[labournet:] Gegen einen Bundeswehreinsatz wegen „der Seuche“: Weder in Baden-Württemberg noch anderswo!

Dossier

Protest gegen den Einsatz von Soldat/innen in der Corona-Pandemie bei der Stadt Bochum: Das Gesundheitssystem braucht Geld – keine Soldat*innen„… In den letz­ten zwei Wochen lie­fen die Vor­be­rei­tun­gen für einen gro­ßen Inlands­ein­satz der Bun­des­wehr in klei­nen Schrit­ten. Am 14. März for­der­te Bay­erns Minis­ter­prä­si­dent Söder einen flä­chen­de­cken­den Inlands­ein­satz der Bun­des­wehr. In der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz am 19. März prä­sen­tier­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Kramp-Kar­ren­bau­er die Stra­te­gie der Bun­des­wehr für ihren Ein­satz gegen die Coro­na-Pan­de­mie. Dabei brach­te sie auch den Ein­satz von Soldat*innen für den Objekt­schutz von Kri­ti­scher Infra­struk­tur in Deutsch­land ins Gespräch. Gene­ral­inspek­teur Zorn beschwich­tig­te, indem er behaup­te­te, die Bun­des­wehr wer­de kei­ne Aus­gangs­sper­ren über­wa­chen, oder „Coro­na-Par­tys“ auf­lö­sen. Durch einen Bericht der Stutt­gar­ter Zei­tung am 26. März wur­de bekannt, dass das Innen­mi­nis­te­ri­um von Baden-Würt­tem­berg mit der Bun­des­wehr im Gespräch ist, ob nicht Soldat*innen, die wegen hohen Kran­ken­stands geschwäch­te Poli­zei unter­stüt­zen könn­ten. Damit ste­hen auch gemein­sa­me Patrouil­len von Polizist*innen und bewaff­ne­ten Soldat*innen in der Öffent­lich­keit im Raum. Am 27. März über­traf ein Bericht des Spie­gels dann alle Befürch­tun­gen: Die Bun­des­wehr macht mobil. Auf wel­cher Rechts­grund­la­ge die geplan­ten Ein­sät­ze ste­hen sol­len, ist bis­her voll­kom­men unklar. Zu die­ser ele­men­ta­ren Fra­ge fin­det sich auch in State­ments und Inter­views aus Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um und Bun­des­re­gie­rung momen­tan nichts. Auf die Fra­ge: „Steht die Bun­des­wehr dann auch bereit, Stra­ßen­sper­ren zu errich­ten, Aus­geh­ver­bo­te durch­zu­set­zen, not­falls mit Waf­fen­ge­walt?“, ant­wor­te­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Kramp-Kar­ren­bau­er in einem Inter­view mit der FAZ am 28. März – also nach Bekannt­wer­den der Mobil­ma­chung – mit einem rela­ti­vie­ren­den State­ment: „Nein, ich kann mir das, so wie sie es schil­dern, nicht vor­stel­len. Das gibt die Rechts­la­ge in Deutsch­land nicht her“. Die zen­tra­le Fra­ge, was die auch für „Absi­che­rung“, „Schutz“, „Ord­nungs-“ und „Ver­kehrs­dienst“ in Bereit­schaft ste­hen­den Soldat*innen, mit wel­chen Rech­ten gegen­über der Bevöl­ke­rung aller­dings tun sol­len, wur­de nicht gestellt...“ – aus dem Bei­trag „An der Gren­ze der Ver­fas­sung und dar­über hin­aus“ von Mar­tin Kirsch am 30. März 2020 bei IMI-Online externer Link über die Vor­be­rei­tun­gen zum Bun­des­wehr­ein­satz im Inne­ren. Sie­he dazu wei­te­re Bei­trä­ge – auch zu der begin­nen­den Debat­te um Grund­ge­setz-Ände­rung – sowie Berich­te über ers­te Pro­test­ak­tio­nen:

  • Bun­des­wehr kämpft mit 5000 Sol­da­ten gegen das Coro­na­vi­rus New
