[labournet:] [DRG] Das Krankenhaus als Fabrik: Die Einführung der Fallpauschalen ermöglichte den Zugriff des Kapitals auf die Kliniken – mit gravierenden Folgen für Personal und Patienten

Dossier

FCK DRG“… Mit der Ein­füh­rung der Fall­pau­scha­len, den soge­nann­ten Dia­gno­sis Rela­ted Groups (DRG), im Jahr 2004 wur­de in der Bun­des­re­pu­blik ein Para­dig­men­wech­sel in der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung und damit einem Teil der öffent­li­chen Daseins­vor­sor­ge voll­zo­gen. Ursprüng­lich zur Bekämp­fung von tat­säch­lich oder ver­meint­lich bestehen­den Fehl­an­rei­zen der Finan­zie­rung über tages­glei­che Pfle­ge­sät­ze ein­ge­führt, hat sich im Zuge der DRG-Ein­füh­rung eine öko­no­mi­sche Dyna­mik ent­fal­tet, die alle Ebe­nen der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung glei­cher­ma­ßen durch­dringt: Kran­ken­häu­ser wur­den zu Fabri­ken getrimmt, so dass öko­no­mi­sche Inter­es­sen in inak­zep­ta­bler Wei­se mit medi­zi­ni­schen Ent­schei­dun­gen ver­bun­den wur­den. Die betriebs­wirt­schaft­li­che Ideo­lo­gie bestimmt seit­dem nicht nur das Leben und Arbei­ten in den Kli­ni­ken egal wel­cher Trä­ger­schaft. Sie ist auch zur zen­tra­len Per­spek­ti­ve der Gesund­heits­po­li­tik gewor­den. Das hat unmit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf das öffent­li­che Gesund­heits­sys­tem, das als öffent­li­che, d. h. soli­da­ri­sche und demo­kra­ti­sche Auf­ga­be in die Hand der Lohn­ab­hän­gi­gen gehört, die es mit ihren Gel­dern in Form von Kas­sen­bei­trä­gen und Steu­ern finan­zie­ren…” Arti­kel von Tho­mas Kun­kel, Vor­stands­mit­glied im Ver­ein demo­kra­ti­scher Ärz­tin­nen und Ärz­te e. V., in der jun­gen Welt vom 9. Janu­ar 2017 externer Link – bei dem Arti­kel han­delt es sich um einen leicht gekürz­ten Vor­ab­druck aus den Mar­xis­ti­schen Blät­tern (Heft 1/​2017). Sie­he dazu:

  • Coro­na-Reso­lu­ti­on: Kran­ken­haus­be­trei­ber, zivil­ge­sell­schaft­li­che Initia­ti­ven und Gewerkschafter*innen for­dern gemein­sam Abschaf­fung der Fall­pau­scha­len und ein Ende der Pro­fit­lo­gik in den Kran­ken­häu­sern New
    Weni­ge Tage vor der Gesundheitsminister*innenkonferenz am 30. Sep­tem­ber for­dern Kran­ken­haus­be­trei­ber und gesund­heits­po­li­ti­sche Akteu­re gemein­sam mit zivil­ge­sell­schaft­li­chen und gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen die kos­ten­de­cken­de Finan­zie­rung von Kran­ken­häu­sern und ein Ende der Pro­fit­mög­lich­kei­ten für pri­va­te Kli­nik­be­trei­ber. (…) Die von dem Bünd­nis „Kran­ken­haus statt Fabrik“ initi­ier­te Reso­lu­ti­on wird unter ande­rem von der Gewerk­schaft ver.di, dem Inter­es­sen­ver­band kom­mu­na­ler Kli­ni­ken (IVKK), der LINKEN, den Jusos, Attac Deutsch­land, loka­len Bürger*innenbündnissen für Gesund­heit sowie Betriebs- und Per­so­nal­rä­ten und Mitarbeiter*innenvertretungen in den Kran­ken­häu­sern getra­gen. Gemein­sam for­dern sie, dass an die Stel­le des Fall­pau­scha­len­sys­tems (DRG/​Diagnosis Rela­ted Groups) die vol­le Finan­zie­rung der wirt­schaft­lich not­wen­di­gen Betriebs­kos­ten der Kran­ken­häu­ser durch die Kran­ken­kas­sen tritt. Die Bun­des­län­der müs­sen ihren Inves­ti­ti­ons­ver­pflich­tun­gen gerecht wer­den, die sie seit Jah­ren ver­nach­läs­si­gen. Der unter betriebs­wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten betrie­be­ne Bet­ten­ab­bau in den Kran­ken­häu­sern soll gestoppt wer­den, die Arbeits­be­din­gun­gen der Beschäf­tig­ten müs­sen ver­bes­sert wer­den. Gewinn­mit­nah­men pri­va­ter spe­zia­li­sier­ter Kli­ni­ken sind ins­be­son­de­re in der Coro­na-Kri­se zu ver­hin­dern…” Pres­se­mit­tei­lung von attac vom 28. Sep­tem­ber 2020 (noch nur per e‑mail) zur Coro­na-Reso­lu­ti­on des Bünd­nis­ses “Kran­ken­haus statt Fabrik” externer Link: “Die Coro­na-Kri­se muss Kon­se­quen­zen haben”. Sie­he dazu:
