[labournet:] Schreibt die Berliner Polizei selbst Drohbriefe – oder beschafft sie nur das Material dazu?

Dossier

Rigaer94: Schläge, Beleidigungen, Drohungen – wenn das SEK Berlin eine Hausbegehung macht»Eure Gesich­ter Namen Adres­sen Fahr­zeu­ge Geschwis­ter Eltern sind sehr lan­ge schon bekannt«, heißt es bei sehr spar­sa­mer Inter­punk­ti­on in einem anony­men Schrei­ben, das laut Anga­ben der Inter­net­sei­te indy​m​e​dia​.org kurz vor Weih­nach­ten »in ver­schie­de­nen Loka­li­tä­ten, die in Ver­öf­fent­li­chun­gen von Behör­den als ›links­ex­tre­mis­ti­sche Treff­punk­te‹ bezeich­net wer­den«, ein. In dem neun­sei­ti­gen Brief wer­den dem­nach ins­ge­samt 42 Per­so­nen aus dem Umfeld des Haus­pro­jekts Riga­er Stra­ße 94 in Fried­richs­hain mit vol­len Namen erwähnt. Zu 18 die­ser Per­so­nen sind »Licht­bil­der aus erken­nungs­dienst­li­chen Behand­lun­gen des Ber­li­ner LKA bzw. Per­so­nal­aus­weis­fo­tos mit teil­wei­se zutref­fen­den, meist ver­leum­de­ri­schen Kom­men­ta­ren aus Daten­spei­che­run­gen bei­gefügt, die dem Staats­schutz zuge­rech­net wer­den kön­nen«, heißt es wei­ter auf der Web­sei­te. Zuerst hat­te der »Spie­gel« berich­tet. Absen­der des Brie­fes ist ein fik­ti­ves »Zen­trum für poli­ti­sche Kor­rekt­heit«. Auf Indy­m­e­dia doku­men­tie­ren auch eini­ge Fotos den Brief. Das Schrei­ben ist offen­bar eine Retour­kut­sche auf einen Fahn­dungs­auf­ruf von Akti­vis­ten aus dem Umfeld der »Riga­er 94«. Die­se hat­ten »anläss­lich der Hetz­kam­pa­gne und den Auf­ru­fen zur Denun­zia­ti­on« im Zuge der G20-Ermitt­lun­gen Mit­te Dezem­ber auf der Web­sei­te Indy​m​e​dia​.org die Bil­der von 54 Poli­zis­ten ver­öf­fent­licht. Die Beam­ten sol­len an einer Räu­mung des Pro­jek­tes betei­ligt gewe­sen sein“ – aus dem Bericht „Droh­brie­fe an Bewoh­ner der Riga­er 94“ von Nico­las Sus­tr am 02. Janu­ar 2018 in neu­es deutsch­land externer Link, wor­in fak­tisch die­se bei­den Optio­nen als Ergeb­nis nahe gelegt wer­den. Sie­he dazu auch die Ant­wort der Betrof­fe­nen und einen Bei­trag von amnes­ty inter­na­tio­nal sowie neu:

  • „NSU 2.0“: Böh­mer­mann-Daten von Ber­li­ner Poli­zei-Com­pu­ter ille­gal abge­ru­fen /​Come­di­ans Kebe­kus und Ehring wer­den auch bedroht New
    • „NSU 2.0“: Come­di­ans Kebe­kus und Ehring wer­den auch bedroht
      “… Rechts­ex­tre­mis­ti­sche Täter haben noch mehr Pro­mi­nen­te aus­ge­späht als bis­her bekannt. Auch die Come­di­ans Caro­lin Kebe­kus und Chris­ti­an Ehring sind nach Infor­ma­tio­nen der Frank­fur­ter Rund­schau (Sams­tags­aus­ga­be) in den Fokus der Absen­der von rechts­ex­tre­men Droh­brie­fen gera­ten, die unter dem Kür­zel „NSU 2.0“ fir­mie­ren. (…) In der glei­chen E‑Mail, die an meh­re­re Emp­fän­ger ging, wur­den nach Anga­ben