[gG:] Filmpremiere: CONTRAHISTORIA – GESCHICHTE VON UNTEN

Con­tra­his­to­ria ist ein anti­fa­schis­ti­scher Doku­men­tar­film über faschis­ti­sche Kon­ti­nui­tät, Repres­si­on und sozia­le Kämp­fe in Spa­ni­en. Die Dreh­ar­bei­ten began­nen schon im Novem­ber 2017 zu Car­los Palomi­nos 10. Todes­tag und wur­den 2018 abge­schlos­sen. Weni­ge Tage vor Car­los‘ 13. Todes­tag fei­ert der Film nun Pre­mie­re im Live­stream.
Live­Stream & Chat zur Ver­an­stal­tung auf left​re​port​.org/​c​o​n​t​r​a​h​i​s​t​o​ria

19:50 bis 20:00 Uhr | Begrü­ßung

20:00 bis 21:00 Uhr | Film im Live­Stream

21:00 bis 21:30 Uhr | Ver­an­stal­tung

Ab 19:50 Uhr wird der Livechat zur Ver­an­stal­tung (anonym und ohne Regis­trie­rung) akti­viert. Dort kön­nen Fra­gen zum Film, der aktu­el­len Situa­ti­on in Spa­ni­en und der Ver­an­stal­tung gestellt wer­den.

Trai­ler: CONTRAHISTORIA – GESCHICHTE VON UNTEN [You­Tube & Vimeo /​Ger]

Der Mord an Car­los Palomi­no

Am 11. Novem­ber 2007 begab sich der 16-jäh­ri­ge Car­los Palomi­no gemein­sam mit 200 ande­ren Antifaschist*innen in die Madri­der Metro, um an einem Pro­test gegen die rechts­ra­di­ka­le Kleinst­par­tei Demo­cra­cia Nacio­nal teil­zu­neh­men. Die Antifaschist*innen wur­den erwar­tet. Josué Esté­ba­nez de la Hija, ein Mili­tär der könig­li­chen Gar­de, befand sich bereits in der Metro, als Car­los und sei­ne Genoss*innen ein­stie­gen. Alles ging sehr schnell. Als Car­los etwas bezüg­lich der Klei­dung, dem Pull­over einer Nazi­mar­ke, des rech­ten Mili­tärs anmerk­te, stach die­ser plötz­lich mit einem Mes­ser zu. Er ziel­te direkt auf Car­los‘ Herz. Der jun­ge Anti­fa­schist starb nach weni­gen Minu­ten.
Der Fall erschüt­ter­te Antifaschist*innen welt­weit.
Seit­her ver­an­stal­ten Car­los‘ Fami­lie, Genoss*innen und Freund*innen jedes Jahr eine Gedenk­de­mons­tra­ti­on. Zu sei­nem ers­ten Todes­tag ver­öf­fent­lich­ten sie die Doku­men­ta­ti­on „Un año sin ti, un año con­ti­go“, in der sie über den Mord und sei­ne poli­ti­schen Hin­ter­grün­de auf­klär­ten und die Trau­er und Wut der Hin­ter­blie­be­nen the­ma­ti­sier­ten. Sie tru­gen das Geden­ken weit über die Gren­zen des Spa­ni­schen Staa­tes hin­aus und ver­ban­den es mit der Erin­ne­rung an die zahl­rei­chen wei­te­ren Opfer des Faschis­mus.

Wie unge­ahnt ein Film ent­stand

Zehn Jah­re spä­ter, am 11. Novem­ber 2017, kamen wir in Madrid an. Wir hat­ten das Kame­ra-Equip­ment im Gepäck und woll­ten die Aktio­nen und die gro­ße Gedenk­de­mons­tra­ti­on zu Car­los‘ zehn­tem Todes­tag doku­men­tie­ren. Wir plan­ten, die Genoss*innen um ein kur­zes Inter­view zu dem Mord­fall zu bit­ten und Ein­drü­cke von der Demons­tra­ti­on sam­meln.

Madri­der Antifaschist*innen hat­ten eine beein­dru­cken­de mehr­tä­gi­ge Gedenk­kon­fe­renz mit Dis­kus­si­ons- und Info­ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert, bei denen unter ande­rem die Eltern von Clé­ment Méric, Davi­de „Dax“ Cesa­re, Car­lo Gui­lia­ni und Car­los Palomi­no spra­chen und auf der wir eini­ge Auf­nah­men anfer­ti­gen woll­ten. Vor Ort waren wir über­rascht davon, wie vie­le Genoss*innen auf uns zuka­men oder uns vor­ge­stellt wur­den, um uns Inter­views zu geben.

