[ISO:] USA – Klassensolidarität gegen rassistische Gewalt

Den US-Bör­sen geht es präch­tig: Die Indi­ces von Dow Jones
und Stan­dard & Poor’s 500 errei­chen Rekord­mar­ken, gepuscht von den
Geld­häu­sern JP Mor­gan Cha­se, Citigroup und Gold­man Sachs.

Unter­des­sen preist die US-Regie­rung als Erfolg, 287 000
Arbeits­plät­ze geschaf­fen zu haben –, 112 000 mehr als erwar­tet – die
vor­wie­gend aus Gele­gen­heits­jobs im Dienst­leis­tungs­ge­wer­be, v. a. in
Gas­tro­no­mie, Frei­zeit­in­dus­trie, Gesund­heits­we­sen und IT bestehen. Die
Arbeits­lo­sen­quo­te hin­ge­gen ist offi­zi­ell von 4,7 % auf 4,9 % der
erwerbs­fä­hi­gen Bevöl­ke­rung gestie­gen und einer von sie­ben US-Ame­ri­ka­nern lebt
in Armut, 40 % davon als „working poor“.

Die Pro­fi­te näh­ren sich also aus Pre­ka­ri­tät, Armut und wach­sen­der
Ungleich­heit, sodass sogar der IWF in sei­nem Jah­res­be­richt über die
US-Wirt­schaft anmahnt, dass „drin­gen­der Hand­lungs­be­darf“ auf die­sem Gebiet
besteht.

Poli­zei­ge­walt und
Ras­sis­mus

Von die­ser sozia­len Ver­elen­dung in den USA sind in ers­ter
Linie die Schwar­zen betrof­fen. Zugleich neh­men Ras­sis­mus und Poli­zei­ge­walt zu
.Der Vor­sit­zen­de der Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on NAACP (Natio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für die För­de­rung far­bi­ger Menschen)meint:
„Ein jun­ger Schwar­zer hat ein ein­und­zwan­zig­mal so hohes Risi­ko, durch
Poli­zei­ge­walt zu ster­ben, wie ein Wei­ßer. Die Zahl der inhaf­tier­ten Schwar­zen
steigt sprung­haft und lie­fert damit einen ent­lar­ven­den Aus­druck für Unrecht und
Gewalt auf allen Ebe­nen der Gesell­schaft gegen­über den Schwar­zen.

Genau die­se ras­sis­ti­sche Poli­zei­ge­walt steckt hin­ter den
Tötun­gen in Dal­las, wo fünf Poli­zis­ten bei einer Pro­test­ver­samm­lung erschos­sen
wur­den, die sich gegen die Poli­zei­m­or­de an Schwar­zen rich­te­te, bei denen einer
bei einer Stra­ßen­kon­trol­le vor den Augen sei­ner Frau und Toch­ter erschos­sen
wur­de und der ande­re, als er bei sei­ner Ver­haf­tung am Boden lag. Auch hin­ter
den Anschlä­gen von Baton Rouge in Loui­sia­na steckt der­sel­be Mecha­nis­mus, der
dazu geführt hat, dass seit Anfang des Jah­res 500 Per­so­nen von der Poli­zei
getö­tet wor­den sind.

Seit dem Mord an dem jun­gen Schwar­zen Micha­el Brown vor zwei
Jah­ren in Fer­gu­son nimmt der orga­ni­sier­te Pro­test unter der afro­ame­ri­ka­ni­schen
Bevöl­ke­rung zu. Die „Black lives matter“-Bewegung (BLM) erfasst inzwi­schen das
gan­ze Land. Auch nach dem Anschlag in Dal­las gehen die Pro­tes­te gegen die
Poli­zei­ge­walt wei­ter – trotz aller Repres­si­on mit bis­her über 200 Ver­haf­tun­gen.