    • »Das Sys­tem der Fall­pau­scha­len muss weg«. Die Coro­na­pan­de­mie zeigt, was Kri­ti­ker schon lan­ge wuss­ten: Die Ver­sor­gung in deut­schen Kran­ken­häu­sern ist man­gel­haft. Ein Gespräch mit Peter Hoff­mann
      “… Unter Coro­nabe­din­gun­gen wur­de deut­lich, dass wir für die Kran­ken­häu­ser eine bedarfs­ge­rech­te Pla­nung und kei­ne chao­ti­sche Markt­ent­wick­lung brau­chen. Zu Beginn der Pan­de­mie war nicht mal bekannt, wie vie­le Inten­siv­bet­ten es ins­ge­samt in der Repu­blik gibt. Hier braucht es Zusam­men­ar­beit, kei­ne Kon­kur­renz. Für Kata­stro­phen- oder Pan­de­mie­fäl­le wer­den etwa sie­ben Mil­li­ar­den Euro im Jahr als Vor­hal­te­kos­ten für Kli­ni­ken benö­tigt, etwa für einen Vor­rat an Schutz­klei­dung. Laut dem »Insti­tut für das Ent­gelt­sys­tem im Kran­ken­haus« brin­gen die zustän­di­gen Bun­des­län­der nicht mal die Hälf­te davon auf. Stän­dig wird Geld aus Fall­pau­scha­len für lau­fen­de Behand­lun­gen ver­un­treut, etwa um in Neu­bau­ten, Umbau­ten oder tech­ni­sche Gerä­te zu inves­tie­ren. Das Fall­pau­scha­len­sys­tem muss weg, weil es Fehl­an­rei­ze setzt. [Wel­che sind das zum Bei­spiel?] Mehr Ope­ra­tio­nen und Ein­grif­fe wer­den vor­ge­nom­men, weil sie für das Kran­ken­haus finan­zi­el­len Gewinn brin­gen – selbst wenn die­se zum Teil sogar unnö­tig sind. Was Defi­zi­te ver­ur­sa­chen könn­te, wird unter­las­sen oder redu­ziert. Des­halb ist mit­un­ter die Ver­sor­gung bei Kin­der­kli­ni­ken oder Geburts­sta­tio­nen nicht mehr gewähr­leis­tet. Alles ist öko­no­misch gesteu­ert. Um Kos­ten gering zu hal­ten, wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Per­so­nal in der Pfle­ge abge­baut, so dass die ver­blie­be­nen Kräf­te stän­dig über­las­tet sind. Die Arbeits­ver­hält­nis­se sind so unzu­mut­bar gewor­den, dass vie­le den Beruf nicht mehr ergrei­fen oder dar­in nicht mehr ver­blei­ben wol­len…” Inter­view von Git­ta Düper­thal in der jun­gen Welt vom 26.09.2020 externer Link mit Peter Hoff­mann, Anäs­the­sist und Vor­stands­mit­glied des Ver­eins Demo­kra­ti­scher Ärz­tin­nen und Ärz­te (VDÄÄ) in Mün­chen
    • Sie­he zum aktu­el­len Hin­ter­grund unser Dos­sier: Auch in Deutsch­land ste­hen dem Coro­na-Virus (poli­tisch gewollt) knap­pe Res­sour­cen des Gesund­heits­we­sens gegen­über
  • [Bro­schü­re online] Das Fall­pau­scha­len­sys­tem und die Öko­no­mi­sie­rung der Kran­ken­häu­ser – Kri­tik und Alter­na­ti­ven 
    Nach­dem die ers­te Bro­schü­re des Bünd­nis­ses Kran­ken­haus statt Fabrik auch in der vier­ten Auf­la­ge ver­grif­fen ist, ver­öf­fent­li­chen wir hier eine grund­le­gend über­ar­bei­te­te Neu­auf­la­ge, die unse­re Kri­tik prä­zi­siert und neue­ren poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen Rech­nung trägt. Die Bro­schü­re kann als gan­ze oder in aus­ge­wähl­ten Kapi­teln her­un­ter­ge­la­den wer­den…” Die Bro­schü­re nun online bei Kran­ken­haus statt Fabrik externer Link
  • [Peti­ti­on] Mensch vor Pro­fit: Öko­no­mi­sie­rung an deut­schen Kran­ken­häu­sern abschaf­fen! /​Kran­ken­häu­ser ver­ge­sell­schaf­ten?
    • [Peti­ti­on] Mensch vor Pro­fit: Öko­no­mi­sie­rung an deut­schen Kran­ken­häu­sern abschaf­fen!
