[labournet:] Solidarität in Zeiten von Corona – und linke Widerstandsstrukturen

Dossier

"make the rich pay for Covid19!" Wir danken den Industrial Workers of the World im deutschsprachigen Raum [IWW]

Wir dan­ken den Indus­tri­al Workers of the World im deutsch­spra­chi­gen Raum [IWW] für das neue Bild zum Dos­sier!

Coro­na setzt den All­tag außer Kraft. Doch wäh­rend Schu­len, Unis und Loka­le schlie­ßen, müs­sen vie­le Men­schen wei­ter in die Arbeit gehen, trotz Anste­ckungs­ge­fahr. Es zeigt sich eine Welt, die den Pro­fit über die Gesund­heit der Ein­zel­nen stellt. Dage­gen braucht es Soli­da­ri­tät und lin­ke Per­spek­ti­ven (…) Vie­le pre­kär oder selbst­stän­dig Beschäf­tig­te müs­sen die Risi­ken, die durch Coro­na ent­ste­hen, selbst tra­gen. (…) Poli­tisch bedeu­tet das, dass wir uns für eine Reduk­ti­on der Arbeits­zeit ein­set­zen müs­sen, um die Anste­ckungs­ge­fahr am Arbeits­platz ein­zu­däm­men – und uns damit gegen jene stel­len, die gewöhnt sind, das (eige­ne) Geld über die Gesund­heit (der ande­ren) zu stel­len. Die Ver­ein­bar­keit von Gesund­heits­schutz und Erwerbs­ar­beit wird ein Kon­flikt­herd wer­den. Eltern brau­chen im Fal­le der Schlie­ßung von Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen eine Ent­gelt­fort­zah­lung, um zu Hau­se blei­ben zu kön­nen. Kün­di­gun­gen müs­sen ver­hin­dert und Miet- wie ande­re Zah­lun­gen gege­be­nen­falls auf­ge­scho­ben wer­den. Statt Unter­neh­men soll­ten die öffent­li­chen Gel­der, die EU und natio­na­le Regie­run­gen der­zeit in die Hand neh­men, jenen zugu­te kom­men, die von Ein­kom­mens­aus­fäl­len und Zah­lungs­pro­ble­men exis­ten­ti­ell bedroht sind. (…) Als Lin­ke dür­fen wir aber nicht auf der Ebe­ne der theo­re­ti­schen Kri­tik ste­hen blei­ben, son­dern müs­sen im All­tag von Men­schen kon­kret nütz­lich sein. Coro­na stellt uns nicht nur vor gesund­heit­li­che, son­dern vor weit­rei­chen­de gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen. Zum einen befeu­ert die Epi­de­mie ein gegen­sei­ti­ges Miss­trau­en und eine Ell­bo­gen­men­ta­li­tät, die sich in den Ereig­nis­sen der letz­ten Wochen offen­bart. (…) Soli­da­ri­sches Han­deln auf Grund­la­ge die­ses kol­lek­ti­ven Bewusst­seins ist die Art und Wei­se, wie wir der Panik und auto­ri­tä­ren Sehn­süch­ten ent­ge­gen­wir­ken kön­nen und die Kri­se am bes­ten über­ste­hen…” Arti­kel von Cami­lo Moli­na und Tere­sa Petrik vom 13. März 2020 bei mosa​ik​-blog​.at externer Link – sie­he hier wei­te­re Bei­trä­ge zu aktu­el­len Ansät­zen (für lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ven sie­he das Dos­sier (Blei­ben­de?) Leh­ren aus der Coro­na­kri­se für post­ka­pi­ta­lis­ti­sche Zei­ten):

  • Kol­lek­tiv dage­gen­hal­ten: Kli­ma­kri­se und Pan­de­mie, Poli­zei­ge­walt und Black Lives Mat­ter, Riots in Stutt­gart und Frank­furt, Pro­tes­te in Bela­rus und im Liba­non: Über die Momen­te der Gegen­wehr im dys­to­pi­schen Jahr 2020 New
    “Erst gehen Tei­le des Pla­ne­ten in Flam­men auf, rie­si­ge Land­stri­che unter ande­rem in den USA, Aus­tra­li­en und Bra­si­li­en wer­den auf Jah­re hin­weg ver­wüs­tet, gleich­zei­tig tobt eine sich rasend aus­brei­ten­de töd­li­che Pan­de­mie, Zehn­tau­sen­de ster­ben, Mil­lio­nen Men­schen befin­den sich ein­ge­schlos­sen in Lock­down und Qua­ran­tä­ne. Dem sozia­len Aus­nah­me­zu­stand und dem auto­ri­tä­ren poli­zei­li­chen Zugriff an eini­gen Orten folgt die dras­ti­sche Aus­wei­tung der in den Jah­ren zuvor schon sicht­ba­ren glo­ba­len Riots, als nach dem Tod von Geor­ge Floyd in Min­nea­po­lis nicht nur die sozia­le Fra­ge son­dern auch der jahr­zehn­te­lang ver­nach­läs­sig­te Ras­sis­mus dis­ku­tiert wur­den. Was wie ein dra­ma­tur­gisch über­spitz­tes Dreh­buch eines der heu­te übli­chen apo­ka­lyp­ti­schen Hol­ly­wood-Block­bus­ter wirkt, die zuneh­mend auch Ras­sis­mus und sozia­le Aus­gren­zung the­ma­ti­sie­ren und damit Kas­se machen, ist die knap­pe Zusam­men­fas­sung der glo­bal ein­schnei­den­den Ereig­nis­se im ers­ten Halb­jahr 2020. Die zwei­te Hälf­te die­ses bis­her so ereig­nis­rei­chen Jah­res ist noch nicht zu Ende. Wer zahlt für die Kri­se? Geht das auto­ri­tä­re markt­kon­for­me Ver­tei­lungs­sys­tem ein­fach wei­ter? In einer ver­schärf­ten Form mit »chi­le­ni­schen Ver­hält­nis­sen« für alle? Geht der auto­ri­tä­re Rechts­ruck in die nächs­te Run­de? Oder wird erfolg­reich um sozia­le, öko­no­mi­sche und kul­tu­rel­le Teil­ha­be gekämpft? För­dert die Coro­na­kri­se sogar kol­lek­ti­ve Orga­ni­sie­run­gen von unten? Ste­hen wir gar am Anfang einer neu­en Wel­le eman­zi­pa­to­ri­scher Kämp­fe? (…) In Alfon­so Cua­rons Film »Child­ren of Men« (2006) wird eine spät­ka­pi­ta­lis­ti­sche Welt ent­wor­fen, die kurz vor dem Unter­gang steht und in der jeg­li­che Staat­lich­keit sich in auto­ri­tä­re Gewalt ver­kehrt, wäh­rend gleich­zei­tig auf sehr unter­schied­li­che Art gegen die­se Herr­schaft gekämpft wird. So weit wie in »Child­ren of Men« sind wir noch lan­ge nicht, wenn­gleich uns das ers­te Halb­jahr 2020 ein­deu­tig ein Stück wei­ter in die­se Rich­tung gescho­ben hat. Aber gleich­zei­tig neh­men die Kämp­fe gegen Ras­sis­mus und auto­ri­tä­re Zurich­tung immer mehr zu, denn in dem dys­to­pi­schen Moment steckt mehr uto­pi­sches Poten­zi­al, als es im ers­ten Moment den Anschein hat. Man muss den poli­ti­schen Gehalt der sich über­schla­gen­den Ereig­nis­se eben­so sicht­bar machen wie dis­ku­tie­ren. Sonst könn­te bald das ohn­mäch­ti­ge Gefühl über­hand­neh­men, in einem schlech­ten Hol­ly­wood-Film ver­lo­ren zu gehen.” Bei­trag von Flo­ri­an Schmid bei neu­es Deutsch­land vom 14. Sep­tem­ber 2020 externer Link
  • Dos­sier: [Bun­des­wei­ter Akti­ons­tag am 19. Sep­tem­ber 2020] Wer hat der Gibt: Die Rei­chen müs­sen für die Kri­se zah­len
  • Bun­des­wei­ter Akti­ons­tag am 18.07.2020: Ob Coro­na­kri­se oder Wirt­schafts­kri­se – #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken – Bericht 
    Ein Virus geht um auf der Welt. Gan­ze Sek­to­ren des öffent­li­chen Lebens kom­men zum Still­stand. In man­chen Län­dern sind die Kapa­zi­tä­ten der Gesund­heits­sys­te­me hoff­nungs­los über­las­tet, kran­ke Men­schen kön­nen nicht behan­delt wer­den. Mil­lio­nen von Men­schen sind direkt von Kurz­ar­beit oder Ent­las­sun­gen betrof­fen – alle, die kein dickes Bank­kon­to haben, schau­en in eine mehr als unsi­che­re Zukunft. All das wegen einem Virus? Nicht ganz. Der Virus war das Tröpf­chen, wel­ches das Fass zum Über­lau­fen brach­te. (…) Konn­ten nach der Kri­se 2008 die meis­ten Kri­sen­fol­gen noch in die süd­li­chen Rän­der der euro­päi­schen Uni­on abge­scho­ben wer­den, wird die­ses Mal auch in Deutsch­land gewü­tet und auch die letz­ten Res­te von Sozi­al­staat und erkämpf­ten Arbeiter*innen-Rechte beschnit­ten wer­den. Doch nicht nur das. Auch Frei­heits­rech­te, wie Ver­samm­lungs­frei­heit, Streiks und das simp­le Recht über eine Stra­ße lau­fen zu dür­fen, ohne von der Poli­zei kon­trol­liert zu wer­den, sind schon jetzt mas­siv ein­ge­schränkt. Mögen man­che Maß­nah­men in Zei­ten einer Pan­de­mie durch­aus Sinn erge­ben, sind sie aktu­ell vor allem eines: Eine Vor­be­rei­tung auf kom­men­de Pro­tes­te und Bewe­gun­gen, die sich gegen die Herr­schaft der Rei­chen und Mäch­ti­gen auf­leh­nen! Und zur Auf­leh­nung haben wir allen Grund: Wir sind die, die all die schö­nen Sachen her­stel­len oder ein­räu­men, die dann ver­kauft wer­den kön­nen – wir sind die Industriearbeiter*innen, die Handwerker*innen, die Verkäufer*innen. Wir sind es, die dafür sor­gen, dass wir alle gesund sind, unse­re Kin­der auf­zie­hen und uns um das gan­ze „Drum­her­um“ küm­mern – die Pfleger*innen, die Erzieher*innen, die Bus- und Bahnfahrer*innen, die Putz­kräf­te. Wir haben die Kri­se nicht ver­bro­chen, und den­noch sol­len wir nun die Fol­gen tra­gen? Wir sol­len „den Gür­tel enger schnal­len“, weil wir jetzt „alle in einem Boot sit­zen“? Wir sit­zen alle in einem Boot – die Kapi­ta­lis­ten, die Bos­se und Mana­ger in einem ande­ren…” Auf­ruf von und bei der #nicht­au­fun­se­rem­rü­cken-Ver­net­zung auf deren Akti­ons­sei­te externer Link und dazu:
    • Mit links gegen die Kri­se
      Die Coro­na-Pan­de­mie bedeu­tet eine glo­ba­le Kri­se des Kapi­ta­lis­mus mit­samt sei­ner alles durch­drin­gen­den, an Pro­fit und Ren­di­ten aus­ge­rich­te­ten Gesund­heits- und Wirt­schafts­po­li­tik. Wäh­rend sich die staat­li­chen Restrik­ti­ons­maß­nah­men auf allen gesell­schaft­li­chen Ebe­nen über­schlu­gen, wirk­ten gro­ße Tei­le der revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken hier­zu­lan­de gelähmt und hand­lungs­un­fä­hig. Die Dyna­mik und Rigo­ro­si­tät staat­li­cher Maß­nah­men sorg­ten in lin­ken Grup­pen ange­sichts der über­wie­gend auto­no­men Orga­ni­sa­ti­ons­for­men für Rat­lo­sig­keit. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le und ritua­li­sier­te Ple­na wur­den über Nacht wei­test­ge­hend lahm­ge­legt. Klas­si­sche Akti­ons­for­men waren plötz­lich nicht mehr mög­lich und revo­lu­tio­när-lin­ke Inhal­te waren dadurch noch weni­ger wahr­nehm­bar. Es fehl­ten hand­lungs- und ent­schei­dungs­fä­hi­ge Struk­tu­ren, die trotz der Aus­nah­me­si­tua­ti­on in der Lage waren, die Coro­na-Kri­se poli­tisch dafür zu nut­zen, Alter­na­ti­ven und Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen. Die radi­ka­le Lin­ke hat damit ihre Hand­lungs­un­fä­hig­keit in Kri­sen­si­tua­tio­nen gezeigt. Ange­sichts des neo­na­zis­ti­schen Ter­rors von NSU 2.0, rech­ter Prep­per-Grup­pen und der grö­ße­ren Anzahl auf­ge­deck­ter rech­ter Ter­ror­zel­len sowie des Ver­suchs der AfD, par­la­men­ta­ri­sche Macht zu gewin­nen, eine schau­ri­ge Erkennt­nis. Vor allem wenn wir uns vor Augen füh­ren, dass der Staat mit sei­nen Insti­tu­tio­nen nicht sel­ten eine stüt­zen­de Rol­le im Auf­bau die­ser Ter­ror­zel­len spielt. Dabei sind Kri­sen eigent­lich das urei­ge­ne Feld revo­lu­tio­nä­rer Kräf­te. Ihre Auf­ga­be ist es, Klas­sen­kämp­fe über den Umweg prak­ti­scher Soli­da­ri­tät und theo­re­ti­scher Ana­ly­se zu stär­ken. (…) Zu Beginn des Lock­downs rie­fen links­li­be­ra­le Akteur*innen oder Träger*innen der sozia­len Daseins­für­sor­ge bun­des­weit dazu auf, sich in den von ihnen initi­ier­ten Soli­da­ri­täts­netz­wer­ken ehren­amt­lich zu enga­gie­ren. Auch lin­ke Grup­pen initi­ier­ten Netz­wer­ke, z.B. in Ham­burg, Stutt­gart oder Ber­lin. Im Ber­li­ner Stadt­teil Wed­ding wur­den das Label und die Arbeits­grup­pe „Wed­ding soli­da­risch“ von uns als „Hän­de weg vom Wed­ding“ gegrün­det. Dies fun­gier­te als Klam­mer für eine lin­ke, klas­sen­kämp­fe­ri­sche Per­spek­ti­ve auf die Kri­se („Klas­sen­kampf statt Klat­schen!“). Für uns bedeu­te­te der Auf­bau einer the­men­be­zo­ge­nen Arbeits­grup­pe sowohl das ideo­lo­gi­sche Beset­zen der Kri­sen­the­men, als auch die Schaf­fung einer Struk­tur, die kon­ti­nu­ier­lich in der Lage ist, Inter­es­sier­te in die poli­ti­sche Dis­kus­si­on und Pra­xis ein­zu­bin­den. Wie auch ande­re Initia­ti­ven grün­de­ten wir zuerst mode­rier­te Tele­gram- und Face­book-Grup­pen, die schnell auf tau­sen­de Follower*innen anwuch­sen. Neben der Ver­net­zungs­mög­lich­keit prak­ti­scher Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te stell­ten sie auch wich­ti­ge Kanä­le für die Bereit­stel­lung lin­ker, anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Ana­ly­sen und Ange­bo­te dar. Die­se bil­den einen wich­ti­gen Gegen­pol zu den rech­ten Kräf­ten, wel­che die Kri­se für das Pro­pa­gie­ren von Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Ver­schwö­rungs­my­then nutz­ten und wei­ter­hin nut­zen. Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung Mil­li­ar­den von Hilfs­gel­dern zur Absi­che­rung der Pro­fi­te gro­ßer deut­scher Unter­neh­men ver­schleu­der­te, konn­ten wir in unse­ren eige­nen Kanä­len die Coro­na-Kri­se als das benen­nen, was sie ist: eine kapi­ta­lis­ti­sche Kri­se. Die Schaf­fung von vir­tu­el­len wie prak­ti­schen Soli­da­ri­täts­netz­wer­ken sind eine wei­ter­zu­ent­wi­ckeln­de Per­spek­ti­ve von Klas­sen­po­li­tik. (…) Die ideo­lo­gi­sche Distanz zum Staat, der poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen vor allem zuguns­ten der herr­schen­den Kapi­tal­frak­tio­nen trifft, muss daher aus radi­kal-lin­ker Per­spek­ti­ve immer wie­der her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Andern­falls droht eine Ver­mi­schung der öffent­li­chen Wahr­neh­mung von lin­ken Kri­sen­in­ter­ven­tio­nen und staat­li­chem Kri­sen­ma­nage­ment. Revo­lu­tio­nä­re Kri­sen­ana­ly­sen und ‑erzäh­lun­gen blei­ben dann auf der Stre­cke. (…) Ange­sichts der ver­stärk­ten Repres­sio­nen durch omni­prä­sen­te Poli­zei­kräf­te, ver­schärf­te Buß­geld­ka­ta­lo­ge, die Aus­he­be­lung von Frei­heits­rech­ten wie der Ver­samm­lungs­frei­heit und vie­les mehr, muss­te die Lin­ke (wie­der) ler­nen, unter repres­si­ve­ren poli­ti­schen Umstän­den zu arbei­ten. (…) Neben einem femi­nis­ti­schen und anti­ras­sis­ti­schem Akti­ons­tag galt und gilt dies auch für die bun­des­wei­te Platt­form #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken externer Link. Regio­na­le und über­re­gio­na­le Ver­net­zun­gen sind jetzt umso wich­ti­ger, um nicht im beschränk­ten Loka­lis­mus zu ver­har­ren. (…) Eine Her­aus­for­de­rung bleibt: die in der Coro­na-Pan­de­mie geschaf­fe­nen Soli­da­ri­täts­netz­wer­ke und Arbeits­grup­pen mit der Über­füh­rung in unse­re Struk­tur zu ver­ste­ti­gen. (…) Die Not­wen­dig­keit der klas­sen­be­wuss­ten, kämp­fe­ri­schen Soli­da­ri­tät ist drän­gen­der denn je. Die öko­no­mi­schen Aus­wir­kun­gen der jet­zi­gen, sich aus­wei­ten­den Kri­se sind kaum zu unter­schät­zen. Die­se Kri­se bie­tet der herr­schen­den Klas­se einen guten Vor­wand, Angrif­fe auf Arbeits­ver­hält­nis­se mit dro­hen­der Plei­te zu legi­ti­mie­ren: genannt sei­en hier z.B. eine staat­li­che Spar­po­li­tik, Ver­schär­fung der Arbeits­be­din­gun­gen durch Ent­las­sun­gen, Ver­hin­de­rung gewerk­schaft­li­cher Arbeit (Uni­on Bus­ting), Out­sour­cing oder der (gewerk­schaft­li­che) Ver­zicht auf Gehalts­er­hö­hun­gen und Arbeits­kämp­fe. Außer­dem steht eine Explo­si­on pri­va­ter Schul­den durch Arbeits­lo­sig­keit für vie­le Men­schen bevor, die sich wie­der­um in einem dra­ma­ti­schen Anstieg der Zahl von Zwangs­räu­mun­gen und dro­hen­der Woh­nungs­lo­sig­keit zei­gen wird. Gera­de jetzt braucht es poli­ti­sche Kräf­te, die die­se kom­ple­xen, zusam­men­hän­gen­den Wider­sprü­che im Kapi­ta­lis­mus auf­zei­gen und erklä­ren. Dies ver­deut­licht die Dring­lich­keit, lin­ke und revo­lu­tio­nä­re Orga­ni­sa­tio­nen ent­lang von kri­sen­fes­ten, plan­vol­len und kon­ti­nu­ier­li­chen For­men aus­zu­rich­ten…” Bei­trag vom 31. August 2020 von und bei Hän­de Weg vom Wed­ding externer Link
    • [Hän­de Weg von Wed­ding] Bericht vom Akti­ons­tag: Lösung der Kri­se? #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken!
