[labournet:] Zuerst mussten sie wählen. Jetzt müssen sie sterben: Frankreichs Freund in Guinea lässt schießen, dieweil französische Kommunikationskonzerne das Internet „schließen“

Gegen Internetsperren in einer freien GesellschaftGegen Internetsperren in einer freien GesellschaftOb es jetzt „nur“ 10 oder doch eher 30 Todes­op­fer sind, die der Repres­si­on gegen die Pro­tes­te nach der Wie­der­wahl des Prä­si­den­ten Con­dé zum Opfer fie­len, sei dahin gestellt: Schon ein Toter wäre zu viel. Die drit­te Amts­zeit Con­dés – ermög­licht durch ein Refe­ren­dum im Früh­jahr 2020, das unter „Auf­sicht“ de Armee statt­fand – wird genau so ein­ge­läu­tet, wie sei­ne bis­he­ri­gen Regie­rungs­zei­ten. Der „Freund Frank­reichs“ wie es Prä­si­dent Macron tref­fend for­mu­lier­te, bekommt Wahl­hil­fe: Denn auch in Gui­nea spie­len sozia­le Medi­en bei der Mobi­li­sie­rung von Pro­tes­ten, die kei­nes­wegs nur von der unter­le­ge­nen Oppo­si­ti­ons­par­tei kom­men (die im Gegen­teil, von Tei­len der demo­kra­ti­schen Bewe­gung für ihre Teil­nah­me an der Far­ce kri­ti­siert wird) – und dem­entspre­chend haben die vor­herr­schen­den fran­zö­si­schen Medi­en­kon­zer­ne Inter­net und sozia­le Medi­en „abge­schal­tet“. Zur Situa­ti­on in Gui­nea nach der soge­nann­ten Wahl vier aktu­el­le Bei­trä­ge und der Hin­weis auf unse­ren Bei­trag vom 19. Okto­ber zu „Ein Jahr Pro­tes­te gegen Ver­fas­sungs­bruch“:

