[Autonomie Mag.:] Die rebellische Geschichte von Halloween

Kommt zusam­men und hört euch die selt­sa­me und wun­der­ba­re Geschich­te des Lieb­lings­fei­er­tags eines jeden Rebel­len an.

Der Bei­trag war ursprüng­lich ein sechs­tei­li­ger Twit­ter-Thread des Mid­west People´s Histo­ry Pro­ject von 2018. Wir haben die­sen ins Deut­sche über­setzt, um der rebel­li­schen Geschich­te Hal­lo­weens auch im deutsch­spra­chi­gem Raum zu Auf­merk­sam­keit zu ver­hel­fen.

Von: Mid­west People’s Histo­ry Pro­ject, Detroit


Obwohl sein Kalen­der­da­tum und sei­ne Ety­mo­lo­gie unbe­streit­bar christ­lich sind (vom Aller­hei­li­gen­abend in der Nacht vor Aller­hei­li­gen am 1. Novem­ber), hat der unste­te Geist, der Hal­lo­ween belebt, sei­nen Ursprung in der heid­ni­schen Neu­jahrs­fei­er der Keltoi im heu­ti­gen Irland.

Die Keltoi (oder Kel­ten) glaub­ten an ein Leben nach dem Tod, das “Tir na tSamhraidh” oder das “Land des Som­mers” genannt wur­de. Die Türen zu die­ser ande­ren Welt wur­den nur ein­mal im Jahr am Sam­hain (aus­ge­spro­chen SOW-in) geöff­net, in der Zeit zwi­schen den bei­den Näch­ten vom 31. Okto­ber und 1. Novem­ber.

Es war eine Zeit über­na­tür­li­cher Inten­si­tät, als die Mäch­te der Fins­ter­nis und des Ver­falls angeb­lich nicht im Lan­de waren und von den “sidh”, den alten Hügeln der iri­schen Land­schaft, aus­ström­ten. Um die­se Geis­ter abzu­weh­ren, errich­te­ten die Keltoi rie­si­ge, sym­bo­lisch rege­ne­ra­ti­ve Freu­den­feu­er.

Sam­hain mar­kier­te die Gren­ze zwi­schen Som­mer und Win­ter, Licht und Dun­kel­heit, eine kur­ze Peri­ode, “in der die nor­ma­le Ord­nung des Uni­ver­sums außer Kraft gesetzt wur­de”. Es war auch die ein­zi­ge Zeit des Jah­res, in der es einen Über­fluss an Nah­rung und Alko­hol gab, was zu sei­ner fest­li­chen und schel­mi­schen Qua­li­tät bei­trug.

Es war auch der Schau­platz eines wich­ti­gen rebel­li­schen Volks­mär­chens für die Keltoi: Die Formo­ria­ner, eine Ras­se dämo­ni­scher Rie­sen, die Irland kolo­ni­siert hat­te, ver­lang­ten einen jähr­li­chen Tri­but von zwei Drit­teln des Mais, der Milch und der Kin­der der unter­wor­fe­nen Über­le­ben­den, der jedes Jahr am Sam­hain gezahlt wer­den soll­te.

Die Tua­tha de Danann, eine Ras­se gott­glei­cher, güti­ger Ahnen, die in der kel­ti­schen Mytho­lo­gie beschrie­ben wer­den, kämpf­ten jah­re­lang gegen die Fomo­ria­ner, aber es war Mor­rí­gan, die Geis­ter­kö­ni­gin , die schließ­lich die Unter­drü­cker aus Irland am Sam­hain ver­trieb.

Mor­rí­gan in Krä­hen­ge­stalt

In die­sen frü­hen kel­ti­schen Fei­ern und Geschich­ten fin­det man bereits schwa­che Spu­ren des Hal­lo­ween-Geis­tes, der den Fei­er­tag noch Jahr­tau­sen­de lang heim­su­chen wird – Limi­na­li­tät, Fei­ern, Aus­schwei­fun­gen, Unheil, Dun­kel­heit, Freu­den­feu­er, Dämo­nen und vor allem Unre­gier­bar­keit.

Obwohl Sam­hain Hal­lo­ween mit die­sen rohen, unge­ord­ne­ten Ele­men­ten beschenk­te, gab es nur sehr wenig in Bezug auf kon­kre­te Prak­ti­ken oder Sym­bo­lik. Die­se kamen spä­ter im Mit­tel­al­ter mit der gewalt­sa­men Durch­set­zung des Chris­ten­tums und sei­ner hei­li­gen Tage, Aller­see­len und Aller­hei­li­gen.

Ursprüng­lich gefei­ert am 13. Mai zum Geden­ken an christ­li­che Mär­ty­rer, die durch die Hand von Hei­den gestor­ben waren, wur­de “Lemu­ria” (wie es frü­her hieß) vom Papst auf den 1. Novem­ber ver­legt und als ange­neh­me­res, posi­ti­ves Fest “aller Hei­li­gen” umbe­nannt.

Spä­ter füg­te die frü­he Kir­che den Aller­see­len­tag am 2. Novem­ber hin­zu und been­de­te die Fei­er mit der Gele­gen­heit, für die See­len der im Fege­feu­er gefan­ge­nen Ver­stor­be­nen zu beten. Die­se geis­ter­haf­te neue Fei­er wur­de hin­zu­ge­fügt, um die Ver­wand­lung Sam­hains vom heid­ni­schen zum christ­li­chen Fei­er­tag zu zemen­tie­ren.

Drei Jahr­hun­der­te spä­ter ver­wan­del­te sich die düs­te­re und gespens­ti­sche Natur des Aller­see­len­ta­ges von einem außer­ge­wöhn­li­chen, vor­über­ge­hen­den Fest in die täg­li­che Rea­li­tät der meis­ten Euro­pä­er, als sich der Schwar­ze Tod in der west­li­chen Hemi­sphä­re aus­zu­brei­ten begann.

