[KgK:] Warum die Jugend den Tarifkampf der Krankenhaus-Beschäftigte unterstützen sollte

Die Generation der Held:innen

Die Kolleg:innen im Kran­ken­haus wer­den Held:innen genannt. Sie sind die­je­ni­gen, die den Kampf gegen das Coro­na­vi­rus an vor­ders­ter Front ange­führt haben. Sie sind die­je­ni­gen, die mit Über­stun­den und schlech­ten Hygie­never­sor­gun­gen ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um die Bevöl­ke­rung zu behan­deln. Doch die Pan­de­mie ist nicht vor­bei, obwohl eini­ge bür­ger­li­chen Politiker:innen ver­mit­teln wol­len, dass es so sei. Trotz der stei­gen­den Infek­ti­ons­zah­len öff­nen die meis­ten Betrie­be und Schu­len wie­der ihre Türen. Die­se Ent­wick­lung geht ein­her mit einer noch viel dras­ti­sche­ren Ent­wick­lung, die jetzt schon Mil­lio­nen in die Kurz­ar­beit und Hun­dert­tau­sen­de in die Arbeits­lo­sig­keit gedrängt hat und auch in der Zukunft wird – die Rede ist von der wirt­schaft­li­chen Kri­se.

Die pre­kä­ren Arbeits­be­din­gun­gen sind aller­dings nicht durch Coro­na ent­stan­den, sie wur­den aber dadurch in der Öffent­lich­keit ent­tarnt. Seit der Ein­füh­rung des DRG-Abrech­nungs­sys­tems im Jahr 2004 steht im Gesund­heits­sys­tem der Pro­fit über die Behand­lung. Wie die Heb­am­me Char­lot­te Ruga aus Mün­chen beschreibt, hat die­se wirt­schaft­li­che Logik zum Per­so­nal­man­gel, Bet­ten­ab­bau, Schlie­ßung bzw. Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen geführt. Zudem wur­de das Übel des Out­sour­cings ein­ge­führt, wel­ches die Spal­tung der Beleg­schaft her­vor­ge­bracht hat. Gegen die­sen Aus­druck der Pre­ka­ri­sie­rung streik­ten die Beschäf­tig­ten der Cha­ri­té Faci­li­ty Manage­ment in Ber­lin.

Die Beschäf­tig­ten in den Kran­ken­häu­sern kämp­fen jetzt in den Tarif­ver­hand­lun­gen nicht nur um sich selbst, son­dern um das Schick­sal der zukünf­ti­gen Kran­ken­ver­sor­gung der gesam­ten Gesell­schaft und in der mög­li­chen Per­spek­ti­ve des gemein­sa­men Kamp­fes mit ande­ren Sek­to­ren im öffent­li­chen Dienst um das Schick­sal der Arbeiter:innenklasse ins­ge­samt.

Nach­dem die Arbeitgeber:innen ledig­lich den Infla­ti­ons­aus­gleich zah­len woll­ten, also den For­de­run­gen der Gewerk­schaft Ver.di nicht nach­ka­men, ist die zwei­te Ver­hand­lungs­run­de geschei­tert. Ver.di ruft in Mün­chen zu einem Warn­streik am Mon­tag auf. Laut Ver.di soll der Lohn um 4,8% erhöht wer­den, min­des­tens aber 150€ bei einer Lauf­zeit von zwölf Mona­ten. Dar­über hin­aus eine Ver­län­ge­rung und Ver­bes­se­rung der Rege­lun­gen zur Alters­teil­zeit sowie eine Erhö­hung der Aus­zu­bil­den­den­ver­gü­tung um 100€ und Über­nah­me­ga­ran­tie nach Ende der Aus­bil­dung. Auch die Ost/­West-Anglei­chung der Arbeits­zeit soll jetzt gesche­hen und nicht erst in 2023, wie es bis­her geplant ist. Zusätz­lich wer­den mehr freie Tage gefor­dert. Spe­zi­fisch für den Gesund­heits­sek­tor soll es eine Pfle­ge­zu­la­ge von 300€ geben, bezahl­te Pau­sen in der Wech­sel­schicht und eine Erhö­hung der Zuschlä­ge für Sams­tags­ar­beit auf 20%.

Azubis und Kampf ums Heute und Morgen

Wir Jugend­li­che soll­ten unter die­sen Bedin­gun­gen nicht zwei­mal dar­über nach­den­ken, ob wir uns soli­da­risch posi­tio­nie­ren, viel­mehr müs­sen wir uns fra­gen, wie die­ser Kampf uns betrifft und wie wir ihn zum Sieg füh­ren kön­nen. Denn die schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen im Gesund­heits­sek­tor haben Kon­se­quen­zen für die gesam­te Gesell­schaft – von medi­zi­ni­scher Unter­ver­sor­gung bis hin zur Per­spek­tiv­lo­sig­keit für Aus­zu­bil­den­de, die den Umstän­den eines Nied­rig­lohn­sek­tors aus­ge­setzt sind. Beson­ders in der Covid-19-Pan­de­mie soll­te uns bewusst wer­den, dass an der Gesund­heit nicht gespart oder spe­ku­liert wer­den darf.