      Jeder wird irgend­wann in sei­nem Leben Pati­ent sein. Dann sind wir auf Ärz­te ange­wie­sen, die ihr medi­zi­ni­sches Kön­nen nicht hin­ter dem Gewinn­ge­dan­ken anstel­len. Das pas­siert lei­der täg­lich an deut­schen Kli­ni­ken. Leid­tra­gen­de der Öko­no­mi­sie­rung an deut­schen Kran­ken­häu­sern sind alle Pati­en­ten, an denen man nicht viel ver­die­nen kann. Ich rufe alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger dazu auf, den im stern erschie­ne­nen Ärz­te-Appell zu unter­stüt­zen, der für Furo­re sorgt. 36 ärzt­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und mehr als 1500 Ärz­te haben ihn schon unter­zeich­net. Er rich­tet sich „gegen das Dik­tat der Öko­no­mie an deut­schen Kran­ken­häu­sern“ und geht uns alle an. (…) das Fall­pau­scha­len­sys­tem, nach dem alle Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen abge­rech­net wer­den, belohnt jeg­li­che Form von Aktio­nis­mus. Auch unnö­ti­ge Ope­ra­tio­nen und Behand­lun­gen. Das aber, was wir wirk­lich brau­chen, bringt Kli­ni­ken kein Geld. (…) Ich for­de­re den Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn auf, die drei zen­tra­len For­de­run­gen des Ärz­te-Appells im stern zu erfül­len…” Peti­ti­on von Lud­wig Ham­mel bei chan​ge​.org externer Link an Jens Spahn (Bun­des­mi­nis­ter für Gesund­heit)
    • Kran­ken­häu­ser ver­ge­sell­schaf­ten?
      Nach eini­gen Wochen Coro­na­kri­se und am Anfang der ers­ten Woche umfas­sen­der, lan­des­weit gel­ten­der Ein­schrän­kun­gen ver­tieft sich die Dis­kus­si­on dar­über, wel­che Kon­se­quen­zen die­se Kri­se lang­fris­tig haben muss. Dabei äußern sich vie­le spe­zi­ell zur Situa­ti­on im Gesund­heits­we­sen, das ja in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in der kri­ti­schen Öffent­lich­keit wenig Auf­merk­sam­keit genos­sen hat. Das ist erfreu­lich, birgt aber auch man­che Pro­ble­me, weil vie­les an Wis­sen um jüngs­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Kämp­fe auf eine klei­ne Zahl von Akteu­ren begrenzt ist. Ich doku­men­tie­re im Fol­gen­den mei­ne Betei­li­gung an einer Mail­de­bat­te, die am 24. März 2020 auf der Attac-Lis­te „grup­pen-dis­kus­si­on“ statt­fand. Ein Teil­neh­mer hat­te gefragt: „Wäre jetzt nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt für eine Offen­si­ve in Rich­tung Ent­eig­nung von Kran­ken­haus­kon­zer­nen und pri­va­ten Ver­si­che­run­gen, so sich zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen dar­auf ver­stän­di­gen kön­nen? Also ähn­lich wie die Ber­li­ner Volks­in­itia­ti­ve bezo­gen auf Wohn­raum, die Debat­te auf das Gesund­heits­we­sen aus­wei­ten. Aus mei­ner Sicht soll­te man jetzt mit der For­de­rung der (ent­schä­di­gungs­lo­sen) Ver­staat­li­chung mehr in die Öffent­lich­keit gehen um die öffent­li­che Debat­te über die Pan­de­mie in die­se Rich­tung zu len­ken. So schlecht ste­hen die Chan­cen dafür nicht, gera­de jetzt, wo selbst kon­ser­va­ti­ve Poli­ti­ker das zumin­dest gedank­lich durch­spie­len und auch nach außen posau­nen? Wich­tig wären natür­lich Garan­tien, dass die Pri­va­ten spä­ter kei­ner­lei Ansprü­che erhal­ten auf Rück­erstat­tun­gen.“ Mei­ne ers­te, etwas schnel­le Ant­wort war: Grund­sätz­lich stim­me ich zu. Aller­dings gibt es ein paar gute Grün­de, war­um wir (Attac AG sozia­le Siche­rungs­sys­te­me, die an dem The­ma ja seit inzwi­schen 19 Jah­ren arbei­tet) das so nicht for­dern. Ers­tens wäre es recht­lich nicht mög­lich, ohne Grund­ge­setz­än­de­rung ent­schä­di­gungs­los zu ent­eig­nen. Trotz­dem könn­te man es ja for­dern. Zwei­tens trägt eine sol­che For­de­rung kei­ne der Orga­ni­sa­tio­nen mit, die im Gesund­heits­be­reich unter­wegs sind, ins­be­son­de­re nicht die Gewerk­schaf­ten, die die Beschäf­tig­ten dort orga­ni­sie­ren. Könn­te man sagen, muss man eben dicke Bret­ter boh­ren. Drit­tens, und das ist der eigent­lich allein wich­ti­ge Grund, geht das viel ein­fa­cher. Man muss näm­lich ver­ste­hen, war­um pri­va­te Kran­ken­häu­ser über­haupt als Geschäfts­mo­del­le funk­tio­nie­ren, also Gewinn machen kön­nen. Das liegt in