Von 1347–1351 töte­te die Pest bis zu 60 Pro­zent der Bevöl­ke­rung Euro­pas und hin­ter­ließ bei den Über­le­ben­den eine unver­meid­li­che Beschäf­ti­gung mit dem Tod. Dies (und die neue Dru­cker­pres­se) führ­te zur Mas­sen­ver­brei­tung von Dan­se Macab­re-Bil­dern und zu einer all­ge­mei­nen Auf­fas­sung vom Tod als Per­son.

Obwohl der Tod ursprüng­lich als beleb­tes Ske­lett dar­ge­stellt wur­de, ergrif­fen die Kir­che und die Pro­to­ka­pi­ta­lis­ten die Gele­gen­heit, die­se ver­hass­te Figur wie­der einer rebel­li­schen Bevöl­ke­rung zuzu­ord­nen, die sie bei­de lan­ge Zeit als Bedro­hung ange­se­hen hat­ten, nun aber end­lich stark genug waren, sie zu ver­nich­ten: Die Hexe.

Obwohl sie wahr­schein­lich recht hete­ro­gen waren und heu­te mit Heb­am­men, Schwan­ger­schafts­ab­bre­che­rin­nen, Sex­ar­bei­te­rin­nen und Volks­hei­lern (u.a.) ver­gli­chen wer­den kön­nen, gelang es ihren Fein­den, ihre Gemein­sam­kei­ten in “die Hexe” zu ver­wan­deln, die dann chir­ur­gisch ent­fernt wer­den könn­te.

Die Auto­ri­tä­ten sorg­ten sich, dass die­se Frau­en allein leb­ten, sexu­ell frei­zü­gig waren und nicht­pro­duk­ti­ven Sex (durch Emp­fäng­nis­ver­hü­tung und Abtrei­bung) för­der­ten. Da sie Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät, Bevöl­ke­rungs­wachs­tum und Domes­ti­ka­ti­on unter­gru­ben, wur­de die Hexe als eine Bedro­hung des Lebens selbst dar­ge­stellt.

Natür­lich kamen die­se Anschul­di­gun­gen nicht von heu­te auf mor­gen spon­tan von den eige­nen Nach­barn der Hexen. Statt­des­sen wur­de eine hoch­or­ga­ni­sier­te Indok­tri­na­ti­ons­kam­pa­gne von oben ein­ge­lei­tet und von Dorf zu Dorf durch rei­ten­de Beam­te ver­brei­tet.

Von beson­de­rer Bedeu­tung, um die­se rebel­li­schen Frau­en wie­der als dämo­nen­ver­eh­ren­de Babymör­de­rin­nen vor­zu­stel­len, waren die weit ver­brei­te­ten Exem­pla­re des “Mal­leus Male­fi­car­um” und die beschwö­ren­den Bil­der, die nach den Sti­chen von Hans Bal­dung Grien auf Euro­pas neu­en Druck­pres­sen her­ge­stellt wur­den.

In sei­nem berühm­tes­ten Werk, dem Hexen­sab­bat, fin­det man Dar­stel­lun­gen von Hexen, die noch heu­te zu sehen sind – defor­mier­te Kör­per, die um einen bro­deln­den Kes­sel mit Tier­freun­den (spä­ter als schwar­ze Kat­zen dar­ge­stellt) sit­zen, wäh­rend ande­re durch die Luft zu ihren sub­ver­si­ven Begeg­nun­gen mit dem Teu­fel flo­gen.

Von Bedeu­tung ist die­se letz­te Kom­po­nen­te – die Mas­sen­an­samm­lung von Hexen am Sab­bat. Obwohl von ihren Fein­den auf­ge­bauscht, haben eini­ge His­to­ri­ker spe­ku­liert, dass der Sab­bat eine ech­te nächt­li­che Zusam­men­kunft war, bei der Tau­sen­de von Bau­ern Volks­auf­stän­de gegen die herr­schen­den Klas­sen schmie­de­ten.

Ange­sichts des poten­zi­ell sub­ver­si­ven Cha­rak­ters die­ser mas­si­ven Ver­samm­lun­gen soll­te es daher nicht über­ra­schen, dass die “Hexen”, die dar­an teil­nah­men, zur Ziel­schei­be der Ver­nich­tung durch die Ord­nungs­mäch­te wur­den. Dies ist auch der­sel­be Kon­text, in dem erst­mals ein Begriff auf­tauch­te, der an “Hal­lo­ween” erin­nert:

Wäh­rend der Herr­schaft des pro­tes­tan­ti­schen Königs Jakob I. fand 1590 ein spek­ta­ku­lä­rer Hexen­pro­zess statt; Dut­zen­de von Schot­ten wur­den beschul­digt, dämo­ni­sche Hexe­rei betrie­ben zu haben, um Jakob dar­an zu hin­dern, sei­ne zukünf­ti­ge Köni­gin, Anna von Däne­mark, am “Aller­hei­li­gen­abend” zu errei­chen.

Die Ange­klag­ten sol­len Stür­me ver­ur­sacht haben, indem sie auf Besen an Wel­len ent­lang rit­ten und leben­de Kat­zen, die an mensch­li­che Kör­per­tei­le gebun­den waren, ins Was­ser war­fen. Nach die­sen berüch­tig­ten Hexen­pro­zes­sen in North Ber­wick soll­te Hal­lo­ween für immer mit Hexen, Kat­zen, Kes­seln, Besen und dem Teu­fel in Ver­bin­dung gebracht wer­den.


Nach die­ser bru­ta­len Aus­lö­schung einer gan­zen Bevöl­ke­rungs­grup­pe und der undo­mes­ti­zier­ten Lebens­form, die sie reprä­sen­tier­ten, kam es zu einem deut­li­chen Wan­del in der Kul­tur von Hal­lo­ween, ins­be­son­de­re in ihrer Hin­wen­dung zu Roman­tik, Gesell­schafts­spie­len und gemä­ßig­tem Unfug anstel­le von zügel­lo­ser Revol­te.

