[Autonomie Mag.:] Warum China kapitalistisch ist

Für einen anti-natio­na­lis­ti­schen Anti-Impe­ria­lis­mus

Von Eli Fried­man /​Über­set­zung Vidar Lind­ström

Der Text erschien zuerst im mar­xis­ti­schen Spect­re Jour­nal. Zur bes­se­ren Ver­ständ­lich­keit wur­den zu den wich­tigs­ten Begrif­fen Arti­kel ver­linkt. Alle Fuß­no­ten sind vom Über­set­zer, die ori­gi­nal Nach­wei­se sind im Arti­kel des Spect­re Jour­nal zu fin­den.


Das Chi­na des 21. Jahr­hun­derts ist kapi­ta­lis­tisch. Eine dra­ma­ti­sche Trans­for­ma­ti­on für ein Land, das gegen Ende der 1950er qua­si das Pri­vat­ei­gen­tum an Pro­duk­ti­ons­mit­teln abge­schafft hat­te, wäh­rend es sich im fol­gen­den Jahr­zehnt an eini­gen der radi­kals­ten poli­ti­schen Expe­ri­men­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts betei­lig­te. Trotz der umfas­sen­den Reor­ga­ni­sa­ti­on des Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­ses wäh­rend der letz­ten 40 Jah­re, behält die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei (KPCh) ihr Macht­mo­no­pol und bleibt erklär­ter­ma­ßen sozia­lis­tisch, wenn auch jetzt mit „chi­ne­si­scher Prä­gung“.

Chi­nas kom­mu­nis­ti­scher Weg zum Kapi­ta­lis­mus hat unter Lin­ken (sowohl in Chi­na als auch glo­bal) eini­ges an Ver­wir­rung dar­über gestif­tet, wie der Stand der Din­ge zu betrach­ten ist. Für eine anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Pra­xis ist die Klä­rung die­ses The­mas wich­tig, ins­be­son­de­re in Anbe­tracht Chi­nas wach­sen­der glo­ba­ler Macht. Letzt­end­lich geht es um die Fra­ge, ob der chi­ne­si­sche Staat und sei­ne Oppo­si­ti­on zu einer US-geführ­ten Ord­nung, eine eman­zi­pa­ti­ve Poli­tik ver­kör­pert. Wenn wir jedoch Chi­na so ver­ste­hen, dass es nicht ver­sucht den Kapi­ta­lis­mus zu über­win­den, son­dern in einem Wett­streit mit den USA um die Kon­trol­le über das Sys­tem fest­steckt, müss­te das zu einer ganz ande­ren Schluss­fol­ge­rung füh­ren: wir müs­sen einen eige­nen Kurs für eine radi­ka­le Befrei­ung set­zen, unab­hän­gig und in Oppo­si­ti­on zu allen exis­tie­ren­den Staats­mäch­ten.

Bekann­ter­ma­ßen ist der Kapi­ta­lis­mus ein kom­ple­xes Kon­zept, ich kann des­we­gen hier nur ein paar Kern­pro­ble­me behan­deln. Grund­sätz­lich ist er ein Sys­tem, in dem mensch­li­che Bedürf­nis­se der Wert­schöp­fung unter­wor­fen sind. Die­se Bezie­hung, wird über die Uni­ver­sa­li­sie­rung der Markt­ab­hän­gig­keit insti­tu­tio­na­li­siert, da die Waren­form zum Ver­mitt­ler zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen wird. Die­se Logik des Kapi­tals, mani­fes­tiert sich nicht nur in der öko­no­mi­schen Aus­beu­tung der Arbeit und der sie beglei­ten­den klas­si­fi­zie­ren­den sozia­len Bezie­hun­gen, son­dern auch in den For­men der poli­ti­schen Herr­schaft am Arbeits­platz, im Staat und dar­über hin­aus. Abge­se­hen von eini­gen wich­ti­gen Abwei­chun­gen vom libe­ra­len anglo­ame­ri­ka­ni­schen Model, wer­den wir sehen, dass Chi­na in allen Punk­ten kapi­ta­lis­tisch gewor­den ist.