      Im Rah­men des bun­des­wei­ten Akti­ons­ta­ges #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken am 18. Juli 2020, orga­ni­sier­ten wir Aktio­nen und eine Kund­ge­bung für eine soli­da­ri­sche und demo­kra­ti­sche Lösung der Kri­se. Auf dem Wed­din­ger Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Platz besetz­ten wir sozia­le Fra­gen öffent­lich im Kiez…” Umfang­rei­cher Bericht vom 21.07.2020 von und bei Hän­de Weg von Wed­ding externer Link zu Aktio­nen der Ber­li­ner Akti­on gegen Arbeit­ge­ber­un­recht (BAGA), Bas­ta! Erwerbs­lo­sen­in­itia­ti­ve, Ber­li­ner Obdach­lo­sen­hil­fe, der anti­fa­schis­ti­schen Kom­mis­si­on von „Hän­de weg vom Wed­ding!“ der Initia­ti­ve „Eine S‑Bahn für alle!“, dem Frauen*streik-Komitee Wed­ding u.a.
    • #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken-Akti­ons­tag – Bericht 
      Die Rei­chen sol­len die Kri­se bezah­len! Unter die­sem Mot­to rie­fen wir, die Kam­pa­gne #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken, für den 18. Juli zu einem bun­des­wei­ten Akti­ons­tag auf. Von Mün­chen bis Kiel und von Köln bis Cott­bus folg­ten Men­schen dem Auf­ruf und betei­lig­ten sich an unter­schied­lichs­ten Aktio­nen. So konn­te über die gesam­te Bun­des­re­pu­blik ein gemein­sa­mes Zei­chen gesetzt wer­den: Wir zah­len nicht für ihre Kri­se – make the rich pay for covid19!…” Berich­te und Fotos aus vie­len Städ­ten auf der Akti­ons­sei­te externer Link, sie­he für wei­te­re #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken
    • die wich­tigs­ten Orte und Auf­ru­fe:
    • #Nicht­Au­fUn­se­rem­Rü­cken – Die Rei­chen sol­len die Kri­se bezah­len! Mobi-Vodeo bei you­tube externer Link
    • Kri­sen­zei­tung und Infos zum Akti­ons­tag am 18. Juli
      Am 18. Juli geht es raus auf die Stra­ße! Unter dem Mot­to #Nicht­Au­fUn­se­rem­Rü­cken – Die Rei­chen sol­len die Kri­se bezah­len! Wer­den wir zusam­men mit Kol­le­gIn­nen und Bünd­nis­part­ne­rIn­nen aus Betrie­ben, Gewerk­schaf­ten und lin­ken Orga­ni­sa­tio­nen einen gemein­sa­men Auf­schlag machen: Für klas­sen­kämp­fe­ri­sche und anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven in der Kri­se, für Soli­da­ri­tät unter Arbei­te­rIn­nen über Bran­chen­gren­zen hin­weg und für ein neu­es gesell­schaft­li­ches Kli­ma: Statt „Sozi­al­part­ner­schaft“ zu spie­len, sanie­ren die Kri­sen­ma­na­ger und Pro­fi­teu­re ihren maro­den Laden jetzt ganz offen auf unse­rem Rücken. Anstatt län­ger ihre Geschäfts­ord­nung zu beach­ten, zäh­len für uns jetzt Soli­da­ri­tät, Kampf­geist und eine hand­fes­te Per­spek­ti­ve jen­seits des Kapi­ta­lis­mus…” Kri­sen­zei­tung von Per­spek­ti­ve Kom­mu­nis­mus externer Link
  • [Netz­werk Selbst­hil­fe] »Nichts­tun ist auch kei­ne Lösung« 
    “Stel­la und Sophie för­dern mit dem Netz­werk Selbst­hil­fe externer Link klei­ne selbst­or­ga­ni­sier­te Struk­tu­ren. Damit wol­len sie das soli­da­ri­sche Mit­ein­an­der stär­ken.” Im Gespräch mit Inga Drey­er bei neu­es Deutsch­land vom 13. Juni 2020 externer Link erklä­ren die bei­den wie das läuft: “… Stel­la: Wir för­dern links­al­ter­na­ti­ve Pro­jek­te und sind dabei unab­hän­gig von jeder par­tei­po­li­ti­schen Agen­da. Ein Bei­spiel ist Stadt­po­li­tik. Das war lan­ge Zeit unser För­der­schwer­punkt – und in die­sem Bereich hat sich auch wirk­lich etwas bewegt. Sophie: Wir haben grö­ße­re Bünd­nis­se wie die Mie­ten­wahn­sinns-Demo mit geför­dert oder auch klei­ne­re Initia­ti­ven von Mieter*innen, die Info-Fly­er zum The­ma gemacht haben: »Wie leis­te ich Wider­stand bei Eigen­be­darfs­kün­di­gun­gen?« Wir unter­stüt­zen aber auch ande­re selbst­or­ga­ni­sier­te femi­nis­ti­sche oder anti­fa­schis­ti­sche Grup­pen in Ber­lin und Bran­den­burg. Wir haben bei­spiels­wei­se die anar­chis­ti­sche »Biblio­thek der Frei­en« oder eine Aus­stel­lung über den Anar­chis­ten Gus­tav Land­au­er unter­stützt. Sol­che Pro­jek­te haben es sehr schwer, an För­der­mit­tel zu kom­men. Es gibt kei­ne öffent­li­chen Pro­gram­me, die »Anar­chis­mus ges­tern und heu­te« hei­ßen. (…) Sophie: Ich bin bei der See­brü­cke aktiv, die sich für See­not­ret­tung im Mit­tel­meer ein­setzt. Das kann man nicht so gut mit ande­ren poli­ti­schen Kämp­fen ver­glei­chen, weil die Bewe­gung gera­de sehr viel in der Öffent­lich­keit orga­ni­siert – natür­lich unter Ein­hal­tung der Sicher­heits­maß­nah­men. Die Pan­de­mie ist eng mit dem Schick­sal von Flüch­ten­den und Ille­ga­li­sier­ten und der Situa­ti­on an den EU-Außen­gren­zen ver­strickt. Ich glau­be, des­halb ist viel öffent­li­che Wahr­neh­mung da. (…)Sophie: Es wird einem ande­rer­seits aber schwer gemacht, den öffent­li­chen Raum für Pro­test zu nut­zen. Das fin­de ich tat­säch­lich ziem­lich krass. Nicht nur bei den Schuh-Aktio­nen wer­den Leu­te raus­ge­zo­gen – es wer­den Platz­ver­wei­se und Buß­gel­der ver­teilt, obwohl auf die Sicher­heits­be­stim­mun­gen geach­tet wur­de. Gleich­zei­tig haben wir seit Wochen Anhänger*innen von Ver­schwö­rungs­ideen und extrem Rech­te, die sich in vie­len Städ­ten zu Hun­der­ten tref­fen und ganz bewusst auf Sicher­heits­maß­nah­men ver­zich­ten – bei denen aber pas­siert nichts. Das ist tat­säch­lich ein frus­trie­ren­der Punkt, weil man sich fragt: Wo set­zen Poli­tik und Poli­zei die Prio­ri­tä­ten, und wem wird erlaubt, den öffent­li­chen Raum zu nut­zen?…”
  • Wirt­schafts­kri­se? #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken
    “… Wir ste­hen am Beginn einer der schärfs­ten Wirt­schafts­kri­sen aller Zei­ten. In Deutsch­land ist die Zahl der Kurz­ar­bei­te­rIn­nen in weni­gen Wochen auf 10 Mil­lio­nen geklet­tert – und damit fast zehn­mal so hoch wie in der Kri­se ab 2007. Hin­zu kom­men unzäh­li­ge Leih­ar­bei­te­rIn­nen, befris­tet Beschäf­tig­te und Mini­job­be­rIn­nen, die ihre Jobs bereits ver­lo­ren haben. In den USA sind im April offi­zi­ell 20,5 Mil­lio­nen Arbeits­plät­ze weg­ge­fal­len. In zahl­rei­chen Län­dern Euro­pas sieht es nicht anders aus. Der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds erwar­tet die schlimms­te Wirt­schafts­kri­se seit der Gro­ßen Depres­si­on 1929, die Bank von Eng­land pro­phe­zeit für das eige­ne Land die schwers­te Rezes­si­on seit 325 Jah­ren. Quer über den Glo­bus schnü­ren die Regie­run­gen Wirt­schafts­pa­ke­te wie sonst nur zu Kriegs­zei­ten. Die Rech­nung hier­für wer­den sie am Ende den Arbei­te­rIn­nen prä­sen­tie­ren. Es ste­hen Angrif­fe auf unse­re Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen bevor, die wir teil­wei­se noch gar nicht abse­hen kön­nen. Umso not­wen­di­ger ist es, dass wir uns jetzt auf ent­schie­de­ne Gegen­wehr vor­be­rei­ten! (…)Auch wenn es auf den ers­ten Blick so erschei­nen mag – die Ursa­che der Kri­se ist nicht die Covid-19-Pan­de­mie! Die Pan­de­mie ver­schärft viel­mehr die Wirt­schafts­kri­se, die sich bereits seit dem Win­ter 2018/​19 ent­wi­ckelt hat. Dabei han­delt es sich um eine Über­pro­duk­ti­ons­kri­se, wie sie der Kapi­ta­lis­mus gesetz­mä­ßig und regel­mä­ßig her­vor­bringt. Über­pro­duk­ti­ons­kri­sen ent­ste­hen, weil die Unter­neh­men ihre Pro­duk­ti­on immer wei­ter aus­deh­nen, mit dem Ziel sich in der Kon­kur­renz durch­zu­set­zen und ihre Pro­fi­te zu stei­gern; wäh­rend sie zugleich jedoch die Ein­kom­men ihrer Arbei­te­rIn­nen, die einen Teil der Pro­duk­ti­on kau­fen müs­sen, mög­lichst gering hal­ten. (…) Wir erwar­ten, dass die Angrif­fe in die­ser his­to­ri­schen Kri­se von Ver­su­chen beglei­tet sein wer­den, die betrof­fe­nen Arbei­te­rIn­nen zu spal­ten und gegen­ein­an­der auf­zu­het­zen – etwa in Jun­ge gegen Alte, Leih­ar­bei­te­rIn­nen gegen Fest­an­ge­stell­te, Deut­sche gegen Migran­tIn­nen u.v.m. Die­sen Spal­tungs­ver­su­chen müs­sen wir ent­schie­den ent­ge­gen­tre­ten und eine soli­da­ri­sche Bewe­gung von Arbei­te­rIn­nen aus allen Beru­fen, Schich­ten und Her­kunfts­län­dern, ob jung oder alt, auf­bau­en. Da alle bedeu­ten­den Kon­zer­ne nicht nur in einem Land agie­ren, gilt es den Wider­stand auch auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne auf­zu­bau­en. Wenn wir nicht wol­len, dass die­se Kri­se auf unse­rem Rücken aus­ge­tra­gen wird, müs­sen wir uns orga­ni­sie­ren und weh­ren. Es ist an der Zeit, Kon­takt zu den eige­nen Kol­le­gIn­nen und Nach­ba­rIn­nen auf­zu­neh­men, um fest­zu­stel­len, dass wir alle unter die­ser Kri­se zu lei­den haben. Es ist auch an der Zeit, Angrif­fe, die auf Betriebs­ebe­ne oft schon jetzt begin­nen (wie höhe­re Arbeits­in­ten­si­tät, aus­ge­setz­te Lohn­er­hö­hun­gen oder Ent­las­sun­gen) und von der Bun­des­re­gie­rung gera­de vor­be­rei­tet wer­den, nicht ein­fach hin­zu­neh­men. Wie sehr die­se Kri­se auf unse­rem Rücken aus­ge­tra­gen wird, liegt an uns!” Bei­trag des Bünd­nis #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken vom 6. Juni 2020 beim re:volt maga­zi­ne externer Link
  • Klas­sen­kampf statt Aluhut. Sich an den Coro­na-Demons­tra­tio­nen abzu­ar­bei­ten ist nicht genug – es braucht soli­da­ri­sche Alter­na­ti­ven