Eine belieb­te Okto­ber­tra­di­ti­on des 16. Jahr­hun­derts war das öffent­li­che Chor­sin­gen ver­mumm­ter Frau­en, die die Ehe fei­er­ten und “die wei­sen Jung­frau­en, die auf das Kom­men des Bräu­ti­gams war­te­ten”. Eini­ge His­to­ri­ker glau­ben, dass die Tra­di­ti­on der Hal­lo­ween-Kos­tü­me hier ihren Ursprung hat.

Die­se öffent­li­chen Bekräf­ti­gun­gen der Ehe kün­dig­ten auch den Beginn der Weih­nachts­zeit und der “Miss­herr­schaft” an, einer vor­über­ge­hen­den Peri­ode erlaub­ten Unheils, in der die städ­ti­schen Macht­ha­ber ritu­ell in Schein­put­sche, durch sich als She­riffs und Bür­ger­meis­ter Ver­klei­de­te, ent­mach­tet wur­den.

Wäh­rend­des­sen zogen auf dem Land Grup­pen betrun­ke­ner Fei­ern­der auf den Kirch­hö­fen umher und san­gen und tanz­ten “mit einem so ver­wor­re­nen Lärm, dass kein Mensch sei­ne eige­ne Stim­me hören kann”, und for­der­ten Bei­trä­ge von den Nach­barn, um ihre “Heidn­tum, Teu­fe­lei und Trun­ken­heit” fort­zu­set­zen.

In die­ser Ära des hege­mo­nia­len Chris­ten­tums und des tole­rier­ten Unheils ent­stand die Volks­ge­schich­te der Jack‑o’-Lantern:

“Jack war ein immer­wäh­ren­der Tricks­ter der Volks­mär­chen, der mit sei­nen vie­len Strei­chen und Über­tre­tun­gen nicht nur Gott, son­dern auch den Teu­fel belei­dig­te. Nach sei­nem Tod wur­de ihm der Zutritt zu Him­mel und Höl­le ver­wei­gert, obwohl der Teu­fel ihm wider­wil­lig eine feu­ri­ge Koh­le zuwarf, die Jack in einer aus­ge­höhl­ten Rübe auf­fing und die sei­nen Nacht­spa­zier­gang auf der Erde bis zum Jüngs­ten Tag erhel­len soll­te. Jacks immer­wäh­ren­der Streich ist ein Köder für unglück­se­li­ge Rei­sen­de in den trü­ben Morast”.

In die­ser neu­en Ära des “zivi­li­sier­ten” Chris­ten­tums wur­den die frü­he­ren blu­ti­gen Krie­ge zwi­schen Hei­den und frü­hen Chris­ten durch rela­tiv unbe­deu­ten­de sek­tie­re­ri­sche Schar­müt­zel zwi­schen Pro­tes­tan­ten und Katho­li­ken abge­löst – bis zum 5. Novem­ber 1605.

Erfolg­reich bekannt gewor­den durch die ein­fa­che Anwei­sung “Erin­nert euch, erin­nert euch an den fünf­ten Novem­ber”, war dies der Tag, an dem Guy Faw­kes, ein katho­li­scher Que­ru­lant, dabei erwischt wur­de, wie er 36 Fäs­ser Schieß­pul­ver in einem Gewöl­be unter dem pro­tes­tan­ti­schen Ober­haus depo­nier­te, was spä­ter als Schieß­pul­ver-Ver­schwö­rung bekannt wur­de.

Faw­kes wur­de öffent­lich als katho­li­scher Ver­rä­ter gehängt, und das Datum sei­nes geschei­ter­ten Angriffs wur­de vom Par­la­ment als “ein Fei­er­tag für immer in Dank­bar­keit, für unse­ren Gott, für die Befrei­ung von den Papis­ten” gewählt.

Hal­lo­ween und Guy Faw­kes Day/​Bonfire Night ( wie der Tag im dop­pel­ten Sin­ne genannt wur­de) exis­tier­ten etwa 40 Jah­re lang fried­lich neben­ein­an­der, bis das Par­la­ment 1647 die Fei­er aller Fes­te mit Aus­nah­me der anti­ka­tho­li­schen Fei­er ver­bot.

Auf­grund der rela­ti­ven Nähe der bei­den Fes­te nahm der 5. Novem­ber vie­le der schel­mi­schen Ele­men­te von Hal­lo­ween an. Kin­der ver­brach­ten Wochen damit, sich auf die Nacht vor­zu­be­rei­ten, indem sie in Lum­pen geklei­det von Haus zu Haus gin­gen und Feu­er­holz oder Geld für das rie­si­ge Ver­bren­nen von Papst­fi­gu­ren im Freu­den­feu­er ver­lang­ten.

Wenn kein Brenn­holz oder Geld gege­ben wur­de, galt es “als völ­lig recht­mä­ßig, sich jedes alte Holz anzu­eig­nen” aus die­sen ver­snob­ten Haus­hal­ten. Eini­ge His­to­ri­ker glau­ben, dass hier die moder­nen Tra­di­tio­nen der Süßes-oder-Sau­res-Tou­ren ihren Ursprung haben.

Obwohl die “Unheil­nacht” bereits am 1. Mai gefei­ert wor­den war, fand sie nun am 4. Novem­ber ein neu­es Zuhau­se. Bald genug begann auch Hal­lo­ween selbst als eigen­stän­di­ger Fei­er­tag wie­der auf­zu­tau­chen, der vor allem mit der geziel­ten Zer­stö­rung von Pri­vat­ei­gen­tum in Ver­bin­dung gebracht wur­de:

“In Anleh­nung an die bös­ar­ti­gen Geis­ter, von denen weit­hin ange­nom­men wur­de, dass sie sich an Hal­lo­ween nicht in der Welt auf­hiel­ten, ver­stopf­ten Jugend­ban­den die Schorn­stei­ne, ver­wüs­te­ten Kohl­fel­der, zer­trüm­mer­ten Türen, häng­ten Tore aus und lie­ßen Pfer­de unru­hig wer­den. Im neun­zehn­ten Jahr­hun­dert such­ten in Cromar­ty Fei­ern­de sogar ein­sa­me Frau­en auf, die sie als Hexe schi­ka­nie­ren konn­ten. […] “Wenn ein Indi­vi­du­um an die­sem Ort zufäl­lig unbe­liebt war”, beob­ach­te­te ein Schot­te 1911, “muss­te er bei die­sen Gele­gen­hei­ten furcht­bar lei­den. Sei­ne Türen wur­den auf­ge­bro­chen, und oft blieb kein Kohl im Gar­ten ste­hen. So war der Ruf von Hal­lo­ween als eine Nacht der fei­er­li­chen Ver­gel­tung, in der in eini­gen Tei­len Schott­lands die Gebo­te der Gemein­schafts­jus­tiz über das Pri­vat­ei­gen­tum sieg­ten, bis zu einem Punkt, an dem es der Kirk-Ver­samm­lung unmög­lich war, Recht und Ord­nung durch­zu­set­zen”.