Wahl­zir­kus

Nach kur­zer Unter­bre­chung infol­ge der Ereig­nis­se sind Trump
und Clin­ton rasch zur Tages­ord­nung zurück­ge­kehrt und betrei­ben wie­der ihren
Wahl­kampf­zir­kus. […] Die Trau­er war rasch ver­flo­gen. Trump, der zu einer
“star­ken Füh­rung, zu Lie­be und Mit­ge­fühl” auf­ge­ru­fen und “die zu gro­ße Spal­tung
des Lan­des, in dem die Span­nun­gen zwi­schen den Ras­sen schlim­mer statt bes­ser
wer­den” beklagt hat­te, hat inzwi­schen sei­nen Vize­kan­di­da­ten aus­ge­ru­fen. Mike
Pence, Gou­ver­neur von India­na, steht der evan­ge­li­ka­len Rech­ten nahe. Als
erbit­ter­ter Abtrei­bungs­geg­ner hat er kürz­lich ein Gesetz ver­ab­schie­den las­sen,
wonach der Schwan­ger­schafts­ab­bruch im Fal­le einer Miss­bil­dung des Fötus
ver­bo­ten ist. Im Vor­jahr hat­te er bereits die Rech­te der LGBT beschnit­ten, als
er ein Gesetz durch­brach­te, durch das es Han­del und Gas­tro­no­mie erlaubt wird,
Homo­se­xu­el­le aus reli­giö­sen Grün­den nicht zu bedie­nen.

Bei den Demo­kra­ten hat sich San­ders hin­ter Clin­ton gestellt,
„um Trump zu ver­hin­dern“, der schlag­fer­tig zurück­keil­te: „Wenn Ber­nie San­ders
die Lüg­ne­rin Hil­la­ry unter­stützt, ist dies, wie wenn ‚Occu­py Wall Street‘
Gold­man Sachs auf­war­tet.“ Die­ser Hieb sitzt lei­der an der rich­ti­gen Stel­le,
denn die Lohn­ab­hän­gi­gen, die Schwar­zen und die ein­fa­chen Leu­te haben von die­sem
Wahl­zir­kus nichts zu erwar­ten.

Die BLM-Bewe­gung weist den aus­ge­beu­te­ten und beherrsch­ten Klas­sen den rich­ti­gen Weg: „Orga­ni­siert Euch, nehmt Eure Geschi­cke in die eige­nen Hän­de und schafft Euch eine eige­ne Par­tei!“

Yvan Lemaitre

US-Arbeiterbewegung und Rassismus (1930/​40)

Der US-Kapi­ta­lis­mus
erleb­te nach dem Ers­ten Welt­krieg einen tie­fen Umbruch: Durch mas­sen­haf­ten
Ein­satz unge­lern­ter Arbeits­kräf­te für eine in vie­le simp­le Ein­zel­schrit­te
zer­leg­te Tätig­keit konn­te Ford 1925 an einem ein­zi­gen Tag so vie­le Autos
pro­du­zie­ren las­sen wie im gesam­ten Jahr 1908. Eine neue Arbei­ter­klas­se
ent­stand, die aus Hun­dert­tau­sen­den an- oder unge­lern­ter Arbei­te­rIn­nen bestand
und in den Mas­sen­fa­bri­ken der Auto­mo­bil- oder Stahl­in­dus­trie etc. tätig war und
wo die Schwar­zen inzwi­schen eine bedeu­ten­de Min­der­heit reprä­sen­tier­ten.

Die Arbei­ter­be­we­gung war jedoch weit­ge­hend ras­sis­tisch
geprägt. Die meis­ten Gewerk­schaf­ten des Gewerk­schafts­bun­des AFL waren nur dar­an
inter­es­siert, die – nahe­zu aus­schließ­lich wei­ßen – Fach­ar­bei­ter zu
orga­ni­sie­ren. Schwar­ze wur­den gar nicht auf­ge­nom­men oder sogar gegen deren
Anstel­lung gekämpft. Als mit der Welt­kri­se 1929 ein Jahr­zehnt hoher Pro­fi­te zu
Ende ging und vie­le alte Gewiss­hei­ten infra­ge gerie­ten, stieß auch ein
klas­sen­kämp­fe­ri­scher Anti­ras­sis­mus auf offe­ne Ohren.

