[de.indymedia:] WIDERSTAND ORGANISIEREN! ROJAVA VERTEIDIGEN! CDU BESETZEN!

WIDERSTAND ORGANISIEREN! ROJAVA VERTEIDIGEN! CDU BESETZEN!

Am 25. Okto­ber 2019 besetz­ten 13 Internationalist*innen erfolg­reich das CDU-Wahl­kreis­bü­ro in Chem­nitz. Nun lau­fen Ermitt­lun­gen gegen alle Betei­lig­ten und die ers­ten Straf­be­feh­le erge­ben Repres­si­ons­kos­ten im fünf­stel­li­gen Bereich.

Am 9. Okto­ber star­te­te die mili­tä­ri­sche Inva­si­on der tür­ki­schen NATO-Armee und ihrer ver­bün­de­ten dschi­ha­dis­ti­schen Mili­zen gegen die Men­schen in Nord- und Ost­sy­ri­en (Roja­va). Die­ser Krieg dient kei­nes­wegs der „Grenz­si­che­rung“, son­dern fak­tisch der Ver­nich­tung der kur­di­schen Iden­ti­tät und aller im Zuge der Revo­lu­ti­on in Roja­va geschaf­fe­nen Errun­gen­schaf­ten. Auf­grund der poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und per­so­nel­len Ver­bin­dun­gen der BRD mit der kolo­ni­al­fa­schis­ti­schen Prä­si­di­al­dik­ta­tur der Tür­kei, sahen sich Internationalist*innen in Chem­nitz gezwun­gen, Pro­test zu ver­üben.

Die­ser unmensch­li­che Ver­nich­tungs­feld­zug der Tür­kei gegen die Men­schen in Kur­di­stan reiht sich ein in eine jahr­zehn­te­lan­ge Tra­di­ti­on des Geno­zids und Femi­zids an Kurd*innen, Jesid*innen, Armenier*innen und vie­len ande­ren unter­drück­ten Min­der­hei­ten in West­asi­en. Im April 2018 gelang es dem tür­ki­schen Staat mit einer Armee aus Dschi­ha­dis­ten unter Ein­satz von deut­schen Pan­zern und Kriegs­tech­nik nach drei­mo­na­ti­gen Kämp­fen mit den YPG/​YPJ die Stadt Êfrin völ­ker­rechts­wid­rig zu annek­tie­ren. Nun befin­det sich die gefal­le­ne Stadt unter Schre­ckens­herr­schaft von reli­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­ten und die AKP setzt sich zum Ziel, durch Ansied­lung von IS-Fami­li­en und ara­bi­schen Geflüch­te­ten die Demo­gra­fie der Regi­on nach­hal­tig zu ändern – und Kurd*innen von der Kar­te zu til­gen.

Als in Efrin Bom­ben fie­len, hat die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft geschwie­gen. Als die tür­ki­sche Armee und Dschi­ha­dis­ten ver­schie­dens­ter isla­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen, wie Al-Nus­ra und dem IS, 2019 in Roja­va ein­fiel, bom­bar­dier­te, exe­ku­tier­te, Che­mie­waf­fen ein­setz­te, ver­trieb, plün­der­te und ver­ge­wal­tig­te, schwie­gen die Herr­schen­den aber­mals. Hun­dert­tau­sen­de Internationalist*innen tra­gen seit­dem ihren Pro­test, ihre Wut und ihre Soli­da­ri­tät mit den Men­schen in Roja­va und einer ein­zig­ar­ti­gen Revo­lu­ti­on auf die Stra­ße.