Die­se Berich­te über die Angrif­fe des männ­li­chen Mobs, um “gemein­de­na­he Gerech­tig­keit” für “unbe­lieb­te” Nach­barn und “ein­sa­me Frau­en” zu schaf­fen, wer­den nicht als Bestä­ti­gung für ihren offen­sicht­lich pro­to-faschis­ti­schen und frau­en­feind­li­chen Cha­rak­ter her­vor­ge­ho­ben.

Statt­des­sen ver­an­schau­li­chen sie, wie Frau­en durch die Hexen­jag­den und ande­re gewalt­tä­ti­ge For­men der Domes­ti­zie­rung aus der Sphä­re der Rebel­li­on aus­ge­schlos­sen wor­den waren und wei­ter­hin eine Ziel­schei­be blie­ben.

Es ist jedoch auch wich­tig, die in die­sen Momen­ten zu beob­ach­ten­den grund­le­gen­den Eigen­schaf­ten der Ver­gel­tung und Unre­gier­bar­keit nicht zu über­se­hen, die spä­ter den weit ver­brei­te­ten Van­da­lis­mus irisch-ame­ri­ka­ni­scher jugend­li­cher Ein­wan­de­rer und Detroits pro­duk­ti­ver jugend­li­cher Brand­stif­ter durch­drin­gen wer­den.


Wie die Schwar­ze Pest im 14. Jahr­hun­dert beein­fluss­te auch die Kar­tof­fel­fäu­le von 1845 den Ver­lauf der Ent­wick­lung von Hal­lo­ween dra­ma­tisch. Da sie sich in ganz Irland aus­brei­te­te und sowohl die Grund­nah­rungs­mit­tel des Lan­des ver­nich­te­te, als auch über eine Mil­li­on iri­sche Bau­ern an dem dar­aus resul­tie­ren­den Hun­ger töte­te.

In den nächs­ten 7 Jah­ren ver­lie­ßen eine Mil­li­on wei­te­re Iren ihre Hei­mat, vie­le von ihnen segel­ten nach Nord­ame­ri­ka, wo sie allen ande­ren Ein­wan­de­rern zah­len­mä­ßig über­rag­ten. Zu die­sem Zeit­punkt tauch­ten in den USA zum ers­ten Mal Hal­lo­ween und ande­re Fes­te auf, die von frü­he­ren puri­ta­ni­schen Sied­lern lan­ge ver­ach­tet wur­den.

“Wo immer die Iren hin­gin­gen, folg­te Hal­lo­ween.”

In ihren neu­en Hei­mat­or­ten in ganz Nord­ame­ri­ka expe­ri­men­tier­ten die iri­schen Ein­wan­de­rer­ju­gend­li­chen wäh­rend der Hal­lo­ween-Sai­son wei­ter­hin mit neu­en For­men der Teu­fe­lei, wobei sie sich oft krea­tiv an die Eigen­hei­ten der jewei­li­gen Umge­bung anpass­ten.

In eini­gen Städ­ten des Mitt­le­ren Wes­tens geschah dies in der Form, dass sie den Bau­ern die Tore ent­fern­ten, um ihre Tie­re zu befrei­en, wäh­rend an der Ost­küs­te das rela­tiv reich­li­che Ange­bot an Kohl zur Waf­fe gemacht wur­de. “Jun­ge Witz­bol­de tru­gen Mas­ken, damit sie nicht erkannt wur­den.”

“Die Mehr­zahl der belieb­ten Strei­che waren ‘Schwel­lentricks’, die, wenn auch nur vor­über­ge­hend, den Raum angrif­fen. […] Bug­gys, die weit ent­fern­ten länd­li­chen Gemein­den Zusam­men­halt ver­schaff­ten, wur­den ‘dys­funk­tio­na­li­siert’, indem sie auf Scheu­nen­dä­cher gestellt wur­den.”

Obwohl vie­le die­ser bös­wil­li­gen Taten gegen die Nach­barn, auf dem Land von den dama­li­gen Behör­den mit viel Tole­ranz behan­delt wur­den, ver­schärf­ten sich die Tak­ti­ken der städ­ti­schen Ein­wan­de­rer­ju­gend bald und eska­lier­ten bis zur Alar­mie­rung (und außer­halb der Kon­trol­le) der noch jun­gen US-Poli­zei­kräf­te.

Nach dem Zusam­men­bruch des Akti­en­mark­tes am 24. Okto­ber 1929 (auch bekannt als “Schwar­zer Diens­tag”) kam es in den fol­gen­den Jah­ren zu Hal­lo­ween-Mobs, die spe­zi­ell die städ­ti­sche Infra­struk­tur und Sym­bo­le des Luxus ins Visier nah­men, mit einem bemer­kens­wer­ten Höhe­punkt 1933 wäh­rend der Gro­ßen Depres­si­on, spä­ter bekannt als “Black Hal­lo­ween”.