    Die fort­schrei­ten­de Locke­rung der Pan­de­mie­maß­nah­men in Deutsch­land ermög­licht, ein kur­zen Blick auf die jüngs­ten lin­ken Kri­sen­re­ak­tio­nen zu wer­fen. Wo lag der Fokus, was ging ver­lo­ren? Einer­seits: Vie­le Akti­vis­ten haben sich in der Nach­bar­schafts­hil­fe ein­ge­bracht. Die­ser an sich sinn­vol­le Ein­satz bleibt jedoch bis­her trotz sei­ner Not­wen­dig­keit in sei­ner Wir­kung offen­bar über­schau­bar. Es gab unter Ein­schrän­kun­gen enga­gier­te Pro­tes­te für die Eva­ku­ie­rung der grie­chi­schen Elend­sla­ger, Aktio­nen gegen Rhein­me­tall, das Koh­le­kraft­werk Dat­teln 4 sowie für die Ern­te­ar­bei­ter in Born­heim. Ande­rer­seits: Das Zeit­fens­ter für einen »soli­da­ri­schen Lock­down« konn­te kaum genutzt wer­den. Die Bedin­gun­gen gab die herr­schen­de Klas­se vor. Die Geschwin­dig­keit der Ereig­nis­se, die rea­len Gefah­ren einer Anste­ckung wie auch die Ver­samm­lungs­ver­bo­te sorg­ten vie­ler­orts für eine Schock­star­re – das Han­deln des Staa­tes erhielt mehr Ver­trau­en als die eige­nen Fähig­kei­ten. In Zei­ten der Pan­de­mie ist die­se Reak­ti­on sicher ver­ständ­lich; aber ist sie alter­na­tiv­los? Mit dem Auf­kom­men der rechts­of­fe­nen »Hygie­ne-Demos« gab es dann ein neu­es Betä­ti­gungs­feld. Orga­ni­sier­te Lin­ke nah­men an den Pro­tes­ten nicht teil, viel­mehr kam es in vie­len Städ­ten zu anti­fa­schis­ti­scher Gegen­wehr. (…) Die Hartz-IV-Pro­tes­te – wie auch die Pro­tes­te der Gelb­wes­ten in Frank­reich – waren im Kern ein Auf­be­geh­ren gegen sozia­le Unge­rech­tig­kei­ten. Die Coro­na-Demos dage­gen sind im Kern wis­sen­schafts­feind­lich und ego­is­tisch. Der Frei­heits- und Bür­ger­rech­te­be­griff der Teil­neh­mer ist nicht soli­da­risch. Die Rech­te der Geflüch­te­ten in den Lagern sind ihnen egal, auch die medi­zi­ni­schen Risi­ko­grup­pen. Sie wol­len eige­ne Frei­hei­ten gegen die Gemein­schaft aus­le­ben. Kapi­ta­lis­ten freut’s – auch sie for­dern schnel­le Locke­run­gen. Aber ist es nun im Umkehr­schluss sinn­voll, alle Ener­gie in die Abwehr der »Rebel­len« zu ste­cken? An ihrer Bedeu­tung gemes­sen wohl nicht. Anti­fa­schis­ti­sche Beglei­tung bleibt not­wen­dig, doch soll­te dabei nicht ver­ges­sen wer­den: Das bes­te Mit­tel gegen Ver­schwö­rungs­theo­rien bleibt Klas­sen­kampf. Eine gut orga­ni­sier­te Klas­se kann sich in Kri­sen­zei­ten nicht nur bes­ser selbst schüt­zen, ideo­lo­gisch wie prak­tisch, son­dern auch die Bedin­gun­gen der staat­li­chen Pan­de­mie­be­ar­bei­tung beein­flus­sen. Das Enga­ge­ment der Basis­ge­werk­schaft FAU für die Ern­te­ar­bei­ter in Born­heim war in die­ser Hin­sicht vor­bild­lich – die Soli­da­ri­tät der rest­li­chen Lin­ken blieb jedoch gering. Zudem gab es kaum Aktio­nen für die Arbei­ter in den Fleisch­fa­bri­ken, im Han­del oder in der Pfle­ge, die in den letz­ten Mona­ten »den Laden am Lau­fen« hiel­ten. War­um fand man kaum For­men, um Unter­stüt­zung zu leis­ten? Aus der viel­fach von Lin­ken geteil­ten Kri­tik am sym­bo­li­schen Applaus für die »Hel­den der Kri­se« erwuchs nichts. Hat man ihre Kämp­fe längst den gro­ßen Gewerk­schaf­ten »über­las­sen«? Oder ver­fügt man über zu weni­ge Ver­bin­dun­gen zu ihnen? Die Aus­ge­beu­te­ten in den »sys­tem­re­le­van­ten Beru­fen« soll­ten nicht weni­ger wich­tig sein als die »Wut­bür­ger« auf den Coro­na-Demos…” Arti­kel von Sebas­ti­an Bähr vom 03.06.2020 im ND online externer Link
  • [Auf­ruf von Pre­kär-Lab] Pre­kä­res Leben und Arbei­ten braucht ein Gesicht – berich­tet in Vide­os über Arbeit, Leben und For­de­run­gen in Zei­ten von Coro­na 
    Das Pre­kär-Lab ent­stand aus ver­schie­de­nen Initia­ti­ven aus Aktivist*innen/Beschäftige im Bereich Erwerbs­lo­sen­or­ga­ni­sie­rung, sozia­le Diens­te, Ein­zel­han­del und ande­ren in pre­kä­ren Berei­chen orga­ni­sier­ten. Wir brach­ten zum einen Erfah­run­gen aus All­tags­kämp­fen mit und zum ande­ren ver­such­ten wir regio­na­le Akti­vi­tä­ten und Kämp­fe zu ver­bin­den. Wir tei­len die Erfah­rung, dass vie­le Kämp­fe und Initia­ti­ven nur spo­ra­disch mit­ein­an­der ver­knüpft sind. Das inhalt­li­che und prak­ti­schen Neben­ein­an­der domi­niert, eine Zer­split­te­rung und Ungleich­zei­tig­keit, die sel­ten gesamt­ge­sell­schaft­li­che Alter­na­ti­ven auf­schei­nen lässt. Gleich­zei­tig machen wir ähn­li­che Pre­ka­ri­täts­er­fah­run­gen, die es ermög­li­chen aktiv ein­zu­grei­fen, Bei­stand zu leis­ten und Gemein­sa­mes erleb­bar zu machen. Dies ist in die­sen Zei­ten not­wen­di­ger denn je, auf­grund des Abstands­ge­bots aber auch schwie­ri­ger denn je. Uns feh­len die Orte, um Gemein­sa­mes und Tren­nen­des in unse­ren Erfah­run­gen zu dis­ku­tie­ren, ein­an­der zu ver­ste­hen als Grund­la­ge für gemein­sa­mes, soli­da­ri­sches und kämp­fe­ri­sches Han­deln. Dar­um haben wir uns ent­schlos­sen – wenn wir die­se Lücke schon nicht schlie­ßen kön­nen – sie doch zumin­dest zu ver­klei­nern. Akti­ve aus unse­ren Krei­sen – bis­her aus dem Ein­zel­han­del und Erwerbs­lo­sen­be­reich – haben Vide­os auf­ge­nom­men über ihre Erfah­run­gen in der Coro­na-Kri­se. Die­se wol­len wir tei­len, dis­ku­tie­ren und rufen ande­re auf, eben­falls sol­che Vide­os ein­fach und unkom­pli­ziert mit dem Smart­pho­ne zu pro­du­zie­ren. Was ver­än­dert die Coro­na-Kri­se in euren Berei­chen? Was sind die Aus­wir­kun­gen für euren All­tag und zu Hau­se? Wel­che bereits vor­her bestehen­den Kon­flik­te wer­den ver­schärft und wel­che neu­en tre­ten auf? Wie geht ihr und eure Kolleg*innen und Freund*innen damit um? Was sind eure For­de­run­gen? Die­se Vide­os erset­zen unse­re Begeg­nun­gen nicht, hel­fen aber (womög­lich) hof­fent­lich gemein­sa­me Kämp­fe vor­zu­be­rei­ten über die Fra­ge, wer für die Fol­ge­kos­ten der Kri­se bezah­len muss und wie wir unse­re Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen in Zukunft gestal­ten wol­len.” Sen­det eure Vide­os bit­te an info@​tie-​germany.​org am bes­ten über wetrans­fer. Die Vide­os sol­len auf dem Blog https://​coro​na​-at​-work​.de/ externer Link erschei­nen unter https://​coro​na​-at​-work​.de/​v​i​d​e​os/ externer Link – ers­te gibt es bereits! Das Video zum Auf­ruf externer Link gibt es bei you­tube
  • [Kund­ge­bung in Stutt­gart am 30.5.20] „Ihre Kri­se … Nicht auf unse­rem Rücken!“ /​Soli­da­ri­tät ist mehr als Hän­de­wa­schen: In Ber­lin hat sich in der Coro­na-Kri­se ein Sozi­al­bünd­nis gegrün­det 
    • [Kund­ge­bung in Stutt­gart am 30.5.20] „Ihre Kri­se … Nicht auf unse­rem Rücken!“
      Das neue Stutt­gar­ter Kri­sen­bünd­nis ver­an­stal­tet an die­sem Sams­tag, 30. Mai, eine Kund­ge­bung im Obe­ren Schloss­gar­ten in Stutt­gart-Mit­te (beim Schau­spiel­haus). Beginn ist um 14 Uhr. Für die gemein­sa­me Kund­ge­bung haben sich Gewerk­schaf­ten, die Kli­ma­be­we­gung, lin­ke Par­tei­en, anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Grup­pen, Kul­tur­schaf­fen­de, Geflüch­te­te und anti­ras­sis­ti­sche Initia­ti­ven zusam­men­ge­schlos­sen. Das Bünd­nis wehrt sich gegen die „Kri­sen­be­wäl­ti­gungs­po­li­tik“ der Regie­rung und for­dert eine kon­se­quen­te Besteue­rung von Rei­chen zur Finan­zie­rung der Kri­sen­kos­ten und ein Ende von Pri­va­ti­sie­run­gen und Sozi­al­ab­bau. Coro­na tref­fe nicht alle Men­schen glei­cher­ma­ßen. Wäh­rend die einen Angst um ihre Exis­tenz hät­ten und nicht wüss­ten, wie sie ihre Mie­te bezah­len sol­len, säßen ande­re die Pan­de­mie unter bes­ten Lebens­be­din­gun­gen aus. „Und die gro­ßen Kon­zer­ne las­sen sich trotz enor­mer Rück­la­gen und Gewin­ne vom Staat sub­ven­tio­nie­ren“, so Marie Salz, Pres­se­spre­che­rin des Stutt­gar­ter Kri­sen­bünd­nis­ses. Um über die sozia­len Unge­rech­tig­kei­ten und Benach­tei­li­gun­gen auf­zu­klä­ren, ruft das neue Bünd­nis für kom­men­den Sams­tag zu sei­ner ers­ten Kund­ge­bung auf. Die herr­schen­den Ver­hält­nis­se sei­en nicht neu, son­dern wür­den durch die Coro­na-Kri­se nur ver­schärft. Die Kün­di­gungs­wel­len in der Gas­tro­no­mie, die Ent­las­sun­gen von Leiharbeiter*innen und der sich abzeich­nen­de Stel­len­ab­bau in vie­len Berei­chen sei­en Vor­bo­ten der größ­ten Wirt­schafts­kri­se der letz­ten Jahr­zehn­te. Es gehe jetzt um eine grund­le­gen­de Kri­tik: „Der Virus heißt zwar Coro­na, doch die Kri­se ist das Sys­tem.“…” Pres­se­mit­tei­lung vom 27.05.20 zur Kund­ge­bung am Sams­tag mit Bei­trä­gen von: Alex­an­der Mün­chow, Sekre­tär der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) zur Situa­ti­on in den Schlacht­hö­fe und der Gas­tro­no­mie und Yvonne Wolz, femi­nis­ti­sche Akti­vis­tin und Geschäfts­füh­re­rin von Wild­was­ser Stutt­gart e.V. Das Stutt­gar­ter Kri­sen­bünd­nis externer Link ist aus der Initia­ti­ve Soli­da­ri­tät. Frei­heits­rech­te. Kla­re Kan­te gegen Rechts ent­stan­den, das am 9. Mai 2020 zu Pro­tes­ten im Kur­park Bad Cann­statt auf­ge­ru­fen hat­te
    • Soli­da­ri­tät ist mehr als Hän­de­wa­schen: In Ber­lin hat sich in der Coro­na-Kri­se ein Sozi­al­bünd­nis gegrün­det, das den Kampf für eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft in den Mit­tel­punkt stellt
      In den ers­ten Wochen nach dem Beginn der Coro­na-Kri­se war in den Abend­stun­den häu­fig Applaus zu hören. Men­schen stan­den auf den Bal­ko­nen, die denen Bei­fall spen­de­ten, die in Kli­ni­ken und Super­märk­ten ihrer Lohn­ar­beit nach­ge­hen muss­ten. Schon bald gab es Kri­tik, vor allem, weil die­se Men­schen zu Held*innen des All­tags erklärt wer­den, obwohl sie oft alles ande­re als frei­wil­lig ihre Lohn­ar­beit ver­kau­fen muss­ten. Statt­des­sen müss­te es dar­um gehen, die Beru­fe, die oft von Frau­en in sehr pre­kä­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen aus­ge­übt wer­den, end­lich bes­ser zu ent­loh­nen. Zudem han­delt es sich hier um Beru­fe, in denen Beschäf­tig­te seit Jah­ren Kämp­fe genau für mehr Lohn und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen füh­ren. Erin­nert wer­den soll an die erbit­tert geführ­ten Arbeits­kämp­fe im Ein­zel­han­del in den letz­ten Jah­ren. Zudem gibt es seit Jah­ren Kämp­fe im Care­sek­tor, wie der Pfle­ge- und Kran­ken­haus­be­reich benannt wird. In Ber­lin haben sich vor eini­gen Wochen zahl­rei­che sozia­le Initia­ti­ven im Bünd­nis #jetz­ter­st­recht externer Link zusam­men­ge­schlos­sen. Mitt­ler­wei­le ste­hen 25 Grup­pen unter dem Auf­ruf. Unter dem Mot­to „Soli­da­ri­tät ist mehr als Hän­de­wa­schen“ wer­den dort schnell umsetz­ba­re For­de­run­gen auf­ge­stellt, die die sozia­len Fol­gen der Coro­na­kri­se für die Men­schen mit gerin­gen Ein­kom­men abmil­dern sol­len. Die anvi­sier­ten Refor­men erstre­cken sich auf die Gesundheits‑, Sozi­al- und Woh­nungs­po­li­tik. (…) Beson­ders stark ver­tre­ten im Bünd­nis ist der Stadt­teil Wed­ding, in dem es bereits seit Jah­ren eine star­ke sozia­le Orga­ni­sie­rung gibt. Neben der Stadt­teil­or­ga­ni­sa­ti­on Hän­de weg vom Wed­ding (HwvW) haben auch das nach einer Anar­chis­tin benann­te Kiez­haus Agnes Rein­hold und die Erwerbs­lo­sen­in­itia­ti­ve Bas­ta den Auf­ruf unter­zeich­net. Die Stadt­teil­in­itia­ti­ve HwvW hat vor eini­gen Wochen einen For­de­rungs­ka­ta­log für eine sozia­le und demo­kra­ti­sche Lösung der Kri­se externer Link vor­ge­legt. Dort wur­de die Ver­tei­di­gung demo­kra­ti­scher Grund­rech­te mit dem Recht auf Woh­nen, wür­di­gen Arbeits­be­din­gun­gen und einer Gesund­heits­po­li­tik jen­seits der Markt­lo­gik ver­bun­den…” Arti­kel von Peter Nowak vom 27. Mai 2020 bei Direk­te Akti­on externer Link , sie­he auch die For­de­run­gen der Initia­ti­ve externer Link
  • [Mün­chen, 29.5.20] Kund­ge­bung: Eure Kri­se – Nicht auf unse­rem Rücken! 