Indi­ka­to­ren für einen chi­ne­si­schen Kapi­ta­lis­mus fin­den sich im Über­fluss. Die Metro­po­len des Lan­des sind geschmückt mir Fer­ra­ris und Guc­ci-Läden, aus­län­di­sche und ein­hei­mi­sche Mar­ken­lo­gos pran­gen über der Sky­line und in jedem grö­ße­ren städ­ti­schen Kern, sind Luxus-Hoch­häu­ser ent­stan­den. Chi­nas rasche Evo­lu­ti­on, von einem der Län­der mit mög­lichst höchs­ter öko­no­mi­scher Gleich­heit welt­weit, zu einem der Län­der mit enorm nied­ri­ger öko­no­mi­scher Gleich­heit, deu­tet auf grö­ße­re struk­tu­rel­le Ver­schie­bun­gen hin. Wir könn­ten auch Chi­nas Mit­glied­schaft in der WTO (Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on), das anhal­ten­de Behar­ren der Regie­rung dar­auf, dass es sich tat­säch­lich um eine Markt­wirt­schaft han­delt, oder Xi Jin­ping, der in Davos die Glo­ba­li­sie­rung ver­tei­digt und dafür ein­tritt, dass der Markt bei der Res­sour­cen­zu­tei­lung eine “ent­schei­den­de Rol­le” spie­len soll, als Zei­chen dafür anse­hen, dass der Staat den Kapi­ta­lis­mus annimmt. In ähn­li­cher Wei­se kann man weit ver­brei­te­te kul­tu­rel­le Aus­drucks­for­men fin­den, die auf eine zugrun­de lie­gen­de kapi­ta­lis­ti­sche Ori­en­tie­rung hin­deu­ten. Dar­un­ter die Auf­wer­tung har­ter Arbeit, ein kras­ses Kon­sum­ver­hal­ten und die Ver­eh­rung des ein­zig­ar­ti­gen Genies von Unter­neh­mens­hel­den wie Ste­ve Jobs und Jack Ma.

Es wäre jedoch ein Feh­ler, sol­che Aus­drü­cke des Kapi­ta­lis­mus mit dem Kapi­ta­lis­mus selbst zu ver­wech­seln. Um sich umfas­sen­der damit zu beschäf­ti­gen, wie das Kapi­tal zum Ori­en­tie­rungs­prin­zip, sowohl für den chi­ne­si­schen Staat, als auch für die chi­ne­si­sche Öko­no­mie, gewor­den ist, müs­sen wir etwas tie­fer gra­ben.

Ökonomie, Arbeit, soziale Reproduktion

Wenn wir eine radi­ka­le Kri­tik des Kapi­tals vor­schla­gen, könn­ten wir es wie Marx tun und mit der Ware anfan­gen. Eine Ware ist ein Ding, das nütz­lich für jeman­den ist1 und einen Tausch­wert ent­hält. Im kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­sys­tem domi­niert der Tausch­wert. Das heißt, dass der Pro­fit und nicht die Nütz­lich­keit eines Pro­dukts, die Waren­pro­duk­ti­on bestimmt. Marx beginnt Das Kapi­tal mit der Ana­ly­se der Waren­form, weil er glaub­te, dass es uns so mög­lich wäre, das kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem in sei­ner Gesamt­heit zu ergrün­den.

Wenn wir das heu­ti­ge Chi­na betrach­ten, steht außer Fra­ge, dass die Waren­pro­duk­ti­on uni­ver­sa­li­siert wur­de. Das zeigt sich vor allem in den in Chi­na zen­trier­ten trans­na­tio­na­len Lie­fer­ket­ten, in wel­chen chi­ne­si­sche Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen in Fabri­ken aus­ge­beu­tet wer­den. Die Pro­duk­ti­on von Han­dys, Autos, medi­zi­ni­scher Aus­rüs­tung, Stof­fen und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den hat Fir­men in Chi­na wie im Aus­land, reich gemacht und gleich­zei­tig einen noch nie dage­we­se­nen Export-Boom erzeugt. Chi­ne­si­sche Tech-Gigan­ten wie Ten­cent, Ali­b­a­ba, Bai­du und Byte­Dance, unter­schei­den sich zwar von den Kon­zer­nen im Sil­li­con Val­ley in eini­gen wich­ti­gen Punk­ten, aber alle­samt arbei­ten sie dar­an Tech­no­lo­gie zu pro­du­zie­ren, die vor allem dazu die­nen soll, Infor­ma­tio­nen zu kom­mo­di­fi­zie­ren2. In ähn­li­cher Wei­se deu­ten wie­der­keh­ren­de Immo­bi­li­en­bla­sen und äußerst pro­fi­ta­ble Bau­un­ter­neh­men dar­auf hin, dass Wohn­raum als Reak­ti­on auf die sich bie­ten­den Markt­chan­cen pro­du­ziert wird. In einer Viel­zahl von Sek­to­ren ist klar, dass die Pro­duk­ti­on in ers­ter Linie auf die Erzie­lung von Gewinn und nicht auf die Befrie­di­gung mensch­li­cher Bedürf­nis­se aus­ge­rich­tet ist.

Wäh­rend eine Ana­ly­se der Waren­pro­duk­ti­on auf­schluss­reich ist, ist es poli­tisch wir­kungs­vol­ler das The­ma aus der ande­ren Rich­tung anzu­ge­hen: Anstatt zu fra­gen, was das Kapi­tal ver­langt, um sei­ne eige­ne kon­ti­nu­ier­li­che Expan­si­on zu gewähr­leis­ten, soll­ten wir uns fra­gen, wie die Men­schen über­le­ben. Wie also sichert das chi­ne­si­sche Pro­le­ta­ri­at – eine Grup­pe von Men­schen, deren ein­zi­ges pro­duk­ti­ves Eigen­tum ihre eige­ne Arbeits­kraft ist – sei­ne eige­ne sozia­le Repro­duk­ti­on? Die Ant­wort ist, wie in jeder ande­ren kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft auch. Pro­le­ta­ri­er müs­sen einen Weg fin­den, sich an das Kapi­tal zu bin­den, wenn sie leben wol­len. Grund­be­dürf­nis­se wie Nah­rung, Woh­nung, Bil­dung, Gesund­heits­ver­sor­gung, Mobi­li­tät und Zeit für Frei­zeit und Gesel­lig­keit sind nicht selbst­ver­ständ­lich garan­tiert. Viel­mehr kann die über­wie­gen­de Mehr­heit der Men­schen in Chi­na sol­che Din­ge nur sichern, wenn sie sich für das Kapi­tal nütz­lich machen kön­nen.