der Frank­fur­ter Rund­schau auch Kebe­kus und Ehring mit dem Tode bedroht. Dar­in nen­ne der Absen­der ihre Geburts­da­ten, Geburts­or­te und angeb­li­chen Wohn­an­schrif­ten. Er beschimp­fe die Come­di­ans als „Volks­schäd­ling“ und „Unge­zie­fer“ und kün­di­ge an, dass Blut flie­ßen wer­de, schreibt die Zei­tung. Ob die per­sön­li­chen Daten der bei­den Fern­seh­stars ille­gal über Poli­zei­com­pu­ter abge­fragt wur­den wie bei ande­ren Per­so­nen, die von „NSU 2.0“ bedroht wer­den, sei bis­her nicht bekannt, fügt die FR hin­zu.” Arti­kel von Pitt v. Beben­burg vom 19.09.2020 bei der Frank­fur­ter Rund­schau online externer Link
    • „NSU 2.0“-Drohbriefe: Böh­mer­mann-Daten von Ber­li­ner Poli­zei-Com­pu­ter ille­gal abge­ru­fen
      Der Skan­dal über ille­ga­le Abfra­gen von Poli­zei­com­pu­tern im Zusam­men­hang mit rechts­ex­tre­men Droh­mails wei­tet sich nach Infor­ma­tio­nen der Frank­fur­ter Rund­schau immer mehr aus. Per­sön­li­che Daten des Fern­seh­mo­de­ra­tors Jan Böh­mer­mann sind von einem Poli­zei­rech­ner abge­ru­fen wor­den – vor einem Droh­schrei­ben von „NSU 2.0“. Die Ber­li­ner Poli­zei stell­te am Frei­tag klar, dass die Abfra­ge vom Juli 2019 und nicht vom Juli 2020 stamm­te. Nach FR-Infor­ma­tio­nen ver­schick­te „NSU 2.0“ im August 2020 eine Droh­mail, die Böh­mer­manns Namen und eine Anschrift nennt, die ihm zuge­ord­net wird. Die hes­si­sche Jus­tiz­mi­nis­te­rin Eva Küh­ne-Hör­mann (CDU) hat­te am Don­ners­tag im Innen­aus­schuss des Hes­si­schen Land­tags mit­ge­teilt, dass per­sön­li­che Daten Böh­mer­manns von einem Poli­zei­rech­ner in Ber­lin abge­ru­fen wor­den sei­en. Der Vor­gang sei Teil der Ermitt­lun­gen im Zusam­men­hang mit den rechts­ex­tre­men Droh­schrei­ben, die mit „NSU 2.0“ unter­schrie­ben sind. Auf die Fra­ge, ob die Daten in einem Droh­schrei­ben gegen Jan Böh­mer­mann auf­ge­taucht sei­en, mach­te die hes­si­sche Minis­te­rin kei­ne Anga­ben. Der Frank­fur­ter Rund­schau liegt jedoch das Droh­schrei­ben von „NSU 2.0“ vor, in dem Daten von Böh­mer­mann ver­wen­det wer­den. Es wur­de am 1. August per Mail ver­sandt – also weni­ge Tage nach der Abfra­ge. Das Schrei­ben ging nicht an Böh­mer­mann, son­dern an ande­re Adres­sa­ten…” Arti­kel von Pitt v. Beben­burg vom 18.09.2020 bei der Frank­fur­ter Rund­schau online externer Link
  • Rechts­ex­tre­me Droh­schrei­ben: Spur von “NSU 2.0” führt nach Ber­lin
