[gG:] (Spanien) Vor den Türen einer sozialen Explosion?

Eine Zusam­men­stel­lung von Berich­ten über die Aus­schrei­tun­gen in Spa­ni­en.

Vor den Türen einer sozia­len Explo­si­on?

Eine Zusam­men­stel­lung von Berich­ten über die Aus­schrei­tun­gen in Spa­ni­en.

Die spa­ni­sche Regie­rung, gebil­det von der PSOE (sozia­lis­tisch) und Pode­mos (Bünd­nis lin­ker Par­tei­en), setz­te am 24.10.20 um 18:24 erneut den Aus­nah­me­zu­stand durch. Die­ser ermög­licht der jet­zi­gen Regie­rung eine Rei­he von Maß­nah­men, die seit die­sem Sams­tag, wie die Aus­gangs­sper­re die ab Zehn Uhr Abends bis Sechs Uhr Mor­gens gilt. Die spa­ni­sche Ver­fas­sung deckt den Aus­nah­me­zu­stand ab, der dafür gedacht ist jeg­li­che Form von Auf­stän­den, Revol­ten und wil­den Streiks zu bekämp­fen. Dies ist unter ande­rem einer der Erben des Fran­quis­mus, wel­ches vom Mili­tär und den Faschis­ten so gewollt war, nütz­te letz­ten Endes jeder demo­kra­ti­schen Regie­rung (ob links oder rechts) um die natio­na­le Inte­gri­tät und Ein­heit des Lan­des zu garan­tie­ren, aber vor allem um den rei­bungs­lo­sen Ablauf des kapi­ta­lis­ti­schen All­tags, sprich deren Ver­wal­tung, zu gewähr­leis­ten und zu schützen.Die Regie­rung hat schon jetzt ange­kün­digt dass der Aus­nah­me­zu­stand bis zum neun­ten Mai 2021 aus­ge­ru­fen ist. Für die­se Zeit kann sie vie­le „Frei­hei­ten“ die den Bür­ger und Bür­ge­rin­nen garan­tiert sind auf­he­ben, sowie das Mili­tär mehr und mehr in die zivi­le Ver­wal­tung ein­zu­bin­den. Dies könn­te als absur­dum als eine Ver­let­zung demo­kra­ti­scher Rech­te ver­stan­den wer­den, für uns ist es nur die logi­sche Fol­ge die der poli­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on des Kapi­ta­lis­mus, sprich den Staat, schützt.

Nun fan­den an die­sem Wochen­en­de Aus­schrei­tun­gen in meh­re­ren Städ­ten des spa­ni­schen Staa­tes statt, wie in Bar­ce­lo­na, Bil­bao, Dono­s­ti, Eibar, Gas­teiz, Bur­gos, San­tan­der, Mála­ga, Logro­ño, Madrid, Gra­na­da, Car­ta­ge­na, Valen­cia und Sevil­la unter ande­rem. Es wur­den Bar­ri­ka­den gebaut, die Bul­len wur­den ange­grif­fen, Läden wur­den geplün­dert usw. Allei­ne am Sams­tag gab es ins­ge­samt 56 Fest­nah­men, laut den Medi­en.
Die Medi­en berich­ten mitt­ler­wei­le, es wür­de sich hier um einer Mischung zwi­schen Faschos aus der Ultra­sze­ne, Kri­mi­nel­len, bas­ki­schen und kata­la­ni­sche Sepa­ra­tis­ten und Sepa­ra­tis­tin­nen und Anti­sis­te­mas (was die dor­ti­ge Bezeich­nung für Chao­ten und Chao­tin­nen ist, aber meis­tens wer­den damit Anar­chis­ten und Anar­chis­tin­nen gemeint) han­deln. Auf jeden Fall eine inter­es­san­te Zusam­men­stel­lung und Mischung wenn man die­ser Schil­de­rung glau­ben will.

Wir haben ein paar Tex­te gefun­den die dar­über berich­ten und haben die­se über­setzt. Auch wenn wir wie immer nicht mit allem ein­ver­stan­den sind, was in die­sen steht, sind sie wich­ti­ge Berich­te um sich ein kla­re­res Bild über die Lage zu ver­schaf­fen.

