[EMRAWI:] Einige Gedanken zu Covid-Tests und Safety Culture

Wer mit Covid-19 in Kon­takt kommt, kommt unwei­ger­lich auch in Kon­takt mit den Behör­den. Dabei ist selbst­ver­ständ­lich Vor­sicht gebo­ten: posi­tiv Getes­te­te wer­den von den Behör­den auf­ge­for­dert anzu­ge­ben, mit wem sie Kon­takt hat­ten. Außer­dem ist jeder Test, egal ob posi­tiv oder nega­tiv, eine DNA-Pro­be, von der wir nicht genau wis­sen, was damit pas­siert und wer sie viel­leicht in die Hän­de bekommt.

Eini­ge Grund­sät­ze im Umgang mit Repres­si­on sind auch nütz­lich, wenn in eurem Umfeld jemand posi­tiv auf Covid-19 getes­tet wird. Zum Bei­spiel: ruhig blei­ben und nicht die Ner­ven weg­schmei­ßen. Kei­ne Spe­ku­la­tio­nen in per­sön­li­chen Gesprä­chen, über (mehr oder weni­ger siche­re) Mes­sen­ger-Diens­te oder Social Media. Wer muss was wis­sen? Es ist für Leu­te wich­tig zu wis­sen, ob sie mit einer posi­tiv getes­te­ten Per­son in Kon­takt waren. Über­legt euch, wie ihr die­se Infor­ma­ti­on ange­mes­sen an die Betref­fen­den wei­ter­gebt. Ein nicht-stig­ma­ti­sie­ren­der Umgang ist uner­läss­lich um gut reagie­ren zu kön­nen: wenn Leu­te nicht das Gefühl haben, ihnen wer­de die Schuld für ihre Anste­ckung gege­ben, wer­den sie kei­nen Grund haben, ihren posi­ti­ven Test zu ver­schwei­gen.

Natür­lich gibt es trotz DNA-Abga­be und Kon­takt­lis­ten gute Grün­de, sich tes­ten zu las­sen.

Wer nicht als Ver­dachts­fall gilt, kann sich über eine_​n Hausarzt_​ärztin tes­ten las­sen. Das kos­tet aller­dings ca. 150–200€.

Wie kommt ma gra­tis an einen Test?

Uns sind fol­gen­de Mög­lich­kei­ten bekannt:

1) Die Hot­line 1450 anru­fen und sagen ma hat Sym­pto­me, und die­se beschrei­ben.

2) Die Hot­line 1450 anru­fen und sagen, dass ma Kon­takt hat­te mit einer posi­tiv getes­te­ten Per­son, und dabei
(a) deren Namen nicht nen­nen, ent­we­der weil ma nicht gefragt wird, oder aus­wei­chen
(b) deren Namen nen­nen. Dann kann es sein, dass das mit deren Kon­takt­lis­te abge­gli­chen wird.

3) Für Leu­te, die in der Lohn­ar­beit mit Risi­ko­grup­pen zu tun haben (Stich­wort „Sozi­al­be­reich“), hat es schon funk­tio­niert, direkt zu einem öffent­li­chen Kran­ken­haus zu gehen und sofort einen Test zu ver­lan­gen, weil ent­schie­den wer­den müs­se, ob die Ein­rich­tung geschlos­sen wer­den muss. (Mit Nen­nung der Ein­rich­tung.)

4) wenn ma von einer posi­tiv getes­te­ten Per­son auf deren Kon­takt­lis­te geschrie­ben wird

5) Bei einem sta­tio­nä­ren Auf­ent­halt im Kran­ken­haus

6) Man­che Betrie­be zah­len Mitarbeiter_​inne bis zu zwei Tests

Die Hot­line 1450 zeich­net übri­gens alle Gesprä­che auf. Anrufer_​innen wer­den zu Beginn des Anrufs von einem Band infor­miert, dass sie dem ent­we­der zustim­men und den Anruf fort­set­zen kön­nen, andern­falls sol­len sie auf­le­gen. Auf www. 1450. at sind die Kon­tak­da­ten der Daten­schutz­be­auf­trag­ten für das jewei­li­ge Bun­des­land zu fin­den, wel­che für die Löschung zustän­dig sei­en. Uns wur­de auf Nach­fra­ge bei einem/​r sol­chen Beauf­trag­ten gesagt, dass zwar die Mög­lich­keit bestehe ein Löschungs­be­geh­ren zu stel­len, die auf­ge­zeich­ne­ten Anru­fe aber trotz­dem 3 Jah­re bzw. bis nach Ende der Bekämp­fung der Covid-Pan­de­mie gespei­chert blei­ben wür­den.

