[labournet:] Während weltweit viele (auch linke) Medien darüber berichten, dass Chinas Wirtschaft wieder wächst – tun dies kaum welche über den wachsenden Druck auf Chinas Arbeiterinnen und Arbeiter

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm„… Rund zehn Mona­te nach dem offe­nen Aus­bruch der Covid-19-Pan­de­mie ver­zeich­nen die meis­ten Län­der Ost- und Süd­ost­asi­ens eine spür­ba­re bis weit­rei­chen­de Nor­ma­li­sie­rung ihres All­tags­le­bens. Japan, Süd­ko­rea, Sin­ga­pur und Volks­re­pu­blik Chi­na inklu­si­ve Hong­kong hät­ten seit Sep­tem­ber zusam­men­ge­nom­men nie mehr als 1.000 Neu­in­fek­ti­on pro Tag regis­triert, heißt es etwa in einem aktu­el­len US-Medi­en­bei­trag; ent­spre­chend könn­ten Bars und Restau­rants wie­der stark fre­quen­tiert wer­den, Kon­zer­te und Sport­ver­an­stal­tun­gen wür­den zahl­reich besucht. Dabei sei die Pan­de­mie in den vier erwähn­ten Län­dern mit ihren ins­ge­samt knapp 1,6 Mil­li­ar­den Ein­woh­nern wei­ter unter Kon­trol­le. Tat­säch­lich mel­den ein­schlä­gi­ge Sta­tis­ti­ken Infek­ti­ons­ra­ten von ledig­lich drei Per­so­nen pro 100.000 Ein­woh­ner in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen in Japan, einer Per­son von 100.000 in Süd­ko­rea und Sin­ga­pur sowie 103 Infi­zier­te ins­ge­samt in der ver­gan­ge­nen Woche in ganz Chi­na. Der jüngs­te Aus­bruch im chi­ne­si­schen Qing­dao wur­de durch den Test sämt­li­cher Ein­woh­ner der Stadt inner­halb kür­zes­ter Zeit mit Erfolg ein­ge­dämmt. In Ost- und Süd­ost­asi­en ins­ge­samt, wo gut ein Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung lebt – oft in extrem dicht besie­del­ten Gebie­ten -, ist bis­her weni­ger als ein Fünf­tel der glo­ba­len Covid-19-Todes­op­fer zu bekla­gen. Zudem erholt sich in meh­re­ren Län­dern der Regi­on die Wirt­schaft recht rasch. Chi­na etwa ver­zeich­ne­te im drit­ten Quar­tal ein Wachs­tum von 4,9 Pro­zent und kann laut jüngs­ten Schät­zun­gen sei­ner Zen­tral­bank im Gesamt­jahr mit einem Plus von 2 Pro­zent rech­nen, nach einem Absturz im ers­ten Quar­tal um 6,8 Pro­zent...“ – aus dem Bei­trag „In der zwei­ten Wel­le“ am 21. Okto­ber 2020 bei Ger­man For­eign Poli­cy externer Link – wor­aus sowohl die Unter­schie­de zu Euro­pa (Mas­sen­tests für alle in nahe­zu allen Län­dern – und Mas­ken tra­gen muss in vie­len Län­dern der Regi­on ohne­hin nicht „ver­ord­net“ wer­den) deut­lich wer­den, als auch die Leer­stel­len sol­cher Betrach­tun­gen (denn nicht nur in Chi­na wächst der Arbeits­druck). Sie­he dazu eine klei­ne Mate­ri­al­samm­lung zur aktu­el­len wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der VR Chi­na und den Aus­wir­kun­gen auf gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung – sowie die Ankün­di­gung einer Web-Ver­an­stal­tung dazu von Rosa Luxem­burg-Stif­tung und Forum Arbeits­wel­ten:

„Sto­cken­de Erho­lung“ am 03. Juni 2020 in der taz online externer Link – also zu Beginn der wirt­schaft­li­chen Erho­lung hebt her­vor: „… Wäh­rend Dienst­leis­tungs­sek­to­ren der­zeit in prak­tisch allen grö­ße­ren Volks­wirt­schaf­ten ein­bre­chen, scheint die Durst­stre­cke für die chi­ne­si­sche Ser­vice-Indus­trie nach drei Mona­ten bereits vor­bei zu sein. Mit einem Rekord­wachs­tum prescht die Bran­che im Mai nach vor­ne, das legt zumin­dest der Cai­xin Ein­kaufs­man­ger-Index nahe. Die­ser liegt für Chi­nas Dienst­leis­tungs­sek­tor bei 55, wobei jeder Wert ab 50 bereits auf Wachs­tum hin­deu­tet. Zum Ver­gleich: In Japan steht der­sel­be Index ledig­lich bei 26.5, in Indi­en sogar nur bei 12.6. Chi­na ist nicht nur die ers­te gro­ße Volks­wirt­schaft, die vom Coro­na­vi­rus getrof­fen wur­de. Das Land hat auch als ers­tes die epi­de­mio­lo­gi­schen Ein­schrän­kun­gen gelo­ckert und die Öko­no­mie wie­der hoch­ge­fah­ren. Der All­tag geht wie­der sei­nen nor­ma­len Gang: Die Schu­len im Land sind größ­ten­teils geöff­net, die Restau­rants voll, die Büros auf Nor­mal­be­trieb und der Berufs­ver­kehr läuft wie gewohnt.(…) Der Sub­in­dex für „neue Export­auf­trä­ge“ fällt sogar krass nega­tiv aus, was auf das Kern­pro­blem der chi­ne­si­schen Wirt­schaft hin­deu­tet: die schwa­che Nach­fra­ge aus dem Aus­land. Auch wenn das Land im Ver­gleich zu noch vor zehn Jah­ren deut­lich weni­ger von Aus­lands­ex­por­ten abhän­gig ist, kann der Rie­se aus Fern­ost ohne eine sta­bi­le Welt­wirt­schaft nur bedingt die Kri­se meis­tern. Ende Mai hat Chi­nas Pre­mier­mi­nis­ter Li Keqiang erst­mals in der Geschich­te des Natio­na­len Volks­kon­gres­ses kein nume­ri­sches Wachs­tums­ziel für das lau­fen­de Kalen­der­jahr aus­ge­ge­ben, son­dern visiert statt­des­sen die Sta­bi­li­sie­rung des Arbeits­mark­tes an. „Noch immer gibt es über 600 Mil­lio­nen Chi­ne­sen mit einem monat­li­chen Ein­kom­men von kaum 1.000 Yuan (125 Euro)“, sag­te Li bei sei­ner Rede. Das ehr­gei­zi­ge Ziel der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei ist es, bis Jah­res­en­de neun Mil­lio­nen Jobs zu kre­ieren – und dadurch auch die gesell­schaft­li­che Sta­bi­li­tät zu wah­ren. Zudem hat die Staats­füh­rung auch ein umge­rech­net rund 128 Mil­li­ar­den Euro gro­ßes Sti­mu­li-Paket geschnürt. Dabei wer­den vor allem Staats­fir­men aus dem Bau­sek­tor für Infra­struk­tur­pro­jek­te unter­stützt. „Wir haben der­zeit vie­le neue Pro­jek­te bekom­men und inves­tie­ren auch mehr als sonst“, sagt etwa die Mit­ar­bei­te­rin einer Pekin­ger Bau­fir­ma mit der Bit­te um Anony­mi­tät…“

„Express deli­very workers pro­test wage arre­ars as Sin­gles Day approa­ches“ am 22. Okto­ber 2020 beim Chi­na Labour Bul­le­tin externer Link ist fak­tisch ein (spä­ter, indi­rek­ter) Kom­men­tar zum oben gemel­de­ten Auf­schwung der Dienst­leis­tungs­bran­che: Dar­in wird vom Kampf der Fahr­rad-Kurie­re ver­schie­de­ner Unter­neh­men der Express-Aus­lie­fe­rung in den Tagen zuvor zusam­men­fas­send berich­tet, der mit jenem der Essens-Kurie­re (die seit Wochen immer wie­der pro­tes­tie­ren – sie­he im Labour­Net am 14. Okto­ber 2020: „Wir ernäh­ren Chi­na“: Fahr­rad-Kurie­re im Kampf um men­schen­wür­di­ge Bedin­gun­gen – wie vie­le ande­re jun­ge Men­schen aus länd­li­chen Gebie­ten in Zei­ten von Coro­na und digi­ta­ler Öko­no­mie) nicht zufäl­lig vie­le Gemein­sam­kei­ten hat: Eben auch, dass sie sich gegen die Nicht­aus­be­zah­lung von Löh­nen zur Wehr set­zen müs­sen – und es auch tun.