    Die Coro­na-Kri­se stellt uns alle vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Nach ein paar Mona­ten zeigt sich aber vor Allem, dass der Kapi­ta­lis­mus kein kri­sen­fes­tes Sys­tem ist. Er wälzt die Kri­sen­last auf die Schul­tern der­je­ni­gen ab, die sowie­so am wenigs­ten haben. (…) Dabei zeich­ne­te sich die wirt­schaft­li­che Kri­se durch Über­pro­duk­ti­on schon vor der Pan­de­mie ab. Z.B. ent­ließ BMW-Mün­chen schon im Dezem­ber alle Leiharbeiter*innen. Da kam die Coro­na-Kri­se gera­de recht. Kon­zer­ne fuh­ren ihre Pro­duk­ti­on run­ter oder schick­ten ihre Ange­stell­ten in Kurz­ar­beit. Nicht aus Sicher­heits­be­den­ken. Das Abbau­en der Über­ka­pa­zi­tä­ten durch Kurz­ar­beit und Staats­hil­fen hilft den Kon­zer­nen sich wie­der fit für den Markt zu machen. Und Groß­ak­tio­nä­re wie die Quandts (BMW), Heinz Thie­le (Knorr Brem­se) oder Piëch (VW) las­sen sich trotz Kri­se wei­ter­hin Divi­den­den aus­zah­len. Kurz­ar­beit, stei­gen­de Arbeits­lo­sig­keit, der mas­si­ve Angriff auf Arbeitnehmer*innenrechte – spä­tes­tens jetzt, wo die ers­te Panik sich legt, wird klar, wer für die­se Kri­se zah­len soll! Es gibt weder einen Plan für die Ret­tung von Kleinst­be­trie­ben, Gas­tro­no­mie und Selbst­stän­di­gen, noch wie unser Gesund­heits­sys­tem kri­sen­fest gemacht wer­den kann. Aus­wei­tung der Arbeits­zei­ten (vor allem in der Pfle­ge) oder die Sonn­tags- und Fei­er­tags­öff­nun­gen für Super­märk­te (gegen das sich Gewerk­schaf­ten und Beschäf­tig­te seit Jah­ren weh­ren), wur­den unter dem Deck­man­tel der Kri­se ein­ge­führt. Die CSU for­dert mas­si­ve Ein­spa­run­gen an den Staats­aus­ga­ben, wen wird das tref­fen? (…) Wir als Beschäf­tig­te müs­sen uns jetzt zusam­men schlie­ßen, uns orga­ni­sie­ren und laut wer­den! Die Igno­ranz der Politiker*innen gegen­über dem, was für die Bevöl­ke­rung wirk­lich wich­tig ist, ver­dient Pro­test. Kämp­fen wir gemein­sam für eine Welt, für die ein Aus­bruch einer Pan­de­mie nicht Arbeits­lo­sig­keit, Exis­tenz­ängst, Hun­ger und Tod (vor­al­lem im glo­ba­len Süden) bedeu­tet. Wir brau­chen tat­säch­li­che gesell­schaft­li­che ­Lösun­gen, nicht nur für die Coro­na-Kri­se, son­dern für eine ande­re, kri­sen­fes­te, soli­da­ri­sche Gesell­schaft! Lasst uns uns orga­ni­sie­ren für eine Welt in der Soli­da­ri­tät nicht nur eine Flos­kel ist! Des­halb kommt zur Kund­ge­bung am Frei­tag den 29.5. ab 17 Uhr am Rot­kreuz­platz. (Natür­lich mit Abstand und Mund­schutz) Zei­gen wir dass es eine lin­ke Alter­na­ti­ve zu Ver­schwö­r­un­ge­theo­rien und kapi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tungs­lo­gik gibt!Auf­ruf bei Zukunft erkämp­fen – Unse­re Soli­da­ri­tät gegen ihre Kri­se! externer Link – Unter die­sem Mot­to hat sich in Mün­chen im Zuge der „Coro­na-Kri­se“ eine neu­es Offe­nes Tref­fen gegrün­det. Hier Akti­ve wol­len Soli­da­ri­täts­struk­tu­ren auf­bau­en, nach Mög­lich­kei­ten der poli­ti­schen Betä­ti­gung suchen und auch über die Pan­de­mie hin­aus die Kri­sen­haf­tig­keit des kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems auf­zei­gen. (Dabei der Gewerk­schafts-Stamm­tisch Mün­chen, von dem wir den Hin­weis bekom­men haben)
  • Wie kann in Coro­na-Zei­ten Soli­da­ri­tät orga­ni­siert wer­den? Erfah­run­gen aus der Spar­gel­ern­te und dem Kran­ken­haus, der Mie­ter­be­we­gung, der Pro­tes­te gegen das Grenz­re­gime und der Queer Com­mu­ni­ty 
    “… In der Start­hil­fe AG der Initia­ti­ve Deut­sche Woh­nen & Co ent­eig­nen bemü­hen wir uns dar­um, Mieter*innen der gro­ßen Immo­bi­li­en­kon­zer­ne zu orga­ni­sie­ren, damit hand­lungs­fä­hi­ge Mie­ter­ge­mein­schaf­ten ent­ste­hen. (…) Auch uns hat die Pan­de­mie kalt erwischt, und wir kön­nen die Fol­gen für Mieter*innen, aber auch für unse­re Arbeit noch kaum abschät­zen. Wir haben des­halb eine Online-Umfra­ge gestar­tet, um über­haupt her­aus­zu­fin­den, wel­che Pro­ble­me durch die Coro­na-Maß­nah­men ent­stan­den sind. (…) Als die quee­ren Clubs, Bars und Anlauf­stel­len Mit­te März schlos­sen, wur­den die Barkeeper*innen, Rei­ni­gungs­kräf­te oder Türsteher*innen in Kurz­ar­beit geschickt, Künstler*innen und Sexarbeiter*innen ver­lo­ren ihre Auf­trä­ge. Bin­nen weni­ger Tage schos­sen die Crowd­fun­dings und Hil­fe­ru­fe wie Pil­ze aus dem Boden. (…) Wegen Lohn­prel­lung, schim­me­li­gem Essen und mie­sen Unter­künf­ten tra­ten am 15. Mai 150 rumä­ni­sche Erntearbeiter*innen beim Spar­gel­hof Rit­ter in Born­heim (NRW) in den Streik. (…) Auch wenn sol­che Bei­spie­le zei­gen, dass Arbeiter*innen sich durch­aus zu weh­ren wis­sen, bleibt län­ger­fris­ti­ge Orga­ni­sie­rung schwie­rig, auch weil vie­le nur weni­ge Mona­ten in Deutsch­land sind. Das Pro­jekt Fai­re Mobi­li­tät des DGB, das ost­eu­ro­päi­sche Arbeiter*innen berät, berich­tet, dass es wegen der Coro­na-Beschrän­kun­gen schwie­ri­ger sei, per­sön­li­chen Kon­takt auf­zu­neh­men. Aller­dings sei der Infor­ma­ti­ons­be­darf groß: Die Web­site, die über Arbeits­recht und Coro­na auf­klärt, ver­zeich­net laut Domi­ni­que John vom Fai­re-Mobi­li­tät-Pro­jekt fünf Mal so vie­le Auf­ru­fe wie sonst, auch die mehr­spra­chi­ge Hot­line sei regel­recht »über­rannt wor­den« (…) Wir haben am Kli­ni­kum eine recht akti­ve ver.di-Betriebsgruppe, und seit etwa einem Jahr haben wir die bun­des­weit von vie­len Beschäf­ti­gen erho­be­ne For­de­rung nach bes­se­rer Per­so­nal­aus­stat­tung auf­ge­grif­fen. (…) Wir haben beschlos­sen, spe­zi­fi­sche Coro­na-For­de­run­gen auf­zu­stel­len, die aber auch über die Pan­de­mie hin­aus Gül­tig­keit besit­zen: Auf­wer­tung der Gesund­heits­be­ru­fe, 500 Euro monat­lich zusätz­lich, bes­se­ren Gesund­heits­schutz, immer aus­rei­chen­de Schutz­klei­dung sowie Frei­zeit­aus­gleich für die Coro­na-Kri­se. Wir haben eine Online­pe­ti­ti­on gestar­tet und dar­über­hin­aus ermög­licht, dass die Kli­nik­be­schäf­tig­ten auf Lis­ten vor Ort, also auf Sta­ti­on, unter­schrei­ben kön­nen. (…) Kein Recht auf Pri­vat­sphä­re haben die Flücht­lin­ge in den Mas­sen­un­ter­künf­ten. (…) Eine kon­kre­te Alter­na­ti­ve wur­de schon Anfang April der Sozi­al­be­hör­de von den vie­len Initiator*innen und Unterstützer*innen der Kam­pa­gne »Open the Hotels«, unter ande­rem der Flücht­lings­be­ra­tungs­stel­le Café Exil, der Grup­pe Lam­pe­du­sa in Ham­burg, das Medi­bü­ro und der Ver­ein Asmara’s World, vor­ge­schla­gen. Die Idee ist ein­fach: Geflüch­te­ten aus den Mas­sen­un­ter­künf­ten sowie Woh­nungs­lo­sen sol­len lee­re Hotel­räu­me und unge­nutz­te Woh­nun­gen ange­bo­ten wer­den – in Ham­burg gibt es cir­ca 2.600 davon. Ende April hat­te die Sozi­al­be­hör­de den Vor­schlag abge­lehnt. (…) In Hanau ist Anfang Mai ein Gedenk­raum für die neun Todes­op­fer des ras­sis­ti­schen Angriffs am 19. Febru­ar eröff­net wor­den. (…) Zwar waren nur 15 Per­so­nen erlaubt, doch min­des­tens drei­mal so vie­le Men­schen waren vor Ort. Die Coro­na-Pan­de­mie war nicht das Gesprächs­the­ma, son­dern der Kampf gegen Ras­sis­mus. (…) Bis­lang war das pri­mä­re The­ma der See­brü­cke-Bewe­gung das Mit­tel­meer, aber aktu­ell liegt unser Fokus auf Grie­chen­land. (…) Die Kam­pa­gne lea­ve no one behind wird mitt­ler­wei­le nicht nur von der See­brü­cke unter­stützt, son­dern auch von ande­ren poli­ti­schen Kräf­ten. Unse­re Basis konn­te wäh­rend der Coro­na-Zeit tat­säch­lich aus­ge­baut wer­den, Mobi­li­sie­rungs­schwie­rig­kei­ten haben wir über­haupt nicht, im Gegen­teil.” Erfah­rungs­be­rich­te von Ali­na Lya­pi­na, Anna Dot­ti, Dîlan Kara­ca­dağ, Mag­da Albrecht, Nina und Richard Ulrich aus ak660 vom 18. Mai 2020 externer Link
  • Soli­da­ri­tät ist mehr als Hän­de­wa­schen und Klat­schen
    Gewerk­schaf­ten und Coro­na-Kri­se – bit­te kon­kre­ter wer­den. Bei den Mai-Kund­ge­bun­gen zeig­ten sich Stär­ken von Initia­ti­ven, die mit einer “Tak­tik der radi­ka­len Refor­men” arbei­ten
    “Tat­ort – nicht betre­ten”, stand auf den Flat­ter­bän­dern, mit denen die Poli­zei am Don­ners­tag­nach­mit­tag ver­gan­ge­ner Woche ein klei­nes Are­al des Wed­din­ger Leo­pold­platz absperr­te. Dort hat­te die Stadt­teil­in­itia­ti­ve “Hän­de weg vom Wed­ding” unter dem Mot­to “Die Rei­chen sol­len zah­len” eine knapp 90-minü­ti­ge Kund­ge­bung orga­ni­siert externer Link. Es war der Ersatz für die geplan­te Stadt­teil­de­mons­tra­ti­on, die, wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch, für den 30 April geplant wor­den war. Unter Coro­na-Bedin­gun­gen durf­ten die­ses Jahr nur 20 Per­so­nen in den abge­sperr­ten Kund­ge­bungs­be­reich. Dort wur­den Schil­der mit den Paro­len “Kei­ne Pro­fi­te mit unse­rer Gesund­heit”, “Stär­kung von Arbei­te­rIn­nen­rech­ten und Betriebs­rä­ten”, “Blei­be­recht für ille­ga­li­sier­te Migran­tIn­nen” und “Ver­tei­di­gung der Grund­rech­te” auf­ge­stellt. Ver­teilt wur­de ein For­de­rungs­ka­ta­log externer Link für eine sozia­le und demo­kra­ti­sche Lösung der Kri­se für den Bezirk Wed­ding, der in den letz­ten Wochen gemein­sam mit akti­ven Stadt­teil­be­woh­nern erstellt wur­de. Hier zeigt sich die Pro­ble­ma­tik eines Coro­na-Aus­nah­me­zu­stands, in dem die Grund- und Ver­samm­lungs­rech­te mas­siv ein­ge­schränkt wer­den. Bei der Kund­ge­bung im Wed­ding ging die Poli­zei rigi­de vor. Men­schen, die sich mit Schil­dern außer­halb des abge­sperr­ten Kund­ge­bungs­be­reichs im gefor­der­ten Abstand befan­den, wur­den von der Poli­zei zum Wei­ter­ge­hen auf­ge­for­dert, wenn sie dem nicht schnell genug nach­ka­men, droh­ten Per­so­nen­kon­trol­len. Zudem wur­de nach Beginn der Kund­ge­bung nie­mand mehr in das Are­al gelas­sen, auch nach­dem ande­re weg­ge­gan­gen waren, so dass am Ende weit weni­ger als die geneh­mig­ten 20 Per­so­nen an der Kund­ge­bung teil­nah­men. Es zeig­te sich hier wie auch bei ande­ren Mai-Akti­vi­tä­ten, wie stark die Not­maß­nah­men in die Grund­rech­te ein­grei­fen und wie will­kür­lich dabei selbst in Ber­lin gehan­delt wird. (…) Doch in der Coro­na-Kri­se zei­gen sich auch die Stär­ken von Initia­ti­ven, die nicht erst jetzt begin­nen, sich in Stadt­tei­len zu ver­an­kern und dort kon­kre­te Reform­po­li­tik zu machen, wie der For­de­rungs­ka­ta­log von “Hän­de weg von Wed­ding” zeigt. Dort wur­de die Ver­tei­di­gung demo­kra­ti­scher Grund­rech­te mit dem Recht auf Woh­nen, wür­di­gen Arbeits­be­din­gun­gen und einer Gesund­heits­po­li­tik jen­seits der Markt­lo­gik ver­bun­den. Es han­delt sich um Refor­men, die der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung Vor­tei­le brin­gen. Sie bre­chen mit einer Tra­di­ti­on, nach der Refor­men immer mehr mit Ein­schrän­kun­gen, Kür­zun­gen und Gür­tel-enger-Schnal­len ver­bun­den sind. Zudem haben die­se Refor­men trans­for­ma­to­ri­schen Cha­rak­ter, weil sie, wenn sie umge­setzt wür­den, wesent­li­che Mecha­nis­men der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik außer Kraft set­zen. (…) Jetzt zei­gen sich aber auch die fata­len Aus­wir­kun­gen einer gewerk­schaft­li­chen Poli­tik der Sozi­al­part­ner­schaft und des Burg­frie­dens. War­um soll nicht gera­de in einer Zeit, in der sich die Aus­wir­kun­gen einer wirt­schafts­li­be­ra­len Poli­tik zei­gen, der Kampf dage­gen ein­fa­cher sein? War­um wird der Schul­ter­schluss mit denen gesucht, die für die beklag­te Poli­tik ver­ant­wort­lich sind? War­um wird nebu­lös über unab­seh­ba­re Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se auch auf die Unter­neh­men geraunt und die Bünd­nis­part­ner von der Jugend­um­welt­be­we­gung nicht ein­mal mit einem Wort erwähnt? Mit einer sol­chen Poli­tik der Anpas­sung sorgt man dafür, dass sich durch die Coro­na-Kri­se nichts im Inter­es­se der abhän­gig Beschäf­tig­ten ver­bes­sert. Daher ist es posi­tiv, dass sich Stadt­teil­in­itia­ti­ven und sozia­le Bünd­nis­se wie #jetz­ter­st­recht und Care Revo­lu­ti­on gera­de jetzt mit ihren For­de­run­gen Gehör ver­schaf­fen.” Arti­kel von Peter Nowak vom 04. Mai 2020 bei tele­po­lis externer Link
  • Die Kri­se von unten: Mit­ein­an­der, am bes­ten ohne Staat
    “… Wäh­rend der Coro­na­pan­de­mie gibt es auch Posi­ti­ves zu berich­ten: Auf der gan­zen Welt spries­sen Hilfs- und Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te aus dem Boden – dar­un­ter auch Gras­wur­zel­pro­jek­te für Arbei­te­rIn­nen und Mar­gi­na­li­sier­te. Mit dabei sind man­cher­orts auch anar­chis­ti­sche, anti­au­to­ri­tä­re und anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Grup­pen und Initia­ti­ven – und dies ist wohl kein Zufall: Schon vor der Pan­de­mie berie­fen sie sich auf das Prin­zip der gegen­sei­ti­gen Hil­fe, setz­ten auf Selbst­be­stim­mung und pro­pa­gier­ten den Auf­bau von «Soli­da­ri­tät von unten». So etwa in Grie­chen­land, wo nach der Finanz­kri­se 2008 und durch die EU-Spar­dik­ta­te das staat­li­che Gesund­heits­sys­tem und der Woh­nungs­markt nahe­zu zusam­men­bra­chen. In der Fol­ge ent­stan­den zahl­rei­che auto­no­me Selbst­ver­wal­tungs­struk­tu­ren, wie anar­chis­ti­sche Gesund­heits­zen­tren oder besetz­te Unter­künf­te für Geflüch­te­te. Struk­tu­ren, die nun auch wäh­rend der Coro­na­kri­se funk­tio­nie­ren: So zeu­gen Bil­der auf Twit­ter und Online­me­di­en von einer Akti­on der anar­chis­ti­schen Grup­pe Rou­vi­ko­nas Ende März, in der sie einem Athe­ner Pfle­ge­heim drin­gend benö­tig­te lebens­not­wen­di­ge Güter und Hygie­ne­pro­duk­te wie Latex­hand­schu­he, Toi­let­ten­pa­pier oder Putz­ma­te­ria­li­en lie­fer­ten. Das Heim hat­te wegen Ver­sor­gungs­eng­päs­sen öffent­lich um Hil­fe geru­fen. (…) In Nea­pel ver­bringt Giu­lia­no Gra­na­to von der radi­kal-lin­ken Bewe­gung Pote­re al Popo­lo (die Macht der Bevöl­ke­rung) täg­lich Stun­den am «roten Tele­fon». «Anfang März regis­trier­ten wir plötz­lich ver­mehrt Anru­fe von Arbei­te­rin­nen und Arbei­tern, die sich bei uns über die Zustän­de am Arbeits­platz beschwer­ten. In den Fabri­ken wur­den kei­ner­lei Schutz­mass­nah­men umge­setzt, Abstands­re­geln nicht ein­ge­hal­ten, Mas­ken waren nicht vor­han­den», sagt der 34-Jäh­ri­ge am Tele­fon. Pote­re al Popo­lo wur­de Ende 2017 im Hin­blick auf die natio­na­len Wah­len im März 2018 gegrün­det (…) und ist heu­te – nach­dem der Ein­zug ins Par­la­ment nicht klapp­te – ein brei­tes Netz­werk von Basis­ak­ti­vis­tIn­nen und sozia­len Bewe­gun­gen und kei­ne klas­si­sche Par­tei. (…) Das Prin­zip der «gegen­sei­ti­gen Hil­fe», auf das sich vie­le sol­cher Pro­jek­te bezie­hen, kann auf eine lan­ge Geschich­te zurück­bli­cken. Peter Kro­pot­kin, Phi­lo­soph und Vor­den­ker des kom­mu­nis­ti­schen Anar­chis­mus, defi­nier­te das Prin­zip in sei­nem 1902 erschie­ne­nen Buch «Gegen­sei­ti­ge Hil­fe in der Tier- und Men­schen­welt» als Gegen­pol zum sozi­al­dar­wi­nis­ti­schen Grund­satz «Über­le­ben des Stär­ke­ren». (…) Gesund­heit am Arbeits­platz, Lebens­mit­tel­ver­sor­gung, medi­zi­ni­sche Not­hil­fe, Woh­nungs­si­cher­heit – die gegen­sei­ti­ge Hil­fe hat vie­le Facet­ten. Ob ihre Dyna­mik über die Coro­na­pan­de­mie hin­aus erhal­ten blei­ben wird? Loick wünscht sich, dass sich eines Tages die gesam­te Gesell­schaft an den Tätig­kei­ten ori­en­tie­ren wür­de, die die Mensch­heit wirk­lich für ein gutes Leben braucht. Denn: «Ohne gegen­sei­ti­ge Hil­fe gibt es kei­ne Gesell­schaft. Ohne Wett­be­werb und Aus­beu­tung schon.»” Bei­trag von Lorenz Nae­ge­li, Jan Jirát (Text) und Alex­an­der Elsa­es­ser, Opak (Illus­tra­ti­on) aus WOZ Nr. 17/​2020 vom 23. April 2020 externer Link
