[gG:] Kultur braucht Freiräume – Projekt 31 erhalten

Das Pro­jekt 31 ist bedroht. Ein aus­lau­fen­der Miet­ver­tag, kapi­ta­lis­ti­sche Inves­to­ren & stei­gen­de Boden­prei­se machen nicht nur dem P31 zu schaf­fen son­dern betref­fen alle Frei­räu­me in der Regi­on. Zeit dage­gen etwas zu tun und den Pro­jek­ten den Rücken zu stär­ken! Kommt am 12.12 14 Uhr zum Auf­seß­platz und zeigt Eure Soli­da­ri­tät. Kein Tag ohne auto­no­mes Zen­trum!
Kul­tur braucht Frei­räu­me – Pro­jekt 31 erhal­ten

Mit Vor­freu­de auf das heu­ti­ge Kon­zert kommst du zum Pro­jekt 31. Schon auf dem Hof emp­fängt dich der köst­li­che Duft von vega­nem Essen, du begrüßt dei­ne Freund*innen und holst dir eine Apfel­schor­le… Doch dein Traum fin­det ein jähes Ende und du stehst auf einem grau­en, kal­ten Park­platz wo frü­her unser Frei­raum, das Pro­jekt 31 war.

Dies könn­te bald Wirk­lich­keit wer­den, denn unser Gelän­de wur­de von einer Invest­ment­fir­ma gekauft, wel­che ab Anfang Febru­ar 2021 Eigen­tums­woh­nun­gen in den Hof bau­en und unser Pro­jekt in einen Park­platz ver­wan­deln will. Wir ver­su­chen auf der miet­recht­li­chen Ebe­ne und durch Gesprä­che mit Vertreter*innen von Stadt und Poli­tik unse­re Zukunft zu sichern, doch allein dar­auf kön­nen wir uns nicht ver­las­sen. Des­halb ver­su­chen wir mit allen uns zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln den Erhalt unse­res selbst­ver­wal­te­ten Jugend- und Kul­tur­zen­trums zu sichern. Das Pro­jekt 31 braucht eine Zukunft! Lasst und des­we­gen am 12.12. gemein­sam auf die Stra­ße gehen!

Ver­drän­gung unkom­mer­zi­el­ler Räu­me

Das Pro­jekt 31 ist ein unkom­mer­zi­el­ler Ort. Ein Raum, in dem eine Alter­na­ti­ve zu den bestehen­den Ver­hält­nis­sen gelebt und geübt wird. Der Ver­such, einen Frei­raum zu schaf­fen, ohne Hier­ar­chien, Dis­kri­mi­nie­run­gen, Abwer­tun­gen. Ein Ort um sich zu ver­net­zen, aus­zu­pro­bie­ren, zu begeg­nen. Ganz ohne Leis­tungs­druck oder Kon­sum­zwang.

Sol­che Orte wer­den aller­dings immer sel­te­ner. Inverstor*innen kau­fen und kau­fen, wer­den immer rei­cher, denn es geht dabei aus­schließ­lich um Gewinn­ma­xi­mie­rung, dar­um noch mehr Geld aus allem raus­zu­ho­len.

Die Mie­ten stei­gen und stei­gen für die Bewohner*innen der Stadt Nürn­berg. Wer sich das nicht leis­ten kann, hat in die­ser Logik auch kei­nen Platz ver­dient, wird ver­drängt – wohin auch immer, das inter­es­siert nicht. Selbst öffent­li­che Plät­ze wer­den pri­va­ti­siert oder unlieb­sa­mes Kli­en­tel durch Ord­nungs­amt und Poli­zei ver­trie­ben. Durch die Ver­dich­tung der Stadt gibt es kei­nen bezahl­ba­ren Raum für Kul­tur­schaf­fen­de – aber für Büro­kom­ple­xe wie die GFK fin­den sich gro­ße Area­le. Damit noch mehr Pendler*innen ange­zo­gen wer­den, im Berufs­ver­kehr in unse­rem Vier­tel ste­cken blei­ben und uns wort­wört­lich die Luft zum Atmen neh­men.

