[labournet:] Die „bösen Studierenden“ sind weiterhin da: Thailands Demokratiebewegung macht Attacke frontal auf Monarchie und Militär

Die bisher größte Demonstration gegen die Monarchie in Thailand am 16.8.2020 in Bangkok„… Mit einer Groß­de­mons­tra­ti­on vor­wie­gend jun­ger Akti­vis­ten haben die seit Mona­ten andau­ern­den Pro­tes­te gegen die Regie­rung in Thai­land am Sams­tag ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt erreicht. An der von Stu­den­ten ange­führ­ten Kund­ge­bung in Bang­kok nah­men trotz Regens nach Anga­ben der Poli­zei min­des­tens 20.000 Men­schen teil. Es wur­den aber Zehn­tau­sen­de wei­te­re erwar­tet. Die Kund­ge­bung soll bis zum Sonn­tag dau­ern und könn­te die größ­te der ver­gan­ge­nen Jah­re wer­den. Tau­sen­de Regie­rungs­kri­ti­ker ver­sam­mel­ten sich zunächst an der Tham­ma­sat Uni­ver­si­tät, um ihren For­de­run­gen Gehör zu ver­schaf­fen. Die Uni­ver­si­tät hat­te erklärt, sie wer­de die Kund­ge­bung nicht auf ihrem Ter­ri­to­ri­um gestat­ten – jedoch öff­ne­te sie schließ­lich die Tore, so dass Hun­der­te Stu­die­ren­de auf das Gelän­de ström­ten. Ande­re Demons­tran­ten zogen auf den rie­si­gen Platz Sanam Luang im his­to­ri­schen Zen­trum von Bang­kok, unweit des alten Königs­pa­las­tes. Vie­le hoben den Arm und mach­ten das Drei-Fin­ger-Zei­chen aus der Sci­ence-Fic­tion-Film­rei­he “Die Tri­bu­te von Panem”. Die Ges­te hat sich in den ver­gan­ge­nen Mona­ten zum Sym­bol der thai­län­di­schen Demo­kra­tie­be­we­gung ent­wi­ckelt...“ – aus der Mel­dung „Demons­trie­ren­de stür­men Uni-Gelän­de in Bang­kok“ am 19. Sep­tem­ber 2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link – wobei, wenig über­ra­schend, die Poli­zei­an­ga­ben zu der Teil­nah­me­zahl bereits von dem dazu gehö­ren­den Video ad absur­dum geführt wer­den… Zum gro­ßen Pro­test-Wochen­en­de in Bang­kok drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge, eine Video­samm­lung und der Hin­weis auf unse­ren bis­her letz­ten Bei­trag zur Demo­kra­tie­be­we­gung in Thai­land:

