[labournet:] Protest gegen Corona-Willkür in Neapel – und die mediale Hetzkampagne dagegen. Seit wann würden (irgendwo auf der Welt) Rechtsradikale gegen den Unternehmerverband demonstrieren?

Es kracht vor dem Sitz des Unternehmerverbandes in Neapel - und das machen Faschisten nicht, gegen ihre Chefs protestieren...„… Wie erwar­tet wur­de sofort eine Medi­en­kam­pa­gne ent­fes­selt gegen die­je­ni­gen, die auf die Stra­ße gin­gen. Der Rauch des Trä­nen­ga­ses hat­te sich noch nicht ver­zo­gen und die poli­ti­schen Kom­men­ta­to­ren stell­ten bereits Hypo­the­sen über die ver­schie­de­nen Rich­tun­gen der Camor­ra und der Faschis­ten auf, schlu­gen den übli­chen Fetisch der Ultras vor, die für alles Böse in der Welt schul­dig sind, und ver­ban­den die gest­ri­gen Pro­tes­te mit denen von „Kei­ne Mas­ke“, auch wenn die Bot­schaft, die auf den Platz gebracht wur­de, eine ganz ande­re war. Und ein Groß­teil der höf­li­chen Lin­ken in die­sem Land hat sich in die­se beque­me ras­sis­ti­sche und kolo­nia­le Erzäh­lung ein­ge­ku­schelt. Eine linea­re Erzäh­lung, die, ohne die Span­nun­gen, Wider­sprü­che und Instan­zen des Pro­tests von unten zu erfas­sen, bedeu­tet: Es sind schließ­lich die übli­chen Nea­po­li­ta­ner. Exor­ziert den Auf­stand. Das Pro­blem ist, dass jedes Mal, wenn es in die­sen Zei­ten ein auto­no­mes Phä­no­men eines umfas­sen­de­ren sozia­len Kon­flikts gibt, ob es sich nun um die “Bewe­gung der Mist­ga­beln” oder die der gel­ben Wes­ten han­delt, die­ses in uner­wünsch­ten, ambi­va­len­ten und wider­sprüch­li­chen For­men auf­tritt. Oft fin­den wir Men­schen auf der Stra­ße, die zumin­dest theo­re­tisch gegen­sätz­li­che Inter­es­sen haben dürf­ten, und noch häu­fi­ger wer­den die­se Gegen­sät­ze auf der Stra­ße aus­ge­tra­gen. Es ist also viel ein­fa­cher, sie als faschis­ti­sches Phä­no­men zu cha­rak­te­ri­sie­ren, nur weil Rober­to Fio­re ver­sucht, mit einem Tweet von sei­nem beque­men Ses­sel in Rom aus Teil davon zu wer­den, oder als Aktio­nen, die von der Camor­ra koor­di­niert wer­den (es ist nicht klar, mit wel­chem Ziel), als zu ver­su­chen, sie zu ver­ste­hen und an ihnen teil­zu­neh­men, um zu ihrer Ent­wick­lung bei­zu­tra­gen. Wie jemand zu Recht auf Face­book bemerk­te, ist die Main­stream-Erzäh­lung ziem­lich ähn­lich der, die wir vor eini­gen Jah­ren als Reak­ti­on auf den Not­stand bei der Müll­ent­sor­gung hat­ten: Die Ver­ant­wor­tung für die Kri­se wird auf die Bevöl­ke­rung über­tra­gen, die, besorgt um ihre eige­ne Gesund­heit, gegen die Inkom­pe­tenz und Kor­rup­ti­on von Insti­tu­tio­nen und pri­va­ten Unter­neh­men rebel­liert (sie­he Gesund­heits­we­sen), und schluss­end­lich taucht auf magi­sche Wei­se die Infil­tra­ti­on des orga­ni­sier­ten Ver­bre­chens in den Pro­tes­te auf, um sie zu dele­gi­ti­mie­ren und auf ein delin­quen­tes Phä­no­men zu redu­zie­ren. Ein bereits bekann­tes Skript, das immer dann wie­der­holt wird, wenn sich die Men­schen nicht an das Not­stand Manage­ment von oben anpas­sen...“ – aus der Erklä­rung „#Napo­li – Eine Nacht der #Revol­te gegen #Aus­nah­me­zu­stand und #Aus­gangs­sper­re“ am 24. Okto­ber 2020 bei Enough is Enough externer Link von Grup­pie­run­gen, die kei­nes­wegs Coro­na leug­nen – wohl aber das Recht der Behör­den auf Will­kür und den Wert media­ler Kapi­tal­kam­pa­gnen. Sie­he dazu auch vier wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge – sowohl zur bür­ger­li­chen Medi­en­kam­pa­gne, als auch zur Mobi­li­sie­rung gegen Regio­nal­re­gie­rung und Unter­neh­mer­ver­band:

  • „Aus­schrei­tun­gen in Nea­pel bei Pro­tes­ten gegen geplan­ten Lock­down“ am 24. Okto­ber 2020 in Spie­gel online externer Link leis­tet hier als Bei­spiel gleich zwei Auf­ga­ben zugleich: Die Zusam­men­fas­sung poli­ti­scher und media­ler Reak­ti­on in Ita­li­en – und das Wir­ken als bun­des­deut­sches Leit­me­di­um: „… Laut Rainews24 wur­de auch die Poli­zei mit Stei­nen bewor­fen. “Nea­pel ist wie­der ein Pul­ver­fass”, heißt es auf der Web­site des Nach­rich­ten­sen­ders. Die Poli­zei setz­te den Anga­ben der Ansa zufol­ge unter ande­rem Trä­nen­gas gegen die Pro­tes­tie­ren­den ein. Regio­nal­prä­si­dent De Luca ver­ur­teil­te die Aus­schrei­tun­gen scharf in einem Face­book-Pos­ting: “Eini­ge Hun­dert Delin­quen­ten haben das Bild der Stadt beschmutzt”, schrieb der Regio­nal­prä­si­dent. Es sei eine unwür­di­ge Gewaltdar­bie­tung gewe­sen und eine orga­ni­sier­te Gue­ril­la-Akti­on. Er stell­te klar, dass er kei­nen Schritt von sei­ner strik­ten Linie abrü­cken wer­de. “Es gibt kei­ne Ent­schul­di­gung für die­se Gewalt”, schrieb Ita­li­ens Außen­mi­nis­ter Lui­gi Di Maio in sei­nem Face­book-Pro­fil. Nichts von dem, was in der Nacht pas­siert sei, sei “akzep­ta­bel”. “Nie­mand darf sich erlau­ben, Frau­en und Män­ner der Ord­nungs­kräf­te anzu­grei­fen.” Er hat in sei­nem Pos­ting auch ein Video ein­ge­bet­tet, das die Aus­schrei­tun­gen zeigt…“ – mit ande­ren Wor­ten, der Herr Außen­mi­nis­ter will wei­ter am Poli­zei­staat bas­teln, ihm ist die Poli­zei ein Hei­lig­tum…
  • „Napo­li. Cari­ca­ta la mani­fes­ta­zio­ne sot­to la Con­fin­dus­tria“ am 24. Okto­ber 2020 bei Contro­pia­no externer Link ist ein Bei­trag, der knapp die Beson­der­hei­ten der sozia­len Rea­li­tät Nea­pels skiz­ziert (beson­ders gro­ßer infor­mel­ler Arbeits­be­reich etwa) – was auch eine Zusam­men­set­zung der Pro­tes­tie­ren­den aus Klein­un­ter­neh­mern und Erwerbs­lo­sen sowie Pre­kä­ren erklärt, und unter­streicht, dass die­se Situa­ti­on erfor­dert, kla­re Ori­en­tie­run­gen zu ver­tre­ten – wie es nicht zuletzt mit dem Pro­test am zwei­ten Tag vor der Unter­neh­mer­ver­band gesche­hen sei.

Der Bei­trag Pro­test gegen Coro­na-Will­kür in Nea­pel – und die media­le Hetz­kam­pa­gne dage­gen. Seit wann wür­den (irgend­wo auf der Welt) Rechts­ra­di­ka­le gegen den Unter­neh­mer­ver­band demons­trie­ren? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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