Die Initia­ti­ve „Tarifrebell*innen” der Aus­zu­bil­den­den in der Gewerk­schaft ver.di zeigt die beson­de­re Rol­le, die den Aus­zu­bil­den­den im Kampf für eine bes­se­re Zukunft zu kommt. Wir haben uns bereits an ande­rer Stel­le zu den For­de­run­gen die­ser Kam­pa­gne posi­tio­niert, aller­dings tritt die­se nicht im Kampf der Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ten auf.

Ein Man­gel, den man auf­he­ben muss, da die Strei­ken­den zum Teil selbst Azu­bis sind und eige­ne For­de­run­gen erhe­ben. Die­se sind eine Erhö­hung der Aus­zu­bil­den­den-Ver­gü­tung um 100€ und eine Über­nah­me Garan­tie. Letz­te­re ist ein beson­de­rer Aus­druck der Pre­ka­ri­tät und zeigt, in wel­cher kri­ti­schen Lage wir uns befin­den. Tau­sen­de Azu­bis ande­rer Sek­to­ren wer­den heu­te schon nicht von ihren Ausbilder:innen über­nom­men.

Die Kam­pa­gne schreibt sich Fol­gen­des auf die Fah­ne: “Alle kla­gen vom Fach­kräf­te­man­gel, aber für gute Aus­bil­dungs­be­din­gun­gen will kei­ner sor­gen. Gesucht wer­den nur Top­qua­li­fi­zier­te, aber nie­mand inves­tiert in gute Aus­bil­dung. Und statt Per­spek­ti­ven zu sehen, lan­den wir nach unse­rem Abschluss in der Unge­wiss­heit.” Es ist in der Tat so, dass wir nach unse­rem Abschluss in der Unge­wiss­heit lan­den, dies ist aber kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich und hängt von der Form ab, in der wir Arbei­ten und Leben.

Die Jugend muss an die vorderste Front gegen die Prekarisierung

Die Pre­ka­ri­sie­rung, von der wir die gan­ze Zeit spre­chen, hat unter­schied­li­che Facet­ten aber im Kern ist es die Sen­kung der Löh­ne, insta­bi­le Arbeits­ver­kür­zung, Pri­va­ti­sie­rung der öffent­li­chen Diens­te und Stei­gung der All­tags­kos­ten. Man fragt sich, also wie die­se Pre­ka­ri­tät sich in ande­ren Tei­len der Jugend aus­drückt. Das Ein­kom­men von der Jugend wird weni­ger. Zum einen, wie man es an der For­de­rung der Azu­bis sieht. Zum Bei­spiel haben 40% der Stu­die­ren­den ihre Jobs ver­lo­ren. Die meis­ten arbei­te­ten in Berei­chen, die von Kurz­ar­beit und Ent­las­sun­gen stark betrof­fen sind, wie der Gas­tro­no­mie oder in Berei­chen wie Events und Mes­sen. Einen neu­en Job zu fin­den ist momen­tan auch ziem­lich aus­sichts­los. Laut einer Umfra­ge von Zen­jobs – ein Unter­neh­men, wel­ches von der Pre­ka­ri­tät der Stu­die­ren­den pro­fi­tiert – sei­en 22% der Befrag­ten nicht mehr in der Lage, ihre Mie­te zu bezah­len und müss­ten sich Geld von Fami­lie und Freund:innen lei­hen.

Das Pro­blem der Mie­ten hat meh­re­re Sei­ten. Einer­seits stei­gen die Kos­ten für Woh­nun­gen wei­ter­hin ste­tig, wie eine neue Stu­die zeig­te. Auch dort wird von einer “Pre­kä­re Lage am Woh­nungs­markt für Stu­die­ren­de” gespro­chen. Zusätz­lich suchen vie­le Men­schen, die eigent­lich Woh­nun­gen über Stu­den­ten­bud­gets jetzt bil­li­ge­re Woh­nung, da auch sie von den wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie betrof­fen sind. Somit schrumpft das eh schon begrenz­te Woh­nungs­an­ge­bot wei­ter.

Es ist inmit­ten die­ser demo­ra­li­sie­ren­den Situa­ti­on die Auf­ga­be, sich zu mobi­li­sie­ren und uns als Jugend­li­che soli­da­risch im Kamp­fe der Beschäf­tig­ten zu posi­tio­nie­ren.

Klas­se Gegen Klas­se