[labournet:] Hartz IV-Anspruch für EU-Migranten: “EU-Bürger-Ausschlussgesetz”

Dossier

wer betruegt fliegtLan­des­so­zi­al­ge­richt bil­ligt rumä­ni­scher Fami­lie Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen zu: “Der 19. Senat des Lan­des­so­zi­al­ge­richts NRW hat mit Urteil vom heu­ti­gen Tage rumä­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen, die sich nach län­ge­rer objek­tiv aus­sichts­lo­ser Arbeit­su­che wei­ter im Bun­des­ge­biet gewöhn­lich auf­hal­ten, einen Anspruch auf Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (sog. “Hartz IV”-Leistungen) zuer­kannt. Der Leis­tungs­aus­schluss des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II, wonach Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern, deren Auf­ent­halts­recht sich allein aus dem Zweck der Arbeit­su­che ergibt, kei­ne Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen erhal­ten, ste­he dem nicht ent­ge­gen…” Pres­se­mit­tei­lung LSG NRW vom 11.10.2013 externer Link zum mit Urteil vom 10.10.2013 ( L 19 AS 129/​13). Sie­he dazu Bewer­tun­gen, Gerichts­ur­tei­le und Kom­men­ta­re (und zur Debat­te auch das Dos­sier: “Stu­die der EU-Kom­mis­si­on: Armuts­ein­wan­de­rung nach Deutsch­land nicht belegt” sowie zum angeb­li­chen Miß­brauch das Dos­sier “Wer betrügt, der fliegt”):

  • Geplan­te Rechts­än­de­run­gen zur aktu­el­len Anpas­sung des Freizügigkeitsgesetzes/​EU – wei­te­re Aus­schlüs­se von EU-Bür­ge­rIn­nen von der Bun­des­re­gie­rung geplant New
    Die Bun­des­re­gie­rung plant wei­te­re Ver­schär­fun­gen im Frei­zü­gig­keits­ge­set­zes, der dahin­ge­hen­de Gesetz­ent­wurf zur Ände­rung externer Link liegt nun vor. Clau­di­us Voigt führt in sei­nem News­let­ter vom 4.9.2020 dazu aus: „Inhal­te sind vor allem
    • die Ein­füh­rung eines Auf­ent­halts­rechts für dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge „nahe­ste­hen­de Per­so­nen“ von Unionsbürger*innen. Unter die­sen Begriff fal­len Ver­wand­te in der Sei­ten­li­nie (z. B. Geschwis­ter, Onkel, Tan­te, Nef­fen und Nich­ten), Pfle­ge­kin­der oder Mün­del sowie nicht offi­zi­ell ein­ge­tra­ge­ne „Lebensgefährt*innen“. Die „Erleich­te­rung“ eines Fami­li­en­nach­zugs für die­se Grup­pen erfolgt auf­grund kla­rer EU-Vor­ga­ben, wird aller­dings im Gesetz­ent­wurf sehr restrik­tiv umge­setzt.
    • die Rege­lung des Auf­ent­halts von bri­ti­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen nach Ende des Über­gangs­zeit­raums ab 1. Janu­ar 2021 sowie
    • die Strei­chung der „fik­ti­ven Prü­fung“ eines Auf­ent­halts­rechts nach dem Auf­en­thG für Unionsbürger*innen und damit wei­te­re Aus­schlüs­se von exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen.

    Völ­lig inak­zep­ta­bel ist dabei der letz­te Punkt: Denn dies wird dazu füh­ren, dass noch mehr Unionsbürger*innen oder ihre Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, die über einen objek­ti­ven Auf­ent­halts­grund ver­fü­gen, von exis­tenz­si­chern­den Sozi­al­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den. Dies betrifft ins­be­son­de­re nicht ver­hei­ra­te­te Eltern­tei­le mit gemein­sa­men Kin­dern, Schwan­ge­re vor der Geburt des Kin­des oder Per­so­nen mit schwe­ren Erkran­kun­gen sowie ande­re Här­te­fäl­le – die die ent­spre­chen­de Auf­ent­halts­er­laub­nis nur des­halb nicht erhal­ten, weil sie Unionsbürger*innen sind. Die Bun­des­re­gie­rung will die­se beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Grup­pen nun gezielt von einem Anspruch auf regu­lä­re SGB-II/XII-Leis­tun­gen aus­schlie­ßen, nach­dem zuvor vie­le Sozi­al­ge­rich­te die Erbrin­gung von exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen ange­ord­net hat­ten. Hier ist eine Stel­lung­nah­me des Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­bands externer Link zu dem Gesetz­ent­wurf mit einer aus­führ­li­chen Bewer­tung des geplan­ten Sozi­al­leis­tungs­aus­schlus­ses für Unionsbürger*innen mit fik­ti­vem Auf­ent­halts­recht (ab S. 9)„ Aus dem Thomé News­let­ter 31/​2020 vom 06.09.2020 externer Link

  • Frei­zü­gig­keits­richt­li­nie: Hartz-IV-Aus­schluss für arbeit­su­chen­de EU-Bür­ger mit schul­pflich­ti­gen Kin­dern auf der Kip­pe
    “Die deut­schen Vor­schrif­ten sehen auch für arbeit­su­chen­de EU-Bür­ger mit schul­pflich­ti­gen Kin­dern einen Aus­schluss von Hartz-IV-Leis­tun­gen vor. Die­se Rege­lung steht jetzt auf der Kip­pe. (…) Wie der Gene­ral­an­walt des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes (EuGH) in Luxem­burg in sei­nen gut­ach­ter­li­chen Schluss­an­trä­gen vom Don­ners­tag fest­stellt, muss nach EU-Recht ein Auf­ent­halts­recht der Kin­der wegen ihres Schul­be­suchs in Deutsch­land auch zum Anspruch auf Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen der Eltern füh­ren. (AZ: C‑181/​19) (…) Zwar habe der EuGH bereits am 15. Sep­tem­ber 2015 geur­teilt, dass Deutsch­land zum Schutz sei­ner Sozi­al­sys­te­me EU-Bür­ger, die sich nur zur Arbeit­su­che in Deutsch­land auf­hal­ten, von Hartz-IV-Leis­tun­gen aus­schlie­ßen dür­fen (AZ: C‑67/​14). Das gel­te jedoch nicht, wenn – ent­spre­chend Arti­kel 10 der Frei­zü­gig­keits­richt­li­nie – das Auf­ent­halts­recht der arbeit­su­chen­den Eltern auf den Schul­be­such ihrer Kin­der in deut­schen Schu­len zurück­geht. Außer­dem müss­ten die­se für einen Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen zuvor bereits als Arbeit­neh­mer tätig gewe­sen sein. Der aktu­el­le Fall sei daher mit dem EuGH-Urteil aus dem Jahr 2015 nicht ver­gleich­bar. In dem dama­li­gen Ver­fah­ren spiel­te das Auf­ent­halts­recht der Eltern wegen des Schul­be­suchs der Kin­der kei­ne Rol­le. In vor­aus­sicht­lich eini­gen Mona­ten wird der EuGH über den Rechts­streit abschlie­ßend ent­schei­den.” Mel­dung vom 15. Mai 2020 von und bei MiGA­ZIN externer Link, sie­he auch die Pres­se­mit­tei­lung des EuGH externer Link und die Arbeits­hil­fe externer Link zum The­ma „Leis­tungs­an­sprü­che für unver­hei­ra­te­te Eltern mit gemein­sa­men Kin­dern“ von und bei Gemein­nüt­zi­ge Gesell­schaft zur Unter­stüt­zung Asyl­su­chen­der e. V.
  • LSG Nord­rhein-West­fa­len: EuGH-Vor­la­ge zum SGB II-Leis­tungs­aus­schluss für EU-Aus­län­der
    “Das LSG Nord­rhein-West­fa­len hat beschlos­sen, dem EuGH die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen, ob der Leis­tungs­aus­schluss von Uni­ons­bür­gern, die über ein Auf­ent­halts­recht aus Art. 10 VO (EU) 492/​2011 ver­fü­gen, im deut­schen Recht gegen das uni­ons­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­stößt und damit wegen des Anwen­dungs­vor­ran­ges euro­päi­scher Vor­schrif­ten kei­ne Wir­kung ent­fal­tet. (..) Das beklag­te Job­cen­ter Kre­feld ver­wei­ger­te dem pol­ni­schen Klä­ger die­se Leis­tun­gen. Da er sich ledig­lich zum Zwe­cke der Arbeit­su­che in Deutsch­land auf­hal­te bzw. nur über ein von dem­je­ni­gen sei­ner Kin­der zu Aus­bil­dungs­zwe­cken abge­lei­te­tes Auf­ent­halts­recht ver­fü­ge, sei er nach § 7 I 2 Nr. 2 c SGB II vom Leis­tungs­be­zug aus­ge­schlos­sen. Dem­ge­gen­über ging bereits das SG Düs­sel­dorf davon aus, dass die­ser Leis­tungs­aus­schluss gegen euro­päi­sches Recht ver­sto­ße und ver­ur­teil­te den Beklag­ten zur Erbrin­gung der begehr­ten Leis­tun­gen. (…) Das LSG Nord­rhein-West­fa­len hat sich die­ser Auf­fas­sung ange­schlos­sen. Der Klä­ger habe ein aus den Auf­ent­halts­rech­ten sei­ner Kin­der iSv Art. 10 VO (EU) 492/​2011 – Frei­zü­gig­keits­VO – abge­lei­te­tes Auf­ent­halts­recht. Er sei vor und wäh­rend ihres regel­mä­ßi­gen Schul­be­suchs als Arbeit­neh­mer beschäf­tigt gewe­sen und habe die elter­li­che Sor­ge für die­se tat­säch­lich wahr­ge­nom­men. Bei die­ser Kon­stel­la­ti­on wer­de durch den Leis­tungs­aus­schluss im deut­schen Recht der euro­pa­recht­li­che Grund­satz ver­letzt, wonach EU-Mit­glied­staa­ten Uni­ons­bür­ger grund­sätz­lich gleich, dh wie Inlän­der, zu behan­deln haben. Inwie­weit davon Aus­nah­men zuläs­sig sei­en, sei in der natio­na­len Recht­spre­chung umstrit­ten. Nach Über­zeu­gung des LSG Nord­rhein-West­fa­len las­se das Euro­pa­recht in die­sem Fall eine Aus­nah­me von dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot nicht zu…” Mel­dung vom 22. Febru­ar 2019 bei NWZ online zum Beschluss L 19 AS 1104/​18 des LSG Nord­rhein-West­fa­len vom 14. Febru­ar 2019 externer Link
  • Erwerbs­fä­hi­ge EU-Bür­ger und das Recht auf ALG II und regu­lä­re Sozi­al­hil­fe 
    Rechts­stand: Gesetz zur Rege­lung von Ansprü­chen aus­län­di­scher Per­so­nen in der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem Zwei­ten Sozi­al­ge­setz­buch und in der Sozi­al­hil­fe nach dem Zwölf­ten Sozi­al­ge­setz­buch vom 22.12.2016, Stand: Mai 2018…” Info-Schrift von Gise­la Tripp und Jon­ny Bruhn-Tripp vom Juni 2018 externer Link. Es wer­den die The­men behan­delt:
    1. Neu­re­ge­lung der Ansprü­che von Aus­län­dern im SGB II und Sozi­al­hil­fe­recht
    2. Frei­zü­gig­keits­recht und Auf­ent­halts­recht von Uni­ons­bür­gern
    3. Zugang von Uni­ons­bür­gern im das ALG II
    4. Aus­schluss von Uni­ons­bür­gern im SGB II
    5. Sozi­al­hil­fe­be­rech­tig­te Uni­ons­bür­ger
    6. Aus­schluss von Uni­ons­bür­gern aus der regu­lä­ren Sozi­al­hil­fe
    7. Über­sicht über die nach dem Inkraft­tre­ten des Neu­re­ge­lungs­ge­set­zes ergan­ge­ne Recht­spre­chung.