  • »Denen da unten« wer­den nur »die da unten« hel­fen – Soli­da­ri­tät in der Coro­na­kri­se wird nur von denen kom­men, die von ihr am stärks­ten betrof­fen sind
    “… Die Coro­na-Pan­de­mie stellt den Kapi­ta­lis­mus vor enor­me sozia­le Her­aus­for­de­run­gen. Des­sen Wider­sprü­che lie­gen aktu­ell so offen zu Tage wie sel­ten. Tag­täg­lich wird uns vor Augen geführt wie schlecht eine Pro­duk­ti­ons­wei­se, deren Zweck der Pro­fit ist, dafür gerüs­tet ist, Men­schen­le­ben zu schüt­zen. Zwar bemü­hen sich die Regie­run­gen – um Mil­lio­nen von Todes­fäl­len zu ver­mei­den –, die Pro­duk­ti­on medi­zi­ni­scher Grund­aus­rüs­tung anzu­kur­beln, die Zahl der Inten­siv­bet­ten zu erhö­hen, Zwangs­räu­mun­gen zu stop­pen und in eini­gen Fäl­len sogar die Unter­brin­gung von Obdach­lo­sen zu ermög­li­chen. Doch soll­ten all die­se Din­ge natür­lich immer im Mit­tel­punkt jeder huma­nen Gesell­schafts­ord­nung ste­hen und nicht erst als Effekt einer Pan­de­mie auf­tre­ten. Aber im Kapi­ta­lis­mus wird der Schutz von Leben sys­te­ma­tisch ver­nach­läs­sigt – eben­so wie die Umwelt sys­te­ma­tisch zer­stört wird. Nun wird der Wider­sinn einer sol­chen Art und Wei­se, unser Leben zu orga­ni­sie­ren, unüber­seh­bar. Ein wei­te­re Erkennt­nis scheint sich die­ser Tage jedoch auch immer mehr Bahn zu bre­chen. Der Begriff »sys­tem­re­le­vant« bezieht sich aktu­ell nicht auf Vor­stän­de, Ban­kiers oder Fabrik­be­sit­zer. Gemeint sind all die Pfle­ge­rin­nen, Paket­bo­ten, Ver­käu­fe­rin­nen, Erzie­her, Haus­wirt­schaf­ter, Heb­am­men und Last­wa­gen­fah­rer, die – wie man so sagt – den Laden am Lau­fen hal­ten. Gleich­zei­tig sind es Men­schen in die­sen Beru­fen, die ein deut­lich höhe­res Risi­ko haben, sich mit dem Coro­na­vi­rus anzu­ste­cken als die Vor­stän­de, Ban­kiers oder Fabrik­be­sit­zer. Dafür aber wer­den sie deut­lich schlech­ter bezahlt. Die Sta­tis­tik sagt, dass die Chan­ce, die Pan­de­mie zu über­le­ben, mit dem Ein­kom­men steigt. Das jah­re­lang gehör­te Man­tra – vor­ge­bracht von all jenen Vor­stän­den, Ban­kiers oder Fabrik­be­sit­zern –, dass sich Leis­tung end­lich wie­der löh­nen müs­se, erweist sich als das, was es immer war: blan­ker Hohn. (…) Vom Staat haben die Pfle­ge­rin­nen, Paket­bo­ten, Ver­käu­fe­rin­nen, Erzie­her, Haus­wirt­schaf­ter, Heb­am­men und Last­wa­gen­fah­rer nichts zu erwar­ten. Die Maß­nah­men der Regie­run­gen zie­len vor allem dar­auf ab, den Zusam­men­bruch des Finanz­sys­tems zu ver­hin­dern. Zwar sol­len die schlimms­ten sozia­len Fol­gen durch staat­li­che Ein­grif­fe abge­mil­dert wer­den, doch hilft dies den Vor­stän­den, Ban­kiers oder Fabrik­be­sit­zer deut­lich mehr. Die Pfle­ge­rin­nen, Paket­bo­ten, Ver­käu­fe­rin­nen, Erzie­her, Haus­wirt­schaf­ter, Heb­am­men und Last­wa­gen­fah­rer ver­ste­hen zuneh­mend, dass der Kapi­ta­lis­mus sie nicht schüt­zen wird. Statt­des­sen müs­sen sie sich auf sich selbst und die prak­ti­sche Soli­da­ri­tät ande­rer Men­schen der Arbei­ter­klas­se ver­las­sen. »Denen da unten« wer­den nur »die da unten« hel­fen.” Kom­men­tar von Chris­to­pher Wim­mer bei neu­es Deutsch­land vom 17. April 2020 externer Link
  • Gegen Staat, Kapi­tal und Patri­ar­chat – die Kri­se heißt Kapi­ta­lis­mus
    Super­märk­te, Bäcke­rei­en, Pfle­ge­hei­me, Kran­ken­häu­ser: es sind vor allem wir lohn­ab­hän­gi­gen Frau­en, die in der Coro­na-Epi­de­mie in ers­ter Rei­he ste­hen. Es sind vor allem die Berufs­spar­ten, die mies bezahlt und auch im all­ge­mei­nen äußerst pre­kär sind. Und der Applaus von den Bal­ko­nen und Fens­tern der Repu­blik bringt kei­ne Stei­ge­run­gen auf dem Lohn­zet­tel, bes­se­re Per­so­nal­schlüs­sel oder eine Abkehr der unsäg­li­chen „Fall­pau­scha­le“ in den durch­pri­va­ti­sier­ten Kran­ken­häu­sern. Im Gegen­teil: 12 Stun­den Schich­ten sind mög­lich weil der aus­ge­ru­fe­ne Kata­stro­phen­fall das Arbeits­schutz­ge­setz aus­he­belt und die Per­so­nal­schlüs­sel wur­den in den Kran­ken­häu­sern und der Pfle­ge sogar gänz­lich aus­ge­setzt. Wie­der ein­mal set­zen die DGB-Gewerk­schafts­spit­zen dar­auf, gemein­sam mit der Regie­rung und den Unter­neh­men part­ner­schaft­lich zusam­men zu arbei­ten und mas­si­ve Ein­schnit­te hin zu neh­men, die letz­ten Endes die Las­ten der Kri­se auf uns alle umwäl­zen, um die Wirt­schaft und das dazu­ge­hö­ri­ge Wirt­schafts­sys­tem zu ret­ten. Eben genau das Wirt­schafts­sys­tem, das uns erst in die heu­ti­ge Situa­ti­on gebracht hat. (…) Gewin­ne pri­va­ti­sie­ren, Ver­lus­te sozia­li­sie­ren, so funk­tio­niert Kapi­ta­lis­mus. Für uns gibt es nur eine Lösung: orga­ni­sie­ren, soli­da­risch sein und als lohn­ab­hän­gi­ge Klas­se das ein­for­dern, was uns zusteht. Kran­ken­häu­ser und Pfle­ge ver­ge­sell­schaf­ten! Genau­so wie die Her­stel­lung und die Ver­tei­lung der Lebens­mit­tel eine kol­lek­ti­ve Auf­ga­be sein muss, die sich nach den Bedürf­nis­sen der Men­schen rich­tet und nicht nach dem Pro­fit, der damit zu machen ist. (…) Das alles sind kei­ne Pro­ble­me, die von der Covi­d19-Pan­de­mie ver­ur­sacht wor­den sind, nein, sie ver­deut­licht nur, was schon so lan­ge falsch läuft: ein Wirt­schafts­sys­tem aus­ge­rich­tet an Pro­fit­in­ter­es­sen anstatt an den Bedürf­nis­sen der Men­schen und mit ihm ver­wo­ben eine patri­ar­cha­le Struk­tur, die Frau­en ihren kla­ren Platz in der Gesell­schaft zuweist: Vie­les konn­ten wir in all den Kämp­fen in all den Jah­ren auf­bre­chen aber nach wir vor gilt es, Kapi­ta­lis­mus und Patri­ar­chat als Gan­zes zu zer­schla­gen. Weder das eine noch das ande­re brau­chen wir. Bei­des ist für uns als lohn­ab­hän­gi­ge Frau­en eine exis­ten­zi­el­le wie auch phy­si­sche Gefahr. Wir kön­nen uns auf kei­nen Staat, auf kei­ne Che­fIn­nen, auf kei­ne Rich­te­rIn­nen oder sonst wen ver­las­sen. Wir ver­las­sen uns auf unse­re gegen­sei­ti­ge Soli­da­ri­tät und bau­en Netz­wer­ke auf. Wir orga­ni­sie­ren uns an unse­ren Arbeits­plät­zen – gera­de in den pre­kä­ren Berei­chen und wir erzeu­gen Druck – nicht trotz die­ser Pan­de­mie son­dern genau wegen ihr…” Bei­trag vom 14. April 2020 von orga­ni­sier­te auto­no­mie (OA) externer Link
  • Vom Viro­lo­gen-Staat zum Poli­zei-Staat /​[Peti­ti­on] #wir­las­sen­un­s­nicht­spal­ten – Kei­ne Iso­lie­rung von “Risi­ko­grup­pen” /​Pro­le­ta­ri­at & Klas­sen­kampf – Alles fällt vom Him­mel 
    • Die nächs­te Pha­se der „Coro­na-Kri­se“: Vom Viro­lo­gen-Staat zum Poli­zei-Staat
      “Die Mona­te, die hin­ter uns und wahr­schein­lich auch noch vor uns lie­gen, wer­den in die Geschichts­bü­cher mit Sicher­heit als die Zeit der „Coro­na-Kri­se“ ein­ge­hen. (…) Für die Lin­ke gilt in die­ser Situa­ti­on vor allem eines: Sie darf sich weder auf natio­na­ler, noch auf EU-Ebe­ne in irgend­ei­ne Art der „Not­stands-Ein­heits-Regie­rung“ oder „Not­stands­al­li­anz“ ein­rei­hen, auch wenn der Druck ande­rer Par­tei­en oder der Medi­en noch so groß ist. Es wird auch für die Coro­na-Kri­se kei­ne pro-kapi­ta­lis­ti­sche Lösung geben, der sich die Lin­ke ver­schrei­ben müss­te. Im Gegen­teil, so wie jede Kri­se auch Ansät­ze eines Sys­tem­wech­sels und grund­sätz­li­cher Ände­run­gen in sich birgt, so kann auch die Coro­na-Kri­se eine Chan­ce sein, neue anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Ideen und Ansät­ze zu popu­la­ri­sie­ren. Dafür gibt es vor allem drei Ansatz­punk­te: Ers­tens die kri­ti­sche Beob­ach­tung aller poli­ti­scher Vor­ha­ben der bür­ger­li­chen Regie­run­gen. (…) Zwei­tens soll­ten aus der Kri­se und den aktu­el­len poli­ti­schen Regle­men­tie­run­gen neue For­men des poli­ti­schen Wider­stan­des ent­wi­ckelt und für die Zukunft erhal­ten wer­den. Es gibt eine unge­ahn­te Aus­deh­nung von Nach­bar­schafts­hil­fe, neue For­men der Ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln, die ein Bild ent­wer­fen, wie eine zukünf­ti­ge soli­da­ri­sche Gesell­schaft aus­se­hen könn­te. Der ein­ge­spiel­te „Sit­zungs­so­zia­lis­mus“ ist nicht das Ende der Weis­heit. So man­che lin­ken Zusam­men­hän­ge erken­nen heu­te, dass es Alter­na­ti­ven, nicht zuletzt durch krea­ti­ve Online-Ver­fah­ren gibt, die wei­ter­zu­ent­wi­ckeln sind. Wir for­dern auch die Ein­füh­rung neu­er For­men der direk­ten Demo­kra­tie: War­um sol­len Beleg­schaf­ten nicht ein kla­res Veto-Recht bei der Fort­füh­rung der Pro­duk­ti­on haben, wenn die Gesund­heit gefähr­det ist? Indi­vi­du­ell und halb­gar gibt es die­ses Veto-Recht aus Gesund­heits­grün­den schon heu­te, es muss aus­ge­baut wer­den. Es ist nicht ein­seh­bar, war­um bestimm­te Fabri­ken und Büros mit engs­ten Men­schen­ver­samm­lun­gen wei­ter­hin am Lau­fen gehal­ten wer­den; war­um dicht gedräng­te Fahr­ten in Bus­sen und Bah­nen wei­ter­hin gedul­det wer­den, aber Fuß­ball­spie­len im Park und Fri­seur­be­su­che ver­bo­ten wer­den. War­um sol­len über sol­che Din­ge nicht Nach­bar­schafts­ko­mi­tees und Ver­brau­cher­rä­te ent­schei­den? Drit­tens schließ­lich, zeigt auch die­se Kri­se die Gren­zen des Kapi­ta­lis­mus auf. Sie stellt die „Sys­tem­fra­ge“ und die Lin­ke soll­te sie auch und sofort stel­len. Gan­ze Pro­duk­ti­ons­zwei­ge sind offen­kun­dig nicht nur gesund­heits­schäd­lich oder kli­ma­zer­stö­rend, son­dern auch ent­behr­lich. Pro­duk­ti­ons­li­ni­en kön­nen genau­so offen­kun­dig schnell umge­stellt wer­den. Din­ge wer­den mög­lich, die noch vor Mona­ten sozia­lis­ti­sches Teu­fels­zeug oder nie­mals ver­wirk­lich­bar sein soll­ten. (…) Die Gewerk­schaf­ten als alte sozia­le Bewe­gung müs­sen end­lich den zwei­ten Teil des Wor­tes Tarif­po­li­tik umset­zen: Poli­ti­sche Ver­än­de­run­gen in den Betrie­ben mit mehr Kon­trol­le und Selbst­be­stim­mung der Beleg­schaf­ten sind mög­lich. Kein Unter­neh­men darf staat­li­che Hil­fe oder Gel­der aus den Sozi­al­kas­sen erhal­ten ohne sol­che neu­en For­men der Beleg­schafts­kon­trol­le. Die Kon­ver­si­on von Pro­duk­ti­ons­li­ni­en ist kei­ne Träu­me­rei für mor­gen, son­dern kann offen­sicht­lich als Tages­po­li­tik auch tarif­po­li­tisch umge­setzt wer­den. Die Kri­se als Chan­ce nut­zen, ist sicher­lich ein oft gehör­tes und gespro­che­nes hoh­les Wort. Aber die Lin­ke hät­te durch­aus die Chan­ce, dass es dies­mal etwas mehr wird.” Bei­trag von Thies Gleiss und Jakob Schä­fer vom 13. April 2020 beim IPK online externer Link
    • [Peti­ti­on] #wir­las­sen­un­s­nicht­spal­ten – Kei­ne Iso­lie­rung von “Risi­ko­grup­pen”
      “Wie Mil­lio­nen ande­re gehö­re ich zur soge­nann­ten „Risi­ko­grup­pe“. Als ein­zi­ge Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te mit sicht­ba­rer Behin­de­rung ist für mich klar: Ich möch­te nicht in eine „Risikogruppen“-Schublade gesteckt wer­den und mona­te­lang vom Rest der Gesell­schaft aus­ge­grenzt wer­den. Ich ent­schei­de selbst für mich wie ich mich schüt­ze. Genau die­se Angst, weg­ge­sperrt, stig­ma­ti­siert und von Arbeit und Sozi­al­le­ben aus­ge­schlos­sen zu wer­den, tei­len aktu­ell vie­le Men­schen denn: Im Rah­men der Debat­ten um mög­li­che Exit­stra­te­gien kur­siert seit eini­gen Tagen die Idee, „Risi­ko­grup­pen“ zu iso­lie­ren. Dem­nach soll­te die jün­ge­re, gesun­de Bevöl­ke­rung lang­sam in ein nor­ma­les Leben über­ge­hen. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger einer Risi­ko­grup­pe soll­ten hin­ge­gen wei­ter mit Ein­schrän­kun­gen leben. Die­ser Spal­tung der Gesell­schaft und Iso­lie­rung von Risi­ko­grup­pen stel­len wir uns ent­ge­gen…” Kat­rin Lan­gen­sie­pen hat die­se Peti­ti­on an Bun­des­re­gie­rung am 8. April 2020 bei chan​ge​.org gestar­tet externer Link und bit­tet um Unter­stüt­zung
    • Pro­le­ta­ri­at & Klas­sen­kampf – Alles fällt vom Him­mel
      “Eine Lin­ke, die nur noch Ver­tei­lungs­fra­gen kennt und den Bezug zur Pro­duk­ti­ons­sphä­re ver­lo­ren hat, hat den Bezug zur Arbei­te­rIn­nen­klas­se und zur Rea­li­tät ver­lo­ren. (…) Sicher­lich: Waren sind geron­ne­ne mensch­li­che Arbeit – in ihnen mani­fes­tiert sich aber auch mensch­li­ches Lei­den und Ster­ben. Im kapi­ta­lis­ti­schen Herr­schafts­ver­hält­nis ist nicht nur die Arbeit, son­dern auch der Tod der einen für den Reich­tum der ande­ren kei­ne Neben­er­schei­nung, son­dern fes­ter Bestand­teil des Sys­tems. Welt­weit ster­ben jähr­lich über zwei Mill­lio­nen Ange­hö­ri­ge jener Klas­se, die es einer wahn­haf­ten lin­ken Denk­rich­tung zufol­ge eigent­lich gar nicht mehr gibt, an den direk­ten Fol­gen ihrer Lohn­ar­beit. Sie ster­ben durch töd­li­che Arbeits­un­fäl­le oder an Krank­hei­ten, die sie sich infol­ge ihrer Erwerbs­tä­tig­keit zuzo­gen. (…) Bei aller ver­ba­len Staats­fer­ne ver­spre­chen sich – wenn man genau­er hin­sieht – Tei­le der radi­ka­len Lin­ken das Heil einst­wei­len vom ideel­len Gesamt­pa­tri­ar­chen: Von “Vater Staat”. Wie klei­ne Kin­der in einer Wohl­stands­ge­sell­schaft begrei­fen sie nicht, dass die Res­sour­cen von Mama und Papa end­lich sind. Da sie nicht Teil des Pro­le­ta­ri­ats sind und sich auch nicht für Öko­no­mie inter­es­sie­ren, über­se­hen sie sehr bereit­wil­lig: Alles, was ver­teilt wer­den soll, muss erst geschaf­fen wer­den. Eine rei­ne Umver­tei­lungs- und Ver­sor­gungs­lin­ke setzt viel­leicht noch eine hoh­le Phra­se mit Bezug auf irgend­ei­ne “sozia­le Revo­lu­ti­on” unter ihre lus­ti­gen Pam­phle­te, ihre Aus­füh­run­gen kön­nen aber oft über­setzt wer­den mit: Gebt uns Geld und im Übri­gen sind wir für das Gute und gegen das Schlech­te!. Sie über­schätzt dabei maß­los die Blöd­heit der Pro­le­ta­rie­rIn­nen. Wie­viel des vom Pro­le­ta­ri­at geschaf­fe­nen Wer­tes den Kapi­ta­lis­tIn­nen anheim­fällt und wie­viel bei den Pro­le­ta­rie­rIn­nen bleibt, ist für Arbei­te­rIn­nen eine äußerst wich­ti­ge Fra­ge, inso­fern geht es bei pro­le­ta­ri­schen Kämp­fen eben sehr hand­fest und prag­ma­tisch um Fra­gen der Umver­tei­lung, der Rech­te und um Refor­men. Es geht aber eher nicht um lee­re Ver­spre­chun­gen oder alber­ne Sprü­che und es geht schon gar nicht um ein “Gese­hen­wer­den” oder mehr “Respekt” und weni­ger Klas­sis­mus. Es geht um eine tat­säch­li­che Ver­bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen und sozia­len Lage und schließ­lich um die Kon­trol­le über die Pro­duk­ti­ons­mit­tel. Unterm Strich bleibt als trau­ri­ges Fazit fest­zu­hal­ten: Eine Lin­ke, die auf die Arbei­te­rIn­nen­klas­se scheißt, ist eine Lin­ke, auf die die Arbei­te­rIn­nen­klas­se scheißt.” Bei­trag vom 14. April 2020 vom und beim Auto­no­mie Maga­zin externer Link