Nach zahl­rei­chen Nach­rich­ten­be­rich­ten wur­de “Black Hal­lo­ween” defi­niert als Jugend­ban­den, die Tele­fon­mas­ten absäg­ten, Feu­er­hy­dran­ten öff­ne­ten, Stra­ßen­la­ter­nen außer Betrieb setz­ten, Stra­ßen mit gestoh­le­nen Toren ver­bar­ri­ka­dier­ten, Baum­stümp­fe auf Eisen­bahn­schie­nen schlepp­ten, Gul­ly­de­ckel ent­fern­ten, höl­zer­ner Bür­ger­stei­ge zer­ris­sen, Schau­fens­ter zer­trüm­mer­ten, Laden­be­sit­zer als Gei­seln hiel­ten, Stan­gen von Stra­ßen­bah­nen aus­hak­ten, Schmier­fett auf die Schie­nen von Stra­ßen­bah­nen sreu­ten, lee­re Fäs­ser über Kirch­turm­spit­zen steck­ten, die Poli­zei angrif­fen und “fast alles, was sie in Brand ste­cken konn­ten”, anzün­de­ten.

Vie­le die­ser Angrif­fe ziel­ten dar­auf ab, den Han­del in der Metro­po­le lahm zu legen, aber ins­be­son­de­re “wur­de das neue Sym­bol des Wohl­stands, das das Auto, zum Objekt der Zer­stö­rung. Fei­ern­de seif­ten die Fens­ter ein und lie­ßen die Luft aus den Rei­fen, und an viel befah­re­nen Kreu­zun­gen wur­den Autos kur­zer­hand gesto­ßen”.

“In einem Bericht wur­de beson­ders dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Auto, das durch einen Mas­sen­an­griff von Row­dys umge­stürzt war, eine ‘Limou­si­ne teu­rer Mar­ke’ war. […] Die Bräu­che von Hal­lo­ween-Strei­chen spie­gel­ten all­ge­mei­ne­re Ängs­te vor zivi­len Unru­hen wider.”

An Hal­lo­ween 1934 eska­lier­ten die Strei­che mas­kier­ter Kin­der, die durch die Stra­ßen von Har­lem para­dier­ten, schnell von harm­lo­sem Strei­chen über das Stei­ne­wer­fen bis hin zu Auto­van­da­lis­mus.

Die Poli­zei schätzt, dass vier­hun­dert Jugend­li­che, sowohl Schwar­ze als auch Wei­ße, an den ver­schie­de­nen Hand­greif­lich­kei­ten betei­ligt waren, die dar­in gip­fel­ten, dass ein Auto über­fal­len und eine fünf­zig Fuß hohe Böschung zum River­si­de Park hin­un­ter­ge­rollt wur­de, wo dann die Rei­fen auf­ge­schlitzt wur­den.

Als die städ­ti­sche Jugend begann, die zer­brech­li­che Wirt­schaft mate­ri­ell zu sabo­tie­ren, und weit ver­brei­te­te Plün­de­run­gen die Hal­lo­ween-Fei­er­lich­kei­ten auf der Welt­aus­stel­lung 1934 in Chi­ca­go über­schat­te­ten, dau­er­te es nicht lan­ge, bis die Ord­nungs­kräf­te dem zuneh­mend unzi­vi­li­sier­ten Fei­er­tag Ord­nung auf­zwin­gen muss­ten.


Nach drei Jahr­zehn­ten jähr­li­cher Auf­stän­de von uner­müd­li­chen Ein­wan­de­rer­ju­gend­li­chen wur­de es für die Behör­den offen­sicht­lich, dass der unre­gier­ba­re Geist von Hal­lo­ween ein für alle Mal vom Fei­er­tag abge­trennt wer­den muss­te.

“Für vie­le Beob­ach­ter schien Hal­lo­ween nichts ande­res als eine Ein­la­dung und Ent­schul­di­gung für ein sozia­les Desas­ter zu sein. Die Furcht vor einer bro­deln­den Unter­schicht war ein star­ker Sub­text ande­rer Reform­be­we­gun­gen der frü­hen 1930er Jah­re; Film­zens­ur­kam­pa­gnen z.B. wur­den gegen Hal­lo­ween­ar­ti­ge Inhal­te von Hor­ror- und Kri­mi­nal­fil­men geführt, jedes Gen­re auf sei­ne Wei­se anar­chisch. Sol­ches Enter­tain­ment wur­den weit­hin als demo­ra­li­sie­ren­de Bedro­hung der öffent­li­chen Ord­nung ange­se­hen, als ob das gan­ze Jahr über 31. Okto­ber wäre.”

“Indem sie Hal­lo­ween ver­brau­cher­ori­en­tiert und infan­til gestal­te­ten, hoff­ten bür­ger­li­che und indus­tri­el­le För­de­rer, die anar­chi­schen Züge von Hal­lo­ween zu besei­ti­gen. Indem sie es nach­bar­schaft­lich und fami­li­är gestal­te­ten, bemüh­ten sie sich, den öffent­li­chen Raum von den Unor­tho­do­xen und Rauf­bol­den zurück­zu­er­obern und die sozia­le Ord­nung in der Nacht wie­der­her­zu­stel­len.”

Es gibt zwar Hin­wei­se dar­auf, dass die Hal­lo­ween-Rebel­len bereits 1920 mit Süßig­kei­ten auf­ge­kauft wur­den, aber erst nach den Hal­lo­ween-Unru­hen Mit­te der 1930er Jah­re und dem Pro­duk­ti­ons­boom nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat man begon­nen, Süßes oder Sau­res aus­drück­lich als Lösung für die Unord­nung zu pro­pa­gie­ren.

Eine der ers­ten natio­na­len Erwäh­nun­gen des Begriffs “Süßes oder Sau­res” war ein Arti­kel mit dem Titel “Ein Opfer der Fens­ter­rei­ni­gungs­bri­ga­de?”, der den Begriff als “eine Metho­de zur Unter­gra­bung von rauf­lus­ti­gen Strei­chen” bezeich­net.

Er “wur­de weit­hin bekannt und als eine eigen­stän­di­ge Stra­te­gie zum Schutz des Eigen­tums ange­nom­men”.