Die chi­ne­si­sche Gesell­schaft ist natür­lich sehr hete­ro­gen, durch­zo­gen von sozio­öko­no­mi­scher Spal­tung und der damit ein­her­ge­hen­den Viel­falt an Sub­sis­tenz­stra­te­gien. Die demo­gra­phisch und poli­tisch rele­van­tes­te Kate­go­rie zur Ver­deut­li­chung des vor­lie­gen­den Argu­ments, ist die der Wan­der­ar­bei­ter. Mit fast drei­hun­dert Mil­lio­nen Men­schen die außer­halb des Ortes ihrer offi­zi­el­len Haus­halts­re­gis­trie­rung (Huk­ou) leben, han­delt es sich hier um eine gigan­ti­sche Arbeits­kraft und um das Rück­grat der indus­tri­el­len Trans­for­ma­ti­on Chi­nas. Sobald ein Wan­der­ar­bei­ter sei­nen Ort der Huk­ou-Regis­trie­rung ver­lässt, ver­zich­tet er auf jedes Recht auf staat­lich sub­ven­tio­nier­te Repro­duk­ti­on, wodurch er inner­halb sei­nes eige­nen Lan­des zu einem Bür­ger zwei­ter Klas­se wird. Es liegt viel­leicht auf der Hand, dass der ein­zi­ge Grund, aus dem Hun­der­te von Mil­lio­nen Men­schen die­se Wahl tref­fen wür­den, dar­in besteht, dass sie in den ver­arm­ten länd­li­chen Gebie­ten aus denen sie stam­men, nicht über­le­ben kön­nen. Sie wer­den von den Zwän­gen des Mark­tes dazu gezwun­gen, in den städ­ti­schen Zen­tren Arbeit zu suchen.

Die kapi­ta­lis­ti­schen Arbeits­be­zie­hun­gen waren poli­tisch umstrit­ten, als sie in Chi­na in den spä­ten 1970er Jah­ren zum ers­ten Mal auf­tra­ten, da vie­le in der KPCh immer noch das mao­is­ti­sche Sys­tem der lebens­lan­gen Beschäf­ti­gung der “Eiser­nen Reis­schüs­sel” unter­stütz­ten. Aber in den 1990er Jah­ren war die­se Debat­te been­det wor­den, was am deut­lichs­ten durch das Arbeits­ge­setz von 1994 signa­li­siert wur­de, das einen gesetz­li­chen Rah­men für Lohn­ar­beit schuf. Anstatt einen hoch­gra­dig regu­lier­ten Arbeits­markt in sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Form ein­zu­füh­ren (wie es der Wunsch vie­ler Refor­mer war), wur­de die Arbeit zwar zur Ware gemacht, ist aber nach wie vor stark infor­mell. Sogar nach der Umset­zung des Arbeits­ver­trags­ge­set­zes von 2008, das sich spe­zi­ell auf die Erhö­hung der Ver­brei­tung lega­ler Arbeits­ver­trä­ge kon­zen­trier­te, ging die Zahl der Wan­der­ar­bei­ter mit Arbeits­ver­trä­gen im Lau­fe der frü­hen 2010er Jah­re zurück, so dass ab 2016 nur noch 35,1 Pro­zent davon abge­si­chert waren.

Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter ohne Ver­trag genie­ßen kei­nen Rechts­schutz, was es äußerst schwie­rig macht gegen Arbeits­rechts­ver­let­zun­gen vor­zu­ge­hen. Dar­über hin­aus ist die Sozi­al­ver­si­che­rung – ein­schließ­lich Kran­ken­ver­si­che­rung, Ren­ten, Arbeits­un­fall­ver­si­che­rung, Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung und “Gebur­ten­ver­si­che­rung” – vom Arbeit­ge­ber abhän­gig. Die Ver­drän­gung in die infor­mel­le Arbeits­welt führt zu ande­ren For­men der Aus­gren­zung und Markt­ab­hän­gig­keit für Men­schen, die außer­halb ihres Mel­de­ge­biets leben. Wenn zum Bei­spiel ein Nicht-Ein­hei­mi­scher sein Kind in der Stadt an einer öffent­li­chen Schu­le anmel­den will, ist die ers­te Vor­aus­set­zung die Vor­la­ge eines loka­len Arbeits­ver­trags – allein die­se Bestim­mung schließt eine gro­ße Mehr­heit der Migran­ten von öffent­li­chen Schu­len aus. Obwohl die Mecha­nis­men zur Ver­tei­lung nomi­nell öffent­li­cher Güter wie Bil­dung, von Stadt zu Stadt sehr unter­schied­lich sind, ist die all­ge­mei­ne Logik, die­je­ni­gen zu begüns­ti­gen, die der Staat als nütz­lich für die Auf­wer­tung der loka­len Wirt­schaft erach­tet. Vie­le Groß­städ­te haben “punkt­ba­sier­te” Plä­ne, in denen Bewer­ber Punk­te auf der Grund­la­ge einer Rei­he von arbeits­markt­ori­en­tier­ten Mess­grö­ßen (z.B. höchs­te Bil­dungs­stu­fe, Qua­li­fi­ka­ti­ons­zer­ti­fi­ka­te, Aus­zeich­nun­gen für “vor­bild­li­che Arbeit­neh­mer”) sam­meln müs­sen, um Zugang zu öffent­li­chen Dienst­leis­tun­gen zu erhal­ten. Alle ande­ren wer­den den Lau­nen des Mark­tes über­las­sen.