    • Der Zug fährt ab
      “Inner­halb weni­ger Wochen hat sich die all­ge­mein als „Coro­na-Kri­se“ bezeich­ne­te kapi­ta­lis­ti­sche Gesund­heits­kri­se welt­weit rasant ver­schärft. (…) Die aktu­el­le Lage wird von der bun­des­deut­schen Regie­rung sowie den Lan­des­re­gie­run­gen genutzt, um sich in unter­schied­li­chem Maße am Reper­toire des Aus­nah­me­zu­stands zu bedie­nen. Neben einer gene­rel­len gesell­schaft­li­chen Läh­mung schei­nen auch wei­te Tei­le der Lin­ken in eine Schock­star­re gefal­len zu sein: Obgleich sich vie­le von ihnen der his­to­ri­schen Zäsur und der mög­li­chen Schlag­kraft die­ser Kri­se bewusst wer­den, kämp­fen sie mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­men, der Ato­mi­sie­rung gan­zer Zusam­men­hän­ge und der Suche nach pas­sen­den prak­ti­schen und in der Jetzt­zeit umsetz­ba­ren lin­ken Ant­wor­ten auf die Ver­schär­fung gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Aus­wir­kun­gen durch SARS-CoV‑2. Es herrscht eine weit­ver­brei­te­te Rat­lo­sig­keit, wie poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on und Pra­xis – auch außer­halb der vir­tu­el­len Netz­wer­ke, im öffent­li­chen Raum – gewähr­leis­tet wer­den kann; etwa dar­über, wie eine Pra­xis des Umgangs mit den staat­li­chen Maß­nah­men aus­se­hen könn­te, die auch über ganz klein­tei­li­ge Soli­da­ri­täts­ar­beit im Nah­be­reich hin­aus­geht. (…) Auch die Rol­le der (Basis-)Gewerkschaften wird wich­ti­ger wer­den. Lin­ke Posi­tio­nen müs­sen sich deut­lich gegen eine Abwäl­zung der Kri­sen­kos­ten auf die Arbei­ten­den stel­len – noch bevor die Rezes­si­on nach unten wei­ter­ge­reicht wird. Die sozia­le Fra­ge muss besetzt wer­den, bevor rech­te Kräf­te die ent­ste­hen­den sozia­len Wider­sprü­che wei­ter für sich nut­zen. Nicht zuletzt müs­sen wir die Bedeu­tung der Care-Arbeit ins Spiel brin­gen: Jeden Abend um 21:00 Uhr wird zwar kräf­tig für die Arbei­ten­den im Gesund­heits­sek­tor applau­diert, geschwie­gen wird dabei aller­dings über Lohn­er­hö­hun­gen, bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und gemein­wohl- statt pro­fit­ori­en­tier­te Gesund­heits­sys­te­me. Still ist es auch dar­über, dass ein Groß­teil der mies bezahl­ten Care-Arbei­ten von Frau­en* gemacht wer­den – von der unbe­zahl­ten Care-Arbeit und Erzie­hungs­ar­beit mal abge­se­hen, die jetzt auch wie­der ganz indi­vi­du­ell zu lösen ist. Der gesam­te Bereich der Erzie­hung, Pfle­ge, Fami­li­en­ar­beit und wei­te­re, die unser aller Wohl­erge­hen betref­fen, ist in unse­rer Gesell­schaft das Rück­grat, ohne das kaum etwas ande­res mög­lich wäre. Sys­tem­re­le­vant ist also viel­leicht sogar noch nicht tref­fend genug – und eine ange­mes­se­ne Hono­rie­rung die­ser Berufs- und Arbeits­fel­der längst über­fäl­lig. Die Lin­ke muss unter den ver­schärf­ten poli­ti­schen wie gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen ihre Hand­lungs­fä­hig­keit wie­der­erlan­gen. Aktu­ell sehen sich vie­le Struk­tu­ren auf­grund der ordungs­po­li­ti­schen und gesund­heit­li­chen Beschrän­kun­gen einer Ver­ein­ze­lung ihrer Mit­glie­der und absur­der­wei­se einer poli­ti­schen Per­spek­tiv­lo­sig­keit aus­ge­setzt. Dabei ist genau jetzt der Zeit­punkt, lin­ke Gegen­mo­del­le zum herr­schen­den auf­zu­zei­gen und dafür zu strei­ten. Also packen wir es an!” Bei­trag vom 11. April 2020 von der Redak­ti­on des re:volt maga­zi­ne externer Link
  • Soli­da­ri­tät ver­än­dert kei­ne Struk­tu­ren /​Glo­ba­le Soli­da­ri­tät in Zei­ten von Coro­na 
    • Soli­da­ri­tät ver­än­dert kei­ne Struk­tu­ren. Der Sozio­lo­ge Wil­helm Heit­mey­er beob­ach­tet in der Coro­na­kri­se viel Gesell­schafts­ro­man­tik
      “Die Hoff­nung, dass Soli­da­ri­tät zu weit­rei­chen­den Neu­ent­wick­lun­gen in der gesam­ten Gesell­schaft füh­re, sei aber naiv und pro­ble­ma­tisch”, sag­te Heit­mey­er im Gespräch mit Ann-Kath­rin Büüs­ker am 6. April 2020 beim Deutsch­land­funk externer LinkAudio Datei: “In einem kapi­ta­lis­ti­schen Staat sei das kaum mög­lich. (…) 93 Pro­zent der befrag­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger befür­wor­ten die der­zei­ti­gen Kon­takt­be­schrän­kun­gen. Das ist das Ergeb­nis des letz­te Woche ver­öf­fent­lich­ten ARD-Deutsch­land­trends. Wir ver­zich­ten der­zeit auf zahl­rei­che Grund­rech­te und das eini­ger­ma­ßen bereit­wil­lig. Sol­che Ein­grif­fe hät­ten immer einen auto­ri­tä­ren Bei­klang, sagt der Sozio­lo­ge Wil­helm Heit­mey­er im Dlf. Man müs­se nun aber auf­pas­sen, „wenn das immer wei­ter aus­ge­wei­tet wird, dass wir dann durch­aus in die Nähe eines Über­wa­chungs­staa­tes kom­men, und das wird dann gefähr­lich.“ Denn Insti­tu­tio­nen, poli­ti­sche oder minis­te­ria­le Insti­tu­tio­nen hät­ten kein Gedächt­nis. „Das heißt, es dient jetzt zunächst mal zur Macht­aus­wei­tung, und da muss man auf­pas­sen, dass sich das nicht ver­fes­tigt.“ Das sei der ent­schei­den­de Punkt. Mit Blick auf die Gesell­schaft sieht Hei­mey­er kei­ne Hoff­nung, dass sich nach Coro­na alles zum Posi­ti­ven ände­re. „Das kann ich nicht erken­nen. Denn wir leben letzt­lich in einem kapi­ta­lis­ti­schen Staat und da ist es ja so, dass der Finanz­ka­pi­ta­lis­mus kein beson­de­res Inter­es­se an gesell­schaft­li­cher Inte­gra­ti­on hat, son­dern da geht es um die Kri­te­ri­en von Nütz­lich­keit, Ver­wert­bar­keit, Effi­zi­enz.“ Da müs­se man auf­pas­sen, dass das jetzt nicht auch auf Men­schen zuneh­mend ange­wandt wird“ Auch sieht Heit­mey­er die Gefahr der „grup­pen­be­zo­ge­nen Men­schen­feind­lich­keit.“ Das wer­de der­zeit durch die Pan­de­mie über­deckt. „Aber es ist alles vor­han­den und wird, wenn mich nicht alles täuscht, danach wie­der auf­bre­chen und die Rechts­ex­tre­men bezie­hungs­wei­se die auto­ri­tä­ren Natio­nal­ra­di­ka­lis­ten wer­den die­ses aus­zu­nut­zen ver­su­chen. (…) Die Ver­schwö­rungs­theo­rien sind schon in Vor­be­rei­tung…” (Audio­län­ge: 13:17 Min., hör­bar bis zum 19. Janu­ar 2038)
    • Glo­ba­le Soli­da­ri­tät in Zei­ten von Coro­na
      Das aktu­el­le Dos­sier der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung “Glo­ba­le Soli­da­ri­tät” externer Link umfasst Bei­trä­ge zu Fra­gen der trans­na­tio­na­len Koope­ra­ti­on und Orga­ni­sie­rung. Ein Schwer­punkt dar­in ist die Soli­da­ri­tät in der Coro­na-Kri­se und danach externer Link Das Nord-Süd-Gefäl­le und die “impe­ria­le Lebens­wei­se” wer­den eben­so dis­ku­tiert wie Ansät­ze zur wach­sen­den Frau­en­streik­be­we­gung. Eine Rei­he von his­to­ri­schen Arti­keln beleuch­tet frü­he­re inter­na­tio­na­lis­ti­sche Ver­su­che wie die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le.
  • Rot­licht: Soli­da­ri­tät
    Soli­da­ri­tät ist schon unter nor­ma­len Bedin­gun­gen ein infla­tio­när gebrauch­tes Wort. In Coro­na­zei­ten hat es Hoch­kon­junk­tur. Gemeint ist laut Duden das »unbe­ding­te Zusam­men­hal­ten«, ein »Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl« oder das »Ein­tre­ten für­ein­an­der«. Da jede For­de­rung die Abwe­sen­heit des Gefor­der­ten zur fak­ti­schen Grund­la­ge hat, gibt der Ruf nach Soli­da­ri­tät durch­aus Auf­schluss über den ant­ago­nis­ti­schen Cha­rak­ter der Inter­es­sen­ver­fol­gung in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft. Über­flüs­sig wäre es jeden­falls, Men­schen dort zur Soli­da­ri­tät auf­zu­for­dern, wo ihre indi­vi­du­el­le Nut­zen­ver­fol­gung mit der Bedürf­nis­be­frie­di­gung aller ande­ren Gesell­schafts­mit­glie­der glück­lich zusam­men­fällt. Weil die Indi­vi­du­en unter kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen ihre Inter­es­sen in der Regel nicht koope­ra­tiv mit­ein­an­der, son­dern kon­kur­rie­rend gegen­ein­an­der ver­fol­gen müs­sen und weil sie zugleich von­ein­an­der abhän­gig sind – das zeigt sich in der Kri­se –, ste­hen »Inter­es­se« und »All­ge­mein­wohl« in einem unauf­lös­ba­ren Wider­spruch. (…) Soli­da­ri­tät als Kampf­be­griff der Arbei­ter­be­we­gung hat auch deren Nega­ti­on zur Grund­la­ge – näm­lich die Kon­kur­renz der Lohn­ab­hän­gi­gen. Unter den Bedin­gun­gen eines per­ma­nen­ten Not­ver­kaufs mutiert sie zum Unter­bie­tungs­wett­be­werb beim Lohn und zum Über­bie­tungs­wett­be­werb bei der Leis­tung. Soli­da­ri­tät unter den Arbei­tern – ihre kol­lek­ti­ve Orga­ni­sie­rung in Gewerk­schaf­ten und ihre geschlos­se­ne Arbeits­ver­wei­ge­rung im Streik – das ist ihre Waf­fe im Klas­sen­kampf. Soli­da­ri­tät meint hier wohl­ge­merkt nicht geleb­ten Ver­zicht fürs »gro­ße Gan­ze«, son­dern ist Mit­tel der Inter­es­sen­durch­set­zung. In den Zei­ten von Coro­na bedeu­te Soli­da­ri­tät, so sagen es deut­sche »Ver­ant­wor­tungs­trä­ger«, den gesund­heits- und wirt­schafts­po­li­ti­schen Anord­nun­gen der Regie­rung Fol­ge zu leis­ten und die von ihnen ange­rich­te­te Mise­re des Gesund­heits­we­sens kri­tik­los als »Her­aus­for­de­rung für uns alle« zu begrei­fen. »Euro­päi­sche Soli­da­ri­tät« sei ganz wich­tig, fin­den deut­sche Poli­ti­ker, die Ita­li­en im März drin­gend benö­tig­te Medi­zin­gü­ter ver­wei­ger­ten. »Unso­li­da­risch« ist nach Ansicht deut­scher Pres­se­leu­te hin­ge­gen, wenn die Tür­kei Flücht­lin­ge nicht mehr an der Wei­ter­rei­se in die EU hin­dert. Um so mehr wird die Inter­nie­rung der Flüch­ten­den in Lagern, ihre Zurück­drän­gung mit Waf­fen­ge­walt, ihre Miss­hand­lung durch den grie­chi­schen Staat geför­dert und gefor­dert – als Teil der euro­päi­schen »Soli­da­ri­tät«. »Soli­da­risch« erklä­ren sich die deut­schen Gewerk­schafts­füh­rer mit den unschul­dig in Not gera­te­nen Unter­neh­men. Im Namen der Seu­che ver­zich­ten sie trotz stei­gen­der (Miet)Preise groß­zü­gig auf Lohn­for­de­run­gen. (…) Der Begriff der Soli­da­ri­tät hat mit dem vor­läu­fi­gen Ende einer revo­lu­tio­nä­ren Arbei­ter­be­we­gung sei­nen Kampf­cha­rak­ter ver­lo­ren und ist zur mora­li­schen Tugend, zum Syn­onym für Unter­wer­fungs­be­reit­schaft und natio­na­len Zusam­men­halt ver­kom­men.” Arti­kel von Ari­an Schif­fer-Nas­se­rie in der jun­gen Welt vom 01.04.2020 externer Link
  • Gren­zen­lo­se Soli­da­ri­tät. Die Pan­de­mie stellt die neo­li­be­ra­le Gesell­schaft und Wirt­schaft grund­le­gend in Fra­ge. Jetzt die rich­ti­gen Leh­ren zu zie­hen, ist für eine gemein­sa­me Zukunft exis­ten­ti­ell
    “… Gren­zen­lo­se Soli­da­ri­tät, die ganz bewusst alle Men­schen umfasst, führt schluss­end­lich gera­de im Hin­blick auf die Zeit nach der Pan­de­mie zu einem zen­tra­len gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen The­ma zurück, das zu lan­ge von der Büh­ne der poli­ti­schen Auf­merk­sam­keit ver­schwun­den ist: die sozia­le Fra­ge. Denn nur eine Gesell­schaft, die über eine mode­ra­te Ungleich­heit ver­fügt, ist eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft. “Der Neo­li­be­ra­lis­mus betrach­tet den Wett­be­werb als das bestim­men­de Merk­mal der mensch­li­chen Bezie­hun­gen”, stell­te der Guar­di­an-Jour­na­list Geor­ge Mon­bi­ot fest. In Zei­ten der Pan­de­mie aber soll­ten wir von lieb­ge­won­ne­nen Lei­stät­zen des Neo­li­be­ra­lis­mus Abschied neh­men und eine neue soli­da­ri­sche Gesell­schaft welt­weit auf­bau­en, die das Ver­hält­nis zwi­schen Men­schen und schluss­end­lich auch zwi­schen Natio­nen nicht mehr durch Kon­kur­renz defi­niert, son­dern durch Soli­da­ri­tät. Somit wird Covid-19 zum Test, ob wir in einem dau­er­haf­ten neo­li­be­ra­len Wett­be­werb leben wol­len, der stets nach Sie­gern giert und Ver­lie­rer for­dert (und in Zei­ten einer Pan­de­mie zwangs­läu­fig die Anzahl der zu bekla­gen­den Toten erhö­hen wird) oder ob sich die Men­schen als lern­fä­hig erwei­sen und die For­de­rung der Zeit ver­ste­hen: gren­zen­lo­se Sol­da­ri­tät…” Arti­kel von Andre­as von West­pha­len vom 1. April 2020 bei Tele­po­lis externer Link
  • Pla­kat: Pro­duk­ti­ons­stopp – Geteil­te Ver­ant­wor­tung – Soli­da­ri­tät
    Seit wir vor zwei Wochen als Soli­da­risch gegen Coro­na damit begon­nen haben, täg­lich Arti­kel, Ana­ly­sen, Über­set­zun­gen, Berich­te von Arbeits­kämp­fen und Inter­views zu ver­öf­fent­li­chen, hat sich die gesund­heit­li­che, sozia­le und öko­no­mi­sche Kri­se deut­lich ver­schärft. Mit einem wei­te­ren Pla­kat rücken wir nun die staat­li­chen Zwangs­maß­nah­men, die Coro­na-Par­tys der Unter­neh­mer und die natio­na­lis­ti­sche Gefahr ins Zen­trum und freu­en uns über Ver­brei­tung und Dis­kus­si­on. Als Reak­ti­on auf die Pan­de­mie wer­den im Eil­tem­po Grund­rech­te aus­ge­he­belt. Die staat­lich ver­ord­ne­ten Aus­gangs­sper­ren und Not­stands­ver­ord­nun­gen rich­ten sich in vie­len Län­dern gegen Arbeits­kämp­fe, Streiks und Auf­stän­de. Wäh­rend wir sozia­le Kon­tak­te ein­schrän­ken müs­sen, fei­ern vie­le Unter­neh­mer wei­ter­hin Coro­na-Par­tys: nicht not­wen­di­ge Arbei­ten lau­fen unter gesund­heits­ge­fähr­den­den Bedin­gun­gen wei­ter. Die Regie­run­gen reagie­ren auf die Pan­de­mie mit Grenz­schlie­ßun­gen, Aus­fuhr­ver­bo­ten für medi­zi­ni­sche Güter und Migra­ti­ons­ab­wehr. Sie insze­nie­ren sich als Schutz­macht der Lohn­ab­hän­gi­gen, wäh­rend sie ges­tern noch das Gesund­heits­sys­tem kaputt gespart haben. Wir steu­ern auf eine sozia­le Kri­se unbe­kann­ten Aus­ma­ßes zu, die mas­si­ve Angrif­fe auf unse­re Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen nach sich zie­hen wird. For­de­run­gen an den Staat oder die Unter­neh­mer nach Pro­duk­ti­ons­stopp, Lohn­aus­gleich oder Gesund­heits­schutz wer­den nicht rei­chen. Wenn jetzt die Welt­wirt­schaft einen Infarkt erlei­det, wird es auf unse­re Fähig­kei­ten ankom­men, die not­wen­di­gen Tei­le der Pro­duk­ti­on und Gesund­heits­ver­sor­gung wie­der in Gang zu set­zen…” Pla­kat vom 31.3.2020 von und bei soli­da­risch­ge­gen­co­ro­na externer Link
  • [3. April 20] Online-Debat­te: Wer zahlt für die Coro­na-Kri­se?