Deutsch­land ganz zen­tral am Fall­pau­scha­len-Abrech­nungs­sys­tem (DRGs). Wenn die abge­schafft wären, wären Kran­ken­häu­ser für ren­di­te­ori­en­tier­te Inves­to­ren völ­lig unin­ter­es­sant. Bei der Ein­füh­rung der DRGs ganz zu Beginn der 2000er-Jah­re waren wir die ein­zi­gen, die das gese­hen und kri­ti­siert haben, jah­re­lang woll­te unse­rer For­de­rung nie­mand fol­gen, aber seit eini­gen Jah­ren gibt es ein Bünd­nis, das genau dar­an arbei­tet (Kran­ken­haus statt Fabrik https://​www​.kran​ken​haus​-statt​-fabrik​.de/ externer Link) und die For­de­rung nach Abschaf­fung der DRGs gehört zum Stan­dard jeder fort­schritt­li­chen Gesund­heits­po­li­tik in Deutsch­land. Vor allem die erfolg­rei­che, eben­falls von uns initi­ier­te Kam­pa­gne gegen die Ein­füh­rung sol­cher Fall­pau­scha­len in der Psych­ia­trie und Psy­cho­so­ma­tik (“Weg mit PEPP”) hat­te gro­ße Beach­tung gefun­den und das Bünd­nis stark beflü­gelt…” Debat­ten­bei­trag vom 24.3.2020 von und bei Wer­ner Rätz externer Link
  • Gut vor­be­rei­tet? Was hat die aktu­el­le Coro­na-Virus-Pan­de­mie mit der Finan­zie­rung deut­scher Kran­ken­häu­ser über Fall­pau­scha­len zu tun?
    Die Aus­sa­ge von Minis­ter Spahn, unser Gesund­heits­sys­tem sei auf die neu­en Her­aus­for­de­run­gen gut vor­be­rei­tet, ist eine kras­se Fehl­dia­gno­se. Auch wenn man Panik­ma­che für voll­kom­men unan­ge­bracht ist, hält die­se unein­ge­schränk­te Ein­schät­zung einem Fak­ten­check nicht stand (…) Die aktu­el­le Ent­schei­dung des Gesund­heits­mi­nis­ters, die gera­de erst ein­ge­führ­ten und eigent­lich viel zu nied­ri­gen Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen anläss­lich der Zusatz­be­las­tung unse­res Gesund­heits­sys­tems durch die Coro­na-Pan­de­mie vor­über­ge­hend außer Kraft zu set­zen, demons­triert die­sen Wider­spruch: Da wir in den Kran­ken­häu­sern zu wenig Fach­per­so­nal haben, müs­sen Bet­ten­ka­pa­zi­tä­ten gesperrt wer­den. Wenn die Pati­en­ten­zah­len aber in einer Not­si­tua­ti­on zusätz­lich stei­gen, wer­den die­se Miss­stän­de nicht nur wie­der gedul­det, son­dern wei­ter ver­schärft, um noch mehr Pati­en­tin­nen als bis­her durch die Kli­nik­bet­ten zu schleu­sen. Die Aus­sa­ge von Minis­ter Spahn, unser Gesund­heits­sys­tem sei auf die neu­en Her­aus­for­de­run­gen gut vor­be­rei­tet, ist also eine kras­se Fehl­dia­gno­se. Wir vom Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik for­dern daher, end­lich unse­re Kran­ken­häu­ser wie­der funk­ti­ons­fä­hig zu machen für eine Daseins­vor­sor­ge ohne jede Ein­schrän­kung: Die Aus­rich­tung der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung auf betriebs­wirt­schaft­li­chen Gewinn muss been­det wer­den. Kran­ken­häu­ser dür­fen kei­ne Gewin­ne machen, Ver­lus­te sind aus­zu­glei­chen, wenn die Kli­nik für die Ver­sor­gung einer Regi­on benö­tigt wird. Die Finan­zie­rung darf nicht nur die medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen im Nor­mal­be­trieb berück­sich­ti­gen, son­dern muss auch alle Vor­hal­te­kos­ten für außer­ge­wöhn­li­che Not­fall­si­tua­tio­nen sicher­stel­len. Die medi­zi­ni­sche Behand­lung im Kran­ken­haus ist Daseins­vor­sor­ge. Daher müs­sen Kran­ken­häu­ser da demo­kra­tisch geplant und betrie­ben wer­den, wo sie für die qua­li­ta­tiv gleich­wer­ti­ge Ver­sor­gung gebraucht wer­den, nicht da wo der Trä­ger mit ihnen Gewin­ne erwirt­schaf­ten kann. Die ange­mes­se­ne Per­so­nal­aus­stat­tung im Kran­ken­haus ist eine ele­men­ta­re Vor­aus­set­zung für gute Behand­lung der Pati­en­tin­nen und kei­ne Schön­wet­ter­maß­nah­me, die bei jedem dro­hen­den Sturm wie­der kas­siert wer­den kann.” Pres­se­er­klä­rung des Bünd­nis­ses „Kran­ken­haus statt Fabrik“ vom 12.03.2020 externer Link
  • Der Ärz­te-Appell: Medi­zin für Men­schen. Gegen das Dik­tat der Öko­no­mie in unse­ren Kran­ken­häu­sern
    Vie­le Ärz­te und Ärz­tin­nen erle­ben im Kran­ken­haus unlös­ba­re Kon­flik­te. Sie sol­len Pati­en­ten hei­len – und mit ihnen Gewin­ne erzie­len. Ein Sys­tem, das krank macht. Im stern for­dern sie: Ret­tet die Medi­zin!