Die Situa­ti­on für städ­ti­sche Pro­le­ta­ri­er die am glei­chen Ort wie ihre Huk­ou-Regis­trie­rung arbei­ten, ist etwas anders und vom mate­ri­el­len Stand­punkt aus sicher­lich bes­ser. Sie haben Zugang zu öffent­li­cher Schul­bil­dung, mög­li­cher­wei­se zu eini­gen Wohn­gel­dern, und haben viel eher einen recht­lich bin­den­den Arbeits­ver­trag. Die Sozi­al­leis­tun­gen in Chi­na sind nicht groß­zü­gig und der Anteil der Sozi­al­aus­ga­ben am BIP liegt weit unter dem OECD-Durch­schnitt, aber Stadt­be­woh­ner haben bes­se­re Chan­cen Zugang zu ihnen zu erhal­ten. Tie­fe Klas­sen- und regio­na­le Ungleich­hei­ten, sowie fis­ka­li­sche Pro­ble­me pla­gen das Sys­tem. Es steht daher außer Fra­ge, dass selbst die­se rela­tiv pri­vi­le­gier­ten Grup­pen sich für das Kapi­tal nütz­lich machen müs­sen, um für sich eine ange­mes­se­ne Gesund­heits­ver­sor­gung, men­schen­wür­di­ge Woh­nun­gen oder Sicher­heit im Ruhe­stand gewähr­leis­ten zu kön­nen. Das Dibao-Lebens­un­ter­halts­pro­gramm3 reicht nicht aus und ist auch nicht dazu gedacht, die Repro­duk­ti­on auf einem sozi­al akzep­ta­blen Niveau zu unter­stüt­zen.

Politische Macht

Chi­nas Wirt­schaft ist nicht nur kapi­ta­lis­tisch, son­dern der Staat regiert jetzt im all­ge­mei­nen Inter­es­se des Kapi­tals. Wie jedes ande­re kapi­ta­lis­ti­sche Land hat der chi­ne­si­sche Staat sei­ne eige­ne rela­ti­ve Auto­no­mie und man kann sich dar­über strei­ten, wel­cher Staat mehr Auto­no­mie hat. Aber es ist offen­sicht­lich genug, dass der Staat sei­nen Wagen an den Stern des kapi­ta­lis­ti­schen Wer­tes gehängt hat, was einen tief­grei­fen­den Wan­del in der Regie­rungs­füh­rung bewirkt hat.

Die­se kapi­tal­zen­trier­te Logik ist in der Betriebs­po­li­tik reich­lich sicht­bar. Chi­na hat in den letz­ten drei Jahr­zehn­ten eine Explo­si­on von Arbei­ter­auf­stän­den erlebt und das Land ist welt­weit füh­rend bei wil­den Streiks. Wie reagiert der Staat, wenn Arbei­ter die alt­ehr­wür­di­ge Tra­di­ti­on anwen­den, dem Kapi­tal ihre Arbeit vor­zu­ent­hal­ten? Obwohl Streiks zwangs­läu­fig alle ihren eige­nen, spe­zi­fi­schen Ver­lauf haben, inter­ve­niert die Poli­zei fast aus­schließ­lich im Namen des Bos­ses. Ein Dienst, den sie sowohl pri­va­ten inlän­di­schen als auch aus­län­di­schen und staat­li­chen Unter­neh­men erweist. Es gibt unzäh­li­ge Fäl­le, in denen die Poli­zei oder staat­lich geför­der­te Schlä­ger­trupps Nöti­gung ange­wen­det haben, um einen Streik zu bre­chen. Aber ein beson­ders pro­mi­nen­tes Bei­spiel war die gewalt­sa­me poli­zei­li­che Unter­drü­ckung des Streiks von 40.000 Arbei­tern in der in tai­wa­ne­si­schem Besitz befind­li­chen Yue Yuen-Schuh­fa­brik – die his­to­ri­sche Iro­nie der im Namen der tai­wa­ne­si­schen Kapi­ta­lis­ten ein­grei­fen­den Bereit­schafts­po­li­zei ist den Arbei­tern nicht ent­gan­gen. Wenn der Streik auf ele­gan­te Wei­se die Fra­ge stellt: “Auf wel­cher Sei­te steht ihr?” dann hat der chi­ne­si­sche Staat sei­ne Wahl deut­lich genug gemacht.