      Zu allen wich­ti­gen The­men wer­den Fall­bei­spie­le gege­ben und die wich­tigs­te Recht­spre­chung zusam­men gefasst.
  • Sozi­al­ge­richt Spey­er: Euro­pa­rechts­wid­rig­keit und Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II in der seit dem 29.12.2016 gel­ten­den Fas­sung 
    “Die Aus­schluss­tat­be­stän­de des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II ver­sto­ßen gegen das Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art 20 Abs. 1 GG (…). Der von den Aus­schluss­tat­be­stän­den des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II betrof­fe­ne Per­so­nen­kreis hat kei­nen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen­den Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem 3. Kapi­tel des SGB XII. Die ein­ge­füg­ten Son­der- und Här­te­fall­re­ge­lun­gen des § 23 Abs. 3 SGB XII und § 23 Abs. 3a SGB XII in der ab dem 29.12.2016 gel­ten­den Fas­sung kön­nen den Ver­fas­sungs­ver­stoß nicht kom­pen­sie­ren, da sie dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebot, die für die Ver­wirk­li­chung des Grund­rechts auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums wesent­li­chen Rege­lun­gen hin­rei­chend bestimmt selbst zu tref­fen (…) nicht genü­gen. (…) Das dem Leis­tungs­trä­ger grund­sätz­lich ein­ge­räum­te Ermes­sen, ob nach § 41a Abs. 7 Satz 1 Nr. 1 SGB II vor­läu­fig Leis­tun­gen zu erbrin­gen sind, ist im Fall einer dro­hen­den Ver­let­zung des Grund­rechts auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Aus­schluss von unter­halts­si­chern­den Leis­tun­gen auf Null redu­ziert (…) Der Aus­schluss­tat­be­stand des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II ver­stößt auch gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art. 4 VO (EG) 883/​2004. Der Gleich­heits­ver­stoß kann nicht durch die Mög­lich­kei­ten gerecht­fer­tigt wer­den, den Zugang zu natio­na­len Sys­te­men der Sozi­al­hil­fe für Uni­ons­bür­ger zu beschrän­ken…” Beschluss S 16 AS 908/​17 ER des SG Spey­er vom 17. August 2017 externer Link mit detail­lier­ten Begrün­dung, sie­he dazu die Info­mail von Clau­di­us Voigt, in der er den Kon­text raus­ar­bei­tet bei Harald Thomé externer Link
  • Zum Umgang des Ber­li­ner Sozi­al­ge­richts mit EU-Bür­gern und der „Wider­stands­recht­spre­chung“ gegen das BSG und der merk­wür­di­gen Deckungs­gleich­heit zu AFD-Posi­tio­nen
    “… Nor­ma­ler­wei­se ist ein Streit um Rechts­fra­gen been­det, wenn das BSG gespro­chen hat. Nicht so bei die­ser auch poli­tisch sehr auf­ge­la­de­nen Fra­ge. Eini­ge Kam­mern von Sozi­al­ge­rich­ten und ver­ein­zel­te Sena­te von Lan­des­so­zi­al­ge­rich­ten ver­wei­ger­ten sich der Recht­spre­chung des BSG. Das allein ist schon bemer­kens­wert. In Ber­lin, am größ­ten Sozi­al­ge­richt Deutsch­lands, ging man jedoch noch einen Schritt wei­ter. Dort erging zum einen das ers­te Urteil gegen die Recht­spre­chung des BSG (…) und zum ande­ren wand­te sich das Gericht mit einer Pres­se­mit­tei­lun­gen an die Öffent­lich­keit, um mit­zu­tei­len, dass das Sozi­al­ge­richt Ber­lin „klar Posi­ti­on“ gegen das BSG bezie­he, um Sozi­al­leis­tun­gen für EU-Bür­ger zu ver­wei­gern (…) Eine sol­che Kampf­an­sa­ge gegen eine BSG-Recht­spre­chung durch Urteil und über eine durch das Gericht ver­brei­te­te Pres­se­mit­tei­lung, des größ­ten Sozi­al­ge­richts Deutsch­lands, dürf­te ein­zig­ar­tig sein. (…) Eini­ge Ber­li­ner Job­Cen­ter fühl­ten sich beflü­gelt von dem „Wider­stand“ des SG Ber­lin. Uns wur­de von Schrift­sät­zen berich­tet, die sich durch­aus mit Hate-Posts in sozia­len Medi­en mes­sen las­sen könn­ten. So wur­de bspw. von einem Job­Cen­ter erklärt, dass sich aus dem Sozi­al­staats­prin­zip ergä­be, dass Aus­län­der nicht nur von Sozi­al­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den dürf­ten, son­dern gera­de­zu eine Pflicht des Deut­schen Staa­tes zu die­sem Aus­schluss bestün­de – der deut­sche Staat sei schließ­lich für die Deut­schen da und somit müs­se das Sozi­al­staats­prin­zip auch als ein natio­na­les Prin­zip ver­stan­den wer­den. (…) Wir sind der Mei­nung, dass der bei­spiel­haft geschil­der­te Umgang mit der Recht­spre­chung des BSG und mit gel­ten­den Geset­zen durch ein­zel­ne Rich­ter und die kla­re Posi­tio­nie­rung des SG Ber­lin der Grund sind, war­um das Ver­trau­en in den Recht­staat und in den Sozi­al­staat erschüt­tert wird. Das Durch­set­zen einer nicht bestehen­den Aus­rei­se­pflicht durch Aus­hun­gern ist zumin­dest unmensch­lich und unzi­vi­li­siert. Durch das „EU-Bür­ger Aus­schluss­ge­setz“ (…) ist nun zwar eine gesetz­li­che Grund­la­ge für die­ses men­schen­ver­ach­ten­de Vor­ge­hen geschaf­fen wor­den. Zum einen wird dage­gen der juris­ti­sche Kampf auf­zu­neh­men sein und zum ande­ren erscheint es beschä­mend, dass gera­de eini­ge Kam­mern des SG Ber­lin hier nicht auf der Sei­te des Rechts und des Sozi­al­staats ste­hen, son­dern bereits ohne gesetz­li­che Grund­la­ge, Prin­zi­pi­en anwen­de­ten, die bis dahin nur von Rechts­ex­tre­mis­ten gefor­dert wur­den…” Bei­trag von Harald Thomé vom 29. März 2017 bei Tache­les online externer Link
  • Zwei posi­ti­ve Eil­ent­schei­dun­gen des SG Kas­sel zum Uni­ons­bür­ger­aus­schluss­ge­setz: Zwei­fel­haf­te Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit und daher Leis­tungs­an­spruch nach dem 3. Kap. SGB XII
    Das SG Kas­sel hat in zwei Beschlüs­sen trotz Uni­ons­bür­ger­aus­schluss­ge­setz EU-Bür­gern mit ver­fes­tig­tem Auf­ent­halt von län­ger als sechs Mona­ten, deren Auf­ent­halts­grund die Arbeits­su­che ist, ent­spre­chend der Recht­spre­chung des BSG Leis­tun­gen nach dem 3. Kap. des SGB XII gewährt. Das Gericht sagt klipp und klar: „Letzt­end­lich ver­bleibt nur ein Anspruch der Antrag­stel­le­rin­nen auf SGB XII-Leis­tun­gen aus § 23 Abs. 1 S. 3 SGB XII und dem Recht auf Gewäh­rung von exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen, wie es das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus Art. 1 Abs.1 und 20 Abs. 1 Grund­ge­setz abge­lei­tet und den das BSG in ver­gleich­ba­ren Fäl­len bejaht hat (BSG, Urtei­le vom 3.12.2015 und vom 20.1.2016 aaO). Ein sol­cher Anspruch ist auch hier gege­ben“. Die­se Beschlüs­se sind doku­men­tiert bei Harald Thomé externer Link 
  • Sozi­al­hil­fe für EU-Bür­ger: Wer nicht arbei­tet, soll gehen
    “… Von der Öffent­lich­keit wenig beach­tet ist zum Jah­res­be­ginn ein neu­es Gesetz in Kraft getre­ten, das Kri­ti­ker ein „EU-Bür­ger-Aus­schluss­ge­setz“ nen­nen. Tat­säch­lich regelt es den Aus­schluss von Bür­gern der Euro­päi­schen Uni­on von Hartz-IV-Leis­tun­gen und Sozi­al­hil­fe – es sei denn, die Betrof­fe­nen haben durch eige­ne Arbeit Ansprü­che erwor­ben. Euro­pä­er, die sich auf Arbeits­su­che befin­den, haben dage­gen nach dem neu­en Gesetz erst nach fünf Jah­ren Auf­ent­halt in Deutsch­land Anspruch auf Sozi­al­hil­fe. Was ihnen abseits des­sen für den Fall bleibt, dass sie in der Bun­des­re­pu­blik nicht gleich Arbeit fin­den, sind ein­mo­na­ti­ge Über­brü­ckungs­leis­tun­gen – etwa für Essen und Unter­kunft – sowie ein Dar­le­hen für Rück­rei­se­kos­ten ins Hei­mat­land. (…) Laut einem Rechts­gut­ach­ten des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des ver­stößt das neue Gesetz der Arbeits­mi­nis­te­rin nicht nur gegen euro­päi­sches Recht – son­dern auch gegen deut­sches. Auch die Neue Rich­ter­ver­ei­ni­gung, ein Zusam­men­schluss kri­ti­scher Rich­te­rin­nen, schrieb in einer Stel­lung­nah­me im Dezem­ber: „Das Gesetz schafft neue Rechts­un­si­cher­heit, nach­dem das Bun­des­so­zi­al­ge­richt einen gang­ba­ren Weg gefun­den hat­te, die aktu­el­le Rechts­la­ge mit den ver­fas­sungs- und men­schen­recht­li­chen Vor­ga­ben in Ein­klang zu brin­gen.“.(…) „Mit der­sel­ben Argu­men­ta­ti­on könn­ten auch deut­sche Arbeits­lo­se an die Tafeln oder sons­ti­ge kari­ta­ti­ve Ein­rich­tun­gen ver­wie­sen wer­den,“ sagt Ger­loff. Der Ber­li­ner Anwalt meint, dass Men­schen „aus­ge­hun­gert“ wer­den sol­len, um sie zur Aus­rei­se zu zwin­gen, oder auch: „Aus­län­der raus als juris­ti­sches Prin­zip“…” Bei­trag von Erik Peter vom 11. Janu­ar 2017 bei taz online externer Link