    Seit dem Früh­jahr hal­ten sich 15.000 Bun­des­wehr-Sol­da­ten bereit, um Län­der und Kom­mu­nen in der Coro­na-Pan­de­mie zu unter­stüt­zen. Aktu­ell ist etwa ein Drit­tel der Kräf­te im Ein­satz. Hel­fen kann die Bun­des­wehr nicht nur bei der Kon­takt­nach­ver­fol­gung, son­dern in vie­len ande­ren Berei­chen. (…) Es gebe noch eine gan­ze Rei­he von Din­gen, die die Bun­des­wehr machen könn­te externer Link: „Aber wir wer­den ja nicht von uns aus aktiv, son­dern wir ste­hen bereit, wenn wir ange­for­dert wer­den.“ Nach den Wor­ten von Schel­l­eis ver­fügt die Bun­des­wehr auch über Fähig­kei­ten im Bereich der Logis­tik. So lage­re man für das Bun­des­land Sach­sen-Anhalt medi­zi­ni­sche Schutz­aus­rüs­tung ein und ver­tei­le sie…” Mel­dung vom 29.10.2020 beim Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land externer Link
  • Pro­test gegen den Ein­satz von Soldat/​innen in der Coro­na-Pan­de­mie bei der Stadt Bochum (und Bre­men): Das Gesund­heits­sys­tem braucht Geld – kei­ne Soldat*innen
  • »Die Bun­des­wehr hat im Inland nichts zu suchen«
    “Die »Deut­sche Frie­dens­ge­sell­schaft – Ver­ei­nig­te Kriegs­dienst­geg­ne­rIn­nen« (DFG-VK) kri­ti­siert die geplan­te Aus­wei­tung des Ein­sat­zes der Bun­des­wehr zur Bekämp­fung der Covid-19-Pan­de­mie. Der­zeit unter­stüt­zen cir­ca 1 400 Sol­da­ten die Gesund­heits­äm­ter bei der Nach­ver­fol­gung von Infek­ti­ons­ket­ten oder dem Tes­ten von Rei­se­rück­keh­rern.” Micha­el Schul­ze von Gla­ßer, poli­ti­scher Geschäfts­füh­rer der DFG-VK, hat beim Small Talk der »Jung­le World« am 22. Okto­ber 2020 mit Peter Nowak gespro­chen externer Link: “… Die Bun­des­wehr hat im Inland nichts zu suchen. Nur in weni­gen Aus­nah­me­fäl­len und in einem sehr begrenz­ten Rah­men darf das Mil­itär laut Grund­ge­setz im Inland tätig wer­den. Das war eine Leh­re aus der deut­schen Geschich­te: Das preu­ßisch-deut­sche Mili­tär nahm Mit­te des 19. Jahr­hun­derts eine unrühm­li­che Rol­le als »Staat im Staat« ein. Seit Jahr­zehn­ten gibt es aber vor allem aus der CDU/​CSU Ver­su­che, die Tren­nung von Poli­zei im Inland und Bun­des­wehr im Aus­land auf­zu­wei­chen. (…) Wir sehen natür­lich das der­zei­ti­ge Dilem­ma: Wir haben eine Pan­de­mie und brau­chen in den Gesund­heits­äm­tern vie­le Arbeits­kräf­te. In den Kaser­nen der Bun­des­wehr wie­der­um sit­zen vie­le staat­lich bezahl­te Men­schen. Da ist es nahe­lie­gend, die Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten in die zivi­len Behör­den zu schi­cken. Wie sind wir über­haupt in die­se Situa­ti­on gekom­men? Die Fra­ge legt die fal­schen poli­ti­schen Regie­rungs­schwer­punk­te der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te offen. Man hat den Gesund­heits­sek­tor und die zivi­le Sicher­heits­ver­sor­gung zuguns­ten einer mas­si­ven mili­tä­ri­schen Auf­rüs­tung kaputt­ge­spart und die aktu­el­le Not­si­tua­ti­on damit her­vor­ge­ru­fen. Die Kon­se­quenz muss daher sein, deut­lich weni­ger Geld für den Mili­tä­re­tat aus­zu­ge­ben und deut­lich mehr Geld in die zivi­le Sicher­heits­ver­sor­gung zu ste­cken. (…) Der gera­de ablau­fen­de Inlands­ein­satz ist eher ein wei­te­rer Schritt hin zu einer Nor­ma­li­sie­rung sol­cher Ein­sät­ze. Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sol­len sich an die Bun­des­wehr im Inland gewöh­nen, dann kann man die Ein­sät­ze Stück für Stück aus­wei­ten. (…) Zu Beginn der Pan­de­mie gab es aus der CDU Stim­men, bewaff­ne­te Sol­da­ten zur direk­ten Unter­stüt­zung der Poli­zei ein­zu­set­zen. Damit wäre eine rote Linie über­schrit­ten wor­den. Zum Glück kam es nicht dazu. Aber wir müs­sen acht­sam sein.”