„Erneu­ter Zuwachs aus­wär­ti­ger Inves­ti­tio­nen in Chi­na“ am 22. Okto­ber 2020 bei CRI externer Link mel­det offi­zi­el­le Zah­len dar­über, wer – unter ande­ren – den wirt­schaft­li­chen Wie­der­auf­schwung aus­zu­nut­zen gedenkt: „… Nach Anga­ben des chi­ne­si­schen Han­dels­mi­nis­te­ri­ums sind die real ein­ge­setz­ten aus­wär­ti­gen Inves­ti­tio­nen in Chi­na im Zeit­raum Janu­ar bis Sep­tem­ber 2020 auf 103,26 Mil­li­ar­den US-Dol­lar gestie­gen. Dies ent­spricht einem Zuwachs von 2,5 Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum. Der Direk­tor der Abtei­lung für aus­wär­ti­ge Inves­ti­tio­nen des Han­dels­mi­nis­te­ri­ums Zong Chang­qing erklär­te am Don­ners­tag in Bei­jing vor der Pres­se, dass sich die Ent­wick­lungs­ten­denz aus­wär­ti­ger Inves­ti­tio­nen sta­bi­li­siert habe und im drit­ten Quar­tal eine deut­li­che Zunah­me ver­zeich­net wor­den sei. Wie Zhong Chang­qing wei­ter­hin aus­führ­te, sei­en die Struk­tu­ren für aus­wär­ti­ge Inves­ti­tio­nen im Ver­lauf der ers­ten drei Quar­ta­le opti­miert wor­den…“

„Chi­nas neu­er Nor­mal­be­trieb“ von Fabi­an Kret­schmer am 19. Okto­ber 2020 in nd online externer Link berich­tet vom Wirt­schafts­wachs­tum Chi­nas im drit­ten Quar­tal: „… Dem­entspre­chend mas­siv fiel der Wirt­schafts­ein­bruch im ers­ten Quar­tal aus: Um 6,8 Pro­zent ist das Brut­to­in­lands­pro­dukt laut offi­zi­el­len Zah­len geschrumpft, so stark wie zuletzt gegen Ende der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on in den 1970er Jah­ren. Inzwi­schen nahe­zu virus­frei konn­te das Land sei­ne Wirt­schaft wie­der hoch­fah­ren: Schu­len, Büros und Ein­kaufs­zen­tren sind seit­her wie­der voll­stän­dig in Betrieb. Die im April wie­der geöff­ne­ten Fabri­ken lit­ten zwar zunächst unter der ein­ge­bro­che­nen Nach­fra­ge aus dem Aus­land, allen vor­an aus Euro­pa. Doch sys­te­ma­tisch pass­ten sich chi­ne­si­sche Kon­zer­ne an die neue Situa­ti­on an: Tex­til­fa­bri­ken pro­du­zier­ten fort­an Gesichts­mas­ken, Dut­zen­de Betrie­be kur­bel­ten die Pro­duk­ti­on von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln oder medi­zi­ni­scher Aus­rüs­tung an. Wäh­rend die Indus­trie­pro­duk­ti­on bereits seit Mona­ten auf Nor­mal­ni­veau läuft, zog der Bin­nen­kon­sum erst im Spät­som­mer wie­der an. Das Ver­trau­en der Kon­su­men­ten kehr­te also erst all­mäh­lich zurück, nach­dem das Infek­ti­ons­ri­si­ko über einen län­ge­ren Zeit­raum gering blieb. Seit­her hat sich sogar der Tou­ris­mus eini­ger­ma­ßen erholt: Wäh­rend der Natio­nal­fei­er­ta­ge in der ers­ten Okto­ber­wo­che tätig­te die Bevöl­ke­rung laut dem Kul­tur­mi­nis­te­ri­um knapp 640 Mil­lio­nen Rei­sen und gene­rier­te einen Umsatz von umge­rech­net fast 59 Mil­li­ar­den Euro…“ – womit hier die Fra­ge offen gelas­sen wird, wel­che Maß­nah­men die Unter­neh­men sonst noch so alle ergrif­fen haben…