  • Infor­ma­ti­on: Gesetz vom 22.12.2016 zur Rege­lung von Ansprü­chen aus­län­di­scher Per­so­nen in der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de nach dem SGB II und der Sozi­al­hil­fe nach dem SGB XII
    Cari­tas-Über­sicht der Leis­tungs­an­sprü­che von Uni­ons­bür­gern nach der geän­der­ten Rechts­la­ge ab 2017 doku­men­tiert bei Harald Thomé externer Link
  • Nah­les stellt sich mit dem „EU-Bür­ger Aus­schluss­ge­setz“ gegen Ver­fas­sungs­recht
    “… Arbeits­mi­nis­te­rin Nah­les hat unmit­tel­bar nach der BSG-Ent­schei­dun­gen eine Geset­zes­än­de­rung zu EU-Bür­gern ange­kün­digt, die das Ziel hat, die BSG Ent­schei­dung außer Kraft zu set­zen und EU-Bür­ger die ers­ten fünf Jah­re vom SGB II/​SGB XII-Anspruch aus­zu­schlie­ßen. Daher wird das Gesetz auch zynisch „EU-Bür­ger Aus­schluss­ge­setz“ genannt. Der offi­zi­el­le Arbeits­ti­tel lau­tet: „Gesetz zur Rege­lung von Ansprü­chen aus­län­di­scher Per­so­nen in der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch und in der Sozi­al­hil­fe nach dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch“. Den dahin­ge­hen­den ers­ten Geset­zes­ent­wurf hat das BMAS jetzt vor­ge­legt. Dar­in bestimmt Nah­les, dass EU-Bür­ger eine „Über­brü­ckungs­leis­tung“ längs­tens für einen Zeit­raum von vier Wochen, aber auch nur ein­ma­lig inner­halb von zwei Jah­ren bis zur Aus­rei­se bekom­men sol­len. Im Ein­zel­fall bei beson­de­ren Umstän­den wer­den den Leis­tungs­be­rech­tig­ten „ande­re Leis­tun­gen“ gewährt. Dane­ben wer­den auf Antrag auch die ange­mes­se­nen Kos­ten der Rück­rei­se über­nom­men, die­se aber auch nur auf Dar­le­hens­ba­sis. Die Über­brü­ckungs­leis­tung ist auf Niveau des Asyl­bLG…” Kom­men­tar und ver­schie­de­ne Stel­lung­nah­men im Thomé News­let­ter 30/​2016 vom 09.10.2016 externer Link, sie­he dazu den Geset­zes­ent­wurf externer Link beim Harald Thomé
  • Über­brü­ckungs­geld statt Hartz IV für Aus­län­der: Ver­fas­sungs­wid­rig
    “EU-Aus­län­der sol­len von Hartz IV aus­ge­schlos­sen wer­den”, titel­ten im April die Medi­en. Tat­säch­lich plant die Bun­des­re­gie­rung ein Gesetz, nach dem auch EU-Aus­län­der erst nach fünf Jah­ren bei Sozi­al­leis­tun­gen wie Hartz IV mit Inlän­dern gleich­ge­stellt wer­den. Statt­des­sen soll es “Über­brü­ckungs­leis­tun­gen” geben. Ein Rechts­gut­ach­ten im Auf­trag des DGB zeigt jetzt: Das ver­stößt gegen das Grund­ge­setz. (…) Das Gut­ach­ten der bei­den Sozi­al­recht­le­rin­nen Prof. Dr. Sta­ma­tia Deve­t­zi von der Hoch­schu­le Ful­da und Prof. Dr. Con­stan­ze Jan­da von der SRH Hoch­schu­le Hei­del­berg zeigt: Über­brü­ckungs­leis­tun­gen für aus­län­di­sche Per­so­nen, die vom Grund­si­che­rungs­be­zug (Hartz IV) aus­ge­schlos­sen wer­den, ver­sto­ßen gegen das Recht auf Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz, das sich aus den Grund­ge­setz­ar­ti­keln 1 und 20 ergibt. Denn der Staat wür­de sich damit von jed­we­der Ver­ant­wor­tung für die­sen Leis­tungs­an­spruch, der die Gewähr­leis­tung der ent­spre­chen­den Grund­rech­te garan­tiert, frei­spre­chen – so das Gut­ach­ten…” DGB-Pres­se­mit­tei­lung vom 5. August 2016 externer Link – mit Down­load des Gut­ach­tens
  • Sozi­al­po­li­tik für EU-Aus­län­der: Rück­kehr­op­ti­on statt Sozi­al­hil­fe
    Nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts steht auch EU-Aus­län­dern in Deutsch­land Sozi­al­hil­fe zu. Doch zahl­rei­che Gerich­te igno­rie­ren die­se Ent­schei­dung. Und die Bun­des­re­gie­rung arbei­tet an einem Gesetz, das den Bezug der staat­li­chen Leis­tun­gen ent­schei­dend erschwe­ren soll. (…) Ende April leg­te Arbeits- und Sozi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) einen Gesetz­ent­wurf vor, der den Sozi­al­hil­fe­be­zug von EU-Aus­län­dern ver­hin­dern soll. Das Gesetz soll noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode ver­ab­schie­det wer­den. Ob es ver­fas­sungs­ge­mäß ist? Das dürf­te nur eine Fra­ge der Aus­le­gung sein.” Bei­trag von Simon Lan­to bei Jung­le World Nr. 28 vom 14. Juli 2016 externer Link. Anm.: Beson­ders beach­tens­wert ist hier die EU-Hand­ha­bung von Frei­zü­gig­keit, die durch die bewusst weit­ge­hen­de Natio­na­li­sie­rung sozia­ler Belan­ge, eine gute Mög­lich­keit für das frei in der EU agie­ren­de – auch deut­sche – Kapi­tal dar­stellt, sich jeder sozia­len Ver­pflich­tung noch erfolg­rei­cher zu ent­zie­hen.
  • Kei­ne Sozi­al­hil­fe für EU-Bürger*innen?
    “Die Frei­zü­gig­keit von Waren, Dienst­leis­tun­gen und Arbeits­kräf­ten inner­halb der EU war und ist poli­tisch gewollt. (…) Die meis­ten Einwanderer*innen leben hier in sta­bi­len Ver­hält­nis­sen. Was aber, wenn sie in Not gera­ten und die eigen­stän­di­ge Siche­rung des Unter­halts ihnen nicht oder nicht mehr gelingt? Dann wird deut­lich, dass nicht nur Arbeits­kräf­te, son­dern Men­schen gekom­men sind. Der euro­päi­sche Gedan­ke der Frei­zü­gig­keit aber ist ein neo­li­be­ral gepräg­ter, der der Wirt­schaft, nicht den Men­schen die­nen soll. (…) Die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Arbeits­mi­nis­te­rin, Andrea Nah­les, (…) hat Ende April ange­kün­digt, mit einem Gesetz den vom BSG zur Sicher­stel­lung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums gewie­se­nen Weg (not­falls SGB XII Leis­tun­gen), zu ver­sper­ren. EU-Aus­län­der sol­len, wenn sie kei­ne SGB II Ansprü­che erar­bei­tet haben, in Zukunft erst nach fünf Jah­ren, wenn sich ihr Auf­ent­halt in Deutsch­land ver­fes­tigt hat, Anspruch auf SGB XII Leis­tun­gen („Sozi­al­hil­fe“) haben…” Bei­trag von Ste­phan Nagel vom 4. Mai 2016 beim Grund­rech­te­ko­mi­tee externer Link
  • Rechts­po­pu­lis­tin im Amt: Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin will Migran­ten aus der EU fünf Jah­re lang Sozi­al­leis­tun­gen ver­weh­ren
    Wer braucht da noch die AfD? Die Bun­des­re­gie­rung spricht EU-Aus­län­dern das Recht auf das Exis­tenz­mi­ni­mum ab. Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) stell­te am Don­ners­tag in Ber­lin ihren Gesetz­ent­wurf vor, wonach Migran­ten aus EU-Staa­ten erst nach fünf Jah­ren Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld II und Sozi­al­hil­fe erhal­ten sol­len. Wer danach kei­nen Job fin­det, fliegt: Vier Wochen lang dür­fen EU-Bür­ger dann noch im Land blei­ben und ihr Leben mit Hartz-IV-Leis­tun­gen fris­ten. Im Anschluss sol­len sie ein Dar­le­hen erhal­ten, das ihnen die Rei­se in ihre Hei­mat finan­zie­ren soll, um dort Sozi­al­hil­fe zu bean­tra­gen. Dies sei nötig, um »die Akzep­tanz für ein frei­zü­gi­ges Euro­pa auf­recht­zu­er­hal­ten«, sag­te die Minis­te­rin am Don­ners­tag gegen­über Reu­ters…” Arti­kel von Simon Zei­se in jun­ge Welt vom 29.04.2016 externer Link
  • Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs in der Rechts­sa­che C‑299/​14: Der Gerichts­hof bekräf­tigt, dass Staats­an­ge­hö­ri­gen ande­rer Mit­glied­staa­ten wäh­rend der ers­ten drei Mona­te ihres Auf­ent­halts bestimm­te Sozi­al­leis­tun­gen ver­sagt wer­den dür­fen. Eine sol­che Ver­sa­gung setzt kei­ne indi­vi­du­el­le Prü­fung vor­aus
    Mit sei­nem heu­ti­gen Urteil bekräf­tigt der Gerichts­hof sei­ne neue­re Rechtsprechung1, wonach ein Mit­glied­staat Staats­an­ge­hö­ri­ge ande­rer Mit­glied­staa­ten wäh­rend der ers­ten drei Mona­te ihres Auf­ent­halts von bestimm­ten Sozi­al­leis­tun­gen (wie den deut­schen Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de und ihre Kinder2) aus­schlie­ßen kann…” Pres­se­mit­tei­lung des EuGH vom 25. Febru­ar 2016 externer Link
  • BSG zum Sozi­al­hil­fe­aus­schluss von EU-Bür­gern: Drei­mal Nein heißt Nein
    Bereits zum drit­ten Mal bin­nen zwei­er Mona­te hat das BSG sich mit der Fra­ge befasst, ob EU-Bür­ger von exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen in Deutsch­land ganz aus­ge­schlos­sen wer­den dür­fen – und sie erneut ver­neint.