    Im Zuge der Ermitt­lun­gen wegen rechts­ex­tre­mer Droh­brie­fe sind nach Recher­chen von WDR externer Link und “SZ” Poli­zis­ten in Ber­lin befragt wor­den. Sie sol­len ohne dienst­li­chen Grund die Daten von zwei Per­so­nen abge­fragt haben. Dem­nach haben Son­der­er­mitt­ler aus Hes­sen in Neu­kölln und Span­dau zwei Poli­zei­be­am­te ver­nom­men. Die­se sol­len aus der Poli­zei­da­ten­bank pri­va­te Daten der Kaba­ret­tis­tin Idil Bay­dar und der “taz”-Kolumnistin Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah abge­fragt haben. Bei­de Frau­en erhiel­ten kurz dar­auf Droh­schrei­ben, in denen sie belei­digt und mit dem Tode bedroht wur­den. Die Schrei­ben waren mit “NSU 2.0” unter­zeich­net. Die Beam­ten sol­len ohne dienst­li­chen Grund die per­sön­li­chen Daten der Kaba­ret­tis­tin und der Kolum­nis­tin abge­fragt haben, heißt es in den Berich­ten. Eine Abfra­ge von Bay­dar gel­te als beson­ders auf­fäl­lig; sie sei am 5. März 2019 erfolgt, zeit­gleich mit einer der­ar­ti­gen Abfra­ge auch in Hes­sen, in einem Poli­zei­re­vier in Wies­ba­den. (…) Eine wei­te­re Spur führt den Berich­ten zufol­ge zur Ham­bur­ger Poli­zei; auch hier sol­len zwei Per­so­nen befragt wor­den sein. Alle vier dür­fen vor­erst wei­ter­ar­bei­ten…” Mel­dung vom 07.09.20 beim rbb externer Link
  • [B] Droh­brie­fe vom Staats­schutz – neus­te Erkennt­nis­se 
    In Sachen Droh­brie­fe gegen unse­re Struk­tu­ren gibt es eini­ge neue Infor­ma­tio­nen. Wie der RBB aus­führ­lich berich­tet, wur­de ein Ex-LKA-Mit­ar­bei­ter bereits rechts­kräf­tig unter Geheim­hal­tung dafür ver­ur­teilt. Dies war gesche­hen, um den Rest des Staats­schut­zes vor wei­te­ren Ermitt­lun­gen zu schüt­zen. Es ist offen­sicht­lich, dass hier mal wie­der die Ein­zel­tä­ter­the­se her­an­ge­zo­gen wur­de um den faschis­to­iden Cha­rak­ter der Poli­zei zu kaschie­ren. Wir wis­sen es bes­ser und wir wis­sen noch mehr. (…) Ein Ori­gi­nal der Droh­brie­fe ist in die Hän­de der Bul­len gelangt. Über die­ses konn­te der Dru­cker iden­ti­fi­ziert wer­den, mit dem er gedruckt wur­de. Es wur­de ermit­telt, dass die­ser bei der Poli­zei steht. Über den unge­fäh­ren Zeit­raum und den Umfang des Aus­drucks im Dru­cker­pro­to­koll konn­te ein ehe­ma­li­ger Staats­schüt­zer, Sebas­ti­an K., als Ver­däch­tig­ter nam­haft gemacht wer­den. Bei einer Haus­durch­su­chung bei die­sem wur­de ein USB-Stick mit diver­sen Daten gefun­den, die auch im Droh­brief ver­wen­det wur­den. In sei­ner Ver­neh­mung gab er an, voll­kom­men eigen­stän­dig gehan­delt zu haben. Sei­ne Lebens­ge­fähr­tin P. arbei­tet immer noch beim Staats­schutz, dank der Aus­sa­ge von Sebas­ti­an K. fiel aber kein wei­te­rer Ver­dacht auf sie. Er selbst hat aber bereits vor eini­ger Zeit in eine ande­re Dienst­stel­le gewech­selt, wes­we­gen er kei­nen Zugriff auf alle in den Droh­brie­fen ent­hal­te­nen Daten haben konn­te. Im Som­mer 2018 wur­de die Ermitt­lun­gen den­noch abge­schlos­sen und K. unbü­ro­kra­tisch und unter Geheim­hal­tung vor der Daten­schutz­be­auf­trag­ten des Lan­des und eines Klä­gers aus den Rei­hen der Betrof­fe­nen