  • So eben Mal den Ein­marsch der Bun­des­wehr in Ber­li­ner Gesund­heits­äm­ter beschlos­sen: Wider­stand beginnt
  • (Oliv-) Grü­ne ver­zich­ten (nach viel Druck) auf den Ein­marsch der Bun­des­wehr in Baden-Würt­tem­berg
  • »Dein Jahr für Deutsch­land«. End­lich wie­der die­nen dür­fen: Bun­des­wehr stellt »Heimatschutz«-Truppe für den Inlands­ein­satz auf
  • „Die Gren­zen des Mach­ba­ren“ am 30. März 2020 bei Ger­man For­eign Poli­cy externer Link berich­tet vom bis­her gewe­se­nen und jetzt geplan­ten – und der dadurch insze­nier­ten Debat­te um eine wei­te­re Grund­ge­setz – Ände­rung: „… Die Bun­des­wehr steht vor einem mög­li­cher­wei­se län­ger andau­ern­den Groß­ein­satz im Inland. Ab Frei­tag die­ser Woche (3. April) sol­len 15.000 Sol­da­ten voll ein­satz­be­reit sein, um unter­schied­li­che Tätig­kei­ten im Kampf gegen das Covid-19-Virus zu über­neh­men. For­mal han­delt es sich dabei um soge­nann­te Amts­hil­fe nach Arti­kel 35 des Grund­ge­set­zes; dem­nach kön­nen die Streit­kräf­te ange­for­dert wer­den, sofern dies zur Bewäl­ti­gung einer Natur­ka­ta­stro­phe oder eines beson­ders schwe­ren Unglücks­falls als nötig gilt. Bereits Mit­te März haben Mili­tärs in Ein­zel­fäl­len Amts­hil­fe zu leis­ten begon­nen, so etwa bei der Bereit­stel­lung und der Ein­la­ge­rung von Mate­ri­al, dar­un­ter Atem­schutz­mas­ken und Schutz­an­zü­ge, bei der Durch­füh­rung von Tests und bei der Ver­sor­gung von Lkw-Fah­rern, die in Dut­zen­de Kilo­me­ter lan­gen Staus vor der Gren­ze zu Polen fest­sa­ßen. Bis Ende ver­gan­ge­ner Woche waren gut 200 Anträ­ge auf Amts­hil­fe bei der Bun­des­wehr ein­ge­gan­gen; davon waren 44genehmigt wor­den, neun waren abge­schlos­sen, 25 wer­den zur Zeit durch­ge­führt. (…) Mit­ge­tra­gen wird der Covid-19-Inlands­ein­satz der Bun­des­wehr auch von Reser­vis­ten. Bis Ende ver­gan­ge­ner Woche hat­ten sich knapp 8.000 von ihnen frei­wil­lig gemel­det. Hin­zu kommt, dass die Debat­te über eine Grund­ge­setz­än­de­rung zur Aus­wei­tung der­ar­ti­ger Ein­sät­ze begon­nen hat. Nach ers­ten Über­le­gun­gen des CDU-Mili­tär­po­li­ti­kers Rode­rich Kie­se­wet­ter, den Grund­ge­setz­ar­ti­kel 35 um die aus­drück­li­che Nen­nung von Pan­de­mien als Ein­satz­grund zu erwei­tern, hat sich Patrick Sen­s­burg, Prä­si­dent des Bun­des­wehr-Reser­vis­ten­ver­ban­des sowie CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter, ent­spre­chend geäu­ßert. Bezüg­lich der Ein­satz­fel­der für die Bun­des­wehr müs­se man “dis­ku­tie­ren”, was künf­tig unter “Siche­rung kri­ti­scher Infra­struk­tur durch die Streit­kräf­te” zu ver­ste­hen sei, for­der­te Sen­s­burg: “Bis­lang war damit das Was­ser­werk oder Elek­tri­zi­täts­werk gemeint.” Nun aber zei­ge sich, dass es dabei “auch um die Ver­sor­gung des Super­markts um die Ecke oder von Lkw-Fah­rern auf der Auto­bahn gehen kann”. Eine “Klar­stel­lung” sei “sinn­voll”...“