    Am Mitt­woch hat­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) in zwei wei­te­ren Fäl­len Gele­gen­heit, über den Anspruch von EU-Bür­gern auf Leis­tun­gen zur Exis­tenz­si­che­rung zu ent­schei­den. Wie zuvor bereits in zwei kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Ent­schei­dun­gen im Dezem­ber 2015, erklär­te das höchs­te deut­sche Sozi­al­ge­richt den voll­stän­di­gen Aus­schluss von EU-Bür­gern von exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen erneut für unzu­läs­sig. Mög­lich sei zwar die pau­scha­le Ver­wei­ge­rung von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem Sozi­al­ge­setz­buch (SGB) II (“Hartz IV”). Die Sozi­al­hil­fe­trä­ger müss­ten jedoch prü­fen, ob den Klä­gern Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen nach dem SGB XII im Ermes­sens­we­ge zu gewäh­ren sei­en, wobei sich das Ermes­sen nach sechs­mo­na­ti­gem Auf­ent­halt zu einer Pflicht zur Leis­tungs­ge­wäh­rung ver­dich­te
    …” Arti­kel von Chris­ti­an Stotz vom 20.01.2016 bei Legal Tri­bu­ne Online externer Link
  • BSG: Aus­schluss von SGB II-Leis­tun­gen für Uni­ons­bür­ger – Sozi­al­hil­fe bei tat­säch­li­cher Auf­ent­halts­ver­fes­ti­gung
    Der 4. Senat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat in drei Urtei­len vom heu­ti­gen Tag unter Berück­sich­ti­gung der Urtei­le des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums kon­kre­ti­siert, in wel­chen Fall­ge­stal­tun­gen Uni­ons­bür­ger aus den EU-Mit­glied­staa­ten exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen nach dem Recht der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (SGB II) bezie­hungs­wei­se dem Sozi­al­hil­fe­recht (SGB XII) bean­spru­chen kön­nen (ver­glei­che zu den Sach­ver­hal­ten Ter­min­vor­schau Nr. 54/​15). Dies erfolgt im Anschluss an das Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten vom 15. Sep­tem­ber 2015 (Rs C‑67/​14 “Ali­ma­no­vic”), wonach der aus­nahms­lo­se Aus­schluss von Uni­ons­bür­gern mit einem allei­ni­gen Auf­ent­halts­recht nur (noch) zur Arbeit­su­che von den Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem SGB II euro­pa­rechts­kon­form ist…” Medi­en­in­for­ma­ti­on vom 3. Dezem­ber 2015 externer Link. Sie­he dazu Kom­men­ta­re:
    • Urteil des BSG zu Uni­ons­bür­gern
      Mal ein echt coo­les Urteil, so möch­te ich das Urteil vom BSG zusam­men­fas­sen. Das BSG stellt damit klar, dass die unsäg­li­chen Leis­tungs­aus­schlüs­se von Uni­ons­bür­gern im SGB II und SGB XII so nicht halt­bar sind und, wenn kei­ne Auf­ent­halts­grün­de im SGB II vor­lie­gen, spä­tes­tens nach sechs Mona­ten ein Leis­tungs­an­spruch nach dem SGB XII besteht. (…) Das BSG stellt sich mit die­sem Urteil gegen die abso­lut restrik­ti­ve Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs-pra­xis des deut­schen Gesetz­ge­bers und des EuGH. Es bestä­tigt den vom BVerfG ent­wi­ckel­ten unab­ding­ba­ren Gewähr­leis­tungs­an­spruch auf Exis­tenz­si­che­rung. Ich den­ke, dass dazu in abseh­ba­rer Zeit Arbeits­hil­fen für die exis­tenz­si­chern­de Bera­tung erstellt wer­den, in denen die Fein­hei­ten der Auf­ent­halts­grün­de im SGB II, die Recht­spre­chung zur Arbeit im nicht ganz gering­fü­gi­gen Umfang usw zusam­men­ge­stellt wer­den. ” Thomé News­let­ter 34/​2015 vom 5.12.2015 externer Link
    • und es wird bereits gehetzt: Nach Urteil: Mil­li­ar­den­kos­ten durch Sozi­al­hil­fe für EU-Aus­län­der?
      Städ­te und Krei­se fürch­ten Belas­tung durch das Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts. Denn wäh­rend der Bund für die Hartz-IV-Zah­lun­gen auf­kommt, zah­len Kom­mu­nen die Sozi­al­hil­fe allein…” Arti­kel von Jan Hau­ser und Joa­chim Jahn vom 04.12.2015 bei der FAZ online externer Link
    • Kei­nen ver­hun­gern las­sen? Bun­des­so­zi­al­ge­richt: Behör­den müs­sen arbeits­su­chen­den EU-Bür­gern ohne Anspruch auf Hartz IV spä­tes­tens nach sechs Mona­ten Auf­ent­halt Sozi­al­hil­fe zah­len
      Wach­sen­de Arbeits­lo­sig­keit treibt immer mehr EU-Bür­ger auf Job­su­che in rei­che­re Mit­glieds­staa­ten. Jene, die in Deutsch­land kei­ne Stel­le fin­den oder nach kur­zer Zeit wie­der erwerbs­los wer­den, durf­ten bis­lang nicht dar­auf hof­fen, vom Staat unter­stützt zu wer­den. Die Sozi­al­ge­set­ze ver­weh­ren denen, die sich zum Zweck der Arbeits­su­che in der Bun­des­re­pu­blik auf­hal­ten, den Zugang zu exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen. Dem schob das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) nun mit gleich drei Grund­satz­ur­tei­len einen Rie­gel vor. Habe jemand kei­nen Anspruch auf Hartz IV, grei­fe die Sozial­hilfe, befan­den die Kas­se­ler Rich­ter am Don­ners­tag nach­mit­tag. Dies gel­te spä­tes­tens nach sechs Mona­ten, denn dann han­de­le es sich um einen »ver­fes­tig­ten Auf­ent­halt«. Fol­ge­rich­tig sei­en die Sozi­al­äm­ter in sol­chen Fäl­len zur Zah­lung ver­pflich­tet. Vor­her sei die Sozi­al­hil­fe »als Ermes­sens­leis­tung« zu gewäh­ren…” Arti­kel von Chris­ti­na Mül­ler in jun­ge Welt vom 05.12.2015 externer Link. Aus dem Text: “… Aller­dings wie­sen die Rich­ter zugleich dar­auf hin, dass der 2011 von Deutsch­land gel­tend gemach­te »Vor­be­halt« gegen das Euro­päi­sche Für­sor­ge­ab­kom­men (EFA) von 1953 wirk­sam sei. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te mit Ver­weis dar­auf arbeits­su­chen­de EU-Bür­ger vom Hartz-IV-Bezug aus­ge­schlos­sen, um »die Zuwan­de­rung zu brem­sen«. Den Anspruch auf Sozi­al­hil­fe habe sie aber nicht aus­ge­schlos­sen, erklär­te nun das BSG. »Das klingt wie eine Auf­for­de­rung an die Bun­des­re­gie­rung, den Vor­be­halt zu erwei­tern«, mut­maß­te der Wup­per­ta­ler Sozi­al­recht­ler Harald Thomé am Frei­tag im Gespräch mit jW. All­ge­mein hält er das Urteil aber für »bemer­kens­wert«: »Kurz besagt es: Kei­ner darf ver­hun­gern.« Zugleich lege es den Begriff »Arbeits­su­che« wei­ter aus als bis­her. »Danach begrün­den Schul­be­su­che oder Aus­bil­dun­gen von Kin­dern bereits ein wei­ter­ge­hen­des Auf­ent­halts­recht und damit einen Anspruch auf Hartz IV«, erklär­te er.“
    • Aus­schluss von SGB II-Leis­tun­gen für Uni­ons­bür­ger – Sozi­al­hil­fe bei tat­säch­li­cher Auf­ent­halts­ver­fes­ti­gung
      Kom­men­tar von Hel­ge Hil­de­brandt vom 3.12.2015 bei Sozi­al­be­ra­tung Kiel externer Link
    • BSG zu Sozi­al­leis­tun­gen für EU-Bür­ger Mini­mal­leis­tungen auch ohne Auf­ent­halts­recht
      Das BSG hat am Don­ners­tag die umstrit­te­ne Fra­ge geklärt, ob arbeits­lo­se Uni­ons­bür­ger Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen haben. Con­stan­ze Jan­da erklärt, wie Sozi­al­zu­wan­de­rung ver­mie­den, aber men­schen­recht­li­che Ver­bür­gun­gen gesi­chert wer­den sol­len…” Kom­men­tar von Prof. Dr. Con­stan­ze Jan­da vom 04.12.2015 bei lto online externer Link
  • Nur ein­ge­schränkt Hartz-IV für arbeits­su­chen­de EU-Bür­ger. EuGH: Zuwan­de­rer, die nur kur­ze Zeit in Deutsch­land gear­bei­tet haben, haben kei­nen Anspruch auf län­ger­fris­ti­ge Sozi­al­leis­tun­gen
    Wer Sozi­al­hil­fe bekommt und wem sie ver­wei­gert wird, ist eine brenz­li­ge Fra­ge, die ange­sichts der Flücht­lings­wel­len mit neu­en Rei­zun­gen auf­ge­la­den wird. Im letz­ten Jahr war das Haupt­the­ma noch Zuwan­de­rung aus ande­ren EU-Län­dern, “Sozi­al­leis­tungs­tou­ris­mus” war das Zünd­wort dazu. Dass es grö­ße­re Fun­ken schla­gen konn­te, lag auch an einer Rechts­un­si­cher­heit. Aus der EU kamen Signa­le, dass deut­sche Rege­lun­gen von EU-Rege­lun­gen aus­ge­he­belt wer­den könn­ten…” Arti­kel von Tho­mas Pany in tele­po­lis vom 15.09.2015 externer Link
    • Das EU-Kapi­tal im Spal­tungs- und Sozi­al­krieg gegen Euro­pas Arbeits­lo­se und Arme. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof (EuGH) gemein­sam mit der Bun­des­ar­beits­agen­tur im Sozi­al­krieg gegen Euro­pas Arbeits­lo­se und Erwerbs­lo­se.