In den spä­ten 50er Jah­ren war die Unord­nung, die Hal­lo­ween defi­niert hat­te, durch eine erfun­de­ne Ethik des Kon­sums fast voll­stän­dig aus­ge­löscht wor­den. Ein Ser­geant der Poli­zei von LA äußer­te sogar öffent­lich sei­ne Ver­wir­rung über das Ver­schwin­den jugend­li­cher Rebel­len nach einem selt­sam fried­li­chen Hal­lo­ween im Jahr 1959.

Natür­lich wur­den die­se Maß­nah­men nicht auf dem gesam­ten Kon­ti­nent ein­heit­lich ange­wandt, und an eini­gen Orten wur­den die zuvor mit Hal­lo­ween ver­bun­de­nen Zer­stö­run­gen ein­fach auf den Tag vor dem 30. Okto­ber, dem Tag vor Ame­ri­kas eige­ner “Unheil­nacht”, ver­legt.

Wie ein älte­rer Mann stolz über die “Mischief Nights” sei­ner Kind­heit in Hobo­ken, New Jer­sey, bemerk­te:

“Es gab nur Unheil. Die Erwach­se­nen­welt konn­te uns nicht mit Süßig­kei­ten oder glän­zen­den Pen­nys bestechen. Sie haben es nicht ein­mal ver­sucht.”

In die­sen klei­nen Ansamm­lun­gen von Unheil, vor allem in den neu­en Vor­städ­ten jener Zeit, nahm der Van­da­lis­mus einen deut­lich weni­ger klas­sen­be­wuss­ten Ton an und kehr­te zu einer frü­he­ren Form von Strei­chen zurück, die sich gegen “unbe­lieb­te” Nach­barn rich­te­ten, indem sie ihre Kür­bis­se zer­trüm­mer­ten oder ihr Gat­ter stah­len.

Auf­grund ihrer Iso­la­ti­on von­ein­an­der ent­wi­ckel­ten vie­le die­ser Orte hyper-loka­li­sier­te Begrif­fe für ihre eige­nen Sport­ar­ten, wie Ver­monts Cab­ba­ge Night, Mont­re­als Mat Night, upsta­te New Yorks Gate Night, New Jer­seys Mischief Night und ins­be­son­de­re Detroits berüch­tig­te Devil’s Night.


Am 23. Juli 1967, nach­dem die Poli­zei eine Par­ty für zwei zurück­keh­ren­de viet­na­me­si­sche GIs in einer ille­ga­len Knei­pe in der Nähe der West Side von Detroit durch­sucht hat­te, ver­sam­mel­ten sich bald dar­auf Men­schen­men­gen, die haupt­säch­lich aus schwar­zen Bewoh­nern bestan­den, drau­ßen und began­nen, als Ver­gel­tung Fla­schen und Stei­ne zu wer­fen.

Die Poli­zei war zum Rück­zug gezwun­gen und die ver­blie­be­ne Men­ge ergriff schnell die Gele­gen­heit, ein nahe gele­ge­nes Beklei­dungs­ge­schäft zu plün­dern. Der Vor­fall wei­te­te sich rasch zu einer umfas­sen­den Plün­de­rung des gesam­ten Vier­tels aus.

Am nächs­ten Nach­mit­tag war das ers­te Feu­er in einem nahe gele­ge­nen Lebens­mit­tel­la­den gelegt wor­den und ein klei­ner Mob hin­der­te ein Feu­er­wehr­au­to dar­an, die Flam­men zu löschen. Im Lau­fe der nächs­ten 24 Stun­den, brei­te­ten sich die Brän­de und Plün­de­run­gen über die gan­ze Stadt aus.

Nach­dem 38 Hand­feu­er­waf­fen und 2.498 Geweh­re von den Rebel­len in Detroit geplün­dert wor­den waren, berief sich Prä­si­dent John­son auf den Insur­rec­tion Act von 1807, der den Ein­satz von Bun­des­trup­pen zur Nie­der­schla­gung eines Auf­stands gegen die US-Regie­rung erlaub­te.

Am 25. Juli stürz­ten sich über 8000 Natio­nal­gar­dis­ten und 4700 Fall­schirm­jä­ger der US-Armee auf die Stadt, um den Auf­stand gewalt­sam nie­der­zu­schla­gen. In den fol­gen­den drei Tagen wur­den zahl­lo­se Gräu­el der Bru­ta­li­tät, sexu­el­ler Über­grif­fe und Atten­ta­te auf die­je­ni­gen ver­übt, die wei­ter­hin rebel­lier­ten.

Die Gro­ße Rebel­li­on, wie der Auf­stand bekannt wur­de, lös­te eine Wel­le von Unru­hen aus, die sich wei­ter­hin auf über zwei Dut­zend Städ­te aus­dehn­te und im fol­gen­den Jahr nach der Ermor­dung von Mar­tin Luther King Jr. nach Detroit zurück­kehr­te.

In die­ser Zeit des sozia­len Auf­ruhrs und der Auf­stands­be­kämp­fung, ent­wi­ckel­te sich in der wei­ßen Bevöl­ke­rung eine dif­fu­se Angst vor “inner­städ­ti­schen Pro­ble­men” und die anschlie­ßen­de Mas­sen­flucht in die Vor­städ­te, die spä­ter als wei­ße Flucht bekannt wur­de.

In die­sen glän­zen­den neu­en Flücht­lings­la­gern für die wei­ße Mit­tel­schicht blieb eine befremd­li­che Angst vor dem Ande­ren bestehen und soll­te sich bald als Todes­stoß für Süßes oder Sau­res erwei­sen, eine der letz­ten ver­blie­be­nen Quel­len der Auto­no­mie und Kame­rad­schaft ihrer Kin­der außer­halb der Kern­fa­mi­li­en­ein­heit.