„Chi­na nach der Abrie­ge­lung: Neue Pro­ble­me, alte Poli­tik“ von Peter Main am 08. Juni 2020 bei den Maul­wür­fen externer Link doku­men­tiert (ursprüng­lich in Arbei­ter­In­nen­macht) hob zu Beginn des Wie­der­auf­schwungs ins­be­son­de­re zur Situa­ti­on der Land­be­völ­ke­rung her­vor: „… Ange­sichts der Dro­hun­gen von US-Prä­si­dent Trump mit einem Han­dels­krieg waren schon vor der Pan­de­mie die Aus­sich­ten auf eine Stei­ge­rung der Aus­fuh­ren als Weg zum all­ge­mei­nen BIP-Wachs­tum nicht gut. Die Stei­ge­rung des Bin­nen­kon­sums ist daher zu einem wich­ti­gen Ziel gewor­den, aber es ist eines, das ein Merk­mal der chi­ne­si­schen Gesell­schaft offen­bart, das oft über­se­hen wird: die enor­me sozia­le Ungleich­heit. Im gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Durch­schnitt liegt das Pro-Kopf-Ein­kom­men in Chi­na bei etwa 30.000 Ren­min­bi, d. h. etwa 4.000 US-Dol­lar pro Jahr, aber das ver­deckt die Tat­sa­che, dass 40 Pro­zent der Bevöl­ke­rung, 600 Mil­lio­nen Men­schen, mit weni­ger als 1.000 Reb­min­bi, d. h. etwa 130 US-Dol­lar pro Jahr, aus­kom­men müs­sen. Es ist kein Zufall, dass 40 Pro­zent der Bevöl­ke­rung auf dem Land leben. Einer­seits bedeu­tet dies, dass Geld­ein­kom­men nicht ihre ein­zi­ge Unter­halts­quel­le ist. Auf der ande­ren Sei­te macht es sie ein­deu­tig nicht zu einem effek­ti­ven Markt für hoch­wer­ti­ge Indus­trie­gü­ter, denn jemand mit 130 Dol­lar im Jahr wird sich kein neu­es Auto kau­fen. Es unter­streicht auch, wie weit die Land­be­völ­ke­rung von der Inte­gra­ti­on in die chi­ne­si­sche Markt­wirt­schaft ent­fernt ist. In sei­ner Rede auf der Schluss­sit­zung des Natio­na­len Volks­kon­gres­ses wies Pre­mier­mi­nis­ter Li Keqiang auf die Not­wen­dig­keit hin, das ver­füg­ba­re Ein­kom­men die­ses poten­ti­ell rie­si­gen Mark­tes zu erhö­hen, muss­te aber auch fest­stel­len, dass die Kleinst‑, Klein- und Mit­tel­be­trie­be, von denen man erwar­ten könn­te, dass sie ihn bedie­nen, mit zuneh­men­den Schwie­rig­kei­ten zu kämp­fen hät­ten. Die­se bezie­hen sich auf ein wei­te­res Haupt­the­ma in Lis Rede, näm­lich die Not­wen­dig­keit, sich mit der wach­sen­den Ver­schul­dung und den „untilg­ba­ren Kre­di­ten“ zu befas­sen, d. h. sol­chen, für die sich die Kre­dit­neh­me­rIn­nen nicht ein­mal die Zah­lung von Zin­sen leis­ten kön­nen…“

