[labournet:] Massenprotest gegen die rechte Gouverneurin von Madrid, die ihren menschenfeindlichen Epidemie-Kurs fortsetzen will: Mit Ausgangssperren für ärmere Viertel und rassistischer Hetze

Mobilisierungsplakat Madrid 20.9.2020 gegen die Ausgangssperre für ärmere Viertel„… Die Men­schen tru­gen Pla­ka­te mit Auf­schrif­ten wie “Unse­re Stadt­tei­le sind kei­ne Ghet­tos”, “Mehr Ärz­te, mehr Kon­takt­nach­ver­fol­ger – kei­ne Aus­gren­zung” oder “Ihr habt uns im Stich gelas­sen und nun sperrt ihr uns ein”. Sie for­der­ten den Rück­tritt der kon­ser­va­ti­ven Regio­nal­prä­si­den­tin Isa­bel Díaz Ayu­so: “Ayu­so, Du bist das Virus”. Die har­ten Mass­nah­men sol­len zunächst zwei Wochen lang gel­ten. Betrof­fen sind nach amt­li­chen Anga­ben 850 000 der rund 6,6 Mil­lio­nen Ein­woh­ner der Regi­on um die Haupt­stadt. Abge­rie­gelt wer­den ins­ge­samt 37 Gebie­te in sechs Stadt­tei­len sowie in sie­ben Kom­mu­nen im Umland Madrids. Die jewei­li­gen Gebie­te dür­fen dann nur noch für drin­gen­de Ange­le­gen­hei­ten betre­ten oder ver­las­sen wer­den – etwa für den Weg zur Arbeit, zur Schu­le oder zum Arzt. Ähn­li­che Absper­run­gen gibt es auch in ande­ren Tei­len Spa­ni­ens, etwa in Mal­lor­cas Haupt­stadt Pal­ma. Betrof­fen sind bei den soge­nann­ten “Teil­ab­sper­run­gen” nicht nur in Madrid fast immer ärme­re Wohn­quar­tie­re mit sozia­len Pro­ble­men. In den betrof­fe­nen Gebie­ten Madrids liegt die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen oft bei weit mehr als 1000 pro 100 000 Ein­woh­ner bin­nen 14 Tagen. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land liegt die soge­nann­te 7‑Ta­ge-Inzi­denz, also die Zahl der Anste­ckun­gen pro 100 000 Ein­woh­ner inner­halb der ver­gan­ge­nen 7 Tage, der­zeit etwa bei 12…“ – aus der Mel­dung „Pro­tes­te gegen Coro­na-Absper­run­gen in Madrid – “Kei­ne Ghet­tos”“ am 20. Sep­tem­ber 2020 bei bote​.ch externer Link über die zahl­rei­chen Demons­tra­tio­nen in der Regi­on Madrid gegen die rech­te Front­frau und ihre anti­so­zia­le Kam­pa­gne. Sie­he dazu eini­ge wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge zur Mobi­li­sie­rung und zum Ablauf der ver­schie­de­nen Pro­tes­te „rund um Madrid“ sowie zum Ver­such der Gou­ver­neu­rin, die ras­sis­ti­sche Ent­las­tungs­va­ri­an­te für ihre Poli­tik zu ver­su­chen:

„Lock­down nur für Arme? „ von Hans-Chris­ti­an Röß­ler am 20. Set­em­ber 2020 im faz​.net externer Link zu die­sen Demons­tra­tio­nen: „… Die Wut im Süden wächst. Mehr als 850.000 Men­schen sol­len von Mon­tag an zwei Wochen lang mög­lichst zu Hau­se blei­ben. Es trifft vor allem die ärme­ren Vier­tel im Süden von Madrid, in denen über­wie­gend Arbei­ter und Ein­wan­de­rer woh­nen. Die kon­ser­va­ti­ve Regio­nal­re­gie­rung spricht von „selek­ti­ven“ Aus­gangs­be­schrän­kun­gen, sie sei­en nötig, um einen här­te­ren Lock­down für die Haupt­stadt­re­gi­on mit 6,7 Mil­lio­nen Ein­woh­nern zu ver­hin­dern, die mehr als ein Drit­tel aller Coro­na-Fäl­le Spa­ni­ens regis­triert. Doch die betrof­fe­nen Madri­le­nen begeh­ren auf und wol­len nicht zu Sün­den­bö­cken gemacht wer­den. Die Empö­rung rich­tet sich auch gegen die „Pijos“, wie die wohl­ha­ben­den Bür­ger im Stadt­zen­trum und im Nor­den genannt wer­den, die sich wei­ter­hin frei bewe­gen dür­fen, weil in ihren Vier­teln die Fall­zah­len deut­lich nied­ri­ger sind. Im Süden sind auch vie­le ver­är­gert über den kon­ser­va­ti­ven Bür­ger­meis­ter José Luis Mar­tí­nez-Almei­da. Er hat­te es als „zutiefst unver­ant­wort­lich“ bezeich­net, in die­sen Tagen zu demons­trie­ren. Im Früh­jahr hat­te er Ver­ständ­nis für Demons­tran­ten geäu­ßert, die auf dem Höhe­punkt der ers­ten Wel­le im Sala­man­ca-Vier­tel gegen die Coro­na-Poli­tik der regie­ren­den Links­ko­ali­ti­on auf die Stra­ße gin­gen. Er recht­fer­tig­te sie als „fried­li­chen Pro­test“. Sala­man­ca, einer der Stadt­tei­le mit den höchs­ten Ein­kom­men und Ver­mö­gen in Madrid, ist eine Hoch­burg der rech­ten Par­tei­en. Neben der Sor­ge vor dem sich immer schnel­ler aus­brei­ten­den Virus wächst im Süden nun auch die Angst um den Arbeits­platz. Die meis­ten Ein­woh­ner sind auf die öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel ange­wie­sen, um zu ihren Arbeits­plät­zen im Zen­trum zu gelan­gen. Dort ver­die­nen sie als Kran­ken­schwes­tern, Alten­pfle­ger, Bau­ar­bei­ter ihr Geld. Das dür­fen sie von Mon­tag an auch wei­ter­hin tun: Um zur Arbeit, zum Arzt oder in die Schu­le zu fah­ren, dür­fen sie ihre Bezir­ke wei­ter­hin ver­las­sen. Die Poli­zei wird die Zugän­ge nur stich­pro­ben­ar­tig über­prü­fen, eine „abso­lu­te“ Kon­trol­le über sechs Vier­tel der Haupt­stadt und sie­ben angren­zen­de Orte sei nicht mög­lich, geste­hen Poli­ti­ker ein...“

„Madrid: Coro­na­vi­rus-Haupt­stadt in Euro­pa“ von Ralf Streck am 17. Sep­tem­ber 2020 bei tele­po­lis externer Link zur Situa­ti­on in Madrid: „… Die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Zen­tral­re­gie­rung, die dem unver­ant­wort­li­chen Trei­ben der rech­ten Regio­nal­re­gie­rung im Som­mer erneut mit ver­schränk­ten Armen zuge­se­hen hat, for­dert nun von ihr end­lich zu han­deln, anstatt von sich aus zu han­deln. Gesund­heits­mi­nis­ter Sal­va­dor Illa hofft, am Don­ners­tag end­lich Maß­nah­men ver­kün­det zu bekom­men, die Madrid ergrei­fen will. “Es muss alles Not­wen­di­ge getan wer­den, um die Lage in Madrid zu kon­trol­lie­ren”, erklärt er plötz­lich das, was er hät­te im August for­dern müs­sen. Die rech­te Regio­nal­prä­si­den­tin Isa­bel Díaz Ayu­so denkt nun dar­über nach, eini­ge Distrik­te, Stadt­tei­le und Gemein­den wie­der mit einer Aus­gangs­sper­re zu bele­gen. Betrof­fen wäre mehr als eine Mil­li­on Men­schen. Zwi­schen­zeit­lich ver­such­te aber sie noch ein ras­sis­ti­sches Ablen­kungs­ma­nö­ver. Sie mach­te Ein­wan­de­rer und ihren Lebens­stil für die Aus­brei­tung des Virus in Madrid ver­ant­wort­lich. Begrenz­te Aus­gangs­sper­ren kön­nen hilf­reich und wirk­sam sein, dass hat man in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt Lis­sa­bon gezeigt. Doch dazu muss man sie wie im Groß­raum Lis­sa­bon auch früh ergrei­fen. Es nützt nichts mehr, ein Sicher­heits­netz auf­zu­span­nen, wenn das Kind schon in den Brun­nen gefal­len ist. Die Lage in der Haupt­stadt­re­gi­on Madrid kann nur noch mit einem Wort beschrie­ben wer­den: fatal! Neun von zehn Städ­ten mit den höchs­ten Infek­ti­ons­zah­len in den letz­ten 14 Tagen fin­den sich im Groß­raum Madrid. Nur Lor­ca in Mur­cia, die Regi­on wird eben­falls von der Rech­ten mit Dul­dung der rechts­ex­tre­men VOX regiert, sticht an ande­rer Stel­le in Spa­ni­en her­aus. In eini­gen Städ­ten im Speck­gür­tel um Madrid fin­den sich fast 1000 Neu­in­fek­tio­nen auf 100.000 Bewoh­ner wie in Par­la. Im Durch­schnitt sind es mehr als 600 und außer­halb Spa­ni­ens gibt es kei­ne Regi­on, die über den Wert von 350 kommt…“

