[perspektive:] Reallöhne sinken um fast 5% gegenüber 2019

Die Krisenauswirkungen zeigen sich. So sind die Reallöhne, also das was man mit seinem Lohn wirklich kaufen kann, um 4,7% niedriger als noch vor einem Jahr. Der Einbruch ist stärker als in der letzten großen Krise 2008/​2009. Besonders Betroffen sind GeringverdienerInnen und Ostdeutsche.

Die Welt­wirt­schafts­kri­se, der Ein­satz von Kurz­ar­beit sowie die Geschäfts­schlie­ßun­gen auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie führ­ten zu einer star­ken nega­ti­ven Lohn­ent­wick­lung im 2. Quar­tal 2020. Das Kurz­ar­bei­ter­geld ist hier­bei aller­dings nicht berück­sich­tigt; es hat die Ein­kom­mens­ver­lus­te für vie­le Beschäf­tig­te abge­fe­dert.

Wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt mit­teil­te, lag der der Nomi­nal­lohn­in­dex in Deutsch­land im 2. Quar­tal 2020 (April-Juni) um 4,0 % nied­ri­ger als im 2 Quar­tal 2019. Zusätz­lich leg­ten die Ver­brau­cher­prei­se im sel­ben Zeit­raum um knapp 0,8 % zu.

Dies ergibt einen rea­len Ver­dienst­rück­gang von 4,7 %. Es ist die his­to­risch stärks­te Abnah­me der Nomi­nal- und auch der Real­löh­ne im Vor­jah­res­ver­gleich seit Beginn der Berech­nun­gen im Jahr 2007. Damit ist der Ver­dienstein­bruch auch stär­ker als in der Welt­wirt­schafts­kri­se 2008/​2009.

Stärkere Verdiensteinbußen in den unteren Leistungsgruppen

Im Ver­gleich zum Vor­jah­res­quar­tal sank für voll­zeit­be­schäf­tig­te Arbei­te­rIn­nen im 2. Quar­tal 2020 die bezahl­te Wochen­ar­beits­zeit in der Gesamt­wirt­schaft um 6,2 % auf durch­schnitt­lich 36,8 Stun­den. Im 2. Quar­tal 2009 hat­te der Rück­gang bei gera­de mal 2,1 % gele­gen.

Die unte­ren Leis­tungs­grup­pen waren vom Rück­gang der Arbeits­zeit und somit von gerin­ge­ren Ver­diens­ten im 2. Quar­tal 2020 am stärks­ten betrof­fen. Bei den un- und ange­lern­ten Arbei­te­rIn­nen in Voll­zeit san­ken die bezahl­ten Arbeits­stun­den um 9,8 % bezie­hungs­wei­se 9,4 %. Die Ver­diens­te gemes­sen am Nomi­nal­lohn­in­dex redu­zier­ten sich für die­se bei­den Leis­tungs­grup­pen um 7,4 % bezie­hungs­wei­se 8,9 %.

Im Ver­gleich dazu gin­gen für Beschäf­tig­te in lei­ten­der Stel­lung sowohl die Ver­diens­te gemes­sen am Nomi­nal­lohn­in­dex (-2,0 %) als auch die Wochen­ar­beits­zeit (-3,0 %) unter­durch­schnitt­lich zurück.

Unterschiedliche Verdienstentwicklungen in Ost und West seit 2007

Seit Beginn der Berech­nun­gen im Jahr 2007 sind die Nomi­nal­löh­ne – also das was auf das Kon­to über­wie­sen wird – bis zum Jahr 2019 ins­ge­samt um 33,0 % gestie­gen. In den neu­en Län­dern stie­gen die Löh­ne mit +41,0 % dabei stär­ker als im frü­he­ren Bun­des­ge­biet mit +32,1 %.

Trotz des ver­gleichs­wei­se star­ken Zuwach­ses in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern besteht wei­ter­hin ein gro­ßes Lohn­ge­fäl­le zwi­schen West und Ost im Jahr 2019: Der durch­schnitt­li­che Brut­to­jah­res­ver­dienst ein­schließ­lich Son­der­zah­lun­gen lag bei voll­zeit­be­schäf­tig­ten Arbei­te­rIn­nen im Wes­ten bei 54 550 Euro.

Voll­zeit­be­schäf­tig­te im Osten ver­dien­ten im Durch­schnitt 41 534 Euro und damit fast ein Vier­tel (24 %) weni­ger als Voll­zeit­be­schäf­tig­te im Wes­ten.

Der Bei­trag Real­löh­ne sin­ken um fast 5% gegen­über 2019 erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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