[gfp:] Transatlantische Landschaftspflege

Millionenschwere Wahlkampfspenden

Deut­sche Unter­neh­men haben sich bis Mit­te Okto­ber mit Spen­den von über fünf Mil­lio­nen US-Dol­lar in den US-Wahl­kampf ein­ge­schal­tet. Das geht aus Zah­len der offi­zi­el­len Federal Elec­tion Com­mis­si­on her­vor, die das Cen­ter for Respon­si­ve Poli­tics, eine Nicht-Regie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on mit Sitz in Washing­ton, aus­ge­wer­tet hat.[1] Ein Groß­teil der Kon­zer­ne begüns­tig­te dabei die Demo­kra­ten. Auch Sie­mens, BASF, Con­ti­nen­tal, T‑Mobile und Infi­ne­on, die 2016 noch die Repu­bli­ka­ner favo­ri­siert hat­ten, prio­ri­sier­ten die­ses Mal die Par­tei von Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Joe Biden. Nur die Alli­anz, Bay­er, Cove­stro, Merck und die US-Toch­ter von Hei­del­berg­Ce­ment, Lehigh Han­son, gaben Trumps Kan­di­da­ten den Vor­zug. Bei Cove­stro lau­te­te die Erklä­rung dafür kurz und knapp: „Die meis­ten der Cove­stro-Stand­or­te befin­den sich in Bun­des­staa­ten oder Bezir­ken, die von Repu­bli­ka­nern ver­tre­ten werden.“[2] 78 Pro­zent der Mit­tel, die der Kunst­stoff­her­stel­ler für die Kon­gress­wah­len locker­mach­te, gin­gen an Ver­tre­ter die­ser Par­tei. Noch ein­deu­ti­ger posi­tio­nier­te sich nur Lehigh Han­son mit 83 Pro­zent für die Repu­bli­ka­ner.

Doppelstrategie

Die Kon­zer­ne ver­fuh­ren dabei jedoch weit­hin zwei­glei­sig. Selbst die­je­ni­gen, die ins­ge­samt mehr Geld an die Demo­kra­ten aus­schüt­te­ten und deren Kan­di­da­ten bei den Wah­len zum House of Repre­sen­ta­ti­ves deut­lich tat­kräf­ti­ger unter­stütz­ten, schwenk­ten bei den Wah­len zum Senat kom­plett um und prä­fe­rier­ten dort – mit Aus­nah­me von Infi­ne­on – repu­bli­ka­ni­sche Poli­ti­ker. Offen­bar wol­len die Unter­neh­men im Fal­le eines Sie­ges von Joe Biden ein Durch­re­gie­ren der Demo­kra­ten ver­hin­dern und betrach­ten die zwei­te Kam­mer des US-Kon­gres­ses als poten­zi­el­les Blo­cka­d­e­in­stru­ment für Geset­zes­vor­ha­ben, die nicht in ihrem Inter­es­se lie­gen. Ins­be­son­de­re die von Biden ange­kün­dig­te Wie­der­an­he­bung der Unter­neh­mens­steu­er, die der demo­kra­ti­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat auf 28 Pro­zent zu erhö­hen beab­sich­tigt, nach­dem Trump sie zuvor von 35 auf 21 Pro­zent abge­senkt hat­te, passt den deut­schen Kon­zer­nen nicht.

Spender Nr. 1: T‑Mobile

Die größ­te Sum­me inves­tier­te mit 1,8 Mil­lio­nen US-Dol­lar T‑Mobile in den Wahl­kampf, gefolgt von Fre­se­ni­us mit einer Mil­li­on, BASF mit 737.000 und Bay­er mit 562.000 US-Dol­lar. Die Aus­ga­ben von T‑Mobile und Fre­se­ni­us leg­ten dabei gegen­über 2016 deut­lich zu. Bei­de Unter­neh­men hat­ten zuletzt in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten mil­li­ar­den­schwe­re Über­nah­men getä­tigt, für die es ein posi­ti­ves poli­ti­sches Umfeld zu schaf­fen galt. So sah sich T‑Mobile bei dem Kauf des Mobil­funk­be­trei­bers Sprint, mit dem das deut­sche Unter­neh­men zum Markt­füh­rer in den USA auf­stei­gen will, mit schwe­ren kar­tell­recht­li­chen Beden­ken bis hin zu Kla­gen ein­zel­ner Bun­des­staa­ten kon­fron­tiert. Auch Fre­se­ni­us brauch­te für die Akqui­si­ti­on des Heim­dia­ly­se­ge­rä­te­her­stel­lers NxS­ta­ge die Geneh­mi­gung der Kar­tell­be­hör­den und bekam die­se erst ver­spä­tet und nur unter der Auf­la­ge, sich von eini­gen Geschäfts­be­rei­chen zu tren­nen.