      Die all­ge­mei­ne bour­geois-treue Bewusst­seins­la­ge der bun­des­deut­schen Werk­tä­ti­gen: In einer UMFRAGE von t‑online.de, am 15. Sep­tem­ber 2015, auf die Fra­ge: „Weni­ger Hil­fen für arbeits­lo­se EU-Bür­ger – ist das Urteil des EuGH gerecht?“, erklär­ten, von 13.984 Teil­neh­mern: “Ja“ = 96,5 %. Mer­ke: Ein vor­läu­fi­ger Aus­druck der his­to­ri­schen Nie­der­la­ge des werk­tä­ti­gen Klas­sen­be­wusst­seins in der modi­fi­ziert kapi­tal-faschis­ti­schen „sozia­len Markt­wirt­schaft“ der “Volks­ge­mein­schaft“ — der Bour­geoi­sie und Aktionär_​innen, und deren hün­di­schen gewerk­schaft­li­chen „Sozialpartner_​innen“ und sozi­al- und gesell­schafts­po­li­ti­schen Admi­nis­tra­tio­nen — in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und deren Kapi­tal-Euro­päi­schen Uni­on…” Kom­men­tar von Rein­hold Schramm vom 15.09.2015
  • Rechts­gut­ach­ten beim EuGH: EU-Aus­län­der sol­len in ers­ten Mona­ten kei­ne Sozi­al­hil­fe erhal­ten
    Deutsch­land darf arbeits­su­chen­den EU-Bür­gern in den ers­ten drei Mona­ten Hartz IV ver­wei­gern – auch wenn sie Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen nach­ge­zo­gen sind. Zu die­sem Urteil kommt ein beim Euro­päi­schen Gerichts­hof vor­ge­leg­tes Rechts­gut­ach­ten. Mel­dung bei Spie­gel online vom 4. Juli 2015 externer Link. Aus dem Text: “… Wann haben arbeits­su­chen­de oder arbeits­lo­se EU-Bür­ger in Deutsch­land den glei­chen Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen wie Deut­sche? Über die genaue recht­li­che Aus­ge­stal­tung der EU-Frei­zü­gig­keit strei­ten Juris­ten seit Mona­ten – meh­re­re Grund­satz­ur­tei­le zu die­sem The­ma ste­hen aus. Jetzt hat Deutsch­land vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH) in Luxem­burg einen Teil­erfolg errun­gen: Nach einem in Luxem­burg vor­ge­leg­ten rich­ter­li­chen Rechts­gut­ach­ten kön­nen EU-Aus­län­der wäh­rend ihrer ers­ten drei Auf­ent­halts­mo­na­te auch dann kein Hartz IV bean­spru­chen, wenn sie Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen nach­ge­reist sind. Für den EuGH ist dies nicht ver­bind­lich, er folgt die­sen Rechts­gut­ach­ten jedoch in den aller­meis­ten Fäl­len…
  • EU-Gut­ach­ten: Migran­ten kön­nen Hartz-IV-Anspruch haben. Arbeits­su­chen­de Schwe­din klagt vor Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes gegen befris­te­te Zah­lung von Hartz-IV-Leis­tun­gen durch Ber­li­ner Job­cen­ter
    Zuwan­de­rer aus EU-Län­dern, die in Deutsch­land kurz­zei­tig gear­bei­tet haben, dür­fen nach Ansicht des EU-Gene­ral­an­wal­tes Mel­chi­or Wathe­let nicht auto­ma­tisch von Hartz-IV-Leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den. Viel­mehr müs­se es eine indi­vi­du­el­le Prü­fung über eine »tat­säch­li­che Ver­bin­dung mit dem Auf­nah­me­mit­glied­staat« geben, unter­streicht Wathe­let in einem am Don­ners­tag in Luxem­burg vor­ge­leg­ten Rechts­gut­ach­ten. Das Doku­ment gilt als Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Rich­ter des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes, die in eini­gen Mona­ten ein Urteil spre­chen sol­len. (Az: C‑67/​14)...” Mel­dung vom 26.03.2015 in Neu­es Deutsch­land online externer Link
  • EuGH bekräf­tigt Aus­schluss von Hartz-IV für bestimm­te EU-Zuwan­de­rer
    Das Gericht ent­schei­det, dass nicht erwerbs­tä­ti­ge Zuwan­de­rer aus EU-Staa­ten, die “allein mit dem Ziel, in den Genuss von Sozi­al­leis­tun­gen zu kom­men”, von den Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung aus­ge­schlos­sen sind…” Arti­kel von Tho­mas Pany in tele­po­lis vom 11.11.2014 externer Link und das Urteil im Wort­laut externer Link sowie Kom­men­ta­re:
    • Nicht arbeits­su­chen­de EU-Aus­län­de­rin nur ein Son­der­fall
      Aus­schluss von Sozi­al­leis­tun­gen für EU-Zuwan­de­rer: Juris­ten bemän­geln, dass das aktu­el­le EuGH-Urteil in vie­len Fäl­len kei­ne Rechts­si­cher­heit gibt
      Die Ent­schei­dung des EuGH zum Hartz-IV-Aus­schluss für bestimm­te EU-Zuwan­de­rer wur­de von Kom­mu­nen begrüßt und von CSU-Poli­ti­kern als “ziel­füh­rend” bezeich­net. Es zeigt sich aller­dings auch, dass das Urteil vie­le Fra­gen offen lässt. Man schielt nach dem nächs­ten exem­pla­ri­schen Fall, der vor den Euro­päi­schen Gerichts­hof kommt, denn maß­geb­lich ist das jüngs­te Urteil nicht für die Fäl­le, die für die meis­ten Dis­kus­sio­nen sor­gen
      …” Arti­kel von Tho­mas Pany in tele­po­lis vom 13.11.2014 externer Link
    • Die Gren­zen der Frei­zü­gig­keit. Euro­päi­scher Gerichts­hof setzt mit sei­nem Hartz-IV-Urteil ein Zei­chen
      Die Ent­schei­dung des EuGH, dass zuge­zo­ge­nen EU-Bür­gern die Sozi­al­leis­tun­gen vor­ent­hal­ten wer­den kön­nen, passt jenen Staa­ten gut ins Kon­zept, die die Frei­zü­gig­keit ein­schrän­ken wol­len…” Arti­kel von Fabi­an Lam­beck im ND online vom 12.11.2014 externer Link
  • Vor­wurf Sozi­al­miss­brauch: Schma­rot­zen auf Deutsch
    Arbeits­mi­gran­ten, die in Deutsch­land Hartz IV abgrei­fen? Von wegen. Sozi­al­miss­brauch fin­det nicht bei ihnen statt, son­dern bei deut­schen Unter­neh­men…” Arti­kel von Domi­ni­que John in der taz online vom 01.06.2014 externer Link. Aus dem Text: “… Sozi­al­miss­brauch, so wird insi­nu­iert, fin­det auf Sei­ten der Wan­der­ar­bei­ter statt. Mit der Rea­li­tät hat die­se Sicht auf die Din­ge aller­dings wenig zu tun. Es gibt noch eine ande­re Art, wie die Sache mit dem Sozi­al­miss­brauch zu sehen ist. Die nimmt jene Unter­neh­men in den Blick, die durch sozia­len Miss­brauch an Wan­der­ar­bei­tern Pro­fit machen; Unter­neh­men, die in Deutsch­land ansäs­sig sind. (…) Ern­te­hel­fer bekom­men mit­un­ter deut­lich weni­ger als 4 Euro Stun­den­lohn, und das für einen 15-Stun­den-Tag. Bau­ar­bei­ter, das letz­te Glied in der Sub­sub­fir­men­spi­ra­le, wer­den um ihre Löh­ne gebracht. Nicht nur der Flug­ha­fen BER wur­de teil­wei­se von Wan­der­ar­bei­tern, die nicht bezahlt wur­den, errich­tet. Auch Hotel­neu­bau­ten in Frank­furts schi­ckem Euro­pa­vier­tel kamen mit die­ser Aus­beu­tungs­pra­xis in die Schlag­zei­len. Ganz neben­bei wird der Staat durch sol­che Prak­ti­ken um Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge betro­gen. Es ist Sozi­al­miss­brauch, den sich die Fir­men unge­hin­dert leis­ten kön­nen. Nie­mand spricht dar­über. Das ist der eigent­li­che Skan­dal. (…) Im Übri­gen wis­sen Prak­ti­ker aus Bera­tungs­stel­len, dass die Annah­me, zustän­di­ge deut­sche Behör­den wür­den groß­zü­gig Leis­tun­gen an arbeits­lo­se EU-Bür­ger ver­ge­ben, falsch ist. Viel­mehr zeigt sich, dass nicht nur die­je­ni­gen, die noch nicht in Deutsch­land gear­bei­tet haben, de fac­to kei­ne Leis­tun­gen bekom­men, son­dern häu­fig auch die­je­ni­gen leer aus­ge­hen, die sowohl nach natio­na­lem als auch nach EU-Recht Anspruch auf Unter­stüt­zung hät­ten…”
  • Auf­fas­sung des EU-Gene­ral­an­walts: Zuwan­de­rer ohne Job haben kei­nen Hartz-IV-Anspruch
    „Dämp­fer für die EU-Kom­mis­si­on: Der Gene­ral­an­walt beim Euro­päi­schen Gerichts­hof stützt die deut­sche Linie im Umgang mit Migran­ten aus EU-Staa­ten. Dem­nach darf die Bun­des­re­pu­blik arbeits­lo­sen Zuwan­de­rern Hartz-IV-Leis­tun­gen ver­wei­gern. Das Gericht folgt dem Plä­doy­er in der Regel…Arti­kel von Roland Preuß in der Süd­deut­schen Zei­tung vom 20. Mai 2014 externer Link. Sie­he dazu:
    • Hartz-IV für EU-Aus­län­der: Inte­gra­ti­on in den Arbeits­markt als zen­tra­les Kri­te­ri­um
      Der Gene­ral­an­walt beim Euro­päi­schen Gerichts­hof unter­stützt SGB-Rege­lun­gen zum Aus­schluss von Sozi­al­leis­tun­gen