    Vor sech­zehn Jah­ren gab es in Deutsch­land eine Revo­lu­ti­on, deren Name kei­ner kennt. An unse­ren Kran­ken­häu­sern wur­de ein völ­lig neu­es Abrech­nungs­sys­tem ein­ge­führt, die “Fall­pau­scha­len”. Jeder bekommt sie zu spü­ren, der heu­te eine Kli­nik betritt. Wir tra­gen dort unsicht­ba­re Preis­schil­der auf der Stirn. Die Ver­dachts­dia­gno­se ent­schei­det dar­über, wie inter­es­sant wir für das Haus sind. Ob man uns bes­ser auf­neh­men oder wenn irgend mög­lich unter Vor­wän­den wei­ter­schi­cken soll­te. Eine Kopf­we­h­at­ta­cke ist weni­ger wert als ein Magen­ge­schwür. Die­ses ist weni­ger wert als ein Herz­in­farkt. Einen Bein­bruch soll­te man mög­lichst ope­rie­ren – denn das Gip­sen ist aus der Sicht vie­ler Kran­ken­haus­ge­schäfts­füh­rer ver­geu­de­te­te Zeit, in der ein Arzt mehr Umsatz machen könn­te. Das gro­ße Los für die Kli­nik ist finan­zi­ell gese­hen ein Krebs­pa­ti­ent. Wie konn­te es zu die­sen Misstän­den kom­men? Dar­über sprach der stern mit mehr als 100 Medi­zi­nern aus ganz Deutsch­land – mit Assis­tenz­ärz­tin­nen, Kli­nik­di­rek­to­ren, Prä­si­den­tin­nen von Fach­ge­sell­schaf­ten und von Ärz­te­kam­mern, mit Medi­zi­nethi­kern. Vie­le erle­ben dra­ma­ti­sche Miss­stän­de, sie­ben Augen­zeu­gen­be­rich­te sind heu­te in der Print-Aus­ga­be des stern zu lesen, einer davon hier externer Link. Fast alle Ärz­tin­nen und Ärz­te nann­ten zwei Ursa­chen für die Mise­re: Extre­men öko­no­mi­schen Druck und das “Fall­pau­scha­len-Sys­tem”, für das Dia­gno­sen in “Fall­grup­pen” grup­piert und pau­schal ver­gü­tet wer­den – nach der Faust­re­gel: Je höher der Auf­wand, des­to mehr Geld. (…) Das Fall­pau­scha­len­sys­tem, nach dem Dia­gno­se und The­ra­pie von Krank­hei­ten bezahlt wer­den, bie­tet vie­le Anrei­ze, um mit über­flüs­si­gem Aktio­nis­mus Ren­di­te zum Scha­den von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zu erwirt­schaf­ten. Es belohnt alle Ein­grif­fe, bei denen viel Tech­nik über bere­chen­bar kur­ze Zeit­räu­me zum Ein­satz kommt – Herz­ka­the­ter-Unter­su­chun­gen, Rücken­ope­ra­tio­nen, inva­si­ve Beatmun­gen auf Inten­siv­sta­tio­nen und vie­les mehr. Es bestraft den spar­sa­men Ein­satz von inva­si­ven Maß­nah­men. Es bestraft Ärz­tin­nen und Ärz­te, die abwar­ten, beob­ach­ten und nach­den­ken, bevor sie han­deln. Es bestraft auch Kran­ken­häu­ser. Je flei­ßi­ger sie am Pati­en­ten spa­ren, des­to stär­ker sinkt die künf­ti­ge Fall­pau­scha­le für ver­gleich­ba­re Fäl­le. Ein Teu­fels­kreis. So kann gute Medi­zin nicht funk­tio­nie­ren. (…) Das Dik­tat der Öko­no­mie hat zu einer Ent­hu­ma­ni­sie­rung der Medi­zin an unse­ren Kran­ken­häu­sern wesent­lich bei­getra­gen. Unse­re For­de­run­gen: 1. Das Fall­pau­scha­len­sys­tem muss ersetzt oder zumin­dest grund­le­gend refor­miert wer­den. 2. Die öko­no­misch gesteu­er­te gefähr­li­che Über­the­ra­pie sowie Unter­ver­sor­gung von Pati­en­ten müs­sen gestoppt wer­den. Dabei beken­nen wir uns zur Not­wen­dig­keit wirt­schaft­li­chen Han­delns. 3. Der Staat muss Kran­ken­häu­ser dort pla­nen und gut aus­stat­ten, wo sie wirk­lich nötig sind. Das erfor­dert einen Mas­ter­plan und den Mut, man­cher­orts zwei oder drei Kli­ni­ken zu grö­ße­ren, leis­tungs­fä­hi­ge­ren und per­so­nell bes­ser aus­ge­stat­te­ten Zen­tren zusam­men­zu­füh­ren