„Armut vs. Reich­tum in Chi­na“ von Ari­an Hyse­ni, Lara Erd­e­mir und Yas­mi­ne Cal­dara in der AGSW-Aus­ga­be vom Juni 2019 externer Link zur „Aus­gangs­si­tua­ti­on“ die­ser Pro­ble­me vor der Epi­de­mie unter ande­rem: „… In den 1970er Jah­ren war die Bevöl­ke­rung vor allem in länd­li­chen Gebie­ten wohn­haft. Dies hat sich in den letz­ten 40 Jah­ren stark ver­än­dert. Die Regie­rung för­der­te den Städ­te­bau. Bau­te sogar gan­ze Städ­te neu, damit die Ver­städ­te­rung schnel­ler vor­an­schrei­tet. Man rech­net damit, dass im Jahr 2025 schon 900 Mil­lio­nen der 1.3 Mil­li­ar­den Chi­ne­sen in der Stadt leben wer­den. Land ist in Chi­na nicht geschützt. Wenn die Regie­rung beschliesst, dass das Land gebraucht wird, wer­den die armen Bau­ern ent­eig­net. Die Ent­schä­di­gun­gen decken meist nicht den Wert des Lan­des. So bleibt den armen Men­schen oft nichts ande­res übrig, als sich in den Städ­ten Arbeit zu suchen. Vie­le zie­hen aber auch frei­wil­lig in die Städ­te, weil sie sich dort ein bes­se­res Leben mit mehr Wohl­stand, Bil­dung und bes­se­rer Arbeits­qua­li­tät erhof­fen. Meist ver­bes­sern sich die Lebens­um­stän­de durch die har­te Arbeit der Men­schen. Auch wird in den letz­ten zehn Jah­ren mehr auf den Umwelt­schutz geach­tet. So lei­den die Chi­ne­sen zwar noch unter Smog, das Was­ser ist aber sau­be­rer und nach eini­gen Lebens­mit­tel­skan­da­len, kann man sich auch mehr auf Gift­stoff­freie Lebens­mit­tel ver­las­sen. Chi­na treibt den Bau­boom so sehr an, dass es zur Ent­ste­hung von Geis­ter­städ­ten gekom­men ist. Die­se Geis­ter­städ­te wer­den in den nächs­ten Jah­ren bevöl­kert sein, wenn die Regie­rung mit ihren Plä­nen gut vor­an­kommt. (…) Das Ein­kom­men der Land­be­völ­ke­rung wuchs nur lang­sam und hält bei wei­tem nicht mit dem rasan­ten Anstieg der Löh­ne in der Stadt mit. Konn­te ein Geschäfts­mann cle­ver inves­tie­ren, war es mög­lich, dass er mit har­ter Arbeit gro­ßen Reich­tum erlan­gen konn­te. So hat sich die Sche­re zwi­schen Arm und Reich noch wei­ter geöff­net. Fabrik­ar­bei­ter ver­die­nen inzwi­schen im Durch­schnitt etwa 240 Dol­lar im Monat. Der Staat­lich fest­ge­leg­te Min­dest­lohn beträgt 110 Dol­lar im Monat. Es wird geschätzt, dass in länd­li­chen Gebie­ten ca. 20% der Bevöl­ke­rung als arm gilt. In städ­ti­schen Regio­nen ca. 25%. In den Städ­ten sind es vor allem die Wan­der­ar­bei­ter, deren Löh­ne gering aus­fal­len, da sie Recht­lich nicht gleich­ge­stellt sind…“

„Sur­vey report of work resump­ti­on con­di­ti­on during the COVID-19 out­break in Chi­na: Fewer than 30% of employees recei­ved nor­mal wage“ am 15. Juli 2020 bei Labour Action Chi­na externer Link ist ein Bei­trag über eine Feld­stu­die mit zahl­rei­chen Befra­gun­gen von Betrof­fe­nen – deren wesent­lichs­tes Ergeb­nis bereits in der Über­schrift deut­lich wird: Weni­ger als ein Drit­tel aller arbei­ten­den Men­schen in der unter­such­ten Regi­on haben wäh­rend des Lock­downs ihren nor­ma­len Lohn erhal­ten…

„Rese­arch report pha­se 3.0 of work resump­ti­on situa­ti­on in Chi­na: The post-COVID-19 labour rights issu­es in Hen­an Pro­vin­ce“ am 21.August 2020 eben­falls bei Labour Action Chi­na externer Link unter­sucht die (pro­ble­ma­ti­sche) Ent­wick­lung von Arbeits­rech­ten in der Pro­vinz Hen­an – eine Pro­ble­ma­tik, die bereits vor der Epi­de­mie bestand und wäh­rend ihrer Wir­kung wei­ter ver­schärft wor­den sei.