“Ange­sichts der fast uni­ver­sel­len Beliebt­heit von “Trick or tre­at” in den Vor­städ­ten und der Tat­sa­che, dass der Schwer­punkt auf der Vor­stel­lung von Außen­sei­tern lag, war es viel­leicht unver­meid­lich, dass “Trick or tre­at” im Begriff war, eine Gegen­re­ak­ti­on zu erle­ben. 1964 ärger­te sich eine New Yor­ker Haus­frau namens Helen Pfeil über die Zahl der “Trick or trea­ters, von denen sie dach­te, sie sei­en zu alt, um Süßig­kei­ten zu ver­lan­gen und über­reich­te ihnen Pake­te mit Hun­de­ku­chen, gif­ti­gen Amei­sen­knöp­fen und Stahl­wol­le. Inner­halb von 3 Jah­ren tauch­te die urba­ne Legen­de auf, dass Kin­der Äpfel mit ver­steck­ten Rasier­klin­gen geschenkt bekä­men, und die Eltern began­nen, sich über Hal­lo­ween Sor­gen zu machen.”

Obwohl es in über zwei Jahr­zehn­ten “Hal­lo­ween-Sadis­mus” nur zwei Todes­fäl­le (bei­de wur­den spä­ter Fami­li­en­mit­glie­dern zuge­schrie­ben) und eine klei­ne Zahl von Ver­let­zun­gen gab, wur­de der Fei­er­tag in den Medi­en schnell als ein Fest dar­ge­stellt, an dem Gift, sata­ni­sche Kul­te und selt­sa­me Gefah­ren lau­ern.

Bür­ger­initia­ti­ven und Kir­chen ergrif­fen erneut die Gele­gen­heit für eine ent­schie­de­ne sozia­le Ein­he­gung. Über­all auf dem Kon­ti­nent wur­den plötz­lich Tau­sen­de von “Alter­na­ti­ven zu Süßes oder Sau­res” in Ein­kaufs­zen­tren, Muse­en, Zoos, Schu­len, Spuk­häu­sern und Gemein­de­zen­tren ange­bo­ten.

Inner­halb von fünf Jah­ren nach der Gro­ßen Rebel­li­on hat­te sich die Zusam­men­set­zung der Bevöl­ke­rung Detroits völ­lig ver­än­dert und eine mehr­heit­lich schwar­ze Innen­stadt her­vor­ge­bracht, die von einer feind­se­li­gen Peri­phe­rie wei­ßer Vor­städ­te umge­ben war.


“Nach den Unru­hen ent­deck­ten die Men­schen plötz­lich, was eigent­lich offen­sicht­lich hät­te sein müs­sen – dass es jen­seits der glit­zern­den Innen­stadt, der grü­nen Vier­tel, der sur­ren­den Com­pu­ter eine ande­re Stadt gab: arm, schwarz und wütend.”

Die­ser Ver­gleich ging den­je­ni­gen offen­sicht­lich nicht ver­lo­ren, die bald damit betraut sein wür­den, Maß­nah­men zur Auf­stands­be­kämp­fung, die gegen anti­ko­lo­nia­le Auf­stän­de ent­wi­ckelt wor­den waren, gegen eine neue Form des jähr­li­chen Auf­stands in Detroit – die der Teu­fels­nacht – ein­zu­set­zen.

Obwohl 1983 wegen der dra­ma­ti­schen Zunah­me der Brän­de in Müll­con­tai­nern weit­hin als offi­zi­el­ler Beginn der Teu­fels­nacht aner­kannt ist, gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass es bereits einen Auf­stand auf nied­ri­ger Ebe­ne gab, der mit Hal­lo­ween in Ver­bin­dung gebracht wird und min­des­tens auf das Jahr 1979 und wahr­schein­lich 1967 zurück­geht.

Mit über 297 Brän­den allein am 30. Okto­ber 1984 setz­te die Hal­lo­ween-Sai­son 1984 mit “den schlimms­ten Brand­sze­nen, die ich seit den Unru­hen von 1967 gese­hen habe”, so ein ehe­ma­li­ger Chef der Detroi­ter Feu­er­wehr, den Höhe­punkt der Zer­stö­rung.

Die­se letz­te Aus­sa­ge ist bemer­kens­wert, weil sie einen Ein­blick in die Sicht­wei­se der Behör­den auf die Teu­fels­nacht gibt – d.h. als ein Nach­be­ben der Gro­ßen Rebel­li­on, das mit ihrer Zer­stö­rung riva­li­siert und für die glei­che Stu­fe der Auf­stands­be­kämp­fung in Fra­ge kom­men soll­te.

Doch dazu müss­te man auf ras­sis­ti­sche und über­staat­li­che Metho­den zurück­grei­fen, um eine undurch­sich­ti­ge Bevöl­ke­rung ins Visier zu neh­men, die von der wei­ßen Bevöl­ke­rung lan­ge Zeit mys­ti­fi­ziert wor­den war.

“Das Ziel staat­li­cher Gewalt ist es nicht, Schmerz zuzu­fü­gen; es ist das sozia­le Vor­ha­ben, straf­ba­re Kate­go­rien von Men­schen zu schaf­fen.”

Ähn­lich wie “die Hexe” her­ge­stellt wur­de, um eine hete­ro­ge­ne Bevöl­ke­rung mit der Gestalt eines über­na­tür­li­chen, Leben steh­len­den Ande­ren ins Visier zu neh­men, wur­de auch die Gestalt des Teu­fels wie­der­be­lebt, um die rebel­li­sche schwar­ze Jugend von Detroit buch­stäb­lich zu ver­teu­feln. Die ein­fluss­rei­che Detroit Free Press ver­mied in den fol­gen­den Mona­ten merk­lich jede sozio­lo­gi­sche Ana­ly­se und favo­ri­sier­te statt­des­sen einen “Law-and-Order-Ansatz in Bezug auf Brand­stif­tun­gen und Ver­bre­chen am Hal­lo­ween­abend, ein­schließ­lich Waf­fen­kon­trol­len, aggres­si­ver Straf­ver­fol­gung und mehr Gefäng­nis­zel­len”.