Um gegen die krie­ge­ri­sche Zusam­men­ar­beit der Bun­des­re­gie­rung mit der Tür­kei zu pro­tes­tie­ren, besetz­ten am 25. Okto­ber 13 Internationalist*innen erfolg­reich das CDU-Wahl­kreis­bü­ro am Markt in Chem­nitz. Im Ver­lauf eines simu­lier­ten Inter­views mit der Kreis­vor­sit­zen­den gelang­ten die Aktivist*innen in das Par­tei­bü­ro. Drei der Besetzer*innen ket­te­ten sich mit Eisen­schlös­sern irre-ver­si­bel an eine Absturz­si­che­rung am Fens­ter. Aus den Fens­tern im zwei­ten Stock wur­de wäh­rend der gan­zen Beset­zung mit Passant*innen und der unter­stüt­zen­den Kund­ge­bung vor dem Haus der CDU-Geschäfts­stel­le kom­mu­ni­ziert. Wäh­rend den Ver­hand­lun­gen mit der Poli­zei und der anschlie­ßen­den Räu­mung ver­hiel­ten sich alle Besetzer*innen ent­schlos­sen und gewalt­frei. Trotz aller Ange­bo­te, Ein­schüch­te­rungs­ver­su­che, Pro­vo­ka­tio­nen und Belei­di­gun­gen von Ein­satz­lei­tung und Beamt*innen lie­ßen sich die Internationalist*innen gewalt­voll räu­men. Die Poli­zei wen­de­te bei der Räu­mung per­ma­nent Schmerz­grif­fe und rohe Gewalt an. Nach fast vier Stun­den war das CDU-Büro voll­stän­dig geräumt. Allen Besetzer*innen wur­de nach der Räu­mung ein Platz­ver­weis erteilt, eine Inter­na­tio­na­lis­tin wur­de aus insze­nier­ten Grün­den für meh­re­re Stun­den in der Haupt­wa­che gefan­gen gehal­ten.

Nach der Akti­on such­ten zwei Internationalist*innen mit Ver­let­zun­gen an Kopf, Hän­den und Rip­pen einen Not­fall­chir­ur­gen auf. Im Nach­gang der Akti­on wur­den alle 13 Besetzer*innen beschul­digt, sich straf­bar gemacht zu haben gemäß §§240, 123 StGB (Haus­frie­dens­bruch, Nöti­gung) und §§ 17, 28 Sächs­VersG (Ver­bot von Ver­mum­mung u. Schutz­waf­fen bei Ver­samm­lun­gen). Eine wei­te­re Per­son, wel­che auf der Kund­ge­bung ein Inter­view gege­ben hat, wur­de wegen Mit­tä­ter­schaft ange­klagt. Meh­re­re Aktivist*innen haben nun, zusätz­lich zu Zah­lungs­auf­for­de­run­gen, wel­che den Poli­zei­ein­satz refi­nan­zie­ren sol­len, Straf­be­feh­le erhal­ten. Gegen die gefor­der­ten Geld­stra­fen wer­den wir juris­tisch vor­ge­hen. Die Straf­zah­lun­gen betra­gen pro Per­son zwi­schen 1200€ und 2700€, auf­ge­teilt auf 60 bis 100 Tages­sät­ze. Somit befin­den sich unse­re Repres­si­ons­kos­ten bereits im fünf­stel­li­gen Bereich.

WIR WERDEN HEUTE LAUTER SEIN DENN JE!

Gera­de jetzt ist es umso wich­ti­ger, den Kampf der Befrei­ungs­be­we­gung Kur­di­stans zu unter­stüt­zen und dar­auf auf­merk­sam zu machen! Wäh­rend des Aus­bru­ches der Coro­na-Pan­de­mie began­nen sich auf der gan­zen Welt – in den USA, Chi­le, Bela­rus, Polen, Slo­we­ni­en oder Frank­reich – Men­schen gegen staat­li­che Herr­schaft, Patri­ar­chat, Unter­drü­ckung und Ras­sis­mus zu weh­ren. Die­se Men­schen kämp­fen für ein bes­se­res Leben für uns alle, die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau, einen bewuss­ten Umgang mit der Umwelt und ein selbst­ver­wal­te­tes Leben! Roja­va ver­sucht alles zu ver­ei­nen, was die­se Kämp­fe for­dern und zeigt, das ein ande­res Leben mög­lich ist.