      Wie weit las­sen sich deut­sche Bestim­mun­gen zu den Sozi­al­leis­tun­gen mit euro­päi­schem Recht ver­ein­ba­ren? In der zuge­spitz­ten Form, ob das euro­päi­sche Recht deut­sche Bar­rie­ren aus­he­belt, die dem soge­nann­ten “Sozi­al­leis­tungs­tou­ris­mus” vor­ge­scho­ben wer­den, sorgt die Fra­ge ver­läss­lich für Empö­rung, wie sich bei der Ent­schei­dung eines deut­schen Sozi­al­ge­richts (Hartz-IV: “Erheb­li­che Zwei­fel, ob der Leis­t­ung­aus­schluss mit dem EU-Gemein­schafts­recht ver­ein­bar ist”) und bei den Reak­tio­nen auf eine Stel­lung­nah­me der EU-Kom­mis­si­on Anfang des Jah­res (“Hartz-IV auch für Zuwan­de­rer, die nicht aktiv nach einer Arbeit suchen”) zeig­te. Dass sich aus der Stim­mung Kapi­tal für Wahl­kämp­fe schla­gen lässt, beson­ders unter natio­nal­ge­sinn­ten “EU-Skep­ti­kern”, ist kein Geheim­nis. So hal­ten man­che das Datum der Ver­öf­fent­li­chung eines Gut­ach­tens, das für die deut­schen Sozi­al­leis­tungs­be­gren­zun­gen ein­tritt, für kei­nen Zufall
      …” Arti­kel von Tho­mas Pany in tele­po­lis vom 20.05.2014 externer Link
    • Kein Hartz IV für Aus­län­der: Euro­pas Sozi­al­po­li­tik bleibt Flick­werk
      Die Bun­des­re­pu­blik muss arbeits­lo­se Aus­län­der nicht aus­hal­ten. So das Ergeb­nis eines Gut­ach­tens beim Euro­päi­schen Gerichts­hof. Es herrscht wie­der Rechts­si­cher­heit in Deutsch­land – mehr aller­dings auch nicht. Ein Kom­men­tar von Issio Ehrich auf N‑TV vom 20. Mai 2014 externer Link. Aus dem Text: „(…) Der Kon­flikt mit dem Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­bot besteht juris­tisch nicht mehr, bleibt logisch aber erhal­ten. Und das ist nur ein Teil des Pro­blems. Die Debat­te über Armuts­zu­wan­de­rung aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en hat gezeigt, dass die Mehr­zahl der Men­schen, die nach Deutsch­land kom­men, kei­ne “Sozi­al­be­trü­ger” sind, son­dern Wohl­stand und Unab­hän­gig­keit durch Arbeit suchen. Mit sei­nem juris­ti­schen Segen lie­fert der EuGH Rechts­po­pu­lis­ten nun neu­en Stoff für ihre ver­all­ge­mei­nern­de Het­ze. (…) Eines blieb dabei aber stets aus: eine Har­mo­ni­sie­rung der Sozi­al­po­li­tik. Es gibt kei­ne gemein­sa­men Min­dest­stan­dards. Durch die EU ver­läuft eine sozia­le Kluft. Sie führt dazu, dass es über­haupt so etwas wie Sozi­al­tou­ris­mus gibt. Sie führt auch dazu, dass deut­sche Unter­neh­men Bil­lig­ar­beits­kräf­te aus Ost­eu­ro­pa aus­beu­ten kön­nen…
  • Armuts­ein­wan­de­rung: Arbeits­lo­se EU-Bür­ger sol­len nach drei Mona­ten gehen
    Die Bun­des­re­gie­rung möch­te das Pro­blem der Armuts­ein­wan­de­rung nach Infor­ma­tio­nen der F.A.Z. durch eine stär­ke­re Begren­zung des Auf­ent­halts­rechts in Deutsch­land lösen.
    Die Bun­des­re­gie­rung will durch eine Begren­zung des Auf­ent­halts­rechts ver­mei­den, dass arbeits­lo­se EU-Bür­ger nur des­halb nach Deutsch­land kom­men, um Hartz-IV-Sozi­al­leis­tun­gen zu bezie­hen. Zu die­sem Ergeb­nis ist der zustän­di­ge Aus­schuss der Staats­se­kre­tä­re nach Infor­ma­tio­nen der F.A.Z. in einem Zwi­schen­be­richt gekom­men, der am nächs­ten Mitt­woch vor­ge­stellt wer­den soll…” Arti­kel von Corin­na Bud­ras in der FAZ online vom 22.03.2014 externer Link
  • Kom­men­tar zum Vor­la­ge­be­schluss des BSG zu Uni­ons­bür­gern vor den EuGH/​Pra­xis­tipp Bernd Eck­hardt vom ALZ Nürn­berg hat im neu­es­ten sozi­al­recht jus­ta­ment 4/​2013 den Vor­la­ge­be­schluss des BSG an den EuGH kom­men­tiert und bewer­tet. Sie­he den Bei­trag doku­men­tiert bei Harald Thomé externer Link
  • Sozi­al­tou­ris­mus ist Unwort des Jah­resDas Unwort des Jah­res 2013 lau­tet Sozi­al­tou­ris­mus. Das teil­te die Jury unter dem Vor­sitz der Sprach­wis­sen­schaft­le­rin Nina Janich am Diens­tag in Darm­stadt mit. Mit dem Schlag­wort “wur­de von eini­gen Poli­ti­kern und Medi­en gezielt Stim­mung gegen uner­wünsch­te Zuwan­de­rer, ins­be­son­de­re aus Ost­eu­ro­pa, gemacht”, begrün­de­te die Jury ihre Ent­schei­dung…” Agen­tur­mel­dung vom 14. Janu­ar 2014 bei der Zeit online externer Link. Sie­he dazu:
    • “Sozi­al­tou­ris­mus” als Unwort des Jah­res 2013. Schafft die Akti­on “Unwort des Jah­res” tat­säch­lich wie gewollt Sprach­sen­si­bi­li­tät etwa gegen Dis­kri­mi­nie­rung?Im Euro­pa­wahl­jahr hat die Akti­on “Unwort des Jah­res” noch schnell auf die in Deutsch­land von der CSU zuge­spitz­te Debat­te über Zuwan­de­rung aus den armen EU-Län­dern Bul­ga­ri­en und Rumä­ni­en reagiert. “Sozi­al­tou­ris­mus” hat die Jury zum Unwort des Jah­res gekürt. Die CSU hat mit ihrem Slo­gan “Wer betrügt, der fliegt” Angst vor der angeb­lich mas­sen­haf­ten “Armuts­zu­wan­de­rung” geschürt und unter­stellt, dass vor allem die Men­schen aus Bul­ga­ri­en und Rumä­ni­en nach dem Fall der Beschrän­kun­gen für die Frei­zü­gig­keit nach Deutsch­land kom­men, um hier die Sozi­al­sys­te­me aus­zu­beu­ten…” Arti­kel von Flo­ri­an Röt­zer in tele­po­lis vom 15.01.2014 externer Link
  • Armuts­zu­wan­de­rung: Pari­tä­ti­scher for­dert Öff­nung von Hartz IV für EU-Zuwan­de­rerEs sei ein Gebot der Ver­nunft und Mensch­lich­keit, allen EU-Zuwan­de­rern gleich­be­rech­tig­ten Zugang zu Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de zu gewäh­ren, so der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band. Der Ver­band unter­stützt damit die aktu­el­le Kri­tik aus Brüs­sel am deut­schen Sozi­al­recht. Der Pari­tä­ti­sche for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, umge­hend eine ent­spre­chen­de Geset­zes­än­de­rung auf den Weg zu brin­gen. Die Debat­te der letz­ten Tage rund um den poten­ti­el­len Miss­brauch der Sozi­al­sys­te­me kri­ti­siert der Ver­band als in wei­ten Tei­len popu­lis­tisch…” Pres­se­mel­dung vom 10.01.2014 externer Link
  • Angeb­li­che Armuts­zu­wan­de­rung: EU stellt Leit­li­ni­en gegen Sozi­al­tou­ris­mus vorSeit Wochen sorgt die Dis­kus­si­on um angeb­li­che Armuts­zu­wan­de­rer aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en für Schlag­zei­len. Die EU will die Wogen glät­ten und Richt­li­ni­en gegen Sozi­al­tou­ris­mus vor­stel­len…” Agen­tur­mel­dung vom 12.01.2014 bei N24 externer Link
  • Sozi­al­leis­tun­gen für Zuwan­de­rer: Das bekom­men Aus­län­der in Deutsch­landDie Debat­te um deut­sche Sozi­al­leis­tun­gen für Aus­län­der spitzt sich zu: Die EU-Kom­mis­si­on for­dert, dass Deutsch­land arbeits­lo­sen Zuwan­de­rern aus Mit­glied­staa­ten Hartz IV nicht gene­rell ver­weh­ren dür­fe. Die Fra­ge, auf wel­che Leis­tun­gen Aus­län­der Anspruch haben, ist hoch umstrit­ten. Eine Über­sicht…” Arti­kel von Ste­fan Kai­ser im Spie­gel online vom 10.01.2014 externer Link
  • Zuwan­de­rer: Hartz IV für alle!Die EU-Kom­mis­si­on for­dert, allen arbeits­lo­sen EU-Aus­län­dern Hartz IV zu gewäh­ren. Der Auf­schrei ist gewal­tig. Dabei gibt es kei­nen Grund zur Auf­re­gung: Eine sol­che Rege­lung ist längst über­fäl­lig…” Ein Kom­men­tar von Petra Sor­ge vom 10. Janu­ar 2014 bei Cice­ro online externer Link. Aus dem Text: “… Die Argu­men­ta­ti­on der EU-Kom­mis­si­on folgt der Logik, dass Mobi­li­tät in der Uni­on bald nicht mehr nur zeit­lich begrenzt gedacht sein soll. Der mün­di­ge EU-Bür­ger soll also nicht nur das kurz­zei­tig auf einem Arbeits­markt ver­schieb­ba­re Human­ka­pi­tal sein. Er soll nicht nur für ein, zwei Jah­re in ein ande­res Land zie­hen, moder­ner Lohn­no­ma­de sein. Er soll ein Mensch sein, der sich in sei­ner neu­en Hei­mat ver­lie­ben darf, dort eine Fami­lie grün­den kann – und dann nicht gezwun­gen wer­den darf, wegen eines kurz­fris­ti­gen Arbeits­ver­lus­tes alles auf­zu­ge­ben und in sei­ne Geburts­na­ti­on zurück­keh­ren zu müs­sen. Die Men­schen sol­len nicht Objek­te, son­dern Sub­jek­te sein…”
  • Von Hartz IV für Rumä­nen, der bösen EU und nie­de­ren deut­schen Instink­ten Arti­kel von Jörg Well­b­rock ali­as Tom W. Wolf vom 10. Janu­ar 2014 beim Spie­gel­fech­ter externer Link. Aus dem Text: “… Das stimmt. Es ist unfass­bar, mit wel­cher Groß­kot­zig­keit und Arro­ganz die Mei­nung vor­herrscht, wir wür­den ganz Euro­pa ver­sor­gen. Es ist unfass­bar, wie mit auf­rei­zen­der Igno­ranz über­se­hen wird, dass Deutsch­land einen gehö­ri­gen Anteil an der wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge zahl­rei­cher euro­päi­scher Län­der hat. Unfass­bar auch, dass wir seit Jah­ren auf Teu­fel komm raus expor­tie­ren, ohne die nega­ti­ven Fol­gen die­ser Poli­tik auf das euro­päi­sche Aus­land zu beden­ken. Es ist nicht zu fas­sen, dass wir hier­zu­lan­de unter­ir­di­sche Löh­ne zah­len und ande­re Län­der gleich­zei­tig aus­blu­ten. Die Deut­schen sehen sich als Opfer. Als Opfer der Euro-Kri­se. Dabei sind wir Täter! Wir haben durch nicht ein­ge­hal­te­ne Infla­ti­ons­zu­sa­gen Euro­pa gespal­ten, wir haben durch nied­ri­ge Löh­ne und eine extrem hohe Export­ra­te die Bin­nen­nach­fra­ge auf ein his­to­ri­sches Tief gebracht und zur extre­men Ver­schul­dung euro­päi­scher Län­der bei­getra­gen. Wir haben die üppi­gen Gewin­ne deut­scher Groß­un­ter­neh­men in Form von Kre­di­ten ins Aus­land geschafft…”