Vor­sicht mit Kon­takt­lis­ten! Abspre­chen, wer auf die Lis­te will und wer nicht

Wer muss so eine Lis­te aus­fül­len: Leu­te, die posi­tiv getes­tet wer­den und man­che Leu­te bekom­men die Lis­te auch vor der Tes­tung. Für Leu­te, die letzt­lich nega­tiv getes­tet wur­den, hat es funk­tio­niert, die Lis­te nicht aus­zu­fül­len. (Kon­takt­lis­ten­for­mu­lar sie­he Anhang)

Wer auf der Kon­takt­lis­te einer posi­tiv getes­te­ten Per­son steht, bekommt einen Abson­de­rungs­be­scheid gemäß §7 Epi­de­mie­ge­setz 1950. In einem uns vor­lie­gen­den Abson­de­rungs­be­scheid (sie­he Anhang) steht u.a., dass die betrof­fe­ne Per­son ihre Woh­nung nicht ver­las­sen und kei­nen Kon­takt mit Per­so­nen haben dür­fe, die nicht im sel­ben Haus­halt leben. Außer­dem kann die Per­son in eine „Kran­ken­an­stalt“ ein­ge­wie­sen wer­den, sofern Ärzt_​innen das für nötig hal­ten. Zusätz­lich müs­se ein Fie­ber­ta­ge­buch geführt wer­den; die Mess­ergeb­nis­se sei­en der Bezirks­ver­wal­tungs­be­hör­de mit­zu­tei­len, falls die­se das ver­langt.

Posi­tiv Getes­te­te beka­men teil­wei­se Besuch von den Cops oder dem Ord­nungs­amt. Die Bezirks­ver­wal­tungs­be­hör­de „kann im beson­ders gela­ger­ten Ein­zel­fall die Orga­ne des öffent­li­chen Sicher­heits­diens­tes ersu­chen, die ver­füg­te Abson­de­rungs­maß­nah­me erfor­der­li­chen­falls unter Anwen­dung von Zwangs­mit­teln zu über­wa­chen.“ (Zitat Abson­de­rungs­be­scheid).

Wir wis­sen von kei­nen nega­tiv Getes­te­ten, bei denen die Ein­hal­tung des Abson­de­rungs­be­schei­des über­prüft wur­de.

Ein Ver­stoß gegen einen Abson­de­rungs­be­scheid laut §7 Epi­de­mie­ge­setz hat AN SICH kei­ne straf­recht­li­chen Fol­gen, son­dern zieht maxi­mal eine Ver­wal­tungs­stra­fe nach sich. (Geld­stra­fe bis zu 1450 €. Erfah­rungs­ge­mäß fällt die tat­säch­li­che Straf­hö­he bei Ver­wal­tungs­de­lik­ten erheb­lich nied­ri­ger aus als das Höchst­maß.) Aller­dings wur­de in Öster­reich min­des­tens eine Per­son straf­recht­lich wegen der „fahr­läs­si­gen Gefähr­dung von Men­schen durch über­trag­ba­re Krank­hei­ten“ (§ 179 StGB) ver­ur­teilt, weil sie trotz posi­ti­ven Tests mehr­mals gegen den Abson­de­rungs­be­scheid ver­stieß.

Wer als Ver­dachts­fall gilt, bekommt einen Anruf von den Gesund­heits­be­hör­den und/​oder der Bezirks­haupt­mann­schaft. Das betrifft Per­so­nen, die auf­grund ihres Anru­fes bei 1450 als Ver­dachts­fall gel­ten, und jene, die auf einer Kon­takt­lis­te ste­hen. Was genau dann gefragt wird, hängt von der jewei­li­gen Sachbearbeiter_​in ab. Bei­spie­le für Fra­gen sind: „Waren Sie in den letz­ten drei Wochen im Aus­land? Sind Sie zuhau­se? Wann haben sie die posi­tiv getes­te­te Per­son zum letz­ten Mal gese­hen? Woh­nen Sie allei­ne?“

Besteht bei einem Anruf der Behör­den unbe­dingt dar­auf, euch alle Doku­men­te per E‑Mail schi­cken zu las­sen und wei­gert euch, deren Fra­gen direkt am Tele­fon durch­zu­ge­hen. So könnt ihr nicht über­rum­pelt wer­den und habt Zeit euch abzu­spre­chen.

Bevor ihr euch tes­ten lasst, sprecht unbe­dingt ab, wer von euren Kon­tak­ten (nicht) auf eurer Lis­te ste­hen will, falls ihr posi­tiv getes­tet wer­det.
- Die Kon­takt­per­so­nen von posi­tiv Getes­te­ten bekom­men einen Abson­de­rungs­be­scheid. Das heißt, sie kön­nen nicht mehr selbst ent­schei­den, ob sie ihre Woh­nung ver­las­sen. Das gilt auch, wenn sie selbst nega­tiv getes­tet wer­den!

- Ma kann nie wis­sen, wel­che Grün­de Leu­te haben, ihre Bekannt­schaft mit­ein­an­der vor den Behör­den ver­ber­gen zu wol­len. Viel­leicht haben zwei Leu­te gera­de ein Straf­ver­fah­ren lau­fen, in dem es wich­tig ist, dass nicht nach­ge­wie­sen wer­den kann, dass sie ein­an­der ken­nen.

Auf­ruf zum Aus­tausch

Unse­re Über­le­gun­gen zum Umgang mit Covid-Tests und Safe­ty Cul­tu­re ent­sprin­gen unse­rer eige­nen Erfah­rung, die natur­ge­mäß begrenzt ist. Wir fän­den es sinn­voll und rufen dazu auf, eure Erfah­run­gen eben­falls zu tei­len.

Eine offe­ne Fra­ge ist z.B. wie Per­so­nen, die nicht kran­ken­ver­si­chert sind, an einen Test kom­men.

Bei­spie­le für Abson­de­rungs­be­scheid & Kon­takt­lis­ten­for­mu­lar hier: https://​de​.indy​m​e​dia​.org/​n​o​d​e​/​1​0​6​624

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