[perspektive:] Polen: 430.000 auf der Straße gegen die „Hölle der Frauen“

Seitdem das Verfassungsgericht die Abtreibungsrechte von Schwangeren massiv einschränkte, gab es in Warschau keinen ruhigen Tag. Am Freitag nahmen mindestens 150.000 an den großen Demonstrationen in der Hauptstadt teil, in zahlreichen kleineren Städten gab es Proteste. Auch international solidarisieren sich Menschen mit dem Kampf für körperliche Selbstbestimmung in Polen und haben erste Erfolge.

1.074 der 1.110 offi­zi­ell durch­ge­führ­ten Abbrü­che in Polen führ­ten Mediziner:innen mit der Begrün­dung durch, dass die Föten Fehl­bil­dun­gen hat­ten. Unter die­sem Gesichts­punkt ließ der Staat siche­re Abtrei­bun­gen zu. Nun müs­sen Schwan­ge­re die Schwan­ger­schaft fort­set­zen, auch wenn sicher sind, dass sie ein totes Kind zur Welt brin­gen wer­den.

Bis­her fin­den in Polen jedes Jahr rund 200.000 „ille­ga­le“ Abbrü­che statt. Ille­gal bedeu­tet, dass Schwan­ge­re unsi­che­re Metho­den wie Klei­der­bü­gel oder Dro­gen benut­zen müs­sen, um eine Schwan­ger­schaft zu been­den. Sie set­zen sich damit erheb­li­chen gesund­heit­li­chen Risi­ken teils mit lebens­ge­fähr­li­chen Fol­gen aus.

Hef­ti­ge Pro­tes­te gegen fak­ti­sches Abtrei­bungs­ver­bot in Polen

Frauenstreik in 400 Städten

Am Mitt­woch rie­fen Aktivist:innen zum Stra­jk Kob­jet, zum Frau­en­streik, auf. Die­sem Auf­ruf folg­ten rund 400.000 Men­schen und demons­trier­ten in über 400 Städ­ten. Die Wut rich­tet sich gegen die regie­ren­de PiS-Par­tei im All­ge­mei­nen eben­so wie gegen Prä­si­dent Andrzej Duda. Auch des­we­gen haben rech­te Män­ner­grup­pen die Pro­tes­te in Bes­lau und Poz­nan ange­grif­fen, teils kam es zu blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen.

Die­ser hat­te am Frei­tag ein­len­ken müs­sen. Wenn ein Unge­bo­re­nes stirbt oder es kei­ne Chan­ce gibt, dass es Lebens zur Welt gibt, sol­len Schwan­ge­re eben­falls lega­len Zugang zu Abtrei­bun­gen haben. Das war das ein­zi­ge Zuge­ständ­nis, das er mach­te – die Wut der Demonstrant:innen ent­lud sich noch am sel­ben Tag.

Massenproteste am Freitag

Vor allem die Paro­le „To Jest Woj­na“, „Es ist Krieg!“, prägt die Pro­tes­te. Sie haben vor allem in Waschau, Gdańsk, Białys­tok, Poz­nan, Kraków, Wro­claw, Tor­un, Scze­scin, Myś­le­ni­ce, Gor­li­ce und Jasło statt­ge­fun­den.

In den vor­an­ge­gan­ge­nen 10 Tagen war die Poli­zei man­cher­orts mit Poli­zei­ge­walt gegen die Pro­tes­te vor­ge­gan­gen. In War­schau war die Zahl der Ver­haf­tun­gen mit 37 ver­hält­nis­mä­ßig nied­rig. Ins­be­son­de­re nahm die Poli­zei an die­sem Abend in War­schau Fuß­ball­fans fest, die die Pro­tes­te angrei­fen woll­ten.

Die Demons­tra­ti­on fand statt, obwohl in Polen Ver­samm­lun­gen von mehr als fünf Men­schen in der Öffent­lich­keit unter­sagt sind. Wie fast jeden Tag ver­such­ten Demonstrant:innen auch, sich einen Weg zu Jaros­law Kac­zyńskis Pri­vat­wohn­sitz zu ver­schaf­fen. Er gilt as wich­ti­ger Ent­schei­dungs­trä­ger in der PiS-Par­tei. Spä­ter ver­ur­teil­te er die Demonstrant:innen öffent­lich als „Kri­mi­nel­le“.

Internationale Solidarität

Mał­gorz­a­ta Manow­s­ka, die Prä­si­den­tin des Ver­fas­sungs­ge­richt, hat einen Wohn­sitz in Ber­lin. Ihr Ehe­mann arbei­tet im pol­ni­schen Kon­su­lat. Des­we­gen war die­ses Gebäu­de und die Haupt­stadt im All­ge­mei­nen schnell Schau­platz von Pro­tes­ten in Soli­da­ri­tät mit den kämp­fen­den Pol:innen gewor­den.

In der ver­gan­ge­nen Woche gab es erneut Pro­tes­te in inter­na­tio­na­ler Soli­da­ri­tät in vie­len deut­schen Städ­ten.

Der Bei­trag Polen: 430.000 auf der Stra­ße gegen die „Höl­le der Frau­en“ erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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