[labournet:] Eine Kandidatin weniger bei der Wahl in Bolivien: Die Lieblings-Rechtsradikale der EU flüchtet vor der Katastrophe – werden ihre rassistischen Banden den angeblichen Kandidaten der Mitte wählen?

Anti-Putsch-Plakat in Bolivien im November 2019„… Die Prä­si­den­tin der De-fac­to-Regie­rung in Boli­vi­en, Jea­ni­ne Áñez, hat einen Monat vor den Prä­si­dent­schafts- und Par­la­ments­wah­len ihre Kan­di­da­tur für die Ali­an­za Jun­tos (Alli­anz Gemein­sam) zurück­ge­zo­gen. Mit die­sem Schritt wol­le sie ver­hin­dern, dass die Bewe­gung zum Sozia­lis­mus (Movi­mi­en­to al Socialismo,MAS) und der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent Evo Mora­les an die Macht zurück­kehr­ten, erklär­te sie. Den Auf­ruf zur Ein­heit gegen die MAS leh­nen füh­ren­de Oppo­si­ti­ons­kan­di­da­ten ab und hal­ten an ihren Kan­di­da­tu­ren fest. Zu Beginn des Jah­res hat­te Áñez sich ent­schie­den, gemein­sam mit dem Unter­neh­mer Samu­el Doria Medi­na für das höchs­te Staats­amt zu kan­di­die­ren. Damals begrün­de­te sie ihre Ent­schei­dung mit der “breit ver­teil­ten Stim­men­ab­ga­be” und der “Unfä­hig­keit der Kan­di­da­ten, die Gesamt­heit der Boli­via­ner zu ver­ei­nen”. Genau aus dem­sel­ben Grund gab sie nun am Don­ners­tag in einem Video bekannt, sich nicht zur Wahl zu stel­len, denn “ange­sichts des Risi­kos der Auf­spal­tung der demo­kra­ti­schen Stim­men zwi­schen ver­schie­de­nen Kan­di­da­ten” sei ein Wahl­sieg der MAS mög­lich. “Ich tue es für die Ein­heit der­je­ni­gen, die die Demo­kra­tie lie­ben. Ich tue es für den Sieg der­je­ni­gen, die die Dik­ta­tur ableh­nen”, beton­te sie. “Wenn wir uns nicht ver­ei­nen, kehrt Mora­les zurück”, so ihr Appell an die Oppo­si­ti­ons­kan­di­da­ten zur MAS. Ihr Vize­prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Doria Medi­na schloss sich der Ent­schei­dung an…“ – aus dem Bei­trag „De-fac­to-Prä­si­den­tin in Boli­vi­en zieht Kan­di­da­tur zurück“ von Adre­as Het­zer am 19. Sep­tem­ber 2020 bei ame​ri​ka21​.de externer Link über die Flucht der Fun­da­men­tal­chris­tin vor den Wahl­ur­nen. Sie­he dazu zwei wei­te­re aktu­el­le und einen Hin­ter­grund­bei­trag – sowie den Ver­weis auf unse­ren bis­her letz­ten Bei­trag zur Wahl­angst der Rech­ten in Boli­vi­en:

  • „Áñez wirft das Hand­tuch“ von Mar­tin Ling am 19. Sep­tem­ber 2020 in nd online externer Link kom­men­tiert zu die­ser Flucht unter ande­rem: „… »Wenn wir uns nicht zusam­men­schlie­ßen, kehrt Mora­les zurück.« Mit allen Mit­teln will Áñez ver­hin­dern, dass die von ihr in Gang gesetz­te kon­ser­va­ti­ve Restau­ra­ti­on zu Las­ten der Indi­ge­nen von der MAS wie­der gestoppt wird, die dafür Mora­les’ Rück­kehr aus dem Exil gar nicht zwin­gend braucht. Dass Áñez’ Kal­kül auf­geht, ist aller­dings frag­lich. Ihre rech­ten bis rechts­ra­di­ka­len Anhän­ger ste­hen dem rechts­ra­di­ka­len Die­go Cama­cho weit näher als dem neo­li­be­ra­len Car­los Mesa. Und der Hard­li­ner Cama­cho macht kei­ne Anstal­ten, um für den chan­cen­rei­che­ren Mesa zurück­zu­zie­hen. Die rech­te Unei­nig­keit bleibt Arces gro­ße Chan­ce im ers­ten Wahl­gang. Siegt er, erhält die MAS eine zwei­te Chan­ce...“
  • „Ver­zwei­fel­ter Ver­such“ von Fre­de­ric Schnat­te­rer am 19. Sep­tem­ber 2020 in der jun­gen welt externer Link dazu – und zu den Reak­tio­nen ihrer bis­he­ri­gen Part­ner: „… Tat­säch­lich sagt eine nur einen Tag zuvor ver­öf­fent­lich­te Mei­nungs­um­fra­ge dem MAS-Kan­di­da­ten Luis Arce einen Sieg in der ers­ten Run­de der Prä­si­dent­schafts­wahl vor­aus. Die vom rech­ten Think­tank »Fund­a­ción Jubi­leo« durch­ge­führ­te Befra­gung – bis­lang die größ­te ihrer Art sowie die ein­zi­ge, bei der auch die länd­li­che Bevöl­ke­rung reprä­sen­tiert war – sieht den Lin­ken bei 40,3 Pro­zent. Damit liegt er weit vor dem kon­ser­va­ti­ven Exprä­si­den­ten Car­los Mesa von »Comu­ni­dad Ciu­da­da­na«, dem 26,2 Pro­zent der Stim­men vor­aus­ge­sagt wer­den. Noch vor Áñez besetzt der Kle­ri­kal­fa­schist Luis Cama­cho von »Cree­mos« den drit­ten Platz mit 14,4 Pro­zent. In Boli­vi­en gewinnt bereits in der ers­ten Run­de, wer mehr als 40 Pro­zent auf sich ver­ei­nen kann und min­des­tens fünf Punk­te Vor­sprung auf den Zweit­pla­zier­ten hat. Auf Twit­ter erklär­te Mesa nach der Ent­schei­dung, er sehe in dem Schritt von Áñez einen »Bei­trag zur Demo­kra­tie«. Laut einer Pro­gno­se, aus der die boli­via­ni­sche Tages­zei­tung El Deber am Frei­tag zitier­te, könn­ten 60 Pro­zent der Stim­men von Áñez nun auf den Exprä­si­den­ten ent­fal­len. 30 wei­te­re Pro­zent könn­ten hin­ge­gen Cama­cho zugu­te kom­men, der den Schritt der »Inte­rims­prä­si­den­tin« als »Nie­der­la­ge« bezeich­ne­te. Über Face­book erklär­te der Rechts­au­ßen: »Die Men­schen sind der alten Poli­tik und der Kor­rup­ti­on über­drüs­sig, wes­halb sie Jea­ni­ne Áñez die Unter­stüt­zung ent­zo­gen haben.« Doch über wirk­li­che Unter­stüt­zung ver­füg­te die »Über­gangs­prä­si­den­tin«, die nach dem Putsch gegen Evo Mora­les im Novem­ber 2019 bal­di­ge Neu­wah­len ange­kün­digt hat­te, ohne­hin nie. Zwar kam sie nach ihrer Ankün­di­gung vom 24. Janu­ar, für das Prä­si­den­ten­amt zu kan­di­die­ren, in Umfra­gen zeit­wei­se gefähr­lich nah an Mesa her­an. Auf dem ers­ten Platz lag jedoch immer der MAS-Kan­di­dat Arce…
  • „The cur­rent sta­te of the strugg­le in Boli­via“ am 14.September 2020 bei lib​com​.org externer Link ist ein Bei­trag, der aus anar­chis­ti­scher Sicht die Ent­wick­lung seit dem Putsch 2019 ana­ly­siert. Neben der – trotz allem Auf­wand – weit­ge­hend geschei­ter­ten Ver­su­che der Rechts­ra­di­ka­len an der Regie­rung, die Volks­be­we­gun­gen zu been­den, ste­hen dabei die Wider­sprü­che inner­halb des Lagers der Put­schis­ten­geg­ner im Zen­trum des Bei­trags – wobei das Schwer­ge­wicht auf die Mas­sen­ak­tio­nen gegen die Ver­su­che der Wahl­ver­schie­bung und der Fokus­sie­rung auf die Wah­len gelegt wird. Das Poten­zi­al für wei­te­re Ver­än­de­rung wird dabei vor allem in den Stra­ßen­blo­cka­den im August gese­hen, die ja trotz Been­di­gungs-Auf­ru­fen von MAS-Füh­rung und mit ihr ver­bün­de­ter Gewerk­schafts­strö­mun­gen fort­ge­setzt wor­den waren und deut­lich mach­ten, dass eine eigen­stän­di­ge Oppo­si­ti­on, unab­hän­gig von der MAS (und erst recht unab­hän­gig von Evo Mora­les) besteht…

Der Bei­trag Eine Kan­di­da­tin weni­ger bei der Wahl in Boli­vi­en: Die Lieb­lings-Rechts­ra­di­ka­le der EU flüch­tet vor der Kata­stro­phe – wer­den ihre ras­sis­ti­schen Ban­den den angeb­li­chen Kan­di­da­ten der Mit­te wäh­len? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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