[KgK:] Geld für Lufthansa, aber nicht für Luftfilter an Schulen?

Die Infek­ti­ons­zah­len stei­gen täg­lich und die Gesell­schaft dis­ku­tiert über die nöti­gen Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie. Es wird über einen zeit­na­hen Lock­down ver­han­delt und es wer­den Hil­fen für Unter­neh­men in Mrd. Höhe bereit­ge­stellt. Die Regie­rung möch­te das sozia­le Leben wei­ter her­un­ter­fah­ren, um die Pro­duk­ti­on auf­recht­zu­er­hal­ten. Damit dies gewähr­leis­tet wer­den kann, sol­len auch die Schu­len und Kitas so lan­ge wie mög­lich geöff­net blei­ben. Der Staat ver­sucht zu ver­hin­dern, dass die Arbeits­kräf­te zu Hau­se gebun­den wer­den und nicht mehr ihrer Lohn­ar­beit nach­ge­hen kön­nen. Wir wol­len dage­gen die Ein­rich­tun­gen offen hal­ten, damit die Kin­der­be­treu­ung nicht zurück in die Kern­fa­mi­lie gedrängt wird, was in der Rea­li­tät eine zusätz­li­che Belas­tung für die Eltern, ins­be­son­de­re der Frau­en bedeu­tet.

Damit die Schu­len geöff­net blei­ben kön­nen ver­ord­nen Bund und Län­der eine Mas­ken­pflicht für Lehr­kräf­te und älte­re Schüler:innen. Zusätz­lich ist das Lüf­ten der Klas­sen­räu­me eine der wich­tigs­ten und effek­tivs­ten Maß­nah­men gegen die Ver­brei­tung von Viren im Klas­sen­zim­mer. Das Umwelt­bun­des­amt erstell­te dazu für die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz eine Hand­rei­chung zur Ver­rin­ge­rung der Infek­tio­nen durch das Lüf­ten der Räu­me. „Kern unse­rer Emp­feh­lung ist, Klas­sen­räu­me regel­mä­ßig alle 20 Minu­ten für etwa fünf Minu­ten bei weit geöff­ne­ten Fens­tern zu lüf­ten“, so UBA-Prä­si­dent Dirk Mess­ner. Kön­nen Räu­me nicht gelüf­tet wer­den, sind sie aus Sicht der Expert:innen nicht für den Unter­richt geeig­net und müs­sen geschlos­sen wer­den.

Für Heinz-Peter Mei­din­ger, Prä­si­dent des Deut­schen Leh­rer­ver­ban­des, geht das jedoch an der Rea­li­tät vie­ler Schu­len vor­bei. Er schätzt, dass in ca. 100 Tau­send Klas­sen­räu­men nicht rich­tig gelüf­tet wer­den kann. Das wür­de einen mas­si­ven Unter­richts­aus­fall und eine Rück­kehr in die Heim­ar­beit bedeu­ten.

Um in sol­chen Fäl­len den Unter­richt zu gewähr­leis­ten und das gesund­heit­li­che Risi­ko zu redu­zie­ren braucht es den Ein­satz von tech­ni­schen Lösun­gen. Das Umwelt­bun­des­amt emp­fiehlt Luft­rei­ni­gungs­fil­ter und bestä­tigt die Wirk­sam­keit bei rich­ti­ger Anwen­dung.

Wis­sen­schaft­ler der Goe­the-Uni­ver­si­tät in Frank­furt haben in einer Schu­le mobi­le Luft­fil­ter­an­la­gen mit HEPA-Fil­ter getes­tet. Die Unter­su­chung ergab, dass in einer hal­ben Stun­de 90 Pro­zent der Aero­so­le ent­fernt wer­den konn­ten. Daher sehen die For­scher kei­ne Grün­de, war­um man die Luft­rei­ni­ger nicht im Klas­sen­raum ein­set­zen soll­te.

Doch der Ein­satz sol­cher tech­ni­schen Lösun­gen stößt bis­her bei der Mehr­heit der Lan­des­re­gie­run­gen auf Ableh­nung. Aus einer aktu­el­len Umfra­ge des ARD-Maga­zins Moni­tor bei den Kul­tus­mi­nis­te­ri­en der Län­der geht her­vor, dass acht Bun­des­län­der kei­ne Anschaf­fung der Gerä­te pla­nen und es ihren Schul­trä­gern im Land auch nicht emp­feh­len wol­len.