Für uns ist es wich­tig auf­zu­zei­gen das mit dem offi­zi­el­len Beginn der staat­li­chen Maß­nah­men gegen die zwei­te Wel­le des Coro­na­vi­rus, Ereig­nis­se statt­ge­fun­den haben die den sozia­len Frie­den zumin­dest mini­mal in Fra­ge stel­len, was bis jetzt in der BRD durch sei­ne Abwe­sen­heit sehr auf­ge­fal­len ist und eine radi­ka­le Lin­ke sehr stark staat­li­che Slo­gans und Inter­es­sen ver­tre­ten hat.

Es geht nicht dar­um den Virus zu ver­leug­nen, son­dern es geht dar­um wie­der und wie­der dar­auf hin­zu­wei­sen was auf die­ser Welt pas­siert und durch die Coro­na-Hys­te­rie ver­schwie­gen wird.

Wir wei­gern uns die­sen Dis­kurs anzu­schlie­ßen, der jeden Men­schen als Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker, als Faschis­ten, von der Mafia, usw. abstem­pelt der gera­de auf die Stra­ße geht um gegen die Maß­nah­men zu pro­tes­tie­ren. Die­se Men­schen gibt es und sie gehö­ren bekämpft, aber dies soll nicht als eine Aus­re­de die­nen um nicht mehr auf die Stra­ße zu gehen. Denn alle Maß­nah­men sind in ers­ter Instanz immer Maß­nah­men um die Herr­schaft des Kapi­ta­lis­mus zu garan­tie­ren und nicht um das Leben von Men­schen zu schüt­zen.

Die kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se gehö­ren abge­schafft, sowie der Staat und alle For­men von Unter­drü­ckung.

Ein paar Anar­chis­tin­nen und Anar­chis­ten in Ber­lin

wei­te­re Infos auf pan​op​ti​con​.blog​sport​.eu

(Bur­gos) Über die Pro­tes­te in Gamo­nal

Gefun­den auf Val­la­do­lor

In einer kapi­ta­lis­ti­schen Welt, in der Indi­vi­dua­lis­mus die Regel ist, wer­den wir jetzt zu der Annah­me ver­lei­tet, dass die Mas­se der jun­gen Pro­le­ta­ri­er die hin­aus­ge­gan­gen ist, um dage­gen zu pro­tes­tie­ren, dass sie nach 22 Uhr in Bars trin­ken gehen oder fei­ern wol­len.

Tat­säch­lich sind vie­le der Anwe­sen­den ges­tern mit die­ser Absicht hin­aus­ge­gan­gen. Was wir sehen müs­sen und ihnen vor Augen füh­ren müs­sen, ist, dass der Hin­ter­grund die­ser indi­vi­du­el­len Pro­tes­te durch den wirt­schaft­li­chen Rah­men, in dem sie leben und in dem ihr Indi­vi­dua­lis­mus im Vor­der­grund steht, gedämpft wird.

Obwohl das Fei­ern der Aus­lö­ser ist, ist es nicht die Bedin­gung, eine Bedin­gung, die wir auf den ers­ten Blick nicht sehen, aber sie haben die Nase voll davon, und zwar durch eine Rei­he von Maß­nah­men, die sie wegen der Abkop­pe­lung, der sie durch den Kapi­ta­lis­mus unter­wor­fen sind, wohl vor­her nicht zum Han­deln gebracht haben, und wenn sie spon­tan han­deln, wenn sie unbe­wusst sehen, dass der Grund für ihre Ent­frem­dung jetzt nicht erlaubt ist.

Auch bei Gamo­nal kön­nen wir einen Genera­ti­ons­wech­sel beob­ach­ten. His­to­risch gese­hen war die­ses Vier­tel eine kämp­fe­ri­sche Nach­bar­schaft mit einer star­ken Klas­sen­kom­po­nen­te, in der sich der Kampf um das Kol­lek­tiv dreh­te. Die neue Genera­ti­on ver­liert die­se Kom­po­nen­te des kol­lek­ti­ven Kamp­fes durch ihre Ent­frem­dung.

Die­se Genera­ti­ons­schei­dung war auch in der Nach­bar­schaft zu beob­ach­ten, als die Nach­barn die­se Pro­tes­te ablehn­ten. Nicht, weil sie nicht gegen deren mög­li­che Moti­va­tio­nen sind, son­dern weil sie Teil einer indi­vi­du­el­len und nicht kol­lek­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on auf Kiez­ebe­ne sind und sich mit ihnen nicht so reprä­sen­tiert sehen, als ob man sie mit dem Bou­le­vard, mit der Stier­kampf­are­na, mit dem Park­platz oder mit der Erhö­hung des Bus­prei­ses sehen könn­te. Ver­schie­de­ne Unru­hen mit ver­schie­de­nen Genera­tio­nen, bei denen sie trotz spon­ta­ner Reak­tio­nen die­sen kol­lek­ti­ven Cha­rak­ter von Nach­bar­schaft und Klas­se hat­ten.