Am Mon­tag, den 15. Juni 2020, star­te­te die Tür­kei eine erneu­te mili­tä­ri­sche Offen­si­ve gegen die Gebie­te im Nor­den und Süden des Irak (Süd­kur­di­stan). Flug­zeu­ge der tür­ki­schen Luft­waf­fe bom­bar­die­ren seit­dem zivi­le Sied­lungs­ge­bie­te in Şen­gal und Qen­dîl sowie das Geflüch­te­ten­camp Mex­mûr und eini­ge Gue­ril­la­ge­bie­te. Die Angrif­fe wur­den im Zuge einer neu­en Groß­of­fen­si­ve des isla­mis­tisch-natio­na­lis­ti­schen AKP/MHP-Regimes durch­ge­führt. Die­ser Bom­ben­an­griff ist ein erneu­ter Geno­zid und Femi­ni­zid an den dort vor­ran­gig leben­den Ezid*innen, von denen sich Vie­le 2017 aktiv an der Bekämp­fung des IS betei­lig­ten und danach flüch­ten muss­ten. Roja­va lei­det wei­ter­hin beson­ders unter den Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie, mehr als ande­re Regio­nen und Staa­ten welt­weit. Die Tür­kei griff seit Beginn der Coro­na-Kri­se bewusst medi­zi­ni­sche Ein­rich­tun­gen an. Zum Bei­spiel wur­de bei die­sem Angriff gezielt ein Kran­ken­haus im Şen­gal bom­bar­diert, um die Aus­brei­tung der Pan­de­mie und somit das Ster­ben von Men­schen zu begüns­ti­gen! Die­sem Ziel dient auch die Kon­trol­le und Sabo­ta­ge der Was­ser­zu­fuhr von der Tür­kei nach Syri­en durch die tür­ki­sche Regie­rung. Momen­tan sind Dut­zen­de Dör­fer und Städ­te in Roja­va ohne Was­ser­zu­fuhr.

Ob der tür­ki­sche Staat aus Schwä­che oder im Gegen­zug zu ander­wei­ti­gen Ver­spre­chun­gen Russ­lands in Idlib einen Schritt zurück gesetzt hat, ist wei­ter­hin unklar. Ein­deu­tig ist jedoch, dass die Tür­kei sich nach die­sem Schritt wie­der den Auto­no­mie­ge­bie­ten in Nord- und Ost­sy­ri­en zuge­wandt und am 21.10.2020 eine Angriffs­wel­le auf Ain Issa gestar­tet hat.

Wäh­rend die Ent­wick­lun­gen in Idlib gemäß des Spiel­plans der inter­na­tio­na­len Mäch­te statt­fin­den, kommt es in der Regi­on auch zu hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den ver­schie­de­nen „oppo­si­tio­nel­len Grup­pen“. Maß­geb­li­che Kraft ist wei­ter­hin der Al-Qai­da-Able­ger Hayat Tah­r­ir al-Sham (HTS), der sich seit der Waf­fen­ru­he vom 5. März 2020 reor­ga­ni­siert. Die Regi­on ist zu einer Brut­stät­te des Ter­ro­ris­mus gewor­den, der nach Liby­en, Arzach (Berg­ka­ra­bach), in den Jemen und den Irak expor­tiert wird. Zur­zeit berei­ten sich alle Sei­ten auf den unver­meid­bar bevor­ste­hen­den Krieg in Idlib vor. Der tür­ki­sche Staat setzt dar­auf, sich nach Bedarf auf Russ­land oder die USA zu stüt­zen, um die zwi­schen die­sen Mäch­ten bestehen­den Kon­flik­te und Eini­gun­gen für eine Ver­fes­ti­gung der eige­nen Prä­senz auf syri­schem Boden zu benut­zen.

