[perspektive:] Krise heißt: Angriffe auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen!

Die Wirtschaftskrise ist bereits im Gange. Mit Angriffen auf die Errungenschaften der ArbeiterInnenklasse ist fest zu rechnen und teilweise sind diese schon erfolgt – also wird auch entschiedener Widerstand unsererseits immer notwendiger. Worauf müssen wir uns vorbereiten? Was geschieht bereits und wie wird damit umgegangen? – Ein Kommentar von Lilo Grundig

Auch die­se Wirt­schafts­kri­se wird wie­der dazu füh­ren, dass Kapi­tal wei­ter kon­zen­triert wird und die Wider­sprü­che zwi­schen Arm und Reich sich wei­ter ver­schär­fen.

Sie wird nicht mit den nächs­ten Locke­run­gen und den Wie­der­öff­nun­gen der Geschäf­te enden, weil das Coro­na-Virus zwar ein Ver­stär­ker ist, aber nicht der Aus­lö­ser der Kri­se. Die­se hat­te sich bereits 2019 ange­deu­tet – bei­spiels­wei­se im Rück­gang von Expor­ten im Bereich Metall und Elek­tro oder in der sich anbah­nen­den Plei­te von Gale­ria Kar­stadt Kauf­hof. Aber auch in der Auto­in­dus­trie war bereits 2019 ein deut­li­cher Ein­bruch zu ver­zeich­nen.

Massenentlassungen finden bereits statt

Bis­her am stärks­ten von der Kri­se betrof­fen ist natür­lich das Gast­ge­wer­be. Die Arbeits­agen­tur berich­tet über einen Rück­gang von 44% der Stel­len­an­ge­bo­te in die­sem Bereich. Vie­le Men­schen wur­den durch die direk­ten Fol­gen des Shut­downs bereits arbeits­los. Auch die star­ken Rück­gän­ge in der Luft­fahrt sind auf das Virus zurück­zu­füh­ren. So hat die Luft­han­sa, die bereits 9 Mrd. € an staat­li­chen Finanz­hil­fen kas­sier­te, jetzt schon 8.300 Mit­ar­bei­te­rIn­nen ent­las­sen. Der Kon­zern spricht mitt­ler­wei­le von 22.000 „über­flüs­si­gen“ Voll­zeit­stel­len und einer „Zäsur des glo­ba­len Luft­ver­kehrs“.

Aber dabei wird es nicht blei­ben, auch die Auto­in­dus­trie fährt ihre Kapa­zi­tä­ten schon mas­siv her­un­ter. BMW hat zuletzt 6.000 Stel­len gestri­chen, Daim­ler bereits im ver­gan­ge­nen Jahr 15.000 Stel­len abge­baut und die Wochen­ar­beits­zeit um zwei Stun­den ver­rin­gert. Auch Audi begann schon 2019 mit der Ver­nich­tung von 9.500 Stel­len. Bosch als größ­ter Zulie­fe­rer der Bran­che strich zuletzt 2.000 Stel­len. Zudem sind bereits zehn­tau­sen­de Leih­ar­bei­te­rIn­nen ent­las­sen wor­den.

Das spie­gelt sich auch in den Arbeits­lo­sen­zah­len wider. Die­se befin­den sich offi­zi­ell zur Zeit bei 2.853.000 – haben sich also seit dem Vor­jahr um 637.000 erhöht. Hin­zu kom­men min­des­tens eine Mil­li­on Men­schen in oft­mals voll­kom­men sinn­lo­sen Maß­nah­men.
Auch die­se Situa­ti­on wird sich in Zukunft stark ver­schär­fen. Wirt­schafts­ex­per­tIn­nen erwar­ten eine gigan­ti­sche Plei­te­wel­le im Herbst, die dazu füh­ren wird, dass gan­zen Beleg­schaf­ten gekün­digt wer­den wird.

Weitere Angriffe stehen an

Doch nicht nur die Arbeits­lo­sig­keit wird uns in nächs­ter Zeit beschäf­ti­gen. Über­le­gun­gen, bereits jetzt den Zwölf­stun­den­tag in Deutsch­land wie­der ein­zu­füh­ren – wie das in soge­nann­ten “sys­tem­re­le­van­ten Beru­fen“ schon gesche­hen ist – gibt es schon jetzt. So dis­ku­tiert die CDU die Ein­füh­rung der 48-Stun­den-Woche.

Auch die Deut­sche Bahn hat 10.000 Stel­len gestri­chen, um 2,25 Mrd. € beim Per­so­nal zu spa­ren, und schließt par­al­lel eine Erhö­hung der Arbeits­zei­ten nicht aus.

Lohn­ver­zicht als Erpres­sungs­me­tho­de wird ange­kün­digt – im letz­ten Tarif­ver­trag in der Metall­in­dus­trie wur­de bereits eine Null­run­de ver­ein­bart. Das heißt, dass nur die Infla­ti­on aus­ge­gli­chen wur­de. Auch die Absen­kung des Min­dest­lohns wird von der CDU dis­ku­tiert.

Jugend­li­che und Aus­zu­bil­den­de sind und wer­den in Zukunft eben­falls stark betrof­fen sein. Oft steht die sicher geglaub­te Über­nah­me nach der Aus­bil­dung in Fra­ge. So geben nur noch 50% der Betrie­be in Hes­sen an, alle Lehr­lin­ge nach ihrer Aus­bil­dungs­zeit zu über­neh­men und 33% pla­nen, ab Herbst weni­ger Aus­bil­dungs­plät­ze anzu­bie­ten.

#NichtaufunseremRücken

Wäh­rend die gen­an­ten Angrif­fe auf uns vor­be­rei­tet wer­den oder schon lau­fen, erhal­ten die Unter­neh­men oft­mals rie­si­ge Sub­ven­tio­nen vom Staat. Es wird mehr als deut­lich, wer nach dem Wil­len der Regie­rung die­se Kri­se bezah­len soll.

Es gilt also – jetzt – mit den sich schon zei­gen­den Fol­gen der Kri­se, eine star­ke Bewe­gung auf­zu­bau­en, die sol­chen Angrif­fen eine kämp­fe­ri­sche Ant­wort ent­ge­gen­zu­set­zen hat. Soli­da­ri­tät unter­ein­an­der ist jetzt genau so wich­tig wie die Orga­ni­sa­ti­on inner­halb der Betrie­be.

Einen wich­ti­gen Auf­schlag hat bereits die Kam­pa­gne #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken gemacht. Mehr Infor­ma­tio­nen zu den ver­schie­de­nen Akti­vi­tä­ten, wel­che die dar­an betei­lig­ten Orga­ni­sa­tio­nen in den ver­schie­dens­ten Tei­len Deutsch­lands orga­ni­sie­ren, sind zu fin­den unter nicht​au​fun​se​rem​ru​ecken​.org. Das „Soli­da­ri­täts­netz­werk“ ruft eben­falls zu Pro­tes­ten gegen die Abwäl­zung der Kri­sen­fol­gen auf unse­ren Rücken auf – immer am ers­ten Sams­tag des Monats.

Der Bei­trag Kri­se heißt: Angrif­fe auf unse­re Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen! erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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