Ein wei­te­rer Fall, der her­vor­ge­ho­ben wer­den muss, ist, dass kei­ne revo­lu­tio­nä­re Orga­ni­sa­ti­on an die­sen Revol­ten teil­ge­nom­men hat, ja, dass sie sich nicht ein­mal des­sen bewusst waren. Dies mani­fes­tier­te die Spal­tung zwi­schen den Mas­sen und der Avant­gar­de, die, obwohl wir bereits wuss­ten, jetzt beob­ach­ten konn­ten, dass die Mas­sen die Orga­ni­sa­tio­nen nicht brau­chen, um sich um Pro­tes­te her­um zu orga­ni­sie­ren. Ich will damit nicht sagen, dass wir kei­ne pro­le­ta­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on brau­chen, im Gegen­teil, gera­de des­halb kön­nen wir sehen, wie ent­kof­fe­iniert die­se Pro­tes­te gewe­sen sind. Damit möch­te ich zei­gen, dass die Mas­sen ihre Situa­ti­on ändern wol­len und dass sie kämp­fen wol­len. Wenn wir als Revo­lu­tio­nä­re nicht wis­sen, wie wir die­sen Kampf kana­li­sie­ren kön­nen, um ihn mit den revo­lu­tio­nä­ren Kom­po­nen­ten aus­zu­stat­ten, sind wir zum Schei­tern ver­ur­teilt, und die­se Mas­sen wer­den von ande­ren Grup­pen gefegt wer­den, wie wir es bei der VOX gese­hen haben.

Es ist drin­gen­der denn je, dass wir ler­nen, die kon­kre­ten Situa­tio­nen, mit denen wir kon­fron­tiert sind, zu ana­ly­sie­ren und uns um eine revo­lu­tio­nä­re kas­til­lani­sche Orga­ni­sa­ti­on zu grup­pie­ren. Eine Orga­ni­sa­ti­on, die dar­an arbei­tet, die­se ekla­tan­te Schei­dung von den Mas­sen zu besei­ti­gen und sie in einen revo­lu­tio­nä­ren Kampf zu füh­ren, da revo­lu­tio­nä­res Bewusst­sein etwas ist, das außer­halb der spon­ta­nen Bewe­gung ent­wi­ckelt wird. Ein Kampf, der nicht unter den Refor­mis­mus des Kamp­fes für die „Öffent­lich­keit“ oder das „Volk“ fällt und wirk­lich ohne jede Ver­heim­li­chung für sozia­lis­ti­sche Wer­te kämpft.

Wir müs­sen uns der Gele­gen­heit stel­len. Jede sozia­le Bewe­gung, die nicht vom revo­lu­tio­nä­ren Pro­le­ta­ri­at geführt wird, wird von der Bour­geoi­sie geführt, egal wie sie dar­ge­stellt wird.

GAMONAL IN FLAMMEN

Die­je­ni­gen von uns, die in der Nach­bar­schaft woh­nen, sind von dem Feu­er der letz­ten Nacht nicht über­rascht. Das all­ge­mei­ne Gefühl, die Nase voll zu haben, macht­los zu sein, sich den Ent­schei­dun­gen einer Regie­rung aus­ge­lie­fert zu füh­len, die unter dem Deck­man­tel der Wis­sen­schaft alle bür­ger­li­chen Frei­hei­ten mit Aus­nah­me des obli­ga­to­ri­schen Cha­rak­ters von Arbeit und Kon­sum ver­nich­tet hat. Nicht indem die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­on in irgend­ei­ner Wei­se in Fra­ge gestellt wird, son­dern durch jede Art von sozia­ler oder poli­ti­scher Orga­ni­sa­ti­on.

Es über­rascht uns nicht, dass es sich die gan­ze Nacht über durch ver­schie­de­ne Stra­ßen in allen Vier­teln der Stadt aus­ge­brei­tet hat.

Es über­rascht uns nicht, dass sie genau von jun­gen Leu­ten orga­ni­siert wur­de. Denn es ist die glei­che pro­le­ta­ri­sche Jugend, die in den ver­gan­ge­nen Wochen in Madrid eine Rei­he von Mobi­li­sie­run­gen geführt hat, die die Klas­sen­tren­nung der Vier­tel sowie die Mili­ta­ri­sie­rung der Stra­ßen und der Lebens­be­din­gun­gen, denen sie aus­ge­setzt sind, anpran­gert.