Es zeich­net sich ab, dass die nächs­te Eska­la­ti­on kurz bevor steht. Im Ange­sicht der Coro­na-Pan­de­mie und dem glo­ba­len Angriff auf die Gesell­schaf­ten, im Ange­sicht der wach­sen­den Aggres­si­on des tür­ki­schen Faschis­mus in Kur­di­stan und in der gesam­ten mit­tel­öst­li­chen Regi­on heißt es, im Sin­ne einer inter­na­tio­na­len anti­fa­schis­ti­schen, anti­im­pe­ria­lis­ti­schen und anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Front, gemein­sam Hand in Hand den Wider­stand zu orga­ni­sie­ren und sich auf den nächs­ten Angriff auf Roja­va vor­zu­be­rei­ten. Der tür­ki­sche Faschis­mus wird weder in Liby­en, noch im Mit­tel­meer gestoppt wer­den, son­dern in Roja­va, in den Ber­gen Kur­di­stans und mit dem Auf­stand in den Metro­po­len wird er sein Ende fin­den. Wir sehen uns als Teil der inter­na­tio­na­len revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken in der Ver­ant­wor­tung, die basis­de­mo­kra­ti­sche, öko­lo­gi­sche Frau­en­re­vo­lu­ti­on in Roja­va zu ver­tei­di­gen. Nichts wird uns davon abbrin­gen, Sei­te an Sei­te mit den Freund*innen in Roja­va für die Revo­lu­ti­on in West­kur­di­stan und gegen den Faschis­mus zu kämp­fen.

Bei all die­sen Grau­sam­kei­ten dür­fen wir nicht ver­ges­sen, dass Deutsch­land einer der wich­tigs­ten Part­ner der Tür­kei ist und die­sen Krieg unter­stützt. Unter dem Deck­man­tel der EU wer­den mit deut­schen Waf­fen, Gel­dern und logis­ti­scher Unter­stüt­zung immer wie­der völ­ker­rechts­wid­ri­ge Angrif­fe von der Tür­kei durch­ge­führt. In den ers­ten vier Mona­ten von 2020 hat der Export von Kriegs­waf­fen im Ver­gleich zu die­sem Zeit­raum im Jahr 2019 um 40% zuge­nom­men. Die Emp­fän­ger­län­der sind mitt­ler­wei­le Ver­schluss­sa­che. 2019 war die Tür­kei das Land, wel­ches die meis­ten Kriegs- und Rüs­tungs­ex­por­te aus der BRD emp­fan­gen hat. Die­ser Umstand dürf­te sich in Anbe­tracht der neo­os­ma­ni­schen Kriegs­be­stre­bun­gen der tür­ki­schen Repu­blik nicht geän­dert haben.

Dies bedeu­tet für uns als Lin­ke in der BRD, dass wir den Ernst der Lage und unse­re Posi­ti­on in die­sem Krieg erken­nen und han­deln müs­sen. Nun ist die Zeit des glo­ba­len Wider­stan­des! Gegen Faschis­mus, Ras­sis­mus und Impe­ria­lis­mus. Die deut­sche Gesell­schaft muss sich ihrer pri­vi­le­gier­ten Stel­lung inner­halb der EU und ihrer Bedeu­tung als Part­ner der Tür­kei bewusst wer­den. Wir als Lin­ke Bewe­gung müs­sen zei­gen, was der Kampf hier in Deutsch­land bewir­ken kann und den Wider­stand orga­ni­sie­ren.

Wir rufen hier­mit alle Freund*innen dazu auf, unse­re Spen­den­kam­pa­gne zu unter­stüt­zen. Wer­det Teil der Spen­den­kam­pa­gne und sam­melt Geld bei euren Ver­an­stal­tun­gen, oder auf der Stra­ße. Kauft unse­re Soli­shirts! Wir sind drin­gend auf finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ange­wie­sen.

cdu​be​set​zen​.noblogs​.org

Berx­we­dan Jîy­an e! Wider­stand heißt Leben!

Bijî berx­we­da­ne Roja­va! Lang lebe der Wider­stand in Roja­va!

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