Staat­li­che Gewalt wird auch bei der Kon­trol­le von infor­mel­len Arbei­tern im städ­ti­schen öffent­li­chen Raum ein­ge­setzt. Die ver­hass­te “Cheng­gu­an4” – eine 1997 zur Durch­set­zung nicht-straf­recht­li­cher Vor­schrif­ten gebil­de­te para-poli­zei­li­che Ein­heit – hat bei unzäh­li­gen Gele­gen­hei­ten scho­ckie­ren­de Zwangs­me­tho­den ange­wandt, um Stra­ßen­händ­ler und ande­re infor­mel­le Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter von der Stra­ße zu ver­trei­ben. Regel­mä­ßi­ge Poli­zei­bru­ta­li­tät hat eine tie­fe und weit ver­brei­te­te Feind­se­lig­keit unter den infor­mel­len Arbei­tern des Lan­des her­vor­ge­ru­fen und anti-Cheng­gu­an-Unru­hen sind weit ver­brei­tet. Das viel­leicht spek­ta­ku­lärs­te und gewalt­tä­tigs­te Bei­spiel ist das der Wan­der­ar­bei­ter in Zeng­cheng, Guang­dong, die 2011 mas­sen­haft auf die Stra­ße gin­gen, als sich das Gerücht ver­brei­te­te, dass eine schwan­ge­re Frau eine Fehl­ge­burt hat­te, nach­dem sie wäh­rend einer Cheng­gu­an-Ope­ra­ti­on ange­grif­fen wor­den war. Nach tage­lan­gen, umfas­sen­den Unru­hen wur­de der Auf­stand von der Volks­be­frei­ungs­ar­mee gewalt­sam nie­der­ge­schla­gen.

Wenn wir das Kapi­tal nicht nur als eine wirt­schaft­li­che Bezie­hung betrach­ten, die auf Aus­beu­tung beruht, son­dern als eine poli­ti­sche Bezie­hung, in der die Arbeit unter­ge­ord­net ist, gibt es ande­re Mög­lich­kei­ten, in denen staat­li­ches Han­deln mit der Logik des Kapi­tals in Ein­klang steht. Gera­de als die VR Chi­na ihren kapi­ta­lis­ti­schen Über­gang ein­lei­te­te, beschloss Deng Xiao­ping 1982, das Streik­recht aus der Ver­fas­sung zu strei­chen. Gepaart mit die­ser Ein­schrän­kung der Arbeits­rech­te war ein stän­di­ges Ver­bot der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter. Die ein­zi­ge lega­le Gewerk­schaft ist der Gesamt­chi­ne­si­sche Gewerk­schafts­bund, eine Orga­ni­sa­ti­on, die expli­zit der KPCh und impli­zit dem Kapi­tal am Arbeits­platz unter­ge­ord­net ist. Es ist gän­gi­ge Pra­xis, dass Per­so­nal­chefs in einem Unter­neh­men zum Gewerk­schafts­vor­sit­zen­den auf Unter­neh­mens­ebe­ne ernannt wer­den, ohne dass es auch nur ein Fei­gen­blatt der demo­kra­ti­schen Betei­li­gung der Beschäf­tig­ten gibt. Es ver­steht sich von selbst, dass die Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter die­se Gewerk­schaf­ten nicht als eine sinn­vol­le Ver­tre­tung ihrer Inter­es­sen anse­hen. Die Bemü­hun­gen zum Auf­bau auto­no­mer Orga­ni­sa­tio­nen sind mit har­ter Repres­si­on beant­wor­tet wor­den.

Die poli­ti­sche Unter­wer­fung des Pro­le­ta­ri­ats erstreckt sich eben­falls auf die for­ma­len staat­li­chen Struk­tu­ren. Wie alle Bür­ger haben auch die Arbei­ter nicht das Recht, sich in der Zivil­ge­sell­schaft selbst zu orga­ni­sie­ren, poli­ti­sche Par­tei­en zu grün­den oder irgend­ei­ne Art von poli­ti­scher Dele­ga­ti­on aus­zu­üben. Sie sind so völ­lig vom guten Wil­len der KPCh abhän­gig, sie zu ver­tre­ten. Die Par­tei erhebt nicht mehr den Anspruch, die Inter­es­sen der Arbei­ter und Bau­ern gegen­über ihren Klas­sen­fein­den zu ver­tre­ten – seit der Auf­nah­me von Kapi­ta­lis­ten in die Par­tei und der För­de­rung des Kon­zepts der “Drei­fach Ver­tre­tung” unter Jiang Zemin haben sie sich zum Ziel gesetzt, die “grund­le­gen­den Inter­es­sen der über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit des chi­ne­si­schen Vol­kes” zu ver­tre­ten. In Kom­bi­na­ti­on mit dem effek­ti­ven Ver­bot des Staa­tes, Klas­sen­ant­ago­nis­mus anzu­er­ken­nen, ist klar, dass die sozia­le Basis der Ein­par­tei­en­herr­schaft eine tief­grei­fen­de Kon­ter­re­vo­lu­ti­on durch­lau­fen hat.

