[KgK:] Nackt in den Keller sperren: Die Spezialität der Münchner Polizeiinspektion 14

Der Münch­ner Gärt­ner­platz ist beson­ders in die­sem Som­mer, in dem die Clubs geschlos­sen sind, ein belieb­ter abend­li­cher Treff­punkt für jun­ge Men­schen. Hier kam es in den letz­ten Wochen häu­fi­ger zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen der Poli­zei und Jugend­li­chen, so auch am 5. Sep­tem­ber, bei dem ein Ein­satz wegen Lärm­be­läs­ti­gung eska­lier­te.

Betroffene widersprechen der Polizeimeldung

Die Poli­zei schreibt in ihrer Pres­se­mit­tei­lung, sie habe einen 20-Jäh­ri­gen auf­ge­for­dert, „er möge die Beschal­lung des Gärt­ner­plat­zes mit sei­ner Musik­box ein­stel­len. Die­ser zeig­te sich jedoch äußerst unko­ope­ra­tiv und es kam letzt­end­lich im Rah­men sei­ner Iden­ti­täts­fest­stel­lung zu einer Aus­ein­an­der­set­zung mit ihm.“ Der Betrof­fe­ne Elo­ge Fous­sa stellt die Situa­ti­on jedoch anders da:

So gegen 23.30 Uhr kamen zwei Beam­te auf mich zu und mein­ten: ‚Per­so­nen­kon­trol­le.‘ Und ich mein­te: ‚War­um nur ich?‘ Die Anwoh­ner hät­ten sich beschwert, hieß es. Ich hab gesagt: ‚Schau­en Sie sich mal um: Hier sind 400 Leu­te. Wie­so soll ich mich als ein­zi­ger einer Per­so­nen­kon­trol­le unter­zie­hen?‘ Der Beam­te konn­te es nicht begrün­den.

Nach ein, zwei Minu­ten habe ich mei­nen Aus­weis aus­ge­hän­digt. Ohne ein wei­te­res Wort ging der Beam­te ein­fach. Ich bin ihm hin­ter­her und habe gefragt: ‚Wohin gehen Sie denn mit mei­nem Aus­weis?‘ Dar­auf­hin sehe ich, dass sein Kol­le­ge die Body­cam anmacht – er hat mich direkt gepackt. Und bei­de haben mich ange­grif­fen, in den Schwitz­kas­ten genom­men und zum Strei­fen­wa­gen gezerrt.

Hier geht es zum gan­zen Inter­view mit Elo­ge Fous­sa: „7 Stun­den nackt in der Zel­le“ – neue Details der Poli­zei­ge­walt in Mün­chen

Ein von der BILD-Zei­tung ver­öf­fent­lich­tes Video zeigt die fol­gen­de Aus­ein­an­der­set­zung, bei der ein Poli­zist mit dem Schlag­stock gegen einen Beglei­ter von Fous­sa, den 26-jäh­ri­ge Mar­cus Kobi­na M., vor­geht.

Mar­cus M. wird mit Ver­let­zun­gen im Gesicht ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert. Wäh­rend der Poli­zist min­des­tens vier Mal von oben zuschlägt, behaup­tet der BILD-Repor­ter Karl Keim, die Tref­fer gegen den Kopf sei­en nicht aus Absicht gesche­hen. In der Fol­ge­wo­che druck­te die BILD eine Lüge ab, Mar­cus M. habe „bei der Staats­an­walt­schaft aus­ge­sagt, dass er sich die Ver­let­zun­gen am Boden lie­gend selbst bei­gebracht“ hät­te. Über die Bericht­erstat­tung meint Mar­cus M.

In einem Arti­kel der SZ wur­de der Ein­druck erweckt, der Schlag wäre aus Ver­se­hen pas­siert. Im Video, das die BILD-Zei­tung in ihrem Bericht ver­öf­fent­licht hat­te, erkennt man aber deut­lich, dass der Schlag ziel­ge­rich­tet war… Noch in der sel­ben Nacht kam ich ins Kran­ken­haus und wur­de dort behan­delt. Dia­gnos­ti­ziert wur­de eine Gehirn­er­schüt­te­rung, außer­dem hat­te ich zwei etwa drei Zen­ti­me­ter lan­ge Platz­wun­den. Eine an der Ober­lip­pe und eine wei­te­re im Mund­raum. Bei­de muss­ten mit meh­re­ren Sti­chen genäht wer­den.“

Hier geht es zum gan­zen Inter­view mit Mar­cus M.: Poli­zei schlägt. Bild-Zei­tung lügt: Inter­view mit Betrof­fe­nem

Polizist auf Drogen? Jugendliche nackt in Zelle gesperrt

Der 17-jäh­ri­ge Tar­kan, der mit vier wei­te­ren Per­so­nen an dem Abend fest­ge­nom­men wur­de, berich­tet, dass der zuschla­gen­de Poli­zist gewirkt habe, als habe er Speed oder Koks genom­men:

Ich bin mir auch ziem­lich sicher, dass der Poli­zist wirk­lich was gezo­gen hat. Wegen sei­nem Kie­fer und der Art wie er sich benom­men hat, er war sehr steif.