Die KPUSA der 30er Jahre

Nach 1928 befass­te sich die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei der USA (KPUSA)
zuneh­mend mit dem Pro­blem der Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung. Da die Schwar­zen
über­pro­por­tio­nal von Arbeits­lo­sig­keit betrof­fen 
waren und die KP die Prio­ri­tät auf den Auf­bau von Arbeits­lo­sen­ko­mi­tees
setz­te, konn­te sie sich in den Schwar­z­en­ghet­tos ver­an­kern. Dane­ben grün­de­te sie
die „Inter­na­tio­nal Labor Defen­se“ als Zweig der Inter­na­tio­na­len Roten Hil­fe,
die sich vehe­ment gegen Lynch­jus­tiz ein­setzt und die Schwar­zen als „Gefan­ge­ne
des Klas­sen­kriegs“ sieht.

Auch wenn ihre Poli­tik damals sek­tie­re­risch war, gelang es ihr den­noch, den Schwar­zen ein eige­nes poli­ti­sches Organ zu ver­schaf­fen…

Inso­fern kam auch eine umge­hen­de Reak­ti­on, als im März 1931
neun jun­ge Schwar­ze in Ala­ba­ma unter der fal­schen Anschul­di­gung, zwei wei­ße
Frau­en ver­ge­wal­tigt zu haben, ver­haf­tet und stan­te pede zum Tode ver­ur­teilt
wur­den. Durch eine welt­wei­te Ver­tei­di­gungs­kam­pa­gne konn­ten die sog. „Scotts­bo­ro
boys“ vor der Hin­rich­tung bewahrt wer­den, büß­ten teil­wei­se jedoch jah­re­lan­ge
Gefäng­nis­stra­fen ab. Dadurch stieg das Renom­mée der KPUSA unter wei­ten Tei­len
der schwar­zen Gemein­de, da ihre Genos­sIn­nen offen­sicht­lich auch durch
Fest­nah­men und Poli­zei­ge­walt sich nicht davon abhal­ten lie­ßen, für die
Schwar­zen ein­zu­tre­ten. Zudem war damit der Beweis erbracht, dass brei­te
Aktio­nen und die Ein­heit zwi­schen weiß und schwarz fruch­te­ten.

Auf Initia­ti­ve der KP wur­de die Land­ar­bei­ter­ge­werk­schaft
Share­crop­pers’ Uni­on (SCU) gegrün­det, die nahe­zu 10 000 Mit­glie­der in der
Regi­on Ala­ba­ma umfass­te. Bekannt wur­de die bewaff­ne­te Aus­ein­an­der­set­zung
zwi­schen einer Grup­pe von SCU-Mit­glie­dern und der Staats­macht, die einen
über­schul­de­ten Bau­ern von sei­nem Land ver­trei­ben woll­ten. Trotz offi­zi­el­ler
Ras­sen­tren­nung und extre­mer Repres­si­on schaff­te es die KPUSA, in Ala­ba­ma eine
weit­ge­hend aus Schwar­zen bestehen­de Glie­de­rung auf­zu­bau­en, die 1934 aus 1000
Mit­glie­dern bestand. In der ers­ten Hälf­te der 1930er Jah­re war sie durch­gän­gig
anti­ras­sis­tisch aus­ge­rich­tet und bekämpf­te glei­cher­ma­ßen die ita­lie­ni­sche
Inter­ven­ti­on in Äthio­pi­en wie die Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung im Pro­fi­sport etc. Auch
wenn ihre Poli­tik damals sek­tie­re­risch war, gelang es ihr den­noch, den
Schwar­zen ein eige­nes poli­ti­sches Organ zu ver­schaf­fen, in dem sich auch die
schwar­zen Arbei­te­rin­nen wie­der­fin­den konn­ten, die wie Clau­dia Jones ihre
drei­fa­che Unter­drü­ckung theo­re­ti­sier­ten und bekämpf­ten.

Im Zuge der Hin­wen­dung zur Volks­front­po­li­tik weich­te die KP
ihre anti­ras­sis­ti­schen Posi­tio­nen auf, um sich ihren neu­en Ver­bün­de­ten
anzu­die­nen. Dass sie nicht mehr bedin­gungs­los die Kolo­ni­al­völ­ker unter­stütz­te,
ein Bünd­nis mit der Gewerk­schafts­bü­ro­kra­tie anstreb­te und Wahl­kampf für
Roo­se­velt unter natio­na­lis­ti­schen Vor­zei­chen betrieb, nahm der
anti­ras­sis­ti­schen, letzt­lich auch klas­sen­kämp­fe­ri­schen Aus­rich­tung der KP alle
Schär­fe: Indem sie auf­hör­te, revo­lu­tio­när zu sein, setz­te sie ihren
Anti­ras­sis­mus aufs Spiel.