Schon eine ober­fläch­li­che Bewer­tung der sozia­len Zusam­men­set­zung der Zen­tral­re­gie­rung zeigt, dass das Kapi­tal nicht nur einen guten Zugang zur Staats­macht hat, son­dern grund­sätz­lich untrenn­bar mit der Staats­macht ver­bun­den ist. Die Zahl der Ver­tre­ter der “Fron­tar­bei­ter” im Natio­na­len Volks­kon­gress (NVK) sank wäh­rend der Sit­zungs­pe­ri­ode 2003–8 auf 2,89 Pro­zent, ein dra­ma­ti­scher Rück­gang gegen­über den 1970er Jah­ren. Eine erstaun­li­che Kon­zen­tra­ti­on von Plu­to­kra­ten im Natio­na­len Volks­kon­gress und in der Poli­ti­schen Kon­sul­ta­tiv­kon­fe­renz des chi­ne­si­schen Vol­kes (PKKCV) ist der bes­te Beweis für die For­ma­li­sie­rung der poli­ti­schen Macht des Kapi­tals: 2018 ver­füg­ten die reichs­ten 153 Mit­glie­der die­ser bei­den zen­tra­len Regie­rungs­or­ga­ne5 zusam­men über ein geschätz­tes Ver­mö­gen von 650 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Die Legis­la­ti­ve hat ver­sucht, Men­schen ein­zu­be­zie­hen, die ihre Mil­li­ar­den im pri­va­ten Sek­tor ver­dient haben, wie Pony Ma, Chef des Inter­net-Gigan­ten Ten­cent. Aber die Umwand­lung von wirt­schaft­li­cher zu poli­ti­scher Macht funk­tio­niert auch in die ande­re Rich­tung: Die Fami­lie von Wen Jia­bao (dem ehe­ma­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter) nutz­te ihre poli­ti­schen Ver­bin­dun­gen, um per­sön­li­ches Ver­mö­gen in Höhe von schät­zungs­wei­se 2,7 Mil­li­ar­den US-Dol­lar auf­zu­bau­en. In der VR Chi­na des 21. Jahr­hun­derts ver­leiht Kapi­tal poli­ti­sche Macht, so wie poli­ti­sche Macht Kapi­tal lie­fert.

Die Behaup­tung der Regie­rungs­par­tei, Chi­na sei sozia­lis­tisch6, wird von der Rea­li­tät ein­fach nicht bestä­tigt. Es gibt jedoch eini­ge weni­ge Merk­ma­le der Wirt­schaft, die sich von einem moda­len kapi­ta­lis­ti­schen Land im Jahr 2020 stark unter­schei­den und daher etwas mehr Auf­merk­sam­keit ver­die­nen.

Staatliches Eingreifen in die Wirtschaft

Es besteht kein Zwei­fel, dass die staat­li­chen Ein­grif­fe Chi­nas in die Wirt­schaft umfang­rei­cher sind als in den meis­ten kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern. Aber wenn wir uns mit dem Kapi­ta­lis­mus im All­ge­mei­nen und nicht mit sei­ner rela­tiv neu­en neo­li­be­ra­len Form befas­sen, erscheint Chi­na nicht ganz so außer­ge­wöhn­lich. Chi­ne­si­sche Staats­un­ter­neh­men tra­gen 23–28 Pro­zent zum BIP bei – ein für die heu­ti­ge Welt unbe­streit­bar hoher Anteil. Aber Diri­gis­mus ist für den Kapi­ta­lis­mus nichts Neu­es. Er tritt nicht nur in sei­nem Hei­mat­land Frank­reich auf, son­dern auch in einer Viel­zahl faschis­ti­scher Län­der, in Indi­en nach der Unab­hän­gig­keit und sogar in dem von der Kuomintang (KMT) kon­trol­lier­ten Tai­wan, wo Staats­un­ter­neh­men noch in den 1980er Jah­ren fast ein Vier­tel des BIP des Lan­des erwirt­schaf­te­ten. Staat­li­che Inter­ven­tio­nen, die auf die Stei­ge­rung von Effi­zi­enz, Ren­ta­bi­li­tät und Vor­her­sag­bar­keit aus­ge­rich­tet sind, ste­hen nicht im Gegen­satz zum Kapi­ta­lis­mus, son­dern sind eine not­wen­di­ge Kom­po­nen­te.