ver­ur­teilt. Wegen Ver­stoß gegen das Daten­schutz­ge­setz muss er eine Geld­stra­fe von 3.500 Euro zah­len und ist nicht vor­be­straft. Anfang 2019 schließ­lich erhielt der Klä­ger aus der Rei­he der Betrof­fe­nen eine stark zen­sier­te Akten­ein­sicht mit den Namen der zwei erwähn­ten Bul­len. Noch nicht öffent­lich ist bis jetzt, dass Sebas­ti­an K. im Staats­schutz in der Aus­wer­te­ein­heit LKA 52 AE arbei­te­te. Die Lebens­ge­fähr­tin P. ist dort nach wie vor aktiv…” Bei­trag von “Eini­ge der Betrof­fe­nen” am 22.02.2019 bei indy­m­e­dia externer Link
  • Poli­zei & Daten­schutz 
    “Im Zusam­men­hang mit den Droh­brie­fen, die ein zwi­schen­zeit­lich ver­ur­teil­ter Ber­li­ner Poli­zei­be­am­ter Ende ’17 an lin­ke Ein­rich­tun­gen ver­schickt hat, beklagt die Ber­li­ner Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te (LfD), Maja Smolt­c­zyk, den „man­geln­den Auf­klä­rungs­wil­len“ der Ber­li­ner Poli­zei; die Poli­zei “mau­ert“ gegen­über der Ber­li­ner LfD. Wie die taz vom 07.02.19 berich­tet, erhebt Frau Smolt­c­zyk dies­be­züg­lich „schwe­re Vor­wür­fe gegen Poli­zei und Staats­an­walt­schaft“: Die­se wür­den nur sehr begrenzt mit der Daten­schutz­be­hör­de zusam­men­ar­bei­ten und so die lücken­lo­se Auf­klä­rung des Falls erschwe­ren. Unklar ist immer noch, wie der über­führ­te Ber­li­ner Poli­zei­be­am­te an die poli­zei­li­chen Daten­sät­ze gelangt ist; ob er die­se selbst abge­ru­fen hat oder dies über “Mit­tels­män­ner“ (Mit­tä­ter) gesche­hen ist, ist wei­ter­hin unklar. Auch mit Blick auf die neu­en Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­ze (PAG), die in zahl­rei­chen Bun­des­län­dern ver­ab­schie­det wur­den – oder noch in Pla­nung sind -, wur­den und wer­den die LfD oft­mals über­gan­gen und vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt. Der Umgang, der Haupt­stadt-Poli­zei, mit der Ber­li­ner Daten­schutz­be­auf­trag­ten, Maja Smolt­c­zyk, zeigt anschau­lich, was die Poli­zei von Daten­schutz – und den Auf­sichts­be­hör­den hier­über – hält: Bei der Über­ar­bei­tung bzw. Neu­ge­stal­tung der PAG ist kaum ein Bun­des­land bekannt, indem die Lan­des­re­gie­rung (Innen­mi­nis­te­ri­um) den LfD über geplan­te Ände­run­gen infor­miert hat bzw. die Fach­kom­pe­tenz des LfD – beim Ent­wurf des neu­en PAG – (bera­tend) mit­ein­be­zo­gen hat. Alle neu­en PAG, die von den jewei­li­gen Lan­des­par­la­men­ten bis­her ver­ab­schie­det wur­den – oder noch in Pla­nung sind -, ent­hal­ten erheb­li­che daten­schutz­recht­li­che Ein­schrän­kun­gen für die Bür­ge­rIn­nen…” Bei­trag von Tho­mas Brunst aus Trend online­zei­tung 02/​2019 externer Link
  • Droh­brie­fe: Zwei­fel an Ein­zel­tä­ter-The­se – Der Poli­zist, der Droh­brie­fe an Lin­ke geschickt hat, soll nicht allei­ne gehan­delt haben 
