[labournet:] Die Farce ist trotz aller Repression im Vorfeld gescheitert: Am Referendum des Militär-Regimes in Algierien für seine neue undemokratische Verfassung beteiligen sich weniger Menschen als an den Protesten dagegen

Eine Demonstration in Algier am 26.2.2019 - nicht nur an den Freitagen wird gegen das "5. Mandat" für Bouteflika protestiert...„… Das Refe­ren­dum in Alge­ri­en über eine Reform der Ver­fas­sung ist von einem Groß­teil der Bür­ger boy­kot­tiert wor­den. Wie die Wahl­kom­mis­si­on mit­teil­te, betei­lig­ten sich nur knapp 24 Pro­zent der Berech­tig­ten. Die Pro­test­be­we­gung Hirak hat­te zu einem Boy­kott der Abstim­mung auf­ge­ru­fen. Hirak for­dert weit­rei­chen­de poli­ti­sche Refor­men und sieht die geplan­te Reform als nicht aus­rei­chend an. Der Aus­gang des Refe­ren­dums soll im Lau­fe des Tages bekannt­ge­ge­ben wer­den. Die Regie­rung hat­te gehofft, mit der Volks­ab­stim­mung die Pro­test­be­we­gung zu befrie­den. Die Demons­tra­tio­nen hat­ten zum Sturz des lang­jäh­ri­gen Prä­si­den­ten Bou­te­fli­ka geführt. Mit der Wahl des frü­he­ren Regie­rungs­chefs Teb­bou­ne zum neu­en Staats­chef ver­schärf­ten sich die Pro­tes­te wei­ter. Die geplan­ten Ver­fas­sungs­än­de­run­gen begren­zen die Amts­zeit des Prä­si­den­ten auf zwei Wahl­pe­ri­oden von jeweils fünf Jah­ren. Sie räu­men dem Staats­ober­haupt jedoch die Befug­nis ein, wich­ti­ge Spit­zen­pos­ten zu beset­zen…“ – aus der Mel­dung „Nur gerin­ge Betei­li­gung an Refe­ren­dum über Ver­fas­sung“ am 02. Novem­ber 2020 im Deutsch­land­funk externer Link über das Schei­tern der „Ope­ra­ti­on Gro­ße Schmin­ke“ des alge­ri­schen Mili­tär-Regimes. Sie­he dazu eine wei­te­re Mel­dung zum Cha­rak­ter die­ser „neu­en“ Ver­fas­sung, eine Samm­lung von Mel­dun­gen über Pro­tes­te gegen die Far­ce und einen Bericht als Bei­spiel der Repres­si­on im Vor­feld:

  • „Neue Ver­fas­sung, alte Ver­hält­nis­se?“ von Dun­ja Sada­qi am 01. Novem­ber 2020 bei tages​schau​.de externer Link zu den aktu­el­len Grün­den für das Refe­ren­dum – und sein Schei­tern: „… Aus­ge­rech­net am 1. Novem­ber lässt Alge­ri­ens Prä­si­dent Abdel­ma­jid Teb­bou­ne über die neue Ver­fas­sung abstim­men. Das Datum ist his­to­risch. Vor 66 Jah­ren begann der Unab­hän­gig­keits­krieg gegen die Kolo­ni­al­macht Frank­reich. Das Refe­ren­dum ist ein Wahl­ver­spre­chen von Ende 2019. Teb­bou­ne hat­te damals mehr Demo­kra­tie, Men­schen­rech­te und Rechts­staat­lich­keit ver­spro­chen und ein “neu­es Alge­ri­en” ange­kün­digt. Eine Visi­on, in der vie­le Men­schen in Alge­ri­en eher eine Zemen­tie­rung des Regimes sehen. Für Teb­bounes schärfs­te Kri­ti­ker jeden­falls ist der neue Ver­fas­sungs­ent­wurf alles ande­re als ein Zei­chen der Los­lö­sung vom alten Alge­ri­en. Die über­ar­bei­te­te Ver­fas­sung erwähnt mehr Rech­te und Frei­hei­ten (unter ande­rem für Pres­se und Frau­en), die die Mas­sen­be­we­gung Hirak gefor­dert hat­te: Ein Prä­si­dent darf maxi­mal zwei Amts­zei­ten von jeweils fünf Jah­ren aus­üben – aber er bleibt mäch­tig: Er ernennt wei­ter­hin den Pre­mier­mi­nis­ter, Regie­rungs­mit­glie­der, ein Drit­tel des Senats, Rich­ter und sogar die Ver­ant­wort­li­chen der Sicher­heits­or­ga­ne. Der Ver­fas­sungs­ent­wurf cha­rak­te­ri­sie­re ein auto­ri­tä­res Regime mit einem Prä­si­den­ten mit nahe­zu unein­ge­schränk­ten Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen, sagt His­to­ri­ker und Ver­fas­sungs­for­scher Mas­sen­sen Cher­bi von der Pari­ser Uni­ver­si­tät Pan­thé­on-Assas. Er warnt beson­ders vor der neu­en poli­tisch-legi­ti­mier­ten Rol­le der Armee. (…) In Zukunft ist dem­nach laut Ver­fas­sung­for­scher Cher­bi eine Inter­ven­ti­on der Armee ver­fas­sungs­kon­form. Und damit genau das Gegen­teil von dem, was die Pro­tes­te­be­we­gung Hirak gefor­dert hat­te: einen zivi­len und kei­nen mili­tä­ri­schen Staat. Der 60-jäh­ri­ge Kader Saji ist Hirak-Akti­vist aus der Hafen­stadt Beja­ia im Nord­os­ten Alge­ri­ens, in der Kaby­lei. His­to­risch ist die Regi­on eine Pro­test­hoch­burg. Er glaubt, der neue Ver­fas­sungs­ent­wurf ver­su­che, den Hirak zu begra­ben…“
  • Des affron­te­ments à Tizi-Ouz­ou en Kaby­lie lors d’une mar­che noc­turne ce soir ent­re la poli­ce et les mani­fes­t­ants qui récla­ment l’arrêt du réfé­ren­dum qui n’est qu’une far­ce et le départ des poli­ti­ques cor­rom­pus à la tête de l’Etatam 31. Okto­ber 2020 im Twit­ter-Kanal von Char­li externer Link berich­tet (chro­no­lo­gisch) von den Mas­sen­pro­tes­ten gegen die Refe­ren­dum-Far­ce im „Ber­ber-Gebiet“- das ja auch die größ­te der Hoch­bur­gen der Mas­sen­pro­tes­te der letz­ten Jah­re war. Indem Thread zahl­rei­che ein­zel­ne Mel­dun­gen, inklu­si­ve meh­re­rer Videobe­rich­te von Kon­fron­ta­tio­nen mit der Poli­zei
  • „Durch­griff gegen Oppo­si­ti­on“ von Sofi­an Phil­ip Naceur am 12. August 2020 in der jun­gen welt externer Link berich­te­te von – bei­spiel­haf­ten – Maß­nah­men des Regimes zur Siche­rung der Refe­ren­dum-Far­ce: „… Am Mon­tag ver­ur­teil­te das für sei­ne poli­tisch moti­vier­ten Urtei­le gegen Akti­vis­ten bekann­te Gericht Sidi M’Hamed in der Haupt­stadt Algier den pro­mi­nen­ten Jour­na­lis­ten Kha­led Dra­re­ni zu drei Jah­ren Gefäng­nis und einer Geld­stra­fe in Höhe von umge­rech­net 330 Euro. Die bei dem erst­in­stanz­li­chen Pro­zess eben­so auf der Ankla­ge­bank sit­zen­den Akti­vis­ten Samir Ben­lar­bi und Sli­ma­ne Hami­tou­che wur­den zu je zwei Jah­ren ver­ur­teilt, haben davon aber nur vier Mona­te abzu­sit­zen. Der Rest der Stra­fe für Ben­lar­bi und Hami­tou­che wur­de vom Gericht zu einer Bewäh­rung aus­ge­setzt. Alle drei Akti­vis­ten waren am 7. März in Algier bei einer Demons­tra­ti­on der Bür­ger­be­we­gung »Hirak« ver­haf­tet wor­den. Ben­lar­bi und Hami­tou­che kamen umge­hend in Unter­su­chungs­haft, doch wur­den Anfang Juli bis zum Gerichts­ter­min vor­läu­fig frei­ge­las­sen. Dra­re­ni hin­ge­gen war damals nur ver­hört, aber nicht inter­niert wor­den. Erst am 29. März erließ das Gericht einen Haft­be­fehl gegen den 40jährigen Grün­der und Chef­re­dak­teur der oppo­si­tio­nel­len Inter­net­zei­tung Cas­bah Tri­bu­ne. Seit­dem sitzt er im Gefäng­nis. Vor­ge­wor­fen wur­den ihm und den zwei wei­te­ren Ange­klag­ten »Anstif­tung zu einer unbe­waff­ne­ten Ver­samm­lung« und »Gefähr­dung der natio­na­len Ein­heit«. Der Rich­ter beschul­dig­te Dra­re­ni zudem, regie­rungs­kri­ti­sche Infor­ma­tio­nen in »sozia­len Netz­wer­ken« ver­brei­tet zu haben. Die­ser wies die Anschul­di­gun­gen zurück und teil­te mit, er habe nur sei­nen Job gemacht…“

Der Bei­trag Die Far­ce ist trotz aller Repres­si­on im Vor­feld geschei­tert: Am Refe­ren­dum des Mili­tär-Regimes in Algie­ri­en für sei­ne neue unde­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung betei­li­gen sich weni­ger Men­schen als an den Pro­tes­ten dage­gen erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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