(die soge­nann­te Kie­fer­klem­me ist eine aku­te Begleit­erschei­nung bei über­mä­ßi­gem Kon­sum von Dro­gen wie Amphet­ami­nen oder Koka­in – Anm. d. Verf.)

Allei­ne dafür, dass er dem Poli­zis­ten die Fra­ge nach dem Dro­gen­kon­sum stell­te („Haben Sie einen gerotzt oder war­um haben Sie Kie­fers­pa­ckun­gen?“), wur­de er auf die Poli­zei­in­spek­ti­on 14 an der The­re­si­en­wie­se gebracht, so berich­tet es Tar­kan. Doch damit nicht genug. Auf der Wache soll­te er sich bis auf die Unter­ho­se ent­klei­den.

10 Poli­zis­ten haben mich run­ter in den Kel­ler gebracht. Sie haben mich erst zu den Zel­len gepackt, dann haben sie gesagt: „Aus­zie­hen!“ Ich muss­te mich bis zur Unter­ho­se aus­zie­hen und in eine Zel­le gehen. Ich habe auch nach einer Decke gefragt, weil es sehr kalt war, aber die Bit­te wur­de mir ver­neint. Um 5 Uhr wur­de ich dann raus­ge­las­sen.

Hier geht es zum gan­zen Inter­view mit Tar­kan: Schlä­ger-Poli­zist auf Dro­gen? 17-Jäh­ri­ger muss­te „in Unter­ho­se in die Zel­le

Auch Elo­ge Fous­sa berich­tet, dass er nackt in die Zel­le gesperrt wur­de:

„Mit zwei Hand­schel­len wur­de ich dann abge­führt – wie­so mit zwei? Und dann wur­de ich nackt in der Zel­le sie­ben Stun­den fest­ge­hal­ten. Ich habe zuerst gesagt: ‚Ich zie­he mich nicht aus.‘ Dar­auf­hin haben sie mich zu fünft zu Boden zu Boden gedrückt und sich spä­ter über mich lus­tig gemacht, als ich gesagt habe, dass es zu kalt ist.“

Aufklärung der Vorfälle

Der Abend des 5. Sep­tem­ber wirft eini­ge Fra­gen auf: War­um spielt ein Poli­zist – mög­li­cher­wei­se mit Speed oder Koks voll­ge­pumpt – Ram­bo und nimmt es in Kauf, sei­nem Gegen­über schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen zuzu­fü­gen? War­um demü­tigt eine gan­ze Poli­zei­wa­che einen Min­der­jäh­ri­gen sowie einen 20-jäh­ri­gen und sperrt sie bei 15 Grad fast nackt in einen Kel­ler ein? War­um kon­trol­liert sie – wie die Betrof­fe­nen es aus­sa­gen – aus­ge­rech­net Schwar­ze Jugend­li­che?

Die gewalt­tä­ti­gen Poli­zei­ein­sät­ze gegen Jugend­li­che am Gärt­ner­platz und dem Bal­de­platz in den letz­ten Wochen beschäf­ti­gen mitt­ler­wei­le die Münch­ner Stadt­po­li­tik. So stell­te die Frak­ti­on der Linken/​die Par­tei eine Anfra­ge zu den Ein­sät­zen und wie oft sie sich gegen Jugend­li­che mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund rich­ten. Auf einer Pres­se­kon­fe­renz kamen auch zwei der Betrof­fe­nen vom Gärt­ner­platz zu Wort.

Die Poli­zei muss ihre Kon­trol­len und gewalt­tä­ti­gen Ein­sät­ze been­den. Es ist nötig, dass sämt­li­che Vor­wür­fe gegen sie von Kom­mis­sio­nen auf­ge­klärt wer­den, die sich unab­hän­gig vom Staat und der Poli­zei aus Betrof­fe­nen, Gewerk­schaf­ten und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen zusam­men­set­zen. Die ver­ant­wort­li­chen Polizist:innen müs­sen aus dem Dienst ent­las­sen wer­den.

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