    Am Frei­tag abend dis­ku­tie­ren wir bei einer Live-Über­tra­gung auf Face­book dar­über, wer für die Coro­na-Kri­se zah­len wird: Die Groß­kon­zer­ne oder die Arbeiter*innen? Das Coro­na-Virus zeigt die gra­vie­ren­den Fol­gen der Spar­po­li­tik im Gesund­heits­sys­tem: Es gibt nicht genug Schutz­klei­dung oder Inten­siv­bet­ten, um auf einen schnel­len Anstieg der Infek­tio­nen zu reagie­ren und das ohne­hin schon über­las­te­te Per­so­nal kommt an sei­ne Gren­zen. Dabei haben die Arbeits­be­din­gun­gen an den Kran­ken­häu­sern nicht erst seit der Coro­na-Kri­se die Gesund­heit von Patient*innen und Beschäf­tig­ten gefähr­det. Seit Jah­ren gibt es For­de­run­gen nach mehr Per­so­nal, gerin­ge­rer Arbeits­last und ange­mes­se­ner Bezah­lung. Die­se For­de­run­gen sind aktu­el­ler denn je! Und wäh­rend für uns alle in der Frei­zeit Kon­takt­ver­bot und Aus­gangs­sper­ren gel­ten, soll in vie­len Fir­men der Betrieb auf­recht­erhal­ten wer­den, obwohl eine Anste­ckung am Arbeits­platz nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Dort, wo die Pro­duk­ti­on rich­ti­ger­wei­se ein­ge­stellt wird, sol­len die Beschäf­tig­ten mit mas­si­ven Lohn­ein­bu­ßen dafür zah­len oder müs­sen sogar den Job­ver­lust fürch­ten. Ganz zu schwei­gen von der zu erwar­ten­den Wirt­schafts­kri­se, die auf die Rücken der ärms­ten und pre­kärs­ten Sek­to­ren abge­la­den wer­den soll. Die Fra­ge, die sich also stellt, ist: Wer zahlt für die Coro­na-Kri­se? Die Groß­kon­zer­ne oder die Arbeiter*innen? Die Ant­wort wird davon abhän­gen, wie wir uns orga­ni­sie­ren, wie es in Ita­li­en, Spa­ni­en oder Frank­reich schon Arbeiter*innen in ihren Betrie­ben tun. Dar­über wol­len wir mit Kran­ken­haus-Beschäf­tig­ten, Gewerkschafter*innen und Aktivist*innen dis­ku­tie­ren – per Video-Chat im Live­stream.” Auf­ruf von Klas­se Gegen Klas­se vom 30. März 2020 externer Link für Frei­tag, 3. April, 19–21 Uhr bei Face­book-Live externer Link und You­tube-Live externer Link
  • Krach machen statt klat­schen für Lau! Lärm­demo gegen die Gesund­heits­po­li­tik und ihre Arbeits­be­din­gun­gen am Sams­tag, 28.03. um 18 Uhr 
    Unter dem Mot­to “Krach gegen die Gesund­heits­po­li­tik statt klat­schen für Lau!” rufen ver­schie­de­ne Orga­ni­sa­tio­nen dazu auf, mit Koch­löf­feln und Töp­fen an ihren Fens­tern Lärm zu machen und gegen die Gesund­heits­po­li­tik zu demons­trie­ren. Sie­he von vie­len Auf­ru­fen den bei der Ber­li­ner Akti­on gegen Arbeit­ge­ber­un­recht externer Link. Die Akti­on geht zurück auf den Vor­schlag der spa­ni­schen Rent­ner der COESPE für ein „Inter­na­tio­nal koor­di­nier­tes Koch­topf­kon­zert“ um 20 Uhr an Fens­tern, auf Bal­ko­nen um die 3 For­de­run­gen:
    • Zur Ver­tei­di­gung aller öffent­li­chen Diens­te: Gesund­heits­we­sen, Ren­ten und Sozi­al­ver­si­che­rung, Öffent­li­ches Bil­dungs­we­sen uns Schu­len…
    • Schutz der Arbeit­neh­me­rIn­nen und Ver­bot von Ent­las­sun­gen.
    • (Exis­tenz­si­che­rung von Künstler/​innen und Freiberufler/​innen) Die Kri­se sol­len die Ban­ken und Spe­ku­lan­ten bezah­len.
  • Klas­sen­stand­punk­te zu Covid-19
    Die Angry Workers externer Link haben ein paar ers­te Über­le­gun­gen zur Coro­na-Situa­ti­on auf­ge­schrie­ben. Sie legen dar­in den Fin­ger in die Wun­de einer Lin­ken, der die Ver­bin­dun­gen in Nach­bar­schaft und Betrieb und die Macht fehlt ihre vie­ler­orts vor­ge­brach­ten For­de­run­gen durch­zu­set­zen. In die­ser Not set­zen nicht weni­ge auf den Staat, des­sen Ein­grif­fe in die Wirt­schaft als Vor­schein einer sozia­lis­ti­schen Trans­for­ma­ti­on gefei­ert wer­den. Gegen sol­che Fie­ber­träu­me der Staats­so­zia­lis­ten betont der Text die Gefahr, die der Arbei­te­rIn­nen­klas­se durch die ideo­lo­gi­sche und prak­ti­sche Stär­kung des Staa­tes erwächst. Statt­des­sen gel­te es das Augen­merk auf die wil­den Streiks und die sich aus­brei­ten­de Poli­ti­sie­rung der Arbeit zu legen, wor­in die alte Idee der Arbei­te­rIn­nen­kon­trol­le wie­der auf­schei­ne. (…) Wir könn­ten uns auch ein­fach dar­auf ver­las­sen, dass wäh­rend einer Kri­se außer­or­dent­li­che Maß­nah­men von Oben umge­setzt wer­den. Aber wir kön­nen die Brü­chig­keit des glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus und die­se Pan­de­mie nur dann für unse­ren Kampf für eine gerech­te Gesell­schaft nut­zen, wenn wir rea­le Macht an der Basis haben, von nach­bar­schaft­li­cher Hil­fe bis in die Betrie­be hin­ein. Das heißt, dass wir uns in unse­ren Gemein­schaf­ten – inner­halb wie außer­halb der Betrie­be – lang­fris­tig ver­wur­zeln müs­sen. (…) Reak­tio­nen der Arbei­te­rin­nen­klas­se: Hier kön­nen wir sehen, dass »indi­vi­du­el­le Reak­tio­nen« (Panik­käu­fe, Hams­tern etc.) die Situa­ti­on ten­den­zi­ell ver­schlim­mern. Über­all dort, wo Arbeiter*innen über orga­ni­sche For­men von Kol­lek­ti­vi­tät ver­fü­gen, sind sie in der Lage, die wider­sprüch­li­chen Bot­schaf­ten des Staa­tes (»Geh arbei­ten, aber iso­lier dich selbst«) anzu­grei­fen. Gemein­sam mit Genoss*innen aus ande­ren Län­dern wer­den wir ver­su­chen, die viel­fäl­ti­gen Reak­tio­nen der Klas­se zu doku­men­tie­ren: Gefäng­nis­re­vol­ten in Ita­li­en, Frank­reich, Bra­si­li­en und dem Liba­non, Unru­hen in Abschie­be­knäs­ten in Spa­ni­en und Deutsch­land; anste­cken­de wil­de Streiks in der Auto­in­dus­trie, von Mer­ce­des und Iveco in Spa­ni­en bis zu FIAT/​Chrysler in Ita­li­en und Kana­da; um sich grei­fen­de Arbeits­nie­der­le­gun­gen bei Ama­zon in Frank­reich, Spa­ni­en und in den USA; Miet­streiks und Beset­zun­gen in ver­schie­de­nen ame­ri­ka­ni­schen Städ­ten. Über die Fra­ge hinaus‚wer für die Kri­se zahlt und wer in ihr sein Leben ris­kiert, erle­ben wir eine Poli­ti­sie­rung der Arbeit in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on: Wel­che Arten von Arbeit sind wirk­lich not­wen­dig? Unter wel­chen Bedin­gun­gen arbei­ten die Beschäf­tig­ten in die­sen Sek­to­ren (Gesund­heit, Paket­zu­stel­lung etc.)? Die Fra­ge der »Arbei­ter­kon­trol­le« taucht von selbst wie­der auf. (…) Es ist wich­tig, die Fra­ge nach dem Klas­sen­cha­rak­ter die­ser Kri­se zu stel­len: Wer wird für sie bezah­len (Ret­tungs­ak­tio­nen für die Unter­neh­men, Almo­sen für die Armen) und wie ist man je nach Klas­sen­la­ge unter­schied­lich von ihr betrof­fen? All dies hängt von den Kräf­te­ver­hält­nis­sen ab. Aber wir müs­sen noch einen Schritt wei­ter gehen und uns auf die Poli­ti­sie­rung der Arbeit bezie­hen: Wel­che Arbeit ist wesent­lich, und war­um sind die Men­schen, die in sol­chen Sek­to­ren arbei­ten, über­for­dert? Weil nur weni­ge Men­schen das Gewicht der Gesell­schaft auf ihren Schul­tern tra­gen!...” Bei­trag vom 22. März 2020 von soli­da­risch­ge­gen­co­ro­na externer Link
  • Coro­na-Spen­den­auf­ruf: Soli­da­ri­tät in Zei­ten der Pan­de­mie – Glo­ba­ler Virus. Glo­ba­le Soli­da­ri­tät!
    „Wir dür­fen in die­sen Tagen nicht nur nach Deutsch­land und Euro­pa schau­en. Coro­na wird auf der gan­zen Welt die armen Regio­nen beson­ders hart tref­fen. Es braucht des­we­gen sofor­ti­ge Hil­fe“, sagt Anne Jung, Gesund­heits­re­fe­ren­tin bei med­i­co inter­na­tio­nal. Seit über 50 Jah­ren setzt sich med­i­co als sozi­al­me­di­zi­ni­sche Hilfs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on für das Recht auf den best­mög­li­chen Zugang zu Gesund­heit ein – mit Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen auf drei Kon­ti­nen­ten. Unse­re Partner*innen arbei­ten uner­müd­lich für und mit all jenen, denen der glo­ba­li­sier­te Kapi­ta­lis­mus kein Bett in einem Kran­ken­haus, kei­nen Arzt­be­such oder Imp­fung zuge­steht. Sie strei­ten für ein flä­chen­de­cken­des Gesund­heits­sys­tem in öffent­li­cher Hand, zugäng­lich für alle Men­schen, unab­hän­gig von Ein­kom­men und Her­kunft. Die Coro­na-Pan­de­mie stellt die­se Struk­tu­ren auf eine har­te Pro­be. Noch lässt sich nur erah­nen, wel­che Schä­den sie in den Län­dern des Glo­ba­len Südens anrich­ten wird, in Elends­vier­teln und über­füll­ten Flücht­lings­la­gern. Über­all dort, wo der nächs­te Arzt, das nächs­te Kran­ken­haus nicht erreich­bar oder nicht bezahl­bar ist. „Die ohne­hin desas­trö­se Situa­ti­on der glo­ba­len Gesund­heits­ver­sor­gung wird durch die Epi­de­mie zur Kata­stro­phe anwach­sen“, sagt Anne Jung. Jetzt spen­den für die Coro­na-Hil­fe! Die Pan­de­mie ist eine Kri­se der glo­ba­len Gesund­heit. Und sie hat schon jetzt weit­rei­chen­de poli­ti­sche und öko­no­mi­sche Fol­gen. So berich­tet eine paki­sta­ni­sche Gewerk­schaft, die med­i­co unter­stützt, dass die Tex­til­fa­bri­ken alle­samt vor der Schlie­ßung ste­hen und eine bei­spiel­lo­se Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit erwar­tet wird. Der Staat ver­fü­ge über kei­ner­lei Mit­tel, die zu erwar­ten­de sozia­le Kata­stro­phe auf­zu­fan­gen. Die med­i­co-Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen in aller Welt brau­chen jetzt Soli­da­ri­tät und umge­hen­de Unter­stüt­zung bei flä­chen­de­cken­den Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, bei der Bereit­stel­lung von Schutz­aus­stat­tung und in ihrem poli­ti­schen Kampf gegen Armut und krank­ma­chen­de Ver­hält­nis­se sowie für das Recht auf ein gesun­des und gutes Leben…” Spen­den­auf­ruf von med­i­co inter­na­tio­nal vom März 2020 externer Link mit diver­sen Län­der­be­rich­ten
  • Soli­da­ri­tät in Zei­ten von „Covid 19“
    aktu­ell ris­kie­ren vie­le unse­rer Kolleg*innen in den Kran­ken­häu­sern, in den Ret­tungs­diens­ten, in der Sozia­len Arbeit, den Frau­en­häu­sern, in der Pfle­ge, im Ein­zel­han­del, als Lieferfahrer*innen, in den Geflüch­te­ten-Hei­men, der Agrar­in­dus­trie, der Müll­ent­sor­gung, des Öffent­li­chen Nah­ver­kehrs ihre Gesund­heit wäh­rend wie­der­um ande­re sich eine gol­de­ne Nase ver­die­nen (z.B. Ama­zon und ande­re Inter­net-Fir­men). vie­le Kolleg*innen fürch­ten um ihre Exis­tenz wegen ihren feh­len­den Zah­lun­gen von den Arbeits­äm­tern oder der Gas­tro­no­mie. Ande­re nut­zen die Chan­ce här­te­re Geset­ze im Zuge einer wei­te­ren auto­ri­tä­ren For­mie­rung der Gesell­schaft durch­zu­set­zen. Vie­les ist in Bewe­gung und plötz­lich wird für vie­le auch wie­der ein­mal deut­lich wer die­se Gesell­schaft am Leben hält: wir Arbeiter*innen. Und wie schwer es ist mit kaputt­ge­spar­ten Sek­to­ren eine Grund­ver­sor­gung auf­recht zu erhal­ten. Vie­le von uns begeg­nen die­ser Zeit mit einer Mischung aus Angst, Ohn­macht, Wut und Taten­drang. Wir kön­nen euch die­se Gefüh­le nicht neh­men. Wir kön­nen aber dazu auf­ru­fen euch mit euren Nachbar*innen im Neben­haus, der Geflüch­te­ten-Unter­brin­gung, den Kolleg*innen unse­re Soli­da­ri­tät zukom­men zu las­sen. Mit fol­gen­der Mate­ri­al­samm­lung wol­len wir euch hel­fen dies auch umset­zen zu kön­nen...” Stel­lung­nah­me der Indus­tri­al Workers of the World im deutsch­spra­chi­gen Raum [IWW] externer Link mit Links zu soli­da­ri­schen Netz­wer­ken im deutsch­spra­chi­gen Raum (wir dan­ken den Kol­le­gIn­nen für das neue Bild zum Dos­sier!)