Jun­ge Men­schen wer­den in Woh­nun­gen zusam­men­ge­pfercht, die sie – oft dank des Ein­kom­mens ihrer Eltern – nur sehr schwer bezah­len kön­nen. Jugend­li­che, die in Schu­len ohne Hei­zung bei 13º ein­ge­fro­ren sind (wie in der IES Enri­que Flo­rez, des­sen Schü­ler ges­tern aus Pro­test auf die Stra­ße gin­gen). Jugend­li­che, denen es ab 22 Uhr ver­bo­ten ist, ihre Freun­de zu sehen, die aber mög­li­cher­wei­se bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den Piz­zas auf Motor­rä­dern aus­lie­fern.

Eini­ge rann­ten schnell los und nann­ten sie „Coro­na-Leug­ner“. Um sie zu kri­mi­na­li­sie­ren. Zu sagen, dass „dies nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt ist“. Oder, im Fal­le von VOX, zu ver­su­chen, sie sich anzu­eig­nen und dabei zu igno­rie­ren, dass vie­le von ihnen Migran­ten der zwei­ten Genera­ti­on sind und dass die Rede, wenn über­haupt, nur wenig ihrer eige­nen ähnelt.

Die pro­le­ta­ri­sche Jugend ist auf die Stra­ße gegan­gen, ohne die Zustim­mung einer völ­lig funk­ti­ons­un­fä­hi­gen Lin­ken, die weit von der Rea­li­tät in den Vier­teln ent­fernt ist. In der die abs­trak­ten Dis­kur­se von „Volks­ge­sund­heit“ oder „Repu­blik“ weit von den täg­li­chen Bedürf­nis­sen der Jugend ent­fernt sind.

Rasch sagt Mañue­co, der Vor­stands­vor­sit­zen­de, dass die­se jun­gen Leu­te nicht dazu bei­tra­gen, „einen gemein­sa­men Feind zu bekämp­fen, der der COVID ist“. Und wir kön­nen nicht anders als lachen. Der­sel­be Feind sagt es, der die War­te­schlan­gen für die Ver­tei­lung von Lebens­mit­teln aus den Netz­wer­ken der Klas­sen­so­li­da­ri­tät nicht sieht, der­sel­be Feind sagt es, der die Räu­mungs­be­feh­le nicht sieht, die stän­di­ge Angrif­fe auf die Müt­ter die­ser Kin­der, die alles ver­brannt haben, her­vor­ru­fen.

Der Feind war schon immer die Mañue­co-Klas­se. Denn wäh­rend Sie die­se neue Gefan­gen­schaft, die Ihnen in Ihren Vil­len in den Wohn­vier­teln ver­spro­chen wird, in Gamo­nal ver­brin­gen wer­den, wer­den die­se jun­gen Leu­te sie sicher­lich in Häu­sern ver­brin­gen, in denen die Hei­zung täg­lich eine Stun­de ein­ge­schal­tet ist, um nicht zu ver­schwen­den, in Häu­sern, die nie sicher erschei­nen, die immer von der Räu­mung bedroht sind.

Und ja, sicher­lich sind die­se Mobi­li­sie­run­gen kein All­heil­mit­tel für irgend­et­was. Aber die Kri­mi­na­li­sie­rung der pro­le­ta­ri­schen Jugend zeigt uns nur, unter wel­chen Inter­es­sen jeder ein­zel­ne dar­auf reagiert. Und selt­sa­mer­wei­se haben sich die der PP und der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Lin­ken als gleich­wer­tig erwie­sen.

Vor den Toren einer sozia­len Explo­si­on? Refle­xio­nen aus San­tan­der

Gefun­den auf Brie­ga

Ich lie­be den Geruch aus­ge­brann­ter Müll­con­tai­ner am Mor­gen. Covid-Apo­ka­lyp­se jetzt

Ges­tern Abend gab es auf der Pla­za del Ayun­ta­mi­en­to de San­tan­der eine Kund­ge­bung gegen die Aus­gangs­sper­re, die mit einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Demons­tran­ten und der Poli­zei ende­te. Die ins Inter­net hoch­ge­la­de­nen Vide­os zei­gen uns wie die Bul­len ihre Schlag­stö­cke ein­set­zen und wie Con­tai­ner bren­nen, unge­wöhn­li­che Bil­der in die­ser Gegend. Von hier aus nut­zen wir die Gele­gen­heit, unse­re Soli­da­ri­tät mit den von der Poli­zei geschla­ge­nen Men­schen sowie mit den Ver­haf­te­ten zu bekun­den.