  • EU-Kom­mis­si­on: Brüs­sel for­dert Hartz IV für arbeits­lo­se EU-Zuwan­de­rerIst das deut­sche Sozi­al­sys­tem rechts­wid­rig? Nach Ansicht der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on darf der Staat EU-Aus­län­dern, die ohne Job nach Deutsch­land kom­men, Hil­fe nicht pau­schal ver­wei­gern. Die Stel­lung­nah­me dürf­te die Debat­te um Zuwan­de­rung wei­ter befeu­ern. Armuts­zu­wan­de­rer müs­sen nach Ansicht der EU-Kom­mis­si­on in Deutsch­land leich­ter Zugang zu Sozi­al­leis­tun­gen erhal­ten. Dies geht aus einer Stel­lung­nah­me der Kom­mis­si­on zu einem Ver­fah­ren vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH) in Luxem­burg her­vor, die der Süd­deut­schen Zei­tung vor­liegt…” Arti­kel von Roland Preuß in der Süd­deut­schen online vom 10. Janu­ar 2014 externer Link
  • Ent­schei­dung aus­ge­setzt: EuGH befin­det über Hartz IV für Aus­län­derDür­fen arbeits­su­chen­de EU-Bür­ger in Deutsch­land Hartz IV bezie­hen? Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die Ent­schei­dung dar­über nach Luxem­burg an die euro­päi­schen Rich­ter ver­wie­sen…” Arti­kel von Corin­na Bud­ras, Kas­sel, in der FAZ online vom 12.12.2013 externer Link
  • Wie das Ost­eu­ro­pä­er-Bashing in Groß­bri­tan­ni­en mit Ein-Euro-Jobs in Duis­burg und dem Kin­der­geld in Offen­bach zusam­men­hängtEs ist eine alt­be­kann­te, eigent­lich abge­dro­sche­ne Flos­kel, das alles mit allem zusam­men­hängt. Zuwei­len aber hilft es, die Teil­kom­po­nen­ten die­ser Zusam­men­hän­ge, die oft­mals des­we­gen nicht gese­hen wer­den, weil sie pri­ma facie soli­tär daher­kom­men, auf­zu­de­cken und an ihnen zu ler­nen. Hier geht es um die bro­deln­de Sup­pe eines zuneh­men­den Rück­falls in natio­nal­staat­li­che Ego­is­men, der ange­rei­chert wird mit zahl­rei­chen gefähr­li­chen Ingre­di­en­zi­en wie kul­tu­rel­len und eth­ni­schen Vor-Urtei­len in Ver­bin­dung mit sozia­len Pola­ri­sie­run­gen inner­halb der Gesell­schaft. Reden wir also bei­spiels­wei­se über Groß­bri­tan­ni­en und des­sen Pre­mier­mi­nis­ter David Came­ron. Der hat ganz offen­sicht­lich ein Euro­pa- oder sagen wir kor­rek­ter ein EU-Pro­blem, denn die ist auf sei­ner Insel in etwa so ange­se­hen wie die Fran­zo­sen an sich. Also gar nicht. Das Pro­blem für ihn ist: Das Ver­ei­nig­te König­reich ist Mit­glied der EU und als sol­ches gebun­den an die Grund­rech­te, die man sich inner­halb die­ses insti­tu­tio­na­li­sier­ten Teils der euro­päi­schen Völ­ker­fa­mi­lie gege­ben hat. Dazu zählt auch die Frei­zü­gig­keit der EU-Bür­ger inner­halb der EU. Dem Durch­schnitts-Deut­schen kommt das vor allem bei einer sei­ner Lieb­lings-Tätig­kei­ten zugu­te, also dem Urlaub machen in ande­ren Län­dern, denn dann kann man ein­fach so über die ima­gi­när gewor­de­nen Gren­zen rei­sen, wenn es sich um EU-Län­der han­delt. Das gilt aber auch für Arbeits­kräf­te auf der Suche nach ihrem ganz per­sön­li­chen Glück, das weni­ger was mit Son­ne und bade­wan­nen­was­ser­war­men Mit­tel­meer zu tun hat, son­dern mit Staa­ten, denen es öko­no­misch bes­ser geht als dem, aus dem die­se Men­schen weg gehen…” Arti­kel von und bei Ste­fan Sell vom 1. Dezem­ber 2013 externer Link
  • Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len: “Hartz IV” – Anspruch auch für EU-Bür­ger aus Rumä­ni­en: Aus­nahms­lo­ser Leis­tungs­aus­schluss für arbeit­su­chen­de EU-Bür­ger euro­pa­rechts­wid­rig.Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len hat erneut in einem Beru­fungs­ver­fah­ren über den Anspruch rumä­ni­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger auf Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (“Hartz IV”) ent­schie­den. (…) Soweit die soge­nann­te Uni­ons­bür­ger­richt­li­nie (Richt­li­nie 2004/​38) den Mit­glied­staa­ten erlau­be, ein­schrän­ken­de Rege­lun­gen zur Ver­mei­dung von soge­nann­tem Sozi­al­tou­ris­mus vor­zu­se­hen, sei dies nicht in die­ser im Sozi­al­ge­setz­buch II ent­hal­te­nen unbe­ding­ten und umfas­sen­den Form mög­lich. Die Richt­li­nie ver­lan­ge eine bestimm­te Soli­da­ri­tät des auf­neh­men­den Staa­tes Deutsch­land mit den ande­ren Mit­glied­staa­ten. Das erfor­de­re unter dem Blick­win­kel der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit Rege­lun­gen, wonach abhän­gig von den indi­vi­du­el­len Umstän­den Leis­tun­gen im Ein­zel­fall jeden­falls aus­nahms­wei­se mög­lich sein müs­sen. In die­ser Auf­fas­sung sieht sich der Senat durch die neu­es­te Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs bestä­tigt (EuGH Urteil vom 19.09.2013 C‑140/​12). Wegen die­ser Grund­satz­fra­gen, die nicht nur die neu­en Uni­ons­bür­ger aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en, son­dern im Grund­satz alle EU-Bür­ger betref­fen, hat der Senat die Revi­si­on zuge­las­sen. (Urteil vom 28.11.2013 – L 6 AS 130/​13).” Pres­se­mit­tei­lung vom 29.11.2013 externer Link
  • Hartz IV für EU-Aus­län­der: Auch Euro­pa­recht ver­langt ein Exis­tenz­mi­ni­mumDas Urteil des Baye­ri­schen LSG, einem arbeits­lo­sen Ita­lie­ner Hartz IV zu gewäh­ren, hat­te die Öffent­lich­keit gar nicht wahr­ge­nom­men. Erst als das LSG NRW ver­gan­ge­ne Woche eine ähn­li­che Ent­schei­dung im Fall eines Rumä­nen traf, war der Auf­schrei groß. Dabei lie­gen die Gerich­te letzt­lich nur auf einer Linie mit euro­pa- und völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen…” Arti­kel von Rei­mund Schmidt-De Calu­we vom 16.10.2013 bei LTO externer Link
  • LSG Ber­lin-Bran­den­burg will Men­schen­wür­de nur für Deut­sche. Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de soll „Hartz IV“ für EU-Bür­ger sichernDas deut­sche Sozi­al­recht sieht vor, dass EU-Bür­ger, die sich in Deutsch­land zur Arbeits­su­che auf­hal­ten kei­ne „Hartz IV“ Leis­tun­gen bezie­hen dür­fen. Ob die­se Geset­zes­la­ge ver­fas­sungs- und euro­pa­rechts­kon­form ist, ist seit lan­gem sehr umstrit­ten. In zahl­rei­chen Eil­ver­fah­ren dazu hat die Mehr­zahl der Sozi­al­ge­rich­te erheb­li­che Zwei­fel an der Euro­pa­recht­mä­ßig­keit die­ser Rege­lung geäu­ßert und daher vor­läu­fig Leis­tun­gen bewil­ligt, bis eine end­gül­ti­ge Klä­rung in den jewei­li­gen Kla­ge­ver­fah­ren erfol­gen kann. Als ers­tes hat nun das LSG NRW am 11.10.2013 in einem Urteil ent­schie­den, dass der Aus­schluss von EU-Bür­gern für Sozi­al­leis­tun­gen rechts­wid­rig ist. Dane­ben sind Revi­sio­nen beim BSG anhän­gig, um eine grund­sätz­li­che Klä­run­gen zu die­ser Fra­ge her­bei­zu­füh­ren. Da Kla­ge­ver­fah­ren bei Sozi­al­ge­rich­ten wegen Über­las­tung der Gerich­te oft Jah­re dau­ern, sind die Betrof­fe­nen auf Eil­ver­fah­ren bei den Sozi­al­ge­rich­ten ange­wie­sen. Ange­sichts der sehr umstrit­te­nen Rechts­la­ge, der über­wie­gen­den Ansicht, dass ein Leis­tungs­aus­schluss für EUBür­ger euro­pa­rechts­wid­rig ist und dass das BVerfG klar­ge­stellt hat, dass der Anspruch auf eine Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums ein Men­schen­recht ist, füh­ren die Sozi­al­ge­rich­te im Eil­ver­fah­ren eine sog. Fol­gen­ab­wä­gung durch. Dabei wird das Inter­es­se am Über­le­ben der Betrof­fe­nen gegen das Inter­es­se des Staa­tes auf Aus­schluss die­ser Betrof­fe­nen von Sozi­al­leis­tun­gen abge­wo­gen. Die­se Abwä­gung führt dann dazu, dass Leis­tun­gen vor­läu­fig, zunächst als Dar­le­hen, bewil­ligt wer­den. Der 29. Senat des LSG Ber­lin-Bran­den­burg weicht seit län­ge­rem stark von der all­ge­mei­nen Pra­xis ab. So ver­wei­gert er bereits eine Fol­gen­ab­wä­gung und stellt sich auf den Stand­punkt, der Aus­schluss von EU-Bür­gern von „Hartz IV“ Leis­tun­gen sei nicht zu bean­stan­den und die Betrof­fe­nen könn­ten ja ihre Hilfs­be­dürf­tig­keit durch Aus­rei­se in ihr Hei­mat­land been­den. (…) Der Repu­bli­ka­ni­sche Anwalts­ver­ein (RAV) und die Ver­ei­ni­gung Demo­kra­ti­scher Juris­tin­nen und Juris­ten (VDJ) ver­ur­teilt die­se Pra­xis, die Rechts­un­si­cher­heit schafft und die EU-Bür­ger­schaft ent­wer­tet. Ins­be­son­de­re die extrem restrik­ti­ve Recht­spre­chung des 29. Senats des LSG Ber­lin-Bran­den­burg sei nicht hin­nehm­bar.” Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung des VDJ und RAV vom 14.10.2013 externer Link
