[perspektive:] Wirtschaftskrise: Zweiter Lockdown könnte 600.000 Jobs vernichten 

Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung wird der zweite Corona-Lockdown die deutsche Wirtschaft 19 Milliarden Euro kosten. Hart betroffen sind insbesondere Gastronomie, Hotels, Sport, Kultur und Unterhaltung. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga befürchtet das Aus für über 80.000 Betriebe in der Branche.

Der zwei­te Coro­na-Lock­down in die­sem Jahr (Link:) wird die Wirt­schafts­kri­se für zahl­rei­che Bran­chen erheb­lich ver­schär­fen. Dies ist das Ergeb­nis von Berech­nun­gen des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW), über die die „Welt am Sonn­tag“ berich­tet.

Logik der Coro­na-Beschlüs­se: malo­chen, shop­pen, beten

Die ein­mo­na­ti­gen Maß­nah­men wer­den die deut­sche Wirt­schaft dem­nach 19,3 Mil­li­ar­den Euro kos­ten. Am stärks­ten betrof­fen sei­en Hotels und Gas­tro­no­mie­be­trie­be mit Ein­bu­ßen von 5,8 Mil­li­ar­den Euro, was einem Ver­lust von 55 Pro­zent der übli­chen Wirt­schafts­leis­tung in einem Vier­tel­jahr ent­spre­che. Die zu erwar­ten­den Ver­lus­te für die Berei­che Sport, Kul­tur und Unter­hal­tung lie­gen dem DIW zufol­ge bei 2,1 Mil­li­ar­den Euro, die des Han­dels bei 1,3 Mil­li­ar­den und die der deut­schen Indus­trie bei 5,2 Mil­li­ar­den. Der Rest ent­fal­le größ­ten­teils auf Unter­neh­mens­dienst­leis­ter, Logis­tik­un­ter­neh­men und Kino­be­trei­ber. Das DIW geht davon aus, dass die Zahl der Beschäf­tig­ten im lau­fen­den vier­ten Quar­tal um knapp 100.000 sin­ken und die Zahl der Kurzarbeiter:innen bis Jah­res­en­de um 400.000 auf 3,2 Mil­lio­nen stei­gen wer­de.

Noch drastischere Jobverluste?

Das Insti­tut der Deut­schen Wirt­schaft (IW) in Köln sieht ange­sichts der Schlie­ßun­gen noch dras­ti­sche­re Ent­wick­lun­gen für den deut­schen Arbeits­markt her­auf­zie­hen. IW-Direk­tor Micha­el Hüt­her geht gegen­über der „Bild am Sonn­tag“ davon aus, dass wegen des Novem­ber-Lock­downs in die­sem Jahr 591.000 Men­schen ihren Job ver­lie­ren, und im nächs­ten Jahr noch ein­mal 15.000 Men­schen. Den Zah­len lie­ge die Annah­me zugrun­de, dass der Lock­down wie ange­kün­digt Ende Novem­ber zu Ende geht. In die­sem Sze­na­rio wer­de das deut­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt um einen zusätz­li­chen Pro­zent­punkt sin­ken. Dau­ert der Lock­down doch län­ger als bis Ende Novem­ber, könn­te das BIP um zwei zusätz­li­che Pro­zent­punk­te schrump­fen: „Dann kön­nen wir für nächs­tes Jahr mit 180.000 zusätz­li­chen Arbeits­lo­sen rech­nen.“.

Gastronomie mit dem Rücken zur Wand

Die Gas­tro­no­mie­bran­che steht exem­pla­risch für eine Viel­zahl von klei­nen und mitt­le­ren Betrie­ben, die durch die Lock­down-Maß­nah­men beson­ders hart getrof­fen wer­den – zumal vie­le von ihnen in den Som­mer­mo­na­ten teu­re Inves­ti­tio­nen getä­tigt haben, um Hygie­ne­vor­schrif­ten umzu­set­zen.

Zwi­schen März und August 2020 sind die Umsät­ze der Bran­che laut Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes real um 40,5 Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum gefal­len. Die Zahl der Beschäf­tig­ten sei um 17,6 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Am stärks­ten hier­von waren Knei­pen, Bars und Klubs betrof­fen, die am Aus­schank von Geträn­ken ver­die­nen und nicht wie man­che Restau­rants ihre Umsatz­ein­bu­ßen ein Stück weit durch Abhol­ser­vice abfe­dern konn­ten.

Der Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band Deho­ga fürch­tet für ein Drit­tel der 245.000 Betrie­be der Bran­che das Aus. Die Wirt­schafts­aus­kunf­tei Crif Bür­gel sieht aktu­ell mehr als 8300 Restau­rants, Gast­stät­ten, Imbis­se und Cafés in Deutsch­land insol­venz­ge­fähr­det. Dies ent­sprä­che 14,5 Pro­zent der Betrie­be, vor Coro­na sei­en es etwa 10 Pro­zent gewe­sen. Und es könn­te noch schlim­mer kom­men: „Im ers­ten Quar­tal 2021 könn­te jedes fünf­te Unter­neh­men aus der Gas­tro­no­mie insol­venz­ge­fähr­det sein“, so Crif-Bür­gel-Geschäfts­füh­rer Frank Schlein.

Der Bei­trag Wirt­schafts­kri­se: Zwei­ter Lock­down könn­te 600.000 Jobs ver­nich­ten  erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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