Die kurze Blüte der CIO

Ab 1934 kam es zu mas­si­ven Kämp­fen der Arbei­ter­klas­se. Mit
drei sieg­rei­chen Streiks unter anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Füh­rung (Tole­do, San
Fran­cis­co und Min­nea­po­lis, letz­te­rer unter trotz­kis­ti­scher Domi­nanz) wur­de
deut­lich, dass Pro­tes­te zum Erfolg füh­ren kön­nen: Mit­hil­fe uner­schro­cke­ner
Füh­rer began­nen die Arbei­ter, sich selbst zu orga­ni­sie­ren und sich sogar
bewaff­net gegen die Natio­nal­gar­de zu ver­tei­di­gen.

Im Gefol­ge die­ser Streiks ent­stand ein neu­er
Gewerk­schafts­ver­band: der CIO (Con­gress of Indus­tri­al Orga­niz­a­ti­ons). Tei­le der
Gewerk­schafts­bü­ro­kra­tie – vor­an John Lewis, der Füh­rer des
Berg­ar­bei­ter­ver­ban­des UMW – hat­ten erkannt, dass eine Kon­kur­renz­ge­werk­schaft
unter revo­lu­tio­nä­rer Füh­rung ent­ste­hen könn­te, wenn nicht vor­beu­gend
„Indus­trie­ge­werk­schaf­ten“ geschaf­fen wür­den, in denen alle Arbei­ter einer
Indus­trie unge­ach­tet ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on und somit auch ihrer Haut­far­be orga­ni­siert
sind. Da die Unter­neh­mer das Recht auf gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sie­rung
schlicht­weg nicht zulie­ßen, muss­te sich der CIO mit­tels mas­sen­haf­ter
Mobi­li­sie­run­gen, die wie „anti­ras­sis­ti­sche Kreuz­zü­ge“ anmu­te­ten, durch­set­zen.
In der Auto­mo­bil­in­dus­trie wur­de Ford als letz­ter Arbeit­ge­ber durch einen Streik
in die Knie gezwun­gen, nach­dem zuvor in ganz Detroit eine Mas­sen­kam­pa­gne
geführt wor­den war, wo die Gewerk­schaft Dut­zen­de schwar­zer Akti­vis­ten
rekru­tier­te, die in den Ghet­tos inter­ve­nie­ren soll­ten. Selbst vor den Toren der
Ford-Wer­ke am Rouge River hiel­ten schwar­ze Pre­di­ger Anspra­chen an die Arbei­ter.
Eben auf­grund die­ser anti­ras­sis­ti­schen Kam­pa­gne ver­lief der Streik letzt­lich
erfolg­reich.

Allein 1940 schlos­sen sich 500 000 schwar­ze Arbei­ter dem CIO an.

In der Stahl­in­dus­trie führ­te die gewerk­schaft­li­che
Orga­ni­sie­rungs­kam­pa­gne dazu, dass Ende der 1930er Jah­re in man­chen Regio­nen die
Ras­sen­tren­nung voll­kom­men auf­ge­ho­ben wur­de – etwa in Schwimm­bä­dern, Kinos oder
Restau­rants. Die Stoß­trupps des CIO, der 1938 aus der AFL aus­ge­schlos­sen wur­de,
bestan­den aus Mit­glie­dern des UMW. Der hat­te es seit 1890 geschafft, eine Orga­ni­sa­ti­on auf­zu­bau­en, die
mit einer Kam­pa­gne für die Rech­te der Schwar­zen in der Lage war, der
Ras­sen­tren­nung im Süden die Stirn zu bie­ten und zahl­rei­che Schwar­ze für
füh­ren­de Posi­tio­nen der loka­len Gewerk­schafts­struk­tu­ren zu rekru­tie­ren.