    “Zu den Droh­brie­fen an ver­meint­li­che Ange­hö­ri­ge der lin­ken Sze­ne aus dem Umfeld des Haus­pro­jekts »Riga­er 94« in Ber­lin-Fried­richs­hain blei­ben trotz rechts­kräf­ti­ger Ver­ur­tei­lung eines Poli­zis­ten Fra­gen offen. Die Fra­ge der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten Maja Smolt­c­zyk, »wie der Tat­ver­däch­ti­ge an die im Droh­brief ent­hal­te­nen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten gelan­gen konn­te«, bezie­hungs­wei­se ob und wo er die­se gespei­chert oder gesam­melt hat, konn­te durch das Lan­des­kri­mi­nal­amt »nicht voll­um­fäng­lich« ermit­telt wer­den, heißt es bei der Poli­zei auf nd-Anfra­ge. »Die Ant­wort der Poli­zei scheint mir den Ver­dacht zu näh­ren, dass der Poli­zist nicht allein gehan­delt hat, son­dern Hel­fer oder Mit­tä­ter in der Poli­zei hat­te«, sagt der Anwalt Mar­tin Hen­sel­mann, der eini­ge in dem Droh­brief genann­te Per­so­nen ver­tritt. Offen­bar habe der betref­fen­de Beam­te sel­ber kei­nen frei­en Zugang zu den in dem Brief genutz­ten Daten gehabt, ver­mu­tet er. Die­se »umfass­ten teil­wei­se sehr spe­zi­el­le poli­zei­li­che Erkennt­nis­se über die Betrof­fe­nen«, so Hen­sel­mann. »Wenn der Beam­te den Ermitt­lern in sei­nem ›voll­um­fäng­li­chen Geständ­nis‹ also nicht offen­bar­te, wo er die Daten her hat­te, dann mög­li­cher­wei­se des­halb, weil er dadurch sei­ne Hel­fer oder Mit­tä­ter ver­ra­ten müss­te«, schluss­fol­gert der Anwalt. Wie berich­tet, hat­te ein Poli­zist bereits im August 2018 zuge­ge­ben, die Brie­fe mit Daten von ins­ge­samt 45 Per­so­nen ver­schickt zu haben. Er kam nach rbb-Infor­ma­tio­nen mit einem Straf­be­fehl über 3500 Euro wegen Daten­schutz­ver­stö­ßen davon…” Bei­trag von Nico­las Šus­tr bei neu­es Deutsch­land vom 10. Febru­ar 2019 externer Link
  • Daten­schutz­skan­dal bei Ber­li­ner Poli­zei: Umfas­sen­de Auf­klä­rung ange­mahnt 
    Droh­brie­fe an die links­au­to­no­me Sze­ne ent­hiel­ten Infor­ma­tio­nen, die offen­sicht­lich aus Poli­zei- oder Jus­tiz­krei­sen stamm­ten. Die Auf­klä­rung schleppt sich dahin. Die Ber­li­ner Daten­schutz­be­auf­trag­te Maja Smolt­c­zyk ver­langt von der Ber­li­ner Poli­zei und Staats­an­walt­schaft voll­stän­di­ge Auf­klä­rung über Droh­brie­fe, die mut­maß­lich aus Poli­zei­krei­sen an Prot­ago­nis­ten der lin­ken Sze­ne ver­schickt wur­den. Sie ver­misst auch Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, wie sie die hes­si­sche Poli­zei nun nach Droh­brie­fen gegen eine Anwäl­tin getrof­fen hat. (…) Die Ber­li­ner Daten­schutz­be­auf­trag­te Maja Smolt­c­zyk stell­te damals einen Antrag auf Straf­ver­fol­gung gegen Unbe­kannt wegen Ver­stö­ßen gegen das Ber­li­ner Daten­schutz­ge­setz. Bis