Einige halten sich zurück

Frei­lich tre­ten nicht alle bedeu­ten­den deut­schen Kon­zer­ne mit umfang­rei­chem US-Geschäft als Groß­spen­der im Wahl­kampf auf. Die Deut­sche Bank etwa spen­de­te nur mini­mal. Das Geld­haus, das Schlag­zei­len mach­te, weil es Trumps Haus­bank ist und sei­nen Unter­neh­men bereits Mil­li­ar­den­kre­di­te gewähr­te, stell­te im gesam­ten Zeit­raum ab Janu­ar 2019 nur gering­fü­gi­ge Beträ­ge zur Verfügung.[3] Die deut­schen Auto­her­stel­ler Daim­ler, VW und BMW, denen der US-Prä­si­dent mehr­mals Zoll­erhö­hun­gen ange­droht hat, wei­sen eben­falls kei­ne Zah­lun­gen an demo­kra­ti­sche oder repu­bli­ka­ni­sche Kan­di­da­ten aus.

„Im Einklang mit den politischen Zielen“

In den USA dür­fen Unter­neh­men Par­tei­en auf Bun­des­ebe­ne nicht direkt spon­sern; dies ist in dem Land nur auf loka­ler oder regio­na­ler Ebe­ne erlaubt. Dar­um grün­den die Kon­zer­ne soge­nann­te Poli­ti­sche Akti­ons­kom­mi­tees (PACs), die bei ihrem Füh­rungs­per­so­nal Spen­den ein­sam­meln. Dies wie­der­um ver­lei­tet eini­ge Fir­men dazu, die PACs als unab­hän­gi­ge Ein­rich­tun­gen dar­zu­stel­len, die angeb­lich nicht in ihrem Namen agie­ren. Ande­re geben sich offe­ner. „Das BAYERPAC unter­stützt Kan­di­da­ten, die im Ein­klang mit den poli­ti­schen Zie­len BAY­ERs ste­hen, ohne Rück­sicht auf die per­sön­li­chen poli­ti­schen Prä­fe­ren­zen der Füh­rungs­kräf­te“, erklärt bei­spiels­wei­se der Lever­ku­se­ner Chemieriese.[4] Dabei bemü­hen sich die Kon­zer­ne aber in der Regel, sich nicht aus­schließ­lich an eine Par­tei zu bin­den, weil ihr Geschäft dann all­zu stark von deren Erfolg abhin­ge. Ihre Pra­xis geht eher dahin, sol­chen Poli­ti­kern Geld zukom­men zu las­sen, die Macht­po­si­tio­nen inne­ha­ben, um sich Zugang zu den Schalt­he­beln zu verschaffen.[5]

„Kaum Auffälligkeiten“

Mit Blick auf die Wah­len regis­triert das Köl­ner Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) in einer Ana­ly­se der deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schafts­be­zie­hun­gen unter der Prä­si­dent­schaft Donald Trumps „kaum Auf­fäl­lig­kei­ten“ im Ver­gleich zu den Amts­zei­ten sei­ner Vorgänger.[6] Trotz des von Trump immer wie­der beklag­ten Han­dels­bi­lanz­de­fi­zits im bila­te­ren Waren­tausch sowie ange­droh­ter oder auch tat­säch­lich ver­häng­ter Straf­zöl­le stieg der Wert der deut­schen Expor­te in die USA zwi­schen 2016 und 2019 von 107 auf 119 Mil­li­ar­den Euro an. Die Aus­fuhr von US-Gütern in die Bun­des­re­pu­blik leg­te in die­ser Peri­ode eben­falls zu, was die Han­dels­bi­lanz aller­dings kaum beein­fluss­te: Der deut­sche Export­über­schuss schrumpf­te nur leicht von 48,5 auf 47,3 Mil­li­ar­den Euro. Stark nah­men dage­gen die deut­schen Direkt­in­ves­ti­tio­nen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu: Ihr Bestand schnell­te von 326 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2016 bis 2018 auf 361 Mil­li­ar­den Euro in die Höhe. Ob dies dem Appell Trumps an die Kon­zer­ne geschul­det war, mehr Geld in die Pro­duk­ti­on vor Ort zu ste­cken, oder ob sei­ne über­aus unter­neh­mens­freund­li­che Steu­er­re­form die Ursa­che war, ließ das IW offen.

[1] open​se​crets​.org.

[2] Olaf Gerse­mann: DAX-Kon­zer­ne las­sen Trump im Stich. welt​.de 28.08.2020.

[3] S. dazu Pro­fi­ta­ble Spen­den.

[4] bay​er​.us.

[5] Juli­an Heiß­ler: Wie deut­sche Unter­neh­men den US-Wahl­kampf spon­sern. wiwo​.de 11.05.2020.

[6] Jür­gen Mat­thes: Deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Han­dels­be­zie­hun­gen unter Donald Trump. IW-Kurz­be­richt Nr. 98. Köln, 14.10.2020.

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