Vie­le sag­ten sich daher: Wenn wir es geschafft haben, die
Unter­neh­mer in die Knie zu zwin­gen und unser Koali­ti­ons­recht gegen­über
Roo­se­velt und sei­nen bewaff­ne­ten Trup­pen durch­zu­set­zen, war­um soll­ten wir dann
nicht ver­su­chen, unse­re eige­ne Arbei­ter­par­tei auf­zu­bau­en und für eine
Gesell­schaft zu kämp­fen, in der die Arbei­ter bestim­men? Inso­fern ent­stand
par­al­lel zum Auf­bau des CIO eine Mas­sen­be­we­gung für den Auf­bau einer
Arbei­ter­par­tei in bewuss­ter Abgren­zung zu den Repu­bli­ka­nern und Demo­kra­ten. Nur
mit Mühe gelang es der Gewerk­schafts­bü­ro­kra­tie, dies mit akti­ver Bei­hil­fe der
KP abzu­wie­geln, die 1940 im CIO 40 % der Füh­rungs­ka­der stell­te. Aber auch
wenn sich die KP in den Gewerk­schafts­ap­pa­rat inte­griert und ihre eige­nen
Betriebs­zel­len nach 1938 auf­ge­löst hat­te, blieb an der Basis eine
anti­ras­sis­ti­sche und klas­sen­kämp­fe­ri­sche Tra­di­ti­on auch über die eige­nen Rei­hen
hin­aus bestehen. Allein 1940 schlos­sen sich 500 000 schwar­ze Arbei­ter dem
CIO an.

Die KP hin­ge­gen pro­fi­lier­te sich damals als Vor­rei­ter der Burg­frie­dens­po­li­tik.

Mit Ein­tritt der USA in den Zwei­ten Welt­krieg ent­stand ein
erheb­li­cher Anpas­sungs­druck an das Sys­tem auf die Füh­run­gen bei­der
Gewerk­schaf­ten. Die Teams­ter von Min­nea­po­lis und deren gewerk­schaft­li­che
Ver­tre­tung aus den Rei­hen der trotz­kis­ti­schen SWP wur­den 1941 wegen ihrer
Oppo­si­ti­on gegen den impe­ria­lis­ti­schen Krieg vor Gericht gestellt und im Namen
des „Smith Act“, eines Geset­zes zur Beschnei­dung der Mei­nungs­frei­heit, zu 18
Mona­ten Gefäng­nis ver­ur­teilt – unter dem bei­fäl­li­gen Nicken der KPUSA.

Obwohl bei­de Gewerk­schafts­füh­run­gen den Ver­zicht auf Streiks
wäh­rend des Krie­ges (No Kriegs­ge­winn­ler.
Die Berg­ar­bei­ter unter dem aus der CIO-Füh­rung aus­ge­schlos­se­nem John Lewis
führ­ten 1943 etli­che erfolg­rei­che Streiks. Allent­hal­ben kam es zu wil­den
Streiks in sämt­li­chen Groß­in­dus­trien, die bis Kriegs­en­de wei­ter zunah­men. Die
KP hin­ge­gen pro­fi­lier­te sich damals als Vor­rei­ter der Burg­frie­dens­po­li­tik: Sie
ver­tei­dig­te den „No strike pledge“ und sogar den Akkord­lohn und pro­tes­tier­te
nicht ein­mal gegen die Inter­nie­rung japa­nisch­stäm­mi­ger US-Ame­ri­ka­ner in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern.

Zu jener Zeit leg­te die KP-Füh­rung auch die Ras­sen­fra­ge im
Namen der „anti­fa­schis­ti­schen“ Alli­anz zwi­schen USA und der UdSSR ad acta. Die
Schwar­zen hat­ten aber inzwi­schen genug Selbst­ver­trau­en, um aus eige­ner Kraft
wei­ter zu kämp­fen. Da ihr Anteil an der Indus­trie­ar­bei­ter­schaft inzwi­schen
stark gestie­gen war und sie auch als US-Sol­da­ten im Krieg kämpf­ten,
pro­tes­tier­ten sie jetzt auch gegen die Dis­kri­mi­nie­rung am Arbeits­platz und in
der Armee. Der sozia­lis­ti­sche Gewerk­schaf­ter A. Phil­ip Ran­dolph droh­te mit
einem Pro­test­marsch gegen die Ras­sen­tren­nung auf Washing­ton, wes­we­gen Roo­se­velt
Maß­nah­men ergriff, die nach dem Krieg unter dem wach­sen­den Druck der Schwar­zen
zur Auf­he­bung der Ras­sen­tren­nung in der Armee führ­ten.