[Ankün­di­gung] „Arbeits­kämp­fe in Chi­na und Auf­ruhr in Hong Kong“ am 13. Novem­ber 2020 ist eine Web-Video-Ver­an­stal­tung externer Link von Rosa Luxem­burg Stif­tung und Forum Arbeits­wel­ten (alle Infor­ma­tio­nen zur Anmel­dung für die Teil­nah­me im Bei­trag), die unter ande­rem mit fol­gen­den Aus­füh­run­gen ange­kün­digt wird: „… Bis zur Mit­te die­ses Jahr­hun­derts will die herr­schen­de Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Chi­na zur stärks­ten Wirt­schafts­macht der Welt machen. Mit die­ser Ziel­rich­tung baut sie seit dem Par­tei­tag Ende 2012 ihre Posi­ti­on in Wirt­schaft und Gesell­schaft auch gegen Wider­stän­de wei­ter aus, u.a. mit ihrer Prä­senz in Betrie­ben, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten. Klei­ne Schrit­te einer eigen­stän­di­gen, par­tei­un­ab­hän­gi­gen Betei­li­gung der Bevöl­ke­rung an gro­ßen Ver­än­de­run­gen, die etwa im Umwelt­be­reich oder in den indus­tri­el­len Bezie­hun­gen in den letz­ten Jah­ren ent­wi­ckelt wor­den waren, wur­den zurück­ge­nom­men. Auch bei der Aus­tra­gung von Arbeits­kon­flik­ten wur­de die Oppo­si­ti­on unter­drückt. Dies bezeu­gen die Inhaf­tie­rung, Drang­sa­lie­rung und Ein­schüch­te­rung Hun­der­ter Aktivist*innen und Rechtsanwält*innen, die sich kri­tisch mit der Arbeits­welt aus­ein­an­der­set­zen, seit 2015. Deren inter­na­tio­na­le Kon­tak­te wur­den unter Gene­ral­ver­dacht gestellt und in der Fol­ge ein­ge­schränkt. Vie­le von ihnen wur­den erst nach mona­te­lan­ger Haft frei­ge­las­sen. Trotz wach­sen­der Repres­si­on kam es in Chi­na, wie die Streik-Sta­tis­tik von Chi­na Labour Bul­le­tin zeigt, in den Jah­ren 2015–2019 zu 9.845 Pro­test­ak­tio­nen und Streiks. Eini­ge von ihnen wur­den auch außer­halb Chi­nas auf­merk­sam ver­folgt und führ­ten zu Soli­da­ri­täts­ak­tio­nen. Zwei sehr unter­schied­li­che Bei­spie­le hier­für sind die Kämp­fe gegen Leih­ar­beit bei der VW-Nie­der­las­sung im nord­chi­ne­si­schen Chang­chun 2017–2018 und die Arbeits­kon­flik­te 2018–2019 in der Fabrik JASIC im süd­chi­ne­si­schen Shen­zhen, bei der die Arbeiter*innen eine von dem par­tei­gesteu­er­ten Gewerk­schafts­bund ACFTU unab­hän­gi­ge Gewerk­schaft for­der­ten. Eine neue Qua­li­tät der Her­aus­for­de­rung des Herr­schafts­mo­dells der KP Chi­nas, die am 1. Okto­ber 2019 spek­ta­ku­lär das 70. Jubi­lä­ums­da­tum der Grün­dung der VR Chi­na fei­ern woll­te, ent­wi­ckel­te sich ab Mit­te 2019, als es in Hong Kong zu anhal­ten­den Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen der Bevöl­ke­rung und auf­ruhr­ar­ti­gen Pro­tes­ten gegen die ver­stärk­ten Kon­troll­be­stre­bun­gen der Zen­tral­re­gie­rung über die auto­no­me Son­der­ver­wal­tungs­zo­ne kam. Die­se Kon­trol­le wur­de mit der Ver­ab­schie­dung eines Gesetz zur natio­na­len Sicher­heit in Hong Kong durch den Natio­na­len Volks­kon­gress in Bei­jing und sei­ner Inkraft­set­zung am 1. Juli 2020 wei­ter ver­schärft. Hin­zu kommt, dass die anhal­ten­de COVID-19-Pan­de­mie und die Maß­nah­men der chi­ne­si­schen Regie­rung zu Irri­ta­tio­nen und ver­hal­te­nem Wider­stand in Tei­len der Bevöl­ke­rung geführt haben. Um Fra­gen wie die­se wird es auf der Ver­an­stal­tung gehen…“

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Der Bei­trag Wäh­rend welt­weit vie­le (auch lin­ke) Medi­en dar­über berich­ten, dass Chi­nas Wirt­schaft wie­der wächst – tun dies kaum wel­che über den wach­sen­den Druck auf Chi­nas Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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