[perspektive:] Aktivist:innen nutzen Gesichtserkennung gegen Polizei

Dank technologischer Fortschritte kommen immer mehr Aktivist:innen in die Lage, selbst Gesichterkennungssoftware zu entwickeln und sie gegen Polizist:innen anzuwenden.

In vie­len Län­dern der Welt – auch in Deutsch­land – ist es bereits Gang und Gebe, dass die Poli­zei Gesichts­er­ken­nungs­soft­ware nutzt, um ver­meint­li­che Straftäter:innen auf Demons­tra­tio­nen zu iden­ti­fi­zie­ren und fest­zu­neh­men.

Weil die dafür not­wen­di­ge Soft­ware aber immer ein­fa­cher erhält­lich ist und sich wei­ter ent­wi­ckelt, kom­men über­all auf der Welt auch Aktivist:innen in die Lage, den Spieß um zudre­hen und selbst Gesichts­er­ken­nungs-Tools zu nut­zen. Ziel ist es dabei in der Regel, Polizist:innen im Ein­satz die ver­meint­li­che Sicher­heit ihrer Anony­mi­tät zu neh­men und so hand­lungs­fä­hi­ger im Kampf gegen Poli­zei­ge­walt zu wer­den.

Wäh­rend der vie­ler­orts in den USA hoch­ko­chen­den Mas­sen­pro­tes­ten gegen ras­sis­ti­sche Poli­zei­ge­walt in die­sem Jahr, haben die Poli­zei­be­hör­den vie­ler Städ­te ihre Beschäf­tig­ten auf­ge­for­dert, ihre Namens­schil­der zu über­kle­ben.

Chris­to­pher How­ell hat als pri­va­tes Pro­jekt ein Pro­gramm ent­wi­ckelt, um Polizist:innen im Ein­satz zu iden­ti­fi­zie­ren. Er nutzt dafür KI-Soft­ware von Goog­le und sam­melt Quell­ma­te­ri­al aus Zei­tungs­ar­ti­keln und den Sozia­len Medi­en. Sein Com­pu­ter­pro­gramm gleicht dann die Bil­der von Pro­tes­ten mit den öffent­lich zugäng­li­chen Quel­len ab.

Ins­be­son­de­re Face­book sei eine sehr gute Quel­le sag­te How­ell der New York Times. Er habe bereits einem Freund hel­fen kön­nen, einen Poli­zis­ten zu iden­ti­fi­zie­ren – jedoch ist das Pro­gamm noch nicht fer­tig ent­wi­ckelt.

Es sind nicht die ers­ten Ver­su­che in den USA Polizist:innen die ver­meint­li­che Sicher­heit der Anony­mi­tät zu ent­zie­hen. Bis­her jedoch muss­ten sich Aktivist:innen auf die Betei­li­gung der Öffent­lich­keit ver­las­sen.

Der Nach­rich­ten­dienst Pro­Pu­bli­ca bit­tet die Leser, in einer Rei­he von Vide­os über Poli­zei­ge­walt Poli­zei­be­am­te zu iden­ti­fi­zie­ren und 2016 star­te­te eine Anti-Über­wa­chungs­grup­pe in Chi­ca­go, das Lucy Par­sons Lab, Ope­n­O­ver­sight. Es han­delt sich um eine „öffent­lich durch­such­ba­re Daten­bank von Straf­ver­fol­gungs­be­am­ten“. Besucher:innen wer­den auf­ge­for­dert, Fotos von uni­for­mier­ten Beamt:innen hoch­zu­la­den und sie wenn mög­lich zu iden­ti­fi­zie­ren.

Nicht nur in den USA wen­den tech­nisch ver­sier­te Aktivist:innen die eige­nen Waf­fen der Poli­zei gegen sie. Colin Che­ung ent­wi­ckel­te bereits 2019 in Hong­kong ein Pro­gramm zur Iden­ti­fi­zie­rung von Polizist:innen. Er wur­de jedoch ver­haf­tet, nach dem er auf Face­book ein Video dar­über gepos­tet hat­te und gab sei­ne Arbeit auf.

In die­sem Monat ver­öf­fent­lich­te der Künst­ler Pao­lo Cirio die Gesich­ter von 4.000 fran­zö­si­schen Polizeibeamt:innen online für eine Aus­stel­lung mit dem Titel „Cap­tu­re„, die er als ers­ten Schritt zur Ent­wick­lung einer Gesichts­er­ken­nungs-App beschrieb. Er sam­mel­te die Gesich­ter aus 1.000 Fotos, die er im Inter­net gefun­den hat­te oder von Foto­gra­fen erhal­ten hat­te, die an Pro­tes­ten in Frank­reich teil­nah­men. Cirio nahm die Fotos aus dem Inter­net, nach­dem der fran­zö­si­sche Innen­mi­nis­ter mit recht­li­chen Schrit­ten gedroht hat­te. Er hof­fe aber, sie wie­der ver­öf­fent­li­chen zu kön­nen.

Cirio selbst ver­steht das Pro­jekt als künst­le­ri­sche Pro­test­form gegen Gesichts­er­ken­nung, die sei­ner Ansicht nach voll­stän­dig ver­bo­ten wer­den muss.

Der Bei­trag Aktivist:innen nut­zen Gesichts­er­ken­nung gegen Poli­zei erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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