  • Coro­na: Ver­lo­ge­nes Gere­de von Soli­da­ri­tät
    “Coro­na heißt das The­ma. Was denn sonst?! Man kriegt es ja nicht aus dem Kopf. (…) Dabei ist gera­de jetzt kri­ti­sche Distanz gefragt, in einer Zeit, in der sich heh­re Appel­le zum gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt häu­fen, in der über­all von Soli­da­ri­tät gere­det wird. Es ist Miss­trau­en ange­bracht, wenn den Leu­ten auf allen Kanä­len erklärt wird, dass sie jetzt zusam­men­ste­hen müss­ten. (…) Um nicht miss­ver­stan­den zu wer­den: Natür­lich sind Nach­bar­schafts­hil­fe und Gemein­sinn das Gebot der Stun­de. Aber das ist etwas, was in die­ser Gesell­schaft regel­haft von unten erzeugt und orga­ni­siert wer­den muss, aus pri­va­tem Antrieb. Wir soll­ten nicht ver­ges­sen, dass die poli­ti­sche Rede von der Gemein­schaft, das Erzeu­gen eines gro­ßen Wir-Gefühls, was in die­ser Kri­se offen­sicht­lich ange­sagt ist, dass das in die­sem Sys­tem noch immer dazu genutzt wur­de, sozia­le Gegen­sät­ze und poli­ti­sche Defi­zi­te zuzu­de­cken. Vor allem aber soll­te klar benannt wer­den, dass Soli­da­ri­tät das Gegen­teil von dem ist, was die inners­te Trieb­kraft des Kapi­ta­lis­mus ist. (…) Das Gere­de der Politiker*innen vom Zusam­men­halt ist auch des­halb hohl, weil ver­mut­lich auch in die­ser Kri­se wie­der die unter die Räder kom­men, die ohne­hin schon arm dran sind. In den Groß­städ­ten schrän­ken zum Bei­spiel immer mehr Ein­rich­tun­gen der Obdach­lo­sen- und Dro­gen­hil­fe ihre Ange­bo­te ein oder schlie­ßen gleich ihre Tore. (…) Der (…) Kapi­ta­lis­mus hat kein mensch­li­ches Ant­litz – das Soli­da­ri­täts­ge­la­ber ist nur Schie­be­ku­lis­se für sol­che Fäl­le wie die Coro­na-Pan­de­mie. Und dar­um soll­ten auch die War­nun­gen von Leu­ten wie Ulla Jel­pke, innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag, gehört wer­den. (…) „Wir erle­ben Grund­rechts­ein­schrän­kun­gen in einem Aus­maß wie seit dem Zwei­ten Welt­krieg nicht mehr“, schreibt sie. (…) Die Herr­schen­den sähen, „dass eine schwe­re Ver­un­si­che­rung der Bevöl­ke­rung einen weit­ge­hen­den gesell­schaft­li­chen Kon­sens für dik­ta­to­ri­sche Maß­nah­men schafft“. Wir erin­nern uns, dass es vor drei Jah­ren in Ham­burg ein Tref­fen gab, bei dem die Behör­den bereits einen nicht erklär­ten Aus­nah­me­zu­stand durch­ex­er­ziert haben. G 20 kam man­chem im Herr­schafts­ap­pa­rat sicher wie geru­fen, SARS-CoV‑2 viel­leicht ja auch.” Bei­trag von Kris­ti­an Stemm­ler 19. März 2020 beim Lower Class Maga­zi­ne externer Link
  • Heuch­ler, Pro­fi­teu­re und ande­re Men­schen­freun­de – „Coro­na“ als Anlass für kol­lek­ti­ve demo­kra­ti­sche Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on
    “Mer­kel & Co rufen die Bür­ger auf: War­tet ab, ver­kriecht euch in eure Pri­vat­heit! Kei­ne Ver­samm­lun­gen! (Wäh­rend in den Unter­neh­men hart und teil­wei­se noch mehr gear­bei­tet wer­den soll) Doch das Gegen­teil ist not­wen­dig: Die Coro­na-Pan­de­mie soll­te Anlass sein für eine viel­fäl­ti­ge kol­lek­ti­ve Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on. (…) Wenn Bür­ger und Kom­mu­nen immer wie­der ver­langt haben, dass die Schul­den­brem­se aus­ge­setzt wer­den muss, damit die für die Mehr­heits­be­völ­ke­rung not­wen­di­ge Infra­struk­tur repa­riert und erneu­ert und erwei­tert wer­den kann – Kran­ken­häu­ser, Schu­len, Kana­li­sa­tio­nen und Trink­was­ser­be­schaf­fung, Lei­tungs­sys­te­me, Nah­ver­kehr – da haben Mer­kel, Schäub­le, Scholz und Unter­neh­mer­lob­by sofort gebremst. Aber jetzt ist die Schul­den­brem­se plötz­lich weg. Weil die Unter­neh­mer nach Ret­tung bet­teln, brei­tet die Bun­des­re­gie­rung sofort einen gigan­ti­schen Schutz­schirm über ihre Lieb­lin­ge aus: Kurz­ar­bei­ter­geld, zins­lo­se Steu­er­stun­dun­gen, Kür­zung von Steu­er­vor­aus­zah­lun­gen, Bürg­schaf­ten, Kre­di­te, Not­fall­fonds – alles ohne Gren­ze nach oben. Aber: Der Abbau von Arbeits­plät­zen ist schon seit zwei Jah­ren im Gang, beson­ders in der Auto­in­dus­trie. (…) Wegen Pro­duk­ti­ons- und Auf­trags­rück­gän­gen ein­zel­ner Unter­neh­men ver­kau­fen vor allem auf­ge­reg­te Klein­ak­tio­nä­re ihre paar Akti­en. Wun­der­bar! sagen da die Groß­ak­tio­nä­re wie Black­Rock, Van­guard und die Hedge­fonds wie Elliott und EQT: Die­sen Absturz ver­stär­ken wir! Bei Wert­pa­pie­ren und Akti­en ist das Ver­stär­ken durch schnel­les Hin- und Her-Ver­kau­fen eige­ner Akti­en, und ver­stärkt durch Lei­hak­ti­en, das bevor­zug­te Geschäfts­feld der gro­ßen Kapi­tal­or­ga­ni­sa­to­ren. So wer­den an den Bör­sen heu­te Akti­en­kur­se auch nach unten getrie­ben und Gewin­ne gemacht. (…) Der Sys­tem-Krank­heits­fall „Coro­na“ soll­te Anlass sein, dass die schon lan­ge ange­stau­te Betrof­fen­heit, Unzu­frie­den­heit, Schä­di­gung in der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit jetzt zum Anlass genom­men wird: Wir orga­ni­sie­ren jetzt auf neu­er Stu­fe unse­re Alter­na­ti­ven. Kol­lek­ti­ve Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der abhän­gig Beschäf­tig­ten aller Stu­fen ist das Mot­to. Zuge­ge­ben: Wir sind erst­mal ver­dammt in der Defen­si­ve…” Bei­trag von Wer­ner Rüge­mer vom 19. März 2020 bei den Nach­Denk­Sei­ten externer Link
  • Für eine Hand­voll Likes: Im Netz erei­fert sich eine Social-Distance-Army über Men­schen, die raus­ge­hen. Dabei ist Soli­da­ri­tät gefragt
    “Für den Fall einer Aus­gangs­sper­re in Deutsch­land müss­ten sich die Behör­den über die Durch­set­zung kei­nen Kopf machen. Eine Arma­da von Hob­by-Epi­de­mio­lo­gen stün­de bereit, um den Gesund­heits­äm­tern Ver­stö­ße gegen das Aus­gangs­ver­bot zu mel­den. Die anti­vi­rö­se Bür­ger­wehr hat ihre Arbeit prä­ven­tiv ja schon auf­ge­nom­men: Auf Face­book und Twit­ter erei­fert sich ein digi­ta­ler Mob über Men­schen, die trotz der Coro­na-Kri­se gele­gent­lich ihr Zuhau­se ver­las­sen und Frei­zeit unter frei­em Him­mel ver­brin­gen. Die Social-Distance-Army gefällt sich in Beleh­run­gen, Belei­di­gun­gen und Befehls­ton – und hat dabei jedes Gefühl für Umgangs­ton und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­lo­ren. Zum einen liegt dem die Fehl­an­nah­me zugrun­de, jede ein­zel­ne Minu­te an fri­scher Luft beschleu­ni­ge die Aus­brei­tung der Epi­de­mie. Dabei beto­nen Expert*innen aus­drück­lich, dass unter Wah­rung gewis­ser Vor­sichts­maß­nah­men ein Spa­zier­gang im Frei­en nicht nur unge­fähr­lich ist, son­dern sogar die Abwehr­kräf­te stärkt – und das selbst in klei­nen Grup­pen. Zum ande­ren zeugt die rigo­ro­se Frei­luft-Kri­tik von einem Man­gel an Ein­füh­lungs­ver­mö­gen für die­je­ni­gen, denen die tota­le Iso­la­ti­on aus diver­sen Grün­den Pro­ble­me berei­tet: weil sie allei­ne leben oder mit vie­len Fami­li­en­mit­glie­dern auf engem Raum, weil sie plötz­lich arbeits­los sind oder Home­of­fice und Kin­der­be­treu­ung ver­ein­ba­ren müs­sen, weil sie in dunk­len Hin­ter­häu­sern woh­nen oder an lau­ten Haupt­stra­ßen, weil sie psy­chi­sche Pro­ble­me haben oder ein­fach nur ein biss­chen län­ger brau­chen, um sich an den tiefs­ten Ein­schnitt ins öffent­li­che Leben zu gewöh­nen, den sie jemals erlebt haben. Soli­da­ri­tät ist in der Kri­se gefragt. Soli­da­ri­tät heißt, Coro­na-Par­tys auf dem Spiel­platz zu ver­mei­den. Soli­da­ri­tät heißt, das Rad zu neh­men statt den Bus. Soli­da­ri­tät heißt, selbst zu Freund*innen zwei Meter Abstand zu hal­ten. Soli­da­ri­tät heißt aber auch, Empa­thie für­ein­an­der auf­zu­brin­gen und unter­schied­li­che Bedürf­nis­se grund­sätz­lich zu ach­ten. Und Soli­da­ri­tät heißt nicht, die Kri­se zu nut­zen, um das eige­ne Selbst­wert­ge­fühl mit wohl­fei­len Tweets auf­zu­po­lie­ren.” Kom­men­tar von Tobi­as Schul­ze vom 19. März 2020 in der taz online externer Link
  • Soli­da­ri­tät in der Coro­na-Kri­se und danach /​Soli­da­ri­tät gegen Coro­na und Kapi­ta­lis­mus 
    • «Unse­re Ver­nunft, unser Herz für­ein­an­der». Soli­da­ri­tät in der Coro­na-Kri­se und danach
      Sechs Wochen nach­dem der ers­te Coro­na-Fall in Deutsch­land ver­mel­det wur­de, stell­te sich Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel erst­mals den Fra­gen der Öffent­lich­keit und erließ einen drin­gen­den Appell an die Bevöl­ke­rung. Sie rief auf zu Soli­da­ri­tät: «Unse­re Ver­nunft, unser Herz für­ein­an­der», sag­te sie, sei auf eine Pro­be gestellt. Und: Sie wün­sche sich, dass wir die­se Pro­be bestehen. Doch wie soli­da­risch kann eine Gesell­schaft sein, deren sozia­len Bezie­hun­gen auf Kon­kur­renz beru­hen, deren Cre­do lau­tet: jeder für sich, jedem ums Sei­ne? Und über wel­che Soli­da­ri­tät reden wir?…” Arti­kel von Sabi­ne Nuss vom 16.03.2020 bei RLS externer Link
    • Soli­da­ri­tät gegen Coro­na und Kapi­ta­lis­mus
      “… Gegen­sei­ti­ge Hil­fe und Soli­da­ri­tät: Ver­netzt euch in eurer Nach­bar­schaft. Unter­stützt Men­schen, die zur Risi­ko­grup­pe gehö­ren und Men­schen, die krank sind. Unter­stützt Men­schen, die im Gesund­heits­be­reich arbei­ten, bei Haus­ar­beit, Kin­der­be­treu­ung usw. Soli­da­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on von Care-Arbeit: Män­ner, bleibt zuhau­se und über­nehmt die Kin­der­be­treu­ung! Soli­da­ri­tät mit dem Gesund­heits­per­so­nal: Pan­de­mie­zu­la­ge und mehr Lohn für Gesund­heits­per­so­nal. Die Öko­no­mi­sie­rung des Gesund­heits­be­reichs stop­pen. Arbeit ver­wei­gern, vol­ler Lohn­aus­gleich: Wenn ihr Jobs habt, die nicht nötig sind zur Auf­recht­erhal­tung der gesell­schaft­li­chen Infra­struk­tur: Bleibt zuhau­se, ver­wei­gert die Arbeit, macht blau! Ver­netzt euch mit Kolleg*innen und unter­stützt euch bei Repres­si­on sei­tens der Chefs. Lohn­aus­gleich und Unter­stüt­zung für pre­kä­re Arbeiter*innen und Arbeiter*innen, die vom Ver­an­stal­tungs­ver­bot betrof­fen sind: Gastro­an­ge­stell­te, Bühnenarbeiter*innen, Kul­tur­schaf­fen­de, Taxifahrer*innen usw. Öff­nung von Leer­stand, damit sich Leu­te orga­ni­siert in Qua­ran­tä­ne bege­ben kön­nen….” Eini­ge Ideen und Vor­schlä­ge von Eis­zeit vom 15. März 2020 bei Kos­mo­pro­let externer Link
  • Coro­na: Soli­da­ri­tät ist auch eine Medi­zin
    Flug­zeu­ge flie­gen leer hin und her, um ihre Lan­de­ge­ne­h­mi­gungs-Slots an Flug­hä­fen nicht zu ver­lie­ren. Kapi­ta­lis­ten kau­fen Atem­schutz­mas­ken auf und ver­kau­fen sie dann zu Wucher­prei­sen. Pro­fi­ta­ble Groß­ver­an­stal­tun­gen fin­den gegen den Rat von Fach­leu­ten statt. In ihrer Liqui­di­tät bedroh­te Unter­neh­men erhal­ten schnell und unbü­ro­kra­tisch staat­li­che Hil­fe, statt den Markt regeln zu las­sen. Jede Kri­se lässt immer Aspek­te des Kapi­ta­lis­mus beson­ders scharf und deut­lich her­vor tre­ten. Die Pan­de­mie des Coro­na­vi­rus ist da kei­ne Aus­nah­me. (…) Vor dem Virus sind nicht alle gleich, Coro­na kennt die edlen Zie­le der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on nicht. Es ster­ben die Men­schen aus den Risi­ko­grup­pen: Alte, Men­schen mit (bspw. Immun­sys­tem-/ Lungen-)Vorerkrankungen, Men­schen mit schlech­tem Zugang zum Gesund­heits­sys­tem. Und Men­schen, die sich durch feh­len­de Medi­en­kom­pe­tenz oder Bil­dungs­zu­gang unge­nü­gend schüt­zen kön­nen. Men­schen, denen das Geld fehlt, ihr Immun­sys­tem mit­tels hoch­wer­ti­ger Lebens­mit­tel oder Prä­pa­ra­te zu unter­stüt­zen. Men­schen, die so ein­sam sind, dass von ihrer Erkran­kung nie­mand etwas erfährt. Die Fra­ge von Leben und Tod war und ist eben auch immer eine Klas­sen­fra­ge. Es bedarf kei­ner bös­ar­ti­gen Fan­ta­sie, sich aus­zu­ma­len, dass schon jetzt neo­li­be­ra­le Öko­no­men eif­rig Excel-Tabel­len bear­bei­ten, mit denen sie aus­rech­nen, wie die Toten der Pan­de­mie die Ren­ten­kas­sen, die Sozi­al­kas­sen ent­las­ten wer­den und wann sich die kurz­zei­ti­gen Mehr­aus­ga­ben z.B. im Gesund­heits­we­sen durch die lang­fris­ti­gen Erspar­nis an Ren­ten und Hartz IV-Bezü­gen amor­ti­sie­ren. (…) Es geht auch nicht um Pres­se­er­klä­run­gen, das Vor­täu­schen gesell­schaft­li­cher Rele­vanz durch media­le Prä­senz. Es geht um: Die Ver­bin­dung einer anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Ana­ly­se und Kri­tik mit der Grun­des­senz lin­ker Welt­an­schau­ung: dem Prin­zip der Soli­da­ri­tät. „Risi­ko­grup­pen“ benö­ti­gen Hil­fe z.B. beim Ein­kauf. Berufs­tä­ti­ge Eltern (beson­ders die im Gesund­heits­sys­tem täti­gen) brau­chen ange­sichts zukünf­tig geschlos­se­ner Schu­len und KiTas Hil­fe bei der Kin­der­be­treu­ung. Arme Men­schen brau­chen ange­sichts von Hams­ter­käu­fen und lee­rer Tafeln Hil­fe bei der Ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln. Men­schen ohne oder mit wenig deut­schen Sprach­kennt­nis­sen benö­ti­gen Infor­ma­tio­nen. Ein­sa­me Men­schen benö­ti­gen soli­da­ri­sche Mit­men­schen, die nach ihnen sehen. Und viel­leicht braucht es im April oder Mai Men­schen mit medi­zi­ni­schem Fach­wis­sen, die in Kran­ken­häu­sern das ange­stell­te, über­las­te­te Per­so­nal unter­stüt­zen und eine Bewe­gung, die nicht zulässt, dass die­se Form der Care-Arbeit eine qua­si-beruf­li­che Dop­pel­be­las­tung dar­stellt, für die „Ehren­ämt­ler“ mit einer wert­lo­sen Urkun­de abge­speist wer­den. (…) Hof­fent­lich aber über­wiegt das Prin­zip der Soli­da­ri­tät in der Kri­se. Dann erwächst dar­aus die Ein­sicht, wie sehr die eige­ne links­ra­di­ka­le Bla­se ein Knast ist, in den man sich selbst sperrt, iso­liert vom Leben, wäh­rend noch über die Fol­ter der Iso­la­ti­ons­haft staat­li­cher Knäs­te schwa­dro­niert wird. Die Erkennt­nis, dass ohne soli­da­ri­sches Han­deln mit den Nachbar*nnen das der­zei­ti­ge poli­ti­sche Bewusst­sein bei allen Betei­lig­ten bleibt, wie es ist. Die Erkennt­nis, dass ohne soli­da­ri­sches Han­deln mit den Nachbar*innen die poli­ti­sche Ant­wort auf Coro­na von der Rech­ten kom­men wird. In Form des star­ken Staa­tes, geschlos­se­ner Gren­zen, wei­te­rer sozia­ler Umver­tei­lung…” Bei­trag von Holger/​Pucki vom 12. März 2020 beim Lower Class Maga­zi­ne externer Link
  • Hilfs­an­ge­bot zum aus­dru­cken, aus­fül­len und ver­tei­len in Dei­ner Nach­bar­schaft externer Link und
  • Infos­heet von Hän­de weg vom Wed­ding! externer Link bei Twit­ter für den Auf­bau soli­da­ri­scher Struk­tu­ren in der Nach­bar­schaft

Der Bei­trag Soli­da­ri­tät in Zei­ten von Coro­na – und lin­ke Wider­stands­struk­tu­ren erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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