    …” Ärz­te-Appell am 05. Sep­tem­ber 2019 beim Stern online externer Link, Unter­schrif­ten wer­den wei­ter­hin gesam­melt
  • Das Gesund­heits­tri­bu­nal. Fall­pau­scha­len im Inter­es­se der Pati­en­ten oder der pau­scha­le Fall Pro­fit aus Krank­heit
    “„Ich bin seit der Aus­bil­dung vier Jah­re im Beruf. Im Moment bin ich auf einer Sta­ti­on, wo die Pati­en­ten ihre Krebs-Dia­gno­se bekom­men und dann auch Betreu­ung brau­chen. Aber das kön­nen wir bei unse­rer Per­so­nal­si­tua­ti­on nicht genug leis­ten. […] Wenn ich in Eng­land bin und erzäh­le, dass ich eine nur­se bin, dann sagen immer alle: ´Wow, krass, toll!´ Und hier kommt immer: ´Echt? Das tust du dir an?´“ Dies sind Aus­sa­gen einer Kran­ken­pfle­ge­rin, die im neu­en Thea­ter­stück von Vol­ker Lösch (als Regis­seur und Koau­tor) und Ulf Schmidt (als Autor) selbst auf der Büh­ne steht. In einem Kreis mit fünf ande­ren männ­li­chen und weib­li­chen Pfle­ge­kräf­ten. Zusam­men mit fünf Pro­fi­sch­au­spie­lern. Bereits die­ses Zusam­men­spiel macht das „Gesund­heits­tri­bu­nal“ zu etwas Beson­de­rem. Ein Zusam­men­spiel von Schau­spie­lern, die lei­den­schaft­lich agie­ren, und Beschäf­tig­ten, die vom eige­nen Lei­den und dem Lei­den der ihnen Anver­trau­ten authen­tisch berich­ten. (…) Wie ange­spro­chen, ist man geneigt, die Mise­re des deut­schen Gesund­heits­sys­tems als Resul­tat der all­ge­mei­nen neo­li­be­ra­len Durch­drin­gung der Gesell­schaft, als welt­wei­tes Phä­no­men oder zumin­dest als eine über­all in West­eu­ro­pa zu kon­sta­tie­ren­de Ent­wick­lung zu ver­ste­hen. Schließ­lich gibt es EU-weit pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se wie hier­zu­lan­de und Job­struk­tu­ren wie Hartz IV. Über­all in Euro­pa wer­den die Bah­nen pri­va­ti­siert. Über­all wird das Stu­di­um an den Bedürf­nis­sen des Kapi­tals aus­ge­rich­tet. Und just so wird es eben auch im Gesund­heits­sek­tor sein. Wäre es so, mach­te ein Gesund­heits­tri­bu­nal natür­lich auch Sinn. Und natür­lich wäre es auch dann sinn­voll, sich mit Appel­len, Demos und Streiks gegen die­ses krank­ma­chen­de Gesund­heits­sys­tem zu stem­men. Ver­blüf­fend ist jedoch: Deutsch­land ist „Nega­tiv-Avant­gar­de“ in die­sem Pro­zess der Zer­stö­rung. (…) Da bleibt zu hof­fen, dass man bei ver­di ent­deckt, welch einen bis­lang noch ver­bor­ge­nen Gold­schatz Vol­ker Lösch, Ulf Schmidt und das Team des Gesund­heits­tri­bu­nal ihnen gelie­fert haben: Das Stück soll­te bun­des­weit auf Tour­nee gehen. Und an vie­len Orten – bei­spiels­wei­se sol­chen mit gro­ßen Pro­fit­cen­ter-Kli­ni­ken – zur Auf­füh­rung gelan­gen. Auch hier jeweils unter Ein­be­zie­hung von Pfle­ge­kräf­ten von vor Ort.” Arti­kel von Urs-Boni­faz Koh­ler vom 23. Janu­ar 2019 bei lunapark21 externer Link
  • [Arbei­ter­In­nen­macht] Pri­va­ti­sie­run­gen rück­gän­gig machen und weg mit dem Fall­pau­scha­len-Sys­tem!