Wir leben in einer Gesell­schaft, in der Inter­es­sen von Mehr­wert und Kapi­tal über den Inter­es­sen der Men­schen und ihren Bedürf­nis­sen ste­hen. Einen Raum erhal­ten nicht die, die ihn nut­zen und bespie­len wol­len, son­dern die mit dem meis­ten Geld.

Die­se Pro­zes­se spie­len sich nicht nur rund um das Pro­jekt 31 ab, son­dern über­all. Egal ob mensch nach Ber­lin, Leip­zig, Köln oder eben Nürn­berg schaut – das Bild ist das glei­che: Weg­nah­me der Räu­me, feh­len­de finan­zi­el­le Res­sour­cen, poli­ti­sche Angrif­fe und Dele­gi­ti­ma­ti­ons­ver­su­che. Denn es ist nicht nur die kata­stro­pha­le Situa­ti­on auf dem Immo­bi­li­en­markt dafür ver­ant­wort­lich, son­dern es geht auch um poli­ti­sche Inter­es­sen und Prio­ri­tä­ten. In einer zuneh­mend auto­ri­tä­ren Gesell­schaft, die immer wei­ter nach rechts rückt, wer­den auch Orte, die sich dem Wider­set­zen immer stär­ker bedroht. Wäh­rend faschis­ti­sche Ten­den­zen inner­halb der Gesell­schaft immer deut­li­cher zuta­ge tre­ten, wer­den lin­ke Räu­me deutsch­land­weit platt gemacht.

Kämp­fe um den Erhalt von Räu­men wie dem Pro­jekt 31 sind somit immer auch Kämp­fe für eine offe­ne, anti­fa­schis­ti­sche und eman­zi­pa­to­ri­sche Gesell­schaft.

Kul­tur von unten – Stadt für Alle

Doch die Ver­drän­gung von unkom­mer­zi­el­len, offe­nen Räu­men führt not­wen­di­ger­wei­se zu dem Aus­schluss vie­ler Men­schen aus der Öffent­lich­keit, Teil­ha­be am kul­tu­rel­len Leben wird zum Pri­vi­leg. Der Man­gel an bezahl­ba­ren Pro­be­räu­men, Ate­liers und ande­ren Kul­tur­räu­men ist seit Jah­ren bekannt, geän­dert hat sich nichts. Der all­täg­li­che Kampf, genug Geld für die Mie­te auf­brin­gen zu kön­nen, geht auf Kos­ten der Krea­ti­vi­tät und der Freu­de an krea­ti­ven Pro­zes­sen.

Die mit der Coro­na-Pan­de­mie ein­her­ge­hen­de Wirt­schafts­kri­se ver­schärft die Situa­ti­on vie­ler Kul­tur­schaf­fen­der zusätz­lich. Doch anstatt die bestehen­de Kul­tur­land­schaft zu unter­stüt­zen, agiert die Stadt oft im luft­lee­ren Raum, ver­pul­vert bei­spiels­wei­se Geld für Was­ser­spie­le auf einer neu errich­te­ten Büh­ne am Dut­zend­teich für ein Publi­kum das Platz auf Tret- und Schlauch­boo­ten ein­nimmt. Dies steht in kras­sem Wider­spruch dazu, wie taten­los zuge­schaut wird, wie unkom­mer­zi­el­le kul­tu­rel­le Räu­me ver­drängt wer­den. Anstatt genug zen­tra­le Orte für Kunst und Kul­tur zur Ver­fü­gung zu stel­len und die Bedürf­nis­se der Kul­tur­schaf­fen­den ernst zu neh­men, bewirbt sich die Stadt lie­ber zur Kul­tur­haupt­stadt 2025. Es wider­strebt uns jedoch zutiefst in Wett­be­werb mit ande­ren Städ­ten und ande­ren Kul­tur­lä­den zu tre­ten und gegen sie zu kon­kur­rie­ren. Kul­tur darf nicht zum Pres­ti­ge-Objekt ver­kom­men und ist erst recht kein Sie­ges­po­kal den es zu gewin­nen gilt.

