[KgK:] #Trotsky2020: „Die Aufgabe der revolutionären Partei ist, die ‚richtigen Ideen‘ mit der Arbeitermassenbewegung zusammenzuschweißen“

Die­ser Bei­trag ist Teil des Films #Trotsky2020, der hier in gesam­ter Län­ge ange­schaut wer­den kann.

Von der sta­li­nis­ti­schen Büro­kra­tie ins Exil getrie­ben, fand Trotz­ki wäh­rend eines Teils der ers­ten Hälf­te der 1930er Jah­re Zuflucht in Frank­reich. Der Kon­text war der der Welt­wirt­schafts­kri­se und all der poli­ti­schen Phä­no­me­ne, die sie aus­lös­te: Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit, Radi­ka­li­sie­rung wich­ti­ger Tei­le der Arbeiter*innenbewegung, Ver­zweif­lung in den Rän­gen der Klein­bour­geoi­sie, der Auf­stieg faschis­ti­scher Grup­pen….

In einer sol­chen Situa­ti­on war der trotz­kis­ti­sche Kern, der zwar aus sehr wert­vol­len Kämpfer*innen bestand, den­noch viel zu schwach, um eine ent­schei­den­de Rol­le in der Situa­ti­on spie­len zu kön­nen. Ver­folgt von den Stalinist*innen, die damals gleich­zei­tig mit der Sozi­al­de­mo­kra­tie die bei­den größ­ten Arbeiter*innenorganisationen bil­de­ten, hat­ten sich die Trotzkist*innen rela­tiv iso­liert von den arbei­ten­den Mas­sen gesam­melt, und die sich beschleu­ni­gen­den Ereig­nis­se lie­ßen ihnen kei­ne Zeit, ihren Rück­stand auf­zu­ho­len, ohne zu küh­nen Tak­ti­ken zu grei­fen.

„Für einen Revo­lu­tio­när genügt es nicht, ‚rich­ti­ge Ideen‘ zu haben. Die Auf­ga­be der revo­lu­tio­nä­ren Par­tei ist, die ‚rich­ti­gen Ideen‘ mit der Arbei­ter­mas­sen­be­we­gung zusam­men­zu­schwei­ßen. Nur dann wird die Idee eine trei­ben­de Kraft.“ Mit die­sem Satz eröff­ne­te Trotz­ki einen der emble­ma­tischs­ten Tex­te der dama­li­gen Zeit.

Einen Weg zu den werk­tä­ti­gen Mas­sen zu fin­den, sich mit ihnen so zu ver­schmel­zen, dass revo­lu­tio­nä­re Orga­ni­sa­tio­nen ent­ste­hen, die die Ereig­nis­se beein­flus­sen könen und nicht „am Rand blei­ben“, um sei­nen Aus­druck zu gebrau­chen, war für Trotz­ki in die­sen Jah­ren eine Obses­si­on. Er war ent­ge­gen aller spon­tan­eis­ti­schen Vor­stel­lun­gen über­zeugt, dass Revolutionär*innen sowohl beim Über­gang von einer zuneh­mend vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Situa­ti­on zur Revo­lu­ti­on als auch beim Sieg der Revo­lu­ti­on selbst eine ent­schei­den­de Rol­le zu spie­len hat­ten.

In die­ser Zeit schlug er daher den revo­lu­tio­nä­ren Kämpfer*innen in Frank­reich eine gan­ze Rei­he von Tak­ti­ken vor, die sowohl kühn als auch viel­fäl­tig waren, um die stra­te­gi­sche Not­wen­dig­keit einer revo­lu­tio­nä­ren Par­tei so gut wie mög­lich ver­kör­pern. Von der Poli­tik der Ein­heits­front zwi­schen den gro­ßen Orga­ni­sa­tio­nen der Arbeiter*innenbewegung, um Sei­te an Sei­te gegen den faschis­ti­schen Auf­stieg zu kämp­fen und zu ver­hin­dern, dass die Kata­stro­phe, die sich gera­de in Deutsch­land ereig­net hat­te, erneut geschieht, bis zum Ein­tritt von Trotzkist*innen in die fran­zö­si­sche Sek­ti­on der Sozi­al­de­mo­kra­tie, um mit ihren radi­ka­li­sier­ten kämp­fe­ri­schen Arbeiter*innen zusam­men­zu­kom­men und zu ver­mei­den, an den Rand gedrängt zu wer­den, sobald die Ein­heits­front Wirk­lich­keit wur­de.

Die Situa­ti­on heu­te ist sicher­lich ganz anders als in den 1930er Jah­ren. Zum Bei­spiel gibt es heu­te kei­ne Mas­sen­or­ga­ni­sa­ti­on in der Grö­ßen­ord­nung der dama­li­gen. Den­noch bleibt ange­sichts der Umwäl­zun­gen, die die gegen­wär­ti­ge Kri­se unwei­ger­lich mit sich brin­gen wird, Trotz­kis Beses­sen­heit, den revo­lu­tio­nä­ren Mar­xis­mus mit der Mas­sen­be­we­gung der Arbeiter*innenbewegung zu ver­schmel­zen und sich nicht mit einer Rand­po­si­ti­on abzu­fin­den, hoch­ak­tu­ell.

Das gilt umso mehr, weil in einem Land wie Frank­reich die Arbeiter*innen- und Mas­sen­be­we­gung nicht auf die aktu­el­le Kri­se gewar­tet hat, um die ers­ten Anzei­chen einer Neu­zu­sam­men­set­zung zu zei­gen. Das haben wir sowohl bei der Gelb­wes­ten-Bewe­gung als auch bei dem gro­ßen Streik gegen die Ren­ten­re­form im ver­gan­ge­nen Dezem­ber gese­hen.

Den­noch hat die radi­ka­le Lin­ke trotz­kis­ti­scher Her­kunft in einem Land, in dem sie his­to­risch ein sehr gro­ßes Gewicht hat­te und bei eini­gen Wah­len sogar mehr als 10% der Stim­men erhielt, kei­ne ent­schei­den­de Rol­le gespielt und nimmt heu­te einen rela­tiv mar­gi­na­len Platz ein. Was die Neue Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Par­tei (NPA) betrifft, so droht ihr die Auf­lö­sung, die trotz aller Män­gel, die die­se Par­tei haben mag, heu­te nur der refor­mis­ti­schen Lin­ken von Jean-Luc Mélen­chon zugu­te käme.

Gegen die Auf­lö­sung der NPA zu kämp­fen, um sie zu einem Werk­zeug für die Neu­zu­sam­men­set­zung einer radi­ka­len Lin­ken zu machen, die Trotz­kis tak­ti­sche Kühn­heit wie­der­be­lebt, und in Frank­reich eine mäch­ti­ge revo­lu­tio­nä­re Par­tei auf­zu­bau­en, die sich aus Kämpfer*innen unter­schied­li­cher Tra­di­tio­nen, aber auch aus den bes­ten Ele­men­ten der Avant­gar­de der Arbeiter*innen, die in den letz­ten Kämp­fen her­vor­ge­tre­ten sind, zusam­men­setzt, und zwar rund um ein revo­lu­tio­nä­res Pro­gramm und eine revo­lu­tio­nä­re Stra­te­gie; das ist die größ­te Ehrung, die dem gro­ßen rus­si­schen Revo­lu­tio­när 80 Jah­re nach sei­ner Ermor­dung zuteil wer­den kann.

Schaue hier den Bei­trag von Danie­la Cobet im Video:

Klas­se Gegen Klas­se