  • Sozi­al­leis­tun­gen für EU-Bür­ger: Ein Urteil mit Pfer­de­fuß Das jüngs­te Urteil zu Hartz IV für Rumä­nen ist kei­nes­wegs so groß­zü­gig wie vie­le glau­ben. Denn das Auf­ent­halts­recht ist in Gefahr. Arti­kel von Chris­ti­an Rath vom 14. 10. 2013 in der taz online externer Link. Aus dem Text: “… Tat­säch­lich ist das Esse­ner Urteil über­haupt nicht roma-freund­lich – im Gegen­teil: es ent­hält eine unver­hoh­le­ne Auf­for­de­rung, arbeits­lo­se Roma bald­mög­lichst abzu­schie­ben. (…) Auch wenn die betrof­fe­ne Fami­lie für die Ver­gan­gen­heit Hartz IV bekom­men soll, so beschreibt das LSG damit kei­nen Dau­er­zu­stand. Es bezeich­net die Roma näm­lich als „EU-Bür­ger ohne Auf­ent­halts­grund“. Für Hol­ger Schön­feld, den Anwalt der Gel­sen­kir­che­ner Fami­lie, ist das „eine deut­li­che Auf­for­de­rung an die Aus­län­der­be­hör­den, nun die auf­ent­halts­recht­li­chen Kon­se­quen­zen zu zie­hen“. (…) Es ist also ein recht­li­cher Nach­teil, wenn man als „nicht arbeits­su­chend“ ein­ge­stuft wird, denn dann kann ein Hartz IV-Antrag zum Ver­lust des Auf­ent­halts­rechts füh­ren. Das LSG NRW will EU-Bür­ger dann als „nicht arbeits­su­chend“ ein­stu­fen, wenn das Bemü­hen um eine Arbeits­stel­le „objek­tiv aus­sichts­los“ ist.. (…) Die ent­schei­den­de juris­ti­sche Fra­ge hat das LSG aller­dings gar nicht ange­packt. Umstrit­ten ist näm­lich vor allem, ob es über­haupt zuläs­sig ist, arbeits­su­chen­de EU-Bür­ger von Hartz IV aus­zu­schlie­ßen. Vie­le Juris­ten und auch deut­sche Gerich­te sehen in der gesetz­li­chen Aus­schluss­klau­sel einen Ver­stoß gegen EU-Recht, das die Gleich­be­hand­lung von EU-Bür­gern for­dert...”
  • Nach Urteil über Hartz-IV für Migran­ten: Fried­rich warnt vor Zuwan­de­rungFür den Innen­mi­nis­ter ist das Boot voll. Er befürch­tet, mehr Zuwan­de­rung ins deut­sche Sozi­al­sys­tem. Die SPD spricht von „Zynis­mus“…” Arti­kel in der taz online vom 12. 10. 2013 externer Link
  • Leis­tungs­aus­schluss von Unionsbürger_​innen auf der Kip­pe – oder: Der lan­ge Abschied von der Sozi­al­po­li­tik nach Haus­her­ren-ArtDer Leis­tungs­aus­schluss von nur arbeit­su­chen­den Unionsbürger_​innen von den Leis­tun­gen des SGB II (und damit dem offi­zi­el­len men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­um) steht erfreu­li­cher­wei­se end­lich ernst­haft auf der Kip­pe: Nach­dem jah­re­lang fast kei­ne Haupt­sa­che­ent­schei­dun­gen (son­dern nur Eil­be­schlüs­se) vor den Lan­des­so­zi­al­ge­rich­ten zu die­ser Grund­satz­fra­ge ergan­gen sind, haben in den letz­ten Wochen gleich drei LSG (Hes­sen, Bay­ern und NRW – das Urteil hier­zu liegt mir noch nicht vor) posi­ti­ve Urtei­le zu die­ser Fra­ge gefällt. Hin­zu kommt ein eben­falls posi­ti­ves Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 30. Janu­ar 2013. In sämt­li­chen genann­ten Urtei­len wird zuguns­ten der Kläger_​innen aus Uni­ons­staa­ten ein Leis­tungs­an­spruch fest­ge­stellt. Die Begrün­dun­gen sind aller­dings durch­aus unter­schied­lich, so dass die Argu­men­ta­ti­on hier jeweils noch ein­mal kurz dar­ge­stellt wer­den soll. Es ist abseh­bar, dass mit die­sen ganz über­wie­gend posi­ti­ven Ent­schei­dun­gen der pau­scha­le Leis­tungs­aus­schluss recht­lich kaum noch halt­bar sein dürf­te und es somit jetzt noch aus­sichts­rei­cher ist, gegen eine Ableh­nung des Job­cen­ters vor dem Sozi­al­ge­richt erfolg­reich zu sein…” Bei­trag von und bei GGUA Flücht­lings­hil­fe vom 11.10.2013 externer Link
  • EU-Bür­ger, die lan­ge genug in Deutsch­land leben und nach Arbeit suchen, haben Anspruch auf ALG II Das Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len spricht einer rumä­ni­schen Fami­lie den Anspruch auf Hartz-IV zu. Dos­sier von Tho­mas Pany in tele­po­lis vom 11.10.2013 externer Link
  • Ver­geb­li­che Job­su­che in Deutsch­land: Gericht spricht EU-Bür­gern Hartz IV zu ‘Es ist ein Urteil, das die Kas­sen von Städ­ten und Kom­mu­nen erheb­lich belas­ten könn­te: EU-Bür­ger, die hier­zu­lan­de erfolg­los eine Arbeit suchen, haben einen Anspruch auf Unter­stüt­zung mit Hartz IV. EU-Bür­ger ohne Arbeit, die sich schon lan­ge in Deutsch­land auf­hal­ten, haben nach einem Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts in Essen ein Recht auf Hartz IV-Unter­stüt­zung. Das Gericht sprach einer in Gel­sen­kir­chen leben­den vier­köp­fi­gen Fami­lie aus Rumä­ni­en einen Anspruch auf Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zu. Gegen das Urteil ist Revi­si­on zuge­las­sen…” Agen­tur­mel­dung vom 10.10.2013 bei n24 externer Link
  • Deutsch­lands Hartz-IV-Selek­ti­on in Euro­pa besei­ti­gen! “»Exper­ten sehen das Urteil kri­tisch, der [sozi­al­de­mo­kra­ti­sche] Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band begrüßt es jedoch als „Sieg der Ver­nunft“. {…} „Es ist ein Gebot sowohl der Mit­mensch­lich­keit als auch der Ver­nunft, allen euro­päi­schen Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­gern end­lich gleich­be­rech­tig­ten Zugang zu Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de zu gewäh­ren“, sag­te Ulrich Schnei­der, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­ban­des.« (Vgl. Tages­zei­tung)
  • Das Kapi­tal und sein EU-Klas­sen­kampf: Jeder gegen Jeden Wer mehr als 25 bzw. 30-Voll­zeit­ar­beits­jah­re in der rea­len Wert­schöp­fung der kapi­ta­lis­ti­schen Lohn­ar­beit geleis­tet hat, der muss in Deutsch­land einen Anspruch auf ein aus­kömm­li­ches Arbeits­lo­sen­geld haben, – unab­hän­gig vom Geschlecht und von sei­ner Her­kunft –, ohne im Hartz-IV-Straf­voll­zug für Erwerbs­lo­se zu lan­den, und ohne in Alters­ar­mut – mit Ren­ten-Abschlä­gen – zu lan­den! Ansons­ten muss man das BDI-Quandt­sche und BDA-Hundt­sche CDU-CSU-SPD-Mer­kel-EU-Sys­tem der Bour­geoi­sie und deren „Sozi­al­part­ner“ besei­ti­gen! Dies wäre ein berech­tig­ter Akt der Selbst­ver­tei­di­gung, auch gegen deren staat­lich-euro­päi­sche Jus­tiz, der Klas­sen­jus­tiz der deut­schen und euro­päi­schen Bour­geoi­sie und Erb­schafts-Mil­li­ar­dä­re* (*- ohne deren per­sön­li­che Wert­schöp­fung und Arbeits­leis­tung)! Auf­wa­chen, bra­ve treu­deutsch-euro­päi­sche Arbeits- und Lohn­mi­chels! (?) Vgl.: Sozi­al­leis­tun­gen für EU-Bür­ger: Hartz ohne Vor­lauf – Kom­men­ta­re – taz​.de, 12.10.2013 externer Link ” Kom­men­tar von Rein­hold Schramm vom 13.10.2013
  • Und sie­he gegen all die nei­di­sche Het­ze den Kom­men­tar vom Herr Z. vom 10.10. 19:28 im tache­les­fo­rum externer Link: wer hät­te denn statt­des­sen das Exis­tenz-Mini­mum decken kön­nen?Art. 1 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip des Art. 20 Abs. 1 GG garan­tiert ein Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums (vgl. BVerfGE 125, 175). Art. 1 Abs. 1 GG begrün­det die­sen Anspruch als Men­schen­recht. Er umfasst sowohl die phy­si­sche Exis­tenz des Men­schen als auch die Siche­rung der Mög­lich­keit zur Pfle­ge zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen und ein Min­dest­maß an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben. Das Grund­recht steht deut­schen und aus­län­di­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen, die sich in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­hal­ten, glei­cher­ma­ßen zu.” BVerfG, 1 BvL 10/​10 vom 18.7.2012 externer Link

Der Bei­trag Hartz IV-Anspruch für EU-Migran­ten: “EU-Bür­ger-Aus­schluss­ge­setz” erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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