Warum wird der Einsatz solcher Geräte blockiert?

Die Anschaf­fung eines Luft­rei­ni­gers kos­tet pro Klas­sen­zim­mer zwi­schen 1.000 und 3.000 Euro. Das ist den Bun­des­län­dern zu teu­er. Die Bil­dungs­mi­nis­te­rin aus NRW hat­te Ende August gesagt, sie hal­te viel von den Gerä­ten, aber die Anschaf­fung für alle Klas­sen­zim­mer wür­de „Unsum­men ver­schlin­gen“.

Wenn alle 100 Tau­send Klas­sen­räu­me, die nicht gelüf­tet wer­den kön­nen, mit einer Fil­ter­an­la­ge aus­ge­stat­tet wer­den, wür­de das ca. 200 Mil­lio­nen Euro kos­ten. Wür­de man alle Klas­sen­zim­mer aus­stat­ten wären es maxi­mal 1 Mil­li­ar­de Euro. Sind siche­re Schu­len das nicht Wert?

Im Ver­gleich dazu inves­tier­te der Bund allein in die Ret­tung der Luft­han­sa 9 Mil­li­ar­den Euro. Für die gesam­te deut­sche Wirt­schaft wur­de ein Sta­bi­li­sie­rungs­fonds mit 100 Mrd. Euro Kapi­tal­maß­nah­men, 400 Mrd. Euro Bürg­schaf­ten und 100 Mrd. Euro für beschlos­se­ne KfW Pro­gram­me auf­ge­legt.

Wenn wir das Rechen­spiel wei­ter­füh­ren, kom­men wir zu dem Ergeb­nis, dass mit den Gel­dern für Luft­han­sa 45 mal 100 Tau­send Klas­sen­räu­me mit dem nöti­gen Gesund­heits­schutz hät­ten aus­ge­stat­tet wer­den kön­nen.

Um die dro­hen­de Insol­venz der Luft­han­sa abzu­wen­den wur­den in der Tat Unsum­men ver­schlun­gen. Die Finan­zie­rung ist ein Frei­fahrt­schein für die Aktio­nä­re. Außer ein paar Umwelt­auf­la­gen für die Erneue­rung der Flot­te gibt es so gut wie kei­ne Bedin­gun­gen. Es wird also kei­ne demo­kra­ti­sche Kon­trol­le für eine Aus­rich­tung im Inter­es­se der Men­schen geben. Wenn die Luft­han­sa-Maschi­nen wie­der in der Luft sind, wer­den die Pro­fi­te wie­der in die Taschen der Aktio­nä­re und Mana­ger flie­ßen. Zudem kün­digt das Unter­neh­men 22.000 Ent­las­sun­gen an. Die Beschäf­tig­ten zah­len damit die dop­pel­te Rech­nung für die Ret­tung des Unter­neh­mens. Ein­mal mit ihren Steu­ern und ein­mal mit ihrer Arbeits­lo­sig­keit.

Das Bil­dungs­sys­tem dage­gen ist unter­fi­nan­ziert und lei­det am Spar­kurs der Regie­rung. Die Schu­len sind maro­de und es fehlt an Aus­stat­tung. Die Klas­sen sind über­füllt, weil es an Lehr­kräf­ten und Betreu­ungs­per­so­nal man­gelt. Nicht ein­mal die nöti­gen Maß­nah­men zum Schutz der Gesund­heit wer­den umge­setzt.

Die Pan­de­mie hat gezeigt, wer das Sys­tem am Lau­fen hält. Und wie wir uns den­ken kön­nen sind es nicht die Aktio­nä­re von Luft­han­sa. Es sind die Arbeiter:innen des kaputt gespar­ten öffent­li­chen Sek­tors. Es sind Lehrer:innen, Pfle­ge­kräf­te, Busfahrer:innen und Erzieher:innen. Der Streik im öffent­li­chen Dienst zeigt, dass die Beschäf­tig­ten ihre pre­kä­re Lage nicht län­ger akzep­tie­ren. Auch die fau­len Kom­pro­mis­se der Gewerk­schafts­füh­rung und der Arbeitgeber:innen wer­den die Unzu­frie­den­heit nicht ein­däm­men. Wenn der Staat nicht ein­mal bereit ist Lüf­tungs­an­la­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len, wird aus dem Warn­streik ein Sturm!

Klas­se Gegen Klas­se