    “… Noch in den 1970igern bis Anfang der 1980iger Jah­re befan­den sie sich zum größ­ten Teil in kom­mu­na­ler Hand. Sie hat­ten damit auch den Auf­trag, die Bevöl­ke­rung – egal ob reich oder arm, jung oder alt, ob in Land oder Stadt, chro­nisch krank oder nicht, die Behand­lung teu­er ist oder nicht – gleich­wer­tig zu behan­deln. Von 1972 bis 1985 galt das voll­stän­di­ge Selbst­kos­ten­de­ckungs­prin­zip, nach dem die Kran­ken­häu­ser ihre Behand­lungs­kos­ten voll­stän­dig von den Kran­ken­kas­sen refi­nan­ziert beka­men. Sie durf­ten kei­nen Gewinn machen, stan­den noch nicht in unmit­tel­ba­rer Kon­kur­renz zuein­an­der, wie das heu­te der Fall ist, denn unter den DRGs machen eini­ge Gewin­ne, ande­re Ver­lus­te. Der Ein­stieg in die Ver­schlech­te­rung und schließ­lich das Aus­lö­sen einer mas­si­ven Pri­va­ti­sie­rungs­wel­le erfolg­te über die Finan­zie­rungs­kri­se der Sozi­al­sys­te­me. Ab den 1970er Jah­ren setz­te die Dau­er­wirt­schafts­kri­se Staats­fi­nan­zen und Sozi­al­ver­si­che­run­gen unter Druck. (…) Die­ses Sys­tem der Fall­pau­scha­len hat­te Aus­wir­kun­gen auf zwei Ebe­nen: Kom­mu­na­le Kran­ken­häu­ser kon­kur­rie­ren nun mit den pri­va­ten um mög­lichst vie­le „pro­fi­ta­ble Fäl­le“, denn nur die­se gewähr­leis­ten Kos­ten­de­ckung bzw. sogar Gewin­ne (das sind vor allem plan­ba­re chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe ohne gro­ßes Risi­ko­po­ten­ti­al). Ansons­ten droht Insol­venz. Zwar steht im Hin­ter­grund noch der gesetz­li­che Auf­trag der Gesund­heits­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung. Die­ser wird aber prak­tisch nicht mehr ein­ge­hal­ten, denn dadurch kön­nen Kran­ken­häu­ser nicht mehr ren­ta­bel arbei­ten. (Sehr deut­lich bei der Geburts­hil­fe, in den Kin­der­kli­ni­ken und inter­nis­ti­schen Abtei­lun­gen.) Droht die Insol­venz, ste­hen die pri­va­ten Kon­zer­ne zur Über­nah­me parat – mit allen Ver­schlech­te­run­gen …“ Gegen­wehr! Betriebs- und Gewerk­schafts­in­fo der Grup­pe Arbei­ter­In­nen­macht vom Okto­ber 2018 externer Link
  • Kran­ken­haus statt Fabrik: Fak­ten und Argu­men­te zum DRG-Sys­tem und gegen die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Kran­ken­häu­ser
    Die deut­sche Kran­ken­haus­land­schaft wur­de in den letz­ten 20 Jah­ren zu einem Sek­tor des Gesund­heits­mark­tes umge­baut. Die Abschaf­fung des Selbst­kos­ten­de­ckungs­prin­zips und die Ein­füh­rung des Fall­pau­scha­len­sys­tems (DRG) ab 2003/​04 haben die Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung tief­grei­fend ver­än­dert. Kran­ken­häu­ser wer­den nicht mehr nach ihrem Bedarf finan­ziert, son­dern durch markt­för­mi­ge Steue­rung auf der Basis eines Fest­preis­sys­tems. Dafür wur­de die kos­ten­de­cken­de Finan­zie­rung über Jahr­zehn­te ideo­lo­gisch und poli­tisch dele­gi­ti­miert. Neo­li­be­ra­le Poli­tik hat­te eine simp­le Ant­wort auf die medizinisch/​pflegerischen und poli­ti­schen Pro­ble­me, die das Sys­tem der Selbst­kos­ten­de­ckung in sei­ner kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung hat­te: »Mehr öko­no­mi­scher Wett­be­werb, mehr Markt!« Ver­spro­chen wur­de in die­sem Zusam­men­hang auch eine Sen­kung der Kran­ken­haus­aus­ga­ben. Mehr als 20 Jah­re nach der Wei­chen­stel­lung für die Wett­be­werbs­ori­en­tie­rung und mehr als zehn Jah­re nach Ein­füh­rung der DRGs sind die Aus­wir­kun­gen die­ser poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen deut­lich sicht­bar. (…) Die Kri­tik an den Aus­wir­kun­gen der markt­för­mi­gen Steue­rung ist bei allen Akteu­ren des Gesund­heits­we­sens und in der Öffent­lich­keit prä­sent. Auch die Kri­tik am Sys­tem selbst nimmt zu. Bei den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ge­rIn­nen herr­schen aber unge­bro­chen markt­ra­di­ka­le Ori­en­tie­run­gen vor, sie sin­gen wei­ter das Hohe­lied von Markt und Wett­be­werb. Dies wur­de auch im 2015 ver­ab­schie­de­ten Kran­ken­haus­struk­tur­ge­setz (KHSG) deut­lich: Die Ant­wort auf die wesent­lich durch