heu­te sind die Vor­fäl­le nicht voll­stän­dig auf­ge­klärt. (…) Die Daten­schutz­be­auf­trag­te in Ber­lin ist auf die Zusam­men­ar­beit ange­wie­sen, da sie über kei­ne Anord­nungs­be­fug­nis ver­fügt und damit kei­ne gericht­li­che Klä­rung her­bei­füh­ren kann. Sie kann ledig­lich Bean­stan­dun­gen aus­spre­chen, was sie in die­sem Fall noch nicht getan hat. Bis­her hat sich auch kei­ne Vor-Ort-Kon­trol­len bei den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den durch­ge­führt. Die Ber­li­ner Poli­tik hat­te bei der Umset­zung der EU-Richt­li­nie für den Daten­schutz bei Poli­zei und Jus­tiz bewusst ent­schie­den, der Daten­schutz­auf­sicht kei­ne Sank­ti­ons­mit­tel zur Ver­fü­gung zu stel­len…” Arti­kel von Chris­tia­ne Schulz­ki-Had­dou­ti vom 06.02.2019 bei hei­se-news externer Link
  • Ber­li­ner Poli­zei: Poli­zist ver­schick­te Droh­brie­fe 
    Ein Beam­ter der Ber­li­ner Poli­zei hat nach Infor­ma­tio­nen des ARD-Poli­tik­ma­ga­zins Kon­tras­te zuge­ge­ben, sich aus einer poli­zei­li­chen Daten­bank per­sön­li­che Daten, dar­un­ter Wohn­adres­sen und teil­wei­se auch Fotos von ins­ge­samt 21 Per­so­nen besorgt zu haben und die­se Daten in zwei Droh­brie­fen wei­ter­ver­brei­tet zu haben. “Eure Gesich­ter, Namen, Adres­sen, Fahr­zeu­ge, Eltern, Geschwis­ter sind sehr lan­ge schon bekannt”, heißt es in den Brie­fen, die im Dezem­ber 2017 unter dem Absen­der­na­men “Zen­trum für poli­ti­sche Kor­rekt­heit” ver­schickt wor­den waren, und in denen gedroht wird, die Daten der Betrof­fe­nen “an die Iden­ti­tä­ren, die AN’s [Anm. d. Red.: Auto­no­me Natio­na­lis­ten] oder die Bul­len oder wen auch immer” wei­ter­zu­lei­ten. Die Droh­brie­fe waren offen­bar eine Reak­ti­on auf die Ver­öf­fent­li­chung von 54 Por­trait­fo­tos von Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten, die durch lin­ke Akti­vis­ten bei der Räu­mung eines links­ra­di­ka­len Zen­trums in der Riga­er Stra­ße foto­gra­fiert wor­den waren. (…) Der Beam­te akzep­tier­te inzwi­schen einen Straf­be­fehl über ins­ge­samt 3500 Euro. Die­ser wur­de aller­dings wegen Ver­sto­ßes gegen das Ber­li­ner Daten­schutz­ge­setz ver­hängt und nicht wegen Bedro­hung. Damit gilt der Mann nicht als vor­be­straft, wie eine Spre­che­rin der Ber­li­ner Kri­mi­nal­ge­rich­te gegen­über Kon­tras­te bestä­tig­te. Ob gegen den Beam­ten auch dis­zi­pli­nar­recht­lich ermit­telt wird und wo der Beam­te ein­ge­setzt ist, ist momen­tan noch nicht bekannt. Eine Anfra­ge an die Ber­li­ner Poli­zei blieb zunächst unbe­ant­wor­tet.” Bei­trag von Georg Heil, RBB, vom 21.12.2018 bei tages​schau​.de externer Link