  • „„Die­ses Land gehört dem Volk““ von Nico­la Glass am 20. Sep­tem­ber 2020 in der taz online externer Link zum Zusam­men­hang zwi­schen Mon­ar­chie und Mili­tär­dik­ta­tur unter ande­rem: „… Sie lie­ßen eine Pla­ket­te in den Boden des „Sanam Luang“ (König­li­ches Gelän­de) ein­mau­ern. Auf der Inschrift war zu lesen: „Mor­gen­däm­me­rung, 20. Sep­tem­ber 2020“, umran­det von Wor­ten, die über­setzt etwa lau­ten: „Die Men­schen sol­len wis­sen, dass die­ses Land dem Volk gehört, nicht dem König.“ Die neue „Volks­pla­ket­te“ dient als Ersatz für jene, die einst in den Asphalt des eini­ge Kilo­me­ter ent­fern­ten „Roy­al Pla­za“ ein­ge­las­sen wor­den war, aber im April 2017 auf mys­te­riö­se Wei­se „ver­schwand“. Die­se Gedenk­ta­fel hat­te an die fried­li­che Revo­lu­ti­on von 1932 erin­nert, in deren Fol­ge die abso­lu­te Mon­ar­chie abge­schafft und die kon­sti­tu­tio­nel­le aus­ge­ru­fen wor­den war. Ein solch sym­bo­li­scher Akt wäre in demo­kra­tisch regier­ten Län­dern mit einer kon­sti­tu­tio­nel­len Mon­ar­chie, die die­sen Namen ver­dient, völ­lig legi­tim. In Thai­land jedoch kommt dies einem Affront gleich. Des Wei­te­ren erklär­ten die Initia­to­rin­nen und Initia­to­ren, sie hät­ten einem Ver­tre­ter der könig­li­chen Leib­gar­de eine Peti­ti­on über­ge­ben, in der sie erneut for­der­ten, dass Thai­lands Mon­ar­chie grund­le­gend refor­miert wer­den müs­se. (…) In der Erklä­rung vom 10. August hat­te die jun­ge Genera­ti­on unter ande­rem ver­langt, dass es mög­lich sein müs­se, Fehl­ver­hal­ten des Mon­ar­chen zu unter­su­chen. Auch dür­fe ein Staats­ober­haupt künf­tig kei­ne Mili­tär­put­sche mehr abseg­nen, wie es seit 1932 regel­mä­ßig vor­ge­kom­men ist. „Wir sind nicht gegen die Mon­ar­chie als Insti­tu­ti­on“, hat­te ein Akti­vist am Sams­tag betont. „Aber wir sind gegen jene Unbe­lehr­ba­ren, die sich auf die Sei­te der Mon­ar­chie stel­len, um poli­ti­schen Nut­zen dar­aus zu zie­hen.“ Das zielt auf die Armee, die Put­sche mit dem „Schutz“ des Königs­hau­ses recht­fer­tigt, aber als selbst ernann­te „Wäch­te­rin der Mon­ar­chie“ in Wirk­lich­keit nur die eige­ne Macht fes­ti­gen will. Ins­be­son­de­re wie­der­hol­ten die Pro­tes­tie­ren­den ihre For­de­rung nach einer Ver­fas­sung, die glei­ches Recht für alle garan­tiert und nicht dazu dient, den Macht­an­spruch einer klei­nen Eli­te zu sichern…“
  • „Der Halb­gott ist ange­zählt“ von Micha­el Lenz am 17. Sep­tem­ber 2020 bei nd online externer Link zur Situa­ti­on direkt vor dem Wochen­en­de der Groß­de­mons­tra­ti­on in Bang­kok: „… »Die thai­län­di­sche Regie­rung weiß nicht, was sie von die­sen neu­en Füh­rern hal­ten oder wie sie mit den Pro­tes­ten umge­hen soll. Aber eines ist klar: Es gibt eine brei­te und wach­sen­de Unter­stüt­zung für die Stu­den­ten­be­we­gung in der thai­län­di­schen Gesell­schaft«, sagt Phil Robert­son, Reprä­sen­tant der inter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Human Rights Watch (HRW) in Bang­kok, zu »nd«. »Die Regie­rung ist sehr besorgt dar­über, dass sie, wenn sie gegen die Bewe­gung vor­geht, unter den nor­ma­len Bür­gern eine viel brei­te­re Bewe­gung der Wut gegen die Regie­rung aus­lö­sen wird.« Die herr­schen­de Eli­te ver­sucht es der­weil einer­seits mit dem Zucker­brot der vor­sich­ti­gen Dia­log­be­reit­schaft. Ande­rer­seits wer­den Stu­den­ten­füh­rer fest­ge­nom­men, Dis­si­den­ten ver­schwin­den spur­los im lao­ti­schen Exil, ein thai­län­di­scher Regime­kri­ti­ker wur­de in Kam­bo­dschas Haupt­stadt Phnom Penh ent­führt. Die Stim­mung in Thai­land ist explo­siv. Die jun­ge Genera­ti­on hat die Nase voll von der dik­ta­to­ri­schen Poli­tik, der Domi­nanz des Mili­tärs in Poli­tik, Wirt­schaft und Gesell­schaft sowie dem Feh­len von Trans­pa­renz und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein bei den ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Insti­tu­tio­nen – ein­schließ­lich der Mon­ar­chie. Mit ihrer For­de­rung nach der Reform Letz­te­rer haben die Stu­den­ten Thai­lands größ­tes Tabu gebro­chen. Die Genera­ti­on der Eltern und Groß­el­tern stürzt der­weil durch die Coro­na­kri­se in den wirt­schaft­li­chen Abgrund. Die Zahl der Arbeits­lo­sen explo­diert, und die wirt­schafts­po­li­ti­sche Inkom­pe­tenz der Regie­rung von Pre­mier­mi­nis­ter und Ex-Putsch­ge­ne­ral Prayut Chan-o-cha wird noch spür­ba­rer als schon vor Coro­na. Auf der ande­ren Sei­te leben die eli­tä­ren Super­rei­chen wei­ter in Saus und Braus und der unpo­pu­lä­re König Maha Vaji­ra­long­korn ver­lus­tiert sich seit Mona­ten mit gro­ßem Hof­staat in einem Hotel in Bay­ern...“
  • „Thai pro­tes­ters instal­led a plaque oppo­si­te the Grand Palace in Bang­kok inscri­bed with the mes­sa­ge that Thai­land belongs to the peop­le and not to the mon­arch“ am 20. Sep­tem­ber 2020 beim Twit­ter-Kanal von Jor­ge Sil­va externer Link ist eine Samm­lung von Vide­os (und Fotos) der Aktio­nen vom Wochen­en­de, inklu­si­ve der demons­tra­ti­ven „Grund­stein­le­gung“ gegen die abso­lu­tis­ti­sche Mon­ar­chie und ihre (man­ches Mal vor­über­ge­hend nicht) uni­for­mier­ten Kom­pli­zen…

Der Bei­trag Die „bösen Stu­die­ren­den“ sind wei­ter­hin da: Thai­lands Demo­kra­tie­be­we­gung macht Atta­cke fron­tal auf Mon­ar­chie und Mili­tär erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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