[perspektive:] Kolumbien: Landesweite Proteste von Arbeiter:innen, Indigenen und Studierenden trotz Corona-Lockdowns

In Kolumbien sind diese Woche tausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Iván Duque auf die Straße gegangen. Diese hatte während der Krise Geschenke für die Großkonzerne und Finanzunternehmen beschlossen und Kürzungen am Gesundheitssystem vorgenommen. Der Protest fordert Reformen und ein Ende der Morde an linken sozialen Aktivist:innen und Indigenen.

Weni­ger als ein Jahr ist es her, dass das natio­na­le Streik­ko­mi­tee und der Gewerk­schafts­bund (CUT) zum ers­ten Mal zur Nie­der­le­gung der Arbeit auf­ge­ru­fen haben. Dem aktu­el­len Auf­ruf schlos­sen sich mehr als 20 Städ­te an, und auch Stu­die­ren­de und Lehr­kräf­te nah­men an den Aktio­nen teil. Damit wider­set­zen sie sich der momen­ta­nen Auf­for­de­rung der Regie­rung, die kei­ne öffent­li­chen Ver­samm­lun­gen zulässt.
Der Prä­si­dent der CUT erklär­te, dass es um grund­le­gen­de Ver­än­de­run­gen geht, die schon letz­tes Jahr gefor­dert wur­den, nun aber noch drin­gen­der gewor­den sind. Die Strei­ken­den for­dern eine Grund­ab­si­che­rung, ein bes­se­res Gesund­heits­sys­tem, die Abschaf­fung der Stu­di­en­ge­büh­ren, mehr Rech­te für Frau­en und das Recht auf sexu­el­le Selbst­be­stim­mung sowie Arbeits­plät­ze mit bes­se­ren Arbeiter:innenrechten. 
Wäh­rend des Lock­downs, der in Kolum­bi­en nun seit sie­ben Mona­ten anhält, wur­den 164 Dekre­te durch die Regie­rung erlas­sen. Die Dekre­te sehen eine Steu­er­sen­kung für Groß­kon­zer­ne und gleich­zei­tig Kür­zun­gen im Sozi­al- und Gesund­heits­sys­tem vor. 
Die Strei­ken­den wur­den auch von rund 8.000 Ange­hö­ri­gen indi­ge­ner Grup­pen unter­stützt. Sie hat­ten sich Tage vor­her aus dem Süd­wes­ten des Lan­des auf den Weg in Rich­tung der Haupt­stadt Bogo­tá gemacht. Sie for­dern im Beson­de­ren einen Stopp der Ermor­dung ihrer Leu­te. Die indi­ge­nen Gebie­te des Lan­des wer­den durch ille­ga­le Bau­pro­jek­te von Kapi­ta­lis­ten und ihren bewaff­ne­ten Gangs extrem unter Druck gesetzt. 
Expert:innen schät­zen, dass die­se kri­mi­nel­len Ban­den jähr­lich 5.000 Men­schen ermor­den. Beson­ders trifft es außer­dem die ehe­ma­li­ge Gue­ril­la­or­ga­ni­sa­ti­on FARC. Sie hat­te 2017 ihre Waf­fen abge­ge­ben, um eine lega­le poli­ti­sche Par­tei zu wer­den. Ihre Aktivist:innen wer­den wei­ter­hin kalt­blü­tig von faschis­ti­schen Grup­pen ermor­det, wes­we­gen ein Teil der FARC wie­der zum bewaff­ne­ten Kampf über­ge­gan­gen ist.
Auch die FARC betei­lig­te sich an den Streiks und den Demons­tra­tio­nen. Die Aktio­nen am Mitt­woch blie­ben fried­lich und die Strei­ken­den kün­dig­ten neue Arbeits­nie­der­le­gun­gen an, sofern die Regie­rung wei­ter­hin die Gesprä­che ableh­ne und die Groß­kon­zer­ne begüns­ti­ge.

Der Bei­trag Kolum­bi­en: Lan­des­wei­te Pro­tes­te von Arbeiter:innen, Indi­ge­nen und Stu­die­ren­den trotz Coro­na-Lock­downs erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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