  • „Ant­wort auf den Fahn­dungs­auf­ruf der Rigaer94: Droh­brie­fe vom Poli­zei­staat“ am 29. Dezem­ber 2017 bei indy​m​e​dia​.org externer Link, wor­in es unter ande­rem heißt: „Die Dro­hung besteht dar­in, dass über die Betrof­fe­nen noch mehr Infor­ma­tio­nen ver­öf­fent­licht wer­den. Außer­dem wür­den die Daten­sät­ze mög­li­cher­wei­se an orga­ni­sier­te Nazis wei­ter­ge­ge­ben. Benannt wer­den kon­kret „AN‘s“ (Sze­ne­jar­gon für Auto­no­me Natio­na­lis­ten) und die „Iden­ti­tä­ren“ (Iden­ti­tä­re Bewe­gung). Der­zeit ist nicht bekannt, in wel­chem Umfang die­se per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten bereits ver­schickt wur­den. Der Text droht etwas nebu­lös mit wei­te­ren Kon­se­quen­zen, zum Bei­spiel gegen Fahr­zeu­ge und Fami­lie oder die Tätig­keit des Ermitt­lungs­aus­schus­ses oder von Anwält_​innen. Die ali­bi­haf­te Dro­hung, die Daten an die Poli­zei wei­ter­zu­ge­ben, belegt die Urhe­ber­schaft des Brie­fes. Eine ers­te Aus­wer­tung durch einen Teil der Betrof­fe­nen hat bestä­tigt, dass die Infor­ma­tio­nen ohne ver­leum­de­ri­schen Inhalt nur den „sze­ne­kun­di­gen“ Beam­ten des Staats­schut­zes (LKA 5) zur Ver­fü­gung ste­hen kön­nen. Sie bezie­hen sich auf den unge­fäh­ren Zeit­raum der letz­ten zehn Jah­re. Wir sind sicher, dass das Schrei­ben von der Ber­li­ner Poli­zei erstellt und ver­schickt wur­de, da nie­mand sonst Zugang zu ent­spre­chen­den Fotos von ED-Behand­lun­gen und Ermitt­lungs­ak­ten haben dürf­te“.
  • „Droh­brief: Schwe­re Vor­wür­fe gegen Ber­li­ner Polizeibeamt*innen“ am 03. Janu­ar 2018 bei ai externer Link, wor­in noch infor­miert wird: „Nach Aus­sa­ge des Rechts­an­walts Mar­tin Hen­sel­mann stam­men die Fotos nicht aus ihm bekann­ten Gerichts­ak­ten, son­dern vom Lan­des­ein­woh­ner­amt. Hin­zu käme, dass man­che der Betrof­fe­nen nie in der Riga­er Str. 94 gemel­det waren, und dort auch nicht tat­säch­lich gewohnt hät­ten. Dies wür­de den Ver­dacht nahe­le­gen, dass die­se durch Obser­va­ti­ons­maß­nah­men in das Visier der Autor*innen des Briefs gelang­ten. Ins­ge­samt sprä­che damit vie­les dafür, dass die Urheber*innen des Brie­fes aus Poli­zei­krei­sen stam­men. Der von zahl­rei­chen Recht­schreib­feh­lern durch­setz­te Brief nimmt dabei ins­be­son­de­re Bezug auf die Ver­öf­fent­li­chung von Foto­ma­te­ri­al von Polizeibeamt*innen, wel­che an Räu­mun­gen in der Riga­er Str. 94 betei­ligt gewe­sen sein sol­len. Der Vor­gang wird am Mon­tag im Innen­aus­schuss des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses behan­delt. Auch in der Senats­ver­wal­tung für Inne­res ist der Vor­gang bekannt, und wird über­prüft“.

Sie­he zum Hin­ter­grund:

Der Bei­trag Schreibt die Ber­li­ner Poli­zei selbst Droh­brie­fe – oder beschafft sie nur das Mate­ri­al dazu? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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