  • „Con­dé zum Sie­ger der Prä­si­den­ten­wahl in Gui­nea erklärt“ am 24. Okto­ber 2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link mel­det unter ande­rem: „… Die Stim­mung im Land blieb auch am Sams­tag ange­spannt, nach­dem die Regie­rung am Vor­tag Sol­da­ten ein­ge­setzt hat­te, um für Ord­nung zu sor­gen und wei­te­re Aus­schrei­tun­gen zu ver­hin­dern. Unter­stüt­zer der Oppo­si­ti­on hat­ten der Regie­rung zufol­ge Bar­ri­ka­den errich­tet, Rei­fen ver­brannt und Zivi­lis­ten ange­grif­fen. Zudem kam es zu Zusam­men­stö­ßen mit der Poli­zei. er seit 2010 amtie­ren­de Con­dé hat­te erst nach einer umstrit­te­nen Ver­fas­sungs­än­de­rung für eine drit­te Amts­zeit kan­di­die­ren kön­nen. Bis­her waren den Prä­si­den­ten in dem west­afri­ka­ni­schen Land nur zwei Amts­zei­ten erlaubt. Es folg­ten schwe­re Pro­tes­te, bei denen zahl­rei­che Men­schen getö­tet wur­den. Ent­spre­chend fand die Wahl unter größ­ten Span­nun­gen statt. Men­schen­rechts­grup­pen wer­fen dem Prä­si­den­ten eine zuneh­mend auto­ri­tä­re Poli­tik vor. Gui­nea ist trotz rie­si­ger Roh­stoff­vor­kom­men eines der ärms­ten Län­der der Welt. Mit Blick auf die Behaup­tung Dial­los und das offi­zi­el­le Wahl­er­geb­nis warn­te Ibra­him Sorel Kei­ta, der Prä­si­dent des “Kol­lek­tivs für den Über­gang in Gui­nea” (CTG), vor einer “bei­spiel­los dra­ma­ti­schen” Situa­ti­on. Gegen­über der Deut­schen Wel­le erklär­te er: “Die Anhän­ger bei­der Lager wer­den den Sieg ihres Kan­di­da­ten durch­set­zen wol­len. Da der Stuhl nur für eine Per­son reser­viert ist, kön­nen Sie sich vor­stel­len, welch schmerz­li­che und dra­ma­ti­sche Zei­ten Gui­nea in den kom­men­den Tagen erle­ben wird.” Schar­fe Kri­tik äußer­te Ama­dou Bah Oury, der Chef der Oppo­si­ti­ons­par­tei UDRG. Er sag­te der Deut­schen Wel­le: “Wir hat­ten Cell­ou Dalein Dial­lo gesagt, er sol­le nicht an der Wahl teil­neh­men. Wenn er teil­neh­men wür­de, wer­de er ein­zig ‘Bei­werk’ sein. Cell­ou aber mein­te, er habe eine Stra­te­gie, einen Plan B. Er hat ein paar Leu­te mit­ge­zo­gen, und jetzt ste­hen wir wie­der vor einer Tra­gö­die. Nun soll er dem Volk Rechen­schaft able­gen, aber auch der regio­na­len Gemein­schaft, dass er mensch­li­ches Leben ris­kiert hat – und zwar für Ergeb­nis­se, die inak­zep­ta­bel sind.” Oury füg­te hin­zu: “Ich hof­fe, dass es schnell wie­der ruhig wird und dass die­ses Fie­ber aus dem Wahl­pro­zess schnell sin­ken wird. Damit die Leu­te in Gui­nea die Ruhe und die Gelas­sen­heit wie­der­fin­den. Aber ich muss auch dar­an erin­nern, dass es seit einem Jahr immer wie­der Gewalt gege­ben hat. Es gab zahl­rei­che Tote. Lei­der herrscht in Gui­nea seit Jah­ren blin­de Gewalt gegen die Bür­ger, sobald es poli­ti­sche Kon­flik­te gibt...“
  • We recei­ved reports of a com­ple­te inter­net shut­down in Gui­nea post the elec­tion. Join us to call on oran­ge­gui­neeam 23. Okto­ber 2020 im Twit­ter-Kanal von Acces Now externer Link ist die Mel­dung (und der Auf­ruf zum Pro­test dage­gen), dass der Oran­ge-Kon­zern sei­ne Freund­schafts­pflicht erfüllt und Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­bin­det… Im dazu fol­gen­den Thread gibt es noch eine gan­ze Rei­he wei­te­rer kon­kre­ter Infor­ma­tio­nen dazu
  • Macron con­sidè­re Con­dé com­me son “ami” et un “par­ten­aire pri­vi­lé­gié““ am 14. Juni 2019 im Twit­ter-Kanal von Ter Ter et Liber­té externer Link ist ein Video vom Staats­emp­fang für Con­dé durch Macron. Und nein, es wer­den jetzt kei­ne Ver­mu­tun­gen dar­über ange­stellt, ob ihm damals Unter­stüt­zung für das Pro­jekt Wie­der­wahl qua Ver­fas­sungs­än­de­rung signa­li­siert wur­de son­dern die in der Mel­dung beinhal­te­te – unvoll­stän­di­ge – Lis­te derer hin­zu­ge­fügt, die auch dabei waren: „Bol­l­o­ré, Air Fran­ce, Oran­ge, Soc Gén, BNP, Total, Bureau Veri­tas et Cas­tel sont lea­der dans leur sec­teur respec­tif. Véo­lia est pré­sen­te et une socié­té miniè­re AMR extrait de la bau­xi­te“. Und sie haben wohl alle mit gewählt (sie­he den fol­gen­den Ver­weis).

Der Bei­trag Zuerst muss­ten sie wäh­len. Jetzt müs­sen sie ster­ben: Frank­reichs Freund in Gui­nea lässt schie­ßen, die­weil fran­zö­si­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zer­ne das Inter­net „schlie­ßen“ erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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