den Wett­be­werb pro­du­zier­ten Pro­ble­me lau­tet: Noch mehr Wett­be­werb! (…) Die Öko­no­mi­sie­rung der Kran­ken­häu­ser kann nicht inner­halb des DRG-Sys­tems zurück­ge­drängt wer­den. Inner­halb des kran­ken­haus­po­li­ti­schen Fel­des ist Kri­tik am DRG-Sys­tem zwar noch lei­se. (…) Ein ers­ter Schritt ist eine Auf­klä­rungs­kam­pa­gne, mit der wir über die poli­ti­sche, öko­no­mi­sche, medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Funk­ti­on der Fall­pau­scha­len und die Bedeu­tung von Markt und Wett­be­werb für die Kom­mer­zia­li­sie­rung des Gesund­heits­sys­tems infor­mie­ren. Die­se Bro­schü­re soll ein Teil die­ses Vor­ha­bens sein.” Aus der Ein­lei­tung zur Bro­schü­re vom und beim Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik externer Link. Sie­he dazu auch:
    • Kran­ken­haus: »Es geht um Gewin­ne« 
      “Man­fred Fied­ler war Gewerk­schafts­se­kre­tär der ver.di-Vorläuferorganisation ötv und spä­ter Arbeits­di­rek­tor am Kli­ni­kum Dort­mund. Heu­te arbei­tet er als frei­be­ruf­li­cher Bera­ter und Publi­zist im Gesund­heits­we­sen. Er ist beim glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Netz­werk Attac aktiv und hat an der Bro­schü­re »Kran­ken­haus statt Fabrik« mit­ge­ar­bei­tet…” Dani­el Beh­ru­zi im Gespräch mit Man­fred Fied­ler bei ver.di Gesund­heit & Sozia­les externer Link (ohne Datum). Man­fred Fied­ler: “Das ab 2003 geschaf­fe­ne Finan­zie­rungs­sys­tem über Fall­pau­scha­len (Dia­gno­sis Rela­ted Groups, DRG) hat markt­wirt­schaft­li­che Mecha­nis­men im Kran­ken­haus­we­sen eta­bliert. Es geht dar­um, Gewin­ne zu erzie­len. Dies geschieht, indem weni­ger und bil­li­ge­res Per­so­nal mehr Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ver­sorgt. Das gilt sowohl für Pfle­ge­kräf­te als auch für Beschäf­tig­te in Wäsche­rei, Rei­ni­gung, Ste­ri­li­sa­ti­on und ande­ren Ser­vice­be­rei­chen. Pro­fit­ori­en­tier­te, pri­va­te Kran­ken­häu­ser sind beim pfle­ge­ri­schen und medi­zi­nisch-tech­ni­schen Per­so­nal pro Fall deut­lich schlech­ter besetzt als ande­re. Und sie bezah­len ihren Beschäf­tig­ten im Durch­schnitt 10 bis 15 Pro­zent weni­ger als öffent­li­che Trä­ger. (…) Der Wett­be­werb mit den Pri­va­ten setzt öffent­li­che und frei­gemein­nüt­zi­ge Kran­ken­häu­ser unter Druck, sich an die pro­fit­ori­en­tier­ten Struk­tu­ren anzu­pas­sen. Auch sie ver­su­chen, mehr Leis­tun­gen mit dem glei­chen oder sogar weni­ger Per­so­nal zu erbrin­gen. Sie müs­sen das tun, um wirt­schaft­lich zu über­le­ben und nicht vom Markt zu ver­schwin­den. Zugleich zie­hen pri­va­te Kon­zer­ne viel Geld aus dem Sys­tem. Sie for­dern von ihren Häu­sern Umsatz­ren­di­ten von sechs bis 14 Pro­zent. Geld, das für eine gute Gesund­heits­ver­sor­gung gedacht ist, lan­det in den Taschen von Aktio­nä­ren. Die pri­va­ten Klin­ken sind für zwei Drit­tel der Aus­ga­ben­stei­ge­run­gen seit Ein­füh­rung des DRG-Sys­tems ver­ant­wort­lich, obwohl sie nur 16 Pro­zent der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten behan­deln…” Sie­he dazu:
    • Das Bünd­nis »Kran­ken­haus statt Fabrik« will über Ursa­chen und Aus­wir­kun­gen der Kom­mer­zia­li­sie­rung auf­klä­ren. Einen sehr gehalt­vol­len Bei­trag dazu leis­tet es mit einer Bro­schü­re, die »Fak­ten und Argu­men­te« zum Sys­tem der Fall­pau­scha­len externer Link zusam­men­trägt. Die Tex­te sind hoch infor­ma­tiv, aber den­noch gut les­bar. Es wird deut­lich, dass die Per­so­nal­not in den Kli­ni­ken kein Zufall, son­dern Fol­ge poli­ti­scher Ent­schei­dun­gen ist. Das heißt auch: Die Rah­men­be­din­gun­gen kön­nen wie­der ver­än­dert wer­den – wenn der Druck groß genug ist…

Siehe schon früher im LabourNet Germany:

Der Bei­trag [DRG] Das Kran­ken­haus als Fabrik: Die Ein­füh­rung der Fall­pau­scha­len ermög­lich­te den Zugriff des Kapi­tals auf die Kli­ni­ken – mit gra­vie­ren­den Fol­gen für Per­so­nal und Pati­en­ten erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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