Um noch ein­mal auf die Per­spek­ti­ve der Arbei­ter zurück­zu­kom­men, wer­den wir sehen, dass der Unter­schied zwi­schen staat­li­chem und pri­va­tem Kapi­tal mini­mal ist. Dut­zen­de Mil­lio­nen Beschäf­tig­te des staat­li­chen Sek­tors wur­den in den 1990er und frü­hen 2000er Jah­ren im Rah­men der staat­li­chen Kam­pa­gne zur “Zer­schla­gung der Eiser­nen Reis­schüs­sel” ent­las­sen. In einen Arbeits­markt gewor­fen, auf den sie völ­lig unvor­be­rei­tet waren, lös­te die­se Pri­va­ti­sie­rungs­kam­pa­gne Sub­sis­tenz­kri­sen und mas­si­ven Wider­stand unter den ehe­ma­li­gen Her­ren der Nati­on aus.

Nach die­ser Wel­le der Kür­zun­gen, des Dieb­stahls von Ren­ten und ande­ren öffent­li­chen Gütern waren die ver­blei­ben­den staat­li­chen Unter­neh­men “har­ten Bud­gets” und den Kräf­ten des Mark­tes unter­wor­fen, auch in ihrer Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on. Wie der Sozio­lo­ge Joel Andre­as aus­führ­lich doku­men­tiert hat, wur­den die zuge­ge­be­ner­ma­ßen unvoll­kom­me­nen Expe­ri­men­te mit der Arbeits­platz­de­mo­kra­tie in der Mao-Ära, durch die Kom­mer­zia­li­sie­rung aus­ge­höhlt, und die Arbei­ter staat­li­cher Unter­neh­men sind jetzt dem Manage­ment genau­so unter­ge­ord­net wie in einem ent­spre­chen­den Pri­vat­un­ter­neh­men. Die­se Fir­men sind in kei­ner Wei­se „öffent­li­ches“ Eigen­tum – sie gehö­ren einem nicht rechen­schafts­pflich­ti­gen Staat und wer­den von ihm kon­trol­liert.

In der Boden­fra­ge ist es ähn­lich. Tat­säch­lich befin­det sich das gesam­te städ­ti­sche Land im Besitz des Staa­tes, wäh­rend sich das gesam­te länd­li­che Boden in kol­lek­ti­vem Besitz der loka­len Bevöl­ke­rung befin­det. Doch wie eine Viel­zahl von Unter­su­chun­gen gezeigt hat, hat die Tren­nung von Nut­zungs- und Eigen­tums­rech­ten zu einer unver­kenn­bar kapi­ta­lis­ti­schen Nut­zung der Boden­flä­che geführt. In den Städ­ten hat dies zu einem his­to­risch bei­spiel­lo­sen Boom im Bau von ver­markt­ba­rem Wohn­raum geführt, der sich, wie bereits erwähnt, voll­stän­dig an Markt­be­dürf­nis­sen ori­en­tiert. Die Stadt­re­gie­run­gen sind in hohem Maße steu­er­lich von den Gewin­nen aus Grund­stücks­auk­tio­nen abhän­gig, was zu einer engen Abstim­mung ihrer Inter­es­sen mit denen der Bau­trä­ger führt.

Länd­li­che Huk­ou-Besit­zer haben ein Anrecht auf ein Stück Land, obwohl es – wie die mas­si­ve Land-Stadt-Wan­de­rung ver­mu­ten lässt – sel­ten genug oder von aus­rei­chen­der Qua­li­tät ist, um die sozia­le Repro­duk­ti­on auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Aus­deh­nung der Stadt nach außen hat zu einer mas­si­ven Ent­eig­nung der Bau­ern geführt. Wie die Arbei­ter in staat­li­chen Unter­neh­men sind die Bau­ern kaum in der Lage, Auf­sicht oder Kon­trol­le über ihr (nomi­nell) kol­lek­ti­ves Land aus­zu­üben. Die Dorf­vor­ste­her spre­chen im Namen des Kol­lek­tivs. Die Fol­ge sind end­lo­se Zyklen der Land­ent­eig­nung, in denen die Bau­ern in der Regel einen Bruch­teil des Markt­wer­tes ihres Lan­des erhal­ten, wäh­rend die Kader und Bau­trä­ger kas­sie­ren. Und schließ­lich hat die Land­wirt­schaft in Chi­na für die Men­schen, die länd­li­che Boden­flä­chen erhal­ten, einen tief­grei­fen­den kapi­ta­lis­ti­schen Wan­del durch­ge­macht, wobei die Land­nut­zungs­rech­te durch die Agrar­in­dus­trie gesi­chert wer­den, wäh­rend ver­schie­de­ne Inputs eben­falls zu Waren gemacht wer­den. Dass Land for­mell Kol­lek­tiv­be­sitz ist, hat die­sen Pro­zess kaum behin­dert.

