[LCM:] Vorstoß der Gesamtmetall-Bosse: Generalangriff unter dem Corona-Deckmantel

Der „Arbeit­ge­ber­ver­band“ der Metall­in­dus­trie bläst zur Offen­si­ve. Im Gespräch mit der Bild-Zei­tung prä­sen­tier­te Ste­fan Wolf, desi­gnier­ter Gesamt­me­tall-Chef, eine Wunsch­lis­te aus­ge­wähl­ter Grau­sam­kei­ten. Der Kern: Die Beschäf­tig­ten sol­len unbe­zahlt mehr arbei­ten. „Mal zwei oder auch mal vier Stun­den pro Woche“ kann er sich vor­stel­len, den Metallarbeiter*innen die­ses Lan­des abzu­knöp­fen. Die 35-Stun­den-Woche sei unzeit­ge­mäß, die Löh­ne in Deutsch­land zu hoch.

Er stößt damit in die glei­che Ker­be wie zuvor sein Vor­gän­ger Rai­ner Dul­ger. Der Mul­ti­mil­lio­när und Erbe eines Fami­li­en­un­ter­neh­mens bewein­te zuerst, dass „es nichts zu ver­tei­len gebe“, weil Coro­na es der Indus­trie eben unmög­lich mache. Von den Gewerk­schaf­ten erwar­te er eine Null­lohn­run­de – also fak­tisch schon ob der Infla­ti­on eine Real­lohn­sen­kung. Mehr noch aber sei selbst das nur „ein Signal“, denn es gehe um eine Trend­wen­de: „Wir Arbeit­ge­ber pre­di­gen seit Jah­ren, dass zu hohe Lohn­kos­ten und Lohn­ne­ben­kos­ten Kon­se­quen­zen haben.“ Auf die Fra­ge, was er Dul­ger von den Ver­hand­lungs­an­ge­bo­ten der Gewerk­schaft IG Metall hält, ant­wor­tet der Mana­ger mit der übli­chen Erpres­sungs­stra­te­gie: „Wer in die­ser Lage Arbeit noch teu­rer macht, als sie ohne­hin schon ist, ris­kiert, dass Fir­men auf Dau­er Arbeits­plät­ze ins Aus­land ver­la­gern.“

Es geht also – wie immer – um den Stand­ort Deutsch­land. Der hei­li­ge Kral für bei­de Sei­ten der „Sozi­al­part­ner­schaft“ zu des­sen Ret­tung am Ende die Beleg­schaf­ten „Zuge­ständ­nis­se“ machen müs­sen. Doch wir haben Kri­se und so ver­langt der hei­li­ge Stand­ort ganz beson­de­re Opfer.

Die (von ande­ren, nicht von den Kapi­ta­lis­ten) zu erbrin­gen­den Opfer hat der „Arbeit­ge­ber­ver­band“ der Metall­bran­che in einem Papier fest­ge­hal­ten, das den Titel „Wie­der­hoch­fah­ren und Wie­der­her­stel­lung ‑Vor­schlä­ge für die 2. und 3. Pha­se der Coro­na-Kri­se“ trägt. Es beginnt damit, dass die Pan­de­mie genutzt wer­den soll, um die ohne­hin schwa­chen Vor­ga­ben zum Kli­ma­schutz auf­zu­wei­chen: Es sei nötig, dass „auf eine wei­te­re Ver­schär­fung der Kli-maschutz­zie­le, ins­be­son­de­re durch die EU-Kom­mis­si­on ver­zich­tet wird.“

Im sel­ben Tenor geht es wei­ter, denn es soll auf sehr vie­les „ver­zich­tet“ wer­den: auf eine Ver­mö­gens­steu­er, die Erhö­hung der Erb­schafts­steu­er, die Grund­ren­te und eine Rei­he von Rege­lun­gen zum Schutz von Arbeiter*innen. Auch Leih­ar­beit und „fle­xi­ble“ Arbeits­ver­hält­nis­se will man nicht beschränkt sehen.

Das Papier ist ein Gene­ral­an­griff, denn die deut­schen Indus­trie­fürs­ten haben sich viel vor­ge­nom­men. Die Pan­de­mie soll genutzt wer­den, um Real­lohn­sen­kun­gen durch­zu­drü­cken und einen Abbau von Rech­ten der Werk­tä­ti­gen zu beschleu­ni­gen, der im Grun­de genom­men seit Jahr­zehn­ten im Gang ist.

Und so wie es aus­sieht, könn­te zumin­dest eini­ges davon Erfolg haben. Von SPD und CDU/​CSU ist selbst­re­dend nichts zu erwar­ten, aber auch die Gewerk­schaf­ten haben vie­ler­orts bereits vor der Schlacht die Waf­fen gestreckt und füh­ren nur noch Defen­siv­kämp­fe zum Arbeits­platz­er­halt. Und in den radi­ka­le­ren Tei­len der Lin­ken die­ses Lan­des scheint man der­glei­chen Atta­cken erst gar nicht für irgend­was zu hal­ten, was einen selbst betrifft.

Dabei wäre die Vor­la­ge des Klas­sen­feinds geeig­net zur Ver­ei­ni­gung vie­ler Kämp­fe, denn er rich­tet sich ja gegen ver­schie­de­ne Tei­le der Bevöl­ke­rung: Die Auf­wei­chung der Kli­ma­zie­le betrifft schlecht­hin alle, bewegt aber der­zeit die Jün­ge­ren; die For­de­rung nach noch mehr Alters­ar­mut dage­gen betrifft unmit­tel­bar die Älte­ren. Und die Wün­sche nach Lohn­kür­zun­gen betref­fen nicht nur alle Beschäf­tig­ten im Metall­sek­tor, son­dern haben gene­rell Signal­wir­kung. Die Lais­sez-Fai­re-Aus­le­gung des Gesund­heits­schut­zes ver­stärkt die Pan­de­mie. Und die Ableh­nung von Sozi­al- und Arbeits­stan­dards in den Lie­fer­ket­ten schreibt das glo­ba­le Aus­beu­tungs­mo­dell des deut­schen Impe­ria­lis­mus fest.

Die Bos­se der Metal­ler sind inso­fern ein dank­ba­rer Geg­ner. Sie sagen offen, was sie wol­len. Und es ist nicht schwer zu ver­ste­hen, dass es sich gegen die über­wie­gen­de Mehr­heit der Men­schen rich­tet. Eigent­lich eine gute Gele­gen­heit für eine Gegen­of­fen­si­ve.

# Bild­quel­le: wikimedia.commons

Der Bei­trag Vor­stoß der Gesamt­me­tall-Bos­se: Gene­ral­an­griff unter dem Coro­na-Deck­man­tel erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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