Rollback in der McCarthy-Ära

In den Jah­ren 1945/​46 erleb­ten die USA die bis­her größ­te
Streik­wel­le: 3 470 000 Strei­ken­de 1945 und 4 600 000 in
1946. Wur­de der Auf­stieg der Arbei­ter­be­we­gung nach dem Ers­ten Welt­krieg noch
erstickt, waren dies­mal die Streiks über­wie­gend erfolg­reich. Beim Streik bei
Gene­ral Motors for­der­ten die Strei­ken­den gar von den Unter­neh­mern die
Offen­le­gung der Geschäfts­bü­cher.

Aber ab 1946 ging die Bour­geoi­sie mas­siv zum Gegen­an­griff
über. Die anti­kom­mu­nis­ti­sche Para­noia unter McCar­thy führ­te nicht nur zu Säu­be­rungs­wel­len
unter Künst­lern und Intel­lek­tu­el­len son­dern auch dazu, dass nahe­zu die gesam­te
radi­ka­le Vor­hut der Arbei­ter­be­we­gung zer­schla­gen wur­de: Tau­sen­de ver­lo­ren ihre
Arbeits­stel­le oder wur­den ins Gefäng­nis gewor­fen. Im CIO führ­te eine Mas­sen­säu­be­rung
dazu, dass 1949/​50 eine Mil­li­on Mit­glie­der aus­ge­schlos­sen wur­den.

Davon hat sich die US-Arbei­ter­be­we­gung, die fort­an unter der
unan­ge­foch­te­nen Fuch­tel pro­ka­pi­ta­lis­ti­scher Reak­tio­nä­re stand, nie mehr erholt.
Nach­dem die klas­sen­kämp­fe­ri­sche Strö­mung, die zugleich auch die Speer­spit­ze im
anti­ras­sis­ti­schen Kampf war, zer­schla­gen war, führ­ten die Arbeits­kämp­fe der
Nach­kriegs­zeit im Unter­schied zu den 30er Jah­ren nicht mehr zu einer
poli­ti­schen Radi­ka­li­sie­rung. Das reak­tio­nä­re Kli­ma eng­te den Spiel­raum der schwar­zen
Arbei­ter ein, die durch ein dis­kri­mi­nie­ren­des Sche­ma der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit
in unter­qua­li­fi­zier­te Jobs gedrängt wur­den, ohne dass sei­tens der
Gewerk­schafts­füh­run­gen dage­gen vor­ge­gan­gen wur­de.

Trotz­dem gab es unter ein­zel­nen Gewerk­schaf­ten auch in
die­ser Zeit Wider­stand, beson­ders im Süden. Bei­spie­le hier­für waren die
radi­ka­le Berg­ar­bei­ter­ge­werk­schaft Mine Mill, die Land­ar­bei­ter­ge­werk­schaft FTA
und die UPWA in den Schlacht­hö­fen: Sie waren in der Lage, gegen die
dis­kri­mi­nie­ren­den Prak­ti­ken der Unter­neh­mer zu pro­tes­tie­ren, Kam­pa­gnen gegen
den gesell­schaft­li­chen Ras­sis­mus zu füh­ren und trotz der Ras­sen­tren­nung
gemein­sa­me Frei­zeit­un­ter­neh­mun­gen zwi­schen Schwarz und Weiß zu orga­ni­sie­ren
etc. In der FTA gab es sogar schwar­ze Gewerk­schafts­füh­rer – eine abso­lu­te
Aus­nah­me damals. Auch wenn vie­le die­ser Ansät­ze anti­ras­sis­ti­scher Tätig­keit
unter den Arbei­tern zer­schla­gen wur­den, haben sie doch ein Erbe hin­ter­las­sen,
das uns weist, dass durch klas­sen­kämp­fe­ri­sche Poli­tik der Ras­sis­mus auch unter
den schwie­rigs­ten Bedin­gun­gen zurück­ge­drängt wer­den kann.

Über­set­zung MiWe

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