Die Logik der kapi­ta­lis­ti­schen Wert­pro­duk­ti­on hat sich in Wirt­schaft und Staat ein­ge­schmug­gelt und Chi­nas Sozi­al­struk­tur dra­ma­tisch umge­stal­tet. Aber die Klas­sen­be­zie­hun­gen des heu­ti­gen Chi­na zu ver­ste­hen, ist nur ein ers­ter Schritt. Eine umfas­sen­de­re Bewer­tung der kom­ple­xen Ko-Kon­sti­tu­ti­on von Klas­se und ande­ren For­men der sozia­len Hier­ar­chie auf der Grund­la­ge von Eth­nie, Geschlecht, Geo­gra­phie und Staats­bür­ger­schaft ist not­wen­dig, um eine poli­ti­sche Ant­wort zu for­mu­lie­ren, die dem gegen­wär­ti­gen Moment einer tief­grei­fen­den Kri­se ange­mes­sen ist. Eine gan­ze Rei­he drän­gen­der prak­ti­scher Fra­gen kann nicht allein auf der Grund­la­ge einer Klas­sen­ana­ly­se gelöst wer­den, ganz zu schwei­gen von den vor­herr­schen­den libe­ra­len oder eth­no-natio­na­lis­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen: Wie soll­ten wir die Bemü­hun­gen des chi­ne­si­schen Staa­tes inter­pre­tie­ren, den sozia­len Wider­stand in Hong­kong poli­tisch zu dros­seln, sei­ne Ver­spre­chen, Tai­wan zu annek­tie­ren, und die Kolo­ni­al­pro­jek­te der Han-Sied­ler in Xin­jiang und Tibet? Ist das enor­me Wachs­tum der welt­wei­ten Inves­ti­tio­nen im Rah­men der “Belt-and-Road-Initia­ti­ve” ein Hin­weis auf ein auf­stre­ben­des kapi­ta­lis­ti­sches Impe­ri­um? Was ist eine rich­ti­ge radi­ka­le, anti-natio­na­lis­ti­sche und anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Ant­wort auf den sich ver­schär­fen­den Kon­flikt zwi­schen den USA und Chi­na?

Dies sind eini­ge der drin­gends­ten Fra­gen, mit denen die Lin­ke heu­te kon­fron­tiert ist und es gibt kei­ne ein­fa­chen Ant­wor­ten. Aber soviel steht fest: Die fal­schen Ver­spre­chen des chi­ne­si­schen Staa­tes, die Welt im Allein­gang in eine sozia­lis­ti­sche Zukunft zu füh­ren, müs­sen von Anti­ka­pi­ta­lis­ten voll und ganz abge­lehnt wer­den. Marx’ Wor­te aus Die deut­sche Ideo­lo­gie klin­gen auch heu­te noch wahr: “Der Kom­mu­nis­mus ist für uns nicht ein Zustand, der her­ge­stellt wer­den soll, ein Ide­al, wonach die Wirk­lich­keit sich zu rich­ten haben [wird]. Wir nen­nen Kom­mu­nis­mus die wirk­li­che Bewe­gung, wel­che den jet­zi­gen Zustand auf­hebt”. So tröst­lich es auch wäre, dar­auf zu ver­trau­en, dass eine auf­stre­ben­de Super­macht die Welt – die wir uns wün­schen – auf­bau­en wird, es ist eine Illu­si­on. Wir müs­sen sie selbst auf­bau­en.


1Das allei­ne wäre der Gebrauchs­wert.

2Kom­mo­di­fi­zie­rung beschreibt den Pro­zess der Inwert­set­zung, bzw. das Zur-Ware-Wer­den einer Sache.

3Eine Art Grund­ein­kom­men, das eine Min­destab­si­che­rung von Men­schen gewähr­leis­ten soll.

4„eine Hilfs­po­li­zei, die für den Voll­zug des städ­ti­schen Ver­wal­tungs- und […]Ord­nungs­rechts zustän­dig ist“ so Human Rights Watch.

5Bei­de zusam­men haben fast 5200 Mit­glie­der. In der PKKCV sind KPCh-Mit­glie­der eine Min­der­heit. In der KPCh sind eben­falls (Super-)Reiche Mit­glie­der, ob sie aber tat­säch­lich poli­ti­sche Macht haben, ist höchst umstrit­ten.

6Tat­säch­lich sagt sie das nicht. Es wird offen kom­mu­ni­ziert, dass es sich bei Chi­na um eine “sozia­lis­ti­sche Markt­wirt­schaft” han­delt. D.h. Markt­wirt­schaft mit staat­li­cher Pla­nung und Kon­trol­le in wesent­li­chen Aspek­ten und ein­fluss­rei­chen, wenn auch immer weni­ger wer­den­den, Staats­be­trie­ben, die durch bestimm­te Gesetz­ge­bun­gen enor­me Macht haben. Laut Ver­tre­tern die­ses Weges, ist die Gesetz­ge­bung so gestal­tet, dass der Staat über Umwe­ge, auch im Pri­vat­sek­tor, die wesent­li­che Kon­trol­le behält. Somit sol­len sich staat­li­che Pla­nung mit der Fle­xi­bi­li­tät der Markt­wirt­schaft. Eine umfas­sen­de Dar­stel­lung der Posi­ti­on für den chi­ne­si­schen Weg lie­fert das Buch Theo­rie, Sys­tem & Pra­xis des Sozia­lis­mus in Chi­na, Mar­cel Kunz­mann, Rotes Ber­lin.

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