Ähn­li­che Ereig­nis­se ereig­ne­ten sich auch in ande­ren Städ­ten Spa­ni­ens, wie Bil­bao, Bar­ce­lo­na und Bur­gos. Da fragt man sich doch, ob wir nicht am Ran­de einer neu­en sozia­len Explo­si­on ste­hen. Es ist noch zu früh, um dies zu sagen. Klar ist, dass die Müdig­keit ange­sichts der Aus­wir­kun­gen der aktu­el­len Pan­de­mie und vor allem vor den inko­hä­ren­ten und liber­ti­zi­den poli­ti­schen Maß­nah­men, die zur angeb­li­chen Ein­däm­mung der Pan­de­mie ergrif­fen wer­den, wächst. Ein­sper­run­gen, Aus­gangs­sper­ren, Ver­bo­te aller Art, die Abschaf­fung der Schul­fe­ri­en von einem Tag auf den ande­ren… wir hal­ten es nicht für not­wen­dig, ins Detail zu gehen. Zu die­ser Situa­ti­on kommt eine neue Wirt­schafts­kri­se hin­zu, die gera­de erst beginnt, aber in den kom­men­den Mona­ten ver­hee­ren­de Fol­gen haben dürf­te, was eben­falls zu einer auf­ge­heiz­ten Atmo­sphä­re bei­trägt.

Viel­leicht wer­den die gest­ri­gen Ereig­nis­se nicht wei­ter ver­folgt. Sie kön­nen jedoch eine War­nung vor dem sein, was noch kom­men wird. Die­ser „Trai­ler“ des Films, der noch nicht ver­öf­fent­licht wur­de, hin­ter­lässt uns inter­es­san­te Hin­wei­se auf die Hand­lung.

Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Pla­kat für die Kund­ge­bung in San­tan­der den abge­dro­sche­nen Satz „weder links noch rechts, gesun­der Men­schen­ver­stand“ ent­hielt, wobei die Logos der wich­tigs­ten poli­ti­schen Par­tei­en durch­ge­stri­chen waren. Das mag uns an das „sie reprä­sen­tie­ren uns nicht“ der 15M erin­nern, weist aber eher dar­auf hin, dass es die „Regen­schirm­flos­kel“ ist, hin­ter der sich faschis­ti­sche oder natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Grup­pen ver­ste­cken. In Bar­ce­lo­na sind in der Tat anti­se­mi­ti­sche Graf­fi­ti und kel­ti­sche Kreu­ze bei den Demons­tra­tio­nen auf­ge­taucht, um die Prä­senz die­ser Grup­pen zu demons­trie­ren.

Zwei­tens ist es über­ra­schend, dass die­se Demons­tra­tio­nen zur Ver­bren­nung von Stra­ßen­mo­bi­li­ar und zu Kon­fron­ta­tio­nen mit der Poli­zei füh­ren. Dies steht zum Bei­spiel im Gegen­satz zu 15M, wo der Dis­kurs der Gewalt­lo­sig­keit und des pas­si­ven Wider­stands von Anfang an vor­herrsch­te.