Bür­ger­meis­ter Cole­man Young rief dar­auf­hin eine “Devil’s Night Task For­ce” ins Leben, die sich für das nächs­te Jahr­zehnt zum Ziel gesetzt hat­te, “die Brand­stif­tung zu redu­zie­ren, das Bewusst­sein der Gemein­de zu schär­fen und die Betei­li­gung am Kampf gegen Brand­stif­tung zu ver­stär­ken”.

Jeden Früh­ling erar­bei­ten das Büro des Bür­ger­meis­ters, die städ­ti­schen Ämter (ein­schließ­lich Gesund­heits­we­sen, Feu­er­wehr, Poli­zei, öffent­li­che Beleuch­tung, Recht, Frei­zeit­ge­stal­tung, Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, Pla­nung usw.), Kir­chen, öffent­li­che Schu­len und der pri­va­te Sek­tor Stra­te­gien, die auf den Erkennt­nis­sen der ver­gan­ge­nen Jah­re basie­ren.

Mit die­sen in der Hand wür­den Feu­er­wehr- und Poli­zei­be­am­te aus jeder Nach­bar­schaft mit Spit­zeln aus der Nach­bar­schaft und ein­fluss­rei­chen Geist­li­chen zusam­men­ar­bei­ten, um “dezen­tra­li­sier­te Akti­ons­plä­ne” zu erstel­len, um eine grö­ße­re, acht Punk­te umfas­sen­de, stadt­wei­te Stra­te­gie in Kraft zu set­zen:

Ein­satz von Per­so­nal für öffent­li­che Sicher­heit: Mobi­li­sie­rung aller ver­füg­ba­ren Poli­zei- und Feu­er­wehr­kräf­te und Hub­schrau­ber.

Die Besei­ti­gung von Brand­stif­tungs­zie­len: Abschlep­pen ver­las­se­ner Autos, Ent­fer­nen von Rei­fen von Müll­kip­pen und Abriss tau­sen­der leer­ste­hen­der Häu­ser und Gebäu­de.

Aus­bil­dung von Frei­wil­li­gen: Ori­en­tie­rungs­hil­fen für Frei­wil­li­ge von Adopt-A-House, die ver­las­se­ne Gebäu­de bewa­chen woll­ten, oder Nach­bar­schafts­pa­trouil­len, die Brand­stif­ter zu Fuß auf­spü­ren woll­ten.

Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on: eine aggres­si­ve PR-Kam­pa­gne, um “die Gefah­ren der Brand­stif­tung” zu ver­mit­teln

Akti­vi­tä­ten für Teen­ager: von der Kir­che und der Stadt gespon­ser­te Film­ma­ra­thons, Tän­ze usw.

Aus­gangs­sper­re für Jugend­li­che: 18 Uhr Aus­gangs­sper­re für Jugend­li­che unter 18 Jah­ren

Ver­bot des Ver­kaufs von Treib­stoff: Kri­mi­na­li­sie­rung des Ver­kaufs von Ben­zin in trag­ba­ren Behäl­tern.

In jeder die­ser acht Vor­schrif­ten fin­den sich nahe­zu voll­kom­men ähn­li­che Stra­te­gien wie in Kris­ti­an Wil­liams Essay The Other Side of COIN, von denen er vie­le direkt aus dem U.S. Army Field Manu­al on Coun­ter­insur­gen­cy zitier­te.

Beson­ders deut­lich wird dies in der wider­sprüch­li­chen Stra­te­gie der Bewa­chung und des Abris­ses ver­las­se­ner Häu­ser, einem ein­deu­tig ver­zwei­fel­ten Ver­such, die Kon­trol­le über ein Gebiet wie­der­zu­er­lan­gen, das sein Zer­stö­rungs­mo­no­pol durch Selbst­ver­bren­nung unter­gra­ben hat­te.

Zwi­schen 1985–1996 gelang es der Stadt Detroit, vor allem durch die­se Stra­te­gien der Auf­stands­be­kämp­fung und blu­ti­ge Anti-Ban­den-Initia­ti­ven, die Brand­stif­tung zu Hal­lo­ween inner­halb der Stadt erheb­lich zu redu­zie­ren.

Obwohl es ver­lo­ckend ist, dar­aus den Schluss zu zie­hen, dass dies der Moment gewe­sen sein könn­te, in dem der rebel­li­sche Geist von Hal­lo­ween schließ­lich getö­tet wur­de, wür­de dies den fast bestän­di­gen Auf­stand nied­ri­ger Inten­si­tät leug­nen, der zurück­blieb und spä­ter auf ande­re Städ­te wie Cam­den und Cin­cin­na­ti über­griff.

Nach­dem der neue Bür­ger­meis­ter von Detroit 1994 öffent­lich den Tod der Teu­fels­nacht aus­ge­ru­fen und eine deut­lich gerin­ge­re Anzahl von Bür­ger­pa­trouil­len mobi­li­siert hat­te, stieg die Zahl der Brand­stif­tun­gen dra­ma­tisch an und zwang ihn, im nächs­ten Okto­ber eine Armee von 30.000 “Angel’s Night”-Freiwilligen zu mobi­li­sie­ren.

Ange­sichts die­ser stän­di­gen his­to­ri­schen Ver­pflich­tung, sei­ne Flam­men zu löschen, soll­ten wir viel­leicht nicht vom Tod des Hal­lo­ween-Geis­tes spre­chen, son­dern von sei­ner vor­über­ge­hen­den Gefan­gen­schaft. So sehr die hier vor­ge­stell­te Geschich­te auch nur irgend­ein Hin­weis ist: Momen­te der Unord­nung sind nichts, wenn sie nicht unvor­her­seh­bar sind.

Da die Zeit­räu­me des sozia­len Frie­dens zwi­schen den Auf­stän­den immer kür­zer wer­den und sich die Brän­de von Detroit mit denen von Cam­den und Fer­gu­son mit denen von Bal­ti­more ver­mi­schen, wird der Hal­lo­ween-Geist viel­leicht nicht als ein Moment im Okto­ber zurück­keh­ren, son­dern eher als “ein Fei­er­tag ohne Anfang und Ende”.

31. Okto­ber, das gan­ze Jahr über!

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