[KgK:] #Trotsky2020: „Die Diktatur des Proletariats kann den Volksmassen nicht aufgezwungen werden“

Die­ser Bei­trag ist Teil des Films #Trotsky2020, der hier in gesam­ter Län­ge ange­schaut wer­den kann.
Die Ver­bin­dung Trotz­kis zu Ita­li­en ist eng ver­wo­ben mit der tra­gi­schen Erfah­rung des Auf­stiegs des Faschis­mus, mit der Errich­tung der Regie­rung Mus­so­li­nis auf Ein­la­dung des Königs im Jahr 1922, nach der Nie­der­la­ge der revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung der „Zwei roten Jah­re“, als hun­dert­tau­sen­de Arbei­ter die Fabri­ken im Nord­ita­li­ens besetz­ten: eine Bewe­gung, auf die jah­re­lang hef­ti­ge Repres­sio­nen und das Ver­bot der ita­lie­ni­schen Arbeiter*innenbewegung folg­ten.

Trotz­ki, ver­kör­per­te in sei­nen Brief­wech­seln mit den ita­lie­ni­schen Genoss*innen, genau wie Lenin, die Beses­sen­heit für eine ambi­tio­nier­te Par­tei­po­li­tik und nicht für eine ver­schlos­se­ne und sek­tie­re­ri­sche Poli­tik. Es war fun­da­men­tal, auch für die ita­lie­ni­schen Genoss*innen, sich gera­de die Poli­tik der Ein­heits­front zu eigen machen, um neue Schich­ten der Arbeiter*innen durch gemein­sa­me Kämp­fe zu gewin­nen und nicht nur durch abs­trak­te Pro­pa­gan­da.

Es war also wich­tig, dass das Pro­gramm einer kom­mu­nis­ti­schen Par­tei in der Lage war, genaue Zie­le zu for­mu­lie­ren, Über­gangs­zie­le, die sich nicht dar­auf beschränk­ten, die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats ein­zu­for­dern. So kri­ti­sier­te Trotz­ki das Doku­ment, das vom Kon­gress der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens 1922 ange­nom­men wur­de und als „The­sen von Rom“ bekannt ist:

Ein Pro­gramm soll­te nicht nur die Ten­den­zen der Ent­wick­lung auf­zei­gen und die For­men der Durch­set­zung unse­rer eige­nen fina­len Zie­le: es soll­te viel­mehr die Über­gangs­zie­le fest­le­gen, für die wir jetzt die Mas­sen in den Kampf rufen, bei dem es lei­der noch nicht um die Erobe­rung der Mehr­heit der Arbei­ter­klas­se geht.

Ein paar Jah­re spä­ter, 1930, schloss sich eine klei­ne, anfäng­li­che Grup­pe von Gründer*innen und Anführer*innen der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens der Inter­na­tio­na­len Lin­ken Oppo­si­ti­on an, dem bol­sche­wis­ti­schen Flü­gel, der gegen die Dege­ne­ra­ti­on der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le kämpf­te: eine groß­ar­ti­ge Gele­gen­heit, revo­lu­tio­nä­re Poli­tik im Span­nungs­feld zwi­schen Faschis­mus, demo­kra­ti­schen Fra­gen und sozia­lis­ti­scher Revo­lu­ti­on anzu­wen­den. Die ita­lie­ni­sche kom­mu­nis­ti­sche Par­tei „mit der ein­zi­gen Aus­nah­me Gram­scis“, erin­nert sich Trotz­ki, hat­te den Auf­stieg zur Macht des Faschis­mus nicht für mög­lich gehal­ten, aus­ge­hend von einer ober­fläch­li­chen Ana­ly­se die­ses poli­ti­schen Phä­no­mens. Im Gegen­teil war es Auf­ga­be der Revolutionär*innen zu ver­ste­hen wel­che For­de­run­gen und Zie­le im Rah­men des Stur­zes des faschis­ti­schen Regimes ermög­licht hät­ten, den anti­fa­schis­ti­schen Kampf und Auf­stand in eine sozia­le Revo­lu­ti­on zu ver­wan­deln, ohne sich auf die Aus­ru­fung einer bür­ger­li­chen „Demo­kra­tie“ zu beschrän­ken… also genau das, was die KPI unter Togliat­ti tat. So ging Trotz­ki damit um:

Leh­nen wir Kom­mu­nis­ten von vorn­her­ein jede demo­kra­ti­sche For­de­rung, jede Über­gangs­for­de­rung oder Vor­be­rei­tung ab, um nur die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats zu for­dern? Das wür­de nur ein eit­les, dok­tri­nä­res Sek­tie­rer­tum bewei­sen. Wir glau­ben für kei­nen Augen­blick, dass ein ein­fa­cher revo­lu­tio­nä­rer Ansturm aus­reicht, um die Kluft zu über­brü­cken, die das faschis­ti­sche Regime von der pro­le­ta­ri­schen Dik­ta­tur trennt. Wir leug­nen kei­nes­falls die Über­gangs­pha­se mit ihren Über­gangs­for­de­run­gen, ein­schließ­lich den demo­kra­ti­schen For­de­run­gen. Aber es ist genau mit Hil­fe die­ser Über­gangs­for­de­run­gen, die immer Aus­gangs­punkt des Wegs zur Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats sind, mit denen die kom­mu­nis­ti­sche Avant­gar­de die gesam­te Arbei­ter­klas­se gewin­nen muss, damit die­se dann die aus­ge­beu­te­ten Klas­sen der Nati­on um sich ver­ei­nen kann.

Die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats kann den Volks­mas­sen nicht auf­ge­zwun­gen wer­den. Man kann sie nur durch den Kampf – bis zum Schluss – für alle Über­gangs­lo­sun­gen, die For­de­run­gen und Not­wen­dig­kei­ten der Mas­sen und an der Spit­ze der Mas­sen umset­zen.

Heu­te befin­den wir uns nicht in einem Ita­li­en unter faschis­ti­scher Dik­ta­tur. Aber in unse­rem Land, wie auch auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne, ist die Ver­tei­di­gung eines Über­gangs­pro­gramm, wel­ches die demo­kra­ti­schen Fra­gen auf­nimmt und wie­der aktu­ell macht, ohne sie von den ande­ren getrennt zu hal­ten, voll­stän­dig gül­tig, und sie ist es auch, weil wir nicht einen büro­kra­ti­schen und von oben dik­tier­ten Sozia­lis­mus for­dern, son­dern einen Sozia­lis­mus auf der Grund­la­ge der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Mas­sen, der Demo­kra­tie der in Räten ver­sam­mel­ten Arbeiter*innen und Mas­sen.

Schaue hier den Bei­trag von Gia­co­mo Tur­ci im Video:

Klas­se Gegen Klas­se