Es geht um den Erhalt von kul­tu­rel­len Räu­men, genau­so wie um bezahl­ba­ren Wohn­raum. Es geht um mehr Grün­flä­chen in der Stadt, mehr Orte der Begeg­nung ohne Kon­sum­zwang. Kurz­um: Wir wol­len eine Stadt für alle und eine Kul­tur von unten! Wir sind vie­le und wenn wir gemein­sam kämp­fen, kön­nen wir auch gewin­nen.

Lasst uns auf die Stra­ße gehen!

Wo sol­len sich Men­schen ken­nen ler­nen, sich orga­ni­sie­ren, sich poli­tisch bil­den, wenn es kei­ne Räu­me gibt, an denen sie sich tref­fen kön­nen? Wie sol­len Ideen ent­wi­ckelt und Gedan­ken aus­ge­tauscht wer­den, wenn immer Auf­sichts­per­so­nen anwe­send sind, die jeder­zeit repres­siv ein­grei­fen kön­nen? Wie soll Eigen­in­itia­ti­ve und Ver­ant­wor­tung geübt wer­den, wenn es haupt­säch­lich Räu­me gibt, an denen die Din­ge von oben her­ab mit Hier­ar­chien gere­gelt wer­den?

Geht gemein­sam mit uns am 12.12. auf die Stra­ße, um zu zei­gen, dass das Pro­jekt 31 nicht ver­schwin­den darf!

Denn kein Frei­raum in Nürn­berg oder sonst wo darf ver­schwin­den! Im Gegen­teil – wir brau­chen noch viel mehr davon!

Wir wol­len nicht mehr um unse­re Zukunft ban­gen! Wir wol­len eine Per­spek­ti­ve – und die­se wol­len wir selbst gestal­ten!

Don‘t go brea­king my heart – Frei­räu­me erhal­ten!

Kommt mit uns auf die Stra­ße!

12.12.2020 um 14 Uhr am Auf­seß­platz Nürn­berg

Unter­stützt von: Knei­pen­kol­lek­tiv Arsch & Fried­rich, Bun­ker­syn­di­kat, Initia­ti­ve Mie­ten­wahn­sinn stop­pen, Casa­blan­ca Film­kunst­thea­ter, Radio – Z , Orga­ni­sier­te Auto­no­mie, femi­nis­ti­sches Kon­zert­kol­lek­tiv Arsch & Fri­da, Armed with a Mind, Revo­lu­tio­när orga­ni­sier­te Jugend­ak­ti­on, Grup­pe Anti­the­se, Kunst­ver­ein, Info­la­den Ben­a­rio, Stadt­teil­zen­trum Desi, FLINT* Komi­tee – für einen fem­ins­ti­schen Streik, 8. März Bünd­nis Nürn­berg, Fal­ken Nürn­berg, Auf der Suche – Anar­chis­ti­sche Grup­pe Nürn­berg, Initia­ti­ve Kunst braucht Raum, Zen­trum Wie­sen­grund Erlan­gen, Anti­fa­schis­ti­sche Initia­ti­ve – Das Schwei­gen durch­bre­chen, Inter­ven­tio­nis­ti­sche Lin­ke Nürn­berg, Trou­ble in Para­di­se, Wagen­burg Kris­tall­pa­last, Sän­ders e.V., Mops von Gos­ten­hof, Der Gos­ten­ho­fer Dorf­schul­ze, Krä­hen­gar­ten, Musik­ver­ein, AG Woh­nen des Sozi­al­fo­rums Nürn­berg, Z‑Bau – Haus für Gegen­warts­kul­tur, Polit­ban­de, Kul­tur­li­ga, Cafe Kaya, Club Ste­reo, Eat-the-Beat e.V., E‑Werk Erlan­gen, Kul­tur­Kel­le­rei, Kul­tur­ort Bad­stra­ße 8, Kunst­kel­ler 027, MUZ Club, Mata Hari Bar, Nas­ty Enter­tain­ment, Die Rake­te, nbg-breaks e.V.

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