Zurück in Ber­lin, als wir das Mate­ri­al sich­te­ten, wur­de schnell klar, dass wir das wert­vol­le Wis­sen und die inter­es­san­ten Ana­ly­sen der Antifaschist*innen ande­ren zugäng­lich machen woll­ten und aus dem ursprüng­lich geplan­ten Video­clip ein Film wer­den müss­te.

Wir reis­ten 2018 ein zwei­tes Mal nach Madrid, um wei­te­re Inter­views zu spe­zi­fi­sche­ren The­men zu füh­ren. Unser Ziel war nun, das kata­stro­phal unde­mo­kra­ti­sche und repres­si­ve Vor­ge­hen des Spa­ni­schen Staa­tes gegen eman­zi­pa­to­ri­sche lin­ke Bewe­gun­gen und Grup­pen auf­zu­zei­gen und uns auf die Suche nach sei­nen Ursprün­gen im Fran­quis­mus und Post-Faschis­mus zu bege­ben.

Eine Geschich­te von unten

Wäh­rend Spa­ni­en den west­li­chen Demo­kra­tien im All­ge­mei­nen als ein Land gilt, das erfolg­reich den Faschis­mus über­wun­den hat und voll­stän­dig demo­kra­ti­siert ist, zeich­ne­ten uns die Genoss*innen, mit denen wir spra­chen, ein kon­trä­res Bild. Wir hat­ten die Mög­lich­keit, mit vie­len kun­di­gen, erfah­re­nen und inte­gren Aktivist*innen und Per­so­nen aus der Arbeiter*innenklasse zu spre­chen: dar­un­ter Ele­na, die Mut­ter von Alfon, des­sen Fall eini­gen aus der „Alfon Libertad“-Kampagne bekannt sein dürf­te, das Colec­tivo Con­tra­his­to­ria, das kri­ti­sche Geschichts­auf­ar­bei­tung betreibt, Genoss*innen der Coor­di­na­do­ra Anti­fa­scis­ta de Madrid, die sich dem prak­ti­schen Kampf gegen insti­tu­tio­nel­len Faschis­mus und Neo­na­zis­mus wid­met und eine ehe­ma­li­ge Gue­ril­le­ra der in den 70ern akti­ven GRAPO.

In ihren kri­ti­schen Ana­ly­sen zeig­ten unse­re Gesprächspartner*innen auf, wie sich die faschis­ti­sche Kon­ti­nui­tät in die­sem Land vom Ende des Bür­ger­kriegs über die Fran­co-Dik­ta­tur und die Tran­si­ción bis in die heu­ti­ge Zeit fort­setzt. Sie kon­tex­tua­li­sier­ten die zahl­rei­chen Nazi-Mor­de der ver­gan­ge­nen Jah­re, den Auf­stieg neu­er rech­ter Kräf­te in Spa­ni­en und die mas­si­ve Repres­si­on gegen Lin­ke und erzähl­ten von ihrer Sicht auf anti­fa­schis­ti­sche Kämp­fe und Inter­na­tio­na­lis­mus.

End­lich Pre­mie­re

Nach einer lan­gen Zeit arbeits­in­ten­si­ver Post-Pro­duk­ti­on, die sich lei­der durch län­ge­re Pau­sen aus ver­schie­de­nen Grün­den ver­zö­ger­te, freu­en wir uns nun, euch die Pre­mie­re des so ent­stan­de­nen anti­fa­schis­ti­schen Doku­men­tar­films Con­tra­his­to­ria – Geschich­te von unten ankün­di­gen zu kön­nen. An die­ser Stel­le möch­ten wir uns noch ein­mal sehr für eure Spen­den bedan­ken, die die­ses Pro­jekt mög­lich gemacht haben! Wei­ter­hin dan­ken wir allen Genoss*innen, die auf ver­schie­dens­te Wei­se an der Pro­duk­ti­on mit­ge­wirkt haben!

Die Dreh­ar­bei­ten lie­gen nun schon eini­ge Zeit zurück und seit­her ist viel pas­siert. Um aktu­el­le Ereig­nis­se mit auf­zu­grei­fen, wird die Pre­mie­re im Rah­men eines Vor­trags zur aktu­el­len poli­ti­schen Situa­ti­on in Spa­ni­en mit Schwer­punkt auf der Coro­na-Kri­se und Repres­si­on statt­fin­den. Die Ver­an­stal­tung wird online im Live­stream über­tra­gen.

Live­stream | Sa, 07.11.2020 | 19.50 Uhr

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