  • „Adbus­ting vor Lan­des­ver­tre­tung BaWü: „Wir kön­nen alles. Sogar Mili­tär­ein­satz.““ von Beson­de­res Amt für Ver­al­be­rung (BfV) am 30.März 2020 bei de.indymedia externer Link berich­tet: „… „Da die Regie­rung von BaWü gera­de dis­ku­tiert, den wun­der­vol­len Slo­gan zu ändern und außer­dem plant, als ers­tes Bun­des­land bewaff­ne­tes Mili­tär mit Poli­zei­auf­ga­ben auf die Stra­ßen zu schi­cken, dach­ten, wir wir machen mal einen Vor­schlag, der bei­des zusam­men denkt“ berich­tet Cora Maaßen, Sprecher*in des BfV. Dar­über hin­aus ist das Pos­ter mit erklä­ren­den Sät­zen, die schein­bar aus der Per­spek­ti­ve der Lan­des­re­gie­rung stam­men, ver­se­hen: „Wir wol­len als Ers­te wie­der bewaff­ne­tes Mili­tär im Inland ein­set­zen. Wir pla­nen mit dem Jäger­ba­tail­lon 292. Das unter­hielt einen Wehr­macht-Kult­raum und der Nazi-Ter­ro­rist Fran­co Albrecht dien­te dort. Was kann schon schief­ge­hen?“ „Was kann schon schief­ge­hen, wenn man 100 Jah­re nach dem Kapp-Putsch und 75 Jah­re nach dem Ende des Faschis­mus wie­der rech­te Mili­tärs, die nichts aus der Ver­gan­gen­heit gelernt haben, bewaff­net und uni­for­miert auf die Bevöl­ke­rung los lässt?“ fragt Cora ent­geis­tert. „Und doch berei­tet sich die Bun­des­wehr dar­auf vor, bis zum 3. April tau­sen­de bewaff­ne­te Mili­tärs mit hoheit­li­chen Auf­ga­ben gegen die Bevöl­ke­rung ein­zu­set­zen“. Für alten Leu­te ein­kau­fen statt Krieg spie­len. Das es anders gin­ge, zeigt die Bun­des­wehr z.B. in Wil­helms­ha­ven. Dort gehen die Mili­tärs für alte Leu­te ein­kau­fen. „Das ist der rich­ti­ge Weg“ sagt Cora. „Für einen guten Kata­stro­phen­schutz sind die Aus­ga­ben für Waf­fen ver­schwen­de­tes Geld. Wir soll­ten die Bun­des­wehr abschaf­fen. Statt jähr­lich 40 Mil­li­ar­den in Waf­fen und Kriegs­ge­rät zu inves­tie­ren, lie­ße sich mit dem Per­so­nal und dem Etat viel umset­zen, was Men­schen hilft, statt ihnen zu scha­den“…“
  • „Gesund­heit statt Krieg und Mili­tär im Innern – weg mit der Bun­des­wehr­wer­bung“ am 31. März 2020 bei de.indymedia externer Link berich­tet aus Villingen/​Schwenningen: „… Das der­zei­ti­ge “Kri­sen­ma­nage­ment” nut­zen die Regie­ren­den auch dazu den Ein­satz der Bun­des­wehr im Innern umfas­send zu Pro­ben. Die Bun­des­wehr fährt zu gleich eine PR-Kam­pa­gne und prä­sen­tiert sich als Ret­ter in der Not. Pas­send dazu hat die Bun­des­wehr gera­de eine neue Pla­kat­wer­bung gestar­tet. In Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen wur­den Anti­mi­li­ta­ris­tIn­nen dage­gen aktiv, eini­ge der Groß­pla­ka­te haben dar­un­ter gelit­ten. Ange­sichts der Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus wer­den der­zeit die Fol­gen eines zusam­men­ge­spar­ten, pri­va­ti­sier­ten und auf Pro­fi­te aus­ge­rich­te­ten Gesund­heits­sys­tem sicht­bar. Aus der bür­ger­li­chen Poli­tik ertönt in die­ser Situa­ti­on der Ruf nach Unter­stüt­zung durch die Bun­des­wehr. Amts­hil­fe leis­te­te die Trup­pe dann auch prompt und ver­teil­te Sup­pe und Heiß­ge­trän­ke an die Men­schen wel­che an der deutsch-pol­ni­schen Gren­ze stun­den­lang auf der Auto­bahn im Stau ste­hen muss­ten. Mitt­ler­wei­le wird jedoch der Ein­satz von Sol­da­ten zur Unter­stüt­zung der Poli­zei debat­tiert. Vom sama­ri­ter­haf­ten Dienst an der Sup­pen­kel­le zum Über­wa­chen von Aus­gangs­be­schrän­ken und Kon­takt­ver­bo­ten, ist es also nicht weit...“

Der Bei­trag Gegen einen Bun­des­wehr­ein­satz wegen „der Seu­che“: Weder in Baden-Würt­tem­berg noch anders­wo! erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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