„Aho­ra la xeno­fo­bia… Ayu­so: «los con­ta­gi­os en Madrid son debi­do al ‚modo de vida´ de los inmi­gran­tes»“ am 16. Sep­tem­ber 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link mel­det den Ver­such der reak­tio­nä­ren Gou­ver­neu­rin, die Schuld auf ande­re abzu­wäl­zen – wie für Rech­te pas­send, auf die Migra­ti­on. Die „Lebens­wei­se“ der Ein­wan­de­rer sei schuld an der erneu­ten Aus­brei­tung des Virus, so die Dia­gno­se der medi­zi­nisch beson­ders qua­li­fi­zier­ten Rech­ten…

„Con­vo­ca­das dece­nas de movi­li­za­cio­nes con­tra el con­fina­mi­en­to cla­sis­ta decreta­do por el gobier­no autonó­mi­co de Madrid“ am 20. Sep­tem­ber 2020 eben­falls bei kao­s­en­la­red externer Link gibt einen ers­ten Über­blick über die Auf­ru­fe und den Ver­lauf der ver­schie­de­nen Pro­test-Demons­tra­tio­nen, die an bei­den Tagen des Wochen­en­des statt­fan­den – zumeist von Nach­bar­schafts­ver­ei­ni­gun­gen orga­ni­siert, aber auch die ver­schie­de­nen Gewerk­schaf­ten des Gesund­heits­we­sens hat­ten zur Teil­nah­me auf­ge­ru­fen.

„Har­taz­go en los bar­ri­os hacia Ayu­so: “Tenemos que sacar la digni­dad del sur a la cal­le”“ von Sato Diaz am 17. Sep­tem­ber 2020 bei Cuar­to Poder externer Link ist eine Samm­lung von Aus­sa­gen von Akti­ven, die die­se Demons­tra­tio­nen orga­ni­siert haben aus Valle­cas, Use­ra, Vil­la­ver­de und Cara­ban­chel – zumeist eben Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten aus den genann­ten Nach­bar­schafts­ver­ei­ni­gun­gen, deren Kri­tik gemein­sam lau­tet, die Rech­ten ver­su­chen, die Schuld für ihr Ver­sa­gen auf uns zu schie­ben…

„GETAFE. Con­tra la segre­ga­ción cla­sis­ta“ am 20. Sep­tem­ber 2020 im Twit­ter-Kanal der CNT-AIT externer Link ist eine knap­pe (Foto) Mel­dung aus Geta­fe über die Demons­tra­ti­on dort gegen die Poli­tik der Gou­ver­neu­rin – die hier auch als Bei­spiel ste­hen soll für zahl­rei­che ähn­li­che Berich­te aus ande­ren Regio­nen und Orten in und rund um Madrid, die alle­samt deut­lich machen, dass die­se Pro­tes­te eine bedeu­ten­de Teil­nah­me­zahl erreich­ten…

Der Bei­trag Mas­sen­pro­test gegen die rech­te Gou­ver­neu­rin von Madrid, die ihren men­schen­feind­li­chen Epi­de­mie-Kurs fort­set­zen will: Mit Aus­gangs­sper­ren für ärme­re Vier­tel und ras­sis­ti­scher Het­ze erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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