[KgK:] „7 Stunden nackt in der Zelle“: Neue Schilderungen der Polizeigewalt in München

In der Nacht vom 4. auf den 5. Sep­tem­ber kam es am Münch­ner Gärt­ner­platz zu einem Poli­zei­ein­satz, bei dem der 26-jäh­ri­ge Mar­cus Kobi­na M. mit dem Schlag­stock im Gesicht getrof­fen wur­de. Auf Klas­se gegen Klas­se führ­ten wir ein Inter­view mit ihm: Poli­zei schlägt, Bild-Zei­tung lügt.

Danach mel­de­te sich wei­te­re Betrof­fe­ne des Poli­zei­ein­sat­zes: Der 17-jäh­ri­ge Tar­kan berich­te­te davon, dass er unge­recht­fer­tigt über die Nacht in Unter­ho­sen in eine Zel­le gesteckt wur­de. Eine ähn­li­che Anschlu­di­gung kam von Elo­ge Fous­sa, einem 20-jäh­ri­gen Hip-Hop-Musi­ker, der angibt, sie­ben Stun­den nackt in Gewahr­sahm ver­bracht zu haben.

Wir spie­geln sei­nen Bericht, der am 15. Sep­tem­ber in der Abend­zei­tung Mün­chen ver­öf­fent­licht wur­de.

Foussa erzählt nun seine Sicht der Dinge

„Das war am Sams­tag vor­letz­te Woche. Wir kamen gegen 21.30 Uhr an, wir waren zu fünft. Wir woll­ten ein­fach einen ganz ent­spann­ten Abend am Gärt­ner­platz genie­ßen. So gegen 23.30 Uhr kamen zwei Beam­te auf mich zu und mein­ten: ‚Per­so­nen­kon­trol­le.‘ Und ich mein­te: ‚War­um nur ich?‘ Die Anwoh­ner hät­ten sich beschwert, hieß es. Ich hab gesagt: ‚Schau­en Sie sich mal um: Hier sind 400 Leu­te. Wie­so soll ich mich als ein­zi­ger einer Per­so­nen­kon­trol­le unter­zie­hen?‘ Der Beam­te konn­te es nicht begrün­den.

Nach ein, zwei Minu­ten habe ich mei­nen Aus­weis aus­ge­hän­digt. Ohne ein wei­te­res Wort ging der Beam­te ein­fach. Ich bin ihm hin­ter­her und habe gefragt: ‚Wohin gehen Sie denn mit mei­nem Aus­weis?‘ Dar­auf­hin sehe ich, dass sein Kol­le­ge die Body­cam anmacht – er hat mich direkt gepackt. Und bei­de haben mich ange­grif­fen, in den Schwitz­kas­ten genom­men und zum Strei­fen­wa­gen gezerrt.

„Das waren zehn Beamte gegen vier Jugendliche“

Man sieht im Video, wie ich mei­nen Schuh ver­lie­re und wie ich gegen den Strei­fen­wa­gen geknallt wer­de. Und als ich dann auf dem Boden lag, kam Ami­na­ta, eine Freun­din von mir, weil sie dach­te, dass sie die­ses Knie-Ding mit mir machen wer­den, das man kennt. Zwei Freun­de kamen auch noch dazu. Einer von ihnen wur­de von einem Poli­zis­ten mit Schlag­stock ange­grif­fen. Die ‚Bild‘-Zeitung hat spä­ter geschrie­ben, dass er sich selbst ver­letzt hät­te.

Die gan­zen zehn Beam­ten kamen nur auf uns vier zu. Das waren zehn Beam­te gegen vier Jugend­li­che. Sie waren in kei­ner Gefah­ren­si­tua­ti­on – damit haben sie spä­ter begrün­det, war­um sie die Schlag­stö­cke aus­ge­packt haben. Mit zwei Hand­schel­len wur­de ich dann abge­führt – wie­so mit zwei? Und dann wur­de ich nackt in der Zel­le sie­ben Stun­den fest­ge­hal­ten. Ich habe zuerst gesagt: ‚Ich zie­he mich nicht aus.‘ Dar­auf­hin haben sie mich zu fünft zu Boden zu Boden gedrückt und sich spä­ter über mich lus­tig gemacht, als ich gesagt habe, dass es zu kalt ist.“

Klas­se Gegen Klas­se