Drit­tens gibt es das Para­do­xon, dass die Stra­ßen unru­hig wer­den und dass die „Lin­ke“ in der Regie­rung ist. Die typi­sche „Keil“-Aussage, dass „wenn die Rech­te regie­ren wür­de, wür­den die Stra­ßen bereits bren­nen“, ist zwar trü­ge­risch, aber sie ent­hält auch eine gewis­se Wahr­heit. Wenn die Lin­ke an der Macht ist, ist es tra­di­tio­nell schwie­ri­ger für die Men­schen, auf die Stra­ße zu gehen, schon allein wegen des anhal­ten­den Gewichts der Gewerk­schaf­ten und ihrer Fähig­keit, sich zu mobi­li­sie­ren (oder zu demo­bi­li­sie­ren). Dies hat meh­re­re Kon­se­quen­zen: Wenn die Mobi­li­sie­run­gen zuneh­men, wird es kei­ne Mög­lich­keit für lin­ke par­la­men­ta­ri­sche poli­ti­sche For­ma­tio­nen geben, die Unzu­frie­den­heit zu kana­li­sie­ren, wie Pode­mos es bei M15 getan hat­te. Ande­rer­seits könn­te sie rech­te Par­tei­en begüns­ti­gen, auch wenn sie zuerst die „anti­sys­te­ma­ti­schen“ Ele­men­te der Pro­tes­te berei­ni­gen müs­sen. In die­ser Hin­sicht wird der Umgang der (haupt­säch­lich kon­ser­va­ti­ven) Pres­se mit den Demons­tra­tio­nen von ent­schei­den­der Bedeu­tung sein. Ein wei­te­res inter­es­san­tes Ele­ment, das es zu berück­sich­ti­gen gilt, ist die Reak­ti­on der Poli­zei. Die Gewalt wird vie­len Men­schen vor Augen füh­ren, wel­che Rol­le sie bei der Bewah­rung des Sta­tus quo wirk­lich spie­len, und zwar unab­hän­gig davon, ob Pro­gres­si­ve oder Kon­ser­va­ti­ve an der Macht sind.

Und was ist mit den Liber­tä­ren?

Wäh­rend die Stra­ßen ges­tern in Flam­men stan­den, respek­tier­ten Men­schen mit libe­ra­ler Gesin­nung (ein­schließ­lich uns) reli­gi­ös die Aus­gangs­sper­re in ihren Schlaf­an­zü­gen und in ihren Bet­ten. Wir beto­nen die­se Tat­sa­che nicht wegen des Feti­schis­mus der Gewalt in den Städ­ten, son­dern weil wir über­rascht sind, dass die Men­schen, die den dik­ta­to­ri­schen Maß­nah­men der letz­ten Mona­te angeb­lich am kri­tischs­ten gegen­über­ste­hen, wenn es dar­um geht, gegen sie zu pro­tes­tie­ren, abwe­send sind. Man könn­te sich fra­gen, war­um das so ist.

Sicher­lich stellt sich die Fra­ge nach der „All­er­gie“ gegen die Nazis und danach, die Teil­neh­mer nicht als „unse­re eige­nen“ zu iden­ti­fi­zie­ren. Es ist ver­ständ­lich, dass wir mit einer sol­chen Figur nicht mit­ma­chen wol­len und dass die Reden durch die Zwei­deu­tig­keit der Slo­gans und die unkla­ren Zie­le der Auf­ru­fe ver­wirrt sind. Wir glau­ben jedoch, dass es ein Feh­ler ist, nicht anwe­send zu sein. Wenn wir, wie wir glau­ben, am Ran­de eines neu­en Zyklus von Mobi­li­sie­run­gen ste­hen (und wer weiß, ob er auf­stän­disch sein wird), dür­fen wir nicht zulas­sen, dass er von faschis­ti­schen oder natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Grup­pen ange­führt wird. Und im Moment fan­gen die Din­ge schlecht an. Wir kön­nen Leh­ren aus der Gel­be-Wes­ten-Bewe­gung in Frank­reich zie­hen, die zum Teil von rechts­ex­tre­men For­ma­tio­nen geför­dert wur­de, die dann aber bei den Mobi­li­sie­run­gen zurück­ge­drängt wur­de. Und dort spiel­ten die Liber­tä­ren eine wich­ti­ge Rol­le.

Um anwe­send zu sein, ja. Aber wie? An die­ser Stel­le kommt die Not­wen­dig­keit ins Spiel, sich zu orga­ni­sie­ren, um zu wis­sen, wel­che Art von Reak­ti­on auf sol­che Ereig­nis­se zu geben ist. Nicht zu den Pro­tes­ten zu gehen aus der blo­ßen Über­zeu­gung her­aus, dass „man dabei sein muss“. Wir soll­ten dar­über nach­den­ken, inwie­weit unse­re Ideen und Prak­ti­ken nütz­lich sein kön­nen und wie wir sie wei­ter­ge­ben kön­nen.

Und an die­ser Stel­le hören wir auf. Die­se Wor­te wur­den in Eile geschrie­ben, als Reak­ti­on auf die Ereig­nis­se des Vor­ta­ges, so dass es sicher not­wen­dig sein wird, spä­ter eine ruhi­ge­re und tief­grün­di­ge­re Ana­ly­se all des­sen vor­zu­neh­men, und auch abhän­gig davon, wie sich die Situa­ti­on ent­wi­ckelt.

Anonym

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