kaum etwas geän­dert; im Gegen­teil: Der ober­fläch­li­che Blick auf die Tages­pres­se legt gar die Ver­mu­tung nahe, die­se haben zuge­nom­men. Drei Bei­spie­le aus Ita­li­en

1. Anfang des Monats Sep­tem­ber häuf­ten sich im Asy­zen­trum Vil­la Sika­nia in Sicu­lia­na (Agri­gen­to, Sizi­li­en) die Pro­tes­te der Geflüch­te­ten gegen die herr­schen­den Regeln zur Bekämp­fung der Coro­na­vi­rus-Ver­brei­tung: Trotz nega­ti­ven Test­ergeb­nis­sen und 14-tägi­ger Qua­ran­tä­ne war es den Geflüch­te­ten nicht erlaubt, das über­füll­te Asyl­zen­trum zu ver­las­sen, sie wur­den regel­recht dar­in gefan­gen gehal­ten. Die Geflüch­te­ten besetz­ten dar­auf­hin das Dach des Zen­trums, eini­ge bega­ben sich auf die Flucht. Dabei wur­de ein 20-jäh­ri­ger Eri­tre­er auf der Schnell­stra­ße von einem SUV über­fah­ren und ver­un­glück­te dabei töd­lich. Die aktu­el­le Asyl­po­li­tik der ita­lie­ni­schen Regie­rung in Zusam­men­hang mit dem Coro­na­vi­rus sieht vor allem repres­si­ve Maß­nah­men vor, die oft grund­le­gen­de Men­schen­rech­te ver­let­zen.

2. Apart­heid im öffent­li­chen Trans­port gegen das Coro­na­vi­rus? Die Lega von Sedri­na (Ber­ga­mo) hat beim Prä­fekt des lom­bar­di­schen Haupt­or­tes die For­de­rung depo­niert, für Asyl­su­chen­de spe­zi­el­le Zei­ten für die Benut­zung des öffent­li­chen Trans­ports ein­zu­füh­ren. Somit sol­le ver­mie­den wer­den, dass die Bus­se wäh­rend den Stoß­zei­ten über­füllt sind und die Schüler*innen, die ab Mit­te Monat zurück zur Schu­le gehen wer­den, den ver­lang­ten Sicher­heits­ab­stand nicht ein­hal­ten kön­nen.

3. Der mit­te-rechts Bür­ger­meis­ter der nord­ita­lie­ni­schen Stadt Vicen­za Fran­ces­co Ruc­co hat beschlos­sen, dass in der Alt­stadt aus­län­di­sche Restau­rants und Län­den schlie­ßen und die­se den Platz ita­lie­ni­schen Ladenbesitzer*innen über­las­sen sol­len. So will Ruc­co das Stadt­zen­trum auf­wer­ten. Es liegt nun bei den Ver­ant­wort­li­chen der Regi­on Vene­ti­en, die­sen Beschluss zu bestä­ti­gen oder abzu­leh­nen. Kritiker*innen ver­ur­tei­len die­sen “ras­sis­ti­schen Beschluss, der an die eth­ni­sche Säu­be­rung von 1938 erin­nert”.

Wir dan­ken! Sie­he auch:

  • „Die Aus­ge­beu­te­ten zuerst“ von Fede­ri­ca Matteo­ni am 10. Sep­tem­ber 2020 in der jung­le world externer Link (Aus­ga­be 37/​2020) zu einer Form des Kamp­fes gegen Ras­sis­mus in Ita­li­en unter ande­rem: „… »Die Unsicht­ba­ren«, so nennt der 40jährige Sozio­lo­ge und ehe­ma­li­ge Ver­tre­ter der Basis­ge­werk­schaft Unio­ne Sin­da­ca­le di Base (USB) die Sai­son­ar­bei­te­rin­nen und Tage­löh­ner, deren Arbeit mit dem im Früh­ling ver­häng­ten lock­down über Nacht sys­tem­re­le­vant ­wur­de. Sie sorg­ten dafür, dass Obst und Gemü­se nicht auf den Fel­dern ver­rot­te­ten und in den Super­märk­ten kein Man­gel ent­stand. Die­se Men­schen genie­ßen kei­ner­lei Arbeits- und Gesund­heits­schutz. Sie wer­den kaum wahr­ge­nom­men, weil sie in Bara­cken­sied­lun­gen am Rand der Städ­te hau­sen müs­sen, abge­schirmt vom Rest der Gesell­schaft. Die Sied­lung von Bor­go Mez­zano­ne, auch »Ghet­to« genannt, ist eine Art town­ship. Allein in Apu­li­en gibt es meh­re­re sol­cher Sied­lun­gen. (…) Mit­te August hat Sou­m­aho­ro die USB ver­las­sen und eine eine neue poli­ti­sche Grup­pe gegrün­det, die Lega di Brac­ci­an­ti (Liga der Land­ar­bei­ter). Das war der Höhe­punkt eines für ihn sowie sei­ne Mit­strei­te­rin­nen und Mit­strei­ter kämp­fe­ri­schen Som­mers, der von erfolg­rei­chen Mobi­li­sie­run­gen mit teil­wei­se spek­ta­ku­lä­ren Aktio­nen geprägt war. In Ita­li­en wer­den Ern­te­hel­fe­rin­nen und ‑hel­fer gewöhn­lich als brac­ci­an­ti (von brac­cia, die Arme) bezeich­net. Mit­te Mai beschloss die ita­lie­ni­sche Regie­rung ein umfas­sen­des Dekret zum Wie­der­auf­bau der Wirt­schaft nach der Coro­na­kri­se. Dem­nach konn­ten ­ille­gal beschäf­tig­te land­wirt­schaft­li­che Arbeits­kräf­te sowie pri­va­te Haus­halts- und Pfle­ge­hilfs­kräf­te unter bestimm­ten Bedin­gun­gen bis zum 15. Juli straf­frei ange­mel­det wer­den. Arbeits­kräf­te ohne gül­ti­ge Papie­re konn­ten zum Zweck der Arbeits­su­che in die­sen drei Arbeits­be­rei­chen eine auf sechs Mona­te befris­te­te Auf­ent­halts­er­laub­nis bean­tra­gen. Ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, könn­te man mei­nen – doch Sou­m­aho­ro wider­spricht. Die Lega­li­sie­rung sei aus rei­nem wirt­schaft­li­chem Oppor­tu­nis­mus erfolgt, kri­ti­siert er…

Der Bei­trag Der all­täg­li­che Ras­sis­mus in Ita­li­en – und die ver­schie­de­nen For­men der Gegen­wehr erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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